[
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    "start": 20.62,
    "end": 24.37,
    "text": "Ganz herzlich willkommen zur einhundert- dreißigsten Folge von Selbstwort."
  },
  {
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    "end": 27.01,
    "text": "In diesem Podcast geht es um Suizid."
  },
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    "end": 34.13,
    "text": "Betroffene erzählen ihre Geschichten, von ihren Erfahrungen und allem, was mit ihrer jeweiligen Situation einhergeht."
  },
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    "text": "Mein Name ist Elisa Roth und ich selbst bin eine Betroffene."
  },
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    "text": "Meine Mutter hat sich im Jahr two-tausend-zwei das Leben genommen, da war ich siebenundzwanzig."
  },
  {
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    "end": 49.63,
    "text": "Da das Thema Suizid und das darüber reden immer noch ein Tabu ist, kam mir die Idee für diesen Podcast."
  },
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    "text": "Denn Betroffene wollen ja reden."
  },
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    "end": 53.81,
    "text": "Sie wollen ihre Geschichten erzählen."
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    "text": "Und das sollen sie."
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    "text": "Laut und deutlich und für alle hörbar."
  },
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    "text": "Bevor's nun mit dieser Folge losgeht, noch zwei Infos."
  },
  {
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    "end": 65.27,
    "text": "Ab sofort könnt ihr mein zweites Buch bestellen."
  },
  {
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    "end": 79.53,
    "text": "Das Buch erzählt fünfzehn Geschichten von Suizid- betroffenen Jugendlichen, die zu Schulzeiten einen gleichaltrigen Freund oder Freundin oder Mitschüler oder Mitschülerinnen verloren haben und die in ihrem Schock Trauma und Trauer."
  },
  {
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    "end": 84.53,
    "text": "die Sprach und Hilflosigkeit ihres Umfeldes oft in voller Härte zu spüren bekommen haben."
  },
  {
    "start": 85.61,
    "end": 88.55,
    "text": "Dieses Buch soll euch zeigen, ihr seid nicht allein."
  },
  {
    "start": 89.81,
    "end": 93.25,
    "text": "Die Bestellings für meine beiden Bücher findet ihr in der Folgenbeschreibung."
  },
  {
    "start": 94.289,
    "end": 102.229,
    "text": "Das Zweite ist, ihr könnt euch ab sofort für das dritte Selbstworttreffen am achtundzwanzigsten Februar, zwei-tausendzechsundzwanzig, anmelden."
  },
  {
    "start": 102.87,
    "end": 106.53,
    "text": "Es wird wie die letzten beiden Male wieder in Rösrad bei Köln stattfinden."
  },
  {
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    "end": 110.25,
    "text": "Alle Infos hierzu findet ihr auf meiner Webseite."
  },
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    "end": 115.449,
    "text": "www.selbstwort.com unter der Rubrik Treffen, zwei sechsundzwanzig."
  },
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    "end": 124.009,
    "text": "Heute habe ich einen ganz besonderen Gast, über den ich mich sehr freue, nämlich Walter Kohl."
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  {
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    "end": 132.73,
    "text": "Walter Kohl ist zweiundsechzig Jahre alt und hat zweitausendeins mit achtunddreißig seine Mutter Hannelore durch Suizid verloren."
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  {
    "start": 134.03,
    "end": 140.71,
    "text": "Bevor ihr aber dieses Gespräch hört, möchte ich alle Zuhörer ganz eindringlich bitten, vorab die Folge Null anzuhören."
  },
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    "end": 145.21,
    "text": "Denn darin gehe ich auf alle Gefahren, die dieser Podcast mit sich bringt, ein."
  },
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    "end": 147.99,
    "text": "Und nun hört ihr unser Gespräch."
  },
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    "end": 153.27,
    "text": "Guten Morgen, Herr Kohl."
  },
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    "end": 154.29,
    "text": "Ganz herzlich willkommen."
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    "end": 155.67,
    "text": "Ich freue mich sehr, dass Sie da sind."
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    "end": 156.81,
    "text": "Guten Morgen."
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    "text": "Für mich schließt sich tatsächlich ein kleiner Kreis."
  },
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    "start": 161.27,
    "end": 167.67,
    "text": "Das können Sie nicht wissen, aber unsere beiden Mütter sind aufgrund ihres Suizides für mich ganz eng miteinander verbunden."
  },
  {
    "start": 168.45,
    "end": 183.47,
    "text": "Denn... Wenn man das so salopp ausdrücken darf, liegen unsere beiden Mütter zusammen in einem und derselben Schublade, die von einem sehr idiotischen und wahnsinnig empathielosen Nachbarn mit dem Titel Große Unverschämtheit bezeichnet wurden."
  },
  {
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    "end": 186.29,
    "text": "Denn der hat mich gefragt, wie ist dann meine Mutter verstorben?"
  },
  {
    "start": 186.37,
    "end": 188.25,
    "text": "Und ich sagte ihm, sie hat sich das Leben genommen."
  },
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    "start": 188.29,
    "end": 192.53,
    "text": "Und dann hat er gesagt, das ist ja wohl eine große Unverschämtheit."
  },
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    "end": 194.71,
    "text": "Das sei ja genau wie Hannelore Kohl."
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    "start": 195.67,
    "end": 200.83,
    "text": "Und deswegen sind unsere beiden Mütter seit diesem Ausspruch unmittelbar für mich miteinander verbunden."
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    "end": 210.91,
    "text": "Und ich vermag mir nur im Ansatz vorzustellen, was Sie alles an völlig idiotischen Kommentaren und Bemerkungen in Ihrem Schmerz erleben mussten."
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    "end": 218.23,
    "text": "Da gibt es hier nicht einige Geschichten, aber wie immer im Leben gilt auch hier die Frage an einem selbst."
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    "text": "Wie gehe ich mit solchen Situationen und mit solchen Auswüchsen, nenne ich das jetzt mal, um?"
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    "text": "Ja, wie tun Sie das denn?"
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    "end": 233.45,
    "text": "Ich meine, es erschreckt einen ja immer wieder, also, dass man wirklich einen Suizid als Unverschämtheit ansehen kann."
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    "text": "Das war mir wirklich neu."
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    "text": "Und es überrascht mich immer wieder, was man da so zu hören bekommt."
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    "text": "Wie schaffen Sie das dann, mit solchen Dingen umzugehen?"
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    "text": "Ja, es geht ja nicht nur um solche Aussagen wie Unverschämtheit."
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    "end": 249.25,
    "text": "Ich kenne das jetzt auch aus meiner Arbeit und der Suizidprävention."
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    "end": 260.81,
    "text": "Ich bin ja da in verschiedenen Rollen tätig als Schirmherr von Franz in Frankfurt und auch bei der deutschen Depressionshilfe, Stiftung Depressionshilfe und Suizidprävention als Botschafter."
  },
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    "start": 261.329,
    "end": 272.49,
    "text": "und immer wieder werden ja Angehörige auch direkt indirekt, halb indirekt, denn ich das jetzt mal mitverantwortlich gemacht für Suizide."
  },
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    "start": 274.07,
    "end": 275.57,
    "text": "Das, finde ich, ist noch viel schlimmer."
  },
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    "end": 278.71,
    "text": "Und das zeigt zwei Dinge."
  },
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    "end": 290.109,
    "text": "Das zeigt ein großes Unwissen, Unverständnis auf der Seite des anderen und natürlich auch häufig die bewusste Lust, Menschen zu vernetzen."
  },
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    "end": 292.849,
    "text": "Denken Sie wirklich, dass das dahinter steht?"
  },
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    "end": 293.409,
    "text": "Naja, in Ihrem"
  },
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    "end": 293.65,
    "text": "Fall."
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    "end": 307.95,
    "text": "Das ist in meinem Fall mit Sicherheit der Fall gewesen, weil eben auch Menschen aufgrund der Tätigkeit meines Vaters sehr häufig ihre Gefühle, insbesondere ihre Frustrationen zur damaligen Zeit."
