[
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    "text": "Letzte Woche haben wir hier im Podcast nach Israel geschaut, wie unser Korrespondent dort arbeitet."
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    "text": "Er berichtet über den Krieg in Gaza, kann aber selbst nicht nach Gaza."
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    "text": "Und deshalb arbeitet er mit Melek Tantej zusammen, die in Gaza lebt."
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    "text": "Rafaela, du hast auch mit Melek gesprochen, aber nicht um Informationen für eine bestimmte Geschichte zu erhalten, sondern ... um sie selbst kennenzulernen."
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    "text": "Du hast sie während etwa hundert Tagen begleitet."
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    "text": "Was für eine Frau hast du da kennengelernt?"
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    "text": "Genau, kennengelernt muss man natürlich ein bisschen relativieren, weil wir per Sprachnachrichten und mit Anrufen auf WhatsApp mit ihr kommuniziert haben."
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    "text": "Mein Name ist Melak Tanpreis."
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    "text": "Ich arbeite mit der Guardian und ich arbeite als Freelance-Journalist."
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    "text": "Und sie war eigentlich eine hoffnungsvolle Studentin."
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    "text": "Sie hat gerade begonnen, Physiotherapie zu studieren."
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    "text": "Sie schwamm gerne, sie hat auch Schwimmen unterrichtet."
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    "text": "Und dann mit dem Terrorangriff der Hamas am siebten Oktober hat sich ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt."
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    "text": "Das heißt?"
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    "text": "Sie hat ihr Studium natürlich beenden müssen."
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    "text": "Ihr geliebtes Schwimmbäcken wurde wirklich von Bulldosern überrollt und sie kam ganz unverhofft in eine neue Rolle."
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    "text": "Sie wurde eigentlich zu einer Dokumentaristin dieses Kriegs."
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    "text": "und ist damit einer der letzten Zeuginnen dafür, was da in Gaza passiert."
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    "text": "Malak Tantesch sammelt für westliche Medien in Gaza Informationen aus dem Alltag, auch für die NCZ."
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    "text": "Dabei setzt sie ihr Leben aufs Spiel, erzählt NCZ am Sonntag-Magazin-Redaktorin Rafaela Roth."
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    "text": "Ich bin Antonia Moser."
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    "text": "Rafaela."
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    "text": "Malek berichtet also Ausgaser für Auftraggeber eben wie zum Beispiel die NCZ."
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    "text": "Du hast aber auch gesagt, sie ist neunzehn."
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    "text": "Wie kommt sie zu diesem Job?"
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    "text": "Genau, das ist eigentlich schon ungewöhnlich."
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    "end": 182.18,
    "text": "Sie ist jung für eine sogenannte Fixerin, wie wir das nennen, was sie macht."
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    "text": "Sie organisiert für ausländische Kontakte-Interviews."
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    "text": "Sie hat auch Kontakte vor Ort, die sie dann mit ausländischen Journalisten austauscht."
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    "text": "Sie Er hat sich eigentlich einen guten Ruf erarbeitet unter diesen Journalisten."
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    "text": "Und ihr Vater hat das früher auch schon gemacht."
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    "text": "Er hat sie eigentlich eingeweiht."
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    "text": "In dieser Arbeit, er hat dir Englisch beigebracht, sehr früh, weil er gemerkt hat, Malak, sie kann auf Menschen zugehen, sie kann Kontakte knüpfen und sie wäre vielleicht deine Journalistin."
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    "text": "Aber wie macht sie denn das genau?"
  },
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    "text": "Also wie muss ich mir ihre Arbeit konkret vorstellen?"
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    "text": "Man kann sich so vorstellen, wenn sie nicht gerade zu Hause rumhängt."
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    "text": "Dann kommt vielleicht mal eine SMS von der NCZ oder vom Spiegel oder vom Guardian aus London."
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    "text": "Die wollen eine Geschichte machen."
