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    "text": "Andrea Sawatzki:\nWisst ihr, wie man Mumien „auf ägyptische Art“ macht? Oder besser gesagt: wie die alten Ägypter sie gemacht haben? \nIst eigentlich ganz einfach: Man nehme einen toten Pharao. Als erstes wascht ihr ihn gründlich, dann stecht ihr durch die Nase ins Gehirn und verquirlt es, bis es zu einem zähen Brei geworden ist, den ihr dann mit einem Haken aus dem Nasenloch zieht. \nAls nächstes wird der Leib aufgeschnitten und ein Großteil der inneren Organe rausgeholt. Das Herz könnt ihr drin lassen. Die Eingeweide wascht ihr gründlich in aromatischen Essenzen und legt sie anschließend zum Trocknen in Natron ein. Natron ist einfach superpraktisch, kann man immer gebrauchen, beim Backen, beim Putzen, beim Mumienmachen - ich hab immer ein paar Päckchen zuhause.\nJedenfalls: So ungefähr lief das ab, damals vor ein paar tausend Jahren. Nach mehreren Wochen wurden die Organe für die Ewigkeit in spezielle Gefäße gepackt, die sogenannten Kanopen, die dann zusammen mit dem Leichnam in der Grabkammer aufbewahrt wurden. Eine Kanope für die Lunge, eine für den Magen, eine für die Leber und eine für die Gedärme. \nUnd jetzt wird es für uns und diese Episode interessant: Gelegentlich wurden Kanopen gefunden, deren Inschriften so etwas wie „Darmwurm“ bedeuten. Es gibt die Theorie, dass damit der Wurmfortsatz, der „Appendix“ gemeint war, das kleine Anhängsel am Blinddarm, um den es gleich gehen wird. \nWenn das stimmt  – wenn die Ägypter wirklich um die Existenz des Wurmfortsatzes wussten - waren sie allen anderen um viele Jahrtausende voraus. Denn erst in der Renaissance wird man in Europa auf diesen kleinen Wurm aufmerksam. Und damit sind wir schon genau beim Thema … Ach Moment, kleiner Exkurs noch:\nDas Gehirn wurde beim Mumienmachen übrigens nicht in einer Kanope aufbewahrt - sondern vermutlich einfach weggeworfen. Niemand hatte eine Ahnung, wozu das breiige Zeug gut war, das man den Toten aus der Nase zog. Gut, manchmal hat man den Eindruck, dass einige bis heute nicht wissen, wozu so ein Gehirn gut ist, aber lassen wir das ... \nUnd so wie die alten Ägypter das Hirn für überflüssig hielten, glaubte man bei uns lange Zeit, der Appendix sei vollkommen nutzlos. Das Hirn war quasi der Wurmfortsatz der Ägypter ... ergibt das Sinn? Na egal, jetzt fangen wir aber endlich mal mit der Folge an.",
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    "start": 146.0,
    "text": "Sprecher:\nSiege der Medizin. Ein Podcast von gesundheit-hören - das Audio-Angebot der Apotheken Umschau.",
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    "start": 168.0,
    "text": "Andrea Sawatzki:\nIch bin Andrea Sawatzki und ich begrüße euch herzlich zu „Siege der Medizin“, unserem Podcast zur Geschichte der Medizin.  Zur Erfolgsgeschichte könnte man auch sagen, obwohl dazu natürlich auch verdammt viele Irrtümer, Fehlschläge und gruselige Abwege zählen. Wir lassen Expertinnen und Experten zu Wort kommen, halten uns so dicht es geht an die Fakten, und behelfen uns ab und zu mit unserer Fantasie, um sie lebendig werden zu lassen. \nRäumen wir eine Sache gleich zu Beginn aus. Es geht diesmal um das, was man gemeinhin „Blinddarmentzündung“ nennt – obwohl dabei in aller Regel gar nicht der Blinddarm als Ganzes entzündet ist. Das wisst ihr natürlich, aber klarstellen müssen wir das am Anfang trotzdem einmal. \nGut, dass wir wieder einen Experten dabei haben. Prof. Dr. Michael Sachs ist Chirurg, Medizinhistoriker und Leiter des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der Goethe-Universität Frankfurt. Besser hätten wir es nicht treffen können, denn er hat sich nicht nur aus historischer Sicht mit unserem Thema beschäftigt, sondern viele hundert Male ganz praktisch, im OP.",
    "end": 237.0
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    "start": 237.0,
    "text": "Prof. Dr. Michael Sachs:  \n„Weswegen wir uns hier unterhalten, ist die Entzündung des Wurmfortsatzes am Blinddarm. Also es handelt sich nicht um eine Blinddarmentzündung, sondern eine Entzündung des Wurmfortsatzes am Blinddarm. Eindeutiger ist, wenn man sagt, das ist eine Appendizitis, denn ‚Appendix‘ gibt es ja im Englischen auch noch, der ‚Anhang‘, ist der Anhang an dem Blinddarm und der sieht aus wie so ein kleiner Wurm und deswegen heißt das ‚wurmförmiger Fortsatz am Blinddarm‘ - oder im Lateinischen dann übersetzt \"wurmförmiger Fortsatz\" heißt dann ‚Appendix vermiformis‘. ‚Vermi‘, da ist der Wurm auch drin und ‚formis‘, die Form. Also, auch als Laie kann man das sehr schön übersetzen.“",
    "end": 269.0
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    "start": 269.0,
    "text": "Andrea Sawatzki:\nGenau, da ist der Wurm drin, zumindest, wenn er sich entzündet. Um mal grob die Anatomie zu klären: Der Magen mündet in den Dünndarm. Der ist 5-6 Meter lang, hier werden dem Nahrungsbrei die meisten Nährstoffe entzogen. Danach kommt der gerade mal anderthalb Meter kurze Dickdarm, in dem aus den Resten das gemacht wird, was wir schließlich dem Vergessen und dem kommunalen Abwassersystem übergeben.\nOkay, stellt euch die Därme als Straßen vor. Die lange Dünndarm-Allee biegt direkt in den breiten Dickdarm-Highway. Und an dieser Einmündung gibt es eine Art Sackgasse oder Ausstülpung oder vielleicht besser: Einen Parkplatz. Das ist der Blinddarm. Der Verkehr – der inzwischen halbverdaute Nahrungsbrei - zieht üblicherweise einfach daran vorbei, dreht vielleicht eine kleine Runde oder legt eine kurze Pause ein, bevor es auf dem Highway weitergeht.  \nKaum jemand bemerkt den kurzen, schmalen Trampelpfad am Rande des Parkplatzes, der ohnehin nach wenigen Schritten endet. Das ist der Wurmfortsatz oder Appendix. Er ist nicht für Autos zugänglich und nur selten steigt jemand aus, um sich hier die Füße zu vertreten. \nHm. Naja. Jede Metapher gerät irgendwann an ihre Grenzen. Aber ich hoffe, die Anatomie ist jetzt grob und für unsere Zwecke ausreichend geklärt. Will eigentlich nur sagen: Üblicherweise gelangt keine Nahrung in den Wurmfortsatz. \nEs hat lange gedauert, bis dieser „Trampelpfad“ entdeckt wurde. Wenn man jetzt mal die alten Ägypter außen vorlässt. Diese Entdeckung - oder Wiederentdeckung - fällt zufällig ins Jahr der Entdeckung – oder Wiederentdeckung - Amerikas durch Kolumbus. 1492.",
