[
  {
    "start": 1.0,
    "text": "SPRECHER:\ngesundheit-hören",
    "end": 3.0
  },
  {
    "start": 3.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nHerzlich willkommen zu gepflegt gefragt.\nIn diesem Podcast beantworten wir eure Fragen rund um die Pflege, ob zu Hause oder im Pflegeheim.\nFür Menschen, die pflegebedürftig sind und für alle, die sich um pflegebedürftige Menschen kümmern.",
    "end": 23.0
  },
  {
    "start": 23.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nHerzlich willkommen auch von mir.\nIch bin Aglaja Adam, Gesundheitsjournalistin bei der Apotheken Umschau.",
    "end": 29.0
  },
  {
    "start": 29.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nMein Name ist Kai Klindt.\nIch bin Gesundheitsjournalist bei der Apotheken Umschau sowie Aglaja und Pflegefachkraft.",
    "end": 35.0
  },
  {
    "start": 35.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\ngepflegt gefragt ist ein Podcast von gesundheit-hören. Das ist das Audioangebot der Apotheken Umschau.\nUnd in dieser Folge wollen wir uns mit einem schwierigen Thema beschäftigen, nämlich mit schlechten Erfahrungen in Pflegeheimen.\nWas kann man als Angehörige, Angehöriger oder auch als Bewohner, Bewohnerin selbst tun, wenn man da Gewalt, Machtmissbrauch erlebt? Dazu habe ich mit eins Frau gesprochen, die mir erzählt hat, dass ihre Großmutter in einem Pflegeheim in Sachsen sehr unter einer bestimmten Pflegerin leidet.",
    "end": 72.0
  },
  {
    "start": 72.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nGewalt, Machtmissbrauch, das sind harte Worte, harte Themen, aber natürlich auch wichtige Themen, grade für Menschen im Heim, die auch besonders sind und sehr darauf angewiesen sind, dass sie gut behandelt werden.\nWir haben für diese Folge deswegen auch mit wichtigen Expertinnen und Experten für das Thema gesprochen.\nLasst uns einfach mal starten.",
    "end": 95.0
  },
  {
    "start": 95.0,
    "text": "NICOLE SCHMIDT:\nMeine Oma lebt im Pflegeheim und hat eine Gewalterfahrung im Nachtdienst gemacht.\nEine Pflegerin hat ihr gedroht, sie nicht auf die Bettpfanne zu bringen.\nDer Toilettengang ist aus meiner Sicht ein Grundbedürfnis, das keinem verwehrt werden sollte.",
    "end": 112.0
  },
  {
    "start": 112.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nDas war Nicole Schmidt.\nIch nenn sie jetzt mal so. Sie heißt eigentlich anders, möchte aber, um ihre Oma zu schützen, nicht mit richtigem Namen genannt werden.\nWas sie gerade geschildert hat, ist eine Situation von mehreren, die schon passiert sind.\nEs geht um eine Pflegerin, mit der ihre Großmutter, die eben in einem Pflegeheim lebt, nach einem Schlaganfall schwer körperlich eingeschränkt ist.",
    "end": 138.0
  },
  {
    "start": 138.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nMit dieser Pflegerin hat die Großmutter schon sehr viele schlechte Erfahrungen machen müssen.",
    "end": 144.0
  },
  {
    "start": 144.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nJa, das ist, klingt nach einem völlig inakzeptablen Verhalten, um das milde auszudrücken.\nDas ist im Grunde eine Form von Gewalt, ja.",
    "end": 152.0
  },
  {
    "start": 152.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nGenau und diese letzte Situation hat jetzt eben auch dazu geführt, dass Frau Schmidt sich schon bei der Heimleitung beschwert hat und bei der Pflegedienstleitung und es gab Gespräche mit der betroffenen Pflegerin, mit der Großmutter, mit den Vorgesetzten.\nMomentan ist die Situation etwas besser, aber Frau Schmidt befürchtet, dass es wieder schlimmer werden könnte und fragt sich, was sie in dem Fall dann tun kann.",
    "end": 179.0
  },
  {
    "start": 179.0,
    "text": "NICOLE SCHMIDT:\nGenau, also unabhängig davon, dass diese Pflegerin nur noch ein halbes Jahr bis zur Rente hat, generell kann das ja immer passieren, frag ich mich, ist das jetzt alles erst mal, was ich tun konnte oder gibt es noch andere Stellen, an die ich mich wenden kann?\nSollte ich das überhaupt, wenn das meiner Oma nicht lieb ist, weil das ja auf sie zurückfallen könnte? Und genau, wohin kann man sich als Betroffener einfach wenden?",
    "end": 206.0
  },
  {
    "start": 206.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nJa, das sind viele und sehr gute Fragen natürlich.\nWir schauen uns das jetzt in der Folge mal etwas genauer und nach und nach an.\nVielleicht erst mal zur Situation von der Oma, von der Hörerin, von also von von Frau Schmidt.",
    "end": 219.0
  },
  {
    "start": 219.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nGenau, das kann ich gerne noch mal erzählen. Also es ist so, dass die Großmutter schon sechs Jahre in diesem Pflegeheim lebt. Ich schon erwähnt hatte, hatte sie einen Schlaganfall und ist halbseitig gelähmt, aber kognitiv noch sehr fit.",
    "end": 236.0
  },
  {
    "start": 236.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nSie ist absolut angewiesen auf Hilfe und ja, deswegen ist diese Situation natürlich für sie sehr, sehr traurig.\nSie ist aber eigentlich an sich zufrieden in diesem Heim und möchte nicht umziehen.\nUnd die Probleme mit der Pflegerin sind schon sehr früh aufgetreten.\nIch hatte Frau Schmidt gefragt, also es hat sich immer mehr zugespitzt.\nAm Anfang denkt man ja dann vielleicht auch, das ist was Persönliches, Zwischenmenschliches.",
    "end": 266.0
  },
  {
    "start": 266.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nEs ist normal, dass man mit manchen Menschen besser auskommt, mit manchen schlechter.\nAber diese Situation nachts mit der Bettpfanne ist eben doch Machtausübung und eine Form von psychischer Gewalt.\nUnd die Enkeltochter beschreibt ihre Großmutter eigentlich als sehr kooperativ, hat auch erzählt, dass die eigentlich gar nicht dafür war, dass überhaupt irgendwelche Beschwerden eingereicht werden.",
