[
  {
    "start": 0.0,
    "text": "DR. INA LUCAS:\nMan kann nicht immer nur, in Anführungszeichen nur, kritisieren oder sagen, oh, es läuft alles nicht oder wird immer alles schlechter und sich dann auf der anderen Seite aber nicht auch selber wirklich engagieren.",
    "end": 12.0
  },
  {
    "start": 19.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nViele Frauen in den unteren Hierarchieebenen, aber wenig an der Spitze. Das ist ein Thema, das nicht nur Ärztinnen sehr gut kennen. Das ist auch ein Thema, das Apothekerinnen umtreibt.\nDeshalb spreche ich in dieser Folge des Podcasts ausnahmsweise nicht mit einer Medizinerin, sondern mit einer Pharmazeutin. Und zwar mit Dr. Ina Lucas, Inhaberin von 4 Apotheken in Berlin, Präsidentin der Apothekerkammer Berlin und seit gut einem Jahr Vizepräsidentin der ABDA, also der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.\nWir wollen uns unter anderem unterhalten über geteilte Führung und Frauenförderung.\nHerzlich willkommen.",
    "end": 48.0
  },
  {
    "start": 55.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nHallo Julia, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich.",
    "end": 58.0
  },
  {
    "start": 58.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nMein Name ist Julia Rotherbl. Ich bin Chefredakteurin der Apotheken Umschau und ich wünsche euch jetzt sehr viel Spaß beim Zuhören.",
    "end": 64.0
  },
  {
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    "text": "SPRECHERIN:\n„Frau Doktor, übernehmen Sie!“ Ein Podcast von gesundheit-hören und Apotheken Umschau Pro.",
    "end": 75.0
  },
  {
    "start": 77.0,
    "text": "KAPITEL – Geschäftssinn, Gremien & Geteilte Führung\nJULIA ROTHERBL: \nIch hab im Intro schon verraten, dass Du Vizepräsidentin der ABDA bist seit gut einem Jahr.\nDas ist aber nicht alles. Du bist auch Präsidentin der Apothekerkammer Berlin, Mitinhaberin von 4 Apotheken in Berlin und das ist auch noch nicht alles. Und man fragt sich son bisschen, wie Du das eigentlich alles machst und wann Du so Zeit für dich findest, hab ich mich gefragt zumindest.",
    "end": 101.0
  },
  {
    "start": 102.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nJa, Du hast vollkommen recht, das stimmt alles, was Du gesagt hast. Und auch für mich war das natürlich eine relativ kurze Phase des Onboardings für diese ganzen verschiedenen Funktionen. Ich bin Kammerpräsidentin im Mai 2024 geworden, dann ab der Vizepräsidentin im Januar 2025. Bin schon lange selbstständig, also da war die Routine da, will ich mal sagen, hatte aber 2022 auch noch mal 2 Apotheken dazu genommen für den Verbund. Also ich war son bisschen im Change, im Marathonlaufen, im neue Sachen lernen drin und deswegen hat es sich auch gar nicht so schrecklich angefühlt, da immer mehr sozusagen in den Rucksack reinzuladen.",
    "end": 152.0
  },
  {
    "start": 153.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nUnd so langsam merke ich auch, dass ich gut zurechtkomme mit meinen Aufgaben und mit dem, was man ja von mir auch erwartet im Zweifel. Klar, es gibt durchaus Dinge, die ich jetzt ganz neu lernen musste. Also, das ist immer noch mal bisschen schwieriger, ich merke auch ich werde älter. Da fällt es schwerer.",
    "end": 171.0
  },
  {
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    "text": "JULIA ROTHERBL: \nZum Beispiel?",
    "end": 171.0
  },
  {
    "start": 171.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nNa ja, also gerade jetzt in dem Bereich Interessensvertretung, Kammerrecht, Mitgliederverwaltung, Klarheit darüber, was kann man machen dürfen, was nicht, wie wir im Verband miteinander arbeiten, wie die Länder organisiert sind, wie wir das in der Bundesebene zusammenbinden. Also da sind ja schon nen paar Themen dabei, die ich jetzt als selbstständige Apothekerin so natürlich nicht bearbeiten musste. Insofern gab's da viele neue Strukturen zu lernen, auch neue Menschen natürlich. Also man muss ja erst mal wissen, wie die alle heißen da in den Kammern und Verbänden, in den ganzen Bundesländern und so, dass man auch miteinander ins Reden kommt und dann, wer miteinander redet, der kann eben auch ja Dinge anschieben. Insofern war das für mich im ersten Jahr jetzt auch wirklich ganz, ganz massiv. Ja, Netzwerkarbeit betreiben. Zu wissen, wer ist einfach wo auch in Verantwortung.",
    "end": 211.0
  },
  {
    "start": 233.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nWeil Du hattest gerade Change-Prozess gesagt. Du hast ja eigentlich 2 Dinge geändert.\nDu wolltest eigentlich gar nicht in die Apotheke und Du wolltest auch nicht in die Standesvertretung. Beides ist passiert. Warum?",
    "end": 248.0
  },
  {
    "start": 250.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nJa, ich glaube, das ist manchmal so, die sich selbst erfüllenden Prophezeiungen, hab ich manchmal den Eindruck.",
    "end": 259.0
  },
  {
    "start": 259.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nFangen wir mal bei der Apotheke an. Du hast quasi eigentlich erst gedacht, Du machst Forschung.",
    "end": 265.0
  },
  {
    "start": 265.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nRichtig. Ich habe ganz früh meine heutige OHG-Partnerin im Studium kennengelernt, also eigentlich am ersten Tag des Studiums. Und wir haben uns sehr schnell sehr gut verstanden und ich hab zu ihr, weiß ich auch nicht, wirklich in den ersten Wochen gesagt, Mensch und wir beide machen mal was zusammen. Und das war gar nicht näher definiert, aber irgendwie klar schwang für mich son bisschen das Thema Apotheke mit, weil ehrlicherweise, als ich Pharmazie angefangen habe zu studieren, war das Thema Apotheke schon in einem gewissen Fokus. Dann studiert man Pharmazie und es wird halt wissenschaftlicher. Also das Studium bereitet natürlich auf alles Mögliche vor und auch und im Besonderen vielleicht auch auf wissenschaftliches Arbeiten. Und dann rückt vielleicht auch die Tätigkeit in einer Apotheke bisschen in die Ferne einfach. Deswegen ist es auch gut aus meiner Sicht, dass wir alle Pharmazeutinnen und Pharmazeuten im praktischen Jahr mindestens ein halbes Jahr in der Apotheke haben, weil man quasi eigentlich wieder bisschen zurückgeboardet werden muss auf das Thema öffentliche Apotheke und Versorgung. Das gelingt in den allermeisten Fällen tatsächlich auch, dass die Leute sagen, oh, das ist eigentlich super Job.