    "end": 379.0
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    "text": "Prof. Dr. Michael Sachs: \n„Ja, die Geschichte des Wurmfortsatzes - also ich verwende jetzt mal den deutschen Ausdruck, damit es gibt keine Missverständnisse gibt  - beginnt mit Leonardo da Vinci. Der hat in seinen anatomischen Studien als Erster den Wurmfortsatz dargestellt. Und er nennt dieses, Gebilde, das ‚äußere Ohr des Blinddarmes‘. Und dann ein weiterer Meilenstand: Im Jahre 1543 erschien ein berühmtes Anatomiebuch von Andreas Vesal, der in Padua ein Professor für Anatomie war, und der hat es in seinem Buch genau abgebildet, dann noch genauer als Leonardo da Vinci.“",
    "end": 419.0
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    "start": 419.0,
    "text": "Andrea Sawatzki:\nVesal oder Vesalius ist natürlich ein alter Bekannter für alle, die Staffel 3 gehört haben. Sein wichtigstes Buch heißt \"De Humanis Corporis\" und sein Erscheinen markiert eine Revolution der Anatomie. Jahrhunderte lang haben europäische Mediziner auf die Werke Galens und anderer antiker Autoren vertraut. Im 16. Jahrhundert wird es langsam wieder Mode, Leichen zu sezieren und selbst mal nachzugucken, ob das denn eigentlich alles stimmt, was die alten Griechen und Römer so aufgeschrieben haben.    \nMit dem kleinen Würmchen können die Anatomen und Ärzte wenig anfangen. Und besonders ernst nehmen sie es auch nicht. Denn die dazugehörige Krankheit, die Appendizitis, bleibt noch ein paar hundert Jahre unbekannt ...",
    "end": 469.0
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    "start": 469.0,
    "text": "Prof. Dr. Michael Sachs: \n„Man wundert sich bei der Häufigkeit der Erkrankung, dass die Ärzte so lange brauchten, die Wurmfortsatzentzündung, zu entdecken. Die ist erst Ende des 19. Jahrhunderts beschrieben worden. Der Begriff ‚Appendizitis‘, also \"Wurmfortsatzentzündung\", stammt aus dem Jahre 1888. Und bis dahin gab es ein paar Einzelbeschreibungen, aber dass das eine wichtige Erkrankung ist, wusste man bis dahin noch nicht.“",
    "end": 495.0
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    "start": 495.0,
    "text": "Andrea Sawatzki:\nNatürlich haben sich auch davor schon Wurmfortsätze entzündet. Und man kann davon ausgehen, dass viele Menschen an den Folgen gestorben sind. \nAber erst im 19. Jahrhundert wird die Appendizitis zum Thema. Das hat einen einfachen Grund: Die Betroffenen sterben in der Regel nicht direkt an dem entzündeten Appendix, sondern an den Komplikationen. Wenn der entzündete Wurmfortsatz reißt oder platzt, dann tritt der Darminhalt in die Bauchhöhle ein und es kommt zu einer sogenannten Bauchfellentzündung. Die ist sehr gefährlich und führt fast immer zum Tod – wenn sie unbehandelt bleibt.",
    "end": 532.0
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    "start": 532.0,
    "text": "Prof. Dr. Michael Sachs:  \n„Und wenn die zum Tode führt, sieht diese Bauchhöhle so entzündet, so verklebt, so katastrophal aus, dass man nicht weiß, wo das die Ursache genommen hat. Ich nehme an, dass einfach nicht erkannt worden ist, dass es von diesem kleinen Zipfelchen ausgehen kann, eine solche Katastrophe im gesamten Bauchraum. Und dass man zwar die Bauchfellentzündung kannte, die Komplikation, aber diese Ursache an dieser Stelle nicht vermutet hat. Die ganzen Damenschlingen sind zu einem Klumpen verbacken. Also es sieht wirklich furchtbar aus. Leider kann ich Ihnen - oder zum Glück - keine Bilder zeigen. Das ist schon eine Katastrophe.“",
    "end": 568.0
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    "start": 568.0,
    "text": "Andrea Sawatzki:\nOh ja, zum Glück, zum Glück. Ich bin schon sehr froh, dass wir hier einen Podcast machen und keinen Bildband. Ich stell mir das Ganze lieber so vor: Wenn es einen Großbrand gibt, ist es verdammt schwer, hinterher das Streichholz zu finden, das ihn ausgelöst hat.\nDie erste verbürgte Beschreibung einer Wurmfortsatzentzündung - und der Entfernung des Wurmfortsatzes - beruht dann auch auf einem Zufall. 1735 findet der französische Arzt Claudius Amyand - Chirurg des englischen Königs George II. - bei einer Operation eine Nadel, die im Wurmfortsatz feststeckt.\nDer 11jährige Hanvil Anderson leidet seit mehreren Jahren an einem Leistenbruch. Kurz gesagt: Durch eine gerissene Bauchdecke sind Teile des Darms, unter anderem der Appendix in den Hodensack ausgetreten. Nach Jahren der Qual scheint eine Operation die letzte Hoffnung für das Kind zu sein, als eine eitrige Entzündung des Bruchs auftritt. \nEine verzweifelte Maßnahme. Denn für Operationen zu dieser Zeit gilt auf jeden Fall der alte Spruch vom \"Ende mit Schrecken\", das besser ist als der \"Schrecken ohne Ende\".  Es gibt noch keine Narkose - der junge Hanvil geht im Verlauf der OP durch die Hölle. \nAmyand entdeckt eine Nähnadel, die im Appendix steckt und Auslöser der Infektion ist. Der Junge hat sie versehentlich verschluckt -  mir tut schon der Bauch weh, wenn ich mir das nur vorstelle. Es war damals  üblich, Nadeln zwischen die Lippen zu klemmen, um beide Hände frei und sie trotzdem jederzeit parat zu haben. Vermutlich hat der Junge daheim beim Nähen geholfen. Hat ihn etwas erschreckt? Die Quellen geben keine Auskunft über die Details. \nIch frage mich aber, wie die Nadel es überhaupt geschafft hat, durch Speiseröhre, Magen und Dünndarm bis zum kleinen Trampelpfad des Appendix zu gelangen, ohne vorher irgendwo steckenzubleiben. \nWir haben unter anderem einen Fall aus dem Jahr 2024 gefunden, bei dem ein Teenager in den USA eine Nadel verschluckte. Er kam ins Krankenhaus, wo man in den folgenden Tagen mittels moderner bildgebender Verfahren fasziniert den Weg der Nadel durch die Innereien verfolgte, bis sie sich im Appendix verfing und eine Notoperation durchgeführt wurde. \nAber zurück ins London des Jahres 1735.