  },
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    "end": 312.909,
    "text": "Wir reden ja über den Kindern und der Familie ausgelassen haben."
  },
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    "end": 320.31,
    "text": "Das heißt in der Konsequenz, wie geht man mit dieser Form von Diskriminierung um?"
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    "start": 321.09,
    "end": 323.71,
    "text": "Oder Mobbing, denn das muss man ja beim Namen nennen."
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    "end": 325.69,
    "text": "Das ist es ja de facto."
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    "text": "Meine persönliche Einstellung ist, Mit solchen Leuten komme ich nicht ins Gespräch."
  },
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    "text": "Solche Leute lasse ich stehen."
  },
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    "end": 339.03,
    "text": "Solche Leute will ich bewusst ignorieren."
  },
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    "end": 348.549,
    "text": "Das fängt ja bei uns noch viel schlimmer an, in dem Sinne, dass wir als der Tod meiner Mutter dann öffentlich wurde nach wenigen Stunden."
  },
  {
    "start": 350.669,
    "end": 354.65,
    "text": "Über dreihundert Journalisten und viele Papparazzi vor der Haustür hatten."
  },
  {
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    "end": 357.45,
    "text": "Das heißt, man konnte ja nicht mal mehr ans Fenster gehen."
  },
  {
    "start": 358.169,
    "end": 368.89,
    "text": "Oder wenn man das Haus verlassen wollte, um zum Beispiel was zu erledigen, musste jemand einen fahren und ich lag dann auf der Rückbank unter einer Decke, damit ich nicht abfotografiert werde."
  },
  {
    "start": 370.469,
    "end": 384.049,
    "text": "Und ich glaube, wir als Zuhörer können uns das auch nur im Ansatz, oder eigentlich gar nicht vorstellen, denn Suizid war ja, ich meine, das ist, ist vierundzwanzig Jahre her, war ja doch noch mal was völlig anderes und noch viel tabu-behafteter und stiefmütterlicher behandelt, als es das heutzutage ist."
  },
  {
    "start": 384.37,
    "end": 384.909,
    "text": "Ja, natürlich."
  },
  {
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    "end": 401.51,
    "text": "Das Vierteljahrhundert macht zum Glück viel aus im Sinne, dass die öffentliche Wahrnehmung, aber auch der Umgang mit einem, ich nenne es jetzt mal extremen Tabu-Thema zu der Zeit, sich relativiert hat, aber es ist immer noch ein Tabuthema."
  },
  {
    "start": 402.31,
    "end": 412.21,
    "text": "Und das merke ich auch, weil es gibt ja ganz wenige Menschen, die öffentlich über Suizid, Suizidprävention sprechen und viele Leute mich auch anschauen."
  },
  {
    "start": 412.25,
    "end": 414.63,
    "text": "Das hätte ich aber jetzt von Ihnen nicht erwartet, Herr Kohn."
  },
  {
    "start": 415.969,
    "end": 417.51,
    "text": "Als würde man das jemandem ansehen können."
  },
  {
    "start": 417.89,
    "end": 417.93,
    "text": "Ja,"
  },
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    "end": 420.53,
    "text": "nach dem Motto, was habt ihr eigentlich von mir?"
  },
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    "end": 421.229,
    "text": "Aber ist ja auch egal."
  },
  {
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    "end": 424.409,
    "text": "Lassen Sie uns ein bisschen über Ihre Mutter sprechen."
  },
  {
    "start": 425.07,
    "end": 429.83,
    "text": "Ich verfahre immer so, dass ich meine Gesprächspartner bitte, uns den Verstorbenen ein bisschen vorzustellen."
  },
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    "text": "Also am besten chronologisch."
  },
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    "end": 436.169,
    "text": "Vor allem, was ja auch die Erkrankungsgeschichte angeht."
  },
  {
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    "end": 443.049,
    "text": "Ob Sie da irgendwie zu irgendeinem Zeitpunkt etwas wahrgenommen haben, ob Sie da irgendeinen Zeitpunkt vielleicht festmachen können."
  },
  {
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    "end": 445.45,
    "text": "Erzählen Sie uns ein bisschen von Ihrer Mutter."
  },
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    "end": 448.83,
    "text": "Ja, meine Mutter ist Jahrgang dreiunddreißig."
  },
  {
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    "end": 451.669,
    "text": "Und das ist deshalb wichtig, war sie über zwölf Jahre."
  },
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    "end": 453.31,
    "text": "am Ende des Krieges."
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  {
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    "end": 459.39,
    "text": "Sie hat eine furchtbare Fluchterfahrung mit ihrer Mutter, ohne ihren Vater."
  },
  {
    "start": 460.31,
    "end": 473.57,
    "text": "Sie kam aus Mitteldeutschland, südlich von Leipzig und ist in Anführungszeichen hier in der Nähe von Ludwigshafen in Mutterstadt angekommen."
  },
  {
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    "end": 474.109,
    "text": "Warum?"
  },
  {
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    "end": 476.849,
    "text": "Weil ihr Vater ursächlich aus Mutterstadt kommt."
  },
  {
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    "end": 480.59,
    "text": "Die Vorderpfalz ist ja ein landwirtschaftliches Gebieten."
  },
  {
    "start": 480.969,
    "end": 482.09,
    "text": "Garten, wenn man so will."
  },
  {
    "start": 482.37,
    "end": 483.43,
    "text": "Ein Garten Deutschlands."
  },
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    "start": 483.69,
    "end": 484.849,
    "text": "Tolle Bodenwärtszahlen."
  },
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    "end": 488.21,
    "text": "Super viel Anbau, Gemüse, Obst, Wein."
  },
  {
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    "end": 491.19,
    "text": "Und die Hoffnung war, hier gibt es was zu essen."
  },
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    "end": 496.63,
    "text": "Meine Mutter hat daraufhin viele Jahre letztlich Obdach losgelebt."
  },
  {
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    "end": 499.13,
    "text": "Also sie ist immer wieder bei Bekannten untergekommen."
  },
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    "end": 501.59,
    "text": "Schlief dann bei der Frau mit im Bett."
  },
  {
    "start": 501.989,
    "end": 506.51,
    "text": "Das hieß zum Beispiel auch, wenn meine Mutter schlief, hat man nicht gesehen, dass das Bett berührt war."
  },
  {
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    "end": 507.95,
    "text": "Bissen ihren Tod."
  },
  {
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    "end": 509.969,
    "text": "Sie war schwer unterernährt."
  },
  {
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    "end": 511.51,
    "text": "hatte Hunger-Ödeme."
  },
  {
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    "end": 517.19,
    "text": "Und auf der Flucht sind sie von den Russen überrollt worden, von der Roten Armee."
  },
  {
    "start": 518.09,
    "end": 523.65,
    "text": "Und ihr wurde ein Wirbel im Hals-Wirbelbereich zerschlagen."
  },
  {
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    "end": 529.45,
    "text": "Das heißt, ihr konnte ein Leben lang praktisch nichts an Gewicht heben."
  },
  {
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    "end": 531.11,
    "text": "Also nur wenige Kilo."
  },
  {
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    "end": 536.65,
    "text": "Sie war also schon als junge Frau, als Mädchen gesundheitlich schwer gezeichnet."
  },
  {
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    "text": "Ende der sechziger Jahre hatte sie eine Erkrankung und die wurde falsch behandelt."
  },
  {
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    "end": 547.29,
    "text": "Daraufhin ist eine Penicillinallergie entstanden."
  },
  {
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    "end": 557.23,
    "text": "Das ist ein Riesenproblem für sie gewesen, weil sie natürlich große Schwierigkeiten hatte, bei Krankheiten Antibiotika zu nehmen."
  },
  {
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    "end": 563.85,
    "text": "Da kam eine zweite Fehlbehandlung in den mittleren, späten neunziger Jahren."
