[
  {
    "start": 15.82,
    "end": 19.86,
    "text": "Ganz herzlich Willkommen zur zweiten Folge von Selbstwort."
  },
  {
    "start": 21.08,
    "end": 30.64,
    "text": "In diesem Podcast geht es um Suizid, Betroffene erzählen ihre Geschichten, von ihren Erfahrungen und allem was mit ihrer jeweiligen Situation einhergeht."
  },
  {
    "start": 31.58,
    "end": 34.72,
    "text": "Mein Name ist Elisa Roth und ich selbst bin eine Betrofene."
  },
  {
    "start": 35.66,
    "end": 39.4,
    "text": "Meine Mutter hat sich in das Leben genommen, da war ich siebenundzwanzig."
  },
  {
    "start": 40.32,
    "end": 46.28,
    "text": "Da das Thema Suizide und darüber reden Immer noch ein Tabu ist, kam mir die Idee für diesen Podcast."
  },
  {
    "start": 46.94,
    "end": 48.4,
    "text": "Denn Betroffene wollen ja reden!"
  },
  {
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    "end": 54.84,
    "text": "Sie wollen ihre Geschichten erzählen und das sollen sie – laut und deutlich und für alle hörbar."
  },
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    "end": 62.3,
    "text": "Diese zweite Folge habe ich ursprünglich am vierzehnten Februar-Zweitausendzwanzig veröffentlicht."
  },
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    "text": "Das ist inzwischen fünf Jahre"
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    "text": "her.\"."
  },
  {
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    "end": 76.38,
    "text": "Vor einer Weile habe ich dann nach all den Jahren wieder in meine Geschichte, also die ersten beiden Folgen dieses Podcasts reingehört und mich ehrlich gesagt ziemlich geschämt."
  },
  {
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    "end": 77.2,
    "text": "Ja!"
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    "end": 83.44,
    "text": "Ich weiß es waren nun mal die Anfänge und ich hatte keinerlei Erfahrung – alles war komplett neu für mich."
  },
  {
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    "end": 88.06,
    "text": "und ich weiß auch dass viele von euch die Folgen genau deswegen gerne mochten."
  },
  {
    "start": 88.66,
    "end": 98.62,
    "text": "aber ich konnte das so einfach nicht länger stehen lassen Denn es wird ja immer wieder Hörer geben, die nicht schon länger mit mir auf dieser Reise sind, sondern die neu erster zukommen."
  },
  {
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    "end": 103.1,
    "text": "Und den bin ich es schuldig, nicht so leihenhaft und holprig daherzukommen!"
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  {
    "start": 103.78,
    "end": 107.64,
    "text": "Und deshalb habe ich nun genau diese beiden Folgen neu eingelesen."
  },
  {
    "start": 108.76,
    "end": 121.66,
    "text": "Bei ihrer Veröffentlichung – und tatsächlich auch bis einschließlich Folge sechzehn hieß der Podcast noch anders, nämlich das ist ja wohl eine Unverschämtheit... Ich habe den Titel sehr geliebt und fand ihn unglaublich passend."
  },
  {
    "start": 122.26,
    "end": 125.34,
    "text": "Woher er kommt, könnt ihr in der ersten Folge"
  },
  {
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    "end": 125.92,
    "text": "erfahren.\"."
  },
  {
    "start": 126.64,
    "end": 132.46,
    "text": "Aber auf Dauer war dieser Titel dann doch etwas sperrig und missverständlich – daher ist es selbst Wort geworden."
  },
  {
    "start": 134.7,
    "end": 138.46,
    "text": "Bevor es aber mit dieser Folge nun losgeht noch ein bisschen Werbung in eigener Sache!"
  },
  {
    "start": 139.0,
    "end": 144.7,
    "text": "Mein Buch das den Titl Suizid Das Leben Danach Trägt Ist überall zu bestellen."
  },
  {
    "start": 145.36,
    "end": 148.64,
    "text": "Die Verlagseite mit dem Bestell Link findet ihr in den Show Notes."
  },
  {
    "start": 149.26,
    "end": 156.04,
    "text": "In dem Buch sind acht von ihnen selbst verfassten, suizidbetroffenen Geschichten enthalten – meine eigene eingeschlossen."
  },
  {
    "start": 156.84,
    "end": 170.78,
    "text": "Des weiteren zwei Erzählungen beziehungsweise ein Interview mit an Depressionen erkrankten die jeweils mehrere Suizidversuche überlebt haben sowie einen Kapitel mit Tipps für den Umgang Betrauenden und zu guter Letzt ein Interview."
  },
  {
    "start": 179.84,
    "end": 180.72,
    "text": "Das zweite ist?"
  },
  {
    "start": 181.3,
    "end": 186.42,
    "text": "Ihr habt es sicher schon mehrfach über Instagram und Facebook mitbekommen, da sich den Hagi erfunden habe."
  },
  {
    "start": 187.2,
    "end": 197.18,
    "text": "Dabei handelte sich um eine Umarmung zum Verschenken in Form eines Hoodies – also eines kaputzen Pullovers auf denen auf der Rückseite umarmende Arme gedruckt sind."
  },
  {
    "start": 197.94,
    "end": 212.92,
    "text": "Jahrelang habe ich selbst nach einem Geschenk gesucht, mit dem man jemandem stellvertretend eine Um armung schenken kann die immer wenn es nötig ist hervorgeholt werden kann Zum Beispiel nach einem Trauerfall, wo Umarmungen ja oft das Wohltunste und Hilfreichste sind."
  },
  {
    "start": 213.42,
    "end": 216.08,
    "text": "Oder einfach grundsätzlich für jeden der es einfach verdient hat."
  },
  {
    "start": 217.0,
    "end": 226.28,
    "text": "Es gibt den Hagi auch für Kinder Denn besonders sie können eine Umarmung in schweren Zeiten so gut gebrauchen Vielleicht ja von jemandem, den Sie vermissen Der nicht mehr da ist."
  },
  {
    "start": 227.12,
    "end": 235.46,
    "text": "Mit einem Hagi machst du ein warmherziges sehr persönliches besonderes bedeutungsvolles einzigartiges Geschenk Das voller Liebe steckt."
  },
  {
    "start": 236.48,
    "end": 238.72,
    "text": "Den Link zur Website findet ihr in den Schornnotz."
  },
  {
    "start": 239.36,
    "end": 242.82,
    "text": "Ihr könnt euch auf der Homepage euren ganz individuellen Hagi zusammenstellen."
  },
  {
    "start": 243.64,
    "end": 256.88,
    "text": "Und nun hört ihr den zweiten Teil meiner Geschichte, die ich im Jahr zwei Tausend Achtzehn aufgeschrieben habe Die Beerdigung."
  },
  {
    "start": 258.12,
    "end": 268.6,
    "text": "Nach den Beileitsbekundungen gab es in der angrenzenden Wirtschaft noch den üblichen Leichenschmaus Aber davon hab' ich auch nur ein paar Waagebilder, die nicht mehr der Rede wert sind."
  },
  {
    "start": 269.32,
    "end": 276.46,
    "text": "Das Einzige, das mir von dem Tag noch in Erinnerung geblieben ist, ist der Rosenmann, der so bitterlich am Grab geweint hat."
  },
  {
    "start": 277.08,
    "end": 283.34,
    "text": "Den haben wir nämlich auf unserer Heimfahrt noch auf den Fahrrad gesehen und der Straßenname an dem der Friedhof liegt."
  },
  {
    "start": 283.76,
    "end": 287.6,
    "text": "Der lautet nämlich Galkheide – wie schön!"
  },
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    "end": 289.76,
    "text": "Und passend wenn man so"
  },
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    "end": 290.04,
    "text": "will.\"."
  },
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    "end": 296.42,
    "text": "Das nächste schlimme Ereignis, dass nun Anstand war das Lehrräumen der Wohnung."
  },
  {
    "start": 296.88,
    "end": 303.2,
    "text": "Mein Bruder war inzwischen wieder nach München abgereist und deshalb konnte er sich natürlich nicht um die Dinge kümmern, die noch anfielen."
  },
  {
    "start": 303.94,
    "end": 307.2,
    "text": "Mein Vater war zu überhaupt nichts zu gebrauchen – er war am Ende!"
  },
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    "end": 313.92,
    "text": "Anfangs — und teilweise auch heute noch um ehrlich zu sein — fand ich seine Reaktionen etwas befremdlich und"
  },
  {
    "start": 314.02,
    "end": 314.78,
    "text": "unverständlich.\"."
  },
  {
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    "end": 320.86,
    "text": "Meine Mutter war zwei Jahre zuvor ausgezogen und die beiden hatten nur noch den nötigsten Kontakt."
  },
  {
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    "end": 329.84,
    "text": "Zwar war der Auszug, die Trennung von meiner Mutter gewünscht und initiiert aber dennoch hatten die beiden auch schon lange eine eher schwierige Verbindung."
  },
  {
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    "end": 333.32,
    "text": "In erster Linie ging das aber sicher von meiner mutter aus."
  },
  {
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    "end": 336.06,
    "text": "Das muss ich aus Respekt vom meinen Vater schon sagen."
  },
  {
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    "end": 340.36,
    "text": "Wenn es nach ihm gegangen wäre hätte sie sich ja nicht ausziehen müssen."
  },
  {
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    "end": 350.28,
    "text": "Wie auch immer Die ersten Wochen und Monate nach dem Tod meiner Mutter ging es ihm so schlecht, dass ich jedes Wochenende nach Münster gefahren bin um für ihn da zu sein."
  },
  {
    "start": 351.08,
    "end": 360.44,
    "text": "Wirklich verstanden habe ich das selbst nicht, denn auch er hatte ja Freunde und Menschen mit denen er sich hätte umgeben können und die ihm mehr als bereitwillig beigestanden hätten."
  },
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    "end": 366.08,
    "text": "Ich habe aber erst nach einer ganzen Weile begriffen, dass das nie eine Option für ihn hätte sein"
  },
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    "end": 366.44,
    "text": "können.\"."
  },
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    "text": "Für ihn war der Suizid seiner Frau nicht einfach nur eine Katastrophe wie für mich und meinen Bruder, sondern zusätzlich eine Schande."
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  {
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    "end": 380.24,
    "text": "Und die hat ihm mehr oder weniger verboten mit irgendeinem Außenstehenden darüber zu sprechen."
  },
  {
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    "end": 386.9,
    "text": "Mein Vater ist zum einen Jahrgang neunzehnhundertsechsunddreißig – und obendrein noch Psychologe!"
  },
  {
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    "text": "Von Anfang an hat er gewusst, dass meine Mutter krank"
  },
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    "text": "ist.\"."
  },
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    "text": "Und vermutlich hatte er es als so eine Art Lebensaufgabe gesehen, meine Mutter am Leben zu halten."
  },
  {
    "start": 397.68,
    "end": 406.7,
    "text": "Und dass er es nicht geschafft hat war so eine Schande für ihn, das er anfangs noch nicht einmal seinen engsten Freunden sagen konnte, dass sie sich das Leben genommen hat."
  },
  {
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    "end": 411.06,
    "text": "Er konnte nur sagen, dass die krank war und das war ja auch nicht gelogen."
  },
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    "end": 422.66,
    "text": "aber eben deshalb waren mein Bruder und ich Und ich eben noch viel mehr, da ich soviel näher wohnte – die einzigen Menschen, die er in seiner Gegenwart ertragen konnte, da wir ja im selben Boot saßen."
  },
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    "end": 431.68,
    "text": "Aber wie ich bereits erwähnt habe, gesprochen haben wir nie wieder über den Suizid und eigentlich auch nicht einmal großartig über meine Mutter selbst!"
  },
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    "end": 435.8,
    "text": "Im Laufe der Jahre hab' ich das akzeptiert und respektiere es auch."
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    "end": 437.82,
    "text": "Er kann's eben einfach nicht…."
  },
  {
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    "end": 439.86,
    "text": "und dann möchte ich ihn auch nicht dazu"
  },
  {
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    "end": 440.28,
    "text": "zwingen.\"."
  },
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    "end": 447.54,
    "text": "Aber der Zustand meines Vaters hat es dann mit sich gebracht, dass ich mich um alles was zu tun war gekümmert habe."
  },
  {
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    "end": 452.64,
    "text": "Das Zusammenpacken und Ausräumen ihrer Wohnung, der Verkauf ihrer Praxis usw."
  },
  {
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    "end": 464.74,
    "text": "Vielleicht ist das jetzt auch gar nicht zu hundert Prozent die Wahrheit, denn mit Sicherheit gab es einige Dinge, um die sich auch mein Vater gekümpft hat aber das war vielleicht erst etwas später als er wieder mehr Kraft hatte."
  },
  {
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    "end": 475.06,
    "text": "Das Schlimme beim Zusammenpacken ihrer Sachen war, dass ich dadurch noch einmal besonders vor Augen geführt bekommen habe wie krank und gestört sie wirklich war."
  },
  {
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    "end": 480.48,
    "text": "Egal welchen Schrank man öffnete nichts lag schief oder unordentlich."
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  {
    "start": 481.18,
    "end": 489.0,
    "text": "Alles sah aus wie aus einem Katalog akkurat sauber und aufgeräumt alles auch in der Küche."
  },
  {
    "start": 490.64,
    "end": 497.1,
    "text": "Meine Tante hat mal gesagt, dass es – selbst wenn meine Mutter gekocht hat – in der Küche währenddessen wie geleckt aussah."
  },
  {
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    "end": 500.78,
    "text": "Selbst da durfte es keinerlei Unordnung oder Dreck geben."
  },
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    "end": 510.24,
    "text": "Zu vielen Dingen in ihren Schränken hatte sie Zettel gelegt mit Erklärungen und Vorschlägen, wie sie nach ihrem Tod mit den Dingen verfahren"
  },
  {
    "start": 510.3,
    "end": 510.54,
    "text": "würde.\"."
  },
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    "end": 517.02,
    "text": "wer welches Bild bekommen sollte, könnte an wen wir welches Instrument verkaufen könnten."
  },
  {
    "start": 517.48,
    "end": 533.64,
    "text": "Wer von ihr noch für eine Fotocede Geld bekäme was ich aus einem Stück Stoff dass sie aus China mitgebracht hatte nähen könnte das die Messer die sie ebenfalls für uns aus China Mitgebracht hat scheiße sein Was mit den Patienten Karteien geschehen solle und so weiter."
  },
  {
    "start": 534.68,
    "end": 540.5,
    "text": "In ihrem Abschiedsbrief schlug Sie eine Anonyme Beerdigung vor aber sie können jetzt auch nicht an alles denken."
  },
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    "end": 542.18,
    "text": "Oder habe ich das schon erzählt?"
  },
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    "end": 547.96,
    "text": "Dass sich tatsächlich die ganze Wohnung leer geräumt haben, stimmt glaube ich nicht."
  },
  {
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    "end": 551.02,
    "text": "Da müsste ich noch einmal meinen Vater befragen!"
  },
  {
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    "end": 565.2,
    "text": "Ich weiß dass ich all ihre Kleidung zusammengepackt habe um diese dann zu spenden und ich erinnere mich noch dass ich mit drei meiner liebsten und engsten Freunde mit einem Transporter zu ihrer Wohnung gefahren bin und wie wir zu vier dort waren."
  },
  {
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    "end": 569.56,
    "text": "aber was wir genau ausgeräumten und verladen haben weiß ich nicht mehr."
  },
  {
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    "end": 575.28,
    "text": "Da wir grundsätzlich keine Eile mit dem Ausräumen hatten, musste nicht alles auf einen Schlag weg."
  },
  {
    "start": 575.94,
    "end": 581.4,
    "text": "Ich glaube, wir haben auch erst einmal herumgefragt ob irgendjemand noch etwas von den Möbeln oder Ähnlichem haben wollte."
  },
  {
    "start": 582.02,
    "end": 590.48,
    "text": "Ihren großen Kleiderschrank habe ich mit nach Köln genommen und ihn viele Jahre noch in Ehren gehalten bis er dann nach einigen Umzügen nicht mehr überlebensfähig war."
  },
  {
    "start": 592.24,
    "end": 598.12,
    "text": "Bei einem der Besucher in ihrer Wohnung habe ich mich irgendwann getraut in den Keller zu gehen – dort hatte sie sich"
  },
  {
    "start": 598.2,
    "end": 598.56,
    "text": "erhängt.\"."
  },
  {
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    "end": 602.06,
    "text": "Und ich war fassungslos, was sich dort zu sehen bekam."
  },
  {
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    "end": 620.96,
    "text": "Es stand noch die Kiste da von der sie offensichtlich gesprungen war – es lagen noch die Gummihandschuhe der Sanitäter oder vom wem auch immer dar, Verpackungsmaterial von Dingen, die Sie benötigten um sie zu versorgen und unter der Stelle an der sie gehangen haben muss, war ein großer Fleck auf dem Betonboden."
  },
  {
    "start": 621.96,
    "end": 627.62,
    "text": "Ich habe mir bis heute verboten herauszufinden, was das genau war — ich kann es mir denken — und das"
  },
  {
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    "text": "reicht.\"."
  },
  {
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    "end": 632.28,
    "text": "Dass die Schließmuskeln bei einem Toten nicht mehr funktionieren, ist mir bekannt."
  },
  {
    "start": 632.8,
    "end": 633.78,
    "text": "Und dabei belasse ich es."
  },
  {
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    "end": 636.18,
    "text": "Es ist alles schon unwürdig genug finde"
  },
  {
    "start": 636.28,
    "end": 636.38,
    "text": "ich.\"."
  },
  {
    "start": 638.52,
    "end": 640.82,
    "text": "Im Keller gefunden hat sie ein anderer Mieter."
  },
  {
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    "end": 655.82,
    "text": "Ganz oben unterm Dach hat eine ältere Dame gewohnt und unten im Erdgeschoss ein Mittelalter her von dem sie wusste das dieser Psychologe war – und ich bin mir hundertprozentig sicher dass sie es so eingefädelt hat, dass genau er Sie findet!"
  },
  {
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    "end": 661.5,
    "text": "denn sie hätte gewusst, dass die ältere Dame von oben vermutlich unmittelbar einen Herzinfarkt erlitten hätte."
  },
  {
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    "end": 670.72,
    "text": "Insofern kam nur der Psychologe infrage – wie genau sie es angestellt hat, das er in den Keller ging als er gegangen ist weiß ich bis heute nicht!"
  },
  {
    "start": 671.8,
    "end": 683.3,
    "text": "Ich habe nach ihrem Tod versucht per Brief Kontakt zu ihm aufzunehmen und habe mich wieder einmal für die Unannehmlichkeiten, die meine Mutter verursacht hat entschuldigt aber leider hatte sich nie zurückgemeldet."
  },
  {
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    "end": 689.38,
    "text": "Ich hatte es ihm in meinem Brief natürlich freigestellt und Verständnis dafür bekundet, wenn er sich nicht melden wollte."
