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    "text": "NCZ Akzent."
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    "text": "Zwölf Minuten lang dauert dieses Video."
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    "text": "Wir hören die Stimme des Mannes, der es gefilmt hat, mit versteckter Kamera."
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    "text": "Er ruft, Seper mein Sohn, wo bist du?"
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    "text": "Und dann geht er an schwarzen Leichensecken vorbei, die alle so halb offen sind."
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    "text": "Rundrum stehen noch ganz viele andere Leute."
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    "text": "Sie schauen sich auch Leichen an, suchen ihre Angehörigen."
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    "text": "Teseo, man ist ja langsam schon abgehärtet, was man so sieht und findet auf Social Media an Videos."
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    "text": "Aber dieses hier, das ist irgendwie noch mal anders."
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    "text": "Ich glaube, weil es keine Musik hat, keine Schnitte."
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    "text": "Also es zeigt einfach minutenlang Leichen."
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    "text": "Ja, dieser Ort aus der Aufnahme."
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    "text": "nennt sich Karisak."
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    "text": "Das ist eine improvisierte Leichenhalle im Süden D. Herans."
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    "text": "Es sind auch ganz viele andere Videos aus dieser Leichenhalle an die Weltöffentlichkeit gelangt."
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    "text": "Sie stammen alle wahrscheinlich vom neunten oder zehnten Januar."
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    "text": "Und diese Videos sind eigentlich nur ein kleines Fenster zum Grauen, das sich im Iran abgespielt hat, ein bisschen zwei Tagen, wo vermutlich dreißigtausend Menschen durch das Regime getötet worden sind."
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    "text": "Und seitdem wird das Ausmaß der Gewalt auch immer deutlicher."
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    "end": 137.01,
    "text": "Was an diesem Video aber auch besonders bedeutungsvoll ist, ist, dass dieser Vater, der nach seinem verstorbenen Sohn ruft, Sepe Robobisto, das ist zu einem Art Code unter Regiengegnern geworden, als eine Art Symbol für die Katastrophe, aber auch um mitzuteilen, wie er wissen, was passiert ist und wie er wissen, wer dafür verantwortlich ist."
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    "text": "Das iranische Regime hat einen Massaker am eigenen Volk verübt, was wir mittlerweile über die Geschehnisse wissen und was das mit den Menschen im Land macht."
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    "text": "Darüber spreche ich heute mit unserem Reporter Teseo Lamarca."
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    "text": "Ich bin Alice Grosjean."
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    "text": "Teseo, das Video, das wir am Anfang gehört haben, wo hast du das gefunden?"
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    "end": 169.45,
    "text": "Wenn man ein bisschen in der Bärse sprach im Social Media Bubble unterwegs ist, konnte man glaube ich gar nicht darum herumkommen in den letzten Tagen."
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    "end": 177.89,
    "text": "Es ist zwar nach wie vor schwierig, dieses Video zu verifizieren, was klar ist, ist, dass es wirklich aus der Sakari-Sackgleichenhalle stand."
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    "text": "Mehrere Exilmedien, persische Exilmedien haben versucht, zu diesem Vater des verstorbenen Demonstranten Kontakt aufzunehmen."
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    "text": "Das ist bisher gescheitert."
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    "text": "Das liegt zum Teil an der anhaltenden Internetsperre."
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    "text": "Aber vor allem auch daran, dass die angehörigen Familien gerade unter enormen Druck gesetzt werden durch das Regime, eben um zu verhindern, dass Informationen über das ganze Ausmaß des Massakhaus öffentlich werden."
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    "text": "Und dann ist es zum Beispiel so, dass sehr viele Angehörigenfamilien ein Fall ist mir persönlich bekannt."
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    "text": "Wenn die die Leiche des verstorbenen Kindes zurück erhalten wollen, müssen die eine Art Lösegeld dafür zahlen."
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    "text": "Das sind dann in der Regel mehrere Tausend Euro als Ausgleich, finanzielle Ausgleich für die Munition, die verschossen wurde von dem Regime, um die Menschen zu töten."
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    "text": "Also es ist an sich schon eine."
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    "end": 235.65,
    "text": "perverse Methode um die Demonstranten zu demütigen und ihre Angehörigenfamilien zu demütigen."
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    "text": "Genau deswegen ist es gerade auch so schwierig, um da genauer und an verifizierte Informationen zu gelangen."
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    "text": "Und trotzdem kommen sie Stück für Stück zusammen, diese Information."
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    "text": "Du hast vorhin von dreißigtausend Opfern gesprochen, also konservativ geschätzt."
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    "text": "Oder was weiß man da, inwiefern das realistisch ist?"
