[
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    "start": 20.7,
    "end": 24.72,
    "text": "Ganz herzlich Willkommen zur onehundertneunzwanzigsten Folge von Selbstwort."
  },
  {
    "start": 26.12,
    "end": 27.8,
    "text": "In diesem Podcast geht es um Suizid."
  },
  {
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    "end": 35.0,
    "text": "Betroffene erzählen ihre Geschichten, von ihren Erfahrungen und allem, was mit ihrer jeweiligen Situation einhergeht."
  },
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    "end": 39.7,
    "text": "Mein Name ist Elisa Roth und ich selbst bin eine Betroffene."
  },
  {
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    "end": 43.96,
    "text": "Meine Mutter hat sich zwei tausend zwei das Leben genommen, da war ich siebenundzwanzig."
  },
  {
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    "end": 51.18,
    "text": "Da das Thema Suizid und das darüber reden immer noch ein Tabu ist, kam mir die Idee für diesen Podcast."
  },
  {
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    "text": "Denn Betroffene wollen ja reden."
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    "text": "Sie wollen ihre Geschichten erzählen."
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    "text": "Und das sollen sie."
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    "end": 59.239,
    "text": "Laut und deutlich und für alle Hörber."
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    "end": 63.06,
    "text": "Bevor es nur mit dieser Folge losgeht, noch zwei Infos."
  },
  {
    "start": 63.58,
    "end": 65.92,
    "text": "Ab sofort könnt ihr mein zweites Buch bestellen."
  },
  {
    "start": 66.58,
    "end": 86.2,
    "text": "Das Buch erzählt fünfzehn Geschichten von Suizid betroffenen Jugendlichen, die zu Schulzeiten einen gleichaltrigen Freund oder Freundin oder Mitstühler oder Mitstühlerin verloren haben und die in ihrem Schock Trauma und Trauer, die Sprach und Hilflosigkeit ihres Umfeldes oft in voller Härte zu spüren bekommen haben."
  },
  {
    "start": 87.22,
    "end": 90.74,
    "text": "Dieses Buch soll euch zeigen, ihr seid nicht alleine."
  },
  {
    "start": 92.3,
    "end": 95.48,
    "text": "Die Bestellings für meine beiden Bücher findet ihr in der Folgenbeschreibung."
  },
  {
    "start": 96.32,
    "end": 104.259,
    "text": "Das Zweite ist, ihr könnt euch ab sofort für das dritte Selbstwort Treffen am achtundzwanzigsten Februar, zwei tausendzechsundzwanzig anmelden."
  },
  {
    "start": 105.3,
    "end": 109.2,
    "text": "Es wird wie die letzten beiden Male wieder in Rösrad bei Köln stattfinden."
  },
  {
    "start": 110.42,
    "end": 118.48,
    "text": "Alle Infos dazu findet ihr auf meiner Webseite www.selbstwort.com unter der Rubrik Treffen, zwei sechsundzwanzig."
  },
  {
    "start": 121.259,
    "end": 125.899,
    "text": "Heute lese ich Janetz Geschichte vor, die sie für den Podcast aufgeschrieben hat."
  },
  {
    "start": 126.619,
    "end": 132.42,
    "text": "Sie hat zwei tausendneun ihren Vater durch Suizid verloren, als sie selbst vierunddreißig Jahre alt war."
  },
  {
    "start": 137.44,
    "end": 144.8,
    "text": "Liebe Elisa, eigentlich wollte ich ja gerne persönlich mit dir eine Podcastfolge aufnehmen, weil ich es großartig finde, was du machst."
  },
  {
    "start": 145.44,
    "end": 158.66,
    "text": "Allerdings habe ich mich dann dagegen entschieden, da ein Teil meiner Familie noch nicht bereit ist, offen über das Erlebte zu sprechen und Bedenken hat, dass sich aus meiner Offenheit daraus Probleme ergeben, die nicht absehbar wären."