  },
  {
    "start": 564.67,
    "end": 574.85,
    "text": "Und diese zweite Fehlbehandlung hat dazu geführt, dass sie schwer krank war, dass sie ihre komplette Haut verloren hatte und dass sie eine sogenannte Lichtallergie entwickelt hat."
  },
  {
    "start": 574.95,
    "end": 588.47,
    "text": "Das heißt, sie konnte am Ende, das waren Jahre, letztlich nur noch in abgedunkelten Räumen sein, also selbst das Licht einer schwachen Taschenlampe, also nehmen wir mal so ein Handy, eine Lampe, war zu viel für sie."
  },
  {
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    "end": 596.71,
    "text": "Es war also auch ein Leben, dass Ja, für sie eigentlich nur noch Schmerzenbelastung war."
  },
  {
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    "end": 601.65,
    "text": "Sie konnte zum Beispiel auch nicht an der Hochzeit meines Bruders teilnehmen, deswegen."
  },
  {
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    "end": 609.15,
    "text": "Dann kam die Parteispendenaffäre, die unsere Familie extremst belastet hat."
  },
  {
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    "end": 616.33,
    "text": "Ich zitiere jetzt hier die Tochter von Wolfgang Schäuble, die gesagt hat, lieber noch einmal Rollstuhl wie einmal Parteispendenaffäre."
  },
  {
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    "end": 629.97,
    "text": "Und diese Parteispendenaffäre hat sie abgewartet und hat dann am fünften Juli, two-tasend-eins, sich das Leben genommen und in meinem Kinderzimmer, in meinem Kinderbett."
  },
  {
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    "text": "Ach, was ist Ihre Erklärung dafür?"
  },
  {
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    "end": 638.75,
    "text": "Ich brauche diese Erklärung nicht und wenn, dann würde ich Sie sicherlich nicht öffentlich machen."
  },
  {
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    "text": "Ja."
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    "text": "Das geht auch niemandem was an."
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    "end": 655.31,
    "text": "Ich berichte nur die Fakten und dann eben auch die Frage, wie geht man als Kind, als Sohn mit einer solchen Ja, man muss schon sagen, langen Geschichte auch um."
  },
  {
    "start": 656.67,
    "end": 663.17,
    "text": "Was haben Sie in diesem Alter oder zu dieser Zeit über psychische Erkrankungen, Depressionen gewusst?"
  },
  {
    "start": 663.91,
    "end": 669.99,
    "text": "War Ihnen der tatsächlich psychische Zustand oder das Ausmaß des Zustands Ihrer Mutter, war Ihnen der bewusst?"
  },
  {
    "start": 671.41,
    "end": 675.43,
    "text": "Wir waren alle unter extremen Belastungen durch die Parteispendenaffäre."
  },
  {
    "start": 675.65,
    "end": 677.57,
    "text": "Das ging ja mehrere Jahre vorher."
  },
  {
    "start": 678.57,
    "end": 682.73,
    "text": "Und die Anfeindungen in der Öffentlichkeit waren extrem."
  },
  {
    "start": 683.81,
    "end": 702.79,
    "text": "Und ich betrachte diese Jahre, also Ende neun neunzig, ab dem Brandbrief von Frau Merkel in der FAZ bis, ja, ein Jahr nach dem Tod meiner Mutter, als meine absolut schlimmste und schmerzhafteste Lebensphase."
  },
  {
    "start": 703.69,
    "end": 724.99,
    "text": "Das heißt, wenn sie in einer extremsten Weise unter Druck sind, wenn ihr ihr ganzes Leben, also jetzt mal mich bezogen, auseinander fällt, wenn sie keine berufliche Zukunft mehr haben, wenn Personalvermittler in Sacha Kohl ein Superstudium, mehrsprachig, Auslandserfahrung, bitte bewerben sie sich nicht bei mir, ich möchte sie nicht ablehnen müssen."
  },
  {
    "start": 725.43,
    "end": 734.25,
    "text": "Mit ihnen kann ich mich nicht in der Öffentlichkeit zeigen, wenn ihre persönliche berufliche Karriere zerbricht, wenn ihre Ehe geschieden wird auch darüber."
  },
  {
    "start": 734.97,
    "end": 746.03,
    "text": "Dann sind sie nur sehr begrenzt in der Lage, sozusagen so wie wir jetzt, in Anführungszeichen bequem, auf dem Sessel sitzen, über so etwas nachzudenken."
  },
  {
    "start": 749.61,
    "end": 751.65,
    "text": "Wie sah denn der Austausch mit Ihrer Mutter aus?"
  },
  {
    "start": 751.75,
    "end": 753.35,
    "text": "Ich meine, Sie waren achtunddreißig."
  },
  {
    "start": 754.77,
    "end": 756.25,
    "text": "Hatten Sie täglich einen Kontakt zu ihr?"
  },
  {
    "start": 756.35,
    "end": 758.03,
    "text": "Gab es irgend einen Austausch?"
  },
  {
    "start": 758.21,
    "end": 758.29,
    "text": "Ja,"
  },
  {
    "start": 758.39,
    "end": 758.47,
    "text": "ja."
  },
  {
    "start": 759.43,
    "end": 760.77,
    "text": "Wir hatten sehr guten Kontakt."
  },
  {
    "start": 760.85,
    "end": 764.75,
    "text": "Aber meine Mutter war eine Preussin durch und durch."
  },
  {
    "start": 765.85,
    "end": 772.17,
    "text": "Und für sie war immer wichtig, dass sie, wie sie sich ausgedrückt hat, dem Regiment dient."
  },
  {
    "start": 775.23,
    "end": 779.35,
    "text": "Und sie hat sich ja bewusst versucht, nichts anmerken zu lassen."
  },
  {
    "start": 779.95,
    "end": 784.79,
    "text": "Und ihr Leitspruch war immer, aufgeben ist das Letzte, was ich mir erlauben kann."
  },
  {
    "start": 786.99,
    "end": 796.45,
    "text": "Das heißt, die Entscheidung zum Suizid war eine sehr einsame und war auch sehr sorgfältig geplant."
  },
  {
    "start": 797.01,
    "end": 799.69,
    "text": "Hat ja viele Abschiedsbriefe geschrieben, unter anderem an mich."
  },
  {
    "start": 801.89,
    "end": 805.77,
    "text": "Und sie wollte das mit niemandem teilen."
  },
  {
    "start": 805.83,
    "end": 807.89,
    "text": "Es hat auch niemand irgendwas gewusst."
  },
  {
    "start": 808.69,
    "end": 824.49,
    "text": "Und sie hat ja diesen Suizid vom Timing her an den Punkt gelegt, wo es sozusagen in Anführungszeichen wie der Berg aufging, wo die juristische Klärung der Parteispendenaffäre meines Vaters vor Gericht stattgefunden hatte."
  },
  {
    "start": 825.35,
    "end": 830.27,
    "text": "Und alle eigentlich dachten so hoffentlich ist jetzt das aller aller Schlimmste vorbei."
  },
  {
    "start": 833.39,
    "end": 839.47,
    "text": "Es war ihr ja vermutlich auch gar nicht möglich sich irgendeine Form der Unterstützung der psychologischen Unterstützung zu holen."
  },
  {
    "start": 839.53,
    "end": 840.35,
    "text": "oder hat sie das getan?"
  },
  {
    "start": 842.05,
    "end": 845.27,
    "text": "Sie hat Hilfe gehabt, darüber spreche ich nicht öffentlich."
  },
  {
    "start": 846.09,
    "end": 849.17,
    "text": "Und die entscheidende Frage ist ja eine ganz andere."
  },
  {
    "start": 849.91,
    "end": 852.65,
    "text": "Kann man Menschen vom Suizid abhalten?"
  },
  {
    "start": 852.81,
    "end": 856.51,
    "text": "Ich habe jetzt ja viele Jahre Erfahrung auch in meiner Funktion als Schirm her."