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    "text": "Beispielsweise, hey, wir wollen eine Story über den Hunger, über die Preise auf dem Markt, kannst du für uns rausgehen."
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    "text": "Dann bereitet sie sich vor, sie sammelt Infos, bereitet ihre Fragen vor und zieht wirklich einfach durch die Straßengasers, häufig mit ihrer Schwester, die gerne fotografiert und dann die Fotos macht und sucht sich Menschen, die das erlebt haben und arbeitet dann... Wirklich mit dem Handy."
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    "text": "Sie nimmt Interviews auf, übersetzt die auf Englisch, schreibt Transkripte und verschickt das meistens per WhatsApp in die Redaktion."
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    "text": "Und die ordnen das dann ein, bearbeiten das weiter, versuchen es zu prüfen und verarbeiten es zu Artikeln."
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    "text": "Das"
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    "text": "heißt, sie ist wirklich so eine Art Informationssammlerin und nicht so ganz Journalistin irgendwie."
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    "text": "Also, man muss sagen, Journalistin kann eigentlich jeder und jede ferden, es ist kein geschützter Beruf, aber sie hat keine Ausbildung zur Journalistin gemacht und sie beschränkt sich auch ein bisschen in der Recherche."
  },
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    "text": "Sie macht jetzt nicht investigative Recherchen, sondern sammelt Stimmen und will auch, und das ist ihr großes Anliegen."
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    "text": "Sie will eine Stimme sein für die Leute, die keine haben."
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    "text": "Ich fühle mich, als ob ich ihre Voice bin,"
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    "text": "Emotionen."
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    "text": "Einen großen Teil, das muss man auch ganz klar sagen, ist Vertrauensbasis."
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    "text": "Bei Gaza, für ausländische Journalisten gesperrt ist, kommen halt nur auf diesen Weg Informationen raus."
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    "text": "Es ist auch umstritten, wie frei sie berichten kann, wie frei Journalisten vor Ort berichten können."
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    "text": "Und die israelische Seite wirft, dass den Journalisten auch vor, dass sie nicht frei berichten können."
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    "text": "Also nicht frei, weil die Hamas da kontrolliert."
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    "text": "Was sagt den Merlach selbst?"
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    "text": "dazu, also ob sie frei berichten kann oder nicht?"
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    "text": "Sie selber sagt, sie hätte nie Probleme gehabt, sie sei nie Druckversuchen ausgesetzt gewesen."
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    "text": "Sie sagt aber auch ganz klar, dass sie nichts mit Politik zu tun haben will, dass sie sich auch aus diesem Grund auf die humanitäre Situation konzentriert."
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    "text": "Und das spürt man auch, dass sie leiser wird, wenn sie über die Hamas spricht, weil sie sich da nicht zum Ziel machen will und weil sie sich nicht politisch positionieren will."
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    "end": 409.12,
    "text": "Und da ist Malakya auch irgendwie wie so zwischendrin, also wie so eine Art Doppelrolle."
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    "text": "Also sie berichtet über die Leute, über die Situation in Gaza, über den Krieg, über die Hamas auch, aber sie selbst ist ja wie auch davon betroffen."
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    "text": "Also jetzt von der Präsenz der Hamas, aber vor allem auch vom Krieg und von der humanitären Situation, nämlich an."
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    "text": "Ja, ganz stark, wie eigentlich alle Menschen im Gaser streifen."
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    "text": "Sie musste ihre Heimatstadt Bätlachia, das ist eine Stadt im Norden, verlassen."
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    "text": "Sie hatten da ein Haus."
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    "text": "dass vollständig zerbombt wurde."
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    "text": "Sie zogen dann nach Rafa, nach Canunis, nach Casa City."
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    "text": "Eine Zeit lang wohnten sie auch im Zelt."
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    "text": "Das beschreibt Malak so als die schlimmste Zeit in ihrem Leben."