  },
  {
    "start": 159.58,
    "end": 170.1,
    "text": "Das respektiere ich natürlich, da jeder Mensch seine eigene Zeit und individuellen Wege benötigt, um das Unfassbare zu verstehen, zu verarbeiten und damit weiterzuleben."
  },
  {
    "start": 171.4,
    "end": 202.64,
    "text": "Daher schreibe ich dir heute diesen Brief, da es mir ein großes Anliegen ist, zur Enttabuisierung dieses so weit verbreiteten Themas beizutragen und anderen hinterbliebenen Mut und Zuversicht zu geben, dass man trotz dieses unfassbaren Ereignisses und des unendlichen Schmerzes wieder Freude und Leichtigkeit in seinem Leben finden und glücklich werden kann, auch wenn einem dies zunächst als absolut unmöglich erscheint und meist auch sehr lange dauert, da will ich nichts beschönigen."
  },
  {
    "start": 203.14,
    "end": 207.32,
    "text": "Aber es ist möglich und das möchte ich heute mit meiner Geschichte zeigen."
  },
  {
    "start": 208.88,
    "end": 218.42,
    "text": "Mein Vater wurde während des Zweiten Weltkrieges im damaligen Sudetenland als drittes Kind geboren und nach Ende des Krieges mit seiner Familie nach Deutschland vertrieben."
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  {
    "start": 219.32,
    "end": 226.56,
    "text": "Wie man sich sich hervorstellen kann, war sein Leben von vielen Entbehrungen und schlimmen Ereignissen in diesen Kriegswirren geprägt."
  },
  {
    "start": 227.68,
    "end": 230.74,
    "text": "Er machte in ganz jungen Jahren eine Ausbildung zum Schreiner."
  },
  {
    "start": 231.02,
    "end": 234.66,
    "text": "weit weg von zu Hause, was vermutlich auch nicht einfach für ihn war."
  },
  {
    "start": 235.8,
    "end": 239.98,
    "text": "Er heiratete sehr früh und wurde mit Mitte zwanzig Vater von zwei Kindern."
  },
  {
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    "end": 249.72,
    "text": "Die Ehe war unglücklich, er trennte sich und lernte dann meine Mutter kennen, die kurz vorher aus dem Ausland kam, um aus wirtschaftlichen Gründen in Deutschland zu arbeiten."
  },
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    "end": 261.959,
    "text": "Sie wurde kurz darauf schwanger, Das Kind wurde wohl aufgrund der generell sehr schwierigen Umstände sowie vermutlich auch wegen des strengen Glaubens der Familie meiner Mutter zur Adaption freigegeben."
  },
  {
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    "end": 266.52,
    "text": "Hier bedeutete ein uneheliches Kind damals eine große Sünde."
  },
  {
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    "end": 272.0,
    "text": "Er ließ sich von der damaligen Ehefrau scheiden und heiratete meine Mutter."
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  {
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    "end": 274.84,
    "text": "Sie bekamen dann mich und zwei weitere Kinder."
  },
  {
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    "end": 282.74,
    "text": "Meine Mutter versuchte, den Kontakt zu den beiden Kindern aus erster Ehe aufrecht zu erhalten, aber irgendwann brach dieser Kontakt wohl ab."
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    "text": "Die Lebensumstände waren immer schwierig für unsere Familie, geprägt von Arbeitslosigkeit, Geldsorgen, Alkoholproblemen."
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    "text": "Man sprach bei uns nie über irgendwelche Bewindlichkeiten oder gar Gefühle."
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    "text": "Jeder machte immer alles irgendwie mit sich aus."
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    "end": 308.8,
    "text": "Mein Vater war ein sehr sensibler, gutmütiger, ruhiger und unauffälliger Mensch, der niemals irgendwem etwas zu Leide getan hätte."
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    "end": 315.28,
    "text": "Ich kannte ihn aber schon immer als eher antriebslos und ohne jegliche Perspektiven für die Zukunft."
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    "text": "Mit dem Wissen von heute war er da vermutlich schon depressiv und wusste einfach nicht, wie er hätte etwas zum Besseren ändern können."
