[
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    "start": 20.78,
    "end": 24.64,
    "text": "Ganz herzlich willkommen zur onehundertundzwanzigsten Folge von Selbstwort."
  },
  {
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    "end": 27.439,
    "text": "In diesem Podcast geht es um Suizid."
  },
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    "end": 34.44,
    "text": "Betroffene erzählen ihre Geschichten, von ihren Erfahrungen und allem, was mit ihrer jeweiligen Situation einhergeht."
  },
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    "end": 38.54,
    "text": "Mein Name ist Elisa Roth und ich selbst bin eine Betroffene."
  },
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    "end": 42.54,
    "text": "Meine Mutter hat sich zwei tausend zwei das Leben genommen, da war ich siebenundzwanzig."
  },
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    "end": 49.1,
    "text": "Da das Thema Suizid und das darüber reden immer noch ein Tabu ist, kam mir die Idee für diesen Podcast."
  },
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    "text": "Denn Betroffene wollen ja reden."
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    "end": 53.12,
    "text": "Sie wollen ihre Geschichten erzählen."
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    "text": "Und das sollen sie."
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    "text": "Laut, und deutlich, und vor allem hörbar."
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    "end": 61.239,
    "text": "Bevor es nur mit dieser Folge losgeht, noch zwei Infos."
  },
  {
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    "end": 64.5,
    "text": "Ab sofort könnt ihr mein zweites Buch bestellen."
  },
  {
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    "end": 84.36,
    "text": "Das Buch erzählt fünfzehn Geschichten von Suizid- betroffenen Jugendlichen, die zu Schulzeiten einen gleichalterigen Freund oder Freundin oder Mitschüler, Mitschülerin verloren haben und die in ihrem Schock Trauma und Trauer, die Sprach und Hilflosigkeit ihres Umfeldes oft in voller Härte zu spüren bekommen haben."
  },
  {
    "start": 85.24,
    "end": 88.24,
    "text": "Dieses Buch soll euch zeigen, ihr seid nicht allein."
  },
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    "start": 89.32,
    "end": 92.14,
    "text": "Den Bestell-Link dazu findet ihr in der Folgen-Beschreibung."
  },
  {
    "start": 93.04,
    "end": 100.56,
    "text": "Das Zweite ist, ihr könnt euch ab sofort für das dritte Selbstwort Treffen am achtundzwanzigsten Februar, zwei-tausendzechsundzwanzig, anmelden."
  },
  {
    "start": 101.68,
    "end": 105.42,
    "text": "Es wird wie die letzten beiden Male wieder in Rösrad bei Köln stattfinden."
  },
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    "start": 106.26,
    "end": 112.18,
    "text": "Alle Infos dazu findet ihr auf meiner Website www.selbstwort.com unter der Rubrik treffen."
  },
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    "end": 118.26,
    "text": "Vor kurzem habe ich folgende E-Mail erhalten."
  },
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    "end": 138.66,
    "text": "Letztes Jahr habe ich ein Buch über den Suizid meiner Mutter veröffentlicht."
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  {
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    "end": 143.92,
    "text": "Es heißt, eingelebt und ist im Bielefelder Kunstsinnverlag erschienen."
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  {
    "start": 144.88,
    "end": 162.02,
    "text": "Ich habe versucht, eine literarische Form als Mosaik aus Erzählung, geheimnisvoll unzuhänglichen Textstücken in einer eigenen Poesie und dokumentarischen Anteilen zu finden, die diese Suchbewegungen in der Familiengeschichte nach dem Tod meiner Mutter abbildet und irgendwie nachvollziehbar macht."
  },
  {
    "start": 163.18,
    "end": 169.08,
    "text": "In unserem Familienfall spielt, glaube ich, transgenerationale Traumatisierung eine wesentliche Rolle."
  },
  {
    "start": 169.46,
    "end": 176.74,
    "text": "Und ich merke, dass auch jetzt eine Tiefe nicht in mir begründete Angst vor der Öffentlichkeit deines Podcastes in mir aufsteigt."
  },
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    "end": 179.12,
    "text": "Bis hierher erstmal."
  },
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    "end": 181.16,
    "text": "Ich würde mich freuen, von dir zu hören."
  },
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    "end": 182.26,
    "text": "Viele Grüße,"
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    "end": 182.98,
    "text": "Anna."
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    "end": 191.22,
    "text": "Bevor ihr nun aber dieses Gespräch hört, möchte ich alle Zuhörer ganz eindringlich bitten, vorab die Folge Null anzuhören."
  },
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    "end": 195.96,
    "text": "Denn darin gehe ich auf alle Gefahren, die dieser Podcast mit sich bringt, ein."
  },
  {
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    "end": 199.6,
    "text": "Und nun hört ihr Annas und mein Gespräch."
  },
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    "text": "Guten Morgen, lieber Anna."
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    "text": "Herzlich willkommen."
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    "text": "Wie schön, dass du da bist."
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    "end": 212.62,
    "text": "Ja, hallo."
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    "end": 220.64,
    "text": "Wir haben in der Eingangs-E-Mail gehört, dass es genau wie bei mir in deinem Fall auch um deine Mutter geht."
  },
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    "end": 222.12,
    "text": "Bei dir ist es vierzehn Jahre her."
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    "end": 224.74,
    "text": "Du hast mir jetzt gerade verraten, dass du achtundvierzig Jahre alt bist."
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    "text": "Also du warst zu dem Zeitpunkt vierunddreißig."
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    "text": "Danke."
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    "end": 235.14,
    "text": "Lass uns anfangen, wie wir es immer tun, indem du uns am besten chronologisch von deiner Mutter erzählst."
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    "text": "Alles, was du weißt."
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    "text": "Genau, meine Mutter ist im Oktober, einundvierzig geboren worden in Stettin und damit eben also zu Kriegszeiten und damit also standen ihre ersten Lebensjahre auch eben unter diesen Vorzeichen."
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    "end": 263.18,
    "text": "Und sie musste mit ihrer Familie dann fliehen aus Stettin."
  },
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    "end": 266.06,
    "text": "Und das war eine Situation."
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    "end": 271.7,
    "text": "Ihr Vater war ein Angestellter in einem Bekleidungsunternehmen."
  },
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    "end": 286.119,
    "text": "Und die haben wohl tatsächlich dann auf der Landkarte so ein Zirkel aufgesetzt und haben eben gesagt, okay, wir müssen jetzt irgendwie so und so viel hundert Kilometer nach nach Westen gucken."
  },
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    "start": 286.539,
    "end": 306.0,
    "text": "und dann haben sie also mit dem Zirkel einen Kreis geschlagen und dann sind sie in einer Stadt im Harz rausgekommen und haben also wirklich da die Firma abgebaut und haben dann im Wesentlichen das dort schnell wieder alles aufgebaut und also sind dann mit der Firma da rüber gefüchtet."
  },
  {
    "start": 306.76,
    "end": 330.619,
    "text": "Und das Ding war aber eben, dass meine Mutter mit, also sie ist die ältere von zwei Kindern, mit ihrer Mutter in Stettin noch saß und die drei Personen, also die die Mutter mit ihren beiden Kindern, dann also die Flucht antreten musste, wie es so viele andere Menschen dann eben auch erlebt haben."
  },
  {
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    "end": 350.28,
    "text": "Und das war also Wie ich im Verlauf meiner Recherchen, die ich dann eben begonnen habe, nachdem meine Mutter sich das Leben genommen hatte, ja, also da bin ich dann irgendwie auf diese Dinge gestoßen."
  },
  {
    "start": 351.0,
    "end": 366.679,
    "text": "und war eben super überrascht, dass ich das verhältnismäßig spät erst gefunden habe, was also vielleicht so Erlebnisse waren, die mit dieser ersten Lebenszeit einfach verbunden sind."
  },
  {
    "start": 367.88,
    "end": 372.46,
    "text": "Genau, dann, also Sinn ist meine Mutter mit ihrem jüngeren Bruder."
  },
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    "start": 372.619,
    "end": 378.179,
    "text": "Also meine Mutter war zu dem Zeitpunkt dann eben entsprechend ja dreieinhalb, vier, irgendwie, ne?"
  },
  {
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    "end": 403.06,
    "text": "Und dann sind die also da im Harz in einer sehr malerischen Stadt aufgewachsen, der Vater ist in dem Unternehmen dann sehr schnell zur Geschäftsführung aufgestiegen, sodass die also wirklich schnell in einer sehr wohlstandsgeprägten Situation gelebt haben."
  },
  {
    "start": 405.08,
    "end": 426.76,
    "text": "Genau, der Vater ist aber ziemlich kriegsbeschädigt wiedergekommen, also nicht im Sinne einer körperlichen Versehrtheit, er war ein Kriegsgegner prinzipiell, aber jetzt also nichts mit aktiven Widerstand, sondern eher, also eher passives."
  },
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    "end": 428.679,
    "text": "Mein Gott, was ist das hier?"
  },
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    "end": 452.0,
    "text": "Er hat dann eben irgendwie militärisch gedient, aber hat das eben einfach so unpasioniert getan, dass er eben erstens auch nicht aufgestiegen ist zu irgendwelchen Rängen und dann aber auch dafür eben nicht so exponiert irgendwo gelandet ist."
  },
  {
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    "end": 474.159,
    "text": "glaube ich, dass er eben dieses Kriegstreiben als so eine Verneinung seiner humanistischen Überzeugung, wenn man ja nicht aus Stein ist, kann man das ja auch nicht anders erleben."
  },
  {
    "start": 475.28,
    "end": 495.28,
    "text": "Genau, also ich habe eben den Eindruck, dass dieser Opa massiv traumatisiert aus dem Krieg nach Hause gekommen ist, der ist also dann sehr gewalttätig gewesen, also ja, also passiv und aktiv aggressiv."
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    "end": 505.08,
    "text": "Ja, also der hat eben Also wahnsinnig streng und hochgradig verängstigt."
  },
  {
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    "end": 535.64,
    "text": "Also die haben dann in der Stadt da im Harz sich ein ganz, also das war dann Anfang der, also Ende der Fünfziger, Anfang der Sechzigerjahre, also an einem ganz privilegierten, schönen Ort, ein, also für die damalige Zeit ganz tolles, modernes eben so ein Anfang der Sechzigerjahre bungalowartiges Haus gebaut mit Pool und so, also echt ernst gemeinter Wohlstand."
  },
  {
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    "end": 549.36,
    "text": "Aber während also in der Nachbarschaft überall solche schönen Häuser empor sprossen, war mein Großvater noch dabei, ein Atomschutzbunker unter sein Haus zu bauen."
  },
  {
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    "end": 562.6,
    "text": "Er war massiv davon überzeugt, dass das jederzeit wiederkommen kann und dass man davor Sorge treffen muss."
  },
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    "end": 569.48,
    "text": "Er hat die Familie sehr drangsaliert mit."
  },
  {
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    "end": 591.34,
    "text": "Also er war einfach massiv alkoholabhängig, er war also koffeinabhängig und hat sich also irgendwie sehr, weiß nicht, was man vielleicht heutzutage eben, ist ja auch egal, wie man es nennen würde, der hat sich also schon ordentlich selbst auch hingerichtet irgendwie."
  },
  {
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    "end": 598.22,
    "text": "Das hat besonders eben der Bruder meiner Mutter zu spüren bekommen."
  },
  {
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    "end": 605.52,
    "text": "Also meine Mutter war, glaube ich, ein bisschen geschützt durch ihre Weiblichkeit letztendlich."
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  {
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    "end": 616.3,
    "text": "Also sie war eben die die Tochter, die er sehr beschützt hat und die er... Ja eben auch vielleicht ganz gut steuern konnte so."
  },
  {
    "start": 617.74,
    "end": 622.14,
    "text": "Und der Sohn, der genügte einfach seinen Ansprüchen nicht."
  },
  {
    "start": 622.38,
    "end": 647.84,
    "text": "Also eigentlich so ein bisschen vielleicht klassisches buddenbrocksches Phänomen, dass er also wie der Hanno-Buddenbrock eben überhaupt nicht in die in die geschäftstüchtige Familie passt, die eben gut wirtschaften kann, sondern eben ein träumerisch und irgendwie linkischer, ungeschickter Typ ist."
  },
  {
    "start": 650.0,
    "end": 653.84,
    "text": "Wenn du so einen Vater hast und du da spielst dich mit so einem Ausbruch da rechnen musst du bis zu jetzt"
  },
  {
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    "text": "kommen."
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    "end": 659.02,
    "text": "Du machst automatisch Fehler und ziehst dich zurück"
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    "end": 663.0,
    "text": "und suchst nach Ausbruchmöglichkeiten und so."
  },
  {
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    "end": 688.34,
    "text": "Genau, und da kommt dann also die Mutter meiner Mutter ins Spiel, die eben, also die erstens diese Flucht mit den Kindern ja alleine irgendwie überstanden hat und die dann eben im Verlauf der Zeit erstmal sich sehr geschickt, um die Finanzen gekümmert hat."
  },
  {
    "start": 688.54,
    "end": 693.54,
    "text": "Die hat also den Haushalt da geführt, im Sinne von den geltlichen Belangen eben auch."
  },
  {
    "start": 694.08,
    "end": 712.7,
    "text": "Und sie hat also die Gesundheit des Vaters gemanagt, also hat denen dann irgendwie regelmäßig versorgt mit irgendwelchen Maßnahmen wie Kuren, wie irgendwelchen Anwendungen, die irgendwie dazu beitragen, dass er überhaupt irgendwie stehen blieb."
  },
  {
    "start": 716.8,
    "end": 716.84,
    "text": "Ja,"
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  {
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    "text": "das muss also ganz bemerkenswert gewesen sein."
  },
  {
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    "end": 728.42,
    "text": "Meine Oma war irgendwie dann eine Frau, die in den fünftiger Jahren schon mit einem Moped eben durch diese Stadt da geknattert ist."
  },
  {
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    "end": 744.94,
    "text": "Also gut sichtbar war und gut vernetzt war und eben sich dann eben für ihre Kinder so engagiert hat, dass sie also gemerkt hat, die müssen aus dem Haus, weil eben das da mit diesem Ehemann überhaupt nicht funktioniert."
  },
  {
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    "end": 752.08,
    "text": "Der so gewalttätig war, dass das also die Kinder einfach in Gefahr gebracht hat, glaube ich."
  },
  {
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    "end": 755.78,
    "text": "Also so könnte man's deuten, das weiß ich natürlich nicht, ist meine Interpretation."
  },
  {
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    "end": 762.34,
    "text": "Und dann hat sie also dafür gesorgt, dass die Kinder frühstmöglich auf Internate kamen."
  },
  {
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    "end": 774.9,
    "text": "Und so hat es dann meine Mutter auf einen Waldorf-Internat in der Nähe von Pallaborn verschlagen und also beide Geschwister."
  },
  {
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    "end": 782.44,
    "text": "Das hat meine Mutter später also als die glücklichste Zeit ihres Lebens beschrieben."
  },
  {
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    "end": 785.36,
    "text": "Und das wäre also so fantastisch gewesen."
  },
  {
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    "end": 803.88,
    "text": "Sie hatten da wohl irgendwie einen ganz netten Hausvater, der sich also ganz warm herzlich um die anvertrauten Jugendlichen da gekümmert hat und hat da also eine offensichtlich sehr wunderbare Jugend."
  },
  {
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    "end": 813.34,
    "text": "Zeit verbracht mit, also auch verehrt werden von aspiranten, jungen Männer, die sich da um sie bemüht hat."
  },
  {
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    "end": 820.38,
    "text": "Und tatsächlich waren da zwei, die ihr sehr nahe standen, mit denen sie also auch ein Leben lang im Kontakt geblieben ist."
  },
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    "end": 828.96,
    "text": "Und genau, also das klingt erst mal nach einer sehr positiven Geschichte von so einem Internataufenthalt."
  },
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    "end": 843.88,
    "text": "Und eben auch ihr Bruder hat das positiv erlebt, der für den ist also diese Waldorfgemeinschaft dann auch ein Leben lang eine Institution geblieben."
  },
  {
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    "end": 863.9,
    "text": "Davon hat meine Mutter sich gelöst, also hat sie als Option irgendwie immer... Interessant gefunden, aber sie war jetzt nicht dann so eine durch und durch und schon gar nicht jetzt also Rudolf Steiner höhrige Waldorf Feder, sondern so nimmt das der."
  },
  {
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    "text": "ihr Bruder hat sich also sehr in dieser in diese Gemeinschaft gegeben und ja hat also im Prinzip auch sein Leben lang dort verbracht."
  },
  {
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    "text": "Ja und Genau, dann konnte man aber damals auf der Waldorf Schule noch kein Abitur machen."
  },
  {
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    "text": "Und das war also meiner Oma wiederum sehr wichtig, dass meine Mutter das Abitur macht."
  },
  {
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    "end": 906.26,
    "text": "Und dazu musste sie dann also diese Schule verlassen und ist dann wieder in den Harz zurück in einer benachbarten Stadt auf ein reguläres Gymnasium gegangen, um da das Abitur zu machen."
  },
  {
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    "end": 915.56,
    "text": "Und da also kriegte sie die Rückmeldung, dass das nicht reichen wird und dass das also sehr ambitioniert sei, meine Mutter da zum Abitur zu bringen."
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    "text": "Naja, in Gottes Namen, also soll sie ja Abitur machen, aber studieren soll die nun wirklich nicht, ne?"
  },
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    "text": "Also irgendwie gab es da, also, Widerstände."
  },
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    "text": "Ich weiß es jetzt nicht."
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    "end": 929.28,
    "text": "Ja, du"
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    "end": 930.24,
    "text": "musst dich ganz kurz unterbrechen."
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    "end": 931.34,
    "text": "Irgendwas klackert immer bei dir."