  },
  {
    "start": 857.17,
    "end": 858.73,
    "text": "und ich glaube nur sehr begrenzt."
  },
  {
    "start": 860.09,
    "end": 879.01,
    "text": "Und jetzt auf die Situation meiner Mutter bezogen, sie hat diese Entscheidung gefällt, diese Entscheidung habe und werde ich nicht kommentieren oder gar bewerten, sondern die entscheidende Frage für mich ist, wie gehe ich mit dieser Entscheidung um?"
  },
  {
    "start": 880.23,
    "end": 887.37,
    "text": "Und da gibt es eine Szene, Jahre nach ihrem Tod, ich gehe immer wieder auch an ihr Grab natürlich, in Ludwigshafen."
  },
  {
    "start": 888.09,
    "end": 895.65,
    "text": "Da ist eine kleine Steinbank, da kann man sich hinsetzen und dann gehen natürlich einem tausend Gedanken durch den Kopf."
  },
  {
    "start": 896.59,
    "end": 897.45,
    "text": "Hättest du was?"
  },
  {
    "start": 897.59,
    "end": 898.81,
    "text": "und so weiter und so fort."
  },
  {
    "start": 899.75,
    "end": 910.65,
    "text": "Und irgendwann kam dann diese kleine Stimme, nenne ich das jetzt mal in mir auf und die sagte, will deine Mutter, dass du unter ihrer Entscheidung leidest."
  },
  {
    "start": 911.69,
    "end": 912.69,
    "text": "Und was ist die Antwort?"
  },
  {
    "start": 915.09,
    "end": 915.59,
    "text": "Sprage sie."
  },
  {
    "start": 917.05,
    "end": 919.03,
    "text": "Ja, mit hundertprozentiger Sicherheit, nein."
  },
  {
    "start": 919.59,
    "end": 919.77,
    "text": "Gut."
  },
  {
    "start": 920.73,
    "end": 924.95,
    "text": "Will deine Mutter, dass du Walter dein Leben auf die Reihe kriegst."
  },
  {
    "start": 926.59,
    "end": 927.41,
    "text": "Mit großer Sicherheit,"
  },
  {
    "start": 928.29,
    "end": 928.33,
    "text": "ja."
  },
  {
    "start": 929.11,
    "end": 930.91,
    "text": "Dritte Frage, warum tust du es nicht?"
  },
  {
    "start": 932.25,
    "end": 940.19,
    "text": "Das ist ein Schlüsselmoment in meinem Leben, den ich auch teile in meinen Vorträgen, Veranstaltungen im Bereich Suizidprävention."
  },
  {
    "start": 940.91,
    "end": 948.63,
    "text": "jetzt mal auf angehörige Familienmitglieder, Hinterbliebenen, im weitesten Sinne des Wortes, gerichtet."
  },
  {
    "start": 949.53,
    "end": 953.33,
    "text": "Weil ich glaube, das ist die entscheidende Botschaft, die wir mitnehmen müssen aus einem Suizid."
  },
  {
    "start": 954.61,
    "end": 963.33,
    "text": "Also jetzt einem Suizid eines geliebten Menschen, der uns nahegeht, der uns emotional sozusagen betrifft und wirklich große Probleme bereitet."
  },
  {
    "start": 964.39,
    "end": 979.25,
    "text": "Und das Vermächtnis dieser Person ist sicherlich auch die Trauer, ich betone das Wort auch, Aber insbesondere meiner Meinung nach auch der Auftrag, dein Leben als Hinterbliebener, als Betroffener zu leben, zu gestalten."
  },
  {
    "start": 980.47,
    "end": 987.09,
    "text": "Und das ist ganz wichtig, auch mit Respekt und im Gedächtnis des Verstorbenen oder der Verstorbenen."
  },
  {
    "start": 988.95,
    "end": 989.03,
    "text": "Ja."
  },
  {
    "start": 989.65,
    "end": 994.75,
    "text": "Das sehe ich ganz genau so, bloß die Umsetzung dessen, ist ja irrsinnig schwer."
  },
  {
    "start": 995.45,
    "end": 1002.83,
    "text": "Denn so viele oder fast alle Suizid-Hinterbliebenen, die ich kenne, haben eben in allererster Linie tatsächlich mit dieser Schuldfrage wahnsinnig zu kämpfen."
  },
  {
    "start": 1004.19,
    "end": 1007.09,
    "text": "Haben sie das auch oder hatten sie das auch?"
  },
  {
    "start": 1009.49,
    "end": 1010.67,
    "text": "Ein Suizid passiert."
  },
  {
    "start": 1012.01,
    "end": 1015.25,
    "text": "Dann ist ja erst mal sehr viel Aktivität."
  },
  {
    "start": 1015.31,
    "end": 1019.81,
    "text": "Dann kommt die Staatsanwaltschaft, dann kommt die Polizei, dann gibt es eine Beerdigung."
  },
  {
    "start": 1021.15,
    "end": 1024.21,
    "text": "dann ist man ja ein Anführungszeichen abgelenkt."
  },
  {
    "start": 1025.47,
    "end": 1035.77,
    "text": "Das eigentliche Problem für mich entsteht danach, wenn die Lehre mit EE einsetzt, dieser Mensch fehlt."
  },
  {
    "start": 1036.73,
    "end": 1039.17,
    "text": "Wo dieser Mensch bisher war, ist nichts mehr."
  },
  {
    "start": 1040.21,
    "end": 1043.889,
    "text": "Und dann kommen natürlich diese ganzen Fragen, was hätte ich besser machen können."
  },
  {
    "start": 1045.15,
    "end": 1050.97,
    "text": "Tausend Erinnerungen kommen hoch, dieses Widerwort, dieser unnötige Streit, diese Rechtaberei."
  },
  {
    "start": 1052.37,
    "end": 1053.95,
    "text": "Sie können die Liste beliebig verlängern."
  },
  {
    "start": 1055.75,
    "end": 1065.91,
    "text": "Und dann ist natürlich auch, wenn von außen solche Erlebnisse kommen, so wie sie sie eben geschildert haben, das verschärft die Situation nur."
  },
  {
    "start": 1066.87,
    "end": 1070.63,
    "text": "Und jetzt kommt dieser Moment, wie löse ich das auf?"
  },
  {
    "start": 1071.49,
    "end": 1075.21,
    "text": "Und meine Lösung habe ich eben schon beschrieben, das sind die drei Fragen."
  },
  {
    "start": 1076.31,
    "end": 1092.57,
    "text": "Und dann muss ich als Mensch so stark sein wollen, dass das, sage ich ganz bewusst, dumme, törichte, gemeine oder auch bewusst verletzendwollende Geschwätz nicht relevant ist."
  },
  {
    "start": 1094.63,
    "end": 1095.91,
    "text": "Das ist hart, ich weiß."
  },
  {
    "start": 1097.01,
    "end": 1116.89,
    "text": "Und es hat auch keinen Sinn, mit Leuten darüber zu sprechen, weil Es ist nicht die Aufgabe des Hinterbliebenen oder meiner Aufgabe, hier irgendwas in die Welt zu tragen, es ist die primäre Aufgabe, mit sich selbst in einen neuen Einklang zu kommen mit dieser Situation."
  },
  {
    "start": 1117.71,
    "end": 1123.43,
    "text": "Und das kann man am besten, wenn man mit Menschen zusammenkommt, die dieses Schicksal teilen."
  },
  {
    "start": 1124.47,
    "end": 1129.81,
    "text": "Also in Selbsthilfegruppen, zum Beispiel bei uns jetzt hier in Frankfurt mit Franz."
  },
  {
    "start": 1130.33,
    "end": 1139.59,
    "text": "Das war für mich die beste Möglichkeit, diese Sache auch wirklich zu B und auch zu verarbeiten, weil ich muss mich vorbereiten."
  },
  {
    "start": 1139.67,
    "end": 1142.03,
    "text": "Ich spreche heute mit Ihnen, wir kennen uns nicht."