    "end": 290.0
  },
  {
    "start": 290.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nWarum nicht?",
    "end": 291.0
  },
  {
    "start": 291.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nJa, weil sie eben befürchtet, dass sie dann schlechter behandelt werden könnte.\nDazu können wir dann später auch noch mal kommen.",
    "end": 296.0
  },
  {
    "start": 296.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nJa, das ist dann ein Problem, ja.",
    "end": 298.0
  },
  {
    "start": 298.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nAber die Enkeltochter hat auch beobachtet, dass ihre Großmutter eben sich ganz anders verhält, als eigentlich ihrer Persönlichkeit entspricht, weil sie eigentlich eine sehr starke Frau ist und war und jetzt hier mit dieser Pflegerin sich sehr klein macht und eben fast nicht ihren Mund aufmachen wollte.",
    "end": 316.0
  },
  {
    "start": 316.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nDas zeigt natürlich auch, welche Folgen so ein Verhalten haben kann für die betroffenen Heimbewohnenden, ja, dass dass man eingeschüchtert ist, dass man Angst hat, dass man in seinem Wohlbefinden massiv eingeschränkt ist, dass man sich vielleicht gar nicht mehr traut, um Hilfe, um Unterstützung zu bitten.\nAlso das ist schon, es ist keine Bagatelle.",
    "end": 335.0
  },
  {
    "start": 335.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nUnd daran lässt sich ja vielleicht auch ablesen, dass es eine Art von Gewalt ist, weil die Reaktion ist ja wirklich sehr eingeschüchtert.\nWir haben im Vorfeld auch drüber gesprochen, was denn genau Gewalt in einem Heim bedeutet. Man hört ja immer wieder von schlimmen Pflegeskandalen, aber tatsächlich ist das, was die Großmutter von Frau Schmidt erlebt hat, auf jeden Fall auch Gewalt.",
    "end": 356.0
  },
  {
    "start": 356.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nGenau, ich hab mit Ulrike Kempchen gesprochen, sie ist Juristin beim Biva Pflegeschutzbund, der sich vor allen Dingen auch um Menschen kümmert, um Menschen vertritt, die im Heim oder in Einrichtungen leben.\nUnd ja, sie hat noch mal betont, dass der Begriff Gewalt nicht nur physische Gewalt, man vielleicht spontan meinen könnte, also körperliche Gewalt meint oder auch verbale Gewalt, sondern speziell in der Pflege deutlich darüber hinausgeht.",
    "end": 382.0
  },
  {
    "start": 382.0,
    "text": "ULRIKE KEMPCHEN:\nDas ist immer dann, wenn jemand zu einem Handeln oder Unterlassen gebracht wird oder auch alleine Beleidigung erfährt, ne.\nAlso Gewalt ist ja tatsächlich schon, wenn ich jemanden zum Beispiel zwingen würde, weil ich die Tasse an die Lippen drücke, den Mund zu öffnen, damit die Person trinkt, ich das aber nur gemacht hab, weil's vielleicht heiß ist und ich sag, die muss ja mit Flüssigkeit versorgt werden, hab ich trotzdem schon Gewalt begangen in dem Augenblick, ne, obwohl ich's doch nur gut meine und...\nAlso der Zweck heiligt hier nicht die Mittel.\nAlso immer dann, wenn ich jemanden, ja, erniedrige, verbal zum Beispiel, wenn ich jemanden durch Gesten oder Handlungen einen Schreck gebe auch schon oder drohe, dass der daraus...\nDass der Angst vor mir bekommt.\nDas sind alles schon Gewalthandlungen.\nAllein wenn ich jemanden durch eine Geste zum Beispiel oder durch ein bösen Blick dazu bringe, dass er zurückschreckt vor etwas, was er tun möchte, ne.\nDas ist auch schon Gewalt in dem Sinne.",
    "end": 435.0
  },
  {
    "start": 435.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nJa, genau und man kann daraus ganz schnell ableiten, natürlich ist auch das Verhalten, das die Pflegerin gezeigt hat gegenüber der Großmutter unserer Hörerin, als Gewalt zu bewerten.\nUnd was man vielleicht auch son bisschen raushört, aus dem, was Frau Kempchen gesagt hat, ist, was ich ja auch kenne aus meiner beruflichen Praxis, dass man natürlich auch als Pflegekraft schnell in so Situationen kommt, wo eine gewisse Gewaltgefahr besteht, einfach aufgrund des Zeitmangels, den man oft hat oder der Konstellation, in der man arbeitet, unterbesetzt ist vielleicht auch in in der in der Schicht, können auch Konstellationen entstehen, wo man vielleicht auch unbeabsichtigt zu gewalttätigen Verhalten gegenüber Patientinnen oder Bewohnenden neigt.",
    "end": 478.0
  },
  {
    "start": 478.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nBevor wir später darauf zu sprechen kommen, dass es natürlich Strategien gibt, um solche Vorfälle",
    "end": 483.0
  },
  {
    "start": 483.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nGanz wichtig, ja.",
    "end": 483.0
  },
  {
    "start": 483.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nZu minimieren, nämlich zum Beispiel Gewaltpräventionsprogramme in Heimen, wollte ich noch mal erzählen, dass die Meinung von Frau Kempchen, dass Gewalt nicht nur körperliche Gewalt bedeutet, sondern eben auch psychische Gewalt und dass nicht blaue Flecken und Schläge das die einzige Form von Gewalt sein müssen.\nDieser Auffassung teilen im Prinzip alle Expertinnen und Experten, mit denen wir gesprochen haben.",
    "end": 508.0
  },
  {
    "start": 508.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nWer dazu auch ganz sich geäußert hat, war Andrea Würz, mit der ich auch sprechen konnte.\nSie ist ehemalige Gesundheitsamtsmitarbeiterin im Landkreis Miesbach gewesen und hat vor einigen Jahren einen ganz großen Pflegeskandal in einem Pflegeheim am Schliersee aufgedeckt.",
    "end": 525.0
  },
  {
    "start": 525.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nIch erinner mich, ja.",
    "end": 526.0
  },
  {