  },
  {
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    "end": 690.22,
    "text": "Das ist ja klar!"
  },
  {
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    "end": 693.56,
    "text": "Was für eine unvorstellbare Situation?"
  },
  {
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    "end": 697.04,
    "text": "Man geht nichts Ahnend in den Keller – dann hängt da jemand."
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  {
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    "end": 698.54,
    "text": "Unvorstellbar…."
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  {
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    "end": 707.34,
    "text": "Ich bin mir aber auch sicher, dass meine Mutter hätte sie es vermeiden bzw umgehen können, das überhaupt irgendjemand sie findet, sie das auch getan"
  },
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    "text": "hätte.\"."
  },
  {
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    "end": 713.72,
    "text": "Aber hierbei war vermutlich das geringere Übel, dass nicht auch noch einer von uns sie findet."
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  {
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    "end": 722.7,
    "text": "Im Grunde hätte sie es ja auch in ihrer Wohnung tun können – nur dann hätte sie wahrscheinlich eine Weile dort gehangen und dann hätte ja mit ziemlicher Sicherheit einer von us sie gefunden."
  },
  {
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    "end": 726.48,
    "text": "Dafür bin ich heute noch unendlich dankbar, daß sie das vermieden"
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  {
    "start": 726.56,
    "end": 726.7,
    "text": "hat.\"."
  },
  {
    "start": 728.56,
    "end": 734.38,
    "text": "In den Wochen nach dem vierten Oktober bin ich ein paar Mal weggefahren um irgendwie ansatzweise meinen Kopf frei zu kriegen…."
  },
  {
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    "end": 736.38,
    "text": "Das hat natürlich überhaupt nicht geklappt!"
  },
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    "text": "Aber ich habe mal andere Menschen zu Gesicht bekommen, unter anderem Freunde in Berlin die ich schon eine Weile nicht mehr gesehen hatte."
  },
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    "text": "Das hat gut getan!"
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    "text": "Bei diesem Besuch ist mir zum ersten Mal aufgefallen das da ich ja nun von mir aus über das was passiert war gesprochen hatte so viele Menschen um mich herum ebenfalls mindestens einen Suizidfall in der Familie hatten und dass sie sogar dankbar schien endlich auch mal darüber sprechen zu können."
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    "text": "So viele Briefe und E-Mails haben mich in dieser Zeit erreicht, so viele Menschen die Anteil genommen haben."
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    "text": "Und meist waren es Menschen von denen ich es nie erwartet und womit ich nie gerechnet hätte – das war unglaublich schön!"
  },
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    "text": "Auch als ich letztes Jahr zu ihrem fünftzehnten Todestag etwas gepostet habe, habe ich so viele Zuschriften von Menschen aus meinem näheren oder auch weiteren Umfeld bekommen…."
  },
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    "text": "Facebook-Freunde, die man vom Sehen kennt mit denen man aber eben eigentlich nicht weiter etwas zu tun hat."
  },
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    "end": 803.48,
    "text": "Und plötzlich kommen da all diese Geschichten, die so schlimm und traurig und furchtbar sind und von denen man niemals gedacht hätte dass diese Leute genau das erlebt haben."
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    "text": "Ein paar Mal schon habe ich überlegt so eine Art Selbsthilfegruppe zu gründen Aber das übersteigt dann doch wieder das was ich möchte Denn ich möchte ja nicht tagtäglich und permanent über diese schlimmen und bedrückenden Schicksale sprechen und alles genau auseinander klamüsern."
  },
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    "end": 824.62,
    "text": "Ich möchte aber irgendwie dafür sorgen und dazu beitragen, dass die Verstorbenen nicht in Vergessenheit geraten."
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    "text": "Sondern das immer weiter über sie gesprochen wird – und Sie somit am Leben gehalten"
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    "text": "werden.\"."
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    "text": "Und das ist das was ich mit meinem Post ausdrücken wollte!"
  },
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    "text": "Dass das schweigen und nicht mehr darüber reden."
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    "text": "das Schlimmste is'."
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    "text": "Ich habe meinen Bruder vor einigen Jahren gefragt ob er unsere Mutter denn gar nicht vermisse Denn ich vermisse sie so sehr."
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    "text": "Da ist noch viel unter der Kruste dass sich nicht hervorlasse."
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    "text": "lebe ich weiter so, wie ich es die letzten fünfzehn Jahre getan habe."
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    "text": "Denn ich weiß, dass ich auf diese Weise nicht untergegangen"
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    "text": "bin.\"."
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    "text": "Mein Lebensgefährter hat vor einiger Zeit im Streit zu mir gesagt – dir geht's ja nur gut wenns dir schlechtgeht!"
  },
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    "text": "Ich war so empört und schockiert, wie er so etwas überhaupt nur denken konnte…."
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    "end": 900.1,
    "text": "Ich bin keine Trübe-Tasse, keine Partybremse, keine Spielverderberin."
  },
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    "text": "Ich bin lebensfroh und kann mich an so vielen Dingen erfreuen – ich bin doch gerade froh wenn es mir nicht schlecht geht und dankbar für jeden Tag der nicht schwer und beschwerlich"
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    "text": "ist.\"."
  },
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    "text": "Und dafür habe ich lange gebraucht um es zu erkennen oder überhaupt zugeben zu können…."
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    "text": "Es geht zwar in eine andere Richtung als mein Lebensgefährte meinte, aber es ist vielleicht ähnlich gelagert."
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    "text": "Und das zuzugeben fällt mir nicht leicht da es ziemlich peinlich und unangenehm ist – denn Sinn macht es überhaupt nicht!"
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    "text": "Aber ich gestehe mir, in erster Linie natürlich unbewusst und unterbewusst immer nur bis zu einem gewissen Grad ein glücklich und unbeschwert zu sein."
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    "text": "Das würde ich als totalen Verrat an meiner Mutter empfinden."
  },
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    "text": "So krank das auch ist, denn ich weiß ja ganz genau dass meine Mutter natürlich wollen würde, dass ich zu hundert Prozent glücklich bin aber in dem Moment wo ich zu Hundert Prozent Glücklich und unbeschwert wäre Würde das bedeuten?"
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    "text": "Dass mir ihr Verlust nichts mehr ausmacht Und das wäre das schlimmste und der totale Verrat An Ihr."
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    "text": "so empfinde Ich das!"
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    "text": "Neulich hat mir eine enge Freundin, deren Mutter ebenfalls Suizid begangen hat als meine Freundin zwei Jahre alt war von einem Abschiedsritual erzählt dass sie gerne für ihre Mutter durchführen würde um damit abschließen zu können."
  },
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    "text": "Ob ich an so etwas auch Interesse hätte In mir hat sich sofort alles gesträubt und ich wollte noch nicht einmal darüber nachdenken."
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    "text": "Ich möchte mich nicht verabschieden, ich möchte sie ja bei mir haben weil ich sie so vermisse und sie mir so fehlt."
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    "text": "da kann ich mich doch nicht von ihr verabscheiden."
  },
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    "text": "absolut undenkbar."
  },
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    "text": "das würde ich genauso als Verrat empfinden."
  },
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    "text": "ich sehe schon vielleicht sollte ich doch mal die Nummer eines Fegenpsychologen heraus suchen."
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    "text": "Direkt nach dem Tod meiner Mutter habe ich mich tatsächlich in psychotherapeutische Behandlung begeben."
  },
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    "text": "Nicht, weil ich den Eindruck hatte, dass ich es brauche – denn eigentlich hatte ich das Gefühl, dass sich ihre Entscheidung akzeptieren kann und dementsprechend keine Schuldgefühle oder dergleichen habe."
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    "end": 1043.619,
    "text": "Ich wollte das nur rein prophylaktisch tun, da ich Angst hatte ,dass sonst Jahre später irgendetwas über mich hereinbricht, dass sie nicht haben kommen"
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    "text": "sehen.\"."
  },
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    "text": "Aber diese Art von Therapie war überhaupt nichts für mich!"
  },
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    "text": "Ich weiß noch nicht einmal, wie man sie nennt."
  },
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    "text": "Jedenfalls sollte ich immer die Augen schließen und dann Kontakt aufnehmen zu mir selbst als Kind und mir dann selbst Sachen sagen – ziemlich schräg und nichts für mich!"
  },
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    "text": "Ich wollte ja auch die Ist-Situation bewältigen und nicht die Vergangenheit."
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    "text": "Später habe ich es dann nochmal versucht bei einer ganz tollen Ärztin, die gleichzeitig Homeopathin war."
  },
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    "text": "Aber irgendwie ging es in den Sitzungen dann ganz schnell um die schwierige Beziehung, in der ich zu dieser Zeit steckte und gar nicht mehr um meine Mutter…."
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    "text": "Das heißt also, dass ich bis heute den Suizid meiner Mutter ausschließlich selbst therapiert habe und nie professionell."
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    "text": "Und wie sich weiter oben zeigt sollte ich das vielleicht doch mal irgendwann tun."
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    "text": "Denn viele Dinge kann man sicher selbst noch so sehr vornehmen sie zu ändern."
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    "text": "es geht einfach nicht."
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    "text": "Vierter Oktober zwei tausendachzehn."
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    "text": "Heute ist es wieder soweit."
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    "text": "Es ist wieder einmal der vierte oktober ihr Todestag."
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    "text": "Seit Tagen graut mir vor diesem Tag."
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    "text": "Jedes Jahr."
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    "text": "aufs Neue ist es der beschissenste Scheiß-Tag für mich."
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    "text": "Auch nach mittlerweile sechzehn Jahren noch!"
  },
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    "text": "Es sind so unendlich viele Gefühle, die an diesem Tag zusammenkommen, das mich jedes Einzelne überfordert und zu viel isst."
  },
  {
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    "text": "Es geht auch nicht alleine um diesen Tag an sich – es sind die Tage davor und danach."
  },
  {
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    "text": "Es i s die ganze Jahreszeit, der Herbst, der eigentlich so wunderschön i s mit all seinen Facetten und den ich eigentlich sehr liebe."
  },
  {
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    "end": 1142.58,
    "text": "Aber seit sechzehn Jahren ist er nun unmittelbar verschmolzen mit diesem unglaublich schweren und traurigen Gefühl von diesem Blei auf den Schultern unter Brust."
  },
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    "text": "Warum isst eigentlich der Todestag immer so ein Scheiß-Tag?"
  },
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    "end": 1162.02,
    "text": "Ich schaffe es doch auch die restlichen dreihundertsechzig Tage mich mehr oder weniger gut zusammenzureißen und gute Mine zum bösen Spiel zu machen…und mir nicht anmerken zu lassen wie's tatsächlich in mir"
  },
  {
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    "text": "aussieht.\"."
  },
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    "text": "Das könnte ich doch heute einfach ebenso tun, schon alleine um meiner Selbstwillen."
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    "text": "Aber genau das geht erstens nicht."
  },
  {
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    "end": 1181.46,
    "text": "und zweitens wenn ich ganz ehrlich bin auch wenn es mir unangenehm ist zuzugeben möchte ich das auch nicht denn wie ich bereits erwähnt habe käme mir das vor wie ein Verrat an ihr."
  },
  {
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    "end": 1195.18,
    "text": "Eines der Gefühle dass mir nach all den Jahren immer noch so zu schaffen macht ist, dass es für niemand mehr Thema ist ,dass sie Suizid begangen hat und dass sie uns damit im Stich gelassen hat."
  },
  {
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    "end": 1206.22,
    "text": "Meine Tante und ich sind die einzigen, die diesen Tag immer noch thematisieren und einander anrufen oder Nachrichten schicken, damit der andere weiß, das man an ihn denkt – und das tut so gut!"
  },
  {
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    "text": "Zwischen meinem Bruder, meinem Vater und mir ist es nie ein Thema."
  },
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    "text": "Mit meinem Vater war es das Jahr wie schon erwähnte sowieso noch nie und mit meinen Bruder habe ich es irgendwann aufgegeben, da ich gemerkt habe, dass es ihm einfach nicht mehr wichtig ist."
  },
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    "text": "Und das macht mich so"
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    "text": "traurig.\"."
  },
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    "text": "Einerseits, denn andererseits freue ich mich wirklich und das meine ich ganz ehrlich für sie."
  },
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    "text": "Dass dieser Tag einfach völlig unbemerkt und spurlos an ihnen vorübergeht als wäre nichts gewesen – Das ist doch gut für Sie!"
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    "text": "Und ich beneide sie darum."
  },
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    "text": "Aber jetzt bin ich schon wieder abgeschweifft."
  },
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    "text": "Vielleicht gehe auch immer ein bisschen zu sehr von mir selbst aus Denn ich selbst möchte einfach dass wenn es mir schlecht geht, dass honoriert und anerkannt wird."
  },
  {
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    "text": "Ich weiß nicht, wie ich das anders beschreiben soll."
  },
  {
    "start": 1253.92,
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    "text": "Denn wenn mein Gegenüber davon weiß dann erscheinen ja die Dinge in einem ganz anderen Licht und ich denke immer dass dann mein Gegen überjahr manches was sich dann tue viel mehr wertschätzt oder anerkennt da es ja dann weiß dass es mir sehr viel schwerer fällt und abverlangt als sonst wenn es mir gut geht."
  },
  {
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    "text": "Ich glaube so kann man es ganz gut formulieren."
  },
  {
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    "end": 1282.42,
    "text": "Daher rührt vielleicht auch dieses Gefühl meiner Mutter gegenüber, dass ich immer wieder erwähne, das mich nie zu hundert Prozent glücklich und befreit sein lässt."
  },
  {
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    "text": "Denn ich denke immer – und das ist sicher zum Großteil unbewusst, denn bewusst weiß ich ja, dass es Quatsch isst!"
  },
  {
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    "end": 1302.34,
    "text": "Dass ich, indem ich die Scheißgefühle zulasse oder eben die guten Gefühle nie zu Hundert Prozent, dass sich damit honoriere was sie für ein Leben gehabt und wie Sie sich zeitlebens gefühlt haben muss… Und dass sie dann den Suizid als Ende gewählt"
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  {
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    "text": "hat.\"."
  },
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    "text": "Das bin ich ihr irgendwie schuldig."
  },
  {
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    "text": "Aber während ich das schreibe, merke ich selbst wie wenig Sinn das macht und vor allem wie schlecht ich dieses Gefühl überhaupt in Worte fassen kann."
  },
  {
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    "text": "Daher lasse ich es besser wieder!"
  },
  {
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    "end": 1333.06,
    "text": "Ich glaube ein anderer Aspekt dieses Tages ist dass es auch so schlimmer immer ist gut isst dass es ihn gibt Denn, wie gesagt – ich reiße mich das ganze Jahr über zusammen und bemühe mich mit aller Kraft die Trauer und Wut und all diese Gefühle nicht zuzulassen und so unterdrücken."
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  {
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    "text": "Denn sonst wäre ich komplett verloren und würde untergehen."
  },
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    "text": "Daher muss sich das so machen!"
  },
  {
    "start": 1338.8,
    "end": 1344.48,
    "text": "Und sowieso hätte niemand übermäßiges Verständnis wenn ich jetzt außerhalb dieses Tages noch groß thematisieren würde…."
  },
  {
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    "text": "Es ist ja jetzt wirklich lange genug her … So denkt man"
  },
  {
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  {
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    "text": "Aber da ich an diesem vierten Oktober ja auch offiziell das Recht habe, traurig zu sein so muss sich das ja quasi ausnutzen."
  },
  {
    "start": 1356.92,
    "end": 1357.66,
    "text": "Hätte ich diesen?"
  },
  {
    "start": 1358.06,
    "end": 1374.96,
    "text": "Ich glaube bei Diäten nennt man ihn Cheat Day nicht, an dem mich die sonst sowohl gehüteten und unterdrückten Gefühle nicht einmal ganz kurz herauslassen könnte – und dass ja auch wirklich nur in einer ganz schwachen abgespeckten unverdächtigen und ungefährlichen Version dann würde ich ersticken und sehr krank werden!"
  },
  {
    "start": 1377.14,
    "end": 1391.08,
    "text": "Ich erwähnte an irgendeiner Stelle, dass man in dieser Gesamtsituation, in der ich mich befinde permanent damit beschäftigt ist und das eigentlich in erster Linie sich mit den Gefühlen Gedanken und Befindlichkeiten seiner Mitmenschen auseinanderzusetzen."
  },
  {
    "start": 1392.0,
    "end": 1394.86,
    "text": "Das kommt noch vor der eigenen Trauer und allem!"
  },
  {
    "start": 1395.82,
    "end": 1398.76,
    "text": "Das spielt an einem Tag wie heute auch wieder eine riesige Rolle."
  },
  {
    "start": 1399.6,
    "end": 1407.0,
    "text": "Die ganze Zeit versuche ich trotzdem, mich zusammen zu reißen und mir so gut es geht nichts anmerken zu lassen um mein Umfeld nicht zu verunsichern."
  },
  {
    "start": 1407.54,
    "end": 1419.08,
    "text": "Denn ich weiß ja dass keiner weiß wie er sich verhalten soll Und um niemandem in diese unangenehme Situation zu bringen Obwohl ist ja eigentlich ihr Problemes und nicht meins Reiße ich mich wie immer zusammen."
  },
  {
    "start": 1420.66,
    "end": 1424.88,
    "text": "Ich glaube ich habe mich heute zum ersten mal etwas getraut das ich bisher noch nie gemacht habe."
  },
  {
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    "end": 1428.02,
    "text": "Eine meiner engsten Freundinnen hat heute Geburtstag."
  },
  {
    "start": 1428.7,
    "end": 1434.66,
    "text": "Zum Glück feiert sie nicht jedes Jahr oder wenn, dann kommt es ja nur sehr selten vor dass dieser Tag auf ein Wochenende fällt."
  },
  {
    "start": 1434.96,
    "end": 1439.02,
    "text": "Sodass eine Feier oft dann auf das darauf folgende Wochenende verschoben wird."
  },
  {
    "start": 1439.68,
    "end": 1444.38,
    "text": "Es kommt mir so vor als würde Sie dieses Jahr zum ersten Mal überhaupt auch an diesem vierten Oktober feiern!"
  },
  {
    "start": 1445.16,
    "end": 1453.5,
    "text": "Es soll – so glaube ich – keine große Feier werden sondern nur ein nettes Essen gehen in einem tollen Restaurant Und seit Tagen graut mir davor."
  },
  {
    "start": 1454.26,
    "end": 1460.74,
    "text": "An diesem vierten Oktober bedeutet sowieso alles eine unvorstellbare und kaum zu bewältigende Kraftanstrengung für mich."
  },
  {
    "start": 1461.6,
    "end": 1476.9,
    "text": "Daher würde ich am allerliebsten, so gut es geht nur wie ein totes Stück Fleisch irgendwo liegen und auf überhaupt gar keinen Fall irgendwohin gehen wo fröhliche Menschen sind Ich also ebenso fröhlich sein muss und das Fröhlichsein der anderen keinesfalls stören oder gar kaputt machen kann."