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    "end": 933.36,
    "text": "Ich weiß nicht, ob du dein Mikro irgendwo gegen..."
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    "text": "Ja, warte mal,"
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    "end": 935.76,
    "text": "ich höre es."
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    "text": "Das ist das Kabel."
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    "text": "Ich versuche das mal hier etwas ruhiger hinzulegen."
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    "text": "So."
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    "end": 947.54,
    "text": "Die leichten neurotische Erzählerin muss sich irgendwo daran festhalten."
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    "text": "Gut, ich versuche das mal zu unterlassen."
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    "end": 970.86,
    "text": "Sie hat dann wieder nicht zu Hause gelebt, sondern ist zu einer Familie gekommen, die über die Aufnahme so ähnlich wie ein Pflegekind Geld verdient haben."
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    "end": 975.24,
    "text": "Die Leute haben Geld dafür bekommen, dass sie meine Mutter haben bei sich wohnen lassen."
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    "text": "Aber wieso war das so, weil das zu weit weg war?"
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    "text": "Ja, irgendwie."
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    "text": "Oder ich weiß auch nicht, ob meine Oma wiederum dachte, Hauptsache, das Kind ist nicht hier zu Hause."
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    "text": "Und das... Also, genau, ich lass es einfach mal so stehen."
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    "text": "Also genau, vielleicht muss ich mich jetzt nicht in den Details verzetteln oder festlegen, die ich auch einfach nicht genug kenne."
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    "text": "Mein Vater kommt eben aus der gleichen Stadt, wo sie dann mit ihrer Familie gelebt hat und ist eben ganz anders sozialisiert."
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    "text": "Sein Vater kommt aus einer Bergarbeiterfamilie, was in der Stadt eben auch eine Tradition hat."
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    "text": "Und die waren eben also so ganz einfache Leute sozusagen."
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    "text": "Und genau, mein Großvater, väterlicherseits, war Soldat und war auch sehr überzeugter Soldat."
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    "text": "Ich glaube, wenn ich jetzt nicht den Impulsen unterliege, irgendwas zu beschönigen, war das natürlich ein strammer Nazi."
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    "text": "Er war also ein Techniker und hat also auch an der Entwicklung von Waffensystemen mitgearbeitet und so."
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    "text": "Ich glaube, das muss man einfach genau so beim Namen nennen, wie es war."
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    "text": "Und dementsprechend hat, ich weiß nicht, ob dementsprechend richtig ist, also meine Oma, väterlicherseits, war eben dann vielleicht auch eine ganz typische deutsche Mutti, die also eben zu Hause saß und in ihren, also durch eine arrangierte Heirat, die ihre Mutter mit der Mutter des avisierten Irrmanns dann abgekart hat, eben in die Situation gebracht worden ist, sie wollte Pianistin werden und das wurde sie natürlich nicht, sie wurde Ehefrau, Punkt."
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    "text": "Und genau, und dann war der Opa natürlich einfach ganz viel weg und war eben dann ja einfach auch im Kriegsdienst und also ist da in dieser entgrenzten Situation in der Welt unterwegs gewesen."
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    "text": "Und meine Oma hat zu Hause gesessen und gewartet."
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    "text": "Und wenn er dann kam, dann wurden eben Kinder gezeugt."
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    "text": "Und dann gab es also zwei Brüder."
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    "text": "Das ist also die Situation."
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    "text": "Mein Vater hat einen Bruder und meine Mutter hat einen Bruder."
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    "text": "Mein Vater ist der Jüngere und meine Mutter ist die Ältere der"
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    "text": "schlimm verprügelt wurde bei jeder Gelegenheit und da er eben auch ein renitenter Geist war, da also wirklich da eben die Fetzen geflogen sind."
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    "text": "Meine Oma dann in der Situation war zu versuchen, den kleineren irgendwie davor zu beschützen."
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    "text": "Das ist also die Familiengeschichte, die da immer erzählt wird, dass der, dass die Oma sich so vehement vor meinen Vater geworfen hat und den also versucht hat zu beschützen vor diesem tobenden, natürlich dann auch immer voll trunken nach Hause kommenden Ehemann, der dann der Opa war, als der Krieg zu Ende war, hat er dann erlebt, dann mussten die sich natürlich dann erstmal so einem Entnazifizierungsprozess unterziehen."
  },
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    "text": "Und da ist er eben, also er war vorher halt Offizier und ist natürlich eben all dieser Ränge und Privilegien, die diese Kriegszeit eben für ihn mitbrachte, behauptet worden in seiner Empfindung."
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    "text": "und musste dann eben als einfacher Hilfsarbeiter erst mal wieder neu anfangen."
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    "text": "Und das finde ich so interessant, weil ich eben merke, dass das in der Sozialisation meines Vaters halt eine unglaubliche Rolle spielt."
  },
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    "text": "Also diese Prägung, dass eben in den ersten Lebensjahren einfach Nazi-Diktatur und Krieg war und das es dann diesen Umschwung gab und der ein Herr ging mit dem Verlust der Privilegien."
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    "text": "Und dann irgendwie eine Form von Neuordnung, die aber lange eben leer und wahrgeblieb."
  },
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    "text": "Und eben also, bis der Opa dann wieder im Ordnungsamt der Stadt eine Nummer war, an der man nicht mehr vorbeikam, so, hat es halt irgendwie gedauert."
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    "text": "Und es gab eben genau eine, also eine deutliche Assoziation mit der Neue Zustand."
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    "text": "ist verbunden mit Verlust von Privilegien."
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    "end": 1358.32,
    "text": "Und das ist halt eben wirklich eine ganz andere Situation als diese humanistische Grundenttäuschung, die ich aus der eben bürgerlichen Familie meiner Mutter wahrnehme, die aus dem Krieg gekommen sind mit der Mensch ist schlecht."
  },
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    "text": "die vorher an den Aufstieg des Menschen zu einem höheren Wesen, das zu sozialem und geistiger Leistung in der Lage ist, so gedacht war und plötzlich, nein, der Mensch ist eine Tütungsmaschine, der nicht zeilig ist."
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    "text": "Also das merke ich eben, also wenn ich davon jetzt erzähle, dass das eben auch ein Moment ist, wo ich merke."
  },
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    "text": "Also damit verbinde ich mich unheimlich stark und da läuft es mir kalt den Rücken runter, weil ich dieses Entsetzen regelrecht nachspüre."
  },
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    "end": 1413.5,
    "text": "Und das ist eben auch wirklich etwas Wesentliches, also an meiner Geschichte vielleicht, wenn ich das vorwegnehmen darf, auch wenn ich eigentlich über meine Mutter erzählen soll."
  },
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    "end": 1436.5,
    "text": "Also diese Verwebung, diese Transgenerationale, dass ich den Eindruck habe, durch unsere Familie rasen sozusagen Erlebnisse verschiedener Generationen auf uns jetzt lebende Generationen ein."
  },
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    "text": "Und das war für mich eine ganz wesentliche Erkenntnis, erstmal zur Orientierung in meinem eigenen Gefühlshaushalt und eben auch ganz massiv dabei, als ich angefangen habe zu versuchen zu verstehen, was eigentlich mit meiner Mutter los ist."
  },
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    "text": "Ich könnte mir vorstellen, was dahingehend ja auch eine Riesenrolle spielt, sowohl bei deiner Mutter als aber auch bei deinem Vater, als aber dann auch demzufolge, bei dir ist dieses Schuldgefühl, weil ich meine, wenn ich mir vorstelle, man ist zwei Geschwister und nur, und man selber ist aber das Kind, was halt diesen Irrsinn, diesen Zorn und diese Wut und diese Aggressionen und diese Prügel und so weiter nicht abbekommen soll, nur das Geschwisterkind."
  },
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    "text": "Das muss einen doch... so mit Schuld behaften und belasten."
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    "text": "Das muss ja kaum aushaltbar sein, weil warum ist das so?"
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    "text": "Weil wenn es prügelnde Eltern sind, die alle Kinder gleichermaßen prügeln, okay, das ist natürlich eine Katastrophe, aber dann ist das nicht so spezialisiert irgendwie, warum denn nur das eine Kind?"
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    "text": "Und okay, in deinem Fall deines Vaters fragt man sich ja auch, warum hat die Oma dann nur sich vor deinem Vater so?"
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    "text": "gestellt, schützend."
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    "text": "Da kann ich mir vorstellen, dass das mit deiner Mutter und auch mit deinem Vater viel gemacht haben muss."
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    "text": "Es war Tatsächlich eben so, dass meine Mutterzeitlebens eine ganz starke Verantwortung für ihren jüngeren Bruder gefühlt hat."
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    "text": "Und das Ding war dann, dass der Bruder eben schnell irgendwie auffällig geworden ist, dass er also eindeutig hochintelligent war."
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    "text": "aber eben mit massiven Persönlichkeitsproblemen ausgestattet war."
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    "end": 1575.84,
    "text": "Und also man nannte das dann in den fünftiger, sechziger Jahren charmanterweise Juvenilen Irrsinn, was eben diagnostiziert wurde."
  },
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    "end": 1593.419,
    "text": "Und das bedeutete eben, dass er also schon in jungen Jahren irgendwie so psychotische Schübe hatte und ja einfach Also Zeitlebens da immer wieder große Probleme hatte."
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    "text": "Und das Gleiche in offensichtlich etwas moderaterer Form oder so hatte meine Mutter aber auch."
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    "end": 1635.659,
    "text": "Also das wurde eben deutlich, dass sie bereits in ihrer Jugend eben, also über ein ganz starkes Innenleben verfügte, was also bedingt eben im Verhältnis zur Außenwelt stand und dass sie also einfach auch eine Persönlichkeitsstörung hatte."
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    "text": "Das ist dann, also später irgendwie in den Achtzigerjahren gab es dann eben eine Situation, wo"
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    "text": "also, wo mir ein Gutachten vorliegt, da hat das dann jemand eben wie auch mal aufgeschrieben."
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    "text": "Also ein Arzt hat das irgendwie Diagnose."
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    "text": "Weil Juvenile Irrsinn, was ja da ist?"
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    "end": 1684.879,
    "text": "Also Sie, also dieser Arzt schrieb über meine Mutter dann, dass sie, Ja, irgendwie eine, warte mal, ich bin jetzt nicht so Fachfrau in diesen ganzen psychologischen Beschreibungen und ich müsste es jetzt tatsächlich noch mal nachlesen, um es korrekt zu sagen."
  },
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    "end": 1688.199,
    "text": "Aber es ging um eine dissoziative Persönlichkeitsstörung."
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    "text": "Ja, also und insofern"
  },
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    "end": 1696.04,
    "text": "ist es in eine Richtung zumindest."
  },
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    "end": 1702.28,
    "text": "Genau, also es war klar, dass diese beiden Kinder einfach einen gewaltigen Knacks hatten."
  },
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    "end": 1719.48,
    "text": "Und genau, meine Mutter hat das also irgendwie versucht zu kompensieren durch eben ein über-dolles Funktionieren."
  },
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    "text": "Und genau, jetzt können wir ja kurz noch die Geschichte erzählen, wie dann also meine Eltern zueinander fanden."
  },
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    "end": 1736.48,
    "text": "Also der Vater meiner Mutter hat eben sehr darauf geachtet, dass seine Tochter möglichst also keine Außenkontakte hat."
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    "text": "Und dann war es aber nun so, dass mein Vater als Praktikant in die Firma kam, meines Opers und leider seine Tochter zur gleichen Zeit da irgendwie auch ein Praktikum absolvierte."
  },
  {
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    "end": 1770.459,
    "text": "Und so nahm das Elend seinen Lauf, dass also dann irgendwie ein Tanzball organisiert wurde und also mein Vater, meine Mutter zum Tanze aufforderte und sie, also ihrer Mutter in die Arme sank und sagte, das ist mein zukünftiger Ehemann."
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    "text": "Wir sind angemessen anromantisiert und geben uns das ist aber schön."
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    "text": "Natürlich, spontan änderte sich... Stimmt gar nicht."
  },
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    "text": "Mein Vater war nicht Praktikant, sondern mein Vater war Auszubildender in der Firma."
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    "text": "Während er vorher Geschäftsführers Liebling war und das ist ein toller Mann der Junge, der ist ja ein guter."
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    "text": "Als ihm nun schwante, dass seine Tochter die Ambitionen entwickelte, wurde natürlich der junge Mann gleich einer etwas eingehenderen Prüfung und Erziehung."
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    "text": "Also, wie dem auch sei, die beiden kamen tatsächlich zusammen und heirateten dann auch."
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    "text": "Und dann war ziemlich schnell mein ältester Bruder unterwegs."
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    "text": "Und die Familie, also diese junge Familie ist dann nach Berlin gezogen."
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    "text": "Und das ist also auch ein Ort, der in unserer Familiengeschichte immer also eine große Rolle spielt, weil sie in Spandau auf dem Schlachthof gewohnt haben."
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  {
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    "end": 1844.02,
    "text": "Und also das war eben irgendwie dann eine Wohnung oder ein Zimmer, dass sie sich leisten konnten."
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    "text": "Und dann waren sie jetzt"
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    "end": 1846.139,
    "text": "noch."
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    "text": "Das war ein aktiver Schlachthof."
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    "text": "Ja, ja."
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  {
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    "end": 1852.459,
    "text": "Ja, ja, die wohnten auf dem Schlachthof."
  },
  {
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    "end": 1861.12,
    "text": "Nicht, nicht, nicht so wie heute, dass das irgendwie jetzt ein arriviertes, fahrendes, jegliche Gebäude ist, in dem man teuer in Lofts wohnt."
  },
  {
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    "text": "Nein, es war also ein schlimmes Zimmer, ein schlimmer, so war das."
  },
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    "text": "Genau, aber die beiden waren also prinzipiell sehr, sehr glücklich und hatten da eben wohl auch ein sehr gutes Verhältnis zu ihrer Wirtin."
  },
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    "end": 1883.439,
    "text": "Das hatte auch positive Aspekte, aber natürlich war die Umgebung irrsinnig."
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  {
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    "text": "Sie berichteten immer wieder von Kühen, die aus der Schlachthalle ausgebrochen sind und dann durch ihr Treppenhaus geholtert sind und die dann also den Kinderwagen meines Bruders umrissen und so."
  },
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    "end": 1909.76,
    "text": "Genau, wo sich bei uns heute wahrscheinlich allen das Herz im Leib umdreht und wir uns denken, wenn man an Karma glauben mag, dann ist das bestimmt kein toller Ort."
  },
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    "text": "Aber genau, das ist vielleicht ganz interessant, auch nochmal anzuschauen, dass das beobachte ich eben besonders an meinem Vater, dass er wirklich kein Gespür dafür hat, was also was gut und schlecht ist, weil also natürlich werden wir als Familie auch regelmäßig eben in deren Heimat statt irgendwie getrieben und müssen uns dann alles angucken und kriegen also Stadtführungen."
  },
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    "end": 1946.06,
    "text": "Und das war jetzt gerade von ein paar Jahren mal wieder soweit."
  },
  {
    "start": 1946.6,
    "end": 1956.76,
    "text": "Und dann ist mir das wirklich wie Schuppen von den Augen gefallen, dass ich gemerkt habe, mein Vater, da war sein Bruder auch mit."
  },
  {
    "start": 1957.34,
    "end": 1963.58,
    "text": "Er zeigte uns da die Stadt und hat uns also eine Horrorgeschichte nach der nächsten erzählt."
  },
  {
    "start": 1964.379,
    "end": 1978.34,
    "text": "Also wo immer er hindeutete und sei es ihre Schule, da hat er von gewalttätigen Lehrern erzählt, die natürlich alles Altnazis waren und eben genau mit diesen Methoden eben dann die Kinder drangsaliert haben."
  },
  {
    "start": 1979.24,
    "end": 1982.12,
    "text": "von gewalttätigen Mitmenschen gesprochen."
  },
  {
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    "end": 1991.12,
    "text": "Er hat von gewalttätigen Erfahrungen erzählt, wenn eben, also wenn dann irgendein Scheiß, den sie gemacht haben, aufgeflogen ist."
  },
  {
    "start": 1993.26,
    "end": 1998.8,
    "text": "Es war wirklich ein Parforsritt durch gewalttätige Erfahrungen."
  },
  {
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    "end": 2006.639,
    "text": "Und mein Vater steht da mit den strahlenden Augen eines Kindes und denkt, er erzählt von einer glücklichen Kindheit."
  },
  {
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    "end": 2016.12,
    "text": "Und wir stehen da mit unseren Kindern und gucken ihn an und können es gar nicht fassen, dass er nicht merkt, wie absonderlich das ist."
  },
  {
    "start": 2017.459,
    "end": 2025.04,
    "text": "Also diese Verwirrung über den emotionalen Gehalt einer Situation."
  },
  {
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    "end": 2026.02,
    "text": "Weißt du, was ich meine?"
  },
  {
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    "end": 2038.52,
    "text": "Das scheint mir ganz ganz charakteristisch zu sein, weil das eben seine Kindheitserinnerung ist, kann er sie gar nicht als grausam denken."
  },
  {
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    "end": 2052.08,
    "text": "Mein Vater ist dann immer sehr sperrig, wenn er merkt, dass wir diese Ausführungen ablehnen und sagen, Papa, wir wollen das nicht hören."
  },
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    "end": 2058.74,
    "text": "Und gerade nicht, wenn unsere Kinder jetzt dabei stehen, warum erzählst du so grausames Zeug?"
  },
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    "end": 2076.58,
    "text": "Und das kann ich mir, wenn ich es eben nicht so unmittelbar am Pelz habe, ganz gut auch von selbigem halten und sagen, ja, natürlich, er weiß es nicht anders."
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    "end": 2080.36,
    "text": "Aber Das ist ein Grundphänomen."
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    "text": "Dieser Mann hat kein Verhältnis zu emotionalen Werten, sozusagen, von Situationen, ne?"