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    "text": "Meine Mutter war immer die starke Person, die das ganze Familiensystem am Laufen hielt und schaute, dass wir eine ordentliche Schul- und Berufsausbildung machten und feste Anstellungen hatten."
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    "text": "Ich selbst bin sehr früh aufgrund der vorher genannten Probleme und zusätzlicher sehr beschränkter Platzverhältnisse von zu Hause ausgezogen."
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    "text": "Mich zog es dann immer weiter weg."
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    "text": "Mit Anfang dreißig ging ich dann ins Ausland."
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    "text": "Ich habe hart gearbeitet, um mir ein gutes Leben aufzubauen, was ich trotz der widrigen Staatverhältnisse auch geschafft habe."
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    "text": "Schritt für Schritt."
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    "text": "Darauf bin ich sehr stolz."
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    "text": "Diesen Willen muss ich wohl von meiner Mutter geabt haben."
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    "text": "Ich besuchte meine Eltern regelmäßig und unterstützte sie weiterhin finanziell, so wie ich es von Anfang meiner Lehrzeit an machte, sonst wären sie nicht über die Runden gekommen."
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    "end": 391.06,
    "text": "Mir fiel an meinem Vater nichts Besonderes auf, außer, dass er einfach mit der Zeit noch ruhiger und antriebsloser wurde, aber ich schub dies auf sein Alter und den Umstand, dass er halt nun auch schon längere Zeit vorher arbeitslos war und auch leider keinerlei Hobbys oder Perspektiven hatte."
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    "text": "Meine Eltern waren am liebsten immer unter sich, es gab praktisch keinen bekannten Kreis."
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    "text": "Die Familie meiner Mutter war weit weg, es fehlte das Geld, das sie diese hätten besuchen können."
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    "text": "Es gab einige Verwandte in Deutschland, die man selten sah und die ihre eigenen Probleme hatten."
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    "text": "Meine Mutter war es generell immer sehr wichtig, dass das Bild nach außen stimmte, egal wie es wirklich war."
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    "text": "Keiner sollte etwas von den Problemen und Nöten mitbekommen."
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    "text": "Meine Mutter erwähnte niemals etwas über den mentalen Zustand meines Vaters."
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    "text": "Ich vermute, es war ihr auch überhaupt nicht bewusst bzw."
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    "text": "hat sie es, wie auch ich, nicht verstanden, was davor ihren Augen über viele Jahre vor sich ging."
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    "text": "Heute bin ich überzeugt, nach allem was ich gelesen, gehört und gelernt habe, dass mein Vater schon viele Jahre an einer chronischen Depression gelitten haben muss, was leider niemand bemerkte, da schlicht das Wissen fehlte und über so etwas sprach man ja zu der Zeit auch nicht."
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    "text": "Ich bin auch überzeugt, dass er sich einfach nur als Belastung für uns alle gesehen hat."
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    "text": "Leider erkrankte meine Mutter ernsthaft in dem Jahr, als mein Vater Suizid beging."
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    "text": "Ich glaube, er hatte unendliche Angst davor, ohne sie zurückbleiben zu müssen."
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    "text": "Ab da ging es zusehends back up mit ihm."
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    "text": "Er war noch mehr in sich gekehrt und achtete nicht mehr so sehr auf seine Körperhygiene, was ihm vorher immer wichtig war."
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    "text": "Als ich dann das letzte Weihnachten zu Hause war, hatte ich wieder einen besseren Eindruck von ihm."
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    "text": "Er wirkte wieder gepflegter, teilweise fröhlich."
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    "text": "Wir hatten eine schöne gemeinsame Zeit mit Eltern und den Geschwistern über die Feiertage."
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    "text": "Am Tag der Abreise nahm mich mein Vater beim Abschied sanft in die Arme, was er sonst nie von sich aus getan hatte."
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    "text": "Er wartete immer, bis ich auf ihn zuginge."
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    "text": "Legte mir eine Hand vorsichtig an meinen Kopf und sagte leise zu mir zum Abschied, mach's gut, Janett."