\nDas macht eigentlich, das bringt eigentlich richtig Spaß, da bleib ich oder das mach ich weiter. Und bei mir war's so, ich hab das gemacht und hatte aber schon immer auch Lust auf Forschung. Ich hatte Lust auch auf Lehre. Also ich hab ja während meiner Promotion auch Studierende unterrichtet an der FU und es hat mir immer großen Spaß gemacht, muss ich sagen. Also son bisschen son pädagogisches Gen habe ich vielleicht und das ist auch übrigens in der Apotheke nicht verkehrt. Und dann habe ich mich ja für eine Promotion entschieden, weil eben da waren so ein bisschen 2 Herzen in meiner Brust. Und dann hab ich gedacht, dann mache ich jetzt die Promotion, um noch mal zu gucken, ist das wirklich für mich, sag mal, der Lebensweg, diese Wissenschaftslaufbahn einzuschlagen? Und wie das dann so ist, kam ich Richtung Ende der Promotion also an und hab dann mich gefragt. Ich hab währenddessen immer in der Apotheke nebenbei gearbeitet, einfach auch um das zu finanzieren und hab mich gefragt, was will ich?\nUnd hab am Ende der Promotion durchaus gedacht, nee, es kommt eigentlich schon auch irgendwie Apotheke infrage, weil ich arbeiten mit Menschen mag. Und man muss sagen, wenn man in so einem Labor arbeitet, dann ist natürlich der ist die Gruppe mit Menschen, mit denen man so zusammenkommt, überschaubar, so in der Regel. Und ich mag es schon sehr, wenn ja, wenn ich mit vielen verschiedenen Menschen zu vielen verschiedenen Themen irgendwie sprechen kann und hab gedacht, eigentlich ist das was für mich. Hab aber auch eine klare Vorstellung davon gehabt, wie das dann sein müsste, also wie sone Apotheke aussehen müsste, die mir gehört. Und hab die ganze Zeit über natürlich mit meiner Kollegin Maria Kontakt gehabt, weil sie eine Freundin ist von mir und hab dann zu ihr gesagt, so, erinnerst Du dich?",
    "end": 299.0
  },
  {
    "start": 448.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nWir wollten mal.",
    "end": 450.0
  },
  {
    "start": 450.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nWir haben doch mal gesprochen. Und da war sie zu der Zeit bei einer Krankenkasse, großen Krankenkasse beschäftigt und hat aber irgendwie gleich gesagt, oh ja, ist eigentlich eine gute Idee. Und dann sind wir son bisschen wie die Jungfrau zum Kinde gekommen, haben das irgendwie im Juni 2013 uns das erste Mal gesagt, dass wir das irgendwie wollen, hatten im September erste Gespräche für den Standort. Im Oktober verdichtete sich das total und dann musste die Apotheke auch noch gebaut werden. Wir haben einen Standort übernommen, wo wir quasi nur die Fläche hatten.",
    "end": 485.0
  },
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    "start": 485.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nOkay.",
    "end": 485.0
  },
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    "start": 485.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nMussten die Apotheke da reinbauen und haben dann von Oktober bis Februar 2014 in einer Hauruck Aktion diese Apotheke gebaut und waren plötzlich ja mit dem Februar 2014 selbstständige Apothekerinnen. Das war schon auch irgendwie gut.",
    "end": 500.0
  },
  {
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    "text": "JULIA ROTHERBL: \nNoch eine Zwischenfrage. Also die Männer, die Männer, jetzt sage ich's schon. Die Personen, mit denen man im Labor zu tun hat, sind ja nicht nur wenige, sondern in der Lehre sind's ja auch vor allem dann noch Männer. Wenn man sich die Zahlen anschaut, mit wem man in der Apotheke zu tun hat, sind's sehr, sehr, sehr überwiegend Frauen. Hat das auch eine Rolle gespielt bei deiner Entscheidung?",
    "end": 521.0
  },
  {
    "start": 522.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nIch würde sagen, im Nachgang wahrscheinlich ja, aber unterbewusst. Man guckt ja dann natürlich auch bisschen zurück, wenn man dann so Reflexionsprozess irgendwie anwirft bei sich. Und ja, das war schon Thema. Auch in meiner Promotionszeit gab es in leitenden Positionen eher Männer als Frauen. Und es war schon auch ein Leistungsverständnis mitunter da, wo man das Gefühl bekommen konnte, na ja, wenn man dem richtigen Geschlecht angehört, dann kommt man halt auch sehr viel schneller sehr viel weiter. Und das Thema Frauen und Wissenschaft, das wissen wir ja auch. Also Familiengründung und so was, das beschäftigt viele Frauen in der Wissenschaft, gerade mit Zeitverträgen. Das war für mich damals gar nicht so ein Thema, weil ich zu der Zeit auch noch gar nicht so richtig in Richtung Familie gedacht habe.\nAber vielleicht unterbewusst schon, weil man hört natürlich dann dies und das und sieht und liest dies und das und bildet sich dann wahrscheinlich schon auch irgendwie unterbewusst so seine eigenen Wahrheiten. Und ich schätze so im Nachgang, wenn ich drüber nachdenke, hat mich das schon auch bisschen beeinflusst, zu sehen, welche Faktoren einem helfen, Karriere zu machen und welche vielleicht eher hinderlich sind. Und das sehe ich heute sehr klar und versuche in meinem Unternehmen eben auch sehr viel dafür zu tun, Frauen zu fördern, auch Karriereschritte von Frauen zu fördern im Unternehmen. Gerade dann, wenn sie vielleicht sogar junge Mütter sind oder vorhaben, Mütter zu werden.",
    "end": 566.0
  },
  {
    "start": 630.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nHättest du den Schritt denn auch gewagt, wenn deine Freundin gesagt hätte, sie bleibt bei der Krankenkasse?",
    "end": 636.0
  },
  {
    "start": 639.0,