  },
  {
    "start": 1477.84,
    "end": 1486.46,
    "text": "Mich über an diesem Tag für mich völlig Belanglose, Dinge unterhalten zu müssen und so tun zu müssen als sei alles in Ordnung überstreigt meinen Kräftehaushalt."
  },
  {
    "start": 1488.08,
    "end": 1491.3,
    "text": "Ich kann aber ja – so finde ich eigentlich auch nicht nicht hingehen!"
  },
  {
    "start": 1491.98,
    "end": 1499.96,
    "text": "Sie ist ja meine Freundin und ich möchte gerne diesen schönen Tag mit ihr feiern und an ihrer Seite sein weil ich sie liebe und für ihre Freundschaft sehr dankbar bin."
  },
  {
    "start": 1500.74,
    "end": 1504.88,
    "text": "Und ich weiß von mir selbst wie traurig man ist wenn jemand am eigenen Geburtstag"
  },
  {
    "start": 1505.0,
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    "text": "absagt.\"."
  },
  {
    "start": 1506.08,
    "end": 1515.3,
    "text": "Besonders, wenn es eben keine große Party ist wo sowieso nicht auffällt ob einer mehr oder weniger da ist sondern nur ein kleines feines Essen dann fühle ich mich umso schlechter."
  },
  {
    "start": 1516.36,
    "end": 1520.82,
    "text": "Je älter ich aber werde desto weniger bin ich bereit dazu Dinge für andere zu tun."
  },
  {
    "start": 1521.6,
    "end": 1526.26,
    "text": "Das hört sich nicht besonders nett und vielleicht etwas rigoros an Und das ist auch eigentlich nicht so gemeint."
  },
  {
    "start": 1526.94,
    "end": 1536.58,
    "text": "Ich meine vielmehr dass ich dazu übergegangen bin mehr und häufiger Dinge zu tun nach denen mir ist und die für mich gut sind als in erster Linie für andere."
  },
  {
    "start": 1537.76,
    "end": 1548.06,
    "text": "Der Herr habe ich all meinen Mut zusammengenommen und auf das Verständnis meiner Freundin gehofft, und ihr eine Sprachnachricht geschickt, in der ich ihr ganz ehrlich geschildert habe wie es ist."
  },
  {
    "start": 1549.02,
    "end": 1552.0,
    "text": "Erst hab' ich überlegt einen Vorwand vorzuschieben – aber warum?"
  },
  {
    "start": 1552.56,
    "end": 1556.24,
    "text": "Das Resultat wäre ja das Gleiche gewesen nämlich dass ich nicht komme!"
  },
  {
    "start": 1556.96,
    "end": 1557.56,
    "text": "Und warum dann"
  },
  {
    "start": 1557.66,
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    "text": "lügen?!"
  },
  {
    "start": 1558.6,
    "end": 1562.6,
    "text": "Ob ich nun krank bin oder es mir seelisch nicht gut geht macht ja eigentlich keinen"
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  {
    "start": 1562.7,
    "end": 1563.22,
    "text": "Unterschied.\"."
  },
  {
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    "end": 1570.5,
    "text": "Doch, mit der ähnlichen Erklärung schiebe ich meine Trauer und meine psychische Unpestlichkeit ja auch ein Stück zu meiner Freundin rüber."
  },
  {
    "start": 1570.88,
    "end": 1574.82,
    "text": "Da ich weiß, dass sie es auch traurig für mich machen wird und das ich ihr Leid tun"
  },
  {
    "start": 1574.92,
    "end": 1575.16,
    "text": "werde.\"."
  },
  {
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    "end": 1578.76,
    "text": "Und das möchte ich ja nicht – schon gar nicht an ihrem Geburtstag!"
  },
  {
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    "end": 1584.6,
    "text": "Aber zu lügen ist mir seit Jahren schon so kompliziert und anstrengend und daher habe ich ihr gesagt wie's isst."
  },
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    "start": 1585.38,
    "end": 1586.58,
    "text": "Und wunderbar wie sie ist."
  },
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    "text": "war es okay?"
  },
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    "end": 1589.98,
    "text": "Natürlich ist es das vermutlich nicht…."
  },
  {
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    "end": 1597.72,
    "text": "aber sie hat so getan... Und dafür bin ich hier unendlich dankbar, dass sie mich einfach lässt ohne mir ein schlechtes Gewissen zu machen."
  },
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    "end": 1603.32,
    "text": "Die Diskrepanz zwischen den Gefühlen an diesem Tag macht mich noch verrückt!"
  },
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    "text": "Meine Eltern haben es ganz gut geschafft, mir anzuerziehen, dass man anderen Menschen am besten keine Umstände macht."
  },
  {
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    "end": 1613.26,
    "text": "oder vielleicht ist das auch weniger eine Erziehungsfrage als eine angeborene Sache."
  },
  {
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    "end": 1615.16,
    "text": "Keine Ahnung... Ist ja auch unerheblich."
  },
  {
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    "text": "Dieses Bestreben ist aber jedenfalls bei mir recht ausgeprägt."
  },
  {
    "start": 1619.2,
    "end": 1625.76,
    "text": "Bloß keine Umstände machen und nicht auffallen und keine Anforderungen stellen, und sich nicht in den Mittelpunkt drängen."
  },
  {
    "start": 1626.78,
    "end": 1631.54,
    "text": "Daher versuche ich das auch an einem vierten Oktober so gut wie möglich zu unterbinden und zu verhindern."
  },
  {
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    "end": 1639.36,
    "text": "Aber da ist ja auch das Gefühl dass alle um mich herum natürlich wissen sollen was heute für ein Tag ist und was er für mich bedeutet."
  },
  {
    "start": 1639.76,
    "end": 1643.82,
    "text": "dann das Übergangen werden und alles ist wie immer ist das Schlimmste für mich."
  },
  {
    "start": 1644.68,
    "end": 1648.88,
    "text": "also sorge ich natürlich dafür dass meine engsten Mitmenschen sich daran erinnern."
  },
  {
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    "end": 1658.72,
    "text": "Aber gleichzeitig sorge ich damit natürlich dafür, dass sie sich dann mir gegenüber anders verhalten als sie es sonst und normalerweise getan hätten."
  },
  {
    "start": 1659.38,
    "end": 1664.8,
    "text": "Mein Sohn und mein Lebensgefährte zum Beispiel sind rührend und liebevoll und aufmerksam – viel mehr als sonst!"
  },
  {
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    "end": 1675.34,
    "text": "Und da ich ja weiß, das ist eben nicht so sehr automatisch ihrer Natur entspricht sozusagen, denn sonst wären Sie ja immer so... ...es ist mich schon wieder unangenehm und ich will das eigentlich nicht."
  },
  {
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    "text": "Obwohl ich's ja doch gleichzeitig will, weil sie is ganz ausschließlich für mich"
  },
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    "text": "tun.\"."
  },
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    "text": "Sicher tun sie es gerne, da sie mich lieben."
  },
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    "end": 1686.64,
    "text": "Das weiß ich aber trotzdem auch wieder."
  },
  {
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    "end": 1687.86,
    "text": "so eine komplizierte Kiste."
  },
  {
    "start": 1687.96,
    "end": 1696.6,
    "text": "Ich weiß und ich nerve mich auch ein klein wenig selbst damit während ich das alles schreibe Denn dieser tag löst ja bei mir selbst schon Migräne aus wegen der ganzen kopfkirmes."
  },
  {
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    "end": 1699.34,
    "text": "wie muss das für einen leser oder eine leserin sein?"
  },
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    "end": 1706.08,
    "text": "Aber vielleicht bin ich damit ja nicht alleine könnte hier sein Wie es mir ganz eigentlich geht."
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    "end": 1713.8,
    "text": "an diesem tag weiß und sieht und hört keiner genau wie damals direkt danach Wenn ich merke, dass es hoch kommt."
  },
  {
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    "end": 1716.64,
    "text": "Und das tut es ständig und völlig unvermittelt."
  },
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    "end": 1719.78,
    "text": "an diesem Tag gehe ich schnell aufs Klo oder einfach aus dem Raum."
  },
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    "text": "Wenn ich alleine bin dann kommt es schon von selbst heute zum Beispiel als sich mit unseren Hunden alleine im Wald spazieren war."
  },
  {
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    "text": "Ich kann dann kaum einen Fuß vor den anderen setzen Kaum mehr aufrecht gehen und das Gefühl der inneren Zerffetzung ist absolut überwältigend."
  },
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    "text": "Die Tränen laufen in Strömen und ich bete die ganze Zeit das mir niemand begegnet."
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    "text": "Ich möchte schreien."
  },
  {
    "start": 1742.6,
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    "text": "Einfach nur laute Schreien!"
  },
  {
    "start": 1744.72,
    "end": 1748.88,
    "text": "Und wisst ihr denn zum Teufel alle überhaupt nicht was heute für ein verdammter Tag ist?"
  },
  {
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    "end": 1752.48,
    "text": "Aber warum will ich das überhaupt, dass alle wissen was heute"
  },
  {
    "start": 1752.62,
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    "text": "ist?!"
  },
  {
    "start": 1753.66,
    "end": 1762.52,
    "text": "Mein Bedürfnis irgendetwas wie ich es letztes Jahr zum allerersten Mal getan habe bei Facebook oder Instagram zu posten is riesengroß und fast unwiderstehlich."
  },
  {
    "start": 1762.9,
    "end": 1763.76,
    "text": "aber warum ist das so?"
  },
  {
    "start": 1764.28,
    "end": 1770.16,
    "text": "Ich hasse Menschen die genau das tun mit ihrer Trauer und dem was ihnen widerfahren ist auf sich aufmerksam machen da."
  },
  {
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    "end": 1772.78,
    "text": "Trotzdem will ich es eigentlich unbedingt."
  },
  {
    "start": 1773.46,
    "end": 1778.02,
    "text": "Ich suche nach irgendeinem Kanal oder Ventil für meine Verzweiflung, es zerreißt mich!"
  },
  {
    "start": 1779.1,
    "end": 1785.26,
    "text": "Denn ich will ja gar nicht dass ich jemanden leidtur und ich will nicht das mir jemand über den Kopf streichelt – das will ich tatsächlich nicht."
  },
  {
    "start": 1786.2,
    "end": 1791.9,
    "text": "Ich fühle mich wie nach einem Unfall, dass ich irgendwo unbemerkt schwer verletzt im Graben liege und um Hilfe schreihe."
  },
  {
    "start": 1792.5,
    "end": 1797.44,
    "text": "Nicht, damit jemand kommt sich neben mich stellt und mir sagt wie sehr ich ihm leidtue, dass mir das passiert ist."
  },
  {
    "start": 1797.82,
    "end": 1802.3,
    "text": "Sondern ein Sanitäter der einfach nur dafür sorgt, dass die Schmerzen ganz schnell aufhören."
  },
  {
    "start": 1802.68,
    "end": 1803.74,
    "text": "Das ist ja alles was ich"
  },
  {
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    "end": 1803.94,
    "text": "will.\"."
  },
  {
    "start": 1806.28,
    "end": 1810.34,
    "text": "Das Schicksal lenkt alle so wie es sein soll – mit all seinen schrecklichen Dingen!"
  },
  {
    "start": 1811.0,
    "end": 1811.86,
    "text": "Und das ist schon okay?"
  },
  {
    "start": 1812.3,
    "end": 1812.88,
    "text": "Und auch gut so?"
  },
  {
    "start": 1813.44,
    "end": 1816.4,
    "text": "Das glaube ich ganz fest… Aber muss es denn so verdammt"
  },
  {
    "start": 1816.46,
    "end": 1816.84,
    "text": "wehtun?!"
  },
  {
    "start": 1817.22,
    "end": 1819.9,
    "text": "Es soll einfach nur aufhör'n da ich kaum noch atmen"
  },
  {
    "start": 1820.0,
    "end": 1820.18,
    "text": "kann!\"."
  },
  {
    "start": 1821.06,
    "end": 1824.58,
    "text": "Genauso als würde ich mit einem gebrochenen Arm ins Krankenhaus fahren."
  },
  {
    "start": 1824.9,
    "end": 1831.24,
    "text": "Die kümmern sich um den Arm, machen einen Gips drum, geben einem was gegen die Schmerzen und alles ist gut – mehr will ich nicht!"
  },
  {
    "start": 1831.6,
    "end": 1836.12,
    "text": "Keine Aufmerksamkeit, kein Bedauern… Aber das sich verdammt noch einmal"
  },
  {
    "start": 1836.22,
    "end": 1836.58,
    "text": "kümmert.\"."
  },
  {
    "start": 1837.66,
    "end": 1846.18,
    "text": "Da ich aber selbst überhaupt keine Ahnung habe, wie sie das denn wohl aussehen könnte oder was oder wie das sein müsste ist das Warten darauf und der Wunsch danach ja sinnlos."
  },
  {
    "start": 1846.22,
    "end": 1850.9,
    "text": "Denn der einzige Mensch, der da helfen könnte hat sich verdammt nochmal aus dem Staub"
  },
  {
    "start": 1851.0,
    "end": 1851.34,
    "text": "gemacht.\"."
  },
  {
    "start": 1853.62,
    "end": 1862.46,
    "text": "Aber wenn ich dann einen Schritt zurücktrete und aufhöre über mich selbst nachzudenken und mich selbst in den Mittelpunkt des Geschehens zu heben, dann ist schon alles okay so, wie es ist!"
  },
  {
    "start": 1863.18,
    "end": 1877.36,
    "text": "Lieber ist es mir so herum, dass meine Mutter sich über die Möglichkeit – das es mir uns nachher wegen ihrer Tat so geht wie es das dann tatsächlich tut – hinweg setzt und zum ersten Mal demnachgeht wonach ihr selbst tatsächlich ist."
  },
  {
    "start": 1878.04,
    "end": 1883.12,
    "text": "Als das sie meint oder unseren Wegen hier geblieben wäre und sie damit ihr Materium fortgesetzt hätte."
  },
  {
    "start": 1883.8,
    "end": 1890.4,
    "text": "Die Schuld und die damit verbundene Last wäre für mich weit aus unerträglicher gewesen als so bis jetzt"
  },
  {
    "start": 1890.5,
    "end": 1890.74,
    "text": "ist.\"."
  },
  {
    "start": 1891.76,
    "end": 1899.36,
    "text": "Ich würde lieber mir selbst etwas auf, als jemand anderem da ich weiß dass ich stark genug bin und meine Kraft dafür ausreicht."
  },
  {
    "start": 1900.04,
    "end": 1904.32,
    "text": "Manchmal ist es schwerer als sonst aber auch das ist okay denn ich gehe niemals"
  },
  {
    "start": 1904.44,
    "end": 1904.72,
    "text": "unter.\"."
  },
  {
    "start": 1906.7,
    "end": 1910.16,
    "text": "Noch mal zurück zu dem heutigen Tag und was vielleicht ein bisschen helfen würde."
  },
  {
    "start": 1910.98,
    "end": 1914.46,
    "text": "Eine meiner Freundinnen macht das bereits seit Jahren sehr zuverlässig."
  },
  {
    "start": 1914.5,
    "end": 1917.22,
    "text": "sie hat aber auch bereits ihre Mutter verloren."
  },
  {
    "start": 1917.56,
    "end": 1919.68,
    "text": "daher kennt sie die Bedeutung des Todestages."
  },
  {
    "start": 1920.54,
    "end": 1928.5,
    "text": "Jedes Jahr am vierten Oktober schickt sie eine SMS oder WhatsApp-Nachricht, in der lediglich steht – ich denke heute ganz besonders an dich."
  },
  {
    "start": 1929.18,
    "end": 1929.64,
    "text": "Mehr nicht!"
  },
  {
    "start": 1930.18,
    "end": 1931.34,
    "text": "Schlicht und ergreifend."
  },
  {
    "start": 1931.92,
    "end": 1932.84,
    "text": "So einfach ist das."
  },
  {
    "start": 1933.38,
    "end": 1934.32,
    "text": "Und es tut so gut."
  },
  {
    "start": 1935.34,
    "end": 1942.78,
    "text": "Ich möchte nicht stundenlang über alles reden oder auseinander klamüsern, dass jemand an mich denkt und ich das auch weiß bedeutet mir die Welt."
  },
  {
    "start": 1943.56,
    "end": 1946.98,
    "text": "Auch wenn es nur für den Moment, in dem die Nachricht geschrieben wurde war…."
  },
  {
    "start": 1947.56,
    "end": 1952.3,
    "text": "Und auch nur, weil die Erinnerungsfunktion im Handy an den vierten Oktober erinnert hat."
  },
  {
    "start": 1952.78,
    "end": 1953.7,
    "text": "Das macht nichts!"
  },
  {
    "start": 1954.2,
    "end": 1955.06,
    "text": "Das hilft schon so"
  },
  {
    "start": 1955.34,
    "end": 1955.56,
    "text": "viel!\"."
  },
  {
    "start": 1956.56,
    "end": 1962.72,
    "text": "Jahrelang hat genau das auch mein Ex-Freund getan – der, den ich angerufen habe als die Polizei bei mir war."
  },
  {
    "start": 1963.36,
    "end": 1964.56,
    "text": "Das hat mir so gut getan."
  },
  {
    "start": 1965.38,
    "end": 1968.46,
    "text": "Inzwischen macht er das nicht mehr, denn wir haben keinen Kontakt mehr."
  },
  {
    "start": 1969.02,
    "end": 1974.48,
    "text": "Ich bin aber ziemlich sicher, dass er trotzdem am viertenOktober an meine Mutter und mich denkt… und das reicht mir"
  },
  {
    "start": 1974.52,
    "end": 1974.7,
    "text": "schon.\"."
  },
  {
    "start": 1976.3,
    "end": 1984.44,
    "text": "Ich kann also jedem, der einen Menschen in seiner Nähe hat, der ihm etwas bedeutet und der mein Schicksal teilt wirklich ans Herz legen."
  },
  {
    "start": 1984.98,
    "end": 1995.06,
    "text": "Sich eine Popelige jährlich wiederkehrende Erinnerung an dem entsprechenden Todestag im Handy einzutragen und dann eine kurze Nachricht mit dem oben beschriebenen Inhalt zu"
  },
  {
    "start": 1995.16,
    "end": 1995.48,
    "text": "schicken.\"."
  },
  {
    "start": 1996.16,
    "end": 2001.46,
    "text": "Dann seid ihr einer dieser Sanitäter nachdem man an diesem Tag so verzweifelt sucht."
  },
  {
    "start": 2002.1,
    "end": 2003.14,
    "text": "Mehr kann man auch nicht tun!"
  },
  {
    "start": 2005.98,
    "end": 2010.3,
    "text": "Ich wünschte mir immer von den Menschen, mit denen ich unmittelbar an diesem Tag zu tun habe."