\nDer Chirurg kann das entzündete Stück Darm samt Nadel entfernen, die Verwachsungen lösen und eine Fistel trockenlegen. Die Operation ist das erste Beispiel für eine Appendix-Entfernung bei einem lebenden Menschen. Und sie ist erfolgreich: Der Junge erholt sich und wird wieder ganz gesund.\nTrotz dieser erfolgreichen Operation ist die Zeit aber noch lange nicht reif für die routinemäßige Entfernung entzündeter Wurmfortsätze. Operationen sind gefährlich und qualvoll und widersprechen der noch immer gängigen Lehre, dass Krankheiten auf ein Ungleichgewicht der Säfte zurückzuführen seien:",
    "end": 760.0
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    "start": 760.0,
    "text": "Prof. Dr. Michael Sachs:  \n„Eine gezielte Behandlung konnte es noch nicht geben, wenn sie glauben, dass die Erkrankung durch ein Zuviel oder Zuwenig an Säften entsteht. Da hat ja auch eine Chirurgie keinen Sinn. Warum sollen sie da irgendwas entfernen am Bauch, sondern sie müssen bei dieser Krankheitsvorstellung eben die Säfte vermehren oder vermindern und kühlen oder erwärmen. Erst im späten 18., Anfang 19. Jahrhundert entwickelte sich so eine Krankheitsvorstellung, dass auch die Chirurgie einen Sinn machte im Bauch.“",
    "end": 789.0
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    "start": 789.0,
    "text": "Andrea Sawatzki:\nSo ein Wandel braucht Zeit. Außerdem ist der Zusammenhang zwischen dem entzündeten Würmchen und einer tödlichen Bauchfellentzündung immer noch nicht bekannt. Im Fall des 11-jährigen Hanvil Anderson zum Beispiel ist der Wurmfortsatz zwar entzündet, aber noch nicht gerissen bzw. perforiert. Es ist noch keine Bauchfellentzündung eingetreten. Und sein Arzt Claudius Amyand ahnt gar nicht, vor welcher Katastrophe er seinen jungen Patienten bewahrt hat. \nRund 80 Jahre später, 1812, behandelt der englische Chirurg John Parkinson einen 5jährigen Patienten mit starken Schmerzen im rechten Unterbauch. Das Kind stirbt nach nur zwei Tagen. Bei der Autopsie entdeckt Parkinson einen entzündeten und durchbrochenen Appendix und eine daraus resultierende Bauchfellentzündung und beschreibt als erster diesen entscheidenden Zusammenhang.\nDer nächste Durchbruch - hm, ungünstiges Wort in diesem Zusammenhang, aber ihr versteht mich schon - ist ein Fall aus dem Jahr 1848. Die Patientin: Mary Higgins, 30 Jahre alt. Um ehrlich zu sein: Ihr Name ist nicht überliefert, aber ich will sie nicht die ganze Zeit \"die Patientin\" nennen. Man vergisst gerade bei solchen historischen Beschreibungen sowieso viel zu schnell, dass es sich nicht nur um Datenpunkte auf dem Zeitstrahl der Medizingeschichte handelt, sondern um Menschen, deren Leben und Leiden zwar lange zurückliegt, aber genauso real war wie alles, was uns widerfährt. Mary stammt vermutlich aus Brighton, hält sich aber gerade in London auf - sagen wir, sie und ihr Mann sind zu Gast bei ihrer Schwester, auch wenn wir dieses Detail nicht belegen können.",
    "end": 906.0
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    "start": 906.0,
    "text": "3. April 1848. Sie hätte auf ihre Schwester hören sollen. \"Du solltest nicht mehr Ausreiten in deinem Zustand!\", hatte die gesagt. Aber was sollte das denn bitte schön heißen: \"in deinem Zustand\"?! Sie ist schwanger, ja, aber schon zum fünften Mal und bis zur Geburt sind es sicher noch 8 Wochen. Die vergangenen Wochen, klar, die waren schlimm gewesen, die Ärzte hatten ihr Opium und Blausäure gegen die Übelkeit gegeben, aber das kannte sie schließlich schon von ihren vier anderen Schwangerschaften. \nDie letzten drei Tage ging es ihr gut und heute musste sie einfach raus. Sie hat ja auch nicht gerade an einem Pferderennen teilgenommen, sondern ist kaum eine Stunde ruhig durch die Heide geritten. Sie brauchte das. Die Luft, die Frühlingssonne, die Weite der Landschaft, sobald sie die Hampstead Heath erreichte ... \nDer Schmerz ist neu. Ein Ziehen in der rechten Seite. Auf ihren Mann gestützt, schleppt sich Mary ins Bett. Später erscheint die eilends herbeigerufene Hebamme. Vorsichtig tastet sie den Bauch ab. \"Dem Kind geht es gut\", sagt sie. \"Ich glaube nicht, dass es mit dem Ausritt zu tun hat. Mach dir keine Sorgen.\" Ihr aufmunterndes Lächeln wirkt aufgesetzt,  doch Mary hört die Worte kaum - sie hat noch etwas von der Opiumtinktur genommen und die tut bereits ihre Wirkung. \n3 Tage später setzen die Wehen ein. Die Geburt geht schnell, das Kind, ein Junge, ist klein und schwach, Wochen vor der Zeit geboren.\nZwanzig Stunden später ist der Junge tot.\nDie Schmerzen bleiben und werden stärker. Der alte Dr. Moray, der nur 3 Häuser weiter wohnt, verschreibt ihr Beruhigungsmittel und Einläufe, doch ihr Zustand verschlechtert sich zusehends. In der Leistengegend ist eine kleine, harte Schwellung ertastbar. Der Arzt setzt 6 Blutegel auf die Schwellung und bedeckt sie anschließend mit warmen Umschlägen. \nAm 13. April ruft er seinen Kollegen Dr. Chowney ans Krankenbett. Doch der kann auch nur feststellen, dass die Schwellung größer geworden ist, und dass Mary inzwischen auf jede Berührung der Leistengegend mit Stöhnen und Schreien reagiert. Ihre Zunge ist braun belegt, sie lässt kaum Wasser, nur der Puls ist relativ normal. Als auch ein weiterer Einlauf keine Linderung verschafft, verabreicht Chowney seiner Patientin Kalomel - \"Hornquecksilber\". \"Unsere beste Chance\", erklärt er Marys Ehemann, der empört aufspringt, als der Arzt das Medikament vorschlägt. \n„Was wollen Sie damit andeuten?!“, ruft er. „Mary ist eine anständige Frau!