    "text": "DR. INA LUCAS:\nInteressante Frage.\nIch vermute ja und ich vermute gleichzeitig, dass ich es womöglich dann mit jemand anders zusammen gemacht hätte. Weil mir schon klar gewesen ist, dass so ein Unternehmen davon profitiert, wenn 2, vielleicht sogar 3, muss man immer sehen, irgendwie in Führungsverantwortung sind. Gerade im Bereich der Apotheke vor Ort ist es ja so. Wir sagen immer, das ist toller Arbeitgeber oder toller Arbeitsbereich, wo Beruf und Familie irgendwie vereinbar sind. Wir haben eine wahnsinnig hohe Teilzeitquote, in den Apotheken und eben wahnsinnig viele Frauen, die in Apotheken arbeiten. Und gleichzeitig muss das ja irgendwie auch für die Apothekenleitungen gelten dürfen, dass man auch vielleicht mal ein, 2, 3 Kinder bekommt, wie auch immer. Und da glaube ich, haben wir auch als Apothekenleiterin natürlich einen Auftrag. Das nicht nur, ich sag mal, hinzunehmen oder so als Gott gegeben, na ja, wo viele Frauen arbeiten, da ist halt viel Teilzeit und so und wenig Karriere, das halte ich für einen falschen Duktus, sondern eben gerade zu sagen, da, wo viele Frauen arbeiten und auch in Teilzeit muss es trotzdem möglich sein, Karriere zu machen.\nAuch wenn ich jetzt an dieser Stelle ganz klar und deutlich sagen muss, Maria ist die Beste, mit der ich es hätte machen können. Und unsere Historie zeigt es auch.\nWir machen das jetzt seit ja fast 12 Jahren zusammen und also es gibt nichts und gar nichts, was ich verbessern wollen würde, mal abgesehen von unserer gemeinschaftlichen Performance. Das wollen wir immer. Aber mit ihr kann ich über alles sprechen. Sie sieht schon an meinem Blick, ob mir was gefällt oder nicht, ob wir irgendwie, ja, ob wir den Kurs verändern müssen. Wir sind in 'nem super Austausch miteinander. Wir sind sehr nachsichtig miteinander. Wir sind aber auch in gewissen Situationen ganz klar, auf wessen Schreibtisch jetzt die entsprechende Aufgabe liegt.",
    "end": 683.0
  },
  {
    "start": 767.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nWie teilt ihr euch denn auf? Das wäre meine Frage tatsächlich auch gewesen. Also habt ihr Gebiete, die jeder übernimmt? Habt ihr Zeiten, die übernommen werden, oder wie sieht bei euch geteilte Führung aus?",
    "end": 779.0
  },
  {
    "start": 779.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nJa, das hat sich natürlich jetzt auch bisschen geändert mit meinen neuen Funktionen, aber ich sprech mal vielleicht von der Zeit davor, wo wir beide, ich sag mal in Anführungszeichen, nur Apothekenleiterin gewesen sind. Da haben wir es so gemacht, dass wir thematisch erst mal auf jeden Fall geteilt haben. Also ich bin die Kollegin sozusagen, die den Personalbereich vollumfänglich verantwortet hat, immer schon. Mitarbeiterführung, Mitarbeiterentwicklung, auch Dienstpläne, all das. Und Maria hat ganz viel Fokus gehabt auf dem Bereich Verwaltung, im Prinzip Prozessorganisation, Struktur. Das waren, das waren so erst mal die groben, die groben Schwerpunkte.\nUnd immer dann, wenn wir ein neues Projekt sozusagen gemacht haben, also zum Beispiel filialisiert haben, dann war das auch klar, ich war so diejenige, die sich um das ganze Thema Marketing, PR, Kundenbindung, all das gekümmert hat. Und Maria war so ein bisschen die Baumanagerin zum Beispiel. Also wenn wir jetzt irgendwie neu gebaut haben, war sie diejenige, die wusste, wo welches Klimagerät angeschlossen wird und so weiter. Also das war auch immer, immer super, dass wir da wussten, okay, das ist was für mich oder das ist was für sie.\nUnd was die Arbeitszeiten betraf, haben wir das immer son bisschen auch abhängig gemacht davon, wie grad die Familiensituation des jeweils anderen gewesen ist. Wer hat grade Kind bekommen oder so? Wer hat grad welche Familienherausforderungen? Und haben das so organisiert, dass wir im Prinzip immer ein ähnliches Stundenvolumen operativ gemacht haben und ein ähnliches Stundenvolumen dann natürlich strategisch.\nUnd umso größer der Verbund wurde, umso mehr, klar, war strategische Arbeit nötig für uns. Wir haben dann auch eine Unternehmensstruktur eingezogen, haben uns durch so ein Managementteam quasi Entlastung auch gesucht bei der Bearbeitung der Themen und sind da eigentlich, glaube ich, an ganz, ganz optimalen, ja, Organigramm rausgekommen, muss man sagen.",
    "end": 823.0
  },
  {
    "start": 906.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nGeteilte Führung ist ja generell großes Thema, auch in der Medizin, nicht nur in der Pharmazie. Ganz generell, würde ich sagen. Du hast jetzt 12 Jahre Erfahrung. Wenn Du jetzt jemanden, der sich quasi einen Sparringspartner oder eine Sparringspartnerin gerade sucht, beraten müsstest. Was würdest Du aus deiner Erfahrung sagen, sind ganz wichtige Punkte, die man bei der Auswahl dieser Person berücksichtigen sollte?",
    "end": 931.0
  },
  {
    "start": 932.0,
    "text": "DR. INA LUCAS:\nDas ist eine tolle Frage, weil das ist, glaube ich, echt und wirklich essenziell für den Erfolg der Unternehmung, egal was man da vorhat. Man muss jemanden finden, der und ich glaube, das ist das absolut entscheidendste Kriterium, der vom Mindset her genauso ist wie man selbst, der die gleiche Lust und Power für das Thema hat. Man muss merken, finde ich, ob jemand auch eigeninitiativ irgendwie Dinge anschieben kann. Also dieses ganze Thema viel reden und dann nix anschieben oder nix machen. Das glaube ich, kennt jeder von uns.\nWenn man also merkt, da ist jemand, der der eigenverantwortlich und eigenständig sich wirklich kümmert und auch mit Ergebnissen, ich sag mal, proaktiv auf den jeweils anderen zugeht und sagt, hör mal, ich hab mir Gedanken gemacht, dies und das wär mir wichtig und so weiter. Wenn man so jemanden findet, dann sind das sehr, sehr, sehr gute Voraussetzungen, finde ich.\nEin zweiter Punkt wär für mich, dass man eher dem anderen was gönnt, als dem anderen was zu neiden. Das ist eine Haltungsfrage aus meiner Sicht. Und ich neige dazu, immer mehr geben zu wollen als nehmen zu wollen. Das ist ja, ist einfach in mir drin.\nUnd ich glaube, dass das auch hilft dabei, wenn man weiß, dass jeder immer individuell in ner Lebenssituation ist, die eben mal was zulässt und mal was nicht zulässt, Und dass man dann miteinander transparent darüber spricht und sagt, Du, pass auf, so und so ist das gerade bei mir. Das und das kann ich schaffen, das und das nicht. Und dass daraus nicht sofort eine Neiddebatte resultiert, sondern eher Verständnis erwächst und man zusammen versucht, eben Lösungen zu finden und vielleicht auch Zeiträume abzustecken, wo man sagt, pass auf, machen wir das jetzt mal halbes Jahr so und schauen dann noch mal, evaluieren noch mal nach, ob das so bleiben kann oder nicht.\nUnd das sind für mich die wesentlichen Punkte. Also wohlwollend miteinander sein und das gleiche Mindset haben. Ich glaube, das sind so die, ja, die beiden Riesenpunkte.",