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    "text": "Ich hatte natürlich keine Ahnung, dass dies seinen Abschied für immer von mir sein sollte."
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    "text": "Er hatte einen seligen Gesichtsausdruck mit einem Lächeln auf den Lippen."
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    "text": "Das hatte ich so lange nicht mehr bei meinem Vater gesehen."
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    "text": "Er wirkte auf mich gelöst und zufrieden."
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    "text": "Ich fuhr wieder nach Hause und am nächsten Morgen bekam ich einen Anruf, der mein Leben in den Grundfesten erschütterte."
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    "text": "Meine Mutter sagte mir am anderen Ende der Leitung, die heute noch immer unfassbaren Worte, dass wir sofort wieder nach Hause kommen müssten."
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    "text": "Der Vater hätte sich zu Hause erhängt."
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    "text": "Der Boden tat sich auf."
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    "text": "absolute Fassungslosigkeit und Ohnmachtsgefühl."
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    "text": "Zum Glück war ich damals bereits mit meinem heutigen Lebenspartner zusammen, der mich auffing und mich sofort in meine alte Heimat fuhr."
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    "text": "Ich wäre wohl nicht in der Lage gewesen, diese lange Autofahrt selber sicher zu absolvieren."
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    "end": 578.04,
    "text": "Ich weiß nichts mehr von dieser mehrstündigen Autofahrt und kann mich auch nicht mehr genau erinnern, wie es war, als wir zu Hause ankamen."
  },
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    "text": "Ich weiß nur, dass mein Vater bereits abtransportiert worden war."
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    "end": 586.42,
    "text": "Ich weiß auch nicht mehr, wie lange wir dort blieben."
  },
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    "end": 588.66,
    "text": "Es müssen einige Tage gewesen sein."
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    "end": 593.02,
    "text": "Ich habe einfach funktioniert und geregelt, was geregelt werden musste."
  },
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    "end": 600.06,
    "text": "Nach der Beerdigung meines Vaters reiste ich wieder ab und versuchte, mein Leben irgendwie weiter zu leben."
  },
  {
    "start": 600.819,
    "end": 605.56,
    "text": "Bis ich überhaupt realisieren konnte, was geschehen war, dauerte es eine ganze Weile."
  },
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    "end": 617.219,
    "text": "Ich weiß, dass der menschliche Schutzmechanismus dafür verantwortlich ist, dass wir so viele Dinge einfach nicht mehr wissen, damit wir mit solch schlimmen Ereignissen irgendwie weiterleben können."
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    "text": "Der Wunsch meiner Mutter war, dass niemand erfahren dürfe, was wirklich passiert sei."
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    "text": "Es wurde stillschweigen darüber vereinbart, die offizielle Version über die Todesursache war ein Herzinfarkt."
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    "text": "Mein Vater hinterließ keinen Abschiedsbrief, meine Mutter sprach nie über dieses Thema, alles wurde totgeschwiegen."
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    "text": "Jeder versuchte irgendwie, damit umzugehen."
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    "text": "und weiterzumachen."
  },
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    "text": "Leider eralte uns der nächste schwere Schicksals schlag nur einige Monate später, als meine Mutter an kurzer schwerer Krankheit verstarb."
  },
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    "text": "Sie hat auch nach dem Tod meines Vaters niemals über ihre Gefühle oder das Geschehene gesprochen."
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    "text": "Zeigte nach außen absolute Stärke bis zum letzten Moment ihres Lebens."
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    "text": "Sie nahm sprichwörtlich alles mit sich ins Grab."
  },
  {
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    "end": 669.74,
    "text": "Meine Geschwister und ich begleiteten sie zu Hause in den Tod."
  },
  {
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    "end": 681.459,
    "text": "Auch dazu möchte ich gerne kurz sagen, wenn ihr so einen schweren Gang vor euch habt, bitte sucht euch unbedingt angemessene Unterstützung, falls ihr so etwas noch nie erlebt habt."
  },
  {
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    "end": 690.64,
    "text": "Ich hatte keine wirkliche Ahnung, was uns die letzten Tage vor ihrem Tod erwarten würde und brauchte lange, um es zu begreifen und verarbeiten zu können."