  },
  {
    "start": 2011.0,
    "end": 2039.84,
    "text": "Also nicht Freunde oder Menschen die ich sowieso nicht sehe sondern nur die, denen ich live begegne dass sie gar nicht in erster Linie irgendwas rührendes und besonderes für mich tun denn somit liegt ja die Aufmerksamkeit wiederzu sehr auf mir und das ist mir eher unangenehm sondern einfach über den tag damals oder meine Mutter oder irgendetwas in dem Zusammenhang sprechen ganz nüchtern ohne Mitleid Einfach nur drüber reden, ohne in den Arm nehmen oder sonst was Rührendes."
  },
  {
    "start": 2040.94,
    "end": 2043.3,
    "text": "Aber das bin wohl einfach ich mit meinem merkwürdigen"
  },
  {
    "start": 2043.36,
    "end": 2043.92,
    "text": "Charakter.\"."
  },
  {
    "start": 2045.14,
    "end": 2049.26,
    "text": "Ich habe vor einiger Zeit das Buch von Saskia Jungnickel – Papa hat sich erschossen!"
  },
  {
    "start": 2049.52,
    "end": 2049.98,
    "text": "gelesen."
  },
  {
    "start": 2050.659,
    "end": 2058.659,
    "text": "Das hat mir so gut getan, da mir jedes zweite Wort aus der Seele gesprochen hat und sie hat an einer Stelle so passend geschrieben."
  },
  {
    "start": 2060.0,
    "end": 2068.54,
    "text": "Es ist das Wichtigste, dass es möglich ist über das Entsetzen zu reden und das Gefühl zu haben damit niemanden zur Last zu fallen."
  },
  {
    "start": 2069.179,
    "end": 2079.179,
    "text": "Ich möchte lieber sagen können Nein heute will ich bitte nicht darüber reden als sagen zu müssen Bitte Können wir darüber reden Dass mein Vater sich getötet hat."
  },
  {
    "start": 2079.96,
    "end": 2087.36,
    "text": "Und genau das ist es Denn der Horror den man als Angehöriger erlebt Ist schon unerträglich genug wie er isst."
  },
  {
    "start": 2087.96,
    "end": 2091.3,
    "text": "obendrein noch jemandem zu Last zu fallen, ist einfach zu viel."
  },
  {
    "start": 2092.38,
    "end": 2097.82,
    "text": "Daher tun ein angebotenes Ohr und ehrlich gemeintes Interesse so gut und is die beste"
  },
  {
    "start": 2097.9,
    "end": 2098.42,
    "text": "Medizin.\"."
  },
  {
    "start": 2100.3,
    "end": 2108.02,
    "text": "Mein süßer wunderbarer dreizehnjähriger Sohn hat gestern gesagt – am besten nehme ich für morgen alle Bilder deiner Mama von den Wänden!"
  },
  {
    "start": 2108.34,
    "end": 2110.24,
    "text": "Dann musst du auch nicht an sie denken und traurig"
  },
  {
    "start": 2110.32,
    "end": 2110.54,
    "text": "sein!\"."
  },
  {
    "start": 2111.18,
    "end": 2113.12,
    "text": "Wie einfach doch Kinderlogik ist."
  },
  {
    "start": 2113.68,
    "end": 2119.68,
    "text": "Er war völlig erstaunt, als ich sagte, dass ich sowieso immer und jeden Tag an sie denke und sie vermisse und traurig bin!"
  },
  {
    "start": 2120.62,
    "end": 2124.7,
    "text": "Und das ganz ohne auch nur ein Bild, wenn die Dinge doch nur so einfach"
  },
  {
    "start": 2124.76,
    "end": 2125.08,
    "text": "wären.\"."
  },
  {
    "start": 2127.38,
    "end": 2129.46,
    "text": "Es ist jetzt achtzehn Uhr am vierten Oktober."
  },
  {
    "start": 2130.1,
    "end": 2133.5,
    "text": "Und um diese Uhrzeit vor sechzehn Jahren hat meine Mutter gerade seit ca."
  },
  {
    "start": 2133.66,
    "end": 2138.46,
    "text": "einer Stunde an einem Deckenrohr im Keller gehangen – noch unbemerkt und unentdeckt."
  },
  {
    "start": 2139.26,
    "end": 2141.88,
    "text": "Gestern hat sie es schon gewusst und die Briefe geschrieben."
  },
  {
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    "end": 2144.34,
    "text": "Heute hat sie alles andere erledigt."
  },
  {
    "start": 2145.16,
    "end": 2157.36,
    "text": "Und ich habe mich gleich glücklich und entspannt mit meinen zwei Freundinnen zum Cocktail getroffen, und mich dabei aber die ganze Zeit gefragt, warum ich diese ätzenden Schmerzen am ganzen Körper habe – trotzdem war das noch mein altes Leben!"
  },
  {
    "start": 2158.18,
    "end": 2164.48,
    "text": "Hätte ich doch die Stunden- und Minuten bis zu Beginn des Horrorfilms noch mehr ausgekostet und bewusster gelebt…."
  },
  {
    "start": 2165.06,
    "end": 2166.44,
    "text": "Aber wie hätte ich das wissen sollen?"
  },
  {
    "start": 2167.92,
    "end": 2176.08,
    "text": "Warum zum Teufel hat sie nicht einfach bei mir angerufen, statt sich darum zu kümmern, dass die Post zu meinem Vater umgeleitet wird und all den anderen Scheiß?"
  },
  {
    "start": 2176.72,
    "end": 2180.54,
    "text": "Es war keine Affekthandlung, bei der sie nicht mehr wusste was sie tat."
  },
  {
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    "end": 2182.82,
    "text": "Es war alles wohl überlegt!"
  },
  {
    "start": 2183.44,
    "end": 2186.68,
    "text": "Und Zeit genug für Alles hatte sie ja ganz offensichtlich."
  },
  {
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    "end": 2188.52,
    "text": "Der Tag davor war ja auch noch ein"
  },
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    "start": 2188.58,
    "end": 2189.2,
    "text": "Feiertag.\"."
  },
  {
    "start": 2189.24,
    "end": 2194.04,
    "text": "Sie hätte doch einfach nur anrufen und sagen müssen, wie es bei ihr aussieht."
  },
  {
    "start": 2194.58,
    "end": 2197.14,
    "text": "Vertrauen genug Meckigen überhätte sie haben sollen!"
  },
  {
    "start": 2199.08,
    "end": 2201.18,
    "text": "Das Schönste das er einmal geschrieben hat war?"
  },
  {
    "start": 2202.18,
    "end": 2213.84,
    "text": "Du bist so zurückhaltend meckigenüber, kritisierst mich nie, meckerst nicht über mein abenteuerliches Aussehen sondern bringst mir einfach nur Liebe entgegen – das empfinde ich mit sehr großer Dankbarkeit."
  },
  {
    "start": 2214.72,
    "end": 2219.76,
    "text": "Es war schon immer so dass mich niemand so gut kannte wie du und mich einfach so in Kauf genommen."
  },
  {
    "start": 2220.7,
    "end": 2222.56,
    "text": "Das ist eine enorme Leistung von dir."
  },
  {
    "start": 2224.3,
    "end": 2226.22,
    "text": "Das war zehn Monate, bevor sie gegangen"
  },
  {
    "start": 2226.34,
    "end": 2226.52,
    "text": "ist.\"."
  },
  {
    "start": 2227.52,
    "end": 2229.62,
    "text": "Und so schön ich die Worte einerseits auch finde!"
  },
  {
    "start": 2229.98,
    "end": 2231.84,
    "text": "So wütend machen Sie mich andererseits."
  },
  {
    "start": 2232.58,
    "end": 2242.46,
    "text": "Denn erstens ist der Inhalt zum Teil so haarsträubend – abenteuerlich ist Aussehen in Kauf genommen – Leistungen von dir, da sich einfach nur schreien und sie urfeigen möchte."
  },
  {
    "start": 2243.14,
    "end": 2248.62,
    "text": "Und andererseits sind die Werte nur ein Pfefferlängwert, da sie dann ja getan hat was sie getan hat."
  },
  {
    "start": 2249.06,
    "end": 2255.84,
    "text": "Ich fühle mich so unendlich betrogen dass sie nicht alle Möglichkeiten, die sie hatte um ihre Tat zu verhindern genutzt hat."
  },
  {
    "start": 2256.34,
    "end": 2258.44,
    "text": "Das hätte sie verdammt noch mal tun müssen!"
  },
  {
    "start": 2259.02,
    "end": 2267.76,
    "text": "Sie sagte, sie liebt mich und dann fügt sie mir den schlimmsten Schmerz zu, den ich nie mehr überwinden werde – was für eine beschissene Scheiße!"
  },
  {
    "start": 2268.74,
    "end": 2276.02,
    "text": "Wenn meine eigene Mutter mich so betrügt und hintergeht und mich nicht als wertvoll genug erachtet, meintet wegen hierzubleiben?"
  },
  {
    "start": 2276.5,
    "end": 2277.96,
    "text": "Wie sollte es denn jemand anders"
  },
  {
    "start": 2278.04,
    "end": 2278.24,
    "text": "tun?\"."
  },
  {
    "start": 2278.82,
    "end": 2283.58,
    "text": "Wie sollte ich dann überhaupt jemanden, zum Beispiel in einer Beziehung zu hundert Prozent vertrauen?"
  },
  {
    "start": 2284.24,
    "end": 2289.68,
    "text": "Wie schaffe ich es, genügend Selbstbewusstsein zu haben um diesen Gedanken links liegenzulassen."
  },
  {
    "start": 2290.04,
    "end": 2291.98,
    "text": "Dass ich es natürlich wert bin!"
  },
  {
    "start": 2294.32,
    "end": 2307.02,
    "text": "Aber wenn ich mich jetzt wieder bemühe einen Schritt zurückzutreten und aufhöre über mich selbst nachzudenken und mich selbst in den Mittelpunkt des Geschehens zu heben, dann schaffe Dass sie nicht anders konnte."
  },
  {
    "start": 2307.5,
    "end": 2311.54,
    "text": "und dass das mit unserer gegenseitigen Liebe nichts zu tun hatte, weiß ich."
  },
  {
    "start": 2312.36,
    "end": 2332.16,
    "text": "Und um mir genau das immer wieder vor Augen zu führen habe ich mir letztes Jahr ihre allerletzten an mich gerichteten Worte aus ihrem Abschiedsbrief und in ihrer Handschrift eins-zu-eins wie im Brief auf den linken Unterarm tätowieren lassen damit ich Sie immer wenn ich wieder unsicher werde lesen und versuchen kann daran zu glauben."
  },
  {
    "start": 2333.8,
    "end": 2335.22,
    "text": "Ich bin so müde jetzt."
  },
  {
    "start": 2335.86,
    "end": 2338.82,
    "text": "Diese Tage verlangen mir alles ab, was ich leisten kann."
  },
  {
    "start": 2339.66,
    "end": 2346.12,
    "text": "Alle die heute irgendwas von mir wollten haben mich unfassbar genervt mit einem belanglosen Scheiß den sie brauchten oder wollten!"
  },
  {
    "start": 2347.36,
    "end": 2357.26,
    "text": "Das ist leider auch zu einem grundsätzlichen Problem in meinem Leben geworden – dass sich immer weniger Verständnis dafür habe, was Menschen als Probleme empfinden und mit was für ein Scheiß sie sich so beschäftigen."
  },
  {
    "start": 2358.44,
    "end": 2363.4,
    "text": "Aber ich zwinge mich einfach weiterhin zur Großzügigkeit und Gelassenheit und dann geht das schon irgendwie…."
  },
  {
    "start": 2364.96,
    "end": 2366.98,
    "text": "Für heute höre ich dann mal mit dem Schreiben auf."
  },
  {
    "start": 2367.78,
    "end": 2374.1,
    "text": "Ich denke, ich bin jetzt wieder gefasst und kontrolliert genug um meinem Sohn meinen Lebensgefährten unter die Augen zu treten."
  },
  {
    "start": 2374.76,
    "end": 2380.28,
    "text": "Natürlich haben sie nicht gewusst warum ich am Computer sitze und was ich hier tue – genauso soll das auch sein!"
  },
  {
    "start": 2380.9,
    "end": 2384.36,
    "text": "Ich kann ihnen nicht immer mein Schulter blei auf die Festplatte schieben…."
  },
  {
    "start": 2385.24,
    "end": 2389.7,
    "text": "Und wenn es nachher wieder schlimm wird, haben wir zum Glück ein Klo, auf das sich flüchten"
  },
  {
    "start": 2389.8,
    "end": 2389.94,
    "text": "kann.\"."
  },
  {
    "start": 2392.46,
    "end": 2398.36,
    "text": "Ich wüsste so wahnsinnig gerne, wie mein Leben verlaufen wäre wenn meine Mutter sich nicht das Leben genommen hätte."
  },
  {
    "start": 2398.96,
    "end": 2406.14,
    "text": "Das hätte natürlich vorausgesetzt dass sie einigermaßen gesund und dazu im Stande gewesen wäre das Leben zu meistern – das ist ja klar!"
  },
  {
    "start": 2407.18,
    "end": 2410.28,
    "text": "Aber als Außenstehender hat man sowieso nicht wirklich etwas gemerkt."
  },
  {
    "start": 2410.82,
    "end": 2415.24,
    "text": "es gibt ja Depressive die nur noch weinend im Bett liegen und nicht mehr aufstehen können."
  },
  {
    "start": 2415.74,
    "end": 2418.66,
    "text": "So war sie überhaupt nicht jedenfalls nicht nach außen hin."
  },
  {
    "start": 2419.54,
    "end": 2425.96,
    "text": "Und da ich ja inzwischen selbst weiß, wie es sich anfühlt wenn die Anstrengungen des Lebens so groß und beschwerlich werden."
  },
  {
    "start": 2426.56,
    "end": 2432.62,
    "text": "Und ich habe immer noch eine halbwegs jedenfalls gesunde Seele und bin sehr weit von Lebensmüde entfernt?"
  },
  {
    "start": 2433.38,
    "end": 2441.52,
    "text": "So habe ich den allergrößten Respekt vor der Kraftanstrengung, die es sie gekostet haben muss trotzdem so lange weiter zu machen und durchzuhalten!"
  },
  {
    "start": 2442.3,
    "end": 2448.1,
    "text": "Es ist mehr als erstaunlich dass sie tatsächlich durchgehalten hat bis sie neunundfünfzig Jahre alt"
  },
  {
    "start": 2448.2,
    "end": 2448.32,
    "text": "war.\"."
  },
  {
    "start": 2449.48,
    "end": 2452.14,
    "text": "Nach außen wirkte sie okay und normal."
  },
  {
    "start": 2452.8,
    "end": 2456.72,
    "text": "Die Menschen haben Sie gemocht, auch wenn sie das nie geglaubt oder gefühlt hat."
  },
  {
    "start": 2457.82,
    "end": 2464.74,
    "text": "Ich habe zwar immer – wie ich bereits erwähnte – gemerkt, wenn es ihr nicht gut ging, und das hat mich sofort in Unruhe versetzt."
  },
  {
    "start": 2465.2,
    "end": 2471.44,
    "text": "Aber tatsächlich damit gerechnet, dass sie noch einmal versucht sich das Leben zu nehmen, habe ich nicht wirklich."
  },
  {
    "start": 2473.28,
    "end": 2478.04,
    "text": "Als ich Anfang zwanzig war, hat sie mich einmal in Köln wo ich zu dieser Zeit wohnte besucht…."
  },
  {
    "start": 2478.86,
    "end": 2484.56,
    "text": "Sie erzählte mir von dem Freund, den sie hatte als sie selbst zweiundzwanzig-dreihendzwanziger Jahre alt war."
  },
  {
    "start": 2485.4,
    "end": 2502.28,
    "text": "Sie war wohl anfangs sehr verliebt und glücklich – obwohl – das weiß ich nur von meiner Tante, die heute leider auch nur noch bruchstückhafte Erinnerungen hat – die Beziehung scheinbar von Anfang an nicht leicht war, da es auf seiner Seite psychische Probleme gab, aufgrund derer er bereits zu jener Zeit in Behandlung"
  },
  {
    "start": 2502.34,
    "end": 2502.46,
    "text": "war.\"."
  },
  {
    "start": 2503.48,
    "end": 2510.14,
    "text": "Da dies offensichtlich irgendwann ein Weiterführen der Beziehung in ihren Augen nicht mehr möglich machte, hat sie sich von ihm getrennt."
  },
  {
    "start": 2510.88,
    "end": 2512.5,
    "text": "Daraufhin hatte er sich erschossen."
  },
  {
    "start": 2514.48,
    "end": 2523.7,
    "text": "«Bevor dies geschehen war, war meine Mutter scheinbar – und auch das weiß ich alles nur aus Erzählungen meiner geliebten Tante – schon sehr geprägt und geleitet von Schuldgefühlen."
  },
  {
    "start": 2524.32,
    "end": 2526.64,
    "text": "Und die hatten mit diesem Freund überhaupt nichts zu tun!"
  },
  {
    "start": 2528.08,
    "end": 2532.26,
    "text": "Meine Mutter wurde als Siebtes- und Letzteskind nineteenhundertdreiundvierzig geboren.»."
  },
  {
    "start": 2532.94,
    "end": 2537.98,
    "text": "Ich hatte ja bereits erzählt, dass sie sich schon mit vier Jahren vor einem vorbeifahrenden Zug schmeißen wollte."
  },
  {
    "start": 2538.74,
    "end": 2540.64,
    "text": "Das hatte sie mir so jedenfalls berichtet!"
  },
  {
    "start": 2541.3,
    "end": 2555.36,
    "text": "Meine Tante, die die Älteste der sieben Kinder war und zwölf Jahre älter als meine Mutter, sagte hingegen, daß meine Mutter ein sehr fröhliches und unbeschwertes und vor allem von den Eltern heiß geliebtes Kind gewesen war."
  },
  {
    "start": 2557.28,
    "end": 2563.06,
    "text": "Dennoch hat sie sich ihrer Familie scheinbar nie wirklich zugehörig gefühlt und kam sich immer vor wie eine Außenseiterin."
  },
  {
    "start": 2563.9,
    "end": 2567.64,
    "text": "Als einziges Familienmitglied hatte sie den Krieg nicht miterlebt."
  },
  {
    "start": 2568.52,
    "end": 2575.42,
    "text": "Dafür hatte es den Vater und die Geschwister, die teils jahrelang in der Kinderlandverschickung waren umso härter getroffen."
  },
  {
    "start": 2576.52,
    "end": 2585.88,
    "text": "Sehr früh haben die Geschwiester die schlimmsten Dinge erleben und ertragen sehr viel Verantwortung übernehmen und vor allem unerträglichen Hunger erdulden müssen."
  },
  {
    "start": 2586.68,
    "end": 2591.1,
    "text": "Ich denke das ist genau das war was die Schuldgefühle in meiner Mutter ausgelöst"
  },
  {
    "start": 2591.14,
    "end": 2591.28,
    "text": "hat.\"."