    "end": 935.0
  },
  {
    "start": 1071.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nAber sonst darf man sehr unterschiedlich sein oder seid ihr ja wahrscheinlich. Weil Du sagst, ihr habt ganz klar, von Anfang an war klar, wer was übernimmt, dann ist ja auch klar, dass da Unterschiede da waren.",
    "end": 1082.0
  },
  {
    "start": 1082.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nJa, ich glaube, das ist son bisschen unser Geheimnis. Maria und ich, wir funktionieren einfach komplett anders. Das ist wirklich lustig. Wirklich, also während man mich permanent ansprechen kann, braucht Maria Struktur. Während sie aber alle ihre Deadlines auf die Sekunde einhält, kann mir das passieren, dass jemand sagen muss, sag mal, hattest Du gesehen das? Und so.\nWir funktionieren wirklich unterschiedlich, aber das macht, glaube ich, genau die Power aus, die wir haben. Wir haben das mal auch bisschen analysiert. Ich bin so der Motivator. Ich kann mich stark machen für neue Sachen. Ich kann Leute wirklich mitreißen. Ich hab eine gute Kommunikation und Maria räumt letztlich hinter mir auf, muss man sagen.\nDie sagt dann, alles gute Ideen, aber umsetzbar davon sind nur 2 und zwar deswegen.\nUnd dann sagt die auch, das ist unser Fahrplan und so könnten wir's tun und das ist essenziell.\nDu brauchst immer jemanden, der, ich will mal sagen, von Ast zu Ast hüpft und mit Begeisterung neue Sachen ins Unternehmen bringt. Und Du brauchst jemanden, der sagt, okay, was davon ist in mit unseren Mitteln in unserem Rahmen möglich? Und das funktioniert bei uns total herausragend, glaube ich.",
    "end": 1086.0
  },
  {
    "start": 1165.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nMaria war die erste von euch, die quasi sich auch standespolitisch engagiert hat. Du standst dem Ganzen son bisschen skeptisch gegenüber. Warum?",
    "end": 1175.0
  },
  {
    "start": 1177.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nGenau, also Maria hatte wirklich direkt, nachdem wir gegründet haben, nahezu im Folgejahr, sich im Berliner Apothekerverein engagiert.\nUnd wie das eben so ist, solche Berufsvertretungen, die folgen ja dann bestimmten Mustern.\nDa gibt es Gremiensitzungen, da gibt es dann demokratische Abstimmung und so was.\nUnd es lag mir einfach gar nicht, ja?",
    "end": 1206.0
  },
  {
    "start": 1206.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nAlles zu langsam.",
    "end": 1207.0
  },
  {
    "start": 1208.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nGenau, alles zu langsam und noch mal noch eine Schleife und so. Das konnte, das konnte ich ganz schlecht aushalten. Und Maria aber schon. Die ist dafür eigentlich schon auch gemacht gewesen, immer da auch diese Entscheidungskette einzuhalten und so weiter und so fort.\nUnd ich hab oft gedacht, ich bewundere sie dafür, dass sie das schafft irgendwie, weil ich, manchmal hätte ich wahrscheinlich gesagt, boah, ich komme hier keinen Millimeter weiter.\nIch muss jetzt hier wieder weg.\nSo und dann wird man ja aber selber älter, ich auch, und merkt so ein paar Sachen, die schleifen sich bei einem selber eben auch ab. Also gerade Maria und ich, wir haben dann eben lange ja auch letztlich in so eine Art Gremium zusammengearbeitet, zu zweit und jetzt nachher mit dem Managementteam auch eben mit ein paar mehr Leuten. Da musst Du schon klar ein bisschen auf den Konsens gucken und auch ein bisschen die Diskussion und den Diskurs fördern, damit am Ende vielleicht auch alle mit dem Konsens leben können und so. Und das hat mich, glaube ich, so ein bisschen fähiger gemacht, will ich mal sagen.\nIch glaube auch, dass meine diplomatischen Fähigkeiten auch gewachsen sind über die Jahre, was vielleicht mit der Aufgabe der Personalführung auch zu tun hatte. Wenn man viele Leute führt und irgendwie viele Gespräche führt. Ich hab sehr früh angefangen, Feedbackgespräche bei uns einzuführen, eine Kultur zu machen, wo wir miteinander wirklich reden darüber, was können Ziele sein? Wie wollen wir miteinander umgehen? Wir haben früh uns um Unternehmenswerte gekümmert und all sowas. Wenn man dann quasi anfängt, Debatten zu führen und merkt, wo der eine oder andere vielleicht, ja, schwer zu überzeugen ist und woran es möglicherweise liegt, dann lernt man da dazu. Und ich glaube, ich hab da viel dazugelernt und bin, glaube ich, jetzt einigermaßen geeignet für Gremien.",
    "end": 1237.0
  },
  {
    "start": 1320.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nDu würdest sagen, Du hast dich verändert, aber nicht die Gremien?",
    "end": 1325.0
  },
  {
    "start": 1326.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nDas ist jetzt fies, aber ich würde vielleicht sagen, ja.",
    "end": 1329.0
  },
  {
    "start": 1331.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nAber was gab denn am Ende wirklich, kannst Du dich an den Moment oder irgendwie das Ausschlaggebende erinnern, warum Du dann tatsächlich gesagt hast, okay, ich mach's doch.",
    "end": 1340.0
  },
  {