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    "text": "Ja, selber."
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    "text": "jeden Fall"
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    "text": "Genau."
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    "end": 2093.94,
    "text": "Also, die sind beide einviertig."
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    "end": 2094.4,
    "text": "Er ist..."
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    "end": 2099.02,
    "text": "Weil mein Vater ist Jahrgang thirty-six und bei dem erlebe ich genau das Gleiche, der ist so traumatisiert."
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    "text": "Ich meine, er hat ja noch wirklich den Krieg mitbekommen, ne?"
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    "end": 2103.46,
    "text": "Dass die sich einfach abgespalten haben."
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    "text": "dass"
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    "end": 2105.74,
    "text": "die nichts zulassen."
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    "end": 2113.4,
    "text": "Und die müssen bei ihrem Empfinden und bei ihrer Geschichte und bei ihren verdrehten Wahrnehmungen bleiben, weil alles andere wäre zu unerträglich für sie."
  },
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    "start": 2113.5,
    "end": 2117.84,
    "text": "Also deswegen, ja, die völlig distanziert von allem irgendwie schrecklich."
  },
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    "end": 2119.32,
    "text": "Ja, genau."
  },
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    "end": 2131.02,
    "text": "Und ich glaube, bei dieser Generation meines Vaters, die das wirklich frühkindlich erlebt haben, ist es diese frühkindlich diffuse Weltvermischung."
  },
  {
    "start": 2133.18,
    "end": 2142.1,
    "text": "Dann glaube ich, dein Vater hat schon ein bisschen analytischer geordneter das wahrgenommen und eben für sich eingeordnet."
  },
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    "end": 2144.84,
    "text": "Und bei meinem Vater ist es total diffus."
  },
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    "start": 2145.0,
    "end": 2156.36,
    "text": "Deshalb sind seine aus Fälle auch so explosiv weil er also er haut unartikuliert um sich wo man wirklich denkt das ist jetzt nicht ein."
  },
  {
    "start": 2157.52,
    "end": 2170.54,
    "text": "Also das natürlich spricht da kein erwachsener Mann, sondern ich glaube dieses Diffuse, was eben passiert, wenn einem frühkindlich irgendwas durcheinander gerät, das kann man da also sehr gut bei der Arbeit beobachten."
  },
  {
    "start": 2170.58,
    "end": 2186.36,
    "text": "Also den ist einfach kein reflektierter Umgang damit möglich ist bei meinem Vater aber auch so, wenn du den auf irgendwas ansprichst, emotional ist, dann haut er auch so um sich, ach, du mit seinem emotionalen Quatsch, und da muss man ja erstmal den... Was, wie er das immer formuliert, den tatsächlichen Wissensstand abgleichen oder so."
  },
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    "text": "Also er will einem dann immer unterschieben, dass man selber halt einander war."
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    "text": "Also weißte, man ist zu emotional, man übertreibt, man, genau so wie dein Vater auch, ja, man ist einfach verweichlicht und das wird auf keinen Fall so sein, wie wir das jetzt reflektiert betrachten sollen."
  },
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    "text": "Das muss ja so sein, wie Sie es in Erinnerung haben und so."
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    "text": "Schwierig, ja."
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    "text": "Ja,"
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    "text": "genau."
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    "end": 2239.56,
    "text": "Und Also irgendwie was dann ganz interessant ist, dass meine Eltern, als sie dann eben also mit diesem kleinen Sohn da auf dem Schlachthof in den Berlin-Spandau hocken, also tatsächlich so eine Art Hybris erlebt haben müssen, dass sie also wirklich dachten, sie sind jetzt die neuen Übermenschen."
  },
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    "end": 2271.08,
    "text": "Das hat mich auch sehr berührt, diese Rückbesinnung irgendwie auf Themen, die da in der Nazi-Zeit so angelegt waren, dass das in meinen Eltern offensichtlich so angeschwungen ist, dass sie Also wirklich dachten, dass dieses persönliche Glück, was sie jetzt gerade erleben und diese, also meine Mutter hat über meinen Vater geredet wie über Mussolini."
  },
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    "text": "Also irgendwie über, also total verherrlicht und also das war, ist wirklich speziell."
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    "text": "Und also, dass sie jetzt mit diesem Mann dieses unfassbar entzückende Kind bekommen hat, das war also irgendwie Ausdruck von einer Art Übermenschlichkeit."
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    "text": "Kann ich nur so stehen lassen."
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    "text": "Ich glaube, so haben sie sich gefühlt."
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    "text": "Was war denn deine Mutter überhaupt für Mensch?"
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    "text": "Die Schwierigkeit ist, ich bin das letzte Kind in der Reihe."
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    "text": "Ich bin die Jüngste."
  },
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    "end": 2329.9,
    "text": "von fünf Kindern, wir sind also vier lebende Kinder und ein Kind ist verstorben."
  },
  {
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    "end": 2350.44,
    "text": "Und deshalb, also kenne ich natürlich nur einen relativ kleinen Ausschnitt meiner Mutter, also der Lebensspanne und deshalb Genau, es ist einfach so unfassbar viel vorher passiert, was sich eben also auf unser gemeinsames Leben ausgewirkt hat."
  },
  {
    "start": 2352.12,
    "end": 2367.7,
    "text": "Und also vielleicht darf ich kurz noch erzählen, also ich will versuchen mal ein bisschen zusammenzufassen, was vorher noch passiert ist, dann kann ich besser erzählen, was meine Mutter und mich miteinander verbindet."
  },
  {
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    "end": 2374.78,
    "text": "Also diese Familie da in Berlin, alles super."
  },
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    "end": 2398.88,
    "text": "Mein Vater kann sich also beruflich ganz gut entwickeln, der ist auch in der Bekleidungsindustrie und bekommt dann einen Ruf ins Ost-Westfälische, wo sich irgendwie eine Bekleidungs- Zusammenschluss irgendwie neu gegründet hat und er soll da irgendwie also eine gute Position einnehmen."
  },
  {
    "start": 2399.42,
    "end": 2429.16,
    "text": "und die ziehen also von Berlin nach Ostwestfalen und dann wird meine Mutter wieder schwanger und sie sind also unfassbar glücklich, als sie dann eine Tochter bekommen und denken also jetzt, also müssten sie eigentlich gleich die Himmelstecke durchstoßen, was ihre Superness angeht, weil also jetzt haben sie einen Jungen und ein Mädchen und also jetzt ist das ist das Familiensystem perfekt."
  },
  {
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    "end": 2435.42,
    "text": "Leider nicht, dass Kinder sie bekommen, es schwer mehrfach behindert."
  },
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    "text": "Und also meine Schwester ist, wenn ich es richtig verstanden habe, hat sie so was gehabt wie ein Wasserkopf, ohne dass der Kopf irgendwie groß wurde, aber irgendwie das Gehirn war kaum vorhanden."
  },
  {
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    "text": "Sie sah nach außen hin wie ein normales Baby aus, aber war einfach ganz, ganz schwer behindert."
  },
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    "end": 2471.26,
    "text": "Das brachte mit sich, dass sie also wahnsinnig geschrien hat und Krämpfe hatte und so was."
  },
  {
    "start": 2472.36,
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    "text": "Und damit also brach diese, also vom Übermenschen in die Hölle, sind die gefallen."
  },
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    "start": 2481.68,
    "end": 2516.44,
    "text": "Und meine Mutter hat also versucht, dass überzukompensieren und sie hat also geglaubt, dass sie dieses schwer mehrfach behinderte Kind durch Erziehung, durch Zuwendung heilen könnte und hat also alles irgendwie gemacht, was irgendwie möglich war und hat ist dabei natürlich, also ja wenn ich es jetzt umgangssprachlich sage, einfach völlig durchgedreht und ist also ja einfach absolut über ihre Grenzen gegangen."
  },
  {
    "start": 2516.68,
    "end": 2523.76,
    "text": "und natürlich gab es zu dem Zeitpunkt, was dann ja irgendwie Mitte der sechziger Jahre war, überhaupt keine Unterstützung."
  },
  {
    "start": 2524.5,
    "end": 2550.96,
    "text": "Sie wollten das Kind taufen lassen, die Kirchengemeinde hat das abgelehnt, mit den Worten das Kind stirbt doch sowieso und da sind also die müssen dann auch einfach gesellschaftlich Sachen erlebt haben, wo also die man sich aus unserer heutigen Sicht überhaupt nicht vorstellen kann, was für eine Gewalt da eben auch wieder und also eine Nichtbereitschaft zu helfen irgendwie vorhanden war."
  },
  {
    "start": 2552.08,
    "end": 2561.06,
    "text": "Ja, so und dann, also das war eine ganz und gar traumatische Zeit."
  },
  {
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    "end": 2567.18,
    "text": "Und dieses Kind, meine Schwester, ist dann, glaube ich, so ungefähr anderthalb geworden."
  },
  {
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    "end": 2572.72,
    "text": "Diese anderthalb Jahre haben meine Mutter völlig hingerichtet."
  },
  {
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    "end": 2590.56,
    "text": "Das hat eben all ihre Selbstzweife, die sie eben als junge Frau schon hatte und ihre Abgekapseltheit von der Welt irgendwie ganz und gar explodieren lassen."
  },
  {
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    "end": 2608.14,
    "text": "Danach war sie der Überzeugung, so wie sie vorher die Handlangerin zum Übermenschen war, war sie jetzt eben die absolute Versagerin."
  },
  {
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    "end": 2618.28,
    "text": "Wenn ich versuche, mich da reinzufühlen, wird es mir unfassbar klamm."
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  {
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    "text": "Ich kann nur erahnen, was das irgendwie für sie bedeutet."
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    "text": "Und genau, davon hat sie sich also nie wieder erholt."
  },
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    "end": 2639.78,
    "text": "Dann ist sie wenige Jahre später."
  },
  {
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    "end": 2682.46,
    "text": "Genau, kam noch ein ereignesschweres Jahr, mein Vater hat einen tödlichen Autounfall verursacht und das fiel zusammen mit einem, na weiß ich nicht, also dann wurde sie wieder schwanger und bekam Zwillinge und also konnte, also hat dann wahrscheinlich sowas was man heute eine Post oder postnatale Depression nennen wollte, also konnte sich überhaupt nicht um die beiden Jungs kümmern, die dann geboren wurden."
  },
  {
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    "end": 2694.36,
    "text": "Und man mag sich eben nebenbei einfach vorstellen, was das für meinen ältesten Bruder bedeutet hat, der eben also drei Jahre lang der absolut gefeiertes Da dieser Familie war."
  },
  {
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    "end": 2709.84,
    "text": "Dann diese Situation mit meiner Schwester und meine, also meine, also wie er zu sah, wie meine Mutter von einen Tag auf den anderen mehr oder weniger für ihn überhaupt nicht mehr zugänglich war und eben das Familienleben."
  },
  {
    "start": 2710.8,
    "end": 2711.9,
    "text": "komplett zum Erliegen kam."
  },
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    "end": 2723.82,
    "text": "und dann so und dann kriegte er diese anderen beiden Brüder dann war die Familie noch mal umgezogen in der Zwischenzeit und da gab es dann irgendwie eine Form von Hilfe."
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    "end": 2729.78,
    "text": "da kamen dann irgendwie Frauen aus der Gemeinde und haben meine Mutter unterstützt."
  },
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    "end": 2749.2,
    "text": "Mein Vater ist eben weiterhin einfach, ja, wie das Rollenmodell eben war, arbeiten gegangen und meine Mutter hockte dann eben also mit drei Kindern dann zu Hause und genau war eben mehr oder weniger Out of Order."
  },
  {
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    "end": 2751.74,
    "text": "Genau, so."
  },
  {
    "start": 2751.86,
    "end": 2760.72,
    "text": "und dann haben die also sich entschlossen ein ein altes Bauernhaus zu kaufen und das zu renovieren."
  },
  {
    "start": 2761.36,
    "end": 2764.98,
    "text": "Und jetzt erscheine ich langsam auf der Bildfläche."
  },
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    "end": 2768.46,
    "text": "Wir sind also tatsächlich alle recht weit auseinander."
  },
  {
    "start": 2768.98,
    "end": 2771.42,
    "text": "Mein ältester Bruder ist zwölf Jahre älter als ich."
  },
  {
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    "end": 2775.58,
    "text": "Meine beiden mittleren Brüder sind sechs Jahre älter als ich und dann komme ich."
  },
  {
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    "end": 2790.7,
    "text": "Von daher decken wir echt eine große Zeitspanne ab und waren eben auch als Kinder uns irgendwie ein bisschen distanziert gegenüberstehen, weil wir zwangsläufig immer an ganz anderen Entwicklungspunkten gestanden haben."
  },
  {
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    "text": "Und dann, ich weiß nicht, wie es vorher war, aber dann unternahmen meine Mutter also ihren ersten Suizidversuch."
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    "text": "Und das war, als sie mit mir schwanger war."
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    "text": "Also ich weiß tatsächlich jetzt nicht, ob das wirklich ihr erster war."
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    "text": "Aber zumindest ist es jetzt der erste und derjenige, der mich erst mal am intensivsten betroffen hat."
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    "text": "Und genau das, also ja, wahrscheinlich ist es ganz gut, dass zu erzählen."
  },
  {
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    "end": 2857.16,
    "text": "Also es war eben total besonders, weil das, also das war dann eben gegen Ende der siebziger Jahre und meine Eltern haben dann also schon in diesem neu erworbenen Haus, was aber eben eine Riesenbaustelle war, irgendwie also schon gelebt und mein Vater kam irgendwie von der Arbeit nach Hause und nahm eben war, hier stimmt was nicht."
  },
  {
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    "text": "Also muss irgendwie geschaltet haben, dass jetzt also höchste Not ist und ist dann ins Auto gesprungen und ist in die Stadt, wo sie vorher gelebt haben, als eben meine Schwester noch lebte, gefahren."
  },
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    "text": "Also das ist irgendwie eine Viertelstunde von hier, wo meine Eltern dann lebten."
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    "end": 2893.16,
    "text": "Und dann ist er an einen Ort gefahren und das ist eben wirklich so erstaunlich weil er hat das offensichtlich irgendwie wie ferngesteuert gemacht."
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  {
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    "end": 2896.34,
    "text": "ich weiß nicht wie das alles wirklich gegangen sein soll."
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    "text": "Also er hat natürlich dann irgendwie, also er hat die Polizei angerufen, es muss ja irgendwie eine Suchaktion gegeben haben, aber... Also"
  },
  {
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    "text": "noch mal davon davor angesagt, er ist nach Hause gekommen, weil du sagst, er hat gemerkt, es stimmt etwas nicht."
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    "text": "Das heißt, deine Mutter war nicht da, obwohl sie hätte da sein müssen und daran hat er das festgemacht, oder?"
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  {
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    "text": "Genau,"
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    "text": "ja, ja, genau, ne?"
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    "text": "Ja."
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    "text": "Entschuldigung, das war..."
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    "text": "Nein, ist doch, deswegen frage ich ja nach."
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    "text": "Genau, und das ist eben das merkwürdige, ich weiß jetzt eben nicht, ob das die Geschichte ist, wie sie in der Familie erzählt wird, aber irgendwie klingt es so, als ob mein Vater wie an der Schnur gezogen dahin gefahren ist und also dann da in den Stadtwald gerannt ist und meine Mutter mit aufgeschnittenen Pulsalern im Wald gefunden hat."
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    "text": "Wenn ich bedenke, mit welcher Erwartung und dieser Übermenschgedanke, der diese Familie bewegt hat, bei dem ersten Kind, was erschienen ist."
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    "text": "Genau, ich habe jetzt vergessen zu sagen, tatsächlich, also nach der Geburt meiner Brüder hat meine Mutter sich die Eileiter durchtrennen lassen."
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    "text": "Es war dann eben so, dass dieser Stadtwald nahe da zum Kreiskrankenhaus und dann haben sie meine Mutter da irgendwie hinverfrachtet und dann ist sie natürlich eben gerettet worden und dann eben aber auch Standepäde in die Psychiatrie eingeliefert worden."
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    "text": "Und das ist natürlich wirklich was sehr Spezielles, wenn man dann auf die Handschrift meiner Mutter guckt, wo an diesem Tag steht Notaufnahme, so und so."
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    "text": "Und das ist natürlich dann auch sehr besonders, wenn ich dann die Bilder sehe."
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    "text": "Und sie hat einen dermaßen Anfall gekriegt, weil sie jetzt also befürchtete, tatsächlich das Kind ist wieder behindert."
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    "text": "Mein Vater erzählte mir jetzt kürzlich noch dass in diesen jahren ich weiß nicht ob das also jetzt um diesen suizid versuch oder ob es eben vorher auch schon welche gab dass er eben sagte das sein chef bei der arbeit er hat dann eben mittlerweile dabei im unternehmen sehr gut in leitender Position gearbeitet, dass, also dass der gesagt hat, also wenn ihre Frau sich ständig umbringen will, dann lassen sie sie doch endlich sich umbringen, dann haben sie ihre Ruhe."
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    "text": "Genau und ich meine ich weiß eben also meine mutter hatte halt ganz also ganz viele schnittwunden an den armen und ich weiß nicht wie viel das also ob das jetzt alles eben von damals war oder eben was dann danach noch war in meiner also in meiner jüngeren kindheit dann"
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    "text": "Und mein Bruder hat dann irgendwie versucht, meine mittleren Brüder irgendwie zu regulieren, dass die keinen Mux machen, dass das Mutter eben nicht da noch irgendwie weiter aus der Fasson gerät."
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    "text": "Naja, also irgendwie war es dann so, dass irgendwie in den achtziger Jahren, also meine Mutter, also noch auf anderer Art und Weise, Ja, außer Fasson geriet, sie veränderte sich äußerlich total."