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    "end": 469.26,
    "text": "Weil im Zelt ... einfach sie sich ausgesetzt gefühlt hat, dass es keinen Schutz gab, dass es keinen Licht gab, dass es halt kein Wasser, fließendes Wasser gab, das war unhygienisch."
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    "text": "Am Tag war es sehr heiß, in der Nacht sehr kalt und es hatte enorm viele Insekten."
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    "text": "Deswegen war sie sehr froh, dass die Familie dann eine Zwei-Zimmer-Wohnung im sechsten Stock im Gaza-City-Fund, wo sie jetzt mit ihren Eltern und Geschwistern lebt."
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    "text": "Aber ich nehme an, wirklich sicher ist sie dort auch nicht?"
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    "text": "Nein, das hat sie auch ganz klar gesagt."
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    "text": "Wir haben einmal ... Am Ende eines Gesprächs zu ihr gesagt, take care."
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    "text": "und dann hat sie gesagt, das kann ich nicht."
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    "text": "Ich kann nicht auf mich aufpassen, weil es eigentlich nirgendwo im Gasserstreifen sicher ist."
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    "text": "Sie hat auch einen Anschlag ganz in der Nähe erlebt in einem beliebten Strandcafé, das bombardiert wurde."
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    "text": "Das hat sie ganz nahe gesehen und auch die Schuhe der Toten, die sie beschrieben hat und auch ihr Onkel."
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    "end": 523.32,
    "text": "war betroffen von einem Luftangriff, wo ihr Vater dabei war."
  },
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    "end": 528.12,
    "text": "Ihr Onkel hat das nicht überlebt, ihr Vater konnte aber geborgen werden."
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    "text": "Also der Krieg ist sehr nah."
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    "text": "Und es gibt ja nicht nur die Kriegshandlungen, sondern auch die Folgen davon."
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    "text": "Also etwa der Hunger."
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    "text": "Was berichtet Malak davon?"
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    "end": 551.52,
    "text": "Sie hat uns natürlich erzählt, wie alles teurer wurde, wie beispielsweise ein Mehl, ein Sack Mehl, hat zeitweise zweihundertfünfzig Franken gekostet, umgerechnet."
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    "text": "Sie hat auch weniger zu essen."
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    "text": "Sie hat uns das erzählt, was sie früher gerne gefrüchtigt hat, mit einem ganz so frischen Kurken Minze Salat mit Brot."
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    "text": "Heute ist sie vielleicht ein bisschen Brot mit Tahini."
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    "text": "Sie hat auch Gewicht verloren."
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    "text": "Sie wiegt sieben Kilo weniger seit der Krieg begonnen hat."
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    "text": "Und sie merkt, dass sie so müde ist, dass sie, wenn sie aufsteht, wird ihr schwindelig."
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    "text": "Und sie sagt dann auch, sie träumt von Pizza."
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    "text": "Und in diesem Sommer, wo wir sie begleitet haben, gab es auch so eine Phase, wo man gemerkt hat, dass sie an Energie verloren hat."
  },
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    "end": 613.28,
    "text": "Dass sie weniger lebensfreudig war, dass sie irgendwie bedrückt klang auch im Telefon und dass sie ... spürte, dass es ihr zusetzt, dass es anstrengend wird."
  },
  {
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    "text": "Sie hatten dann auch als Familie zu dieser Zeit einen Vorrat, der sich wirklich so ein bisschen dem Ende neigte."
  },
  {
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    "text": "Also hat sich die Situation wie innerhalb dieser Hundert Tage, wo ihr gesprochen habt, auch wirklich nochmal zugespitzt, dass ihr das selbst auch mitbekommen habt?"
  },
  {
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    "text": "Das hat man ein bisschen aus ihrer Erzählung gespürt und auch aus den Nachrichten, die sie geschrieben hat."
  },
  {
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    "text": "Es gab einen Moment, wo es wirklich ... für sie schlimm wurde."
  },
  {
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    "text": "Man muss aber auch sagen, dass ihre Familie sicher im Vergleich zu anderen ganz armen Leuten noch privilegiert ist."