    "start": 526.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nIst jetzt als Aufklärerin und Expertin und auch als Whistleblowerin im Pflegebereich unterwegs und hat zum Beispiel auch mit Wallraff undercover einen Film gedreht, wo sie in Pflegeheimen recherchiert hat und sich umgesehen hat.\nGenau und was sie beobachtet, ist natürlich, dass viele erst mal überlegen, ist es jetzt schon so schlimm, dass ich überhaupt mich beschwere?\nBringt es überhaupt, mich zu beschweren?\nUnd sie hat aber gesagt, es ist immer besser, den Mund aufzumachen.",
    "end": 558.0
  },
  {
    "start": 558.0,
    "text": "ANDREA WÜRTZ:\nWas man immer erst mal sagen muss, ist, dass Schweigen so gar keine Option ist.\nDas ist keine, weil die pflegebedürftige Großmutter ja zunächst erst mal einen Schaden erlitten hat, ja und was sie da erlebt hat, ist eine psychische Form von Gewalt und ihr anzudrohen, dass ihre Grundbedürfnisse nicht erfüllt werden, ist auch Gewalt.\nIch erinnere immer ganz gerne daran, dass die Menschen, die dort versorgt werden, nicht nur versorgt und gepflegt werden, sondern es handelt sich hier um ihren Lebensraum.\nUnd deswegen ist es mir auch so wichtig, dass wir noch mal gucken, wer hat eigentlich genau wo irgendwelche Rechte und Pflichten?\nAlso zunächst erst mal hat jeder Mensch seine Grundrechte und es darf ihm keine Gewalt angetan werden, weder im Pflegeheim noch sonst irgendwo.",
    "end": 605.0
  },
  {
    "start": 605.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nJa, das ist ganz wichtig, was Frau Würz hier sagt.\nAuch die Feststellung, dass ein Heim ja ein Ort ist, wo sich die Menschen zu Hause und sicher fühlen müssen können und auch grad mit ihrem Pflegebedarf, mit ihrem Hilfebedarf ja auch sehr verletzlich sind, sodass man einem Heim auch besondere Ansprüche stellen muss, dass Menschen vor Gewalt geschützt sind.\nUnd der zwei Punkt, den ich hier ganz wichtig finde, ist wirklich dieser Appell, bitte sagt, sprecht es an, also das an die Angehörigen oder auch an die Betroffenen gerichtet, habt da keine Scheu, habt kein schlechtes Gewissen.\nEs ist aber gutes Recht, es ist sogar im Grunde gewiss, würd ich fast sagen, aus Sicht der Angehörigen die Pflicht, das auch anzusprechen und ich vergleich das auch, ja, oder auch wenn das vielleicht am Hinken der Vergleich ist, ganz gern mal so mit so anderen Rechtsgeschäften, die man im Alltag hat.\nAlso wenn ich jetzt meinetwegen eine Waschmaschine kaufe und ich hab da was zu beanstanden, sie fällt nach kurzer Zeit aus.",
    "end": 660.0
  },
  {
    "start": 660.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nIch hätte ja nie irgendwie, ich würd nie überlegen, da zu beklagen, zu beschweren und das zu reklamieren.\nSpeziell aber bei einem Bereich jetzt wie Pflege scheut man sich das offensichtlich.\nDas ist einerseits verständlich, weil natürlich aus Sicht der Betroffenen, der pflegebedürftigen Menschen, die im Heim leben, auch ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis da ist.\nAber andererseits ist es genau da natürlich auch besonders wichtig, dass man drauf guckt, dass die Pflege funktioniert, dass man sich gut behandelt fühlt, würdevoll behandelt fühlt.",
    "end": 687.0
  },
  {
    "start": 687.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nJa, da hast Du jetzt einen Punkt angeschnitten.\nEin Pflegeheimplatz kostet ja auch immens viel Geld und im Prinzip ist es natürlich so, dass man dann erwarten darf und sollte, dass man gut behandelt wird.\nUnd den anderen Punkt, den Du angesprochen hast, es ist natürlich so, dass das Gefühl, wenn ich mich jetzt beschwere, ob sich dann was ändert und ob es nicht sogar für einen selbst subtil noch mehr zu Anfeindungen kommt und man sich in eine schlechte Position damit bringt, das schwingt natürlich auch immer mit.\nAber ich bin da total bei, Frau Würtz.\nEs ist immer besser, den Mund aufzumachen und was zu sagen, als solche Situationen hinzunehmen.",
    "end": 730.0
  },
  {
    "start": 730.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nJa, auf jeden Fall.\nUnd vielleicht können wir auch mal son bisschen aufdröseln, wie man da vorgehen könnte.\nWir haben dazu ja auch mit verschiedenen Expertinnen und Experten gesprochen.\nDer eins Schritt kann sein, dass man auch die betroffene Person, also in diesem Fall die Pflegerin selbst anspricht und einfach mal als Angehörige den Eindruck schildert, den man hat.\nAlso meine Oma schildert mir das und das und ich hab den Eindruck, dass dass sie ihr das jetzt zusetzt und ich finde selbst, dass dieses Verhalten nicht akzeptabel ist.",
    "end": 761.0
  },
  {
    "start": 761.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nWie sehen Sie das?\nAlso dass man da erst mal so sachlich einsteigt.\nIst vielleicht schwierig, weil man vielleicht doch emotional da sehr aufgewühlt ist, wenn man so etwas bei einem nahen Angehörigen erlebt, der so schlecht behandelt wird.\nDeswegen kann man auch gleich zur Wohnbereichsleitung gehen, wenn man sich also nicht in der Lage fühlt, sachlich mit der betroffenen Pflegefachkraft zu sprechen.",
    "end": 779.0
  },
  {
    "start": 779.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nZur Wohnbereichsleitung, das ist so die nächste Hierarchieebene im Heim, wird das sprechen und das ist auch mal ein ganz guter Weg, wenn man da vielleicht sogar extra um einen Termin bittet.\nAlso manchmal ist es ja auch ganz gut, das spontan anzusprechen, aber manchmal ist es auch gut, einen Termin auszumachen, weil dadurch ist mehr Ruhe da und man wertet vielleicht das Anliegen auch noch ein bisschen auf, wenn man sich einen Termin geben lässt.",
    "end": 802.0
  },
  {
    "start": 802.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nJa, ich hab auch von mehreren Seiten gehört, dass es Sinn macht, dass man sich auch zum Beispiel mit den anderen Bewohnern dann mal unterhält oder die Situation ein paarmal beobachtet und dass vielleicht auch, wenn's einem Bewohnerbeirat oder so",