  },
  {
    "start": 1142.49,
    "end": 1148.09,
    "text": "Wir haben uns nur per Mail und Telefon ausgetauscht über ein sehr zentrales Thema."
  },
  {
    "start": 1148.69,
    "end": 1157.19,
    "text": "Das heißt, Ich brauche eine hohe Klarheit, um jetzt diesen Podcast zu machen und diese Klarheit und um diese Klarheit zu erreichen."
  },
  {
    "start": 1157.27,
    "end": 1175.59,
    "text": "wiederum muss ich letztlich Versöhnungsarbeit mit mir selbst, mit der Situation, mit meiner Mutter leisten, sodass ich auch noch in fünf oder in zehn Jahren, wenn dieser Podcast irgendwo auftauchen sollte, sagen kann, das war im Dezember, twenty-fünf, meine richtige reflektierte Meinung."
  },
  {
    "start": 1178.25,
    "end": 1184.39,
    "text": "Denken Sie aus Ihrer Erfahrung, dass Männer und Frauen als hinterbliebene Unterschiedlich damit umgehen?"
  },
  {
    "start": 1185.73,
    "end": 1188.27,
    "text": "Ich glaube nicht, dass es primär ein Geschlechtsthema ist."
  },
  {
    "start": 1188.33,
    "end": 1191.65,
    "text": "Ich glaube, es hat sehr viel mit der Persönlichkeit und dem Charakter zu tun."
  },
  {
    "start": 1192.49,
    "end": 1200.37,
    "text": "Und es hat natürlich auch sehr viel damit zu tun, in welcher Art und Weise man mit dem Suizid verbunden ist."
  },
  {
    "start": 1201.13,
    "end": 1204.89,
    "text": "Also ist man ein auslösender Faktor oder ist man ein rein empfangender?"
  },
  {
    "start": 1205.73,
    "end": 1207.31,
    "text": "Das sind ja nochmal große Unterschiede."
  },
  {
    "start": 1208.19,
    "end": 1212.65,
    "text": "Und ich glaube, da gibt es keine Generalisierung entlang der Geschlechterlinie."
  },
  {
    "start": 1213.41,
    "end": 1232.15,
    "text": "Ich glaube aber, dass es für alle gleich wichtig ist, sich mit einer emotionalen Ehrlichkeit im Spiegel anzuschauen und zu versuchen, diese Ehrlichkeit auch konsequent dann in einen inneren Versöhnungsprozess umzusetzen."
  },
  {
    "start": 1234.35,
    "end": 1235.79,
    "text": "Was hat das alles mit ihm gemacht?"
  },
  {
    "start": 1235.85,
    "end": 1238.35,
    "text": "Ich meine, sie waren schon in Anführungszeichen."
  },
  {
    "start": 1239.27,
    "end": 1241.71,
    "text": "Ich war schon in Anführungszeichen, siebenundzwanzig."
  },
  {
    "start": 1241.83,
    "end": 1250.69,
    "text": "Aber ich finde dennoch, wenn die Mutter, die eigene Mutter durch Suizid verstirbt, also bei mir zumindest, ist hinter, doch zurückgeblieben."
  },
  {
    "start": 1250.77,
    "end": 1258.71,
    "text": "dieses, ich weiß, dass das nicht stimmt, aber trotzdem kommt man sich doch sehr verlassen und im Stich gelassen vor."
  },
  {
    "start": 1258.95,
    "end": 1259.37,
    "text": "Bitte."
  },
  {
    "start": 1260.81,
    "end": 1263.81,
    "text": "Ja, natürlich, weil die Mutter ist ja der Ort aus dem man kommt."
  },
  {
    "start": 1264.25,
    "end": 1278.19,
    "text": "Ich meine, das ist eine ganz besondere Beziehung und ein natürlicher Tod ist natürlich immer noch sehr schmerzhaft, aber hat eine ganz andere Dimension wie eine suizidale Handlung, ist so ganz klar."
  },
  {
    "start": 1279.63,
    "end": 1289.41,
    "text": "Ja, aber warum fällt uns das immer so schwer, das nicht zu akzeptieren, dass derjenige, wenn man es mal ganz salopp formulieren darf, nicht bei klarem Verstand war?"
  },
  {
    "start": 1289.47,
    "end": 1292.05,
    "text": "Die waren eben psychisch erkrankt."
  },
  {
    "start": 1292.11,
    "end": 1297.05,
    "text": "Ich meine, bei ihrer Mutter kamen so unglaublich viele äußere Umstände eben noch oben drauf."
  },
  {
    "start": 1298.55,
    "end": 1304.67,
    "text": "wo einem das ja fast logisch erscheint, dass sie niemals ein freies, glückliches Leben hätte führen können."
  },
  {
    "start": 1304.71,
    "end": 1305.79,
    "text": "Meine Mutter genauso wenig."
  },
  {
    "start": 1306.33,
    "end": 1312.19,
    "text": "Aber trotzdem fällt einem das so schwer, das dann einfach zu akzeptieren."
  },
  {
    "start": 1312.37,
    "end": 1318.91,
    "text": "Also, da kann ich mich einschließen und alle Suizid betroffen, mit denen ich spreche, das fällt einem viel, viel schwerer."
  },
  {
    "start": 1318.95,
    "end": 1326.13,
    "text": "Das ist etwas völlig anderes, ist viel komplizierter als eben ein Tod durch Krebs, nach einer Krebserkrankung zum Beispiel."
  },
  {
    "start": 1326.77,
    "end": 1333.15,
    "text": "Dass das emotional viel herausfordernder ist, wie ein Anführungszeichen natürlicher Tod ist unbestritten."
  },
  {
    "start": 1333.75,
    "end": 1336.45,
    "text": "Nur wäre ich sehr vorsichtig mit der These."
  },
  {
    "start": 1337.25,
    "end": 1341.25,
    "text": "Alle Menschen, die Suizid begehen, sind psychisch krank."
  },
  {
    "start": 1341.43,
    "end": 1342.61,
    "text": "Ich halte das für falsch."
  },
  {
    "start": 1342.99,
    "end": 1344.13,
    "text": "Ich habe da eine andere Meinung."
  },
  {
    "start": 1345.41,
    "end": 1347.55,
    "text": "Ich glaube auch, dass das nicht das Kriterium ist."
  },
  {
    "start": 1349.33,
    "end": 1355.61,
    "text": "Also für mich war der wichtige Schritt, der Schritt der Nichtbeurteilung."
  },
  {
    "start": 1357.11,
    "end": 1362.91,
    "text": "zu sagen, sie hat diese Entscheidung gefällt und diese Entscheidung ist ihre Entscheidung."
  },
  {
    "start": 1363.25,
    "end": 1378.33,
    "text": "Ich belasse diese Entscheidung bei ihr und die Frage ist nicht, ich betone das Wort nicht hier, ob ich diese Entscheidung gut oder schlecht finde oder ob ich sie teile oder ob ich da irgendwelche mehr oder minder wichtigen Kommentare habe."
  },
  {
    "start": 1378.99,
    "end": 1384.21,
    "text": "Die Entscheidung, die meine, die Frage für mich ist ausschließlich, wie gehe ich damit um?"
  },
  {
    "start": 1387.71,
    "end": 1391.57,
    "text": "Ich glaube, die Wertungsfreiheit, wir sind ja, ist ein ganz wichtiger Punkt."
  },
  {
    "start": 1392.21,
    "end": 1395.59,
    "text": "Unser Zeitgeist sieht man ja auch in den sozialen Medien."
  },
  {
    "start": 1395.67,
    "end": 1397.29,
    "text": "Es wird ja alles bewertet."
  },
  {
    "start": 1398.39,
    "end": 1399.71,
    "text": "Mag ich, mag ich nicht."
  },
  {
    "start": 1399.81,
    "end": 1401.19,
    "text": "Daumen hoch, smiley."