  },
  {
    "start": 2592.78,
    "end": 2598.68,
    "text": "Lange hat sie wohl versucht, diese dadurch zu kompensieren, dass sie niemanden im Probleme oder Sorgen bereitete."
  },
  {
    "start": 2599.76,
    "end": 2602.08,
    "text": "Und die unauffällige Bilderbuchtochter war!"
  },
  {
    "start": 2602.82,
    "end": 2607.88,
    "text": "Alles was sie anfasste, hat sie mit Perfektion ausgeführt – darunter gab es nichts."
  },
  {
    "start": 2608.62,
    "end": 2615.94,
    "text": "Um ihre Geschwister für ihre früh übernommene Verantwortung etwas zu entschädigen, hat Sie das dann sobald es ihr irgend möglich war"
  },
  {
    "start": 2616.16,
    "end": 2616.48,
    "text": "getan.\"."
  },
  {
    "start": 2617.76,
    "end": 2626.38,
    "text": "War sie eigentlich mit einer Freundin zum Spielen verabredet, ist sie dann doch lieber zu Hause bei ihrer Mutter geblieben damit diese nicht alleine sein musste und solche Dinge."
  },
  {
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    "end": 2631.4,
    "text": "Aus dem gleichen Grund ist sie auch als Erwachsenen noch mit den Eltern in den Urlaub gefahren."
  },
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    "end": 2639.54,
    "text": "hat ihre Mutter nachdem mein Opa dann tot war bei jeder Gelegenheit zu uns nachhause geholt usw.. Ich denke man bekommt ein Bild."
  },
  {
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    "end": 2649.98,
    "text": "meine tante hat später Als meine Mutter bereits angefangen hatte zu studieren, über einige Jahre noch Päckchen mit Süßigkeiten und Adventskalendern geschickt."
  },
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    "text": "Diese hat meine Mutter alle in den Schrank gestellt, aufbewahrt und nicht angerührt."
  },
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    "text": "Als meine Tante dies entdeckt hatte – und sie fragte warum – sagte meine Mutter Sie habe einmal wissen wollen wie es sich anfühlt, hungern zu müssen."
  },
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    "text": "Po!"
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    "end": 2678.88,
    "text": "Sie war wirklich schon sehr verkorkst Und genau das hat dann nach dem Suizid ihres Freundes, der ja augenscheinlich durch die von ihr initiierte Trennung ausgelöst war, dazu geführt dass sie ebenfalls nicht mehr leben wollte."
  },
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    "text": "Das hat sie mir bei ihrem oben erwähnten Besuch damals in Köln erzählt."
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    "text": "Dass an sich empfand ich damals eigentlich als sehr großen Vertrauensbeweis und habe das sehr geschätzt!"
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    "text": "Allerdings hat es leider nur ein paar Minuten angehalten – denn dann hat sie noch den unerträglichen Satz hinterhergeschoben?"
  },
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    "text": "Und ich möchte gerne, dass du weißt das ist wenn ich es doch noch einmal versuchen sollte nicht deine Schuld ist."
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    "text": "Was?"
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    "text": "Hatte sie auch nur mal zwei Minuten darüber nachgedacht was dieser Satz mit mir machen würde?"
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    "text": "Was es in mir auslösen würde?"
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    "text": "Ich weiß ja wie sie es eigentlich gemeint hat und was sie damit eigentlich bezwecken wollte."
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    "text": "aber das hat unmittelbar dazu geführt da sie habe diesen Moment in permanenter Sorge um sie war."
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    "text": "Vorher gab es die ja gar nicht da ich von ihrem Suizidversuch nichts gewusst hatte."
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    "text": "Aber ab diesem Moment habe ich an nichts anderes mehr gedacht und war jedes Mal, wenn es diese besagte Facette in ihrer Stimme gab sehr besorgt und beunruhigt."
  },
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    "text": "Das hatte sich zum Glück nach ein paar Jahren wieder ein bisschen gelegt, da ich ja gemerkt hatte, dass sie es scheinbar doch nicht noch einmal vorhatte."
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    "text": "Daher habe ich am vierten Oktober zwei tausendzwei – was ja dann circa sechs bis sieben Jahre später war – wirklich nicht damit gerechnet."
  },
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    "text": "Ihr Suizidversuch mit dreiundzwanzig kam wohl für alle Familienmitglieder völlig überraschend!"
  },
  {
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    "end": 2766.74,
    "text": "Immer wieder habe ich meine Tante mit der Frage gelöchert, ob denn niemand etwas im Vorfeld oder überhaupt all die Jahre – wenn meine Mutter bereits mit vier Jahren über Suizid nachgedacht hatte – gemerkt hat."
  },
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    "text": "Nicht das kleinste Bisschen?"
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    "text": "Das leiseste Anzeichen?"
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    "text": "Und sie sagt aber absolut nichts!"
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    "text": "Natürlich waren das damals andere Zeiten und man hat nicht um jedermanns Psyche so ein Theater gemacht wie es heute der Fall ist."
  },
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    "text": "Aber trotzdem hätte ich doch gedacht dass man irgendwas hätte merken müssen."
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    "text": "Wobei…."
  },
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    "text": "Eigentlich sollte ich es besser wissen."
  },
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    "text": "Bin ich doch die, die als Letzte mit ihr telefoniert und nichts gemerkt"
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    "text": "hat.\"."
  },
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    "text": "Für ihren Suizidversuch mit dreiundzwanzig hatte sie sich – das war wohl als angehende Ärztin nicht das Problem – Benzin, wie ist damals für medizinische Zwecke verwendet wurde, besorgt."
  },
  {
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    "text": "Auch damals muss sie wohl alles bis ins kleinste Detail vorbereitet haben."
  },
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    "text": "Sogar ihre Schmutzwäsche hatte sie gewaschen im Gegensatz zum erfolgreichen Mal!"
  },
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    "text": "Aber wie hatte sie auch in ihrem Abschiedsbrief geschrieben?"
  },
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    "text": "Sie kann jetzt nicht an alles denken."
  },
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    "text": "Ich wünschte mir heute so sehr, dass ich sie zu allen Details befragt hätte!"
  },
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    "text": "Das gehört zu der besagten Suche nach jedem noch kleinsten Puzzleteil, das man irgendwie ergattern kann – auch wenn es einem überhaupt nicht ansatzweise weiterhelft."
  },
  {
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    "text": "Trotzdem wünschste ich mir, ich hätte sie ausgefragt."
  },
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    "text": "Vielleicht liegt es daran, dass sich ihr irgendwie unterbewusst das Gefühl habe, Denn wenn ich es getan hätte, dann hätte ich es ja alles kommen sehen"
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    "text": "müssen.\"."
  },
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    "text": "So denkt jedenfalls mein kleines naives Gehirn."
  },
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    "text": "Ich weiß das das Quatsch ist – aber ich kann meinem Gehirner auch nicht immer alles erklären!"
  },
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    "text": "Und indem ich nun alle Puzzleteile zusammensuche, komme ich vielleicht etwas besser hinter… Ja, hinter was denn eigentlich?"
  },
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    "text": "Keine Ahnung … Ich muss trotzdem alles wissen…."
  },
  {
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    "end": 2883.5,
    "text": "Vielleicht gehört dieser Drang der Informationsbeschaffung auch zu den Dingen Eigenschaften, die ich erst seit dem Tod meiner Mutter tue und mit denen ich mich permanent vor einer erneuten Katastrophe zu schützen versuche."
  },
  {
    "start": 2884.3,
    "end": 2894.0,
    "text": "Eine totale Selbstaufklärung, die mich dann beim nächsten Mal – das es ja hoffentlich niemals geben wird – nicht ganz so unvorbereitet und naiv- und unwissend sein lässt!"
  },
  {
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    "end": 2900.34,
    "text": "Aber was das angeht funktionieren meine Antennen inzwischen mehr als ausreichend… vielleicht manchmal zu gut?"
  },
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    "text": "Denn jetzt werde ich schon beim kleinsten Anzeichen, dass es jemandem um mich herum nicht gut geht unruhig und leicht panisch."
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    "end": 2912.54,
    "text": "Und eigentlich will ich dann überhaupt nichts damit zu tun haben weil das einfach so viel für mich ist."
  },
  {
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    "text": "aber es geht nicht anders."
  },
  {
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    "end": 2927.54,
    "text": "Der unter-und unbewusste Gedanke, dass ich eben damals vielleicht doch nicht alles oder doch nicht genug für meine Mutter getan habe Ich weiß auch, dass ist Quatsch trotzdem Lässt mich dann in einer solchen Situation nicht ruhen."
  },
  {
    "start": 2928.4,
    "end": 2934.64,
    "text": "Dieses ganze beschissene Suizidding ist für einen als Angehörigen voll von Paradoxer und Unsinnigkeiten."
  },
  {
    "start": 2935.22,
    "end": 2937.6,
    "text": "Und das es echt anstrengend und Kräfte zährend."
  },
  {
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    "end": 2941.18,
    "text": "Am gerade beschriebenen Beispiel kann man das ganz gut sehen!"
  },
  {
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    "end": 2953.96,
    "text": "Ich sage, dass ich nicht anders kann als mich in irgendeiner Art zu kümmern, dass es demjenigen besser geht aber gleichzeitig habe ich ja das Wissen, dass sich jemandem der tatsächlich krank ist, ja eben gar nicht helfen kann – egal was ich tue."
  },
  {
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    "end": 2956.42,
    "text": "Aber ich muss es einfach trotzdem tun…"
  },
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    "end": 2957.38,
    "text": "bescheuert.\"."
  },
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    "text": "Die Schauspielerin und Moderatorin Nova Meyer-Henrich hat ihren Vater durch Suizid verloren und in einem Interview gesagt, wenn eine Person freiwillig von einem geht, hat man als Angehöriger immer das Gefühl nicht genug getan zu haben dass derjenige da bleiben will."
  },
  {
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    "text": "Der Kopf weiß zwar man hat alles getan aber Herz und Bauch verstehen das nicht."
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    "text": "sie machen sich einfach selbständig."
  },
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    "end": 2989.86,
    "text": "ihr geht es also genauso Zurück zum ersten Suizidversuch meiner Mutter."
  },
  {
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    "end": 2994.08,
    "text": "Mein Onkel, ihr jüngster Bruder hat sie damals gefunden."
  },
  {
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    "end": 2998.8,
    "text": "Sie wohnten damals im selben Haus jeder in einer eigenen Wohnung."
  },
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    "end": 3004.3,
    "text": "Sie hatten sich für den Sonntagmorgen wie öfters zum Frühstück verabredet."
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  {
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    "text": "Als meine Mutter nicht erschien ist mein Onkel nachsehen gegangen."
  },
  {
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    "end": 3012.62,
    "text": "Ihr war also klar dass er es sein würde der sie findet."
  },
  {
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    "end": 3022.22,
    "text": "da sie mit ihrem Bruder ein besonders inniges Band der Verbundenheit und des gegenseitigen Verstehens hatte, fällt es mir schwer diesen Umstand zu deuten."
  },
  {
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    "end": 3029.7,
    "text": "Denn wenn man jemandem so nah ist, ist dieser Mensch doch eigentlich der Letzte den man so etwas zumuten oder antun möchte?"
  },
  {
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    "end": 3031.76,
    "text": "So würde ich jedenfalls denken!"
  },
  {
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    "end": 3039.7,
    "text": "Vielleicht war er für Sie aber auch der Einzige, den sich für stark genug hielt dieses Erlebnis verkraften zu können – ich weiß das nicht…."
  },
  {
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    "end": 3045.2,
    "text": "Zum Glück war die Tür ihrer Wohnung jedenfalls, wie immer nicht verschlossen."
  },
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    "end": 3052.7,
    "text": "Er fand sie im Bett liegend vor bei Bewusstsein allerdings unter extremer Atemnot leidend."
  },
  {
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    "end": 3057.76,
    "text": "Das erste und einzige das sie noch hervorbrachte war – das war wohl ein Fehler!"
  },
  {
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    "end": 3067.44,
    "text": "Was mein Onkel dahingehendeutete, dass er sie finden würde, dass es nicht endgültig geklappt hatte und dass sie das falsche Prozedere gewählt hat…."
  },
  {
    "start": 3069.58,
    "end": 3077.7,
    "text": "Neben ihr die leere Flasche Benzin und eine Glasspritze, mit der sie sich zwischen zehn-und zwanzig Milliliter des Benzins gespritzt hatte."
  },
  {
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    "end": 3084.4,
    "text": "Mein Onkel erklärte mir den chemischen beziehungsweise anatomischen Vorgang, der dann im Körper passiert so."
  },
  {
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    "end": 3097.78,
    "text": "Das Benzin sammelt sich in der Lunge an und wird über die Atemluft ausgeschieden, löst die Zellmembranen auf und Flüssigkeit tritt in die Lungenbläschen, sodass kein Gasaustausch mehr stattfinden"
  },
  {
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    "end": 3098.04,
    "text": "kann.\"."
  },
  {
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    "end": 3102.26,
    "text": "– was für ein grausamer und scheinbar langsamer Weg bis zum Tod."
  },
  {
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    "end": 3114.18,
    "text": "Mein Onkel hat sie sich über die Schulter geschmissen, auf die Rückbank seines Autos gelegt und sie in rasender Fahrt selbst ins Krankenhaus gefahren, wo dann bis abends nicht klar war, ob sie überleben würde."
  },
  {
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    "end": 3125.04,
    "text": "Sie hatte dort noch lange im Sauerstoffzelt mit schlimmer Atemnot zu kämpfen gehabt und mein Onkel sagte, dass sie wohl nicht überlebt habe wenn sie keine ärztliche Hilfe bekommen hätte."
  },
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    "text": "Er hat ihr also das Leben gerettet!"
  },
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    "text": "Was ich wirklich verrückt finde, besonders in Anbetracht der Tatsache des die beiden sich so nah waren ist dass mein Onkel sie nie auf diesen Suizidversuch angesprochen hat."
  },
  {
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    "end": 3145.02,
    "text": "Er sagte ihm war klar warum Sie es getan habe daher habe er es dabei belassen."
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    "text": "Ich kann selbst tatsächlich auch nicht sagen wie ich mich verhalten hätte wenn meine Mutter diesen ihren letzten Versuch überlebt hätte."
  },
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    "text": "Ich denke aber, dass ich es schon genau hätte wissen wollen oder sogar müssen warum und warum genau dann usw."
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    "text": "Aber das kann ich natürlich nur vermuten!"
  },
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    "end": 3179.44,
    "text": "Vielleicht möchte man denjenigen der sich ja ganz offensichtlich in einer absoluten Ausnahme- und Stresssituation befindet auch nicht zusätzlich belasten oder dazu bringen weiter über seine Situation und das damit empfundene Unglück und die Auswirklosigkeit nachzudenken?"
  },
  {
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    "end": 3190.08,
    "text": "Noch aus dem Krankenhaus heraus hat meine liebe Tante, von der ich bereits erzählte die älteste aber engste Schwester meiner Mutter, die zu dieser Zeit schon in Münster lebte."
  },
  {
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    "text": "Meine Mutter zu sich nach Münster geholt."
  },
  {
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    "text": "Eine recht interessante Idee wie ich finde denn meine Tante hatte vier kleine Kinder und mit großer Sicherheit mehr als genug zu tun."
  },
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    "text": "Sich dann noch um die suizidgefährdete Schwester kümmern zu müssen ist sicher das letzte dass man dann noch gebrauchen kann."
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    "text": "Warum keines der anderen fünf Geschwister oder meine Oma infrage kam, weiß ich nicht."
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    "text": "Ich weiß nur, dass meine Tante immer schon diejenige war, die sich um meine Mutter gekümmert hat."
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    "text": "Selbst meine Omer, die genau wie meine Mutter zu dieser Zeit in Hamburg wohnte, hat bei meiner Tante in Münster angerufen und der dann gesagt sie solle sich kümmern."
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  {
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    "text": "Merkwürdige Strukturen und ziemliche Umwege – aber so war es!"
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    "text": "Später irgendwann hat meine Mutter gesagt, dass sie es definitiv noch einmal versucht hätte, wenn meine Tante sie nicht zu sich nach Münster geholt hätte."
  },
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    "text": "Weil die ganze Familie mit der Situation nur schwer umzugehen wusste, hat man sich dazu entschlossen, meine Mutter nach Oberstorff in eine dreivöchige Therapie zu schicken!"
  },
  {
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    "text": "So viele Dinge, die ich nicht weiß und die auch nur bedingt Sinn machen – warum Oberstorf?"
  },
  {
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    "text": "Ich weiß, dass meine Mutter dort geboren ist, da meine Oma sich dort während des Krieges zeitweise aufgehalten hat."
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  {
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    "text": "Aber das war ja nun schon dreiundzwanzig Jahre her!"
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    "text": "Warum also zu Therapie dorthin?"
  },
  {
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    "text": "Da man sie nicht alleine schicken wollte musste meine Tante mit und ich frage nochmal warum?"
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  {
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    "text": "Ich verstehe schon warum aber warum ausgerechnet meine tante die vier kleine Kinder hatte?"
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    "start": 3289.44,
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    "text": "Sie selbst weiß es auch nicht mehr."
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  {
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    "text": "Die Arme musste nun binden kürzester Zeit für ihren Ehemann und vier Kinder, für drei Wochen vorkochen und alles soweit vorbereiten das sie mitfahren konnte."
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    "end": 3314.04,
    "text": "Die Therapie in Oberstorfer täglich auf drei Stunden angesetzt – sowohl meine Mutter als auch meine Tante als Angehörige hatten Therapiesitzungen bei derselben Therapeutin."
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    "end": 3322.72,
    "text": "Nach kurzer Zeit schon, so erzählte meine Tante, habe die Therapeutin begonnen mit ihr ausschließlich über meine Mutter zu sprechen."
  },
  {
    "start": 3323.24,
    "end": 3329.34,
    "text": "Sie war mit ihr völlig überfordert und hat offensichtlich nach wegen gesucht irgendwie besser mit ihr zurechtzukommen."
  },
  {
    "start": 3330.14,
    "end": 3339.06,
    "text": "Meine Mutter konnte wohl sehr verschlossen, kalt, gleichzeitig besser wisserisch und etwas arrogant sein – für eine Therapie nicht gerade die besten"
  },
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    "text": "Voraussetzung.\"."
  },
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    "end": 3348.72,
    "text": "Ich denke also, dass es nicht voreilig von mir ist zu behaupten, dass die Therapie nur so mittel oder eben gar nicht erfolgreich war."
  },
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    "end": 3351.3,
    "text": "Was war das bitte für eine Therapeutin?"
  },
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    "text": "Und dafür der ganze Aufwand schräg!"