  },
  {
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    "text": "Also sie hatten diesen Vorrat, erneigte sich dem Ende, aber sie mussten nicht hungern."
  },
  {
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    "text": "Und sie waren auch nicht darauf angewiesen, sich dieser Gefahr auszusetzen, in diese Essensverteilzentren zu gehen, wo eben immer wieder Leute starben."
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    "text": "Aber du sagst eben, der Vorrat hat sich dem Ende zugeneigt."
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    "text": "Ist das jetzt wieder ein bisschen besser?"
  },
  {
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    "text": "Genau, Anfang August gab es dann eine Phase, wo wieder mehr Hilfsküter zugelassen wurden, wo auch aus der Luft einiges abgeworfen wurde."
  },
  {
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    "text": "Und das hat sie direkt gemerkt."
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    "text": "Da haben sie sofort drei Kilo Zucker gekauft als Familie und sich Zimtrollen gebacken."
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    "text": "Wie muss ich mir das jetzt vorstellen, wenn sie auf die Straße geht in Gasserstadt, wo Merlek ja wohnt?"
  },
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    "text": "Wie sieht das aus?"
  },
  {
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    "text": "Was trifft sie da an?"
  },
  {
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    "text": "Das sind wirklich beeindruckende Erzählungen, die sie da hat, wenn sie die Straßen beschreibt."
  },
  {
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    "text": "Es stinkt."
  },
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    "text": "Die Straßen sind völlig kaputt."
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    "text": "Es kann auch kein Auto mehr fahren."
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    "text": "Es riecht nach Exkrementen."
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    "text": "Die Menschen auf der Straße bewegen sich langsam."
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    "text": "Ihre Gesichter sind eingefallen."
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    "end": 720.64,
    "text": "Zum Teil gibt es Menschen mit zugelblicher Haut und dunklen Schatten unter den Augen."
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    "end": 727.96,
    "text": "Es könne auch jederzeit passieren, dass irgendwer zusammenklappt, weil er einen Schwächeranfall erleidet."
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  {
    "start": 728.76,
    "end": 739.18,
    "text": "Die beiden Schwestern, also Malak und ihre Schwester, die oft zusammen unterwegs sind, benutzen auch nur die Hauptstraßen, weil man nicht sicher sein kann, was in den Seitengassen passiert."
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    "text": "Was heißt das?"
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    "text": "Sie sagt, die beiden müssen aufpassen auf der Straße."
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    "text": "Es gibt"
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    "text": "täglich Streit oder Schlägereien."
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    "text": "Es kann auch jederzeit passieren, dass jemand die Waffe zückt."
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    "text": "Man passt auf, dass man nicht angerempelt wird oder irgendjemanden anrempelt."
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    "text": "Gaza beschreibt sie als gesetzlose Ort."
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    "text": "Es ist eigentlich ein ziemlich brodelnder Topf, der ständig zum Überkochen kommen könnte."
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    "text": "In der Nachtzeit ist besonders gefährlich."
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    "text": "Nicht mal unbedingt wegen der Bomben, sondern wegen der Hunde, die dann auf die Straße kommen und natürlich wegen der Bettler und Gauner."
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    "text": "Man muss sich Gaza... Also ein Ort vorstellen, wo es nicht nur kein Essen mehr gibt, sondern auch keine Ordnung mehr."
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    "text": "Es gibt keine funktionierende Polizei, es gibt keine Gerichte, die irgendetwas verurteilen würden."
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    "text": "Es ist eigentlich ein rechtsfeier Raum."
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    "text": "Und dem setzt sie sich eigentlich Tag für Tag immer wieder aus für ihre Arbeit."
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    "text": "Sie verdient auch so ihr Geld, muss man sagen."
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    "text": "Aber ja, sie lebt als Pressemitarbeiterin sicher speziell gefährlich."