    "end": 817.0
  },
  {
    "start": 817.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nheißt das.\nJa, gibt's auch oder Heimbeirat, ja.",
    "end": 819.0
  },
  {
    "start": 819.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nHeimbeirat, dass man das da auch mal zum Thema macht.\nAlso lustigerweise hat Frau Schmidt erzählt, dass ihre Großmutter sogar in diesem Beirat mal sich sehr engagiert hat.\nAber da sind so ganz heikle Themen nicht zur Sprache gekommen, sondern die Bewohner dann haben sich da mehr über die Essenssituation und über Aktivitäten, die vielleicht auch Freizeitgestaltung.",
    "end": 841.0
  },
  {
    "start": 841.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nAber alle Expertinnen, Experten haben eigentlich gemeint, dass es sinnvoll ist, dass man eben auch mal so mit den anderen Heimbewohnerinnen und Bewohnern, soweit es natürlich noch möglich ist, viele leiden ja auch unter Demenz, aber dass man sich einfach austauscht und seine Erfahrungen auch austauscht.",
    "end": 857.0
  },
  {
    "start": 857.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nJa, genau und auch mit anderen Angehörigen austauschen.\nAlso ich hab's so mitbekommen, dass die Kontakte der Angehörigen untereinander in Heimen nicht sehr stark sind.\nEs gibt zwar Angehörigenabende, aber die werden oft doch nicht so gut besucht.\nManche Bewohnende haben ja auch Angehörige, die weit weg wohnen oder haben vielleicht gar keine Angehörige, die auch nicht so präsent sein können natürlich dann und wenn sie weit weg wohnen und aber das ist auf jeden Fall auch eine Idee, dass man sich mit anderen Angehörigen kurz schließt und auch da mal fragt, welchen Eindruck habt ihr habt, haben Sie von der Pflege hier im Haus und habt ihr ähnliche Probleme?\nDas ist auf jeden Fall auch schon mal gut.",
    "end": 893.0
  },
  {
    "start": 893.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nEs ist auch möglich, ich meine, das hängt ab ab vom Bundesland, weil die Heimgesetze immer auch Ländersache sind in Deutschland, dass der Heimbeirat, dass man sich da auch als Angehöriger engagieren und reinwählen lassen kann.",
    "end": 906.0
  },
  {
    "start": 906.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nAlso bei Frau Schmidt ist es so, dass sie relativ weit entfernt wohnt und ihre Eltern näher an dem Heim leben.\nSie hat gemeint, dass da jetzt unter den Angehörigen nicht son reger Austausch stattfindet, Aber ich hatte ja schon erzählt, es sind die ersten Schritte jetzt schon passiert.\nSie hat sich bei der Pflegedienstleitung beschwert und es gab Gespräche, die auch erst mal Wirkung gezeigt haben.\nTrotzdem hat sie sich ja an uns gewandt, weil sie befürchtet, dass es von Neuem losgeht und immer die gleichen Schrauben zu drehen, wird wahrscheinlich nicht sinnvoll sein.\nWas wären denn dann die Schritte, die man geht, wenn sone Situation einfach nicht wird?",
    "end": 946.0
  },
  {
    "start": 946.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nJa, also an dem Punkt ist wahrscheinlich, Frau Schmidt, jetzt auch, dass man vielleicht über das Heim hinausgehen muss.\nMan kann, wenn es ein eins größerer Träger ist, also zum Beispiel eine Kette oder ein größerer Wohlfahrtsverband, der dieses Heim trägt, auch sich geprägt an den Träger wenden.\nDas wär dann praktisch die nächste so Instanz.\nDie Träger haben sollten, sag ich mal, auch Interesse daran haben, dass solche Vorkommnisse aufgeklärt und abgestellt werden.\nWenn man dann noch ein Schritt weitergehen möchte oder muss, dann gibt's die Möglichkeit, die Heimaufsicht anzusprechen.",
    "end": 977.0
  },
  {
    "start": 977.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nDie heißt jetzt in jedem Bundesland anders. Ich nenne sie jetzt einfach mal Heimaufsicht.\nDas sind die Behörden, die darauf achten, dass die Heime ja ihre gesetzlichen Grundlagen beachten. Wozu übrigens auch ein Gewaltschutzkonzept zählt.",
    "end": 989.0
  },
  {
    "start": 989.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nDas wär dann in dem Fall die Heimaufsicht Sachsen.",
    "end": 992.0
  },
  {
    "start": 992.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nGenau, also oft sind die Heimaufsicht bei den Kommunen oder Landkreisen, Landratsämtern angesiedelt.\nEs ist auch wieder von Bundesland zu Bundesland verschieden.\nIn Sachsen ist es seit einigen Jahren so, dass sich das auf Länderebene abspielt, also für den Freistaat Sachsen gibt's eine Heimaufsicht, die für die für den ganzen Freistaat zuständig ist.\nDas heißt Heimaufsicht der des kommunalen Sozialverband Sachsen.",
    "end": 1015.0
  },
  {
    "start": 1015.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nDa muss ich mal fragen, also was googelt man ja nicht.\nWie findet man die Stellen?",
    "end": 1022.0
  },
  {
    "start": 1022.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nAlso ich würd schon sagen, also als einfaches zu sagen Heimaufsicht unter den Wohnorten, die man lebt, da wird man hoffentlich Glück haben.\nAnsonsten würde ich raten, dass man auch einfach vielleicht bei der örtlichen Verwaltung beim Rathaus anruft und sich erkundigt, wer ist für die Heime vor Ort zuständig?\nMan kann sich an die Heimaufsicht wenden, als Angehöriger oder Betroffener sowieso als Bewohner.",
    "end": 1045.0
  },
  {
    "start": 1045.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nDas ist eine Möglichkeit, die man gehen kann, dass die Heimaufsicht macht dann anlassbezogene Prüfungen.\nDas hab ich mir auch schildern lassen von einem Mitarbeiter der Heimaufsicht in Sachsen.",
    "end": 1056.0
  },
  {
    "start": 1056.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nMhm.",
    "end": 1057.0