  },
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    "text": "Es gibt Sprachaufnahmen von diesem Urlaub hätte ich fast gesagt – für meine Mutter muss es das ja auch fast gewesen sein, denn bei der Therapie mitgemacht hat sie sowieso nicht und den Rest des Tages wurde immer Skik gelaufen."
  },
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    "text": "Ich erinnere mich ganz, ganz dunkel daran dass ich diese Aufnahmen einmal gehört habe."
  },
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    "text": "Das ist aber ein Jahrhundert her und war zu einer Zeit als meine Mutter noch lebte."
  },
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    "text": "Was das tatsächlich für einen Urlaub war hat meine mutter mit damals natürlich nicht verraten."
  },
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    "text": "Aber woran ich mich sehr gut Erinnere Ist dass auf dieser Kassette mehr oder weniger Ein durchgehendes gegacker Und gekicher und gelache der beiden schwestern zu hören war unbeschwert und volle Kanne ansteckend."
  },
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    "end": 3401.62,
    "text": "Man musste automatisch sofort mitlachen, so lustig war das!"
  },
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    "text": "Man wusste gar nicht warum oder worüber gelacht wurde aber es war trotzdem einfach herrlich und erfrischend."
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    "text": "Aber wie absurd?"
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    "text": "Gerade noch hat meine Mutter versucht sich umzubringen wollte sie sogar wieder tun und ist nun zu hören wie sie sich den ganzen Tag kaputt lacht."
  },
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    "text": "Zu gerne wüsste ich was sie dann erst einmal Dazu bewogen hat, ihr Leben weiterzuleben und es eben nicht wie vor gehabt zu beenden."
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    "text": "Sie hat mir damals in Köln als sie mir von ihrem Suizidversuch erzählte gesagt dass sie sich irgendwann ganz sachlich überlegt hatte das das einzige was sie am leben halten würde wäre Kinder zu kriegen."
  },
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    "text": "Da das aber dann erst neun Jahre später passierte muss es ja vorerst noch etwas anderes gewesen sein."
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    "text": "zum glück vielleicht war es ihr Studium die Promotion und das Arbeiten als Kinderärztin."
  },
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    "text": "Da sie extrem perfektionistisch und ehrgeizig war, hat er sicher sehr viel Kraft und Raum eingenommen."
  },
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    "text": "Trotzdem muss es aber vermutlich etwas anderes gewesen sein – denn Sie hat alles nur so erfolgreich tun können weil es ihr eben nicht schlecht ging!"
  },
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    "end": 3475.8,
    "text": "Die Depressionen mit viel Arbeit-und Ablenkung zu bekämpfen, so herum funktioniert das nämlich nicht."
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    "text": "Dafür hätte sie keine Kraft"
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    "text": "gehabt.\"."
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    "text": "Ich werde es leider nicht mehr"
  },
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    "text": "herausfinden.\"."
  },
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    "text": "Was sie sicher kurzfristig nach ihrem Oberstdorf aufenthalt, davon abgehalten hat war vermutlich die Tatsache das sich meine arme Tante am letzten Tag den Fuß beim Skifahren gebrochen hat."
  },
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    "text": "Dieser Bruch war so schwer und kompliziert dass sie nicht dazu in der Lage war sich nach ihrer Rückkehr um die Kinder zu kümmern."
  },
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    "text": "Meine Mutter hat daraufhin ein ganzes Semester mit dem Studium ausgesetzt, um meiner Tante mit den Kindern und dem Haushalt zu helfen."
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    "text": "Ich bedauere es wirklich zutiefst, dass ich so wenig aus dem Leben meiner Mutter weiß!"
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    "text": "Warum ist das so, dass man Eltern nicht viel mehr Fragen stellt?"
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    "text": "Gerade diese Generation – meine Mutter war Jahrgang dreiundvierzig und mein Vater sechsunddreißig hat ja so viele unvorstellbare Dinge miterlebt die so erzählenswert und nachfragenswert sind!"
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    "text": "Mein heute dreizehnjähriger Sohn musste in der Grundschule einen sogenannten Opa- oder Oma-Tag verbringen."
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    "text": "Der beinhaltete viele Fragen und Aufgaben."
  },
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    "text": "Da es auf meiner Seite die Oma ja nun leider nicht mehr gibt, das habt ihr als schlauer Leser oder Leserin vermutlich bereits gemerkt – sonst gäbe es dieses Buch hier nicht -, hat mein Sohn also den Tag mit meinem Vater verbracht."
  },
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    "text": "Mein Sohn hat Teile der Fragen, die er seinem Oper gestellt hat, mit dem Handy aufgezeichnet Und wie berührt, erstaunt, verstört und erschrocken vor allem über mich selbst war ich als mir mein Sohn diese Aufnahme vorspielte."
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    "text": "In den meisten Fragen ging es um die Kindheit und das Aufwachsen meines Vaters."
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    "text": "Wie ich bereits erwähnte ist der Jahrgang neunzehntundhundertsechsunddreißig also ein Kriegskind."
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    "text": "Es ist absolut unvorstellbar was mein Vater alles erlebt hatte."
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    "text": "Ich bin noch nicht mal auf die Idee gekommen nachzufragen Wie furchtbar fühle ich mich bis heute deswegen?"
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    "text": "Könnte ich noch ignoranter und desinteressierter sein, wenn meine Mutter heute noch leben würde."
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    "text": "Ich würde gar nicht mehr aufhören Fragen zu stellen – wobei wahrscheinlich nicht!"
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    "text": "Denn dann hätte ich ja nicht gewusst wie sich ihr Verlust anfühlt und die Nicht-Endenwollende Sehnsucht nach ihr und das Unglaubliche vermissen, dass so wahnsinnig wehtut und das Herz sozusagen quetscht und die Seele so schwer"
  },
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    "text": "macht.\"."
  },
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    "text": "Dann wäre ich vermutlich genauso ignorant ihr gegenüber, wie ich es bei meinem Vater war."
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    "text": "Um wieder zurück zu den Mitzwanzigern meiner Mutter zu kommen!"
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    "text": "Ich weiß leider nicht genau, wie die aussahen was sie gemacht und umgetrieben hat."
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    "text": "Den Nachnamen weiß ich leider nicht – nicht das ich ihn dann hier nennen würde … aber dann hätte ich versuchen können etwas über ihn herauszufinden…."
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    "text": "Ein weiteres sinnloses Puzzleteil, das mir nicht wirklich weiter geholfen hätte."
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  },
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    "text": "Das einzige was ich von meiner Tante über ihn weiß ist, dass er wohl sehr unnahbar und pingelig war."
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    "text": "…und fein angezogen…das war meine Tante noch in Erinnerung geblieben."
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    "text": "Alles, was sie berichten konnte, hörte sich nach einer richtigen Spaßkanone an….In meinen Augen bzw Ohren eher"
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    "text": "sein.\"."
  },
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    "text": "Ihre Zuneigung hat jedenfalls soweit gereicht, dass Sie sich sogar verlobt und ein Hochzeitsdatum festgemacht hatten."
  },
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    "text": "Ich hatte ja schon erzählt, das meine Mutter für sich als lebenserhaltende Maßnahme festgesetzt hatte Kinder kriegen zu wollen oder müssen."
  },
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    "end": 3709.7,
    "text": "Vielleicht hatte sie in jenem Mann einen guten Versorger-und-oder idealen Genspender gesehen?"
  },
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    "end": 3711.779,
    "text": "Schlauchschiner ja gewesen zu sein."
  },
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    "end": 3718.18,
    "text": "Und das war meine Mutter allemal und die beiden dann zusammen, dass hätte schon schlaue Kinder abgegeben."
  },
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    "end": 3726.939,
    "text": "Mein tatsächlicher Vater ist – und das sage ich frei heraus ohne seinen Vorgänger je kennengelernt zu haben mindestens genauso schlau wie er!"
  },
  {
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    "end": 3732.16,
    "text": "Bei meinem Bruder hat das mit der Intelligenzverpaarung auch mehr als gut geklappt."
  },
  {
    "start": 3732.52,
    "end": 3736.959,
    "text": "Abinote eins Komma Eins Ohne etwas dafür getan zu haben sag' ich nur."
  },
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    "end": 3740.5,
    "text": "Und Promotion mit sechsundzwanzig Ja, ja ich weiß."
  },
  {
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    "end": 3754.359,
    "text": "Die schulischen Leistungen sagen nicht wirklich etwas über die wahre Intelligenz eines Menschen aus aber trotzdem wenn die drei zusammen saßen oder am besten noch die ganze erweiterte Familie bei irgendwelchen Familien treffen und das sind einige Verwandte."
  },
  {
    "start": 3754.799,
    "end": 3763.56,
    "text": "meine Mutter hatte sechs Geschwister und jedes von ihnen mindestens zwei drei oder vier Kinder Und mein Vater hat zwei Geschwisters mit auch jeweils mehreren Kindern."
  },
  {
    "start": 3763.819,
    "end": 3765.459,
    "text": "und alle Akademiker."
  },
  {
    "start": 3766.259,
    "end": 3781.939,
    "text": "Dann habe ich immer nur Bahnhof verstanden und mir wurde klar, dass wenn es nur Menschen wie mich gäbe – wir alle vermutlich in sehr hübschen Bananenblatt oder Baströckchen mit Teschien aus Moos oder dergleichen herumlaufen aber sicherlich nicht mit Autos fahren oder Smartphones benutzen würden."
  },
  {
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    "end": 3784.759,
    "text": "Da hat die Menschheit also noch mal Glück gehabt!"
  },
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    "end": 3787.1,
    "text": "Aber ich hab den Eindruck, ich bin abgeschweift."
  },
  {
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    "end": 3792.56,
    "text": "Warum also meine Mutter den Professor außerwählt hatte kann ich nichts sagen…."
  },
  {
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    "end": 3801.02,
    "text": "Irgendwann schien ihr aber aufgefallen zu sein, dass ihre Wahl doch nicht so perfekt war und sie hat sich eine Woche vor der geplanten Hochzeit von ihm getrennt."
  },
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    "text": "Puh!"
  },
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    "text": "Das muss man auch erst mal bringen."
  },
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    "end": 3808.319,
    "text": "Ob irgendetwas vorgefallen war das zu dieser Entscheidung geführt hatte weiß ich auch nicht."
  },
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    "end": 3815.839,
    "text": "Ich habe jedenfalls in ihrem Schmuckkästchen ihren goldenen Ehrring gefunden, der mit seinem Namen und dem Hochzeitsdatum graviert ist."
  },
  {
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    "end": 3819.14,
    "text": "Ich glaube man hat das damals so gemacht statt eines Verlobungsringes."
  },
  {
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    "text": "kann es sein?"
  },
  {
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    "end": 3824.459,
    "text": "Ich merke gerade, dass ich die Dinge wirklich nicht chronologisch korrekt wiedergeben kann."
  },
  {
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    "end": 3829.52,
    "text": "Dass meine Mutter die Hochzeit eine Woche vor dem Termin abgesagt hat weiß ich von meiner Tante."
  },
  {
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    "end": 3839.54,
    "text": "Ich meine aber auch mich so erinnern, dass meine Mutter mir mal erzählte das sie dann zu dem Termen an dem Sie eigentlich den Professor heiraten wollte meinen Vater geheiratet hat."
  },
  {
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    "end": 3844.939,
    "text": "Das sie denen da noch überhaupt nicht lange kannte hat sie auch erwähnt – aber es war doch mehr als nur eine Woche!"
  },
  {
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    "text": "Wie auch immer, das spielt ja auch keine so große Rolle."
  },
  {
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    "text": "Sie hatte jedenfalls zwischenzeitlich meinen Vater in der Klinik, in der sie damals arbeitete, kennengelernt und war total geflasht um mal ein neu zeitliches Wort zu gebrauchen von ihm."
  },
  {
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    "end": 3870.479,
    "text": "Er war wohl das komplette Gegenteil vom Professor – offen, witzig, unternehmungslustig, outgoing handwerklich oberbegabt und scheinbar einfach unkompliziert!"
  },
  {
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    "text": "Das lässt also vermuten, dass mein Vater der Grund dafür war, das meine Mutter endgültig gemerkt hat, dass der Pingelskopf vielleicht doch keine so gute Wahl war."
  },
  {
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    "end": 3893.979,
    "text": "Seit meinem letzten Eintrag hier sind einige Tage vergangen und inzwischen weiß ich, daß die Trennung von Professor mit meinem Vater nichts zu tun hatte – und die Beziehung meiner Eltern erst eine Weile nach deren Trennungen begann."
  },
  {
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    "end": 3901.12,
    "text": "Geheiratet wurde dann also twohneunzehnhundersiebzig nur sehr kurz nach dem Kennenlernen."
  },
  {
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    "text": "Mein Vater wusste über den ersten Suizidversuch meiner Mutter und ihre Schwermütigkeit Bescheid."
  },
  {
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    "end": 3909.58,
    "text": "Ich glaube, das erwähnte ich auch bereits!"
  },
  {
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    "end": 3922.1,
    "text": "Es muss für ihn wirklich kein leichtes Ehe-Leben gewesen sein, denn meine Mutter hatte immer etwas Schweres, Schwermütiges, Dunkles, Unnahrbares, Kaltes – sogar Bösartiges an sich."
  },
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    "text": "Genau das habe ich ja auch mein Leben lang an ihr bemerkt."
  },
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    "text": "Da war nie Leichtigkeit oder Unbeschwertheit."
  },
  {
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    "text": "Nie!\"."
  },
  {
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    "text": "Das, was meinen Vater fasziniert oder interessiert hat war, dass sie eben sehr intelligent, extrem fleißig und ehrgeizig vielseitig begabt und interessiert und sehr gut in allem war – was sie tat."
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  {
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    "text": "Zwei Jahre nach der Hochzeit wurde meine Mutter schwanger."
  },
  {
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    "text": "Ihre lebenserhaltende Maßnahme hatte man also in Angriff genommen."
  },
  {
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    "text": "Auch das war für meinen Vater sicher auch immer mit einer gewissen Unsicherheit oder einem schlechten Gefühl unterschwellig behaftet, denn er wusste ja von ihrem Suizidversuch ein paar Jahre zuvor."
  },
  {
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    "text": "Er erzählte mir aber, dass meine Mutter ihm sehr glaubhaft versprochen und versichert habe, dass er sich zu hundert Prozent darauf verlassen könne, daß sie sich nichts antun werde so lange ihre Kinder sie brauchen"
  },
  {
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  },
  {
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    "text": "Wie lange das sein würde, ist natürlich auch relativ."
  },
  {
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    "end": 3987.299,
    "text": "Aber sie hat sich daran gehalten und das ja wirklich verhältnismäßig lang – und dafür bin ich ihr aus tiefstem Herzen dankbar!"
  },
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    "text": "Leider hat meine Mutter dieses Kind mit dem Sie dann schwanger war verloren…und das wohl sehr spät."
  },
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    "text": "Das hat sie, so denke ich bis zum Ende ihres Lebens nicht verkraftet."
  },
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    "end": 4003.62,
    "text": "Erzählt hat sie davon nie … und auch darauf habe ich sie natürlich nie angesprochen…."
  },
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    "text": "aber es gab ein Erlebnis an dem ich das festmachen"
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    "text": "konnte.\"."
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    "text": "Sie hat meinem Bruder und mir als wir Kinder waren abends vorm Zubettgehen immer etwas vorgelesen."
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    "text": "Und bei dem Buch, Julie von den Wölfen gab es eine Textstelle an der sie plötzlich während des Vorlesens in Trennen ausgebrochen aufgestanden ist und wortlos das Zimmer verlassen hat."
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    "text": "Das hat uns Kinder sehr verstört da wir das im ersten Moment natürlich überhaupt nicht verstanden haben und es ja völlig aus dem Nichts kam."
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    "text": "Ich kann mich bis heute noch ganz genau an die Situation erinnern."
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    "text": "Ich denke, wir waren zu dem Zeitpunkt so um die sechs- bis acht Jahre alt."
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    "text": "Mein Vater kam dann und hat uns kurz beruhigt und ins Bett gebracht."
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    "text": "Meine Mutter hat uns später aufgeklärt – kurz und knapp – ohne weitere"
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    "text": "Details.\"."
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    "text": "Ich weiß nur noch, dass sie gesagt hat das wenn Sie dieses Kind nicht verloren hätte es mich nicht geben würde da diese Schwangerschaft sehr kurz vor der mit mir gewesen sei."
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    "text": "Diese Information hat bei mir mein Leben lang einen sehr faden Beigeschmack hinterlassen denn ich habe nicht so richtig verstanden warum sie obwohl sie ja jetzt mich stattdessen hatte und mit mir ja soweit alles gut gegangen war trotzdem so bitterlich um dieses verlorene kind geweint."
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    "text": "Es erschien mir oft so, als wäre ihr dieses verlorene Kind irgendwie lieber gewesen als ich."
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    "text": "Und das obwohl sie es ja nie kennengelernt hatte – wie auch immer!"
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    "text": "Ich wurde dann im Juni, und mein Bruder im Januar, und meine Mutter."
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    "text": "in den letzten Jahren war zufolge für meine Mutter beschwerlich und wenig erfreulich und sie hat keine Gelegenheit ausgelassen, dass auch Kunst zu tun."
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    "text": "Etwas Paradox erscheint einem das ja schon, denn nun hatte sie ja genau das was sie wollte und von dem Sie glaubte dass es sie am Leben halten würde."
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    "text": "Daher würde man ja denken daß sie mit Freude und Glück erfüllt hätte sein müssen aber dem war nicht so."
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    "text": "Meine Geburt war dann ein erneuter Schock."
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    "text": "mein Geburtstag fiel auf einen Sonntag Und an Sonntagen ist das ärztliche Personal an Krankenhäusern eher sperrlich vertreten."
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    "text": "Da ich mich selbst wieder einmal nicht erinnern kann, kann ich mich nur auf die Aussagen meines Vaters und meiner Tante berufen."
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    "text": "Die sagten, dass ich mehr schwarz als rosa war nachdem ich geschlüpft war, denn das ich unmittelbar nach dem Verlassen des mütterlichen Mutterleibes anfangen müsste zu atmen hatte man mir scheinbar nicht gesagt oder ich hatte auch das einfach vergessen – Ich weiß es nicht mehr!"
  },
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    "text": "Mein Vater, der zum Glück bei der Geburt – im Gegensatz zu einem Krankenhausarzt – zugegen war hat nun versucht mich zu intubieren."
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    "text": "Er selbst war oder ist ja ebenfalls Kinderarzt."
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    "text": "Leider ist er dabei ohnmächtig geworden!"
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    "text": "Dann nun mein armes Mütterlein ganz allein war, hat sie das dann übernommen?"
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    "text": "Das muss man sich mal vorstellen…."
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    "text": "aber da kam ihr sicher ihre Emotionslosigkeit"
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    "text": "zugute.\"."
  },
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    "text": "Das Stillen hat wohl leider ganz zu ihrem großen Leidwesen nicht geklappt."
  },
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    "text": "Woran das lag, kann ich nicht sagen."