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    "text": "Die Organisation Reporter ohne Grenzen sagt, dass es für Journalisten aktuell keinen gefährlicheren Ort gibt, als Gaza."
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    "text": "Israel wird auch beschuldigt, gezielt Journalisten getötet zu haben."
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    "text": "Es sind mittlerweile mehr als zweihundert Journalistinnen und Journalisten, die im Gaza-Krieg umgekommen sind."
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    "text": "Und sie selber, sie trägt auch keine Presseweste mehr, weil die eigentlich nicht schützt, sondern sie zur Zielscheibe macht."
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    "text": "Ich glaube, es ist ein anderer Umgang mit der Angst."
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    "text": "Sie sagt, sie könne jederzeit sterben und es sei eigentlich egal, ob sie sich in der Wohnung aufhalte oder im Bett oder auf der Straße bei der Arbeit."
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    "text": "Es spielt keine Rolle."
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    "text": "Sie hat auch einmal gesagt, der Satz blieb uns irgendwie haften, dass sie keine andere Wahl hat als zu leben."
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    "text": "Steht ja noch mal Schlimmeres bevor, geht man davon aus, Israel will ganz Gaza Stadt erobern."
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    "text": "Das würde dann auch mehr dann betreffen, die dort lebt im Moment."
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    "text": "Ja, das betrifft sie ganz direkt."
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    "text": "Mein letzter Stand ist, dass sie in diesen Tagen vielleicht sogar heute Gaserstatt verlassen wollen."
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    "text": "Man kann sich die Situation einigermaßen chaotisch vorstellen, die Leute packen, wissen zum Teil gar noch nicht, wo sie hin sollen."
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    "text": "Die Familie Tantesch haben jetzt ein Stück Land gemietet, weiter im Süden."
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    "end": 906.66,
    "text": "Da gibt es aber kein Wasser drauf, kein Strom."
  },
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    "text": "Malak wird vermutlich wieder im Zelt leben müssen."
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    "text": "Die Familie versucht gleichzeitig auch jetzt noch an Pässe zu kommen, dass sie den Gasserstreifen vielleicht verlassen könnten irgendwann mal."
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    "text": "Aber das steht alles noch in den Sternen."
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    "text": "Sie müssen wirklich jetzt von Tag zu Tag schauen, wie es für sie weitergehen kann."
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    "text": "Man kann es sich kaum vorstellen, wie es weitergehen kann, weil es ist doch ein sehr düsteres Bild, das wir da auch dank Malak erhalten haben."
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    "end": 937.66,
    "text": "Also von Toten, von Hunger, Zerstörung."
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    "text": "Hat Malak da Hoffnung?"
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    "text": "dass es irgendwie weitergeht, dass es besser wird."
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    "text": "Wir haben gemerkt, dass es eine Phase gab, wo man auch gespürt hat, dass sie die Hoffnung ein bisschen verlässt."
  },
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    "text": "Und dann, wiederum, war ich immer wieder überrascht von ihrer Resilienz."
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    "text": "Also sie hat wirklich diesen Humor, sie hat diesen Witz."
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    "text": "Sie ist eigentlich eine Person, die sehr viel lacht in diesem ganzen Krieg."
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    "text": "Und sie hat auch eine ... Vielleicht für uns fast unverständliche Hoffnung, dass Gaza wieder aufgebaut wird und dass sie da eine Zukunft"
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    "text": "hat."
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    "text": "Dann hoffen wir das Beste."
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    "text": "Danke dir vielmals, Rafaela."
  },
  {
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    "text": "Danke dir vielmals, dass ich hier sein durfte."
  },
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    "text": "Die ganze Reportage über Malak, wo man sie auch sieht, gibt es in der NCZ."
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    "text": "Den Link dazu und zu einem Probeabot findest du in der Folgenbeschreibung."
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    "text": "Das war's jetzt vom Akzent mit Rafaela Roth."
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    "text": "Ich bin Antonia Mouser."
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    "text": "Bis bald."
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]