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    "text": "Also ihre Haare standen ihr zu Berge, sie quoll auf und sah aus wie ein wahnsinniges Mastschwein und war eben psychisch völlig außer Rand und Band."
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    "text": "Wir wussten nicht so recht, wie wir das ... Also ich habe daran nicht so richtig eine Erinnerung."
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    "text": "Dann hat sie eben ständig irgendwelche Diäten gemacht und hat also irgendwie dann wochenlang nur Eier gegessen und also völlig manisch irgendwelchen Scheiß gemacht."
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    "text": "Und sie ist dann also irgendwie im Krankenhaus gewesen und der behandelnde Arzt hat geguckt und hat gedacht, okay, eine weitere Alkoholikerin, die sieht ja furchtbar aus."
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    "text": "Das ist überhaupt nicht mein Subtext, sondern also er hat nicht das Erscheinungsbild einer Alkoholerkrankung gesehen und hat dann also geguckt und hat dann festgestellt, dass meine Mutter am Cushing-Syndrom lid."
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    "text": "Also sie hat eine Cortisol-Überproduktion gehabt und deshalb war sie natürlich auch psychisch in einem Zustand, der eben also völlig out of order war."
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    "text": "Also weil sie biochemisch eben wirklich einfach völlig aus dem Ruder gelaufen war."
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    "text": "später, da stand dann eben auch drin, dass es ein Wunder ist, dass uns nichts passiert ist."
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    "text": "Weil also bei dem Erkrankungsbild es nicht selten ist, dass die Leute ihre Angehörigen, also dass es dazu Gewalt kommt."
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    "text": "Na ja, gut, bei dir wäre es fast stich gegangen, also dieser Suizid für so, weil man weiß ja nicht, wie lange sie schon diese Störung hatte."
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    "text": "Also mein ältester Bruder war schon aus dem Haus und die Mittleren waren irgendwie im Abitur und so und ich war irgendwie auch eben nicht mehr so ganz und gar schutzbedürftig, dass sie also gar keinen Schritt frei machen konnte."
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    "text": "Also ich habe meine Mutter immer angefasst und ich war immer zärtlich zu ihr und habe sie massiert, gestreichelt und Da ist sie ja nicht weggelaufen."
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    "text": "Und sie war wahnsinnig berührungsempfindlich und hat dann eben auch weiterhin meinen Vater so idealisiert, dass er der einzige sei, der sie irgendwie berühren dürfte und so."
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    "text": "Und ich erinnere mich eben noch, das ist irgendwie auch eine Kindheitserinnerung, die ich habe, wenn ich nachts hatte und die hatte ich reichlich, dann bin ich durchs Haus geschlichen und es war halt eben so ein altes Bauernhaus, das in der Mitte geöffnet war, also wir hatten das Treppenhaus nach oben geöffnet, dass man bis unter das Dach guckte."
  },
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    "text": "Also da, wo früher der Heuboden war, das ist alles auf gewesen und dementsprechend natürlich und also unsere Zimmer waren wahnsinnig klein, weil das halt die alten Schweinebuchten waren."
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    "text": "und dann bin ich also aus meiner Schweinebucht raus und musste durch die alte Diele die nach oben hin jetzt bis und das dach offen war."
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    "text": "und jetzt kann man sich ja vorstellen wie es da knackte und knirscht und war es."
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    "text": "Und dann musste ich da also durch und das Schlafzimmer meiner Eltern war ganz auf der anderen Seite des Hauses da wo früher eben der wohntrakt war der Bauern."
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    "text": "Und dann bin ich also um das Bett herum auf die Seite meines Vaters und wenn ich da angekommen war und das geschafft hatte und mein Vater dann also leise die Decke öffnete und ich in diese warme Mulle vor dem Bauch meines Vaters Schlüpfen durch."
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    "text": "Also, ich glaube, es gab nichts in meinem Leben, was also so sehr Ankommen und Sicherheit verkörpert hat, wie das."
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    "text": "Also ich glaube, sie hat auf jeden Fall geglaubt, also Kinder sind nicht an sich etwas, sondern Kinder müssen wahnsinnig erzogen werden."
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    "text": "Also sie hat auf jeden Fall also die Idee gehabt, das ist ein leerer Eimer, wo man tüchtig reinfüllen muss."
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    "text": "Und ich glaube eben, sie hat auch einfach große Ängste gehabt, dass eben, also, dass es eine Schlechtigkeit im Menschen gibt, die man austreiben muss, so."
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    "text": "Und dass es deshalb also, dass man unglaublich achtsam sein muss, dass die Kinder das richtige, auf die richtige Weise tun, so."
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    "text": "Ich meine, gut, man darf ja auch nicht vergessen, sie hat ja selber irgendwie große Teile ihrer Kindheit oder Jugend, hat sie ja auch alleine mit sich verbracht."
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    "text": "Sie war ja immer damit zum Internat und danach in dieser anderen Familie und so, das war ja auch alles."
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    "text": "dass die beschädigt war, ist wundert ein Jahr gar nicht."
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    "text": "die dann so keine Idee oder keinen Plan hatte, was ihre eigenen Kinder irgendwie angeht, also zumindest keinen emotionalen Plan, wundert einen auch gar nicht."
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    "text": "Der Großvater ist dann wirklich einfach echt jammervoll zu Grunde gegangen, also der hat dann fürchterliche Gicht gehabt und hat eben einfach geraucht wie ein Idiot bis zum Schluss und hat da also ein Raucherbein gehabt."
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    "text": "und daran erinnert sich mein ältester Bruder noch, wenn wir den dann besucht haben, den Opa, dann hatte der so einen Tunnel."
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    "text": "Da war also ein Gestell in seinem Bett, damit die Bettdecke nicht auf seinem Raucherbein liegt, weil er den Schmerz nicht ertragen könnte."
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    "text": "Und dann lag der Opa in seinem Bett mit dem Tunnel."
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    "text": "Dann hat also die Oma irgendwann, als die Kinder dann aus dem Haus waren, für sich beschlossen, ich kann hier jetzt nicht hocken und irgendwie das alles aushalten, und ist nach Teneriffa gezogen."
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    "text": "Genau und dann hat er gesagt, ich gucke mich da um, ich gucke, ob ich für uns da irgendwas aufbauen kann und dann kommst du nach."
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    "text": "Und dann ist sie also nach Tenerife gegangen, hat spanisch gelernt, hat irgendwie angefangen da also deutsche Immigranten also zu unterstützen, wenn sie da Fuß fassen wollten und sie war eben auch immer aufgeschlossen zu so spirituellen Gruppierungen und hat sich dann da auf den Kanaren natürlich irgendwie auch sehr wohl gefühlt, weil sie auch da irgendwie Leute im Geiste fand, die auch solchen Strömungen gegenüber offen waren."
  },
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    "text": "So, und dann hat sie also ihren Ehemann irgendwann geholt und der aber eben also ein so verbitterter, schwerkranker alter Mann war dann, der also sagte, diese diese dermaßende Sonnenbescheinung, das geht nicht, das halte ich nicht aus."
  },
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    "text": "Und weil sie aber vorher dieses schöne Haus, was sie seinerzeit gebaut hatten, verkauft hatten, also haben sie dann einen so ein Fertighaus in der Lüneburger Heide."
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    "text": "Da haben die sich nach dem Krieg alle getroffen, als sie also von überall her irgendwie zusammen kamen."
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    "text": "Und dann haben sie auf diesem Grundstück also so ein Fertighaus gebaut."
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    "text": "Und das war also natürlich eben irgendwo mitten im Wald in der Lüneburger Heide, also ein feuchtklammes Ding, wo jetzt dann dieser gichtkranke Opa irgendwie rumlag."
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    "text": "Und dann hatte also der Bruder meiner Mutter, der hatte sich dann da irgendwie engagiert, obwohl der eben natürlich auch also einfach ganz schwer traumatisiert von diesem Vater war, der ihm also nie irgendwas zugetraut hat, der ihn immer als Weihnachtsmann beschimpft hat und so, weil er also eben nicht seinen Erwartungen da entsprechen konnte."
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    "text": "Und der hat dann auf diesem Grundstück eine Waldorf-orientierte Heilanstalt für Psychiatrieerfahrene gebaut."
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    "text": "Also so untüchtig kann er nicht gewesen sein."
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    "text": "Natürlich hat er das also verbunden mit einer großen Hoffnung, dass er selbst als Psychiatrieerfahrene da auch mit Anschluss findet."
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    "text": "Und dann also gab das Riesenkonflikte für den, weil er die ihn da nicht mit haben wollten, sozusagen, obwohl er das alles gebaut hatte."
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    "text": "Und dann hat sich diese Institution emanzipiert."
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    "text": "Dann hat er sich auf der anderen Seite des Grundstücks noch ein Holzhaus gebaut und so."
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    "text": "Also die haben da ordentlich gewirkt."
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    "text": "Also feucht, klamm, kalt und der malade Opa da drin."
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    "text": "Und dann irgendwann starb er aber eben auch."
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    "text": "Und dann spielte die Oma nochmal irgendwie befreit auf und hatte dann irgendwie auch nochmal eine Partnerschaft da auf Teneriffa."
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    "text": "Und also, genau, hatte da glaube ich noch durchaus irgendwie auch eine gute Zeit."
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    "text": "Dann war sie aber auch wieder hier und hat sich eben um den Bruder gekümmert, der eben auch immer wieder hilfsbedürftig war, weil er halt immer wieder auch Also große psychische Abstürze erlebte."
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    "text": "Also wir erinnern uns eben auch, dass dieser Onkel eben zu uns nach Hause zu Besuch kam und also ganz eindeutig bedrohlich war."
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    "text": "Also es gibt Geschichten, dass er mit einem Hackebeil hinter meinem Bruder stand, hinter dem Bett, weil er ihn bewachen wollte, nachts im Schlaf, damit keine bösen Kreister ihn... Das war sein Patenkind."
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    "text": "Na ja, es klingt ein bisschen lustig, wenn man es so erzählt."
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    "text": "ihr Leben lang ganz stark irgendwie gehadert haben."
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    "end": 4444.34,
    "text": "Naja, ja."
  },
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    "end": 4464.84,
    "text": "So, und dann, ähm, äh, zwei tausend neunzehn, äh, genau, ja, genau, also, na ja, erst mal, also, äh, da starb nämlich der Bruder, das, äh, aber, ja, ich muss sagen, vorher starb meine Mutter, ähm, äh, das war dann, ähm, äh, zwei tausend vierzehn."
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    "text": "Das stimmt."
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    "text": "Entschuldigung, jetzt bin ich durcheinander."
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    "text": "Du warst vorhin, du warst da stehengeblieben, du warst dann auch irgendwann ausgezogen."
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    "text": "und genau, wie hat deine Mutter da ihr so ihren Alltag verbracht?"
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    "text": "Genau, also erstmal lief es dann ganz gut für sie, sie hat ... Also auch viele Sachen eigenständig für sich."
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    "text": "Entdeckt hat angefangen, Britsch zu spielen und das war irgendwie ganz toll, weil sie dann echt mit ihrem Auto irgendwie in die nächstgrößeren Städte fuhr hier so rundherum und hat da also in verschiedenen Gruppierungen dieses Spiel gespielt und das war ihr wichtig, weil das ja glaube ich irgendwie auch anspruchsvoll ist und jetzt kein Dummyspiel ist so."
  },
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    "end": 4505.719,
    "text": "Also das war eben auch immer ein Thema."
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    "end": 4512.5,
    "text": "Sie hat immer gedacht, sie ist geistig minder bemittelt und Sie wäre nicht richtig klug und das ist ganz großer Quatsch."
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    "text": "Meine Mutter war eine total poetische und also unglaublich sprachgewandte, natürlich also ja feingeistige Person und das ist eben total absurd."
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    "text": "Entschuldigung, dass sie also von sich sprach als als jemand, der irgendwie minder bemittelt war."
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    "text": "Sie hatte halt vier Kinder, sie war Hausfrau und Mutter."
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    "text": "Und dann kam eben ein Problem auf und zwar hat sie einen Tremor entwickelt."
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    "text": "Und es fing an, dass ihre Hände so wahnsinnig zitterten und das war dann schließlich soweit, dass sie eben auch dieses Kartenspielen eigentlich nicht mehr machen konnte."
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    "text": "Sie musste dann immer die Karten in so einen Ständer stecken und sie also konnte ihre Hände kaum koordinieren, die Karten geordnet abzulegen und natürlich konnte sie auch nicht irgendwie dann eine Tasse Kaffee dazu trinken."
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    "text": "sondern sie brauchte einen Trinkbecher mit einem Strohhalm."
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    "text": "Also sie war wirklich einfach sehr eingeschränkt durch dieses Zittern."
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    "text": "Und dann kam eben auch wieder so starke Schmerzen dazu, dass also das war wieder also ganz dollen Thema, dass sie unglaubliche Schmerzen zu haben schien."
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    "text": "Also sie hatte starke Schmerzen."
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    "text": "Dann hatte sie irgendwie einmal noch eine Thrombose, also war ganz glücklich, dass das irgendwie aufgefallen ist und dass da Maßnahmen ergriffen wurden."
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    "text": "Genau und dann bekam ich mein erstes Kind und dann gab es eine Situation, die eben wirklich für mich auch sehr prägend war."
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    "text": "Da saß ich mit meinem Sohn, der also ganz Minio noch war und im Garten und wir wohnen in einem Haus in der Stadt."
  },
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    "text": "wo wir auch Gartenzugang hatten von der Wohnung aus und da hatte ich unten alles gedeckt und meine Mutter wollte eben zum Britt spielen und dann kam sie irgendwie da im Zuge dessen bei mir vorbei."
  },
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    "text": "Und wir saßen im Garten und es war Frühling, die Osterglocken spossen."
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    "text": "Der Frieder stand in den Stadlern, alles tippi-toppi und schönes Wetter."
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    "text": "Und ich stille mein Kind und meine Mutter sitzt neben mir und sagt Anna, ich will nicht mehr leben."
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    "text": "Ich kann nicht mehr jetzt, also jetzt wirklich nicht mehr so."
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    "text": "Und ich dachte wirklich so, ja, das ist jetzt aber echt ein bisschen anspruchsvoll hier für mich."
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    "text": "Diese Spreizung von Einer kommt, einer geht, das ist mir ein bisschen doll."
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    "text": "Ja, also ich meine, dass meine Mutter es eben wirklich einfach sehr, sehr schwer hatte, das wussten wir ja nun alle."
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    "text": "Ja, aber das ist jetzt so klar äußerte, das dachte ich so auch Mensch, also es soll nicht, nicht ridicül klingen, es ist nur, naja was soll ich sagen, also ich... Ich habe einfach gedacht, oh, wie schade, Mama, warum denn?"
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    "text": "Also, wie man da eben so sitzt, wenn man mit seiner ganzen Lebenspracht aufwartet."
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    "text": "Und sie denkt, ey, hier, speziellmäßig, Enkelkind, doch da, alles gut, ihr könnt doch viel Schönheit irgendwie gefügt werden."
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    "end": 4748.559,
    "text": "Und wenn man merkt, dass der andere Mensch irgendwie unter seiner Glasglocke sitzt und das"
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    "text": "nicht mit empfehlen kann."
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    "text": "Also ich habe gesagt, ich finde das so unfassbar schade und ich habe so eine Sehnsucht nach noch so vielen Erlebnissen mit dir und ich habe dich so lieb."
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    "end": 4784.9,
    "text": "Und also wie traurig mich das macht, wenn das nicht dich nicht, also sie nicht erreicht, dass wir hier so sind."
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    "text": "das hat zu reagiert."
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    "text": "Ja, also so singemäßig, es ist ja nichts Persönliches, sondern es ist wirklich einfach ihrs."
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    "text": "Also irgendwie, man möchte ja immer denken, das ist ein schlechter Witz irgendwie, das ist doch jetzt irgendwie ein Unfall gewesen."
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    "text": "Dann habe ich eben meine Brüder angerufen und gesagt, okay, passt auf, Mama war hier und hat das und das gesagt."
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    "text": "Dann passierte etwas, dann hatte sie ... Ein ein Medikament bekommen wegen der wegen des Tremors, das war irgendwie ein Epilepsie Medikament oder sowohl also irgendwie im Rahmen der Nebenwirkung ist, dass es auch Tremor reduzieren wird."
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    "text": "und dann also mein einer Bruder ist medizinisch sehr versiert, der dann sagt ja natürlich das war Nebenwirkungen von diesem Medikament, das ist hoch, also Das hat Mama deshalb völlig fertig gemacht."
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    "text": "Und dann haben wir irgendwie alle nochmal aufgeatmet und haben gedacht, okay, erstens ist jetzt die Situation mit den Händen besser geworden, weil als sie dieses Medikament abgesetzt hat, ist es tatsächlich wesentlich besser geworden."
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    "text": "Und dann gab es noch mal eine Zeit, also da hatte sie irgendwie kaum Medikamente genommen."
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    "text": "Also sie musste immer Makumar nehmen wegen dieser Thrombose-Nummer, aber sonst war es relativ wenig, was sie irgendwie nehmen musste."
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    "text": "Und natürlich war es trotzdem schrecklich, die Situation."
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    "text": "Dann gab es noch ein bisschen später gegen Herbst."
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    "text": "Erzählte meine Mutter mir so nebenbei, dass sie alle ihre Medikamente abgesetzt hätte."
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    "text": "Es ist dieses Makumar auf jeden Fall."
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    "text": "Ich sag, wie Mama, du kannst doch nicht, also es gibt doch Medikamente und wenn du die verschrieben bekommen hast, dann muss man die doch ausschleichen oder irgendwas."
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    "text": "Und dann war es irgendwie kurz vor Weihnachten und meine Mutter kriegte also einen dermaßenen Anfall und viel über mich her, wie ich also die Familie wild machen könnte, dass sie ihre Medikamente absetzt."