    "start": 1340.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nJa, also das ist natürlich immer son bisschen der Pioniergedanke oder der Robin Hood Gedanke oder ich weiß nicht, wie Du das nennen willst, aber ich veränder jetzt noch mal was.\nIch helfe jetzt dabei, vorwärts zu kommen, weil mir persönlich liegt ja und das ist ja mein Motor eben seit jeher. Mir persönlich liegt ja die Versorgung sehr am Herzen. Und zwar eben die Versorgung der Patientinnen und Patienten auch durch Apotheken vor Ort.\nUnd ich glaube, wir setzen was aufs Spiel als Gesellschaft, wenn wir dieses Konstrukt irgendwie untergehen lassen. Und ich hab mir überlegt, ich will bis zu meinem letzten, zumindest beruflichen Atemzug dieses Thema schon auch forciert mittreiben.\nDass wir als Gesellschaft eine Entscheidung treffen, die möglichst bedeutet, die Apotheke vor Ort gehört in die Gesundheitsversorgung zentral hinein. Und wenn man son Motor hat und dann weiß, na ja, wenn ich dafür einstehen will und das wirklich nach vorne bringen will, dann muss ich vielleicht auch in diese Gremien hinein. Und da ist es son bisschen, wer A sagt, muss auch B sagen. Das das ist, glaube ich, die Kette gewesen.\nMan hat mich dann gefragt, ob ich mir was vorstellen kann. Ich hab erst gesagt, ich weiß nicht. Und dann kommt man da eben ins Denken. Und mir war eben auch klar, man kann nicht immer nur in Anführungszeichen nur, kritisieren oder sagen, oh, es läuft alles nicht oder wird immer alles schlechter und sich dann auf der anderen Seite aber nicht auch selber wirklich engagieren. Und ich habe eben versucht, auch gerade jetzt im letzten Jahr ganz massiv dafür zu sorgen, dass dieses Thema Apotheke vor Ort und Apothekerinnen vor Ort erst mal Sichtbarkeit bekommen. Dass wir stattfinden, dass wir auch eingeladen werden, wenn irgendwo Gesprächsrunden stattfinden, egal wo, dass wir da mitgedacht werden. Dass irgendjemand sagt, sag mal, haben wir an die Apotheken gedacht? Und das ist beim Impfen zum Beispiel supergut gelungen.\nDa haben die Kollegen natürlich auch eine super Vorarbeit geleistet, aber jetzt ist es so, fast alle, die zumindest in der Blase unterwegs sind, haben das auf dem Schirm, dass Apotheken irgendwie bei den Impfungen mit am Start sind.",
    "end": 1365.0
  },
  {
    "start": 1473.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nAlso ich kann dir sagen, wir hatten auf ApothekenUmschau.de einen Artikel zur langen Nacht des Impfens, ist einer der bestgeklicktesten gewesen. Die Leute interessiert das total, weil das natürlich ein sehr niedrigschwelliger Zugang zu diesem Service ist. Du musst nicht beim Arzt deinen Termin vereinbaren, der dann in 2 Wochen stattfindet, Dann vielleicht noch im Wartezimmer sitzen mit hustenden Patient*innen.",
    "end": 1502.0
  },
  {
    "start": 1502.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nAlso und da glaube ich, haben wir noch … Also beim Impfen hat das hervorragend funktioniert, ist auch ein sehr guter Ansatz.\nIch glaube aber, wir haben noch mehr Möglichkeiten in der Apotheke vor Ort, eben solche Leistungen rund um das Arzneimittel, um Gesundheit oder auch Krankheit und Therapie zu highlighten und irgendwie wirklich das Spotlight drauf zu richten und dabei würde ich gerne helfen und das heißt eben auch Gremienarbeit machen.",
    "end": 1526.0
  },
  {
    "start": 1528.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nStehst du denn damit auch für eine andere neue Generation von Apotheker*innen?",
    "end": 1533.0
  },
  {
    "start": 1536.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nHabe ich schon öfter mal gehört, die Frage. Ich glaube, dass das ganz normal ist, dass die Menschen, die vielleicht dann frisch in den Beruf kommen, noch mal andere Gedanken dazu haben als Menschen, die vielleicht sehr lange schon dabei sind. Was man auch, glaube ich, sehen muss, ist, auch die pharmazeutische Ausbildung hat sich ja verändert. Wir haben ja kommen ja jetzt mit einem Dienstleistungsspektrum in Berührung, wo wir als Apothekerinnen auch anders an den Patienten müssen. Also grad Impfung ist auch wieder gutes Beispiel. Plötzlich bin ich da im 1 zu 1 in so einem Raum mit jemandem. Und mach auch noch was mit dem, also ich fass den an und so was.\nUnd ich glaube, das ist etwas, was viele, viele Jahre zuvor eher eben mit der ärztlichen Tätigkeit verbunden worden ist. Und es gibt vielleicht auch Kollegen, die sagen, ja, aber ich bin ja deswegen Apothekerin geworden, weil ich genau das nicht wollte. Also, gibt's auch. Und das das kann ich auch nachvollziehen. Nur es die Zeiten ändern sich. Die Zeiten ändern sich aber immer wieder. Also das ist jetzt ja nichts, was nun für diese Epoche unique ist, sondern das ist ja etwas, was immer wieder vorkommt, dass sich Dinge verändern.\nUnd ich glaube, wir haben hier gerade vielleicht 'n Schlüsselmoment oder Schlüsseljahr, weil eben eine Apothekenreform ins Haus steht, wo wir klar es aktiv in der Hand haben, ob wir als Berufsstand weiterhin Relevanz besitzen werden und relevant sein werden in diesem Kontext Gesundheitsversorgung oder ob wir uns ja, ich will das Wort nicht immer so bemühen, aber ob wir uns verzichtbar machen, weil es am Ende um eine Arzneimittel-Logistik geht, die irgendjemand machen kann und eine ärztliche Aktion, oder ob es eben eine Schnittstelle gibt, so wie uns, die die Therapie, die ärztliche, und das Arzneimittel so zusammenbindet und so auch ausgestaltet, dass der Mensch, der hier quasi eine Behandlung und eine Therapie benötigt, sie optimal anwenden kann, damit sie optimal wirken kann und damit alles, was dranhängt, Folgekosten und so weiter, auch minimiert werden können.\nAlso ich glaube, wir haben jetzt hier eine Chance, wirklich Gestalterinnen zu werden.",
    "end": 1574.0
  },
  {
    "start": 1695.0,
    "text": "KAPITEL – „Warum Frauen noch nicht da sind, wo sie sein könnten“\nJULIA ROTHERBL: \nWie schade findest Du es, dass Du in den Gremien wenig Frauen hast, die dieses Thema mit dir gemeinsam angehen? Also jetzt zumindest an den Spitzen der Gremien, sieht’s jetzt dafür, dass das Apothekenpersonal, über 90 Prozent wahrscheinlich weiblich ist, schlecht aus, was die Frauenquote anbelangt.",
    "end": 1717.0
  },
  {