  },
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    "end": 4201.9,
    "text": "Ob daraus meine kindliche Besessenheit mit meinen eigenen Brüsten resultierte, vermag' ich auch nichts zu sagen Aber ich habe wohl sehr lange als Kind immer wieder den Wunsch geäußert Wenn ich einmal groß bin möchte ich ein Busen haben und Geige spielen."
  },
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    "text": "Hat übrigens beides geklappt."
  },
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    "text": "Das nur am Rande."
  },
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    "end": 4220.4,
    "text": "Obwohl meine Mutter meinem Vater mehrfach unmissverständlich klargemacht hatte Dass er sich nicht zwischen sie und ihre Kinder zu drängen habe War die Beziehung zwischen ihr und mir Wie ich ja bereits beschrieben habe, irgendwie immer schwierig."
  },
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    "text": "Ich war weder ein schwieriges noch aufmüpfiges Kind, worauf man das hätte schieben können – es war ganz einfach so!"
  },
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    "text": "Und mein Bruder hat meine Mutter sich immer gedreht, gesorgt, gekümmert…."
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    "text": "bei mir ging das einfach nicht."
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    "text": "Ich wüsste so gerne warum das so war, denn ich weiß ja dass sie mich wollte und ich weiß auch, dass sie mei geliebt hat … später auf jeden Fall."
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    "text": "Irgendetwas machte ist ihr aber damals sehr"
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    "text": "schwer.\"."
  },
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    "end": 4251.32,
    "text": "und warum sich das dann so ins Gegenteil verkehrt hat, als ich erwachsen und ausgezogen war."
  },
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    "text": "Also von zu Hause nicht kleidungsmäßig?"
  },
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    "text": "Keine Ahnung!"
  },
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    "text": "Das kam für mich auch ziemlich überraschend muss ich sagen aber umso mehr habe ich es dann genossen und geschätzt Und genau das ist auch ein Grund für meine unglaubliche Wut die ich bis heute in mir habe dass sie uns, mich und sich selbst um so viel gebracht hat was da noch alles hätte kommen und sich entwickeln können."
  },
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    "text": "Nun mal zwischendurch zu etwas anderem."
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    "end": 4285.98,
    "text": "Etwas, das ich so sehr bedauere an der Entscheidung meiner Mutter ist, dass sie ihre Enkel nicht mehr miterlebt."
  },
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    "text": "Ich weiß, daß Sie zu Ihrem Psychotherapeuten den Sie eine Zeit lang aufgesucht hat, gesagt hat, dass das Schönste, was Sie sich noch vorstellen könne sei ,dass ich Kinder bekommen würde."
  },
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    "end": 4303.42,
    "text": "Da ich älter bin als mein Bruder lag es also nahe, dass ich das vor ihm tun würde und sie dann in meine Nähe"
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    "text": "zöge.\"."
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    "text": "Zweieinhalb Jahre nach dem Tod meiner Mutter ist mein Sohn geboren."
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    "text": "Das war natürlich damals alles nicht absehbar und davon abgesehen völlig bescheuert das mit dem Warten zu sagen."
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    "text": "Ich bin mir sicher dass Sie ihren Tod natürlich vermieden hätte wenn es ihr möglich gewesen wäre."
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    "text": "Also wie gesagt völlig besscheuert ihr das vorzuwerfen."
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    "text": "Wie bereits erwähnt, finde ich es so schade, dass sie ihre inzwischen – denn mein Bruder hat fleißig nachgelegt – vier Enkel nicht mehr miterlebt und aufwachsen sieht."
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    "text": "Besonders bedauere ich das bei den Kindern meines Bruders, denn ihm war meine Mutter immer sehr nah."
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    "text": "Nun seine drei wunderschönen schlauen Mädchen zu sehen hätte sie mit Sicherheit sehr glücklich"
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    "text": "gemacht.\"."
  },
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    "text": "Besonders, da das dritte Kind unter sehr schwierigen Umständen zur Welt kam und anschließend lange kämpfen musste – und ist meinem Bruder, seiner Frau natürlich ebenso – während dieser ganzen schwierigen Zeit extrem schlecht ging."
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    "text": "Und jetzt aber zum Glück alles gut ist, weil es mir ein ganz großes Bedürfnis irgendwie eine Verbindung zwischen den vier Kindern und meiner Mutter herzustellen."
  },
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    "text": "Und da bin ich auf die Idee mit den Steinen gekommen!"
  },
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    "text": "Meine Schwererin war eine sehr lange Zeit um die Geburt der dritten Tochter herum mit den Kindern bei ihren Eltern, damit sie genügend Hilfe bei der Betreuung der beiden großen Mädchen bekäme."
  },
  {
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    "end": 4400.98,
    "text": "Ich habe dann also ihre Mutter – die Schwiegermutter meines Bruders – gebeten, mit dem Mädchen ein paar schöne Steine zu suchen und diese zu bemahlen — ganz wie Sie das mochten!"
  },
  {
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    "end": 4407.219,
    "text": "Das Einzige was mir nur wichtig war es mussten die Initialen der drei Mädchen verarbeitet werden."
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    "end": 4415.38,
    "text": "Und das Ergebnis ist wunderschön geworden, ganz wunderbar bunt und kreativ."
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    "end": 4422.34,
    "text": "Diese wertvollen Steine habe ich dann nach Münster zum Friedhof gebracht und sie auf das Grab meiner Mutter gelegt."
  },
  {
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    "end": 4429.7,
    "text": "Ich finde Gräber im Allgemeinen furchtbar – selbst wenn Sie bunt bepflanzt sind, sind Sie doch meist trist und einfach traurig!"
  },
  {
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    "end": 4439.38,
    "text": "Der Nachteil am Friedhof meiner Mutter, der ja sonst so wundeschön und friedlich ist, dass es dort gefräßige Rehe gibt die es herrlich finden."
  },
  {
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    "end": 4443.88,
    "text": "Dass es so nette Menschen gibt, die ihnen ständig so schmackhafte Blumen anpflanzen."
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    "end": 4447.88,
    "text": "Das bedeutet das man sich noch so viel Mühe geben kann."
  },
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    "end": 4467.719,
    "text": "etwas buntes is nie von Dauer und die bemalten Steine bringen jetzt soviel Farbe auf das triste Grab Und da wir sie nach dem Bemeilen lackiert haben werden sie hoffentlich sehr lange halten Denn dass die Rehe auch auf den steinen Geschmack kommen halte ich eher für abwegig Und dass sie einer klaut, ebenso wenig."
  },
  {
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    "end": 4471.2,
    "text": "Denn für jemand anderes haben Sie ja überhaupt keine Bedeutung und keinen"
  },
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    "text": "Wert.\"."
  },
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    "end": 4476.28,
    "text": "Mancher wird sich vielleicht fragen was das für ein bescheuerte Gedanke mit dem Clown ist?"
  },
  {
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    "end": 4486.24,
    "text": "Da kann ich nur sagen – Ich habe vor einer ganzen Weile zwei eiserne Blumenstecker oder wie man die auch immer nennt gekauft Ein Herz-und einen Engel in einem verrosteten Gluck."
  },
  {
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    "end": 4489.24,
    "text": "Mit sehr viel Liebe und Bedacht hab' ich sie ausgesucht."
  },
  {
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    "end": 4501.86,
    "text": "Die habe ich dann jeweils links und rechts neben den Grabstein meiner Mutter in die Erde gesteckt Und als ich eine ganze Zeit später wieder am Grab meiner Mutter war, steckten genau diese beiden Blumenstecker im Nachbargrab."
  },
  {
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    "text": "Was stimmt denn mit den Menschen nicht?"
  },
  {
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    "end": 4513.62,
    "text": "Es ist ja dreist genug überhaupt etwas von einem Grab zu stehlen – aber das dann noch für das Grab, dass genau daneben ist zu verwenden…."
  },
  {
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    "end": 4515.18,
    "text": "Da fehlen mir echt die Worte!"
  },
  {
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    "end": 4520.62,
    "text": "Die Friedhustirektion erzählte uns damals, dass sogar Grabsteine geklaut werden."
  },
  {
    "start": 4521.099,
    "end": 4528.32,
    "text": "Dabei werden verständlicherweise Grabplatten bevorzugt – denn die lassen sich dann ja ganz einfach umdrehen und von der anderen Seite gravieren!"
  },
  {
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    "end": 4530.32,
    "text": "Da fällt einem doch echt nichts mehr"
  },
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    "end": 4530.519,
    "text": "ein.\"."
  },
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    "text": "Ich könnte jetzt das weitere Leben meiner Mutter nachdem es uns ja dann gab mit unzähligen Erlebnissen und Situationen ausgiebig beschreiben und erzählen wie sie alles was sie tat ob ist das Geige spielen?"
  },
  {
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    "text": "war ihr eigenes oder meines?"
  },
  {
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    "end": 4554.519,
    "text": "Sie hat nämlich seit meinem achten Lebensjahr bis mehr oder weniger bis hin zu meinem Auszug täglich, bis zu einer Stunde mit mir geübt."
  },
  {
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    "end": 4567.26,
    "text": "Ihr Berufsleben als Kinderärztin und später als praktizierende Homöopathin ihre Hobbys wie Nähnen oder einen Bibelkreis Was ich bis heute ehrlich gesagt nicht verstanden habe, denn meines Wissens nach war sie nicht im christlichen Sinne gläubig."
  },
  {
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    "end": 4576.26,
    "text": "Oder ihre Reisen die sie später alleine unternommen hat mit einem unfassbaren Ehrgeiz und einer fast unangenehmen Verbissenheit getan hat."
  },
  {
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    "end": 4584.54,
    "text": "Ich weiß gar nicht ob ihr überhaupt jemals etwas tatsächlich richtig Spaß gemacht habt Denn wirklich frei genießen konnte sie nie etwas."
  },
  {
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    "end": 4598.92,
    "text": "Die Frau meines Onkels hat einmal gesagt dass meine Mutter ihnen häufig Leid tat da sie Zu der Zeit, als sie im selben Haus wohnten immer hören konnten wie verbissen meine Mutter ein sehr schweres Stück auf der Geige übte."
  },
  {
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    "end": 4613.38,
    "text": "Als zusätzlichen Grund für ihren Suizidversuch mit dreiundzwanzig nannte mein Onkel die Tatsache dass ihr Doktorvater ihr in unverantwortlicher Weise einen nicht zu bewältigen des Thema für ihre Doktorarbeit zugemutet hatte."
  },
  {
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    "end": 4619.66,
    "text": "Ihr Perfektionismus und ihr Ehrgeiz waren so groß das sie nicht ertragen konnte daran zu scheitern."
  },
  {
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    "text": "Es hat meinen Onkel sehr viel Mühe und Überzeugungskraft gekostet, sie dazu zu bringen sich einen neuen Doktorvater und ein neues Thema zu suchen."
  },
  {
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    "end": 4638.18,
    "text": "Ich könnte auch erzählen wie Sie Zeitlebens unter einer sehr ausgeprägten Kontaktstörung was soziale Kontakte anging gelitten hat?"
  },
  {
    "start": 4638.94,
    "end": 4652.299,
    "text": "Ich weiß dass sie grundsätzlich nicht ungern in Gesellschaft anderer Menschen war oder nicht grundsätzlich etwas gegen andere Menschen hatte Aber das war doch irgendwie recht selektiv, was diesbezüglich für sie okay war und was nicht."
  },
  {
    "start": 4653.66,
    "end": 4664.5,
    "text": "Sobald ihr gegenüber etwas hatte, was ihr irgendwie imponiert hat – meistens dann geistiger oder wissenschaftlicher fachlicher Natur – hat sie es gern getan und sich augenscheinlich auch nicht unwohl gefühlt."
  },
  {
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    "text": "Oft genug gab es aber Situationen aus denen Sie sich wie ein kleines Kind dass ich nicht anders zu helfen weiß einfach abgehauen ist!"
  },
  {
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    "text": "Zum Beispiel Essenseinladungen bei Freunden, die dann eher von der Seite meines Vaters kamen oder so etwas."
  },
  {
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    "text": "Das war für sie unerträglich, dass sie einfach weggelaufen ist!"
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  {
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    "text": "Ich erinnere mich, dass Sie mir einmal sogar davon erzählt hat – Sie hatte auch hier immer das Gefühl eine Außenseiterin und nicht dazu gehörig zu sein."
  },
  {
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    "text": "Und anstatt das durch Smalltalk zu überspielen oder um meines vaters Willen den Abend lang gute Mine zum bösen Spiel zu machen sie einfach weggelaufen?"
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    "text": "Für eine erwachsene Frau ja doch auch eher ein etwas peinlicher Reaktion, wie ich finde."
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    "text": "Aber daran lässt sich eben sehr gut ablesen, wie groß ihre Störung diesbezüglich war."
  },
  {
    "start": 4715.12,
    "end": 4730.36,
    "text": "Eine andere Situation, die mir noch im Kopf geblieben ist, war dass sie – als sie bereits meinen Vater verlassen hatte und alleine wohnte – bei der Möbelfirma, die ihren Kleiderschrank zwar aufgebaut aber irgendetwas vermasselt hatten anrufen wollte um das zu"
  },
  {
    "start": 4730.44,
    "end": 4731.059,
    "text": "reklamieren.\"."
  },
  {
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    "end": 4738.62,
    "text": "Sie sagte, sie habe eine Stunde lang vor dem Telefon gesessen und ist dann nicht geschafft dort anzurufen."
  },
  {
    "start": 4739.059,
    "end": 4740.26,
    "text": "Es ging einfach nicht!"
  },
  {
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    "end": 4751.799,
    "text": "Während sie ebenfalls schon alleine wohnte gab es Momente in denen sie sich so einsam fühlte dass sie in ihrer Not in die Stadt gefahren und in Geschäfte gegangen ist wo Menschen waren."
  },
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    "end": 4756.0,
    "text": "Auch heute noch kann ich diesen Gedanken kaum aushalten."
  },
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    "start": 4756.78,
    "end": 4762.88,
    "text": "Warum hat sie mich in solchen Momenten nicht angerufen oder eine ihrer Freundinnen, die sie ja sogar hatte?"
  },
  {
    "start": 4763.84,
    "end": 4768.099,
    "text": "Es wäre doch eine zumindest kurzfristige Linderung möglich gewesen."
  },
  {
    "start": 4769.12,
    "end": 4779.36,
    "text": "Aber in so einem schwachen Moment genau das zugeben zu müssen und damit ja komplett blank zu ziehen, hat ihr Perfektionismus und das Waren des Bildes nach außen nicht erlaubt denke"
  },
  {
    "start": 4779.48,
    "end": 4779.559,
    "text": "ich.\"."
  },
  {
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    "end": 4787.98,
    "text": "Oder sie wusste dass es nichts ändern würde wenn einer von uns bei ihr wäre... dass dieses Gefühl durch nichts zu lindern gewesen wäre."
  },
  {
    "start": 4788.66,
    "end": 4789.98,
    "text": "Ich kann das sogar nachvollziehen."
  },
  {
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    "end": 4805.82,
    "text": "Eine meiner engsten Freundinnen hat mir mehrfach fast als Vorwurf gesagt, wie traurig und enttäuscht sie sei, daß ich nie anriefe wenn es mir nicht gut ging, warum ich nie Bescheid sagte und dass ist doch Quatsch sei, dass sich immer alles mit mir alleine ausmachte!"
  },
  {
    "start": 4806.88,
    "end": 4810.08,
    "text": "Ich verstehe ihre Enttäuschung – man fühlt sich als Freundin"
  },
  {
    "start": 4810.16,
    "end": 4811.16,
    "text": "herabgestuft.\""
  },
  {
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    "end": 4820.0,
    "text": "Genau wie ich als Tochter, weil mich meine Mutter in ihrer großen Not nicht ebenfalls um Hilfe die ihr so gerne geleistet hätte gebeten hat."
  },
  {
    "start": 4821.04,
    "end": 4834.299,
    "text": "Ich habe versucht es meiner Freundin zu erklären Es hat nichts damit zu tun dass sich unbedingt immer alles mit mir selbst ausmachen will auch wenn ich – wie ich ja bereits erwähnte – nie auch nur ansatzweise jemandem zur Last fallen möchte."
  },
  {
    "start": 4834.88,
    "end": 4841.86,
    "text": "Das ist hierbei anders, denn es gibt durchaus Situationen in denen ich das offene Ohr einer Freundin nutze und sehr schätze."
  },
  {
    "start": 4842.599,
    "end": 4845.98,
    "text": "Aber das sind dann Situationen die lösbar sind."
  },
  {
    "start": 4847.219,
    "end": 4853.42,
    "text": "Schlechtgehmomente, die durch den Tod oder das Fehl in meiner Mutter begründet sind, sind nicht lösbaar!"
  },
  {
    "start": 4854.28,
    "end": 4861.059,
    "text": "Ich könnte natürlich meine Freundin anrufen und ihr sagen, wie schwer meine Seele ist und wie traurig und wütend und sehnsüchtig ich bin."
  },
  {
    "start": 4861.44,
    "end": 4870.7,
    "text": "Und wie dreckig es mir geht und wie ich kaum schaffe einen Fuß vor den anderen zu setzen weil mich alles so sehr anstrengt und ich für alles eine unbeschreibliche Mühe aufbringen muss."
  },
  {
    "start": 4871.059,
    "end": 4872.12,
    "text": "das könnte ich natürlich."
  },
  {
    "start": 4872.78,
    "end": 4876.78,
    "text": "Meine Freundin würde dann sagen, wie sehr ihr das leidt und wie furchtbar das doch sei."
  },
  {
    "start": 4877.219,
    "end": 4885.26,
    "text": "Und ich würde diese Worte hören und genau wissen, dass meine Freundin das natürlich ernst meinte – und sie von Herzen nur das Beste für mich wollte!"
  },
  {
    "start": 4885.78,
    "end": 4887.08,
    "text": "Aber es würde nichts ändern."
  },
  {
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    "text": "Nichts!"
  },
  {
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    "end": 4890.94,
    "text": "Keines der Gefühle würde dadurch gelindert."
  },
  {
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    "end": 4894.7,
    "text": "Und das wäre nicht ihre Schuld, denn wie sollte sie das auch können?"
  },
  {
    "start": 4895.5,
    "end": 4902.28,
    "text": "Alle diese Gefühle gibt es nur, weil ich die Tochter meiner Mutter bin und weil unsere Beziehung die war, die sie war."
  },
  {
    "start": 4903.16,
    "end": 4907.4,
    "text": "Und das kann kein Mensch der Welt kompensieren oder wettmachen oder ausgleichen!"
  },
  {
    "start": 4908.78,
    "end": 4925.9,
    "text": "Mein Lebensgefährte wollte einmal wissen... Und auch er war fast enttäuscht oder beleidigt, weil er sich als mein Partner herabgesetzt fühlte ob denn unsere Beziehung und unsere Liebe zueinander und die schönen Momente, die wir miteinander hätten nicht helfen würden meine schwere Seele weniger schwer zu machen."
