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    "text": "Dieser Podcast wird Ihnen präsentiert von True Wells, dem online Vermögensverwalter der Transparenz neu definiert."
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    "text": "Denn falls der Alarm losholt, das tut eben meistens in der Nacht auf Montag, dann kriegt Olena immerhin etwas Schlaf."
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    "text": "Bevor sie sich dann die Frage stellen muss, gehe ich jetzt in den Bunker oder nicht."
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    "text": "Normalerweise denken wir natürlich über den Schlaf nicht so viel nach, weil in jeder einfach normalerweise bekommt, wenn man in der normalen Situation sich befindet."
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    "text": "Aber in der Ukraine ist es natürlich so in dem Krieg, dass es eben überhaupt eigentlich fast nichts normal ist, obwohl die Leute natürlich trotzdem eine Art Normalität leben müssen und dort den Schlaf eigentlich noch viel dringender brauchen, um damit irgendwie klarzukommen."
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    "text": "Der Krieg in der Ukraine ist für viele Menschen dort irgendwie zum Alltag geworden."
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    "text": "Welche Folgen das hat, sagt der Redaktor Stefan Günther."
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    "text": "Mein Name ist Simon Schaffer."
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    "text": "und dann kommt eben dieser Krieg und diese Störung durch den Krieg dazu."
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    "text": "Und als Drittes, was am häufigsten passiert und was eben auch jetzt in diesem Krieg tatsächlich eben auch Neues sind, diese Drohnen."
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    "text": "Und da vor allem die Schalddrohnen, die halt keine Mini-Drohnen sind, sondern die haben eine Flügelbeite von zwei Metern und haben neunzig Kilo Sprengstoff mittlerweile."
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    "text": "Und in dem Fall gehen Sie meistens zumindest in den Flur, das ist dieses Two Ball System, also dass man zumindest zwei stabile Wände hat und keine Fenster in dem Raum, an dem man sich dann aufhält, weil das Fensterglas dann irgendwie zu einer Waffe wird, wenn es zerspittert und durch den Raum fliegt."
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    "text": "Man weiß damit umzugehen oder man muss damit umgehen und wenn man in den Schutzraum... Also, wenn man da übernachten würde, auch mit einem Kind, heißt es natürlich, dass man weniger Schlaf am Ende hat, weil diese Schutzräume in ihrem Fall ist, das ist ein Parkhaus, was in ihrem Wohnblock, also in der Nähe sich befindet, wo sie hingehen könnte, der eben unterirdisch ist und der eben relativ sicher ist."
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    "text": "Aber man weiß ja, wie ein Parkhaus aussieht, es ist kalt, es ist krelles Licht, da sind andere Leute, also das heißt, man bekommt dann tatsächlich eigentlich keinen Schlaf."
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    "text": "Es ist für sie natürlich gerade auch mit einem Kind, kennt man ja auch im Normalfall, dass man eben immer so alle gucken, wie man macht man es richtig, macht man es falsch."
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    "text": "Und es ist wissenschaftlich auch belegt, dass man durch diese ständigen Störungen, also der Gegenkörper fehlt, dann die Möglichkeit sich zu regenerieren."
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    "text": "Also es gibt im Studien, die direkt auch zur Ukraine forschen und da ist es so, dass diese Generationen viel, viel schlechter stattfindet."
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    "text": "Das ist A auf der kognitiven Seite."
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    "text": "Es gibt posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen, Angststörungen, also diese ganzen Geschichten gibt es."
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    "text": "Das heißt, Wenn man krank wird, dadurch, dass man nicht schläft, kann man durch die Krankheit dann auch natürlich wieder irgendwie schlechter schlafen."
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    "text": "Das heißt, das ist wie so ein kleiner Torfskreis und eine Spirale, die sich dann gegenseitig irgendwie auch noch verstärkt."
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    "text": "Und natürlich mag man durch den Tag dann auch weniger kann."
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    "text": "Ist Olena jetzt hier vielleicht auch ein Extrembeispiel, weil sie eine junge Mutter ist und ein junger Elternteil und dann noch mit dem Kind, aber du hast dann auch noch die Unterbrechungen durch den Krieg."
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    "text": "Das wiederum betrifft die ganze Bevölkerung, also die Unterbrechungen, die Alarme und so weiter."
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    "text": "In den Studien, die es dazu gibt in der Ukraine, ist es so, dass über achtzig Prozent der Menschen in der Ukraine Schlafstörungen haben, also jetzt nicht von einer qualitierten Quantität, aber generell Schlafstörungen haben, zum Vergleich in der Schweiz sind es so dreißig Prozent, was ja auch schon viel ist, aber in der Ukraine sind sie eigentlich der überwiegende Teil, kann man sagen, das betrifft im alle."
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    "text": "Und dann ist es bei Olena so, hatte ich jetzt den Eindruck, Also sie leidet da drunter, aber sie ist auch ein Typ, der das irgendwie versucht, wegzustecken."
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    "text": "Und das ist tatsächlich auch eine Typenfrage."
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    "text": "Es gibt Menschen, das sind so zehn Prozent, die einfach gar nicht anders können, die diese Angst irgendwie nie abstellen können, die sich da niedern gewöhnen können, so wie Olena das entmacht."
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    "text": "Und sie hatten irgendwie kaum Möglichkeiten zu schlafen, weil es so rund um die Uhr, man wusste ja überhaupt nicht, was passiert."
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    "text": "Und wenn sie geschlafen haben, in welchen Pausen, dann irgendwie mit dreißig Leuten in einer Unterkunft."
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    "text": "Also das heißt, in der Zeit hat er quasi wie fast keinen Schlaf bekommen."