“ Dr. Chowney schaut ihn  einen Moment verwirrt an. Dann lächelt er. \"Oh, ich nehme an, sie kennen jemanden, der Kalomel bekommt wegen der ...\" \n\"Wegen der Franzosen-Pocken! Ja. Miller, der alte Nichtsnutz, hat sich in seiner Zeit auf See durch alle Hafenbordelle der Welt gehurt und ist jetzt nur noch ein sabbernder Idiot ohne Nase! Dem hat Dr. Moray auch dieses Kalomel gegeben ...\"\n\"Ich zweifle in keinster Wiese daran, dass Ihre Frau eine in jeder Hinsicht ehrenwerte Dame ist, mein Herr. Und selbstverständlich leidet sie nicht an lues venerea ...\"\n\"An was?\"\n\"Ähm, der Syphillis, morbus gallicus, ähm, „Franzosen-Pocken“, wie Sie es nennen. Kalomel ist eine wahre Universalmedizin, ich selbst habe es schon bei so unterschiedlichen Krankheiten wie Bronchitis, Zahnschmerzen, Schwindsucht, Grippe, Krebs und eingewachsenen Zehennägeln eingesetzt.\"\nDer Ehemann beruhigt sich etwas. [„In den Bart“ gebrummelt] „Naja, ihre Zehennägel sind aber in Ordnung.“\n„Und dank der heilenden und reinigenden Wirkung dieser wunderwirkenden Medizin wird auch ihr Leib hoffentlich schnell wieder gesund.“\nSpoiler: Wird er nicht. Kalomel ist auch als Hornquecksilber bekannt. Der wissenschaftliche Name lautet Quecksilber(I)-chlorid [Aussprache: Quecksilber-Eins-Chlorid]. Klingt genau nach dem, was es ist: Nämlich dem genauen Gegenteil von „gesund“. Jahrhundertelang wurden dem Quecksilber Heilkräfte zugeschrieben und zahllose Patientinnen und Patienten - insbesondere Syphilis-Kranke – damit vergiftet. Das Quecksilberpräparat Kalomel wurde tatsächlich bei allem möglichen eingesetzt - vom eingewachsenen Zehennagel bis zum Krebs. \nAuch Mary Higgins bekommt eine starke Dosis Kalomel als Abführmittel.  Es hilft nicht, genauso wenig wie weitere Einläufe und warme Umschläge.  Als sich ihr Zustand weiter verschlechtert, wird am 15. April der Chirurg Henry Hancock vom Charing Cross Hospital hinzugezogen. \nMarys Bauch ist zu diesem Zeitpunkt stark aufgebläht und bereitet ihr große Schmerzen, die selbst die Opiate kaum noch lindern können. Hancock vermutet einen Entzündung des Blinddarms oder des Wurmfortsatzes.\nAllerdings kann Hancock keine \"Fluktuation\" ertasten. Das Wort stammt aus dem lateinischen und bedeutet soviel wie \"Schwankung\". In der Medizin meint es meist das fühlbare hin- und herwogen von Flüssigkeiten unter der Haut beim Abtasten. Im 19. Jahrhundert ist eine solche Fluktuation einer der wichtigsten Hinweise, um zum Beispiel eine Eiteransammlung, einen Abszess, im Bauch zu erkennen. Neben den Schreien der Untersuchten, nehme ich an. \nOhne Behandlung führt ein solcher Abszess praktisch immer zum Tod. Mitte des 19. Jahrhunderts ist es üblich, bei einer Entzündung im Bauchraum - in den meisten Fällen eine Appendizitis - zu warten, bis sich ein solcher Abszess knapp unter der Haut gebildet hat, um dann - bis 1846 ohne Narkose - einen Einschnitt vorzunehmen, den Abszess zu öffnen und zu entleeren. Es ist ein letzter, verzweifelter Versuch, der oft zu spät kommt. Das Risiko einer Sepsis oder einer schweren Verletzung infolge der Operation steigt, je länger man wartet. Und viele sterben, bevor der Abszess nach Ansicht der Ärzte \"reif\" oder auch nur ertastbar ist. \nAm 17. April entschließt sich Hancock zu einem Schritt, der allen Empfehlungen und dem tradierten Wissen zuwiderläuft. \n\"Da sie offensichtlich dem Ende entgegenging\" - so schreibt er später im Medizinjournal The Lancet - \"und die bisherigen Behandlungen wirkungslos waren, schlug ich einen Schnitt vom Darmbeinstachel bis zur Innenseite des inneren Leistenrings vor, damit [...] -  wenn sich Eiter in der rechten Leistengegend angesammelt hatte -  dieser abfließen könnte und dadurch eine Genesung ermöglicht würde. [...]  Beim Öffnen des Bauches trat eine große Menge äußerst übelriechender Flüssigkeit [aus,]  durchsetzt mit teils eitrigen Eiweißklümpchen und vermischt mit Luftblasen.\"\nEntscheidend sind drei Punkte: Hancock bricht mit dem Dogma, abzuwarten bis es fast oder tatsächlich zu spät ist. Seine Operation ist der erste verbürgte Versuch, eine Entzündung im Bauchraum relativ frühzeitig zu operieren, um der Bauchfellentzündung zuvorzukommen. Er wendet einen tiefgehenden seitlichen Schnitt an, im Gegensatz zu den bis dahin üblichen oberflächlichen Eingriffen, die durchgeführt werden, wenn der Abszess bereits so groß ist, dass er direkt unter der Haut ertastbar ist. \nHancocks tiefe Operation ist vor allem durch die Einführung der Narkose mittels Chloroforms möglich. Erst anderthalb Jahre zuvor hat der Mediziner Robert Liston erstmals in Großbritannien eine Operation unter Chloroform durchgeführt - in unserer Episode über Joseph Lister und die Erfindung der antiseptischen Chirurgie in Staffel 3 erzählen wir unter anderem diese Geschichte.\nMary überlebt. \"Am 25. Mai verließ sie die Stadt in Richtung Brighton\", vermerkt Hancock in seinem Lancet-Artikel und fügt an: \"Solange eine vernünftige Heilungschance durch die üblichen Methoden besteht, sollten diese selbstverständlich weiter angewendet werden; aber wenn der Patient trotz aller Bemühungen weiterhin verfällt, [...]  denke ich, dass wir [...] nicht länger berechtigt sind, den Patienten seinem Schicksal zu überlassen; vielmehr sollten wir durch [diese] Operation versuchen, ihn vor dem sicheren Tod zu retten.\"\nHancocks Operation gilt als Beginn der modernen Appendizitis-Chirurgie.\nEs dauert, bis sich Hancocks Ratschlag durchsetzt.\nErst 1867, fast 20 Jahre später, berichtet der amerikanische Chirurg Willard Parker von 4 geglückten frühzeitigen Operationen bei akuter Appendizitis, bei denen er ähnlich wie Hancock vorgegangen ist. Die Eingriffe werden in den USA als \"the Parker-Operations\" bekannt und lösen eine breite Debatte aus. Parker empfiehlt ein noch früheres Eingreifen als Hancock, etwa 5 bis 11 Tage nach dem Auftreten der ersten Symptome. \nWo ich hier gerade dauernd \"Appendizitis\" sage: Dieser Begriff wird erst später, nämlich im Jahr 1886 von dem amerikanischen Internisten und Pathologen Reginald Heber Fitz geprägt. Davor sind viele verschiedene, oft schwammige oder in der Rückschau falsche Begriffe im Umlauf. Besonders gebräuchlich ist damals unter Medizinern \"Typhlitis\" oder eine Ableitung davon, was buchstäblich nichts anderes bedeutet als: \"Blinddarmentzündung\".