  },
  {
    "start": 1404.31,
    "end": 1418.33,
    "text": "Wir pervertieren in vermeine Begriffe die Dimension Bewertung und die Unkonditionalität einer Liebe."
  },
  {
    "start": 1419.25,
    "end": 1428.69,
    "text": "Das ja Impudismus in Christentum auch alles hinterlegt, haben wir nur meiner Meinung nach ein Stück weit in dem allgemeinen Neues sozusagen verlernt."
  },
  {
    "start": 1429.17,
    "end": 1434.55,
    "text": "Diese Unbedingtheit, unconditional, das halte ich für wichtig."
  },
  {
    "start": 1435.13,
    "end": 1443.07,
    "text": "Und ich habe meine Mutter immer geliebt und ich liebe sie heute natürlich auch noch, aber in einer anderen Art und Weise, sie ist ja schließlich nicht mehr da."
  },
  {
    "start": 1444.05,
    "end": 1469.01,
    "text": "Und diese Liebe soll nicht hinterfragt werden, sondern sie soll sich konstruktiv fortsetzen können in dem, was ich tue und in dem, wo ich versuche, das, was jetzt sozusagen entstanden ist durch ihren Suizid, in eine positive Konstruktive, jetzt kommt das wichtigste Wort, sinnhafte Lebensführung weiterzuleiten."
  },
  {
    "start": 1469.91,
    "end": 1493.71,
    "text": "Und mein Nordstern an dieser Stelle ist die Logotherapie, sprich Viktor Frankl, ein, aus meiner Sicht, unfassbarer Mensch, der die Konzentrationslager überlebt hat, dessen Familie ermordet wurde und der über die Sinnzentrierung nicht nur seinen Frieden gefunden hat, sondern daraus auch noch was Gutes für zahllose andere Menschen gemacht hat."
  },
  {
    "start": 1494.31,
    "end": 1499.77,
    "text": "Und wenn ich Veranstaltung habe, dann sage ich immer, Leute, bitte, bitte, schaut euch mal den Viktor Frankl an."
  },
  {
    "start": 1500.79,
    "end": 1510.11,
    "text": "guckt mal nach in Wikipedia, wenn es nur sein muss, über Logotherapie und dieses Thema, die Logotherapie, diese Zentrierung auf den Sinn."
  },
  {
    "start": 1510.83,
    "end": 1516.69,
    "text": "Das war für mich die zentrale Tür, durch die ich in eine neue Freiheit gehen konnte."
  },
  {
    "start": 1516.87,
    "end": 1520.13,
    "text": "Und diese Tür möchte ich teilen, deshalb mache ich ja auch diesen Podcast."
  },
  {
    "start": 1520.85,
    "end": 1532.01,
    "text": "Und diese Tür betrachte ich als meinen Auftrag, der eben konkret die Erfahrung gemacht hat mit der eigenen Mutter und auch mit einem eigenen Suizidversuch."
  },
  {
    "start": 1533.35,
    "end": 1538.19,
    "text": "Ja, das wollte ich, das wäre jetzt meine Frage gewesen, die Sie sind ja eben in eine eben solche Krise gestürzt."
  },
  {
    "start": 1538.25,
    "end": 1545.25,
    "text": "Denken Sie, das wäre geschehen, wenn alles, was Ihre Mutter angeht, nicht passiert wäre."
  },
  {
    "start": 1545.31,
    "end": 1547.83,
    "text": "Denn man sagt ja tatsächlich, Suizid ist ansteckend."
  },
  {
    "start": 1547.87,
    "end": 1553.49,
    "text": "Und da wo ein Suizid geschehen ist, ist es sehr wahrscheinlich, dass noch ein weiterer passiert."
  },
  {
    "start": 1554.59,
    "end": 1558.45,
    "text": "Natürlich hat der Suizid ihrer Mutter da viel mit rein gespielt, aber..."
  },
  {
    "start": 1559.39,
    "end": 1563.69,
    "text": "Ja, der auslösende Faktor bei mir war sicherlich die Überforderung durch die Parteispendenaffäre."
  },
  {
    "start": 1564.07,
    "end": 1566.65,
    "text": "Das ist der große Faktor, dann meine Scheidung."
  },
  {
    "start": 1567.27,
    "end": 1578.17,
    "text": "Und dann dieses Bild meiner Mutter, die fast entspannt, schlafend, der hat sich ja vergiftet, in meinem Bett liegt, so nach dem Motto, so jetzt ist vorbei, jetzt ist Frieden."
  },
  {
    "start": 1579.25,
    "end": 1600.17,
    "text": "Und wenn sie in einer existenziellen Krise sind, über längere Zeit, in der sie auch von quasi allen Menschen, die sie kannten, mal bis auf ganz wenige Ausnahmen fallen gelassen werden, weil es eben nicht mehr opportun ist, mit jemandem wie ihnen gesehen oder assoziiert zu werden, dann ist die Versuchung schon da."
  },
  {
    "start": 1601.39,
    "end": 1609.07,
    "text": "Und diese Überforderung hat eben dann zu meinem Suizidversuch geführt, der offensichtlich gescheitert ist."
  },
  {
    "start": 1609.75,
    "end": 1611.53,
    "text": "Und dass ich jetzt näher drauf eingehe."
  },
  {
    "start": 1611.65,
    "end": 1613.15,
    "text": "Stichwort Wertersyndrom."
  },
  {
    "start": 1615.09,
    "end": 1622.43,
    "text": "Und der mich dann auch gezwungen hat, und das habe ich ja auch in meinem ersten Buch dargestellt, zu mich zu fragen, wer bin ich?"
  },
  {
    "start": 1622.57,
    "end": 1623.49,
    "text": "Wer bin ich nicht?"
  },
  {
    "start": 1623.71,
    "end": 1624.33,
    "text": "Wie bin ich?"
  },
  {
    "start": 1624.47,
    "end": 1625.37,
    "text": "Wie bin ich nicht?"
  },
  {
    "start": 1625.89,
    "end": 1634.29,
    "text": "Und damit auch eine komplette Neuausrichtung meines Lebens mit plus minus vierzig verlangt hat."
  },
  {
    "start": 1635.75,
    "end": 1638.93,
    "text": "Was hätte aber passieren müssen im Vorfeld, dass es gar nicht erst so weit kommt?"
  },
  {
    "start": 1639.63,
    "end": 1642.85,
    "text": "Das ist eine Frage, die meiner Meinung nach akademisch ist."
  },
  {
    "start": 1643.27,
    "end": 1646.05,
    "text": "Hätte, hätte, sinnlos, es ist passiert."
  },
  {
    "start": 1647.21,
    "end": 1647.65,
    "text": "Das stimmt."
  },
  {
    "start": 1647.75,
    "end": 1650.35,
    "text": "Aber wenn Sie jetzt mit dem heutigen Wissensstand zurückgucken."
  },
  {
    "start": 1651.13,
    "end": 1656.71,
    "text": "Also, Sie werden von mir da keine Antwort bekommen, weil das nicht mein Denken ist."
  },
  {
    "start": 1657.89,
    "end": 1666.45,
    "text": "Ich stelle mir nicht vor, oh, was wäre gewesen, wenn die Jahre, neun, neunzig, zweitausend, zweitausend, eins, zweitausend, zwei anders gewesen wären."
  },
  {
    "start": 1667.87,
    "end": 1672.23,
    "text": "Weil das Leben ist ja ein, auch ein Stück weit ein Roulette, ein Schicksal."
  },
  {
    "start": 1673.09,
    "end": 1674.89,
    "text": "Und da gebe ich Ihnen ein anderes Beispiel."
  },
  {
    "start": 1674.95,
    "end": 1675.89,
    "text": "Ich heiße Walter."
  },
  {
    "start": 1676.67,
    "end": 1679.99,
    "text": "Und ich heiße Walter nach dem älteren Bruder meines Vaters."