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    "text": "Das wäre ihr gutes Recht und wir sollten ihr da nicht reinreden und so."
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    "text": "Und ich habe gedacht, ich höre nicht richtig."
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    "text": "Also das war so die Art, wie sich die Liebe meiner Mutter eröffnet."
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    "text": "Zeit, dass sie, sagen wir mal, etwas kratzbürstig reagierte auf wohlmeinende Intervention."
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    "text": "Na ja."
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    "end": 4993.219,
    "text": "Und dann haben wir also irgendwie noch zu Weihnachten zusammengesessen und dann hat Mama auch ein bisschen eingelenkt und gesagt, ja, Mensch, tut mir leid und jetzt sehe ich ja, dass ihr besorgt wart und so."
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    "end": 4994.98,
    "text": "Ja."
  },
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    "text": "So, dann lief es noch ein bisschen weiter und dann bin ich im Spätsommer des nächsten Jahres zu einer Mutter und Kindkur aufgebrochen und meine Eltern besuchten mich, das war oben an der Ostsee und die hatten Verbindungen nach Rügen und fuhren immer gerne nach Rügen."
  },
  {
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    "end": 5028.86,
    "text": "und dann sind sie auf dem Hinweg nach Rügen bei mir da oben vorbeigefahren und haben mich besucht, wie ich mit dem kleinen Sohn da jetzt eben Also in der Mutter und Kindkurve hingekockte und das war also ganz nett."
  },
  {
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    "end": 5038.16,
    "text": "Und dann, ja, ich hatte den Eindruck, zwei Sachen."
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    "text": "Und also sie war echt immer so die Königin des Verrutschtenbills."
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    "text": "Und mir war aufgefallen, dass ungefähr seit diesem Weihnachtsfest es plötzlich gute Fotos von ihr gab."
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    "end": 5069.16,
    "text": "Also sie stand auf den Bildern und sie hatte jetzt eben nicht den Mund halb offen oder guckte halb zur Seite oder sonst irgendwas, sondern plötzlich guckte sie aus den Fotos raus."
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    "text": "Mein Vater hat immer gerne viele Fotos gemacht."
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    "text": "Von daher konnte mir das auffallen."
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    "text": "Und dann, genau, und dann, also dieser Besuch da in der Klinik, das war eben auch so nett und meine Mutter guckte so rum und ich hatte so den Eindruck, sie guckt ja, das gefällt ihr alles so, ne?"
  },
  {
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    "end": 5102.04,
    "text": "Und dann sind sie auf dem Rückweg nochmal bei mir vorbeigekommen und wir haben uns nochmal vergewissert, dass alles gut ist, ne?"
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  {
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    "end": 5111.139,
    "text": "Und dann war witzig, also in dieser Klinik war die Möglichkeit, dass man da eben auch psychologische Gespräche führen konnte."
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    "text": "Und dann habe ich eben irgendwie diese Familiengeschichte, der der Frau da erzählt, die wirklich sehr zugewandt und freundlich war."
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    "text": "Und habe dann irgendwie gesagt, na ja, eigentlich fehlt nur noch der letzte Akt."
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    "text": "Und die guckte mich an und sagte, er war natürlich ganz entsetzt."
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    "text": "Das war echt ein Timing."
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    "text": "Aber du hattest trotzdem, also während dieser Besuche da hattest du aber schon den Eindruck, es ging ihr besser, aber das hat keiner Hoffnung bei dir jetzt ausgelöst."
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    "text": "Was du gedacht hast, ist nur temporär."
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    "text": "also ich muss, also diese, diese Verbesserung vor dem durchgeführten Suizid."
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    "text": "Also ich hatte den Eindruck, bei meiner Mutter war es eben die Erscheinung tatsächlich, dass, weißt du, was ich in den Fotos gesehen habe."
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    "end": 5181.46,
    "text": "Also, ich habe es für mich so verbucht, sie hat irgendwann angefangen, Fotos für die Nachwelt zu machen."
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    "text": "Ja, aber das hast du im Moment ja nicht als solches wahrgenommen."
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    "text": "Nee, nee, aber ich habe die"
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    "text": "interpretiert."
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    "text": "Ja, genau."
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    "end": 5191.3,
    "text": "Aber ich habe gesagt, das war das, was mir aufgefallen ist, dass ich merkte, oh,"
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    "text": "anders auf den Fotos aus."
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    "text": "Und jetzt eben, als dann die Dinge ihren Lauf genommen hatten, da denke ich eben so, ja, genau, das war es jetzt angefangen, Fotos für die Nachwelt zu machen."
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    "text": "Und da wollte sie anständig drauf aussehen."
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    "text": "Das"
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    "text": "war natürlich total bizarr, weil ich eben gar nicht da war."
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    "text": "Sie hatte dann irgendwie Tabletten gehortet und hat Tabletten genommen."
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    "text": "Sie wohnte dann mittlerweile in dem Jugendzimmer meines Bruders."
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    "text": "Meine Eltern haben lange dann schon in dem Haus getrenntes Zimmer gehabt."
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    "text": "Weil sie sich so einfach wohler fühlten und eben jeder seinen Privatraum hatte und meine Mutter ja immer schlecht schlafen konnte und mein Vater schnarchte und so."
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    "text": "Also war das für sie so angenehmer und Platz hatten sie ja nun wirklich reichlich da."
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    "text": "Und da hat sie sich eben in dem Zimmer, sie hat sich schön angezogen, sie musste immer diese Thrombosestrümpfe tragen und das war eben wirklich auch eine ganz große Last für sie, eben wegen dieser starken Schmerzen, die sie hatte."
  },
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    "end": 5263.54,
    "text": "und dann jeden Morgen musste mein Vater ihr in diese Thrombosestrümpfe reinhelfen."
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    "text": "Und das war so eine Prozedur, die dann irgendwie eine Stunde dauerte und danach waren die beiden aber auch fix und fertig."
  },
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    "text": "Ja, und dann ist mein Vater eben weggefahren und dann hat meine Mutter das arrangiert, aber sie muss das natürlich eben auch längerfristig geplant haben, weil es bei ihr eben auch so war, wie es viele schon erzählt haben, dass sie das minutiös geplant hatte."
  },
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    "text": "Also eben, da stand Essen für meinen Vater, für mehrere Tage im Kühlschrank."
  },
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    "text": "Sie hat eben ihren Garten so geliebt, sie hat ihre ganzen Pflanzen geteilt, überall standen Töpfe auf der Terrasse mit Absetzen."
  },
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    "end": 5303.34,
    "text": "oder Ablegern von ihren Pflanzen für uns."
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    "text": "Sie hatte dann unten im Flur stand ein großer Strauß mit sieben weißen Lilien für alle Familien mit Lieder, inklusive Verstorbenen Schwester."
  },
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    "text": "Und dann kam mein Vater wieder rein und ihm war völlig klar, Scheiße, jetzt ist es so weit."
  },
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    "end": 5328.62,
    "text": "Er sagte, das beschrieb er mir gerade kürzlich, haben wir noch mal zusammengesessen und darüber gesprochen."
  },
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    "end": 5338.44,
    "text": "Er sagte, dieses, wie er durchs Haus gegangen ist und wie er das Gefühl hatte, dass die Luft immer dicker wird und er einfach wusste, was jetzt auf ihn zukommt."
  },
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    "text": "Oh Gott."
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    "text": "Na ja, und dann ist er eben bis in das Zimmer gekommen und dann lag sie da und hat ... Wie sie das gemacht hat, weiß ich nicht."
  },
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    "text": "Sie hatte noch sich eine Tüte über den Kopf gezogen und mit Kleber zugeklebt."
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    "text": "Und dann lag eben neben ihr ein Abschiedsbrief, den sie schon, also ich meine gut, sie hatte ja eben sowieso diese zitternden Hände."
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    "text": "Dann war sie aber offensichtlich eben auch schon völlig benommen, die also die die Schrift kippt irgendwie weg."
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    "text": "Da hatte sie dann irgendwie aufgeschrieben."
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    "text": "Bitte verzei-t mir."
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    "end": 5387.48,
    "text": "Verzei-t mir."
  },
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    "text": "Also sie hat nur meinen Vater angesprochen."
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    "text": "Ja, und dann, genau, dann ist er da irgendwie hin und hat ihr diese Tüte abgemacht und sagte ihm auch, dass er da eben solche Ängste ausgestanden hat, dass er jetzt irgendwie in ein verzerrtes Gesicht guckt oder so und dass er dann eben heilfroh war, sie dann also mit einem entspannten Gesicht darunter zu finden."
  },
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    "text": "Und ja, ja, dann..."
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    "text": "Ich mein, sie hat alles so vorbereitet."
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    "text": "Sie ist offensichtlicher von langer Hand geplant."
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    "text": "Und dann hat sie aber keinen Brief in Ruhe oder Brief-Hee in Ruhe geschrieben, sondern so in letzter Sekunde."
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    "text": "Ach Scheiße, das habe ich ja gar nicht gemacht oder so."
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    "text": "Also ich glaube, das macht eben deutlich, dass das wirklich so ziemlich der einzige Mensch war, den sie irgendwie sehen konnte."
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    "text": "Und sie hat eben in dem Sinne große Schwierigkeiten damit gehabt, so eine authentische Beziehung zu uns zu haben."
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    "text": "Ich denke, die Situation für mich war ja eben wirklich auch besonders."
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    "text": "Mein Bruder hat mir das am Telefon gesagt und ich habe gesagt, man ist die Blöd."
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    "text": "Ich habe immer gesagt, mein Gott ist die Blöd."
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    "text": "Mein Gott ist die Blöd."
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    "text": "Wieso war das dein Gedanke?"
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    "text": "Also das ist doch, also das ist doch unfassbar blöd."
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    "text": "Also nicht im Sinne von dumm oder so."
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    "end": 5528.62,
    "text": "Also jemand ist blöd im Sinne von dumm, sondern okay."
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    "text": "Das"
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    "text": "Ja, das hätte ich auch sagen können."
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    "end": 5536.78,
    "text": "Aber ich habe irgendwie eben nur stottern können, Mann, man ist die Blöd."
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    "end": 5537.86,
    "text": "Man ist die Blöd."
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    "text": "Da bin ich nicht drüber weggekommen."
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    "text": "Aber dieses, dass sie so emotional distanziert war oder so nichts für euch übrig hatte, war das aber bei euch allen Vieren gleich?"
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    "text": "Oder gab es jetzt irgendjemanden von euch, dem sie doch irgendwie auf eine Art Näherstand sind?"
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    "text": "Also, denn ich meine, bei mir hat sie ja immerhin vorher noch geguckt, dass ich in Sicherheit bin."
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    "text": "Also, ich glaube, meine Mutter hatte die bizarre Vorstellung, dass ich das nicht mitkriege, weil ich ja in der Kur bin."
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    "text": "Also, sie hat dafür gesorgt, dass ich damit nichts zu tun habe."
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    "end": 5585.18,
    "text": "Und sie hat es ja vorher sogar auch noch gesagt, also sie hat mit dir in Anführungszeichen drüber gesprochen und auf deine Reaktionen hat sie ja gesagt, ja wieso, du weißt ja, es hat mit dir nichts zu tun."
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    "end": 5598.04,
    "text": "Also ich glaube, also da hat meiner Mutter es völlig an Vorstellungskraft gefehlt, dass das mit uns... irgendwas macht."
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    "text": "also das gehört dazu."
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    "text": "also meine mutter konnte uns nicht sehen glaube ich in gewisserweise."
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    "text": "also sie hat diese diese vielen tollen fotos die mein vater waren."
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    "text": "sie war wahnsinnig stolz auf uns und also was?"
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    "text": "aber eben also sie konnte uns als menschen nicht sehen."
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    "text": "Also als Menschen, die einfach so da sind, sondern, also wenn wir in irgendeinem Vollzug waren, also irgendwas toll gemacht haben, klar, dann hat sie die Leistung gesehen oder so."
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    "text": "Aber eben nicht, also dass wir auch dazwischen da sind sozusagen."
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    "text": "Und dass wir manchmal eben auch stinken und irgendwie einfach so vor uns hin existieren."
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    "text": "Das war ein bisschen schwierig für sie sich so."
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    "text": "Das muss ja bei meiner Mutter, ehrlich gesagt, war es ja genauso."
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    "text": "Aber bei uns gab es halt den Riesenunterschied."
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    "text": "Ich habe ja ein anderthalb Jahre jüngeren Bruder."
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    "text": "mit dem war sie ganz anders, mit dem war sie emotional, an dem war sie ganz nah dran, um den hat sie sich gesorgt und gekümmert und so weiter."
  },
  {
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    "end": 5652.1,
    "text": "Und mit mir war es genauso wie deine Mutter mit euch war."
  },
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    "text": "So, wo ich immer gedacht habe, aber warum konnte sie das mit mir nicht?"
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    "text": "Ich war ein liebes Kind, ich war brav, ich war leise und alles so."
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    "text": "Aber deswegen meine Interpretation ist, das war absolut der Krankheitsbedingte."
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    "text": "Und deswegen haben die da eben einfach manche Fähigkeiten nicht."
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    "text": "als sie als Mutter hätten können, müssen, sollen eigentlich."
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    "text": "Ja, das erzählt also mein ältester Bruder immer gerne, dass er also in seiner Kindheit und Jugend dann eben einfach auch andere Familien aufgesucht hat von seinen Freunden und dann eben also immer so leidenschaftlich, also bis heute beschreibt, dass er sagt, Mensch, das war so eine richtige Mutti und wie ich das da aufgesogen habe, wenn ich bei denen war und so eine so eine vollbusige Kittel-Mutti da war, die aber einen auch gepackt hat und also da war er dann ganz Ja, genau."
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    "end": 5713.94,
    "text": "Dass er irgendwie auch beschrieb, dass diese Wärme eben, die war bei uns ein bisschen Mangelware."
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    "text": "Ja, nicht"
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    "text": "nur ein bisschen, sondern total, so wie sie es anhören."
  },
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    "end": 5719.219,
    "text": "Aber das kenne ich zu einhundert Prozent, ja."
  },
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    "text": "Also, weil, genau, bei uns hat es auch keine Berührungen gegeben."
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    "text": "Und das war aber ein ausgesprochenes Gesetz, sondern war einfach so, ich habe meine Mutter irgendwann mal gefragt, weil bei meinem Bruder war das wiederum auch anders."
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    "text": "Ich habe mal gefragt, warum hast du mich eigentlich niemals in den Arm genommen?"
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    "text": "Und da hat sie gesagt, ja, du hast das nie gewollt."
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    "text": "Ach so."
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    "text": "Na ja, naturgemäß, weil wenn du eine Distanz von deiner Mutter die ganze Zeit in so eine Kälte spürst, ja klar, dann ist das irgendwie komisch, wenn die einen dann doch plötzlich mal berührt, was sie sowieso nie getan hat oder hätte."
  },
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    "text": "Aber das ist ja einfach gelogen oder der klassisches Gaslighting einfach dann deinem Kind zu sagen, ja du hast es ja sowieso nie gewollt."
  },
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    "end": 5759.139,
    "text": "Also welches Kind möchte nicht von seinen Eltern in Aben genommen werden, ist einfach lächerlich."
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    "text": "Aber ja, also da gibt es schon sehr, sehr viele Parallelen."
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    "text": "Ja, genau."
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    "text": "Ich glaube, irgendwie mein Vater hatte dann aber demgegenüber, wenn er denn mal da war und der hat auch viele andere Eigenschaften, die eben wirklich sehr, sehr schwierig sind."
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    "text": "Natürlich, also irgendwie das ganze System war echt krude."
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    "end": 5808.66,
    "text": "Also mein Vater hatte dabei aber immer eben einfach auch so eine Unmittelbarkeit, die auch... Ja, ich wundere mich, dass ich das jetzt hier gerade sage, aber das ist ja vielleicht auch wirklich schön, dass das auch hervortreten darf, dass mein Vater auch Eigenschaften hatte, die da auch viel irgendwie geschützt haben."
  },
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    "end": 5818.6,
    "text": "Also, wenn er eben mal da war und er nicht, also viel von dem Scheiß gemacht hat, den er dann auch gemacht hat, aber gab es eben auch Momente, wo, also er war eben der, der die Decke hochgeklappt hat."
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    "text": "Ich wollte gerade sagen,"
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    "text": "dass ich überhaupt die Tatsache, dass"
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    "text": "das für dich eine Option war, die du... die du gerne und dankend und angenommen hast, bei meinem Vater absolut unvorstellbar, dass ich zu dem unter die Decke gehe."
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    "text": "Also das hätte ich auch von meinem Gefühl her, oh, das schaudert es mich, wenn ich mir vorstelle, ich wäre zu dem unter die Decke gekommen."
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    "text": "Nein, gar nicht denkbar, weil unser Verhältnis auch gar nicht das war."
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    "text": "Deswegen denke ich, ja, irgendwie muss er etwas gehabt haben, zumindest in kleinen Teilen, was dich hat sich beschützt fühlen lassen."
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    "text": "Ja, genau."
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    "text": "Das möchte ich eben auch wirklich sagen."
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    "text": "Also meine Mutter war wirklich seltsam und war eben wirklich sehr in ihrer eigenen Welt."
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    "end": 5881.34,
    "text": "Aber trotzdem war sie auch eine so reichhaltige Frau und sie hat mir also so viel übergeben und das würde ich eben auch gerne noch vielleicht kurz erzählen neben diesem also schrecklichen diesen schrecklichen Ereignissen, die da auch stattgefunden haben."
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    "text": "Meine Mutter hat eben diese wahnsinnig überbordende Innenwelt gehabt, die sie eben sicherlich eben auch ganz eigenartig gelenkt hat."