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    "end": 798.76,
    "text": "Und der hat mir dann noch gesagt, das war für ihn so, wie fühlte sich so anders, als wenn ich fünf oder zehn Jahre in dieser Zeit älter geworden wäre."
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    "text": "Und ich fühlte"
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    "text": "mich sehr stressig mit meinem Schlafen und mit meinem nervösen System."
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    "text": "Und ich fühlte mich als ob ich äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh"
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    "text": "äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh"
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    "end": 828.5,
    "text": "äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh äh ä. in seiner Art zu kämpfen, weil an dem, was er eben gelernt hat und was er konnte, er war dann in verschiedenen Einsatzorten, die waren dann im Gefächt."
  },
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    "text": "Und dort war es so, dass er eigentlich mehr Zeit hat zu schlafen, aber er konnte eben auch schwer schlafen."
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    "text": "Er meinte eben, das war zu der Zeit tatsächlich auch mental."
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    "text": "Also es hat nachgewirkt diese erste Zeit dann immer noch dieses Ungewohnte und dieses Gefährliche."
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    "text": "Ich hab so Bilder gesehen von ihm, dann liegt der Schlafsack einfach auf dem Holzboden des Gewehren, Griffweite, kann man sich ja vorstellen, wie man da schläft."
  },
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    "end": 858.6,
    "text": "Und dann hast du ja auch Schichten oder dann hast du Schichtsschlaf, nehm ich mal an, weil du musst Wache schieben oder so was."
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    "text": "Bei ihm, er hat sich dann irgendwie spezialisiert, er ist dann zu einem Drohnenregiment."
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    "text": "Also wollte er selber auch, das spielt eine extrem große Rolle, also sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung in der Ukraine."
  },
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    "text": "Und dort hat er mir erzählt, dass die speziellen Drohnen, die sie dort bedient haben und heißen Nachtbomber, weil die relativ schwerfällig sind und groß und die kann man eigentlich nur nachts, weil die tagsüber zu schnell erkannt würden."
  },
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    "text": "Das heißt, sein Dienst hat sich dort komplett verschoben in die Nacht."
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    "text": "Sie waren von zwanzig Uhr bis fünf Uhr morgens quasi im Einsatz und sind dann nach Hause gekommen und er konnte dann aber als Mittag schlafen."
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    "text": "Er hat mir erzählt, dann konnte er ihm langsam dann auch tatsächlich besser schlafen, weil er wusste, worauf er sich einstellen kann und er konnte die Sachen dann auch langsam besser ausblenden."
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    "text": "Kann man sich denn überhaupt daran gewöhnen?"
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    "text": "Man kann."
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    "text": "Wissenschaftler nennen es in dem Zusammenhang Coping-Strategien."
  },
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    "end": 920.08,
    "text": "Das heißt, dass jeder irgendwie versucht damit zurechtkommen und sich Wege überlegt, wie er mit solchen extremen Situationen zurechtkommt."
  },
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    "start": 920.2,
    "end": 929.76,
    "text": "Das ist ein Ukraine und generell es kann sein, dass man, wenn man jetzt religiös ist, zum Beispiel seinen Glauben an Gott irgendwie verstärkt und da irgendwie ein Halt oder ein Toast oder was auch immer findet."
  },
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    "end": 938.0,
    "text": "Und dass man auch so eine Art Reframing, dass man sich im Kopf die Sachen so zurechtlegt, dass man sagt, es war die Situation, es ist ja schlimm, mein Haus steht aber noch."
  },
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    "end": 939.08,
    "text": "So Sachen."
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    "end": 952.02,
    "text": "Und bei Alex, ich glaube tatsächlich, wenn ich mit ihm gesprochen habe, das habe ich dann, hat er jetzt gar nicht so direkt gesagt, aber ich glaube, das liegt dann immer drunter, dass er quasi dieser Situation nicht hilflos ausgeliefert ist, sondern er kämpft aktiv gegen diese Bedrohung."
  },
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    "text": "Und ich glaube, das hilft ihm auch, mental da irgendwie in Frieden zu finden."
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    "text": "Aber schlafen tut auch er wahrscheinlich nicht mehr ganz normal."
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    "text": "Also er würde sicher an Frieden anders schlafen, aber es ist so, Wissenschaftler sagen eben auch, dass es trotzdem auch unterbewusst auch vielleicht... Vielleicht will man es auch ablocken und sagen mir geht es eigentlich gut und ich komme nur zu Recht oder so."
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    "text": "Aber unterbewusst ist es dann natürlich schon so, dass das Nervensystem während so einem Krieg oder während diesem Krieg in der Ukraine nicht mehr so ganz zwischen der Ruhe und der Gefahr trennen kann."
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    "text": "Das heißt unterbewusst ist man doch wohl die ganze Zeit in so einer Art Alarmzustand und man findet nicht mehr so eine ganz tiefe Ruhe."
  },
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    "text": "Und es hat natürlich Folgen für die Zukunft."
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    "text": "Also ein ganzes Land und eine ganze Bevölkerung."
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    "text": "Über Jahre sind jetzt vier Jahre."
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    "text": "in so einem Zustand sich befindet und wer weiß, wie lange das noch andauert, kann man ihm nicht sagen, welche Folgen das für die Zukunft hat."
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    "text": "und es hat sicher Folgen."
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    "text": "Danke Stefan."
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    "text": "Gerne."
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    "text": "Das war der Akzentmitredaktor Stefan Günthe, sein Artikel über Alex und Olena, der sehr viele sehr eindrückliche Bilder, ich verlinke ihn in der Folgenbeschreibung."
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    "text": "Und wer sagt, ich will jetzt keine Bilder schauen, ich will mehr hören, hier."
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    "text": "My brother, please"
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    "text": "help."
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]