    "start": 1719.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nSagen wir mal, ich sage ausbaufähig, was die Frauenquote anbelangt.\nAlso ich persönlich setze so gut es irgendwie geht immer auf gemischte Teams. Also auch bei mir in der Apotheke. Wir haben einigermaßen viele männliche Kolleginnen, Kollegen auch bei uns, die wirklich dazu beitragen, dass wir ein extrem ausgewogenes Miteinander haben. Und ich glaube, das muss auch sein. Wir haben im ABDA-Vorstand jetzt die Situation, da sind 7 Menschen, 4 davon sind Frauen, 3 sind Männer. Ist richtig, was Du sagst. Die Spitzenpositionen sind alle männlich besetzt. Also der ABDA-Präsident ist männlich, der DAV-Chef ist männlich, der BAK-Präsident ist männlich.\nSo, genau, die Vizes und auch die Kollegin aus der Angestelltenvertretung und die Hauptgeschäftsführerin und die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin sind jetzt weiblich.\nAlso es gibt sehr, sehr viele Frauen, die da in diesem Kontext auch unterwegs sind und die sich einbringen, was ich sehr schätze.\nUnd ich glaube auch, vollkommen richtig, wir können noch daran arbeiten, dass wir mehr Frauen die Chancen ermöglichen, eben da auch an Spitzenpositionen zu kommen.\nWieder kurz der Rückblick. Frauen haben andere Lebensphasen als Männer. Und es kann sein, dass eben zu einem Zeitpunkt, wo, ich will sagen, plakativ, so Hüte verteilt werden, man gerade andere Sorgen oder einen anderen Fokus hat, weil man vielleicht gerade ganz frisch Mutter geworden ist oder so etwas. Aber da als Gesellschaft dran zu arbeiten, dass das sozusagen eben kein Nachteil mehr sein muss, sondern dass wir sagen, auch eine Lebensphase, die einen starken Fokus außerhalb der Arbeit oder der Gremienkulturen setzt, muss es möglich sein, die Zeit, die man vielleicht aufwenden kann und möchte, irgendwie auch nutzbar zu machen, für alle, die daran beteiligt sind.\nAber das ist ein gesellschaftlicher Shift. Ich glaube, wir sind da auf dem Weg. Das sehe ich schon. Ich sehe auch, dass deutlich mehr Männer Elternzeiten beantragen, die über die, ich will mal sagen, 2 Monate oder 4 Wochen hinausgehen.\nAlso ich glaub, da passiert was und das hilft auch schon sehr.",
    "end": 1721.0
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  {
    "start": 1856.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nAber wenn Du jetzt rein die Apothekenblase anguckst, wollen die Frauen nicht?\nSie haben bestimmt Gründe, warum sie nicht wollen. Oder ist es auch so, dass die männlichen Netzwerke so stark sind, dass die Frauen vielleicht auch nicht, jetzt sehr überspitzt gesagt, nicht dürfen?",
    "end": 1877.0
  },
  {
    "start": 1877.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nIch glaub, alles bisschen stimmt. Ja, also ich glaub, es ist alles 'n bisschen wahr.\nEs gibt Situationen, da sind die Männernetzwerke extrem gut organisiert und da ist es ganz schwierig. Für mich war's nie schwierig. Im Gegenteil. Bei mir war's sogar so, dass die Männernetzwerke mich angesprochen haben. Also ich glaube, das steht und fällt immer auch bisschen mit dem eigenen Mut zur eigenen Courage oder auch zu sagen, ich trau mir das jetzt zu. \nUnd da hast Du das zweite Thema angesprochen. Frauen kommen manchmal nicht aus der Deckung, weil uns Frauen, glaube ich, son gewisser Perfektionismus in die Wiege gelegt ist. Wir wollen das immer alles zu 100.000 Prozent abgesichert haben, bloß keinen falschen Schritt machen. Ich sage immer, 20-80 ist mein Lebensmotto. Ich komm durch. Und dass ich da wirklich 20-80 gegangen bin, hat vielleicht sogar nur, na ja, der Perfektionist unter uns gemerkt. Ich glaube auch, dass wir uns Frauen gegenseitig noch anders unterstützen dürfen. Ich glaube, das ist auch Thema. Also es ist wirklich ein bunter Blumenstrauß, warum Frauen noch nicht da sind, wo sie vielleicht sein könnten. Ich merke, dass gewisses Konkurrenzdenken immer mal auch auftaucht, untereinander, was Männer nicht so haben. Männer gehen da eher andersrum heran. Die sagen, na ja, wenn einer von meinen Buddys jetzt irgendwie hochrutscht, dann ist die Wahrscheinlichkeit und die Chance, dass ich mitrutsche, bei Gelegenheit, recht groß. \nBei Frauen bemerke ich das andersrum. Da ist jetzt jemand, der hat eine Stelle bekommen und dann ist es son bisschen wie, na ja, ich hab gegen die Frau verloren, ja, dann ordne ich mich jetzt irgendwie ein und weiß nicht, guck mal, ob ich hier überhaupt bleiben will oder ob ich nicht dann vielleicht was ganz anderes mache oder so was.\nAlso die Chancen zu sehen, die es vielleicht auch mit sich bringt, wenn jemand, den man kennt, irgendwo ist. Und das soll nicht bedeuten, dass es am Ende immer nur um Absprache und Vitamin B geht. Das ist Quatsch, aber das ist uns allen ja klar. Ich arbeite da besonders gerne, wo viele Menschen um mich herum sind, mit denen ich gut zurechtkomme. Das ist was ganz Urmenschliches. Da werde ich mich wohlfühlen, und da werde ich auch produktiv sein. Und in dem Moment, wo ich mit jemandem gut zusammenarbeite, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich Karriere mache, einfach auch größer.\nAlso ich glaube, dass da können wir Frauen vielleicht von den Männern auch noch ein bisschen was lernen.",
    "end": 1892.0
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  {
    "start": 2032.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nWenn man sich die Medizin anschaut, dann ist dieses Thema Parität jetzt mittlerweile ein sehr großes. Also es gibt ja immer mehr Vereine, die sich speziell diesem Thema widmen, sowohl Ärztinnenbund, also quasi über alle Bereiche hinweg, aber auch zum Beispiel die Chirurginnen, also einzelne Fachbereiche. Ich bin mir gar nicht so sicher, so von außen betrachtet, ob das bei den Apotheker*innen eigentlich so ein Thema ist.\nAls Frau Overwiening die erste ABDA-Präsidentin wurde, habe ich jetzt nicht so wahrgenommen, als würden die Frauen in der Apothekenbubble das so deuten, dass jetzt eine von ihnen quasi an die Spitze der Standesvertretung gegangen ist?",
    "end": 2073.0
  },
  {