\nFitz analysiert die Autopsieberichte von Hunderten Patientinnen und Patienten, die an einer Bauchfellentzündung gestorben sind und stellt fest, dass diese in den meisten Fällen auf einen entzündeten Wurmfortsatz zurückzuführen sind. Er verhilft der Appendizitis nicht nur zu ihrem Namen und beendet das Kuddelmuddel um die irreführende Bezeichnung \"Blinddarmentzündung\". Er leistet auch einen wesentlichen Beitrag dazu, sie in der Fachwelt bekannt zu machen. Und er tritt für eine frühzeitige Appendektomie, also eine chirurgische Entfernung des Wurmfortsatzes zur Verhinderung der tödlichen Bauchfellentzündung, ein. Schon beim Verdacht auf eine Appendizitis sei zu operieren.\nSo, und jetzt könnten wir im Prinzip einen Sprung von hundert Jahren machen, denn …:",
    "end": 1536.0
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  {
    "start": 1536.0,
    "text": "Prof. Dr. Michael Sachs:  \n„Es war in der Tat so, dass sich die Operationstechnik von Beginn der 1880er Jahre bis 1980er Jahre praktisch nicht geändert hat. Das Prinzip war einfach, man musste einen Hautschnitt im rechten Unterbauch machen, ist dann durch die Muskulatur gegangen, hat dann das Bauchfall eröffnet, ist dann in die Bauchhöhle gekommen, hat sich mit der Hand mit den Fingern, den Blinddarm gegriffen, hat versucht, den vor die Bauchdecke zu ziehen, damit das möglichst die Bauchhöhle geschützt ist vor dem Eingriff und vor der Entzündung des Wurmfortsatzes. Hat dann erstmal die Durchblutung, das abführende Blutgefäß, unterbunden und hat dann den Wurmfortsatz am Blinddarm abgesetzt, entfernt und das daraus resultierende Loch zugenäht mit unterschiedlichen Techniken. Vom Prinzip her hat sich da nichts geändert.“",
    "end": 1583.0
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  {
    "start": 1583.0,
    "text": "Andrea Sawatzki:\nBevor wir uns anschauen, was sich in den 1980er Jahren dann ändert, gibt es aber noch ein paar Geschichten, die erzählt werden müssen. Zum Beispiel über einen Appendix, der eine halbe Million Menschen sattmacht und einen anderen, der sich den mit Abstand ungünstigsten Ort der Welt aussucht, um sich zu entzünden. Fangen wir an mit ein bisschen royalem Glamour ...\n24. Juni 1902. In zwei Tagen soll Kronprinz Albert Edward als Edward VII., König des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland, König der Dominions und Kaiser von Indien gekrönt werden. \nÜber 70 ausländische Delegationen sind in London eingetroffen, 8.000 Ehrengäste sind zur Zeremonie eingeladen, dazu kommen tausende, zehntausende von \"Krönungstouristen\". Die Hotels sind ausgebucht, wer irgendwo noch eine Besenkammer hat, vermietet sie zu horrenden Preisen an verzweifelte Reisende. Für den 26., den Krönungstag werden 1 Million Schaulustige an der Wegstrecke erwartet. Und dann ... macht Edwards Wurmfortsatz alle Pläne zunichte.\nSeit gut zwei Wochen leidet der zukünftige König an Bauchschmerzen und Fieber, die Ärzte sind unsicher, was zu tun ist, sie vermuten eine Appendizitis, aber ihnen scheint nicht klar zu sein, dass es inzwischen gut erprobte Operationstechniken gibt. Die Erkenntnisse von Hancock, Parker und Fitz haben sich noch längst nicht durchgesetzt. Schließlich ziehen die Leibärzte des angehenden Königs den Chirurgen Sir Frederic Trevis hinzu. Und der erkennt, dass Edward sofort operiert werden muss. \nEdwards Antwort ist deutlich: \"Sir, ich habe eine Krönung vor mir\", entrüstet er sich. Sir Trevis wird noch deutlicher: \"Es wird eine Beerdigung, wenn wir nicht operieren.\"\nDamit sind alle Diskussionen beendet, Edward wird umgehend operiert und zwar auf einem Operationstisch, den man im Musikzimmer des Buckingham-Palastes aufgebaut hat. Trevis legt den Abszess im Bauch trocken, mehr als ein halber Liter Eiter fließt ab - er entfernt den Wurmfortsatz allerdings nicht. Die Operation ist trotzdem ein voller Erfolg und schon am nächsten Tag berichten die Zeitungen, dass der künftige König schon wieder aufrecht im Bett sitzt und Zigarren raucht. \nDie Krönung muss dennoch verschoben werden. \nSehr unangenehm, vor allem für die von weit her angereisten Gäste, aber es hat ja alles auch immer sein Gutes: Die Unmengen von Lebensmitteln, die für das Festbankett bereitstehen, sollen an bedürftige Londoner verteilt werden.\nEine Brauerei spendiert zusätzlich 1000 Fässer Ale. Um die 1300 Künstler und 300 Pianisten verzichten auf eine Gage und melden sich freiwillig für das Unterhaltungsprogramm. Der König spendiert noch 30.000 Pfund und Anfang Juli 1902 steigt \"The King's Diner for the poor\" bei dem - zeitgenössischen Presseberichten zufolge - 500.000 Menschen an mehreren Hundert Orten königlich speisen können.\nIm August kann endlich auch die Krönung nachgeholt werden. Diesmal läuft alles wie geplant. Naja, nicht ganz. Da ist zum Beispiel der greise und gebrechliche Erzbischof von Canterbury, der an der entscheidenden Stelle der Zeremonie dem König die Krone falsch herum aufsetzt und nicht mehr auf die Beine kommt, nachdem er vor ihm niederkniet, aber zumindest geht alles ohne kurzfristige Notoperationen über die Bühne.\nDas Ganze wäre nur eine schrullige Anekdote, wenn es nicht wichtige Auswirkungen gehabt hätte. Edwards Appendix füttert nicht nur eine halbe Million arme Londoner - er sorgt auch dafür, dass viele Ärzte überall auf der Welt - und auch die Handvoll Ärztinnen, die es zu der Zeit schon gibt - erstmals von der Krankheit und von der inzwischen recht sicheren Appendix-Chirurgie erfahren. \nDie Entfernung des Appendix, die Appendektomie, trendet in der Medizin-Bubble und die verschobene Krönung steigert die Awareness, könnte man heute sagen. Und das, obwohl der königliche Wurmfortsatz gar nicht entfernt wurde, sondern nur drainiert, also quasi trockengelegt. Und noch immer als kleine Sackgasse am royalen Gedärm hängt.\nAnfang des 20. Jahrhunderts hat sich die Appendektomie endgültig als lebensrettende Operation durchgesetzt. Die große Frage damals: Wann handelt es sich tatsächlich um eine Appendizitis? Wann soll man operieren?",