  },
  {
    "start": 1057.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nDa gehen dann ein oder zwei Mitarbeiter in die Heime rein und weil ja der Vorgang selber auch gar nicht mehr rekonstruierbar ist, da liegt er wahrscheinlich dann schon ein paar Wochen zurück, so wie in diesem Fall mit dem Toilettengang der Oma von Frau Schmidt, machen die halt so stichprobenhafte Befragungen von Bewohnern, versuchen das son bisschen einzugrenzen.\nGibt's da eine Neigung oder ein Problem mit Gewaltanwendung in dieser Form, also mit psychischer Gewalt, mit Unterlassung von Hilfe?\nDas versuchen die einen rauszukriegen.",
    "end": 1084.0
  },
  {
    "start": 1084.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nDu hattest grad das Wort ordnungsrechtlich erwähnt, also was bedeutet das?",
    "end": 1089.0
  },
  {
    "start": 1089.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nGenau.\nDas sagen wir mal so, das Problem der Heimaufsicht ist, dass sie eigentlich verpflichtet ist, einmal im Jahr Heime zu prüfen, dass sie das aber oft aus Personalgründen nicht schaffen.\nDas ist auch wieder von Bundesland zu Bundesland verschieden, aber es ist wohl manchen Bundesländern Druck aus ein Problem, dass diese regelmäßige Prüfung eben doch nicht jährlich stattfinden kann.",
    "end": 1110.0
  },
  {
    "start": 1110.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nOkay.",
    "end": 1110.0
  },
  {
    "start": 1110.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nAber sie kann natürlich anlassbezogen prüfen.\nAlso wenn ich mich jetzt als Angehöriger dahin wende und schildere meinen Fall, dann besteht zwar zumindest die Aussicht, dass das Heim sich auch konkret dieses Heim noch mal anschaut bei einem Extratermin.\nOrdnungsrechtlich heißt ja, dass die auch durchaus eine Möglichkeit haben, Auflagen zu machen, zum Beispiel auch die Auflage, dass der betreffende Mitarbeiter, in diesem Fall die Pflegekraft, ein Beschäftigungsverbot erhält.\nDas ist natürlich ein scharfes Schwert.",
    "end": 1138.0
  },
  {
    "start": 1138.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nDie Möglichkeit gibt's aber zumindest im Bundesland oder im Freistaat Sachsen.",
    "end": 1142.0
  },
  {
    "start": 1142.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nSo hat es dir der Mitarbeitende geschildert.",
    "end": 1144.0
  },
  {
    "start": 1144.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nDu hast dir der Mitarbeiter geschildert, genau.\nUnd das kommt auch vor.\nDas ist schon vorgekommen.\nDas ist nicht gleichzusetzen mit einem Berufsverbot, also dass diese Menschen gar nicht mehr in der Pflege arbeiten dürften, aber zumindest für die Einrichtung, um die es grad geht, können die Heimaufsichtsmitarbeitenden ein Beschäftigungsverbot aussprechen.",
    "end": 1162.0
  },
  {
    "start": 1162.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nMhm. Aber da muss wahrscheinlich dann schon viel vorgefallen sein und wahrscheinlich auch rechtlich dann oder gerichtlich auch genau geprüft.",
    "end": 1170.0
  },
  {
    "start": 1170.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nJa, genau.\nVielleicht muss man es immer wieder dazu sagen, es ist natürlich am besten, wenn man auf der unteren Ebene, das heißt auf der Ebene des Heims im Gespräch eine Lösung findet und es sich so weit eskalieren lassen muss, aber manchmal gibt's auch Situationen, wo man das vielleicht durchaus tun muss einfach auch, ja.\nAus Verantwortung gegenüber den Bewohnerinnen und Bewohnern als Angehöriger, dann dann ist es halt so, ja.",
    "end": 1192.0
  },
  {
    "start": 1192.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nFall ist ja schon schlimm genug, aber ich kann mir vorstellen, dass noch weitaus schlimmere Dinge passieren können, also dass wirklich Menschen nicht genug zu trinken kriegen und dann dehydrieren und so Geschichten.",
    "end": 1205.0
  },
  {
    "start": 1205.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nGenau.",
    "end": 1205.0
  },
  {
    "start": 1205.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nWo man wirklich von Vernachlässigung dann spricht.\nFrau Würtz meinte auch, da kann man dann auch die Polizei einschalten.",
    "end": 1212.0
  },
  {
    "start": 1212.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nSiehst Du Also ich würd sagen, das ist so wirklich so die letzte Maßnahme, ultima ratio, wie man so schön sagt, wenn wenn die anderen Maßnahmen nichts gebracht haben, ja.\nDas ist natürlich nicht schön, aber warum soll man sich scheuen?\nAlso wenn da wirklich Hinweise auf Misshandlung, Gewalt, vielleicht sogar physische Gewalt, zum Beispiel Fixierung vorliegen, ohne dass es dafür irgendeinen richterlichen Beschluss gibt, für eine Fixierung im Bett zum Beispiel, dann ist es ja, dann kann man auch die 110 wählen, genau.\nVielleicht, wir haben noch nicht drüber gesprochen, es gibt auch den medizinischen Dienst, den ja wahrscheinlich viele unserer Hörerinnen und Hörer auch kennen über die Pflegebegutachtung.\nDie machen ja die Pflegebegutachtung, Pflegeeinstufung für die Pflegekassen.",
    "end": 1254.0
  },
  {
    "start": 1254.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nDer nimmt auch Prüfungen daheim vor.\nAn denen kann man sich auch wenden.",
    "end": 1259.0
  },
  {
    "start": 1259.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nMhm.",
    "end": 1259.0
  },
  {
    "start": 1259.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nDa ist es oft am einfachsten, wenn man sich an die Pflegekasse wendet, weil die Pflegekasse beauftragt den medizinischen Dienst und der medizinische Dienst kann dann auch anlassbezogene Prüfungen durchführen, wobei es da eine gewisse Einschränkung gibt.\nDer medizinische Dienst guckt zwar eigentlich nach der Pflegequalität und kann nicht die gleichen Auflagen machen wie die Heimaufsicht.",