    "start": 2073.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nNee, ich glaube, das ist so. Also, wie soll ich sagen, das war schon schön. Also wir haben uns alle sehr gefreut. Das ist gar keine Frage. Und ich bin aber sicher, dass mein Berufsstand und das ist jetzt vielleicht auch bisschen über alle ausgerollt, aber wir freuen uns viel nach innen.\nAlso das ist son bisschen auch das, was ich vorhin versucht habe, anzusprechen.\nWir machen so viel möglich an so vielen Stellen und wir sprechen aber nicht laut drüber.\nAlso wir haben einen sehr engagierten Berufsstand, der aber relativ leise arbeitet.\nDas merkt man, wenn man in Politik kommt. Oder kam, bevor jetzt diese ganze Apothekenreformdebatte losging, habe ich oft den Satz gehört, na, von euch, Apothekern hört man ja auch gar nix. So, ihr seid also, ihr seid still irgendwie. Und das ist interessant, weil wir das natürlich selber gar nicht so empfinden würden, als wären wir nur so still.\nAber ich glaube, das ist schon eine Wahrnehmung, die es gibt und da hast Du Punkt.\nAlso da ist endlich eine Frau ABDA-Präsidentin geworden und so richtig auf der Straße die Cheergroups waren nicht zu erkennen.\nIch glaube aber auch, dass wir bisschen gucken müssen, Frau alleine ist jetzt auch nicht King, \nAlso Du musst schon auch ein Leistungsportfolio mitbringen. Du musst 'n 'n Charakterkostüm mitbringen, was reinpasst. Du musst letztlich auch Stück weit Kraft mitbringen, dich auch bisschen durchzusetzen und so was. Alles das, glaube ich, liegt uns Frauen auch nicht originär so immer in der Wiege, aber das kann man lernen. Und ich glaube, da kommt eben viel zusammen. Ich glaube einfach zu sagen, na ja, lass uns Parität machen, weil die Gesellschaftsteile 50 Prozent Männer, 50 Prozent Frauen sind. Also ist es logisch, das so zu machen. Kann ich nachvollziehen.",
    "end": 2096.0
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  {
    "start": 2193.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nAber bei den Apothekerinnen ist es doch ganz anders. Also da sind die Anteile noch mal ganz anders. Also da ist 50-50 ja …",
    "end": 2202.0
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  {
    "start": 2203.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nJa, weit entfernt eigentlich. Aber da kommen wir auch aus der Historie. Der Apothekenleiter war immer der Mann. \nAlso das war so und ich kann dir eine Geschichte erzählen, ich freue mich immer sehr darüber und die erzähle ich auch, wenn's passt. Ich hab mal einen Kunden bedient, in meiner Apotheke und wir haben gesprochen und ich hab ihn beraten und so weiter. Und dann waren wir mit dem Gespräch beendet und da hat er zu mir gesagt, darf ich Ihnen sagen, richten Sie Ihrem Chef bitte aus: Das war richtig, richtig gut. Richtig gutes Gespräch. Und dann hab ich gesagt, Moment, geben Sie mir eine Sekunde, das mach ich. Und dann bin ich weggegangen und bin zurückgekommen und hab gesagt, ah, meine Kollegin hat Sie eben beraten und das war besonders gut. Danke fürs Lob.",
    "end": 2217.0
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    "text": "JULIA ROTHERBL: \nWie lange hat er gebraucht, um's zu verstehen?",
    "end": 2254.0
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    "start": 2255.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nDas war witzig, weil er hat dann gelacht und wir haben beide gelacht natürlich, aber es war mir ein inneres Blumenpflücken, da einmal kurz zu sagen, guck mal, die Zeiten haben sich geändert.\nAber ich glaube, das ist eben was, was Du sagst, wir haben so viele Frauen im Berufsstand und wir müssen die sichtbarer kriegen und das passiert auch. Immer mehr Frauen übernehmen Apotheken, auch in diesen wilden Zeiten, finde ich großartig, trauen sich dann was zu und das ist dann wieder die Stärke, glaube ich, unserer Geschlechtsgenossinnen, Hemdsärmel hochkrempeln und wirklich bis zur Erschöpfung schaffen. Das können viele Frauen und auch Apothekerinnen sind da echt starke Kämpferinnen.",
    "end": 2297.0
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    "start": 2297.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nWie ist es denn generell, weil ich jetzt ja den Vergleich so bisschen mit den Mediziner*innen gezogen habe, wie ist es denn eigentlich so gesundheitsberufsübergreifend? Ich hab so den Eindruck, dass dieses Thema Frauenförderung in im Bereich Medizin, Gesundheit, Pharmazie manchmal so spartig angegangen wird. Also es gibt dann zum Beispiel die Health Care Frauen, das sind dann die, die aus der aus der Industrie kommen. Dann gibt's quasi Frauenförderung im Bereich der Pharmazie. Dann gibt's eben Frauenförderung im Bereich der Medizin. Man könnte ja auch gemeinsam das angehen. Und ich hab bei dir auf LinkedIn gesehen, dass Du auch auf einem so einem Event warst, wo das versucht wurde. Wie ist denn eigentlich so die Situation zwischen den Apothekerinnen und den Ärztinnen? Also gibt's da … Hast Du das Gefühl, da zieht man auch an einem Strang, was zum Beispiel das Thema Frauenförderung angeht? Oder macht's dann doch jeder für sich?",
    "end": 2331.0
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  {
    "start": 2357.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nAlso ich glaube, wir sind, was den Status Quo betrifft, noch beim Jeder für sich. Das ist so.\nWir versuchen aber gerade, dieses übergeordnete Bild zu zeichnen, dass es klug wäre, professionsübergreifend Frauenförderung zu verstehen und auch zu machen. Also fördern bedeutet ja, dass es etwas schon gibt, was man nur fördert.