    "end": 1883.0
  },
  {
    "start": 1883.0,
    "text": "Prof. Dr. Michael Sachs: \n„Das wichtigste diagnostische Kriterium waren Schmerzen im rechten Unterbauch. Der Arzt hat in die Bauchdecke hineingedrückt und wenn der Patient mit der Bauchdeckenmuskulatur angespannt hat, war das ein Zeichen für eine entzündliche Reizung des Wurmfortsatzes oder eines Organs in der Umgebung, bei Frauen auch der rechter Eierstock, oder es gibt auch Entzündungen im Bereich des letzten Abschnittes des Dünndarmes, und sowas, die also ähnliche Symptome machen. Man hatte keine spezifische Symptomatik, wo man sagen kann ‚das gibt es nur bei der Blinddarmentzündung‘.  Mein erster chirurgischer Chef hat gesagt: ‚Der Appendix ist der Affe unter den Krankheiten, der äfft alle anderen Krankheiten oder viele andere Krankheiten nach‘“.",
    "end": 1929.0
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  {
    "start": 1929.0,
    "text": "Andrea Sawatzki:\nBis zur Erfindung neuerer Diagnosemethoden bleibt eigentlich nur: Aufschneiden und nachgucken.",
    "end": 1935.0
  },
  {
    "start": 1935.0,
    "text": "Prof. Dr. Michael Sachs: \n„Man musste nachgucken und das war auch richtig so, denn eine übersehene akute Blinddarmentzündung und eine resultierende Bauchfellentzündung ist schlimmer als eine Operation, die man zu viel macht, wo der Appendix in Anführungsstrichen ‚unschuldig‘ war.“",
    "end": 1950.0
  },
  {
    "start": 1950.0,
    "text": "Andrea Sawatzki:\nEs kann sich zum Beispiel nur um eine Reizung des Appendix handeln, die man auch mit Bettruhe oder Medikamenten in den Griff gekriegt hätte - oder eben eine andere Krankheit, die die Schmerzen ausgelöst hat. \nUnd jetzt: Zieht euch warm an, wir reisen in den Süden. Also ganz weit in den Süden.\n30. April 1961\nAntarktis. King-Maud-Land. Siebzig Grad fünfundvierzig Minuten südliche Breite Süd, elf Grad achtunddreißig Minuten östliche Länge. Minus 20 Grad Außentemperatur. Die Sonne quält sich nur noch für wenige Stunden am Tag über den Horizont, in 3 Wochen wird sie ein letztes Mal untergehen und sich erst im September wieder blicken lassen.  \nGut 80 Kilometer von der nördlichen Küste entfernt, inmitten von kilometerdickem Eis liegt ein Hochplateau mit einer Fläche von etwa 35 Quadratkilometern, das eisfrei ist – eine schwarze Scharte aus Geröll inmitten des weißen Kontinents. Hier, auf dem Schirrmacher-Plateau, steht die sowjetische Forschungsstation Nowolasarewskaja, genannt Nowo,  die erst 3 Monate zuvor eröffnet wurde.\nKurz vor Mitternacht setzt der 27jährige Chirurg Leonid Iwanowitsch Rogosow das Skalpell an. Er ist der einzige Arzt unter den 13 derzeitigen Bewohnern von Nowo.  Das Wetter und die Dringlichkeit haben es unmöglich gemacht, Hilfe von anderen Stationen anzufordern oder den Patienten zu verlegen. Eine akute Appendizitis erfordert sofortiges Handeln und so haben sie einen der Wohnräume in einen provisorischen Operationssaal verwandelt. Der Meteorologe Alexander Artemjew und der Maschinenbauingenieur Zinovy Teplinsky müssen Rogosow assistieren. Auch Stationschef Vladislav Gerbovich steht bereit für den Fall, dass einer der beiden unfreiwilligen OP-Helfer in Ohnmacht fällt. \nLeonid Iwanowitsch hat schon einige Appendektomien durchgeführt. Unter normalen Umständen stellt die Operation kein Problem dar. Doch dies sind keine normalen Umstände. Sie sind in der Antarktis, 4000 Kilometer vom nächsten großen Krankenhaus im südafrikanischen Kapstadt entfernt. Und der Patient - ist er selbst.\nGestern, ganz plötzlich, überfiel ihn Übelkeit, er bekam Fieber, das rasch anstieg, dann setzte der Schmerz auf der rechten Unterleibsseite ein. Rogosow gab sich keinen Illusionen hin, er wusste, womit er es zu tun hatte. Eisbeutel und Antibiotika, die eine Appendizitis im Anfangsstadium manchmal in Griff bekommen, halfen nicht. In der Nacht zum 30. April übergab er sich immer wieder.\nAm nächsten Morgen notierte er in sein Tagebuch: „Es tut höllisch weh! Ein Schneesturm peitscht mir in die Seele und heult wie hundert Schakale. Noch gibt es keine offensichtlichen Anzeichen einer drohenden Perforation, aber ich werde von einer schrecklichen Vorahnung gequält … Ich muss die einzige Option in Betracht ziehen ...“\nRogosow liegt halb aufgerichtet und mit angehobener rechter Hüfte im Bett. Sterile OP-Kleidung, Mundschutz, keine Handschuhe, denn er wird seinen Tastsinn brauchen. Teplinksy hält einen Spiegel, so dass er seinen Bauch sehen kann, Stationschef Gerbovich hält zwei Adrenalinspritzen bereit, Spritzen bereit, für den Fall, dass der Arzt das Bewusstsein verliert. Artemjew, der Meteorologe, reicht ihm das Skalpell. Ein letzter tiefer Atemzug, ein letzter Blick in die kreidebleichen Gesichter seiner \"Assistenten“, dann setzt Leonid Iwanowitsch einen 12 Zentimeter langen Schnitt in seine Bauchdecke. \nEs tut nicht weh, noch nicht, er hat sich eine lokale Betäubung gegeben, doch wenn er das Bauchfell durchstößt und auf das das entzündete Gewebe trifft, wird das nicht mehr allzu viel nützen. \nDie erste halbe Stunde geht alles gut. Methodisch arbeitet sich der Chirurg vor, schaut kaum in den Spiegel, sondern verlässt sich auf den Tastsinn, da ihn das seitenverkehrte Bild verwirrt. \"Ich war im Operationsmodus\" schreibt er später in sein Tagebuch. Er kennt seine Aufgabe, er weiß was zu tun ist - und es gelingt ihm zu ignorieren, in wessen Bauch er gerade arbeitet. Zweimal muss er sich übergeben, doch er kommt voran. \nDann macht er einen Fehler - ein Schnitt verletzt den Blinddarm, die Wunde blutet stark - bevor er mit der eigentlichen Operation fortfahren kann, muss er den Blinddarm nähen. \nEndlich findet er den Wurmfortsatz, der bereits begonnen hat, sich schwarz zu färben - ein Tag mehr und er wäre geplatzt. Der sichere Tod ...