  },
  {
    "start": 1680.61,
    "end": 1689.63,
    "text": "Und dieser Walter Kohl ist Jahrgang neunzigundzwanzig und ist neunzentvierundvierzig als junger Mann, als Soldat."
  },
  {
    "start": 1690.21,
    "end": 1695.79,
    "text": "Noch im November, also sehr fünf, sechs Monate vor Kriegsende, an der Westfront gefallen."
  },
  {
    "start": 1696.91,
    "end": 1715.95,
    "text": "Und wenn ich dann in Haltern, das ist in Westfalen, oberhalb von Recklinghausen, am Grab meines Onkels stehe, den ich ja nie gesehen und kennengelernt habe, und da steht dann Walter Kohl, neunzehnzwanzig bis neunzehnvierzig auf diesem Soldatenfriedhof auf dem Grabstein, dann denke ich mir, Herr Gott, das könnte auch ich gewesen sein."
  },
  {
    "start": 1717.71,
    "end": 1720.81,
    "text": "ist ja in der gleichen Familie geboren, in der gleichen Stadt."
  },
  {
    "start": 1721.63,
    "end": 1726.25,
    "text": "Also sehen Sie, also deshalb ist diese Diskussion mit mir nicht zu führen."
  },
  {
    "start": 1727.43,
    "end": 1732.41,
    "text": "Wir müssen das Leben so annehmen, wie es uns gespielt wird."
  },
  {
    "start": 1733.21,
    "end": 1745.43,
    "text": "Und ich sage immer, wenn Leute sich beschweren, Gott, wir leben hier in einem freien Land, machen uns das Leben künstlich oft schwer, manchmal zur Hölle, stellt der Foto Cams aus Mariopol."
  },
  {
    "start": 1747.87,
    "end": 1753.49,
    "text": "wurde aus Aleppo, Augsburg statt Aleppo, München, Mannheim statt Mariupol."
  },
  {
    "start": 1755.41,
    "end": 1761.89,
    "text": "Und das ist meine Perspektive auf diese Dinge und deshalb gilt es für mich zu lernen."
  },
  {
    "start": 1762.51,
    "end": 1779.31,
    "text": "und was ich natürlich heute über psychische Krankheiten, über Suizidität und all diese Dinge auch die Möglichkeiten einzugreifen weiß, das wusste ich alles damals nicht, offensichtlich, weil Das kam ja wie ein Schlag aus nichts dieser Suizid meiner Mutter im Juli."
  },
  {
    "start": 1781.67,
    "end": 1783.15,
    "text": "Ja, das wollte ich ja auch noch fragen."
  },
  {
    "start": 1783.23,
    "end": 1789.15,
    "text": "Hat sie jemals etwas in der Richtung geäußert, oder war Ihnen das die Gefahr, in der Sie geschwebt haben?"
  },
  {
    "start": 1789.19,
    "end": 1794.21,
    "text": "Ganz offensichtlich, wenn Sie sagen, das war ja auch sehr detailliert und minutiös vorbereitet wie auch bei meiner Mutter."
  },
  {
    "start": 1794.61,
    "end": 1796.79,
    "text": "Sie waren sich der Gefahr eben gar nicht bewusst."
  },
  {
    "start": 1797.17,
    "end": 1797.51,
    "text": "Überhaupt"
  },
  {
    "start": 1798.31,
    "end": 1798.47,
    "text": "nicht."
  },
  {
    "start": 1798.63,
    "end": 1800.87,
    "text": "Sonst hätte ich ja auch was gemacht, was auch immer."
  },
  {
    "start": 1801.67,
    "end": 1806.83,
    "text": "Aber ... Ich höre zu der Fraktion Leute, die nicht weglaufen und weggucken."
  },
  {
    "start": 1807.85,
    "end": 1820.83,
    "text": "Aber ich weiß noch, ich habe um ziemlich genau Punkt zwölf Uhr den Anruf erhalten, dass meine Mutter tot ist und mir hat sie im ersten Moment den Boden oder den Füßen weggezogen."
  },
  {
    "start": 1820.89,
    "end": 1821.83,
    "text": "Ich war damals im Büro."
  },
  {
    "start": 1822.37,
    "end": 1834.01,
    "text": "Ich hatte nämlich um zwölf Uhr einen Termin und ich war auf dem Weg zu diesem Termin und dann lief meine Sekretärin lautrufen, den Gang hinter mir her, Herr Kohl, Herr Kohl, ganz wichtig, kommen Sie sofort ans Telefon."
  },
  {
    "start": 1834.63,
    "end": 1842.11,
    "text": "Da bin ich rumgedreht, muss also quasi auf den Glocken schlag, zwölf Uhr, dann die Nachricht bekommen haben."
  },
  {
    "start": 1843.95,
    "end": 1844.01,
    "text": "Ja."
  },
  {
    "start": 1845.87,
    "end": 1848.41,
    "text": "Und dann ist das Leben plötzlich ein ganz anderes und..."
  },
  {
    "start": 1849.25,
    "end": 1849.27,
    "text": "Ja."
  },
  {
    "start": 1850.75,
    "end": 1859.93,
    "text": "Und das ist ja genau die Herausforderung, dass wir immer wieder vor Umbrüchen, Shocks, Veränderungen stehen."
  },
  {
    "start": 1860.95,
    "end": 1864.83,
    "text": "Und dann steht der nur eine einzige Frage im Raum, wie gehen wir damit um?"
  },
  {
    "start": 1865.43,
    "end": 1865.47,
    "text": "Ja."
  },
  {
    "start": 1866.87,
    "end": 1868.33,
    "text": "Wenn nichts was hätte sein können."
  },
  {
    "start": 1870.31,
    "end": 1873.51,
    "text": "Aber was würden Sie jetzt jemandem raten, der in derselben Situation ist?"
  },
  {
    "start": 1873.57,
    "end": 1879.33,
    "text": "Also normalerweise stelle ich die Frage, was würdest du mit deinem heutigen Wissensstand rückblickend anders machen?"
  },
  {
    "start": 1879.39,
    "end": 1881.65,
    "text": "Aber die Frage mögen Sie ja nicht, habe ich gerade schon verstanden."
  },
  {
    "start": 1881.71,
    "end": 1882.05,
    "text": "Das ist nicht"
  },
  {
    "start": 1882.09,
    "end": 1882.53,
    "text": "um mögen."
  },
  {
    "start": 1882.65,
    "end": 1884.99,
    "text": "Diese Frage ist für mich nicht relevant."
  },
  {
    "start": 1885.05,
    "end": 1886.37,
    "text": "Das hat nichts mit mögen zu tun."
  },
  {
    "start": 1886.73,
    "end": 1886.77,
    "text": "Es"
  },
  {
    "start": 1886.83,
    "end": 1887.57,
    "text": "geht einfach darum."
  },
  {
    "start": 1887.63,
    "end": 1918.47,
    "text": "Ich stelle diese Frage immer, weil wahnsinnig viele Leute den Podcast hören, die eben ... bisher mit dem Thema Suizid noch nichts zu tun haben und die, die wir etwas lehren können, die wir jetzt auf Dinge aufmerksam machen können und die eben aus unseren Berichten entnehmen können, okay, wenn ich jetzt in einer vergleich, in eine vergleichbare Situation komme, was kann ich dann tun, was wir uns als Hinterblimene wünschten, getan, was wir getan hätten, aber was uns eben aufgrund von Unwissenheit einfach nicht möglich wäre."
  },
  {
    "start": 1918.93,
    "end": 1927.49,
    "text": "Das heißt, was raten Sie Menschen, die eben im Umfeld jemanden haben, der offensichtlich erkrankt oder schwer suizidal ist."
  },
  {
    "start": 1928.81,
    "end": 1951.27,
    "text": "Das Wichtigste ist Augen auf und gucken, ist diese Person in irgendeiner Weise jemand, der zeigt, ich komme mit diesem Leben nicht mehr klar und muss sie dieses Gefühl haben, ich müsste was tun?"