\nDa sind wir ja aber gar nicht gewesen bisher, sondern wir haben versucht, oder einzelne Frauen haben vielleicht versucht, für ihren Berufsstand was zu erreichen und haben sich eben engagiert und Du hast die HCF angesprochen. Conny Wanke ist, glaube ich, son Vorbild. Die hat das aufgesogen und die. wo immer sie kann, spielt sie das. \nAber vollkommen klar, eine alleine reicht nicht und selbst son Netzwerk wie die HCF müssen sich weiter dafür stark machen und zwar nicht in so in so 'ner Einzelaktion, sondern das muss quasi immer mitschwingen. Und was mir zum Beispiel eben auffällt, wir haben manchmal Veranstaltungen und es gibt wirklich, wirklich, wirklich supergute Frauenexpertinnen und auf dem Podium sitzen aber doch wieder nur Männer. Da sind wir immer noch. Ich glaube, manchmal gibt es irgendwie keinen richtigen Hebel, da rein zu grätschen und zu sagen, ich glaub, wir müssten die Besetzung anders machen. Hier muss sich sozusagen das Mindset aller Beteiligten ändern. Wenn jemand eine Veranstaltung konzeptioniert, dann muss er sagen, also mein Ziel ist meinetwegen 50 50 bei den Präsentatoren. Oder ich will im Auditorium meinetwegen, 50 Prozent Frauen, 50 Prozent Männer. Aber dass irgendwie ein Bewusstsein dafür existiert, dass Veranstaltungen immer dann besonders gut sind, wenn wir heterogenst besetzen. Da müssen wir alle an unserem Mindset arbeiten. Da können wir Frauen vielleicht im Zweifel auch nur bedingt Förderungen betreiben, wenn sich das Mindset vielleicht bei dem Veranstalter, in Klammern Mann, Klammer zu, noch nicht gebildet hat, dass es irgendwie gut wäre, auch mal eine Professorin einzuladen oder einfach eine Kollegin aus der Praxis oder so was. Das versuche ich zum Beispiel. Immer wenn wenn's darum geht, dass wir in unserem Berufsstand Veranstaltungen machen, sei es mit der Bundesapothekerkammer oder auch mit der ABDA oder so, dass wir gemeinsam drauf achten, dass wir auch Frauen beteiligen und da nicht nur ob des Geschlechtes, sondern eben auch wirklich zu sagen, da gibt es Expertinnen, die haben wirklich Expertise, die sind lange im Geschäft, die haben was zu erzählen, die sind eloquent, die kommen auf Bühnen auch gut rüber, die sollte man unbedingt zu den Themen, die wir uns hier setzen, befragen. Und da, glaube ich, sollten wir alle zusammen dran arbeiten. Und Bewusstsein ist aus meiner Sicht immer der erste Schritt.\nWenn mir auffällt, dass diese Veranstaltung, zu der ich eingeladen bin, einen Flyer hat, wo nur männliche Gesichter mich anlächeln und ich merke das das erste Mal und denke, interessant, keine Frau dabei. Dann kommen wir, dann kommen wir, glaube ich, vorwärts und da sind wir aber noch nicht. Da müssen wir hin und da müssen wir miteinander immer wieder drüber sprechen, auch wenn's manchmal anstrengend",
    "end": 2405.0
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  {
    "start": 2588.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nJa, da gibt's schönes Zitat von der ehemaligen Vorsitzenden des Ärztinnenbundes.\nSie hat mal gesagt, ich hab mal ein Foto gesehen, da wurden irgendwie Vertreter, also medizinische Vertreter einer Region fotografiert und es waren nur Männer. Und ich hab das sofort gemerkt und hab mich gefragt, warum haben's denn die Männer in dem Moment überhaupt nicht gemerkt? Dass sie nicht eine einzige Frau auf dieses Foto geholt haben.",
    "end": 2611.0
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  {
    "start": 2611.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nKein Fokus, keine Awareness, kein Bewusstsein. Also hätte mich interessiert interessanterweise, ob man hätte mal machen können folgenden Versuch: Man hätte den Männern das Foto gezeigt und gefragt, fällt ihnen etwas auf? Also nicht, was fällt ihnen auf? Also Du dir muss was auffallen jetzt, sondern fällt ihnen an diesem Foto etwas auf? Und mich hätte interessiert, wie viele von den befragten Männern gesagt hätten, keine Frau. Meine These wäre, Stand heute, noch zu wenige.",
    "end": 2632.0
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  {
    "start": 2645.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nUnd wirst Du mal ABDA-Präsidentin? \nWillst Du vielleicht nicht beantworten?\nIch will's trotzdem fragen.",
    "end": 2656.0
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  {
    "start": 2656.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nEhrliche Antwort: Ich weiß es nicht.\nVerschiedene Gründe. Also wir haben einen ABDA-Präsidenten, der ist gewählt bis 2029 oder 2028/29. Was bis dahin passiert, weiß ja kein Mensch.\nUnd wo wir stehen mit den Apotheken vor Ort, bis dahin kann ich mir nur was wünschen. Ob wir da ankommen, wird man sehen.\nUnd wenn wir das geschafft haben oder schaffen, dass sich was abzeichnet, am Horizont, dass wir mit der Apotheke vor Ort eine Relevanz im Gesundheitswesen haben. Dann können wir irgendwann noch mal sprechen, ob ich berufspolitisch noch weiter mich engagiere oder ob vielleicht ganz viele junge neue Kolleginnen dann auch schon so weit sind, dass sie sagen, jawoll, es sind gute Zeiten jetzt, hier kann ich was bewegen und mithelfen, dass wir aktiv vorankommen und die und kann schon den Staffelstab übergeben.\nAlso das ist auch für mich jederzeit denkbar. Also ich freue mich sehr, wenn wir Kolleginnen und Kollegen haben, die die Lust haben auf den Job, die da mitmachen wollen und wär die Letzte, die jetzt da irgendwie an irgendeinem Stuhl klebt. Nicht meine Art, sondern wirklich zu sagen, die Besten zur besten Zeit, die sollen's machen und das halte ich für eine gesunde Einstellung für uns alle.",
    "end": 2672.0
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  {
    "start": 2736.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nNa, ich freue mich sehr, dass Du meine Gästin warst. Hat mir sehr viel Spaß gemacht.",
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  {
    "start": 2739.0,
    "text": "DR. INA LUCAS: \nMir auch, Julia. Danke. Es war schon, so kurz, kurz angefühlt hat sich's aber toll, toll. Vielen Dank.",
    "end": 2741.0
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  {
    "start": 2741.0,
    "text": "JULIA ROTHERBL: \nWenn ihr noch mehr über Apothekerinnen und Apotheker hören wollt oder euch generell für das Thema Pharmazie interessiert, dann lege ich euch einen anderen Podcast von gesundheit-hören ans Herz, nämlich Impact. Da geht es unter anderem um Medikationsfehler und um Wechselwirkungen von Arzneien. \nDie nächste Folge dieses Podcast, also von „Frau Doktor übernehmen Sie!“, gibt's am zweiten März. Ich freue mich, wenn ihr wieder einschaltet.",
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  {
    "start": 2782.0,
    "text": "SPRECHERIN: \nEin Podcast von gesundheit-hören und Apotheken Umschau Pro.",
    "end": 2785.0
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