\nDie Operation dauert eine Stunde und 45 Minuten. Seinen Kameraden muss es wie eine Ewigkeit vorkommen. Doch schließlich ist der Wurmfortsatz entfernt, die Wunden sind genäht. Und Leonid Iwanowitsch Rogosow wird wieder gesund. Nach 5 Tagen ist das Fieber weg, nach 10 Tagen zieht er die Fäden. \nBald weiß die ganze Welt von der heldenhaften Operation im ewigen Eis. Die sowjetische Propaganda feiert ihn als Beispiel des neuen sozialistischen Menschen, der jede Schwierigkeit überwindet, stellt ihn auf eine Stufe mit Gagarin, der nur 18 Tage vor Rogosows Operation als erster Mensch ins Weltall geflogen war. Der Liedermacher Wladimir Semjonowitsch Wyssozki widmet ihm ein Lied, wir haben es frei übersetzt:",
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    "text": "Ihr aalt euch in der BadewanneIhr habt es warm und hellEr schneidet sich im ewigen EisDen Blinddarm raus mit dem Skalpell\nEr sieht sein Innerstes offenEs sieht zum Fürchten ausEr denkt: „Oh je, ich hoff,Ich schneid das Richt’je raus!“\nSein Herz - er sieht es schlagenMit Staunen und VerstehnAch, schade, Genossen, ihr werdetEuch selbst niemals so sehen!\nIhr kippt euch zuhause Wodka rein,In vielen, großen Schlucken,Er näht sich selbst – ohne auch nurMit einer Wimper zu zucken\nIrgendwie hübsch, finde ich - wenn auch aus medizinhistorischer Perspektive sowohl im Original als auch in unserer Nachdichtung nicht hundertprozentig korrekt. Dass er nicht den „Blinddarm“ rausgeschnitten hat, ist klar. Außerdem hat er ziemlich sicher nicht sein Herz schlagen sehen, denn das wird bei Appendixoperationen, auch bei selbstgemachten, in der Regel nicht freigelegt.\nDas Drama um Rogosow in der Antarktisstation wirft natürlich die Frage auf, warum man den Wurmfortsatz nicht einfach prophylaktisch entfernt. Insbesondere vor Polarexpeditionen oder Weltraummissionen. Oder auch einfach nur so. Vorsichtshalber. Immerhin liegt das Risiko, im Laufe des Lebens an einer Appendizitis zu erkranken bei mehr als 7%! \nEine ganze Menge, aber natürliche kann man nicht 93 \"unschuldige\" Wurmfortsätze, wie es unser Experte Michael Sachs so schön nannte, operieren, um 7 zukünftige Übeltäter zu erwischen. Jede Operation birgt ein Risiko, das man nur eingehen sollte, wenn es wirklich nötig ist. \nLange Zeit waren allerdings sogenannte inzidentelle Appendektomien üblich. Dabei wird der Wurmfortsatz entfernt, wenn aufgrund einer anderen Operation der Bauchraum geöffnet ist. Eine Studie verzeichnet für die Jahre 1979 - 1984 rund 260.000 dieser \"wo wir schon mal dabei sind\"-Appendektomien in den USA. Pro Jahr! \nHeute sind solche Gelegenheits-Appendektomien international rückläufig. In Deutschland sind sie sehr selten und werden nicht offiziell empfohlen.\nDenn inzwischen hat sich herausgestellt, dass der Wurmfortsatz nicht ganz so überflüssig ist, wie beispielsweise das Gehirn. \nAch nein, Moment, da bin ich verrutscht, das glaubten nur die alten Ägypter - das Gehirn ist äußerst nützlich und sollte weder inzidentell noch aus anderen Gründen entfernt werden.\nAber zurück zum Thema. Wir haben Blinddarm und Wurmfortsatz vorhin als Parkplatz und kurzen Trampelpfad am Anfang der Dickdarm-Allee beschrieben. Aber eigentlich ist der Blinddarm eher eine Service-Station - und der Wurmfortsatz eine Schutzhütte. Naja. Wie gesagt, man stößt schnell an die Grenzen solcher Vergleiche, aber ihr versteht schon.\nGanz kurz und grob zum Blinddarm: Der hilft bei der Aufnahme von Flüssigkeiten und Salzen, die bei der Verdauung in Dünn- und Dickdarm übriggeblieben sind. Außerdem gilt er als Teil des Immunsystems. Er enthält sehr viel Lymphgewebe, das Abwehrzellen gegen Eindringlinge bildet. \nAuch der Wurmfortsatz gehört zum Immunsystem, auch er enthält viel Lymphgewebe. Und man vermutet, dass er als Reservoir für wichtige Bakterien und andere Darmflora fungiert. Nach Durchfallerkrankungen ermöglicht er eine schnelle Neubesiedlung des Dickdarms mit diesen Mikroorganismen. Wenn man eine Appendektomie hatte, erholt sich der Darm schlechter, das Biom - die Gesamtheit der Mikroorganismen im Darm - ist weniger vielfältig. Und das Risiko von Erkrankungen wie dem Reizdarmsyndrom und sogar Darmkrebs steigt merklich. \nAlles gute Gründe, die gegen vorbeugende Appendektomien sprechen. Aber der Fall Rogosow wirkt dennoch bis heute nach: Wenn ihr euch beispielsweise auf der Website des australischen Antarktisprogramms für eine Expedition bewerbt, erfahrt ihr, dass ihr euren Wurmfortsatz gerne mitnehmen dürft - es sei denn, ihr seid die Ärztin oder der Arzt der Mission und plant, in der Antarktis zu überwintern. In dem Fall muss er vorher raus - damit ihr nicht in die Verlegenheit kommt, euch selbst den Bauch aufschneiden zu müssen.\nDenn: “This is not a situation that Australian Antarctic doctors would like to find themselves in!”, wie es auf der Website mit freundlichem Understatement heißt.   \nWir haben uns hier ganz auf die chirurgische Seite der Appendizitis-Behandlung konzentriert.  \nAber natürlich erfordert nicht jede Entzündung des Wurmfortsatzes eine Operation. Sie kann sich von selbst zurückbilden und einfache Maßnahmen wie Eisbeutel auf dem Bauch und Bettruhe können diesen Prozess unterstützen. Seit den späten 1940er Jahren stehen auch Antibiotika zur Verfügung und man könnte meinen, dass sich so eine Entzündung damit in Griff kriegen lassen sollte.",