    "end": 1280.0
  },
  {
    "start": 1280.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nAlso das bedeutet, im Prinzip gibt's zwei Instanzen, einmal die Heimaufsicht und einmal der medizinische Dienst, die übergeordnet auch kontrollieren können, ob in dem Heim alles in Ordnung ist.",
    "end": 1292.0
  },
  {
    "start": 1292.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nGenau.\nWas man vielleicht ja vollständig halber noch nennen kann, es sind, es gibt in vielen Orten, zum Teil ist es kommunal, zum Teil auf Länderebene Beschwerdestellen, Alte Altenpflege.\nDie haben unterschiedliche Aufgaben, die haben im Grunde eher, also sie haben schon eine wichtige Aufgabe, aber sie haben eher eine moderierende Funktion, würde ich sagen.\nSie versuchen dann auch teilweise so wie so ein Mediator da zu Lösungen zu finden.\nDie haben oft auch die Kompetenz und die Zeit sich vielleicht eingehender mit bestimmten Fällen zu beschäftigen, in die Heime reinzugehen.",
    "end": 1323.0
  },
  {
    "start": 1323.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nHaben aber nicht den gleichen rechtlichen Status hier wie jetzt die Heimaufsicht vor allen Dingen, aber auch wie der medizinische Dienst.\nDas Problem bei den Prüfungen sowohl des medizinischen Dienstes als auch der Heimaufsichten ist natürlich, dass es Momentaufnahmen sind.\nAlso wenn die reguläre Prüfungen machen, einmal im Jahr, dann ist es halt ein Tag.",
    "end": 1342.0
  },
  {
    "start": 1342.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nMhm.",
    "end": 1343.0
  },
  {
    "start": 1343.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nWenn sie jetzt anders bezogen prüfen, ist es auch im Grunde ein Tag.\nUnd das macht es manchmal schwer, dann auch Vorfälle sichtbar zu machen, dokumentierbar zu machen.\nMan braucht am Ende, das hat uns auch bei Kempchen gesagt, die Juristin vom Biva Pflegeschutzbund, man braucht am Ende immer Beweise.",
    "end": 1362.0
  },
  {
    "start": 1362.0,
    "text": "ULRIKE KEMPCHEN:\nDas Problem, was wir immer haben in diesen Situationen, ist, dass man beweispflichtig ist und in der Regel ist ja keiner dabei, wenn solche verbalen Drohungen ausgesprochen werden.\nDas heißt, wir raten gleichzeitig mit der Suche nach Gesprächen, denn am Ende steht ein pflegebedürftiger Mensch, der einfach versorgt werden muss, raten wir auch immer gleichzeitig, anzugucken, kann man eine soziale Kontrolle aufbauen?\nDas heißt, kann man Besuchsfrequenzen erhöhen?\nKann man andere Angehörige vielleicht hinzuziehen, dass die auch mal vorbeischauen?\nDenn je häufiger jemand da ist, desto eher kriegt man ja etwas mit.\nUnd wenn wir mal juristisch denken und wir sind hier nun mal Juristen, wir brauchen einfach Beweise.",
    "end": 1401.0
  },
  {
    "start": 1401.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nJa, das ist ja auf jeden Fall schon mal ein ziemlich konkreter Tipp, den Frau Kempchen hier gibt. Und genau den gleichen hatte Frau Würtz auch.\nSie hat die Angehörigen als das Schutzschild für ihre pflegebedürftigen Verwandten bezeichnet und hat auch geraten, möglichst häufig unangekündigte Besuche zu machen, auch zu unterschiedlichen Tageszeiten, Klammer auf, wobei natürlich nachts immer schwierig ist.\nGenau.",
    "end": 1425.0
  },
  {
    "start": 1425.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nDa ist man selten dabei und einfach Präsenz zu zeigen.\nWas interessant war, ich hab da auch mit Frau Schmidt drüber gesprochen, Die hat beobachtet, dass diese besagte Pflegerin ganz anders sich verhält, wenn Besuch da ist.",
    "end": 1441.0
  },
  {
    "start": 1441.0,
    "text": "NICOLE SCHMIDT:\nAlso was halt aufgefallen ist, die ist immer sehr viel netter, wenn sie weiß, dass meine Oma Besuch hat.\nUnd ich war schon mal zu Besuch und das hat sie nicht mitbekommen und die ging in ihrer robusten Art Knall, Tür auf und wollte schon irgendwas loslassen.\nUnd dann sah sie, dass ich da sitze und war auf einmal so, oh, Du hast ja Besuch.\nAuf einmal ganz entspannt und nett und ist dann wieder rausgegangen.\nAlso die passt schon ein bisschen auf, ja, ja.",
    "end": 1472.0
  },
  {
    "start": 1472.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nJa, klar, ja.\nIch find das sehr interessante Beobachtung, die Frau Schmidt hier schildert, dass sich eben das Personal ganz anders verhält, wenn Angehörige da sind, wenn Besuch da ist.\nDu hast ja selbst auch eine Oma begleitet im Heim.\nWelche Erfahrungen hast Du da gemacht?",
    "end": 1488.0
  },
  {
    "start": 1488.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nAlso ich muss sagen, dass dort wirklich eigentlich alle immer wahnsinnig nett und hilfsbereit waren.\nIch kann mich aber auch an eine Situation erinnern, da war ich mit einer anderen Angehörigen die einzige Besucherin und wir hatten uns gewundert, dass einfach gar niemand da ist.\nUnd dann hat sich rausgestellt, dass ein Magen Darm Virus ausgebrochen war in in einem Zimmer und dass die natürlich alle Hände voll zu tun hatten.\nUnd da fand ich's auch gut, dass die andere Angehörige das schon wusste, wir darüber sprechen konnten und eben nicht dieses schale Gefühl bei mir blieb, heute ist ja gar niemand, der der sich kümmert.\nAlso dieses anwesend sein und natürlich war auch an dem Tag gut, dass ich da war, weil dann auch meine Oma einfach Unterhaltung hatte. Und sie ist Gott sei Dank auch nicht krank geworden.",
    "end": 1533.0
  },
  {
    "start": 1533.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nJa, ein Glück.",
    "end": 1535.0
  },
  {