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    "text": "Da gibt es auch ganz verschiedene Schätzungen, die von etwa sieben Tausend Opfern bis eben hin zu über dreißig Tausend Reichen."
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    "end": 280.71,
    "text": "In diesem Fall die dreißig Tausend, da beruft man sich auf einen Bericht des Magazins Time, die sich wiederum auf zwei Mitarbeiter des iranischen Gesundheitsministeriums berufen."
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    "text": "Es gibt dann auch noch andere Schätzungen, die eine ähnliche Größenordnung erreichen, laut dem Exilmedium Iran International."
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    "text": "Das sind zum Beispiel sixundreißig tausend Menschen gestorben innerhalb von nur zwei Tagen."
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    "text": "Also ich würde sagen, die Zahl ist nicht gesichert, aber erscheint derzeit realistisch."
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    "text": "Und wenn sich das bestätigt, dann kann man jetzt schon sagen, ist das wahrscheinlich das größte bekannte Massaker an unbewaffneten Demonstranten in der Menschheitsgeschichte."
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    "text": "Das muss man in dieser Trastik leider benennen."
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    "text": "Das auch bemerkenswert finde ich, ist, dass Masaka ja nicht nur in einem Ort stattgefunden hat, also nicht an einem einzelnen Ort, wo die Dinge irgendwie aus der Kontrolle geraten sind, sondern wirklich landesweit."
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    "text": "Es werden aus jeder Stadt hunderte bis tausende Dote gemeldet."
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    "end": 351.99,
    "text": "Das liegt nahe, dass das Blutbad ... nicht irgendwie spontan passiert ist, sondern geplant war und wahrscheinlich auch von Chaminé dem obersten iranischen Führer angeordnet wurde, für den Fall, dass es so einen Massenaufstand geben wird."
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    "text": "In den sozialen Medien findet man auch Videos wie dieses hier."
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    "text": "Es ist ein junger Mann, der gerade zurück ist aus Iran und er filmt sich im Taxi kurz nachdem er gelandet ist."
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    "text": "Er sagt, ich habe die Hölle gesehen in Iran."
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    "text": "Und dann sagt er sinngemäß noch so was wie, du kannst das nicht verstehen, wenn du nicht selber dort gewesen bist."
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    "text": "Was auch sehr deutlich wird, dieser Mann ist offensichtlich verstört oder traumatisiert von dem, was er gesehen oder miterlebt hat."
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    "text": "Aber du kannst mit Menschen sprechen, die das Massaker miterlebt haben."
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    "text": "Ja, ich konnte mich auch erst vor zehn Tagen, nachdem diese komplette Internet-Sperre etwas gelockert wurde, zum ersten Mal dann mit meinen Kontakten im Land in Kontakt setzen."
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    "text": "Und sie hat selbst das Massaker nur knapp überlebt."
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    "text": "Sie hat mir auch Bilder geschickt von ihren Verletzungen und hat mir dann über einen verschlüsselten Chat geschildert, was sie erlebt hat."
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    "text": "Sie ist am neunten Januar, das war, glaube ich, ein Freitag, mit zwei Freundinnen auf eine Demo in eine iranischen Großstadt gegangen."
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    "text": "Sie berichtet von einer riesigen Menschenflut, die damals auf die Straße gegangen ist."
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    "text": "Sie selbst hat rechtzeitig ein Metallrohr aufblitzen sehen in der Hand eines Regimeagenten und hat dann verstanden, jetzt muss ich wirklich um mein Leben rennen."
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    "text": "Während sie noch auf der Flucht war, ist sie von hinten durch zwei Fünfzig Schrotkugeln getroffen worden in den Beinen, in den Händen, im Rücken."
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    "text": "Und sie meinte dann, das lustige Unteranführungszeichen, so schreit sie es, war, dass sie gar nicht an Behandlung dachte, sondern ihr erster Gedanke war, die Blutspuren zu beseitigen."
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    "text": "Sie hat nämlich gemerkt, sie verlor viel Blut, auch an der Tür klinke waren Blutspuren."
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    "text": "Und das Erste, woran sie gedacht hat, waren all diese Spuren zu beseitigen, damit die Reginkräfte sie nicht finden können, falls sie in das Haus eindringen."
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    "text": "Mittlerweile spricht man von mehr als vierzigtausend Menschen, die verhaftet wurden, die Gefängnisse sind völlig überfüllt."
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    "text": "Festgenommenen Menschen stehen unter Gefahr gefoltert zu werden oder sogar heimlich gerade exekutiert zu werden in den Gefängnissen."
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    "text": "Auch darüber gibt es unbestätigte Berichte."
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    "text": "Die Reginkräfte haben systematisch Krankenhäuser durchsucht."