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    "text": "Naja, ich müsste ja lügen, wenn ich nicht sagen sollte, ich habe das ja auch."
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    "text": "Und ich sehe ja, dass ich ganz viel von meiner Mutter auch habe."
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    "text": "Und ich habe eben, also das eben unfassbare Glück und dafür danke ich eben dem Universum und eben allen, die dazu beigetragen haben, dass ich aber eben, also ich bin in dieser Welt."
  },
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    "end": 5935.82,
    "text": "Und ich habe immer wieder Straßen in die Welt gebaut und ich Ich glaube, ich habe eben eine Beziehung zu meinen Kindern und ich mache natürlich eben genau die Fehler, die alle Eltern immer irgendwie machen."
  },
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    "text": "Also man kann niemand, ist ja gute Eltern, sondern wir bemühen uns alle eben so gut wir irgendwie können."
  },
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    "end": 5951.799,
    "text": "Und ich finde, natürlich, wenn man eben also mit solchen Startbedingungen ins eigene Familienleben geht, ist das ja echt tollkühn irgendwie."
  },
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    "end": 5966.94,
    "text": "dass mein Mann und ich eben, dass wir irgendwie einen Weg miteinander finden, für unsere Kinder da zu sein und uns zu zeigen."
  },
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    "text": "Mein Gott, werden die geherzt."
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    "text": "Und das ist dem Jugendlichen eben ordentlich schaudert, wenn wir ihn immer zu drücken wollen und ihm unsere Liebe beteuern."
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    "text": "Mit allen Schwierigkeiten."
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    "text": "Das muss ich schon sagen, ich bin sehr stolz darauf, dass wir nicht so schallend gescheitert sind, dass wir eben mit weiteren Psychiatrie-Geschichten in unserer Generation jetzt aufwarten."
  },
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    "text": "Ja und das bist du völlig zu Recht, weil ich finde auch, dass das absolut nicht selbstverständlich war oder ist und wahrscheinlich, weil ich würde mich da jetzt auch zuzählen, dass es wäre wahrscheinlicher gewesen, wenn wir auch in irgendwelchen Psychiatrien gelandet wären."
  },
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    "end": 6034.76,
    "text": "Also da können wir wahrscheinlich irgendwie dem Universum für unsere Resilienz oder für was auch immer dankbar sein, dass es uns möglich war, ein verhältnismäßig gratulinisches Leben zu führen und jetzt diesen Umgang mit unseren eigenen Kindern zu haben bzw."
  },
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    "end": 6038.379,
    "text": "eben das ganz bewusst, ganz anders gemacht zu haben."
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    "text": "Aber das ist eben, das ist irgendetwas in uns, womit wir gesegnet sind, dass es uns überhaupt möglich war, weil naheliegender wäre etwas anderes gewesen."
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    "text": "Ja,"
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    "text": "das glaube ich auch."
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    "text": "Also ich habe für mich eben das Gefühl, also für mich, dass irgendwie so ein Wert ist wie Kreativität und einfach auch wirklich Glück an Begegnungen."
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    "text": "Ich glaube, ich habe einfach das Glück gehabt, dass ich einfach ganz vielen Leuten zu passenden Zeiten in meiner Kindheit und Jugend begegnet bin, die eben förderlich für mich waren."
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    "text": "aber du hast es auch zugelassen und du hast es auch angenommen und du hast auch für dich das dann irgendwie umsetzen können oder so, ne?"
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    "text": "Ja, ne, ne, genau, also genau, also so dieses, also das... Glück des unerwarteten Findens, weißt du so irgendwie, also dass man, genau, man hebt ein Stein hoch und findet was drunter und erkennt es als etwas Schönes und geht damit strahlend weiter."
  },
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    "text": "Ja,"
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    "text": "genau."
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    "end": 6117.4,
    "text": "Das war für mich eben immer schon schreiben, ich habe also immer leidenschaftlich schon geschrieben und das hat mir natürlich wirklich dann auch geholfen."
  },
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    "text": "Also gerade bei, als das dann passiert war, viel das so zusammen, dass ich Ich dachte, ich hätte ganz lange nicht mehr geschrieben."
  },
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    "text": "Also ich dachte ja, gut, der Faden des Schreibens ist jetzt auch mit diesem Ereignis irgendwie abgerissen, so dachte ich."
  },
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    "text": "Und dann habe ich wirklich einige Jahre später mal in meinem Computer geguckt und habe was gestaunt, dass ich dachte, das gibt es doch gar nicht."
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    "text": "Hier sind ja überall Texte."
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    "text": "Und dann habe ich also irgendwie angefangen, das mal anzugucken."
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    "text": "Und da dämmerte mir, Ach du Scheiße, ich habe angefangen, die Geschichte aufzuschreiben."
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    "text": "Und also dieses Rätselhafte, dieses, ich verstehe überhaupt nicht, was mit meiner Mutter los ist."
  },
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    "text": "Ich habe ganz viel so Kurzgeschichten gehabt, die so seltsame, surreale Stimmungsbilder waren."
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    "text": "Ich bin mit diesen Texten auch immer so ein bisschen rumgetingelt und habe die mal vorgelesen."
  },
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    "text": "Und noch dazu kam eine Sache, die ich für mich entdeckt habe."
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    "text": "habe, ich mache so improvisierte Musik."
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    "text": "Also das heißt, ich treffe mich mit Freunden und wir sind zu dritt und ich mache Stimme und Text-Improvisation."
  },
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    "end": 6199.66,
    "text": "Und das heißt, wir stellen uns irgendwo hin und dann geht es los."
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    "text": "Wir sind ein Cellist, ein Computerkünstler, der so Field Recordings macht."
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    "text": "Also ich meine, wenn man es verkürzen will, kann man natürlich sagen, das ist irgendwie Hurtz, was H.P Aber wenn man eben ein bisschen Bock hat, sich darauf einzulassen, also beschreiben uns Leute, dass das superintensiv ist."
  },
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    "text": "Und was immer mir auf der Viel war, dass die Leute sagten, das kann doch nicht sein, dass du dir die Texte in dem Moment ausdenkst."
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    "text": "Und dann habe ich gesagt, naja, das stimmt, also empfinde ich auch nicht so richtig so, sondern ich habe das Gefühl, ich sammel diese Texte im Raum ein."
  },
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    "end": 6249.92,
    "text": "Und ich habe das Gefühl, wenn ich mich für mich durchaus so ein bisschen transartigen Zustand versetze, dann nehme ich im Raum wahr und kann daraus schöpfen."
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    "text": "Und dann kann ich das in Texte umsetzen und dann machen wir daraus eben diese Kunst."
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    "text": "Und damit haben wir relativ lange schon rumexperimentiert und ich dachte immer so, ja klar, das ist meine Art von Kunst machen, ist doch wirklich speziell, kann man noch machen."
  },
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    "text": "Und das war zum Beispiel eben total toll."
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    "text": "Das hat meine Mutter auch super gerne besucht."
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    "text": "Und da hatten wir also ganz schöne Momente, dass sie, also dass sie dann sagte, Mensch Anna, wie, wie kommt das, dass du das alles so sehen kannst und dass du das so sagen kannst, ne?"
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    "text": "Und das, also da schwante mir schon irgendwie, okay, da muss was dran sein mit diesem, da ist etwas im Raum, was ich wahrnehmen kann."
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    "end": 6309.48,
    "text": "Und genau, dann gab es noch ein Phänomen, als Mama tot war, hatte ich ein Erlebnis, also ich habe mein Leben lang schlimme Albträume gehabt."
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    "text": "Und ich habe immer wieder Quickszenarien geträumt."
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    "text": "Ich war in ausgebombten Städten unterwegs."
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    "end": 6326.96,
    "text": "Ich habe also Häuserfluchten gesehen, also mit dunklen... Bomben schäden und ich musste mich verstecken."
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    "text": "und ich habe Angst gehabt."
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    "end": 6343.6,
    "text": "und mein schlimmster Traum war, dass ich mit Kindern unterwegs war und diese Kinder verstecken sollte und dann irgendwie nichts fand und die unter eine Brücke gelotzt habe."
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    "end": 6345.139,
    "text": "und in dem Moment viel mehr ein."
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    "text": "natürlich werden Brücken bombardiert."
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    "text": "Und die Kinder unter die Brücke zu lotzen, ist das die dümmste Idee gewesen, die ich hätte haben können."
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    "text": "Und dann also von dem Entsetzen bin ich aufgewacht."
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    "text": "Und das Phänomen war, meine Mutter war tot und von dem Tag an, also ich habe es gespürt, ich habe diese Träume nicht mehr gehabt."
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    "text": "Sie waren weg."
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    "end": 6371.62,
    "text": "Und ich habe wirklich, also ich habe gemerkt, ich war von diesem Tag an wie in einer anderen Farbe."
  },
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    "text": "Ich habe gesagt, ich war vorher immer ein Indigo-Kind."
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    "text": "Meine Welt war Indigo."
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    "end": 6382.44,
    "text": "Entschuldigung, das ist vielleicht einfach nur so ein blödes Bild."
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    "text": "Ich weiß nicht, ob das was transportiert."
  },
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    "end": 6392.559,
    "text": "Ich hatte das Gefühl, ich war irgendwie in so einer lila-unzugänglichen Geisteswelt."
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    "text": "Und von dem Tag an, als meine Mutter tot war, war alles braun."
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    "text": "Also Erde."
  },
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    "text": "Ich war auf der Erde."
  },
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    "end": 6413.62,
    "text": "Ich habe wirklich das Gefühl gehabt, ich sitze auf dem Boden und muss erstmalig also mich aufrichten und gucken wer bin ich eigentlich, weil ich vorher irgendein Zwischengeschöpf war."
  },
  {
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    "end": 6420.799,
    "text": "Ich war nie ich, sondern ich war ein Zwischengeschöpf zwischen meiner Mutter und das war dann eben der Gag."
  },
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    "end": 6452.04,
    "text": "Ich habe mich irgendwie auf eine Suche begeben und diese tatsächlich, deshalb erzähle ich, dass diese Texte, die ich geschrieben habe, die haben mich dabei ein bisschen gelotst, weil ich merkte, ich habe da Stimmung aufgegriffen und also rätselhafte Welten, die möglicherweise aus diesem Bewusstseinszustand standen, Wie ich zwischen meiner Mutter und wie ich dann später vermutete auch ihrem Vater, also ich hatte den Eindruck, es gab eine transgenerationale Verbindung zwischen dem Opa, meiner Mutter und mir."
  },
  {
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    "text": "Ja."
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    "end": 6458.86,
    "text": "Und mit dem Tod meiner Mutter ist eben, also bin ich sozusagen abgeschnitten worden und befreit worden sozusagen."
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    "text": "Ja, befreit"
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    "text": "worden, genau."
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    "end": 6476.9,
    "text": "Ja, das war dann eben ganz witzig, weil also mit diesem künstlerischen Tun, was wir hatten, sind wir mal dann in eine Situation gekommen, wo also jemand da war und sagte, sag mal Anna, hast du eigentlich mal eine Familienaufstellung gemacht?"
  },
  {
    "start": 6477.24,
    "end": 6480.4,
    "text": "Ich habe den Eindruck, dass was du da machst, das hat was damit zu tun."
  },
  {
    "start": 6481.379,
    "end": 6489.74,
    "text": "Und dann hat mich dieser Freund tatsächlich mal mitgenommen und dann sind wir also zu so einer Dame gefahren, die das praktizierte."
  },
  {
    "start": 6490.48,
    "end": 6509.1,
    "text": "Und da habe ich also mein Eldorado erlebt, weil es klar war, dass ich offensichtlich eine dermaßende Durchlässigkeit habe und eben in diesem Familienaufstellungsspektakel abgehe wie Schmitz Katze."
  },
  {
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    "end": 6515.36,
    "text": "Wenn du mich als Stellvertreter hinstellst, dann geht es aber richtig los."
  },
  {
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    "end": 6536.139,
    "text": "Unfassbar und also damit war also viel mehr wie Schuppen von den Augen, dass also das, wo ich immer dachte, wir machen hier Kunst, dass ich also mich offensichtlich in einem Feld bewegte, was eine ganz eigene Grammatik und also wo ich plötzlich eintauchen konnte und mich also mit Familienaufstellung beschäftigen konnte."
  },
  {
    "start": 6536.879,
    "end": 6541.34,
    "text": "Wir müssen es aber vielleicht mal für außen stehen, ich meine, ich habe schon in ein paar Gesprächen über Familienaufstellung gesprochen."
  },
  {
    "start": 6542.02,
    "end": 6543.48,
    "text": "Aber viele wissen dann doch nicht, was es ist."
  },
  {
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    "text": "Magst du es mal beschreiben?"
  },
  {
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    "end": 6548.719,
    "text": "Und dann kann ich noch mal von meiner Erfahrung erzählen."
  },
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    "end": 6572.9,
    "text": "Ja, also im Prinzip, also es wird ein Feld aufgemacht, also ein Raum, in dem dann eine Person, ein Anliegen äußert, also da gibt es unterschiedliche Methoden, wie das vorbesprochen wird, aber es wird dann eben also gesagt unsere, also es werden Leute aufgefordert, sich stellvertretend, in das Feld zu stellen."
  },
  {
    "start": 6573.82,
    "end": 6576.48,
    "text": "Also da gibt es jetzt auch wieder unterschiedliche Herangehensweisen."
  },
  {
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    "end": 6580.02,
    "text": "Ich versuche jetzt einfach mal nur so grob zu skizzieren, worum es im Grundsatz geht."
  },
  {
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    "end": 6588.82,
    "text": "Also es geht darum, Leute aufzufordern, sich in etwas hin, also in eine Person zum Beispiel oder in eine Stimmung."
  },
  {
    "start": 6588.9,
    "end": 6605.32,
    "text": "Das können unterschiedliche Dinge sein, hineinzuversetzen und dann anzufangen zu beschreiben, was mit ihnen körperlich passiert, wenn da mehrere Personen oder also Beziehungen aufgestellt werden, dann fangen die Leute an, sich umeinander herum zu bewegen."
  },
  {
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    "end": 6607.719,
    "text": "Es werden Sachen geäußert, es werden Emotionen geäußert."
  },
  {
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    "end": 6625.559,
    "text": "Wenn es gut läuft, kann es so sein, dass von dem Problembild, man zu einem Lösungsbild kommt, dass dann diese Personen stellvertretend ausergieren, was eine Lösungsmöglichkeit für das Problem eben wäre."
  },
  {
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    "text": "Ja, da kann ich ein Beispiel nennen."
  },
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    "end": 6629.24,
    "text": "Ich zum Beispiel, ich habe eine Familienaufstellung gemacht."
  },
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    "text": "Ich habe gar nicht gewusst, was sie mich einlässe."
  },
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    "text": "Also in der Aufstellung vorher war ich als Stellvertreter, auch stand ich zur Verfügung."
  },
  {
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    "end": 6637.139,
    "text": "Ich wusste aber gar nicht, was das bedeutet."
  },
  {
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    "end": 6637.84,
    "text": "Ich bin da hingegangen."
  },
  {
    "start": 6637.9,
    "end": 6639.879,
    "text": "Das war mein Psychotherapeut."
  },
  {
    "start": 6640.46,
    "end": 6652.84,
    "text": "hat diese Familienaufstellung oder hat diese Ausstellung, dieses Seminar der leitet, sonst wäre ich da auch gar nicht hingegangen, wenn es nicht diesen Menschen gegeben hätte, dem ich von vornherein total vertraut habe, sondern er hat gesagt, geh halt dahin und guck dir das an."
  },
  {
    "start": 6653.36,
    "end": 6659.28,
    "text": "Und ich bin dann direkt auch tatsächlich bei allen, es fanden vier Aufstellungen statt, bei jeder, also in der Aufstellung bin ich als Stellvertreter."
  },
  {
    "start": 6659.879,
    "end": 6660.6,
    "text": "ausgewählt worden."
  },
  {
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    "end": 6664.219,
    "text": "Und nur deswegen habe ich mich dann beim nächsten Mal getraut, selber aufzustellen."
  },
  {
    "start": 6664.28,
    "end": 6667.4,
    "text": "Und ich bin da hingefahren und ich wusste gar nicht, wen stelle ich jetzt auf."
  },
  {
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    "end": 6671.94,
    "text": "Ich wusste nur, wahrscheinlich sollte ich meinen Vater aufstellen, meinen Lebensgefährten und meine Mutter."
  },
  {
    "start": 6672.5,
    "end": 6677.48,
    "text": "Und bis aber zu dem Moment, wo ich dann vor Ort war, wusste ich nicht, wen soll ich jetzt tatsächlich aufstellen?"
  },
  {
    "start": 6677.54,
    "end": 6682.139,
    "text": "Na ja, dann hat sich durch ein kleines Prozedere herausgestellt, okay, es wird also mein Vater sein."
  },
  {
    "start": 6682.96,
    "end": 6683.96,
    "text": "Und ich bin."
  },
  {
    "start": 6684.32,
    "end": 6689.74,
    "text": "und mein Anliegen, was du gerade erwähnt hast, war was ich gerne gelöst haben möchte."
  },
  {
    "start": 6689.799,
    "end": 6694.0,
    "text": "für mich war ich darf mich nicht um mich selbst kümmern es darf nie um mich gehen."
  },
  {
    "start": 6694.2,
    "end": 6700.42,
    "text": "also das war einfach ein gesetz was so mit dem ich groß geworden bin und was so immer mir im nacken saß nein halt die fresse es darf nicht um dich gehen."
  },
  {
    "start": 6700.46,
    "end": 6704.32,
    "text": "halt die klappe muss sich um andere kümmern für andere da sein unterstellte sich im laufe dieser."
  },
  {
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    "end": 6710.46,
    "text": "dann eben gab es einen stellvertreter der meinen vater dargestellt hat und eine stellvertreterin für mich."