    "start": 1535.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nJa, ich würd jetzt gern noch mal zu Frau Würz kommen, weil die hat nämlich noch mal einen anderen sehr wichtigen Punkt.\nIch mein, Anwesenheit-zeigen ist eine, aber wir hatten ja auch grad schon angesprochen, dass es wichtig ist, Beweise zu haben, damit dann auch wirklich was getan werden kann.\nAlso zum Beispiel, was Du angesprochen hast, dass vielleicht die Person ein Beschäftigungsverbot bekommt oder dass ein Aufnahmestopp ausgesprochen wird, wenn sich rausstellt, dass in diesem Heim akuter oder chronischer…",
    "end": 1566.0
  },
  {
    "start": 1566.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nWenn das ein strukturelles Problem ist, ja.",
    "end": 1567.0
  },
  {
    "start": 1567.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nJa, genau.\nUnd der Tipp von Frau Würtz, den hören wir jetzt noch.",
    "end": 1572.0
  },
  {
    "start": 1572.0,
    "text": "ANDREA WÜRTZ:\nWas ich aber eigentlich allen Angehörigen immer rate, ist, schreiben Sie's auf.\nFühren Sie für sich Gedächtnisprotokolle, eine Verschlechterung der Stimmung, eine Verschlechterung der Pflegesituation vor Ort sofort für sich protokollieren, mit Datum und schriftlich erst mal festhalten.",
    "end": 1590.0
  },
  {
    "start": 1590.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nIch möchte vielleicht noch mal was ergänzen, so aus meiner Sicht, also ich arbeite ja auch als Pflegekraft, Fachkraft nebenberuflich und die meisten Pflegekräfte, die weitaus meisten, die große Mehrheit, da bin ich mir ziemlich sicher, ergreifen ja diesen Beruf, weil sie eben auch ein soziales Anliegen haben, weil sie Menschen helfen wollen, weil sie auch Menschen ein gutes Leben erleichtern wollen, sag ich mal so ganz allgemein und würde mal unterstellen, dass jetzt auch für meine Kolleginnen und Kollegen, dass da auch eine Offenheit und ein Interesse dafür ist zu erfahren, wenn es Kritik gibt, wenn es Probleme gibt, auch in diesem Fall jetzt auch, ja.",
    "end": 1626.0
  },
  {
    "start": 1626.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nJa, also ich hab auch darüber nachgedacht, dass es natürlich wir ja jetzt in dieser Podcastfolge nicht Angst machen wollen und auch überhaupt nicht Pflegeheime verteufeln wollen, weil…",
    "end": 1636.0
  },
  {
    "start": 1636.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nJa, das ganz wichtig.",
    "end": 1637.0
  },
  {
    "start": 1637.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nEs gibt auch ganz, ganz viele, die das Thema Gewalt sehr ernst nehmen.\nWas wir ja auch noch nicht richtig besprochen haben, ist ja das Thema, dass es durchaus auch Strategien gibt und die Heime ja zum Beispiel Gewaltpräventionsprogramme auch durchführen.",
    "end": 1651.0
  },
  {
    "start": 1651.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nGenau, also es ist so, dass Gewaltschutzkonzepte in Heimen Pflicht sind.\nEs ist auch, also wie gesagt, Heimgesetze sind Ländersache, aber nach meinem Kenntnisstand sind in allen Bundesländern Pflicht in Pflegeeinrichtungen.\nDa geht's oft darum, dass man sich gemeinsam mit den Beschäftigten hinsetzt, also zum Beispiel die Heimleitung, die Pflegedienstleitung, die Qualitätsmanagerin und dann in einem Prozess herausarbeitet, wo sind bei uns Risikofaktoren für Gewalt Anwendung?\nAlso zum Beispiel, wenn ich einen hohen Anteil an Menschen mit Demenz habe im Heim, dann kann es einfach sein, dass durch dieses Verhalten, dass die Menschen zeigen können, dass man seine Grenzen kommt, dass man überlastet ist, überfordert ist und oder dass einfach andere Konstellationen, die dazu führen, dass man in bestimmten Konstellationen vielleicht zu Gewaltanwendung neigt und auch bewusst macht, welche Formen von Verhalten überhaupt als Gewalt gesehen werden müssen.\nAlso zum Beispiel, ein häufiges Thema in der Pflege ist ja das Trinken.\nAlso man möchte immer Menschen, grade ältere Menschen animieren, genügend zu trinken.\nUnd da ist man natürlich auch schnell in einem Bereich, wie ihn Frau Kempchen vorhin angesprochen hat.",
    "end": 1723.0
  },
  {
    "start": 1723.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nIch möchte einem Bewohner etwas zu trinken geben.\nEr wehrt sich oder presst die Lippen zusammen, signalisiert mir, dass er das eigentlich nicht will. Man kann sich vorstellen, dass das auch manchmal zu Situationen führt, wo die als Gewalt erlebt werden von den Betroffenen, ja, und das also man muss da hochsensibel sein und ich glaub, neben diesen Gewaltschutzkonzepten, die sicherlich wichtig sind, ist es wichtig, dass man auch Gewaltprävention im Alltag lebt und das heißt vor allen Dingen, dass man auch Reflexionsformate hat, sag ich mal, dass man das Raum schafft, dass Mitarbeitende in der Pflege sprechen können über Erfahrungen, über schlechte Erlebnisse, vielleicht aber Situationen, wo sie selbst mal unbeabsichtigt Gewalt angewandt haben.\nSowas gibt es immer wieder, ich glaub, da ist niemand ganz frei davon.",
    "end": 1765.0
  },
  {
    "start": 1765.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nUnd dass die Heimleitung, die Pflegedienstleitung, also auch grad die Leitungskräfte in den Heimen einen Raum schaffen, wo so etwas thematisiert werden kann, wo dafür die Zeit ist und wo auch eine Sensibilität in der ganzen Unternehmenseinrichtungskultur geschaffen wird, wie dieses Thema.\nUnd ich glaube, dass die Pflege insgesamt, wenn ich das vergleiche mit der Zeit meiner Ausbildung, die ist schon lange her, das war also Ende der Achtzigerjahre, da hat sich in der Pflege insgesamt auch in der Ausbildung schon viel verbessert, was denn Sensibilität für Gewalt in der Pflege angeht.",
    "end": 1797.0
  },
  {