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    "text": "Roshanak wusste davon, weil das eine Methode ist, die das Regime schon bei vergangenen Protestwellen angewandt hat, verletzte Demonstranten in den Krankenhäusern aufzusuchen."
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    "text": "Sie ist also nicht in eine Notaufnahme genommen, sondern hatte zum Glück befreundete Ärzte."
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    "text": "Die haben sie zu Hause dann aufgesucht und Roshanak hat mir erzählt, diese Ärzte haben dann über drei Stunden hinweg all diese über fünfzig Bleigeschüsse entfernt."
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    "text": "Ja, Proteste finden kaum noch statt."
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    "text": "Menschen, die ich kenne im Land berichten mir davon, dass es wieder ruhig ist auf den Straßen, aber dass es keine normale Ruhe ist, sondern sich eher nach einer gespenstischen Stille anhört."
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    "text": "Wir haben die Menschen berichtet von geschlossenen Läden, leeren Märkten."
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    "text": "Dann wurden in den Straßen, in den größeren Städten Checkpoints aufgestellt."
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    "text": "Dort werden die Menschen von Soldaten der Revolutionsgarde auf ihre, also ihre Körper werden abgetastet, ihre Handys durchsucht."
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    "end": 665.77,
    "text": "Und wenn da dann irgendwelches Videomaterial auftaucht, dass die Menschen irgendwas mit den Protesten zu tun hatten, werden die Menschen festgenommen."
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    "text": "Und natürlich sieht man dann auch noch auf den Straßen die Spuren dieses Massenaufstand."
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    "end": 679.17,
    "text": "Da, wo das Blut noch nicht weggewaschen wurde, trifft man auch noch auf eingedrucknete Blutlachen einfach so mitten auf der Stadt, auf den Gesteiden."
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    "text": "Also an sowas wie Normalität geschweige denn Alltag?"
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    "text": "Wie gehen die Menschen damit um, diesem Ausnahmezustand?"
  },
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    "end": 701.19,
    "text": "Ja, man muss ja dazu sagen, dieser Auslöser des Aufstands, die Wirtschaft, die Preise, die immer noch weiter steigen, die Währung, die sich im freien Fall befindet, das ist ja alles noch da."
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    "end": 706.15,
    "text": "Und dazu ist das Land jetzt wirklich in einer Art Schockstarre, kann man sagen."
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    "text": "Man hat das Gefühl, die Menschen sind in einer Art kollektiven Depression."
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    "end": 719.69,
    "text": "Und ja, sie berichten mir, dass sie sich hoffnungslos fühlen, dass die Menschen verstört sind über das, was passiert ist."
  },
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    "end": 731.01,
    "text": "Ein junger Mann aus Isfahan zum Beispiel hat mir gesagt, er ist persönlich überzeugt, dass dieses Regime am Ende ist und dass es ein Point of No Return überschritten hat."
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    "text": "So ein Punkt, wo man nicht mehr zurückgehen kann zu einem normalen Umgang mit den eigenen Menschen, zu einem..."
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    "text": "So wie es davor war."
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    "text": "Genau, so wie es davor war wird es nie wieder werden."
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    "end": 761.91,
    "text": "Gleichzeitig löst das bei den Menschen gerade auch keine Hoffnung aus, weil was die Iraner immer gehofft haben ist, wenn wir nur viele genug sind, ausreichend viele und es sind ja tatsächlich jetzt Schätzungen gehen davon aus, dass fünf Millionen auf die Straße gegangen sind während dieser zwei Tage."
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    "text": "Wenn wir nur viele genug sind, dann... können wir es schaffen, das Regime zu besiegen."
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    "text": "Und von dieser enormen Kraft, eben von diesem Massenanwiderstand, was davor spürbar war, ist da noch irgendwas da oder ist das jetzt komplett, oder sind die Menschen wütend oder fast ist es jetzt noch da?"
  },
  {
    "start": 791.03,
    "end": 795.75,
    "text": "Also die Wut ist natürlich enorm, trotz aller Verstörung, trotz des Schocks."
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    "end": 799.35,
    "text": "Man kann sie natürlich nur an sehr wenigen Orten ausdrücken."
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    "end": 801.35,
    "text": "Einerseits in den sozialen Medien."
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    "end": 814.09,
    "text": "So reale, analoge Orte kann man sagen, wo man diese Wut wirklich handfest spüren kann, sind die Trauerfeiern für die verstorbenen Demonstranten, die in diesen Tagen stattgefunden haben."
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    "text": "Es sind Zusammenkünfte, die gar nicht an Trauerfeiern erinnern, sondern da wird getanzt, da werden kämpferische, patriotische Lieder gesungen."