  },
  {
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    "end": 6736.02,
    "text": "Und dann stellte sich raus, deswegen frage ich das, weil das auch so zu deiner Geschichte passt, stellte sich raus, dass ich eben als Kind völlig unterbewusst und unbemerkt quasi die Historie meines Vaters auf meine Schultern, also seine Last, die er ja nun als Kriegskind, die völlig traumatisierte Geschichte, die habe ich, die war auf mich übergegangen, die habe ich bewusst, nee, unterbewusst als Kind meinem Vater, abnehmen wollen."
  },
  {
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    "end": 6743.04,
    "text": "Und weil der natürlich seit seines Lebens auch immer, weil es nur darum ging, es darf natürlich niemals um ihn gehen und so weiter so."
  },
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    "end": 6746.62,
    "text": "Und deswegen, und dann konnte ich in einem symbolischen"
  },
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    "end": 6747.6,
    "text": "Akt,"
  },
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    "end": 6759.4,
    "text": "habe ich dann von meiner Stellvertreterin, war ich dann wieder ich und dann konnte ich in einem symbolischen Akt quasi meinem Vater diese schwere Last, die ich eben seit meines Lebens nun für ihn habe tragen wollen, zurückgeben."
  },
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    "text": "Und das war wirklich abgefahren."
  },
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    "end": 6770.639,
    "text": "Und seitdem hat sich bei mir, also weißt du, egal, ob da wirklich irgendwas so zwischenmenschliches oder wie auch immer energiemäßiges stattfindet, ist ja egal."
  },
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    "end": 6771.76,
    "text": "Aber für mich hat es tatsächlich"
  },
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    "text": "gebracht und gelöst."
  },
  {
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    "end": 6783.559,
    "text": "Und da war das abgefahren, weil auch in den Aufstellungen, wo ich jetzt Stellvertreter war, was eben dieses Ähm, trans, wie nennst du das?"
  },
  {
    "start": 6783.66,
    "end": 6785.82,
    "text": "Transgenerationale oder wie nennst du"
  },
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    "end": 6786.219,
    "text": "das?"
  },
  {
    "start": 6786.26,
    "end": 6787.62,
    "text": "Genau, Betragung von Traumatern."
  },
  {
    "start": 6787.78,
    "end": 6788.04,
    "text": "Ja, was"
  },
  {
    "start": 6788.219,
    "end": 6807.76,
    "text": "da sich, was da aufgetreten ist, was sich da gezeigt hat, was wir wirklich aus Dingen, die wir gar nicht wissen können und die uns nie einer erzählt hat, was wir aber trotzdem irgendwie in uns tragen und was wir übernommen haben und was gelöst werden muss, damit wir irgendwie ein freieres Leben führen können."
  },
  {
    "start": 6807.82,
    "end": 6807.879,
    "text": "Ja."
  },
  {
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    "end": 6810.6,
    "text": "Ja, das ist schon wirklich ganz verrückt."
  },
  {
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    "end": 6827.0,
    "text": "Also ich war da so wild angespitzt, dass ich tatsächlich dann auch eine Ausbildung gemacht habe und ich bin jetzt irgendwie Systemaufstellerin auf dem Papier, merke aber, also ich praktiziere das nicht."
  },
  {
    "start": 6827.24,
    "end": 6860.46,
    "text": "ab und zu mal verabreden wir uns und aber ich merke, also weil ich da eben so durchlässig bin, dass ich im Augenblick eher das Gefühl habe, ich sollte eher Dinge praktizieren, die mich darin unterstützen, mich abzugrenzen, weil also das kann ich hier eben auch nur... berichten, das ist kein Spaß, also damit zu leben, weil das echt auch zu kuriosen Situationen führt."
  },
  {
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    "end": 6866.12,
    "text": "Also es passiert mir, dass ich in andere Rollen falle."
  },
  {
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    "end": 6884.58,
    "text": "Wenn ich in Situationen bin, die mich eng umgeben und es irgendwie um was geht, dann merke ich, dass es mir manchmal passiert, dass ich Also wie so eine Stellvertreterin, ja, Spreche."
  },
  {
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    "text": "Und mich dann auch wirklich erklären muss und sagen, weil es dann zu Irritationen kommt, weil man merkt, was redest du denn da?"
  },
  {
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    "end": 6900.42,
    "text": "Und dann Entschuldigung, jetzt muss ich erklären, Entschuldigung, ich habe mich da reinversetzt."
  },
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    "end": 6904.62,
    "text": "Ja, und das muss ich ja auch noch sagen, weil ich war in dem Thema ja auch gar nicht drin."
  },
  {
    "start": 6904.7,
    "end": 6911.76,
    "text": "Und wie gesagt, ich habe ohne zu wissen, was auf mich zukommt, habe ich mich auf dieses Stellvertreter da sein, in denen entsprechenden Situationen eingelassen."
  },
  {
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    "end": 6923.28,
    "text": "Und ich muss sagen, wenn ich nicht am eigenen Leib erfahren hätte, und ich sage es immer wieder, ich bin nicht spirituell unterwegs, ich bin nicht isoterisch oder sonst irgendwie empfänglich für irgendwelche, was weiß ich, Geschichten, bin ich nicht."
  },
  {
    "start": 6923.799,
    "end": 6934.96,
    "text": "Wenn ich das nicht am eigenen Leib erfahren hätte, was da mit einem passiert, hätte ich gedacht, wenn ich nur Zuschauer gewesen wäre, hätte ich gedacht, Oh, die sind alles gute Schauspieler, die steigern sich da irgendwie rein und denken sich irgendwas aus."
  },
  {
    "start": 6935.04,
    "end": 6938.559,
    "text": "Und weil die halt sehr kreativ sind, nein, es ist wirklich verrückt."
  },
  {
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    "text": "anstrengend."
  },
  {
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    "text": "Ich war massgeschwitzt danach."
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    "text": "Konnte nicht so schlimm."
  },
  {
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    "end": 6948.48,
    "text": "Ich habe gezittert darauf, weil das so anstrengend war, körperlich und mental und irre."
  },
  {
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    "end": 6954.16,
    "text": "Und ja, ich kann mir vorstellen, dass es Menschen gibt, die dafür empfänglicher sind als andere."
  },
  {
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    "text": "Aber es ist wirklich verrückt, weil ich habe nicht gewusst, auf was ich mich... Ich habe gar nicht gewusst, weil ich habe noch gefragt, was muss ich denn machen?"
  },
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  },
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    "text": "Ich hatte total Angst, irgendwelche Erwartungen jetzt nicht erfüllen zu können."
  },
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    "end": 6968.78,
    "text": "Und mir wurde einfach nur von allen, die dabei waren, gesagt, du musst gar nichts machen."
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    "text": "Es macht"
  },
  {
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    "end": 6970.96,
    "text": "mit dir."
  },
  {
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    "end": 6973.32,
    "text": "Es macht mit dir."
  },
  {
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    "end": 6973.5,
    "text": "Ja, genau."
  },
  {
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    "text": "Du musst"
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  {
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    "end": 6977.44,
    "text": "einfach nur in dem Moment das aussprechen, was in dir vorgeht."
  },
  {
    "start": 6977.52,
    "end": 6986.52,
    "text": "Und es gab Situationen, da war meine Stellvertreter-Roller schon wieder ausgesortiert worden, weil man dachte, dass meine... Das wäre fertig,"
  },
  {
    "start": 6986.66,
    "end": 6986.879,
    "text": "genau."
  },
  {
    "start": 6987.04,
    "end": 6987.1,
    "text": "Es"
  },
  {
    "start": 6987.18,
    "end": 6987.58,
    "text": "wäre fertig."
  },
  {
    "start": 6987.66,
    "end": 6990.68,
    "text": "Die Oma, ich glaube die Oma oder die Mutter, ich weiß es nicht mehr."
  },
  {
    "start": 6990.9,
    "end": 6991.98,
    "text": "hat doch keine Rolle gespielt."
  },
  {
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    "end": 7007.76,
    "text": "Ich bin nicht aussortiert worden, habe mich wieder auf meinen Platz gesetzt und dann haben die da weitergemacht und es hieß immer nur so, in deren Gefüge da, nee, irgendwas macht hier keinen Sinn, irgendwas stimmt hier nicht und ich habe schon längst wieder auf meinen Platz gesessen und ich habe reagiert weiter und war abgefahren."
  },
  {
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    "end": 7013.139,
    "text": "Ich bin wirklich gar kein ächslicher Mensch und ich war erfasst worden von einer Todesang."
  },
  {
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    "text": "Ich habe wirklich da gesessen in Panik."
  },
  {
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    "text": "Ich habe gezittert und geschwitzt und ich habe so gedacht, meine Güte, was ist denn jetzt?"
  },
  {
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    "end": 7023.5,
    "text": "Und ich habe das so zehn Minuten lang ausgehalten und ich habe natürlich nichts gesagt."
  },
  {
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    "text": "Und irgendwann, als ich merkte, die kamen dann nicht weiter, habe ich so gesagt, okay, ich weiß nicht, ob das jetzt hier angemessen ist oder wichtig, dass ich das sage, aber ich reagiere die ganze Zeit."
  },
  {
    "start": 7033.9,
    "end": 7037.46,
    "text": "Und dann haben die gesagt, ja krass, okay, dann muss man die Oma wieder dazuholen."
  },
  {
    "start": 7037.96,
    "end": 7041.94,
    "text": "Und dann fing es wieder an Sinn zu machen, dass die Oma wieder da eine Rolle spielte und so weiter."
  },
  {
    "start": 7042.36,
    "end": 7046.059,
    "text": "Aber also so habe ich mich noch nie gefühlt und noch nie erlebt."
  },
  {
    "start": 7046.139,
    "end": 7047.52,
    "text": "Es war abgefahren wirklich."
  },
  {
    "start": 7048.059,
    "end": 7051.54,
    "text": "Ja, ja, es ist eine unglaublich wirkungsmächtige Methode."
  },
  {
    "start": 7051.66,
    "end": 7058.9,
    "text": "und also weil das hier jetzt eben auch ein öffentliches sprechen ist, möchte ich auch sagen wirklich Augen auf und Obacht."
  },
  {
    "start": 7060.58,
    "end": 7079.08,
    "text": "Also, dass man da an Leute gerät, die wirklich achtsam und vorsichtig sind, weil da gibt es eben auch Leute, die das so und so praktizieren und wenn man eben den Eindruck hat, dass die Person, die die Aufstellung anleitet, irgendwie von inneren Überzeugungen getrieben ist und so, dann würde ich echt sagen vorsichtig."
  },
  {
    "start": 7079.2,
    "end": 7079.26,
    "text": "Ja,"
  },
  {
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    "end": 7080.08,
    "text": "genau."
  },
  {
    "start": 7080.9,
    "end": 7083.379,
    "text": "Man muss wirklich da ein vertrauensvolles Umfeld haben."
  },
  {
    "start": 7084.32,
    "end": 7087.7,
    "text": "Aber wir wollen jetzt mal wieder versuchen, den Bogen zu dir und zu deiner Mutter zu schlagen."
  },
  {
    "start": 7087.74,
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    "text": "Ist es total interessant, aber man verheiratet sich dann so."
  },
  {
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    "end": 7099.84,
    "text": "Ja, aber weißt du, ich könnte da gerade, wir haben im Zuge der Ausbildung so eine Variante der Aufstellungsarbeit gemacht, das heißt Live Integration Process."
  },
  {
    "start": 7101.16,
    "end": 7115.5,
    "text": "Und da, also das ist eine Methode der Aufstellungsarbeit, wo man also den Lebenszyklus in verschiedene Abschnitte gliedert und dann eben in die jeweiligen hereinguckt und guckt, ob jemand irgendwo steckengeblieben ist sozusagen."
  },
  {
    "start": 7115.639,
    "end": 7123.18,
    "text": "Und dann also nachschaut, ob da man da irgendwie ein Ereignis findet, was da vielleicht dazu geführt hat, dass eine Persönlichkeitsentwicklung nicht weitergehen konnte."
  },
  {
    "start": 7124.1,
    "end": 7126.04,
    "text": "Und dann war das also ganz gut gemeint."
  },
  {
    "start": 7126.08,
    "end": 7138.799,
    "text": "Dann haben die also im Nebenraum ein Setting aufgebaut, was jetzt also eben für den Uterus stehen sollte, weil eben die Annahme war, im Mutterbauch fühlt man sich ganz sicher und geborgen."
  },
  {
    "start": 7139.52,
    "end": 7145.32,
    "text": "Und das machen wir jetzt mal, um ein angenehm, wohliges Gefühl für alle zu erzeugen."
  },
  {
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    "text": "So, und dann saßen wir da und ich merkte schon, ich wurde nervös."
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    "text": "Und dann ging also meine Mitauszubildenden darüber und ich saß wie angenagelt auf meinem Stuhl und konnte nicht aufstehen."
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    "text": "Und also hab dann darüber geguckt."
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    "text": "und dann irgendwie, also kam dann auch eine meiner Kollegin da an und sagt, Anna, komm doch her."
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    "text": "Und dann, also da habe ich auch etwas erlebt, was ich dann also auch nicht unbedingt noch mal erleben möchte, weil also das hat mich da so zurückgeschleudert."
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    "text": "Und ich bin also wirklich auch in in Todesangst da weg gerannt und habe also ich habe so geheult und also habe so einen furchtbaren Anfall bekommen und also ich bin wirklich ich bin irgendwie bis zu dem habe ich im Klo eingeschlossen also völlig außer mir und dann also hat es eine ganze weile gedauert bis sie mich überhaupt da irgendwie wieder abgeflückt hatten."
  },
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    "text": "und dann also Genau, dann haben die mich also ganz doll festgehalten und gesagt, Anna, alles okay und du bist ja hier und es ist gar nichts passiert und du bist ja hier und du bist ja da."
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    "text": "Das ist alles in Ordnung."
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    "text": "Wenn ich mich eben nicht ganz ungar getäuscht habe, dann habe ich wohl in dieser Situation natürlich nicht Geborgenheit erlebt, sondern ich habe den Suizidversuch meiner Mutter getroffen."
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    "text": "Das heißt, ich habe irgendwie die Gelegenheit gehabt, mir diese Angst anzuschauen, die ich da erlebt habe."
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    "text": "Mir hilft es jetzt, mein Leben zu organisieren, dass ich mir denke, ja, genau."
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    "text": "Da ist bei mir etwas passiert."
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    "text": "Ich bin mein Leben lang mit einer Kraft verbunden, die eben eigentlich in diese pränatale Phase gehört."
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    "text": "Deshalb sind bei mir irgendwie Türen offen, die eigentlich sich regelhafterweise im Leben schließen."
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    "text": "und die sich schließen, bevor man schlüpft."
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    "text": "Und die sind bei mir irgendwie offen geblieben."
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    "text": "Also es ist vielleicht ein bisschen, weiß nicht, ist das bescheuert gesagt oder kann man sich das so vorstellen?"
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    "text": "Und das ist eben etwas, mit dem ich leben darf und leben muss."
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    "end": 7317.71,
    "text": "Und das, also für mich ist eben total hilfreich, dass, also ich meine, wenn ich das einfach als Metapher begreife, dann ist es für mich ein hilfreiches Bild, um mich organisieren zu können."
  },
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    "text": "Und wenn es eben vielleicht wirklich eine Gabe ist irgendwie, also oder, na wie soll ich sagen, also genau, wenn ich das als Gabe nutzen kann, dann ist es doch prima."
  },
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    "text": "Und das würde ich gerne noch erzählen."
  },
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    "text": "Also das war eben das Ding, als meine Mutter gestorben ist."
  },
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    "text": "Also habe ich wirklich eine Besonderheit, glaube ich, erlebt, weil ich in der Tat wirklich, also ich habe mit Schuldgefühlen überhaupt."
  },
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    "text": "kein Thema."
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    "text": "Das ist wirklich nicht mein Thema, sondern ich weiß eben, meine Mutter hat wirklich gedacht, ich kriege das gar nicht so richtig mit, weil ich ja nicht da war."
  },
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    "text": "Und das war nichts gegen mich und ich hätte nichts dagegen, niemand hätte etwas dagegen machen können, sondern es war eben wirklich einfach für sie der einzigmögliche Weg."
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    "text": "Und ich habe eben erlebt, dass ich sie total gut spüren konnte, nachdem sie gestorben war."
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    "end": 7382.37,
    "text": "Also da habe ich gemerkt, ich weiß genau, wo Mama gerade ist und ich weiß, dass sie jetzt meine Unterstützung braucht, damit sie weiter kommt."
  },
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    "end": 7390.01,
    "text": "Ich hatte das Gefühl, dass sie sozusagen jetzt in so einem Zwischenraum ist, weil es hat ja sozusagen niemand mit ihr gerechnet."
  },
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    "end": 7392.75,
    "text": "Sie hat das ja so willentlich herbeigeführt."
  },
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    "text": "Also sie war ja eigentlich gar nicht dran."
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    "text": "Das sind jetzt alles nur Versuche, Bilder dafür zu finden."
  },
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    "text": "Aber ich hatte das Gefühl, dass ich, und das ist eben die Verbindung, und das ist die Verbindung zu meiner Mutter, die ich beschreiben möchte, dass ich sie begleiten kann."
  },
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    "text": "Und ich war diejenige, die sie an die Hand genommen hat und in diesem komischen Zwischenraum weitergeführt hat."
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    "text": "aber wirklich in eine ziemliche Umkehr, du warst ja mehr Mutter als sie."
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    "text": "Ja, ja, aber ich meine, weißt du vielleicht, also ich war ja da schon mal, das hatte ich ja gesehen bei dieser Aufstellung."
  },
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    "text": "Weißt du, ich hatte da wirklich ein Erfahrungsvorsprung."