    "start": 1797.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nJa, schön, dass Du auch das ein bisschen positiv darstellst.\nIch muss erzählen, dass auch in dem Heim, wo Frau Schmidts Großmutter untergebracht ist, es ein Gewaltpräventionsprogramm gibt und es wurde auch versichert, dass die Mitarbeiterin, die sich ungut verhält, daran teilgenommen hat.\nOffensichtlich hat's bei ihr nicht ausgereicht und es müssen weitere Schritte wahrscheinlich passieren, um die Situation jetzt dort zu entspannen.\nHast Du denn noch einen abschließenden Ratschlag ganz konkret für Frau Schmidt, wie sie denn jetzt die Situation weiter begleiten kann?",
    "end": 1833.0
  },
  {
    "start": 1833.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nJa, also was wir übrigens auch besprochen haben, das ist sicherlich ein Fall, wenn man jetzt da nicht weiterkommt im Heim, dass man auch die Heimaufsicht anspricht als Angehörige, vielleicht auch die Pflegekasse, die also ja auch die den Vertrag hat, den Versorgungsvertrag und den Versorgungsauftrag hat für die Großmutter von Frau Schmidt.\nEs gibt noch eine Adresse, die man, glaube ich, empfehlen kann, die wir auch in den Shownotes verlinken werden natürlich für euch, das „Zentrum für Qualität in der Pflege“.\nDie gibt's seit einigen Jahren, die engagieren sich sehr für gute Pflege zu Hause, vor allen Dingen auch in Heimen und haben da auch ein Schwerpunkt, ein thematischen Schwerpunkt im Bereich Gewaltprävention in der Pflege, haben dazu einiges geforscht.\nDa wird man sehr fündig auch was so so Informationen und Ratschläge angeht, Website und man findet über das Zentrum für Qualität in der Pflege auch Beschwerdestellen in der Pflege, was wir vorhin hatten.\nAlso auch da, das kann, man kann da gezielt nach Beschwerdestellen suchen, die für das Heim, um das es mir geht, zuständig sind.",
    "end": 1897.0
  },
  {
    "start": 1897.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nAlso Du bist aber auf jeden Fall auch der Meinung, dass es kein Weg ist, die Situation hinzunehmen, falls sie sich wieder verschlechtert und die Zeit abzusitzen, bis diese Pflegerin in Rente geht, sondern dass es wichtig ist, weiter dranzubleiben.",
    "end": 1910.0
  },
  {
    "start": 1910.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nJa, ich find das ganz wichtig.\nAlso resignieren, die Gefahr ist groß, das weiß ich schon, ist sicherlich keine Option und ich weiß auch, dass viele Menschen dazu neigen, sich mit Kritik an Heimen, an an der Pflege und an der Behandlung generell zurückzuhalten, eben in der aus der Befürchtung heraus, was Sie ganz am Anfang ja auch besprochen hatten, dass es denn Repressalien gibt und das ist ein ganz falscher Weg. Also man sollte der Sache immer nachgehen.\nMan sollte immer auf der Matte stehen als Angehöriger, wenn es Probleme gibt.\nJa, und das wirklich zur Sprache bringen.",
    "end": 1942.0
  },
  {
    "start": 1942.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nIch denk auch, dass es wichtig ist, dass auch einfach der Kontakt mit der Großmutter ganz eng bleibt und auch immer wieder nachgefragt wird, weil Frau Schmidt hatte ja son bisschen die Sorge, dass ihre Großmutter nichts mehr erzählen möchte, weil die ja eben unter dieser Angst steht, dass das sich dann für sie selbst schlecht auswirkt und diese Pflegerin sie noch schlechter behandeln könnte.\nIch denk, der Austausch mit der Großmutter, vielleicht auch mit anderen Heimbewohnenden und auch mit anderen Angehörigen, hatten wir angesprochen, ist essenziell.",
    "end": 1969.0
  },
  {
    "start": 1969.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nGenau.\nReden ist wichtig, grad auch bei solchen Themen.\nJa und gleich abschließend noch mal den Rat, den wir schon von Frau Würtz gehört haben.\nDie entscheidende Botschaft ist, es schützt eure Angehörigen mehr, etwas zu tun, als nichts zu tun.\nJa, das war gepflegt gefragt für heute.",
    "end": 1992.0
  },
  {
    "start": 1992.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nWir freuen uns, dass ihr zugehört habt.\nWie immer packen wir euch wichtige Links, zum Beispiel zum „Zentrum für Qualität in der Pflege“ in die Shownotes.\nUnd ich möchte auch bei dieser Gelegenheit auch noch mal etwas trommeln für meinen Newsletter „Pflege und Geld“, der auch zweiwöchentlich erscheint, so wie unser Podcast und in dem es vor allen Dingen um Fragen der Pflegefinanzierung geht, um rechtliche Tipps, sozialrechtliche Tipps, Hinweise zu auch ja den Folgen der Pflegereform, die jetzt auf uns zukommen wird. Den Link findet ihr auch in den Shownotes.",
    "end": 2026.0
  },
  {
    "start": 2026.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nUnbedingt abonnieren.\nIch find deinen Newsletter wirklich sehr interessant.",
    "end": 2030.0
  },
  {
    "start": 2030.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nDanke, Aglaja.",
    "end": 2031.0
  },
  {
    "start": 2031.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nWenn ihr übrigens auch eine Frage habt, die wir beantworten sollen, dann schreibt uns doch gern eine E-Mail an pflege@gesundheit-hoeren.de \nHören mit o e.",
    "end": 2043.0
  },
  {
    "start": 2043.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nUnd mehr Infos gibt's wie gesagt in den Shownotes.",
    "end": 2046.0
  },
  {
    "start": 2046.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nGerne abonniert unseren Podcast.",
    "end": 2047.0
  },
  {
    "start": 2047.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nGenau, gerne, verpasst ihr auch keine Folge.\nDie nächste kommt wieder in 14 Tagen.",
    "end": 2052.0
  },
  {
    "start": 2052.0,
    "text": "AGLAJA ADAM:\nDanke fürs Zuhören.",
    "end": 2054.0
  },
  {
    "start": 2054.0,
    "text": "KAI KLINDT:\nVielen Dank.",
    "end": 2063.0
  },
  {
    "start": 2063.0,
    "text": "SPRECHER:\ngesundheit-hören. Das ist das Audioangebot der Apotheken Umschau.",
    "end": 2070.0
  }
]