  },
  {
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    "end": 697.42,
    "text": "Ich hatte das große Glück, dass ich immer mit meinem Lebenspartner über meine Sorgen und Nöte sprechen konnte."
  },
  {
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    "end": 702.18,
    "text": "Ohne ihn hätte ich all das vermutlich nie so gut überstanden und verarbeitet."
  },
  {
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    "end": 719.42,
    "text": "Ich habe mich über die Jahre, der Tod meiner Eltern liegt schon über fünfzehn Jahre zurück, immer wieder in meinem Tempo mit all dem Geschehenden beschäftigt, darüber gesprochen, mir viel Wissen angeeignet und konnte so einen Weg finden, gut damit umzugehen."
  },
  {
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    "end": 727.979,
    "text": "Heute bin ich in Frieden mit allem, was geschah und kann ohne Probleme und ohne jegliche Scham und Schuldgefühle über all das sprechen."
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    "text": "Mit jedem Mal, dass man sich öffnet und darüber spricht, wird es ein klein bisschen weniger grauenvoll."
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    "text": "Zumindest habe ich dies so empfunden."
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  {
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    "text": "Was ich auch noch gerne erwähnen möchte, da es aus Unwissenheit meist völlig falsch eingeschätzt wird."
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    "text": "Mein Vater hat wohl gegenüber meiner Mutter und Verwandten einige Male erwähnt, dass er Schluss machen wolle."
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    "text": "Man hat ihn nicht ernst genommen, das als Blödsinn abgetan und uns Kindern wurde das damals natürlich niemals erzählt."
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    "text": "Erst im Nachhinein habe ich dies erfahren, als ich anfing, das Gespräch mit der Familie über das Geschehene zu suchen."
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    "text": "Ich sehe meine Aufgabe heute darin, das Schweigen zu brechen und bin überzeugt, dass ich so vielen Menschen in irgendeiner Weise weiterhelfen kann."
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    "text": "Auch die Geschichte des zur Adoption freigegebenen Bruders habe ich aufgearbeitet und diese fand ein Happy End."
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    "text": "Aber das ist eine andere Geschichte."
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    "text": "Es gibt ein Leben danach."
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    "text": "Das kann ich euch mit Sicherheit bestätigen."
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    "text": "Jedoch ist es viel Arbeit an sich selbst und meist ein langer Weg, aber es lohnt sich so sehr."
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    "text": "Elisa, du fragst in deinen Gesprächen auch immer, wie ein das Erlebnis verändert hat."
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    "text": "Ich hatte viele Jahre das Gefühl unendlicher Schwere, die belanglosen Smalltalks und für mich völlig unwichtigen Themen der Menschen um mich herum waren mir oft zu wieder und so zog ich mich sehr zurück."
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    "text": "Ich dachte, ich könnte nie mehr unbeschwert und glücklich werden, aber es war immer mein Ziel, dies wieder zu erreichen."
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    "text": "Heute bin ich stolz auf mich, dass ich alles so gut überwunden habe, darüber sprechen kann und wieder viel Freude in mein Leben lassen konnte."
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    "text": "Ich kann mit voller Überzeugung sagen, dass ich das Leben wieder genieße."
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    "text": "Ich möchte heute allen Hinterbliebenen Mut machen, dran zu bleiben und nicht aufzugeben, auch wenn es vielleicht lange Zeit auswegslos erscheint."
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    "text": "Die Leichtigkeit und Freude findet wieder einen Weg in euer Leben, wenn ihr nur die Türen wenigstens einen kleinen Spalt offen haltet."
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    "text": "Geht Schritt für Schritt vorwärts, in eurem Tempo, tut, was immer euch gut tut und irgendwie hilft und schafft euch positive Dinge und Ereignisse, die euch gute Energie geben."
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    "text": "Es zeugt von Stärke, sich zu öffnen und mitzuteilen und gibt den Menschen in unserem Umfeld auch den Mut, dies ebenfalls zu tun."