  },
  {
    "start": 1951.37,
    "end": 1955.05,
    "text": "und jetzt kommt der entscheidende Punkt, aber sie trauen sich vielleicht nicht."
  },
  {
    "start": 1955.81,
    "end": 1959.33,
    "text": "Und die erste Botschaft, die ich habe, ist, das ist kein Ratschlags."
  },
  {
    "start": 1959.41,
    "end": 1962.47,
    "text": "einfach an den Puls, sprechen Sie mit diesen Menschen."
  },
  {
    "start": 1963.13,
    "end": 1970.07,
    "text": "Sprechen Sie ganz offen mit ihm, sagen Sie, Hammer, ich beobachte dich, ich habe das Gefühl, das ist nicht in Ordnung mit dir."
  },
  {
    "start": 1970.29,
    "end": 1975.17,
    "text": "Du hast, wie auch immer, welche Signale ausgesendet."
  },
  {
    "start": 1975.73,
    "end": 1976.49,
    "text": "Wie geht es dir?"
  },
  {
    "start": 1978.67,
    "end": 1980.45,
    "text": "Ich bin für dich da, ich höre dir zu."
  },
  {
    "start": 1982.15,
    "end": 1982.97,
    "text": "Und Ihnen zuhören."
  },
  {
    "start": 1983.01,
    "end": 1986.05,
    "text": "dann auch die Frage, denkst du drüber nach, dir das Leben zu nehmen."
  },
  {
    "start": 1987.55,
    "end": 2000.45,
    "text": "Also erstmal passiv zuhören und dieser Person einen Raum des Vertrauens, der Gemeinschaft geben, in dem diese Person überhaupt sich äußern kann."
  },
  {
    "start": 2001.51,
    "end": 2005.27,
    "text": "Das klingt sehr wenig, ist aber extrem viel."
  },
  {
    "start": 2006.45,
    "end": 2007.25,
    "text": "Richtig."
  },
  {
    "start": 2008.07,
    "end": 2011.53,
    "text": "Und die zweite Sache ist, sie machen keine Fehler."
  },
  {
    "start": 2012.45,
    "end": 2015.93,
    "text": "In dem Moment, wo man einen Menschen anspricht, machen sie keine Fehler."
  },
  {
    "start": 2016.43,
    "end": 2020.65,
    "text": "Sie müssen keine Sorge haben, dass irgendwas Falsches passiert."
  },
  {
    "start": 2021.63,
    "end": 2030.29,
    "text": "Einfach mit gesundem Menschenverstand, ohne große Besserwisserei oder irgendwelche Ratschläge zuhören."
  },
  {
    "start": 2031.45,
    "end": 2035.85,
    "text": "Und aus diesem Zuhören dann ableiten, brauchst du Hilfe?"
  },
  {
    "start": 2036.77,
    "end": 2037.93,
    "text": "Kann ich dir helfen?"
  },
  {
    "start": 2038.67,
    "end": 2043.85,
    "text": "Um dann eben auch zu fragen, Wenn die Antwort hoffentlich kommt, ja, ich brauche Hilfe."
  },
  {
    "start": 2044.81,
    "end": 2046.19,
    "text": "Okay, was können wir tun?"
  },
  {
    "start": 2047.31,
    "end": 2051.15,
    "text": "Da können wir die Telefonseelsorge anrufen, wir können mit Ärzten sprechen."
  },
  {
    "start": 2051.77,
    "end": 2065.83,
    "text": "Hier im Raum Frankfurt ist beispielsweise Frankfurt der Netzwerk Suizidprävention, Franz, ein Ansprechpartner, wo ich jetzt ... Schirmherr bin, man kann sich an die deutsche Stiftung, der Depressionshilfen, Suizidprävention wenden."
  },
  {
    "start": 2066.35,
    "end": 2075.449,
    "text": "Also es gibt eine ganze Reihe von Anlaufstellen, die man nutzen kann, um auch, und das ist vielleicht ein ganz wichtiger Aspekt, aus der Sprachlosigkeit rauszukommen."
  },
  {
    "start": 2077.17,
    "end": 2091.81,
    "text": "Wenn Sie das tun, als Kollege, Ehepartner, Kind, Vater, Mutter, Freund, egal jetzt in welcher Rolle in der Beziehung sie zu dieser möglicherweise gefährlichen Person stehen, dann haben sie unheimlich viel getan."
  },
  {
    "start": 2092.77,
    "end": 2099.55,
    "text": "Und dann wird sich auch im Regelfall eine Dynamik entwickeln, die hoffentlich dann auch zu einer Lösung führt."
  },
  {
    "start": 2101.23,
    "end": 2101.71,
    "text": "Ganz genau."
  },
  {
    "start": 2102.25,
    "end": 2107.39,
    "text": "Und das ist das, was tatsächlich alle Betroffenen als Schlussbotschaft immer aussenden."
  },
  {
    "start": 2107.49,
    "end": 2114.35,
    "text": "Deswegen danke ich Ihnen von Herzen, Herr Kohl, dass Sie heute mit mir gesprochen haben und ich wünsche Ihnen Alles alles Liebe."
  },
  {
    "start": 2114.71,
    "end": 2115.17,
    "text": "Vielen Dank."
  },
  {
    "start": 2115.65,
    "end": 2142.87,
    "text": "Ich danke Ihnen für die Möglichkeit und ich danke Ihnen für Ihre Arbeit und Ihr Engagement, weil das ist extrem wichtig und wir sollten alle daran mitwirken, dass Suizidalität und Suizidprävention kein Tabu-Thema mehr ist, sondern einfach ein ganz normaler Teil unserer Gesellschaft und diesen Tabu-Abbau, den sollten wir in den Mittelpunkt stellen."
  },
  {
    "start": 2143.57,
    "end": 2144.01,
    "text": "Ganz genau."
  },
  {
    "start": 2144.19,
    "end": 2147.57,
    "text": "Und dafür haben wir heute wieder ein kleines Stückchen mehr gesorgt."
  },
  {
    "start": 2147.69,
    "end": 2148.83,
    "text": "Ich danke Ihnen sehr, Herr Kohl."
  },
  {
    "start": 2148.87,
    "end": 2149.43,
    "text": "Tschüss."
  },
  {
    "start": 2149.71,
    "end": 2150.35,
    "text": "Tschüss."
  },
  {
    "start": 2152.21,
    "end": 2155.81,
    "text": "Lieber Herr Kohl, vielen Dank für Ihre Offenheit und Ihr Vertrauen."
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    "text": "Gerade weil Ihr Name untrennbar mit deutscher Zeitgeschichte verbunden ist, ist es alles andere als selbstverständlich, in diesem Podcast zu sprechen."
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    "text": "Trotz eines Lebens im öffentlichen Schatten haben Sie heute sehr persönliche Erfahrungen geteilt, als Sohn als Betroffener und als Mensch."
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    "text": "Ihr Erzählen macht deutlich, dass Leid keine gesellschaftlichen Grenzen kennt und dass genau darin die Kraft ihrer heutigen Arbeit in der Suizidprävention liegt."
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    "text": "Danke für dieses wichtige Gespräch."
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    "text": "Wer auf dem Laufenden gehalten werden möchte, was diesen Podcast angeht, der findet ihn auf Instagram unter selbstwort unterstrich podcast und Facebook unter selbstfort."
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    "text": "Über eine positive Bewertung des Podcasts und ebenso der Bücher überall dort, wo es möglich ist, freue ich mich sehr."
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    "text": "Wenn du auch ein Betroffener oder ein Betroffener von Suizid bist und du deine Geschichte hier erzählen möchtest, dann melde dich gerne bei mir unter mailatselbstwort.com."
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    "text": "Ich danke euch sehr fürs Zuhören."
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    "text": "Ich wünsche euch alles Liebste, Beste und Schönste."
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    "text": "Passt gut auf euch auf und bleibt vor allem gesund."
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    "text": "Bis zum nächsten Mal."
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