  },
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    "end": 832.91,
    "text": "Man hört keine traurigen Koranbärse, sondern regierungsfeindliche Barolen."
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    "text": "Und gleichzeitig aber fehlt gerade die Hoffnung, dass man im jetzigen Moment wirklich aus eigener Kraft etwas ausrichten kann noch."
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    "text": "Man weiß, wenn man auf die Straße geht, kommt das gerade einem Selbstmord gleich."
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    "text": "Für viele ist deswegen der einzige Ausweg, vor allem für junge Menschen, hoffen gerade fast alle auf ein eingreifender USA und vielleicht auch Israels."
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    "text": "Und das ist auch was, was man immer wieder sieht oder hört in Social Media Videos."
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    "text": "Der Ruf nach Hilfe von außen."
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    "text": "ist die Verzweiflung tatsächlich so groß, dass sie auf einen... Angriffskrieg von außen hoffen?"
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    "end": 889.75,
    "text": "Ja, dass die Überlegung dahinter ist, wenn es zu einem solchen Angriff kommt, dann würde das vielleicht nicht direkt zu einem Regime Sturz führen, aber immerhin den Feind."
  },
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    "end": 895.39,
    "text": "und als den größten Feind nimmt ein Großteil der Bevölkerung eben das Regime wahr, würde den Feind schwächen."
  },
  {
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    "end": 914.21,
    "text": "Einige mit denen ich gesprochen habe, sagen zum Beispiel, wenn es dazu kommt, also wenn das Regime wirklich signifikant geschwächt ist und sie merken, Okay, das Risiko jetzt auf die Straße zu gehen ist geringer und gleichzeitig ist die Chance höher, etwas auszurichten, das Regime tatsächlich zu stürzen."
  },
  {
    "start": 914.59,
    "end": 918.57,
    "text": "Dann werden auch viele Menschen wieder bereit, auf die Straße zu gehen."
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    "end": 933.11,
    "text": "Was aber klar scheint, wenn es tatsächlich dazu kommt, ist, dass es dieses Mal wahrscheinlich nicht mehr einfach nur ein friedlicher Protest sein kann angesichts des Einsatzes der Gewalt, zu der das Regime bereit und fähig ist."
  },
  {
    "start": 934.55,
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    "text": "wird vermutlich ein richtiger Kampf sein zwischen der Bevölkerung und dem Regime."
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  {
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    "end": 950.21,
    "text": "Jetzt, wenn wir ein bisschen rauszumen, die USA haben ja tatsächlich ganz viel Militär in die Region verlegt, unter anderem einen riesigen Flugzeugträger, inklusive Flugzeuge."
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  {
    "start": 951.27,
    "end": 959.07,
    "text": "Soweit man das im Moment sagen kann, wie hoch ist denn die Wahrscheinlichkeit, dass die USA oder vielleicht auch Israel tatsächlich militärisch auch eingreifen?"
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  {
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    "end": 968.01,
    "text": "Also in den letzten Tagen hat ja Trump und haben auch iranische Regierungsmitglieder wie der Verhandlungsbereitschaft signalisiert."
  },
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    "end": 977.85,
    "text": "Was man merkt, so wenn man verfolgt was verschiedene Beobachter und Analysten der Situation sagen, ist, dass die allermeisten einen Angriff immer noch für wahrscheinlich halten."
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    "end": 990.45,
    "text": "Gleichzeitig sind gerade die Forderungen, die Trump stellt, derart die hohe Maximalforderungen, dass es gerade unwahrscheinlich scheint, dass das iranische Regime, die alle so akzeptieren wird."
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    "text": "Es ist also eher die Frage, wie groß ein möglicher Angriff ausfallen wird."
  },
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    "end": 998.29,
    "text": "Und das hängt von der Frage ab, was Trump hier erreichen will."
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    "end": 1001.03,
    "text": "Ist das ein kompletter Regime-Change?"
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    "text": "Oder zielt er darauf ab, Diadomenlagen und das Raketenprogramm zu zerstören?"
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    "text": "Will er das Regime einfach nur noch etwas weiterschwächen?"
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    "text": "Über die genauen Ziele lässt sich aktuell nur spekulieren."
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    "text": "Wir werden die Situation natürlich weiterhin für euch beobachten."
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    "text": "Für heute mal Dankeschön, Teseo, für diesen Einblick und auch die Einordnung."
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    "text": "Danke dir, Alice."
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    "end": 1038.75,
    "text": "Das war unser Akzent mit unserem Reporter Teseola Marca."
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    "end": 1040.39,
    "text": "Mein Name ist Alice Grosjean."
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    "text": "Schön habt ihr zugehört."
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    "text": "Bis bald."
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