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    "text": "Jeder Mensch hat sein Päckchen mit sich zu tragen."
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    "text": "Geteiltes Leid ist halbes Leid, und da ist so viel Wahres dran."
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    "text": "Ich kann nur allen raten, von Anfang an offen mit diesen Dingen umzugehen."
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    "text": "Es kostet so viel unnötige Kraft, etwas aus falscher Scham oder Schuld zu verbergen."
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    "text": "Niemand hat Schuld."
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    "text": "Wir alle machen es immer so gut, wie wir zu jedem Zeitpunkt können."
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    "text": "Wenn es euch schwer fällt, nahen Angehörigen von euren Problemen und Gefühlen zu erzählen."
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    "text": "Es gibt heute zum Glück so viele Möglichkeiten und die Menschen sprechen immer mehr über diese Themen."
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    "text": "Man kann nur heilen, wenn man sich mitteilt und sich mit dem Erlebten auseinandersetzt."
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    "text": "Liebe Elisa, ich danke dir von Herzen für deine Arbeit, die so immens wichtig ist."
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    "text": "Dein Podcast hat mir nochmals sehr geholfen, obwohl ich schon viel für mich aufgearbeitet hatte und mich dazu bewogen, nochmals alles Revue passieren zu lassen, zusammen zu tragen, aufzuschreiben und mit deiner großen Hörerschaft zu teilen."
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    "end": 974.959,
    "text": "Bitte mach unbedingt weiter so, deine Plattform zur Selbsthilfe und Therapie gibt so wertvolle Unterstützung für alle Hinterbliebenen Angehörigen."
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    "start": 975.66,
    "end": 983.26,
    "text": "damit sie einen Weg und Frieden für sich damit finden, sowie erkrankten Menschen neue Wege der Unterstützung und Hilfe aufzeigen."
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    "start": 984.859,
    "end": 996.4,
    "text": "Ich sende liebe Grüße und wünsche euch allen ganz viel Kraft und Mut, euren Weg weiterzugehen, um Wiederleichtigkeit und Freude zu finden und euer Leben zu genießen."
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    "start": 997.479,
    "end": 997.839,
    "text": "Jeanette."
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    "text": "Das war Jeanettes Geschichte."
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    "text": "Liebe Jeanette."
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    "end": 1008.199,
    "text": "Danke, dass du den Mut gefunden hast, deine Geschichte aufzuschreiben und sie mit uns zu teilen."
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    "end": 1014.42,
    "text": "Danke für deine Offenheit, für deine Ehrlichkeit und für die Kraft, die in deinen Worten steckt."
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    "text": "Du hast vor fünfzehn Jahren deinen Vater verloren und trotzdem stehst du heute hier und reichst anderen die Hand."
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    "text": "Menschen, die selbst trauern."
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    "text": "Menschen, die kämpfen."
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    "text": "Menschen, die vielleicht gerade nicht glauben können, dass es wieder heller wird."
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    "text": "Deine Geschichte erinnert uns daran, dass Schmerz nicht das Ende ist."
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    "text": "Dass es sich lohnen kann, durchzuhalten, Hilfe anzunehmen, weiterzugehen."
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    "text": "Schritt für Schritt."
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    "text": "Und dass das Leben auch nach schweren Verlusten wieder leichter und lebenswert werden kann."
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    "text": "Danke für Dein Vertrauen, danke für Dein Mut und danke für dieses starke Zeichen der Hoffnung."
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    "text": "Wer auf dem Laufenden gehalten werden möchte, was diesen Podcast angeht, der findet ihn auf Instagram unter selbstfort unterstrich podcast und Facebook unter selbstfort."
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    "text": "Über eine positive Bewertung des Podcasts und ebenso der Bücher überall dort, wo es möglich ist, freue ich mich sehr."
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    "text": "Wenn du auch eine Betroffene oder ein Betroffener von Suizid bist und du deine Geschichte hier erzählen möchtest, dann melde dich gerne bei mir unter mailatselbstfort.com."
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