  },
  {
    "start": 4926.719,
    "end": 4933.299,
    "text": "Ich wollte ihn nicht verletzen und habe mich daraufhin etwas gewunden und versucht eine möglichst ungefährliche Formulierung zu finden."
  },
  {
    "start": 4933.98,
    "end": 4943.92,
    "text": "aber wenn ich ganz ehrlich bin kann keine Liebe dieser Welt diesen Schmerz lindern weil die eine Liebe eben nichts mit der anderen Liebe zu tun hat."
  },
  {
    "start": 4944.519,
    "end": 4953.2,
    "text": "Er, als mein Lebensgefährte kann nicht die Beziehung zu meiner Mutter, die ja völlig anders gelagert und geartet ist ersetzen oder dieses Loch füllen!"
  },
  {
    "start": 4954.059,
    "end": 4957.84,
    "text": "Und das meine ich weder abwertend noch böse – es geht einfach nicht."
  },
  {
    "start": 4958.26,
    "end": 4961.18,
    "text": "Das Eine ist das Eine, und das andere ist das Andere."
  },
  {
    "start": 4961.86,
    "end": 4967.059,
    "text": "Wenn ich Hunger auf Birnen habe wird dieser nicht gestellt indem ich noch so viele Bananen esse."
  },
  {
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    "end": 4969.34,
    "text": "etwas sehr salopp ausgedrückt, ich weiß."
  },
  {
    "start": 4969.68,
    "end": 4970.58,
    "text": "Aber genauso ist"
  },
  {
    "start": 4970.66,
    "end": 4970.76,
    "text": "es.\"."
  },
  {
    "start": 4971.88,
    "end": 4973.24,
    "text": "Und schon wieder bin ich abgeschweifft."
  },
  {
    "start": 4974.2,
    "end": 4986.32,
    "text": "Ich wollte nur ausdrücken dass sich verstehen könnte wenn meine Mutter eben genau aus dem Grund niemanden um Hilfe gebeten hat das sie genau wusste dass keiner von den herbeigerufenen ihr Linderung hätte verschaffen können."
  },
  {
    "start": 4986.98,
    "end": 4987.78,
    "text": "Umso schrecklicher!"
  },
  {
    "start": 4993.84,
    "end": 5004.54,
    "text": "Das, was mir noch wichtig zu erzählen ist, ist etwas das mir nach so vielen Jahren doch noch eine gewisse Linderung in Bezug auf den Schmerz und die Wut und die Trauer gebracht hat."
  },
  {
    "start": 5005.44,
    "end": 5013.219,
    "text": "Mein Bruder und ich hatten ja recht bald nach dem Suizid meiner Mutter ihren Psychologen bei dem sie zu dieser Zeit im Behandlung war – aufgesucht."
  },
  {
    "start": 5014.4,
    "end": 5016.7,
    "text": "Leider habe ich an diesem Besuch kaum noch Erinnerungen."
  },
  {
    "start": 5017.219,
    "end": 5022.0,
    "text": "Hinzu kommt natürlich noch da er ja aufgrund seiner Schweigepflicht nur bedingt Auskunft geben"
  },
  {
    "start": 5022.099,
    "end": 5022.46,
    "text": "durfte.\"."
  },
  {
    "start": 5023.4,
    "end": 5027.099,
    "text": "Ich habe immer bedauert, mich nicht mehr genau an unser Treffen erinnern zu können."
  },
  {
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    "end": 5034.88,
    "text": "Und letztes Jahr habe ich ihn dann einfach noch einmal angeschrieben und ihn gefragt ob er sich noch einmal mit mir treffen könnte."
  },
  {
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    "end": 5038.799,
    "text": "Natürlich wusste ich weder ob er überhaupt noch lebt."
  },
  {
    "start": 5039.12,
    "end": 5048.24,
    "text": "wenn ja, ob er es sich noch an mich erinneren würde oder ob er sie dann überhaupt noch einmal damit treffe Und zu meiner großen Freude hat er direkt geantwortet."
  },
  {
    "start": 5048.78,
    "end": 5059.76,
    "text": "Er schrieb, dass er tagszufuhr noch an unserem Haus, in dem mein Vater immer noch wohnt, vorbeigefahren sei – er wohnt ganz in der Nähe – und sich noch gefragt habe wie ist uns denn wohl gehe?"
  },
  {
    "start": 5060.139,
    "end": 5061.84,
    "text": "Und da schreibe ich einen Tag"
  },
  {
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    "end": 5062.38,
    "text": "später.\"."
  },
  {
    "start": 5063.08,
    "end": 5067.0,
    "text": "Da sieht man wieder das es doch so etwas wie Schicksal oder Fügung gibt … sag' ich doch immer!"
  },
  {
    "start": 5068.28,
    "end": 5072.719,
    "text": "Er hat mir sofort einen Terminvorschlag gemacht den ich sehr dankbar angenommen habe…."
  },
  {
    "start": 5073.34,
    "end": 5084.139,
    "text": "Und dieses Treffen hat mir ganz überraschenderweise, obwohl er ja wie damals nicht wirklich Details aus den Sitzungen mit meiner Mutter preisgeben durfte, wirklich etwas Linderung verschafft."
  },
  {
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    "end": 5105.46,
    "text": "Ich sagte ihm, dass es einfach nicht in meinen Kopf gehe – das sie, obwohl sie ihren Suizid ja ganz offensichtlich von längerer Hand geplant hatte und dass sie die ganze Zeit überwusste, dass ich ihr nicht helfen würde diese psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen trotzdem bis unmittelbar vor ihrem Suizid immer noch zu ihm gekommen ist."
  },
  {
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    "text": "Warum?"
  },
  {
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    "end": 5108.44,
    "text": "Das macht doch eigentlich keinen Sinn!"
  },
  {
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    "end": 5128.559,
    "text": "Das, was er sagte, ist irgendwie als Bild in meinem Kopf geblieben und das sieht so aus wie Erde die mit einem Bodendecker einer Pflanze oder ein Haus, das mit Ehefeu völlig überwuchert ist und nur noch ein ganz kleines unversehrtes Reststückchen geblieben ist."
  },
  {
    "start": 5129.5,
    "end": 5135.84,
    "text": "So war es mit ihr und den Depressionen – die hatten so gut wie alles von ihrer Seele und ihrem Körper übernommen!"
  },
  {
    "start": 5136.34,
    "end": 5140.519,
    "text": "Wie ein Parasit eine fremde Macht oder wie man es beschreiben will…."
  },
  {
    "start": 5141.76,
    "end": 5146.26,
    "text": "Es war also nur noch ein klitzekleines Stück meiner ursprünglich gesunden Mutter übrig."
  },
  {
    "start": 5147.0,
    "end": 5152.38,
    "text": "Die hatte es ja am Grunde eigentlich nie gegeben, aber zumindest der Zustand, der sie so lange noch hat weiterleben lassen."
  },
  {
    "start": 5153.0,
    "end": 5162.18,
    "text": "Und dieses klitzecleine Stückchen hat bis zum Schluss versucht sich gegen die Überwucherung aufzulehnen und sich zu wehren – mit allen Mitteln!"
  },
  {
    "start": 5163.08,
    "end": 5165.16,
    "text": "Das war eben in diesem Fall bis zum Schluß die"
  },
  {
    "start": 5165.219,
    "end": 5166.019,
    "text": "Psychotherapie.\"."
  },
  {
    "start": 5167.32,
    "end": 5172.299,
    "text": "Aus dem Grund hat sie bis zum Schluss versucht, mithilfe des Psychologen dagegen anzukämpfen."
  },
  {
    "start": 5173.139,
    "end": 5181.96,
    "text": "Da aber die Krankheit bereits viel zu weit fortgeschritten war, war es einfach nicht mehr möglich den weiteren Fortgang mit dem unfassbaren Ende aufzuhalten."
  },
  {
    "start": 5183.36,
    "end": 5192.12,
    "text": "Man kann sich vielleicht auch vorstellen wie jemand der in eine Moa untergeht – das geht ja auch nicht so schnell und plötzlich wie bei jemandem, der in einem Gewässer ertringt!"
  },
  {
    "start": 5192.719,
    "end": 5194.62,
    "text": "Das dauert unter Umständen auch lange…."
  },
  {
    "start": 5195.32,
    "end": 5199.86,
    "text": "Bis zum Schluss regt derjenige die Arme in der Hoffnung auf Rettung."
  },
  {
    "start": 5200.58,
    "end": 5210.059,
    "text": "Auf jemanden, der ihn aus diesem dunklen, erdrückenden Langsamen alles überwältigenden Such herausziehen kann – aber das schafft eben einfach niemand!"
  },
  {
    "start": 5211.36,
    "end": 5225.44,
    "text": "Und diese Bilder, die ich beschrieben habe – die ich seit diesem Gespräch im Kopf habe so schrecklich sie auch sein mögen – haben mir wieder ein großes Stück mehr dazu verholfen den Suizid beziehungsweise die Krankheit Depressionen zu verstehen."
  },
  {
    "start": 5226.219,
    "end": 5228.62,
    "text": "Nein, Verstehen ist wirklich nicht das richtige Wort!"
  },
  {
    "start": 5229.18,
    "end": 5233.28,
    "text": "Aber zu akzeptieren dass alles so gekommen ist wie es einfach musste."
  },
  {
    "start": 5233.9,
    "end": 5236.54,
    "text": "Dass es keinen Ausweg und keine Hilfe gab."
  },
  {
    "start": 5237.059,
    "end": 5240.12,
    "text": "Das Ich oder niemand anders Sie hätte retten"
  },
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    "start": 5240.24,
    "end": 5240.48,
    "text": "können.\"."
  },
  {
    "start": 5241.32,
    "end": 5246.86,
    "text": "Vielleicht hätten wir, wenn wir vierundzwanzig Stunden bei ihr gewesen wären den Suizid herauszögern können."
  },
  {
    "start": 5247.139,
    "end": 5247.82,
    "text": "Das mag sein!"
  },
  {
    "start": 5248.36,
    "end": 5256.019,
    "text": "Aber niemals hätten wir ihn gänzlich verhindern können... Ich weiß wirklich nicht warum es ist und ich kann ja nur von mir selbst sprechen."
  },
  {
    "start": 5256.24,
    "end": 5267.46,
    "text": "Ich denke aber dass es vielen unmittelbar Betroffenen ebenso geht so viel schwerer ist dem Tod durch Suizit zu verarbeiten als wenn er durch eine Krankheit wie Krebs oder ähnliches passiert."
  },
  {
    "start": 5268.34,
    "end": 5277.24,
    "text": "Dieser ganze Rattenschwanz, der daran hängt den ich ja versucht habe zu beschreiben ist so komplex und kompliziert eben ganz anders als bei einer Krankheit."
  },
  {
    "start": 5279.059,
    "end": 5290.48,
    "text": "Das was man ja aber durchaus weiß als Angehöriger ist doch dass Depressionen eben genauso eine Krankheit sind Eine unheilbare zumindest wenn sie nicht mit Medikamenten behandelt wird."
  },
  {
    "start": 5290.84,
    "end": 5296.019,
    "text": "Krankheit Der kranke kann sich nicht selbst helfen genau wie bei Krebs."
  },
  {
    "start": 5296.44,
    "end": 5299.26,
    "text": "er stirbt daran Genau wie bei Krebs."
  },
  {
    "start": 5299.86,
    "end": 5305.62,
    "text": "Der Körper tut krankheitsbedingt Dinge, die er gesund nie tun würde – genau wie bei Krebs!"
  },
  {
    "start": 5306.44,
    "end": 5316.2,
    "text": "Und bei KreBS oder eben einer anderen tödlichen Krankheit hat man doch auch nicht all diese Schuldgefühle und Gedanken, diese nicht endenwollende Suche nach Puzzlestücken…."
  },
  {
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    "end": 5317.68,
    "text": "Die Frage nach dem Warum?"
  },
  {
    "start": 5319.36,
    "end": 5323.74,
    "text": "Ich kann es nur schwer beschreiben... Ich denke, dass es wirklich in erster Linie daherkommt."
  },
  {
    "start": 5323.92,
    "end": 5330.219,
    "text": "Dass man immer noch viel zu wenig über diese Krankheit weiß oder viel mehr das immer noch Viel zu wenig darüber gesprochen wird."
  },
  {
    "start": 5330.26,
    "end": 5353.92,
    "text": "Denn natürlich wusste ich auch schon vor meinem erneuten Gespräch mit dem Psychologen meiner Mutter Das unter Depressionen zu leiden eine Krankheit ist und dass der kranke nicht anders kann Und man daher eben keinesfalls Schuldgefühle haben soll und dass man Nicht nachdem warum fragen darf weil es eben Einfach etwas ist, das im oder mit dem Körper passiert – ohne Grund und ohne Erklärung."
  },
  {
    "start": 5355.08,
    "end": 5359.74,
    "text": "Da es aber ja eben keine äußerlichen oder körperlichen Merkmale für diese Krankheit gibt…."
  },
  {
    "start": 5360.12,
    "end": 5364.559,
    "text": "Und der Mensch braucht ja immer irgendwie einen Beweis, um etwas wirklich begreifen und verstehen zu können."
  },
  {
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    "end": 5367.98,
    "text": "Gibt es immer noch in jedem Gehirn diesen Glauben?"
  },
  {
    "start": 5368.299,
    "end": 5380.2,
    "text": "Dass der Betroffene sich doch irgendwie dem Ganzen was ihn so plagt und quält widersetzen könnte und sich nur zusammenreißen brauchte und die Dinge irgendwie anders angehen müsste oder wie soll ich das ausdrücken?"
  },
  {
    "start": 5381.599,
    "end": 5386.639,
    "text": "Ich denke dass ist das ist was den Suizid eines nahestehenden Menschen so unglaublich schwierig macht."
  },
  {
    "start": 5388.099,
    "end": 5399.5,
    "text": "Das Bild dass ich seit dem erneuten Gespräch mit dem Psychologen meiner Mutter nun im Kopf habe, sollte jeder im Zusammenhang mit der Krankheit unbedingt bis aufs Mark verinnerlichen und sich einprägen."
  },
  {
    "start": 5400.16,
    "end": 5401.099,
    "text": "Denn das hilft!"
  },
  {
    "start": 5401.74,
    "end": 5413.519,
    "text": "Dann versteht man, daß all diese Fragen und all die Gefühle, die einen als zurückgelassenen Angehörigen so sehr quälen und verrückt machen – im wahrsten Sinne des Wortes keinen Sinn machen."
  },
  {
    "start": 5414.299,
    "end": 5426.519,
    "text": "Denn es hat mit der Beziehung, die man zu einem Menschen der Suizid verübt hat und daraus resultierend diese ganze Torturen, denen man anschließend ausgesetzt ist wirklich absolut nichts zu tun."
  },
  {
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    "end": 5432.78,
    "text": "Denn diese Ebene gibt es bei einem nahestehenden Menschen, der an Krebs verstirbt – auch nicht!"
  },
  {
    "start": 5433.44,
    "end": 5446.96,
    "text": "Dahinter fragt man ja ebenso wenig die Beziehungen oder Verbindungen oder Gefühlebene oder das damit einhergehende was wer wem schuldig ist oder warum wer war... oder warum wer wem was angetan hat zu diesem Menschen."
  },
  {
    "start": 5447.86,
    "end": 5453.5,
    "text": "Daher muss man verinnerlichen, dass der Suizid ein unheilbarer Krebs der Seele ist."
  },
  {
    "start": 5454.04,
    "end": 5456.74,
    "text": "und nein – der Kranke konnte nicht anders!"
  },
  {
    "start": 5457.42,
    "end": 5459.36,
    "text": "Er hätte natürlich auch lieber"
  },
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    "text": "Das war der zweite Teil meiner Geschichte."
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    "text": "Es war spannend interessant aufwühlend emotional und krass meine Geschichte nur nach fünf Jahren wieder einzulesen."
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    "text": "Seit damals hatte ich mich nicht mehr mit diesem Text befasst, es war nun schön und schrecklich zugleich denn einerseits musste ich wie ich es aber genauso erwartet hatte feststellen dass sich auch in diesen fünf jahren nichts an vielen meiner gefühlen verändert hat."
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    "text": "Heute ist der siebenundzwanzigste, dritte Zweitausendfünfundzwundzig."
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    "text": "Übrigens wäre das heute der zweieinachtzigste Geburtstag meiner Mutter gewesen."
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    "text": "Mittlerweile über zwanzig Jahren nach ihrem Tod ist so vieles genau so schrecklich schlimm traurig überwältigend angsteinflößend verstörend furchtbar und kaum auszuhalten wie damals."
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    "text": "Aber das Schöne, was ich feststellen konnte ist dass im Laufe der Zeit in diesem neuen Leben dem Leben danach auch schöne Dinge geschehen die ich niemals erlebt erfahren oder gemacht hätte wenn der Suizid meiner Mutter nicht geschehn wäre."
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    "text": "Ich habe gelernt mit dieser schweren Last zu leben und sie auf meine Weise zu händeln Und das möchte ich euch Betroffenen Zuhören einmal mehr vermitteln Gebt nicht auf und seid zuversichtlich."
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    "text": "Das Leben ist natürlich jetzt ein vollkommen anderes, aber ihr werdet euren Weg darin finden – ganz sicher!"
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    "text": "Auf Facebook gibt es die Möglichkeit sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und zu connecten."
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    "text": "Sucht dafür nach der Gruppe mit dem Namen Selbstwort."
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    "text": "Der Austausch darüber ist um einiges einfacher als in den bisherigen Forum das es auf meiner Webseite gab."
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    "text": "Wer einfach nur auf dem Laufenden gehalten werden möchte, was diesen Podcast angeht, der findet ihn auf Instagram unter selbstwort unterstrich podcast und Facebook unter selbst fort."
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    "text": "Über eine positive Bewertung des Podcasts – und ebenso das Buches überall dort wo es möglich ist freue ich mich sehr!"
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    "text": "Wer mich mit einer Tasse t unterstützen möchte, da ich wie ihr wisst kein Geld für das was ich hier tu bekomme, kann das über meinen Paypal Spendenbutton auf meiner Webseite tun."
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    "text": "Wenn du auch eine Betroffene oder ein Betrofener von Suizid bist und du deine Geschichte hier erzählen möchtest, dann melde dich gerne bei mir unter mailatselbstwort.com."
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    "text": "Du hast die Möglichkeit dein Erlebnis im Gespräch mit mir zu erzählen Oder du kannst es aufschreiben, mir als Text zukommen lassen Und ich lese es dann vor."
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    "text": "Ich danke euch sehr fürs Zuhören!"
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    "text": "Ich wünsche euch alles Liebste Beste und Schönste."
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    "text": "Passt gut auf euch auf und bleibt vor allem gesund Bis zum nächsten Mal."
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