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    "text": "Ich weiß, wie es in dieser Zwischen, also das ist jetzt vielleicht allwann."
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    "text": "Ich glaube, ich bin jetzt eben auch nicht besonders isoterisch veranlagt, aber es tut mir leid."
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    "text": "Und ich meine, ich sage es jetzt hier laut sozusagen, weil ich hoffe, dass Ach ja, das vielleicht jemand davon profitiert."
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    "text": "Und das war natürlich komisch, weil meine ganze Familie saß da und war natürlich total konsterniert und entsetzt und sprachlos und alles Mögliche."
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    "text": "Und ich war total beseelt, weil ich dachte, ja jetzt, Mama und ich, wir sind gerade total verbunden."
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    "text": "Und ja, aber es war eben auch klar, dass daraus natürlich keine dauerhafte Beziehung entsteht, sondern es ging jetzt nur darum, sie weiter zu begleiten."
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    "text": "Aber das war eigentlich ganz, ganz schön."
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  },
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    "text": "Und das war wirklich, also die innigste Beziehung, die ich zu meiner Mutter jemals hatte."
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    "text": "Das war eine ganz schöne Zeit."
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    "text": "Ich habe sie rüber begleitet und dann ist sie gegangen."
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    "text": "Und sie ist seitdem, also ich meine, ich sehe ab und zu mal irgendwie träumig und so."
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    "text": "Aber da ist es eben, da ist sie wieder sehr beschäftigt."
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    "text": "Und das war Ganz schön."
  },
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    "end": 7549.67,
    "text": "Das ist dann vielleicht noch eine ganz lustige Pointe, weil ich schon amüsiert gehört habe, dass einige Bestattende hier im Podcast unterwegs sind."
  },
  {
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    "text": "Ich habe mich beruflich immer ordentlich rumgequält und habe lange an der Hochschule gearbeitet und war immer auf irgendwelchen komischen Befristeten."
  },
  {
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    "end": 7564.79,
    "text": "Und dann immer so knarzt, knarzt und sehr Schwierigkeiten irgendwie richtig anzukommen."
  },
  {
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    "end": 7572.09,
    "text": "Und irgendwann ließen sich dann auch wiederholbare Muster erkennen von Scheitern und von Problemen mit Vorgesetzten und so weiter und so weiter."
  },
  {
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    "text": "Naja."
  },
  {
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    "end": 7584.07,
    "text": "Und als dann wirklich alles so richtig in Klump mal lag, bin ich eben durch die Tür eines Bestattungsinstituts gefallen und habe gesagt, ich glaube, ich muss mich mal beruflich hier völlig neu orientieren."
  },
  {
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    "end": 7588.57,
    "text": "Und ich habe hier in diesem Bestattungsinstitut eine ganz tolle Begleitung."
  },
  {
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    "end": 7596.15,
    "text": "bei einem Trauerfall eines Freundes erlebt und kann ich hier einfach mal ein Praktikum machen."
  },
  {
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    "end": 7609.53,
    "text": "Dann bin ich also eine Woche in dem Bestattungsinstitut gewesen und habe am dritten Tag, als ich dann eben meinen ersten Kontakt mit einem verstorbenen hatte und merkte, das kann ich, darf ich bleiben und seitdem bin ich Bestatterin."
  },
  {
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    "end": 7629.99,
    "text": "Das ist eben wirklich so zauberhaft, weil ich gemerkt habe, dass das tatsächlich nicht nur für meine Mutter jetzt irgendwie galt, sondern dass ich offensichtlich irgendwie da echt hilfreich sein kann an der Stelle, weil ich mich gut verbinden kann."
  },
  {
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    "end": 7648.05,
    "text": "Und natürlich irgendwie habe ich das im Blick und möchte also nicht, dass das eben außer Rand und Wand ist, sondern eben auch da klar immer gucken, wo sind die Grenzen und wann ist was dran und dass es nicht außer, also aus dem Ruder läuft so."
  },
  {
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    "end": 7677.95,
    "text": "Aber ich merke, dass ich also jetzt wirklich Leuten das zur Verfügung stellen kann und dass also ich jetzt mich erküden würde, wirklich für mich zu zusammenzufassen, so wie meine Lebenssituation jetzt ist, habe ich eben also ein für mich glückliches, verbundenes, erdiges Echtes auf dieser Welt stattfindendes Familienleben mit allen Schwierigkeiten und Pubertät und allem drum und dran natürlich und Lernschwächen und was man nicht alles haben kann."
  },
  {
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    "end": 7686.769,
    "text": "Aber und ich habe irgendwie einen Fuß in dieser Zwischenwelt und kann damit Familien helfen."
  },
  {
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    "end": 7700.25,
    "text": "Und wenn wir eben schwere Fälle hatten und das hatte ja glaube ich Max gesagt, wenn man selbst einen Suizid erlebt hat, dann weiß man, dass man Diejenige ist die, die diesen Sterbefall begleitet und nicht jemand anders."
  },
  {
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    "text": "Und wir sind drei Frauen, die eben über verschiedenste Erfahrungen dieser Art verfügen."
  },
  {
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    "end": 7713.25,
    "text": "Und wir stehen jetzt da und wir helfen den Leuten."
  },
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    "end": 7716.15,
    "text": "Und das ist total großartig."
  },
  {
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    "end": 7724.59,
    "text": "Also, dass etwas, was sich so hässlich und zerstörerisch zeigen wollte, zu etwas so schönem geworden ist."
  },
  {
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    "end": 7731.43,
    "text": "Und natürlich eben auch, dass man ausgerechnet da sein Glück findet an dieser seltsamen Stelle."
  },
  {
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    "end": 7747.389,
    "text": "Na ja gut, das Leben ist halt eigenartig und das ist doch eine tolle Hoffnung, wenn man glauben kann, dass wenn man auch mit so einer seltsamen Ausstattung angeliefert und zurecht gedrückt worden ist, das ist so eine Fügung irgendwie auch geben darf."
  },
  {
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    "end": 7749.29,
    "text": "Das ist doch eine ganz gute Sache, oder?"
  },
  {
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    "end": 7749.97,
    "text": "Ja."
  },
  {
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    "text": "Es lässt zumindest hoffen."
  },
  {
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    "end": 7762.17,
    "text": "Und das ist ja das, was die meisten Zuhörer, die hier uns zuhören, daraus schöpfen können, ist die Hoffnung."
  },
  {
    "start": 7762.51,
    "end": 7774.69,
    "text": "Und also zu hören, guck mal, die haben das überlebt und die haben es nicht nur einfach irgendwie überlebt, sondern die haben einen neuen Weg für sich finden können und daraus etwas Gutes für sich machen können."
  },
  {
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    "end": 7777.75,
    "text": "Und das ist, glaube ich, die allerwichtigste Botschaft."
  },
  {
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    "end": 7787.49,
    "text": "Denn je nachdem, wann getroffen, anfangen diesen Podcast zu hören, dann sind die noch so in dieser, in dem Moment, wo man denkt, nein, ich sterbe einfach mit, ich werde das niemals überleben."
  },
  {
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    "end": 7789.57,
    "text": "Und doch, nein, es ist möglich."
  },
  {
    "start": 7790.11,
    "end": 7804.35,
    "text": "Und ja, wie man an dir sieht und vielleicht auch ein bisschen an mir sieht, es kann etwas, also in eine völlig andere Richtung gehen, als man sich das jemals, als man das jemals erwartet hätte, als man es jemals gedacht hätte, aber eben auch in eine ganz tolle, gute Richtung gehen."
  },
  {
    "start": 7808.389,
    "end": 7812.17,
    "text": "Was oder gibt es noch irgendetwas, was dir wichtig ist zu besprechen?"
  },
  {
    "start": 7812.83,
    "end": 7816.25,
    "text": "Weil ich habe dich, ich meine, ich könnte dir jetzt noch all diese Fragen, die ich sonst stelle, stellen."
  },
  {
    "start": 7816.33,
    "end": 7823.07,
    "text": "Aber ich glaube, wir sind gerade auf einer ganz anderen oder in einem einer ganz anderen, in ganz anderen Bereich sind wir gelandet."
  },
  {
    "start": 7823.55,
    "end": 7825.55,
    "text": "Und deswegen komme ich mir jetzt komisch vor, diese Fragen zu stellen."
  },
  {
    "start": 7826.07,
    "end": 7831.03,
    "text": "Deswegen frage ich dich, gibt es noch irgendetwas, was dir wichtig ist jetzt zu erwähnen oder zu besprechen?"
  },
  {
    "start": 7832.71,
    "end": 7864.87,
    "text": "Nee, ich glaube, dass das wesentlich Also war das das eben, also wie die Dinge transformieren sich und also eigentlich, ich glaube ich, wenn man sowas erlebt, dann wird man halt so gewaltvoll mit der Nase darauf gestoßen, dass eben jedes Leben so einzigartig ist und dass man sich nicht an den vorgefertigten Konsumangeboten irgendwie orientieren soll, sondern dass man wirklich eben einfach den eigenen Weg findet."
  },
  {
    "start": 7866.75,
    "end": 7870.51,
    "text": "Und wenn man eben nur ein Bein hat, dann würde ich empfehlen zu hüpfen."
  },
  {
    "start": 7871.35,
    "end": 7873.49,
    "text": "Und wenn man nicht hüpfen kann, dann muss man griechen."
  },
  {
    "start": 7873.61,
    "end": 7880.35,
    "text": "Und wenn man griecht, dann sieht man das Gras von ganz nahem und das Gras kann sehr, sehr schön sein und man riecht, wie es duftet."
  },
  {
    "start": 7880.85,
    "end": 7885.63,
    "text": "Also, das ist überhaupt kein Plädoyer zum schönreden."
  },
  {
    "start": 7886.23,
    "end": 7886.87,
    "text": "Überhaupt nicht."
  },
  {
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    "text": "Aber sich zu öffnen."
  },
  {
    "start": 7888.97,
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    "text": "Ja."
  },
  {
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    "end": 7900.05,
    "text": "Und ich meine, wir sind, glaube ich, konfrontiert eben mit einer Existenz, die viele Leute wegschieben, weil sie zu intensiv ist."
  },
  {
    "start": 7901.73,
    "end": 7906.33,
    "text": "Man einigt sich auf vorgefertigte Muster, damit es nur nicht so intensiv ist."
  },
  {
    "start": 7907.389,
    "end": 7913.93,
    "text": "Das ist der Hauptfehler, mit dem wir im allgemeinen System aufwarten, dass wir viel zu intensiv sind."
  },
  {
    "start": 7915.01,
    "end": 7919.43,
    "text": "Weil, wenn wir in Bildschirmen wären, wir sind falsch kalibriert."
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    "start": 7919.95,
    "end": 7925.35,
    "text": "Wir haben einen Farbspektrum, was so laut und so doll ist, weil das eben so geblitztingst worden ist."
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    "text": "Ja, und ich finde es da auch"
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    "end": 7928.87,
    "text": "sehr große Unterscheidungen."
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    "text": "Ich wollte dieses Thema eigentlich jetzt gar nicht aufmachen, aber es springt mich so an."
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    "text": "Gab es bei DEMA, war man ein ADHS oder so im Gespräch?"
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    "text": "Weil ich beschäftige mich gerade für mich und meine Mutter wahnsinnig mit diesem Thema."
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    "text": "Hast du damals drüber nachgedacht?"
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    "text": "Also, ja, ich bin mir ziemlich sicher."
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    "text": "Ja, und bei deiner Mutter finde ich das jetzt auch nicht abwegig."
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    "text": "Ja, genau."
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    "text": "Ich glaube, man kann sich ja in diesem ganzen Feld von Hochsensibilität, posttraumatische Belastungsstörung, ADHS, also ich würde mal eben, ich freue mich auf die Forschung, die vielleicht dann in ein paar Jahren auf die Idee kommt, dass viele der ADHS-Fälle posttraumatische Belastungsstörungen sind vielleicht."
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    "text": "Also das würde ich eben denken, einige beschreiben das eben als Hochsensibilität, andere eben jetzt."
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    "text": "Aber das sind doch Merkmale eines aufgescheuchten Systems, was eben die ganze Zeit nach Gefahren sucht."
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    "text": "Das würde ich sagen, das hat für mich viele Anzeichen einer posttraumatischen Belastung."
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    "text": "Ja, ja, da muss man sicherlich nochmal differenzieren jetzt im Laufe der Jahre, was die Forschung geht."
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    "text": "Da gebe ich dir absolut recht, genau."
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    "text": "Also, ich mein, jetzt sind halt gerade Sprünge halt alle auf diesen, der Druck auf."
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    "text": "Ja, ja, das stimmt schon."
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    "text": "Und ich denke auch, also wenn ich jetzt einen... So, hier gibt es ja so ein paar dämliche Online-Tests und so, wenn man das macht, da habe ich ganz viele Merkmale, aber eben ganz viele auch gar nicht."
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    "end": 8023.61,
    "text": "Und dann ist es vielleicht eher, geht es vielleicht eher in deine Richtung, dass du sagst, ja, genau so, PTBS oder eben Hochsensibilität oder wie auch immer, ja, ja, stimmt."
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    "text": "Das ist spannend, was dann die Forschung vielleicht noch ergeben wird in den nächsten Jahren."
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    "text": "Aber ja, ich finde das auch auffällig, dass viele, ja."
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    "text": "Ja, dass viele, die unter Depressionen leiden oder eben sich tatsächlich das Leben genommen haben, dass doch da viel übereinstimmt oft."
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    "text": "Anmerkmalen."
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    "text": "Ja, deswegen jetzt meine Frage zum Schluss."
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    "text": "Hast du eine Botschaft an die Zuhörer da draußen?"
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    "text": "Obgetroffen oder nicht?"
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    "text": "Ist egal."
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    "text": "Ich glaube, das habe ich eben."
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    "text": "Also mehr kann ich es nicht noch sagen."
  },
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    "end": 8056.87,
    "text": "Ich glaube, das war's."
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    "text": "Ja, dann danke ich dir lieber Anna."
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    "text": "Ich habe so das Gefühl, wir könnten nun noch über ganz, ganz viele, viele mehr Dinge sprechen, aber wir belassen es für heute dabei."
  },
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    "text": "Und ich danke dir von Herzen, dass du erzählt hast und ja, aus dem Gefühl, aus einem ganz anderen Blickwinkel noch mal erzählt hast."
  },
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    "end": 8079.769,
    "text": "Und das wird ganz, ganz vielen Zuhörern da draußen sehr, sehr weiterhelfen."
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    "text": "Ja,"
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    "text": "das würde mich freuen."
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    "text": "Ja, bin ich mir ganz sicher."
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    "end": 8087.769,
    "text": "Ja, alles Liebe für dich von Herzen und Danke, dass du erzählt hast."
  },
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    "start": 8088.23,
    "end": 8091.75,
    "text": "Ja, auch ich auch allen und danke dir, Elisabeth, für dieses Engagement."
  },
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    "text": "Ja, sehr gerne, danke schön."
  },
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    "text": "Tschüss."
  },
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    "text": "Okay, tschüss."
  },
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    "text": "Das war Annas Geschichte."
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    "text": "Ich möchte mich an dieser Stelle kurz bei euch für die teils schlechte Tonqualität meiner Tonspur entschuldigen."
  },
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    "start": 8104.85,
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    "text": "Ich weiß nicht, was heute los war und woran es lag."
  },
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    "text": "Wir sind mehrfach aus dem Gespräch geflogen und mussten neu ansetzen."
  },
  {
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    "text": "Und ich weiß nicht, warum es dann dieses Störgeräusch bei mir gegeben hat."
  },
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    "text": "Das tut mir sehr leid, denn es ließ sich leider nicht bereinigen."
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    "text": "Liebe Anna, danke, dass du heute mit so viel Offenheit und Mut deine Geschichte geteilt hast."
  },
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    "end": 8131.55,
    "text": "Es ist nicht selbstverständlich, über einen Schmerz zu sprechen, der so tief in der eigenen Biografie verankert ist."
  },
  {
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    "text": "Du hast uns gezeigt, wie komplex Liebe sein kann, besonders dann, wenn sie von einer Mutter kommt, die selbst so viel mit sich zu tragen hatte, dass sie kaum etwas geben konnte."
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  {
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    "end": 8148.65,
    "text": "Dass du heute einen Platz in dir gefunden hast, an dem Frieden möglich ist, berührt mich sehr."
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    "text": "Es zeigt, wie viel Kraft in dir steckt und wie viel du aus all dem Schweren geschaffen hast."
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    "text": "Du hast aus Dunkelheit etwas Helles geformt, Fähigkeiten, Empathie, eine besondere Art, andere zu sehen und ihnen zu begegnen."
  },
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    "text": "Und es ist schön zu hören, dass du heute einen Weg gehst, auf dem genau diese Qualitäten einen Sinn bekommen dürfen."
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    "text": "Ich danke dir von Herzen für dein Vertrauen und dafür, dass du deine Stimme in diesem Gespräch erhoben hast."
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    "text": "Möge dein Weg weiterhin getragen sein von Klarheit, Verbundenheit und der Gewissheit, dass du aus deiner Geschichte etwas Wertvolles geschaffen hast."
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    "text": "Wer auf dem Laufenden gehalten werden möchte, was diesen Podcast angeht, der findet ihn auf Instagram unter selbstwort unterstrichpodcast und Facebook unter selbstwort."
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    "text": "Über eine positive Bewertung des Podcasts und ebenso des Buches, überall dort, wo es möglich ist, freue ich mich sehr."
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    "text": "Wenn du auch ein Betroffener oder ein Betroffener von Suizid bist und du deine Geschichte hier erzählen möchtest, dann melde dich gerne bei mir unter mailadselbstwort.com."
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    "text": "Ich danke euch sehr fürs Zuhören."
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    "text": "Bis zum nächsten Mal."
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]