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    "text": "Prof. Dr. Michael Sachs: \n„Ja, man hat schon versucht, medikamentös zu behandeln, das heißt mit Antibiotika. Das hat sich aber nicht durchgesetzt. Das kann man im Einzelfall mal machen, insbesondere wenn es eine leichte Reizung ist, die vielleicht auch ohne Medikamente vorübergehen würde. Aber jetzt eine Appendizitis, die schon alle Wandschichten durchdrungen hat und aufs Bauchfeld übergreift, das Risiko würde ich nicht eingehen in zivilisierten Ländern. Wenn sie in speziellen Bedingungen sind, ja also Expeditionen im Urwald machen oder so was, dann passiert sowas, dann würde ich auch erst mal Antibiotika nehmen, bevor ich mir selbst den Blinddarm herausnehme. Es gibt Einzelfallentscheidungen, wo man das machen kann, aber eine andere Behandlung als die operative ist bisher nicht Standard.“",
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    "text": "Andrea Sawatzki:\nNoch immer ist die Appendektomie das Werkzeug der Wahl bei akuter Appendizitis.\nAber: dieses Werkzeug hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr verändert und weiterentwickelt. Das hatten wir ja schon: Zwischen den 1880er und den frühen 1990er Jahren hatte sich die Operationstechnik nicht wesentlich verändert. Aber dann kam ein neues Operationsverfahren auf: Die laparoskopische Chirurgie, das Operieren mittels Bauchspiegelung. Oder auch: die \"Schlüssellochtechnik\". Ihre Ursprünge reichen bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zurück, aber in ihrer modernen Form wurde sie an der Universitäts-Frauenklinik Kiel entwickelt unter der Federführung des Gynäkologen Kurt Semm. Interessanter Typ: Bevor er Medizin studierte, hat er eine Feinmechanikerlehre absolviert. Naja, ich schätze das passt irgendwie. Und es versetzte ihn in die Lage, die benötigten neuen Instrumente selbst zu entwickeln.",
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    "text": "Prof. Dr. Michael Sachs: \n„Seitdem hat diese Technik eine weite Verbreitung gefunden. Heute werden etwa 90 Prozent der Wurmfortsatzoperationen mit dieser ... Schlüssellochtechnik, also \"laparoskopische Chirurgie\", das Fachwort, operiert. Das heißt, man hat aus einem Schnitt drei, vier kleine Schnitte gemacht und hat die also über den Bauch verteilt, ist mit Fernrohren und langstieligen Instrumenten hineingegangen. An der Technik der Operation in der Bauchhöhle hat sich nicht viel geändert. Also auch da muss man die Blutversorgung vorher unterbinden und dann das absetzen und das Loch zunähen mit bestimmten Techniken. Aber der Zugang ist für den Patienten sehr viel angenehmer, weil ein großer Schnitt mehr Schmerzen macht als mehrere kleine Schnitte. Und Patienten können schneller wieder was essen, schneller aus dem Krankenhaus kommen. Also diese Technik hat sich durchgesetzt.“",
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    "text": "Andrea Sawatzki:\nGroße Fortschritte gab es natürlich auch in der Diagnostik. Die Zeiten von \"Aufschneiden und Nachgucken\" sind größtenteils vorbei.  Das erste und wichtigste Diagnose-Verfahren ist nach wie vor das Abtasten des Bauches, also das Überprüfen des für eine Appendizitis typischen Druckschmerzes. Es gibt mehrere Anzeichen für einen entzündeten Appendix, das bekannteste ist der \"Loslass-Schmerz\", der auftritt, wenn die Ärztin oder der Arzt an bestimmten Stellen vorsichtig drückt und dann schnell loslässt ... naja, könnt ihr euch denken. Solche Verfahren können den Verdacht einer Appendizitis verstärken - können sie jedoch weder sicher diagnostizieren, noch ausschließen.\nHeute stehen zum Glück zahlreiche weitere Methoden zur Verfügung. Zum Beispiel Laborverfahren wie die Bestimmung von Entzündungsparametern. Und natürlich bildgebende Verfahren. Vor allem Ultraschalluntersuchungen sind ein bewährtes Mittel. Bei unklaren Fällen oder besonderen Risikogruppen kommen auch CT und MRT zum Einsatz. Die Anzahl von \"unschuldigen\" Wurmfortsätzen, die operiert werden, hat sich dadurch drastisch verringert. \nTrotzdem gehört die Appendektomie zu den sehr häufigen Operationen. Zwischen 100 und 140 Tausend Wurmfortsätze werden in Deutschland im Jahr entfernt, es ist die häufigste Operation bei Kindern und Jugendlichen.",
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    "text": "Prof. Dr. Michael Sachs: \n„Traditionsgemäß war die, in Anführungsstrichen, ‚Blinddarmoperation‘ die Anfängeroperation. Also, ein chirurgischer Assistent, der angefangen hatte, also, ich durfte nach einem Jahr das erste Mal einen Wurfortsatz operieren. Das ist so die Taufe praktisch gewesen. Und das gilt als einfache Operation. Ist es auch, so lange er nicht schlimm entzündet ist. Wenn er schlimm entzündet ist, habe ich Chirurgen schon erheblich schwitzen gesehen. Das kann sehr sehr sehr schwierig sein, wenn so eine Bauchfellentzündung vorliegt, dass man keine Verletzung der mit dem Wurmfortsatz verklebten anderen Organe macht. Es kann wirklich sehr sehr schwierig sein.“",
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    "text": "Andrea Sawatzki:\nÜbrigens: Ich habe meinen Wurmfortsatz noch. Und wenns nach mir geht, bleibt er mir auch erhalten. Und wenn nicht, dann würde es mich freuen, wenn er hilft, eine junge, talentierte und hoffentlich sehr sehr nette Chirurgin zu taufen ...\nIch bedanke mich ganz herzlich bei euch fürs Zuhören und natürlich bei Professor Doktor Michael Sachs für das Gespräch. Bitte empfehlt uns weiter oder gebt uns auf den entsprechenden Plattformen eine gute Bewertung, das würde uns sehr freuen - und weiterhelfen.\nIn der nächsten Folge geht es um die \"Hansen-Krankheit\". Kennt ihr nicht? Um ehrlich zu sein, mir war das bis vor Kurzem auch kein Begriff. Aber den älteren Namen, den hat wirklich jeder schon gehört und er löst bis heute Schrecken und teilweise sogar Abscheu aus: \nLepra.\nWie in kaum einer anderen Folge werden wir dabei mit noch immer festsitzenden Vorurteilen und Irrtümern aufräumen müssen. \nBleibt gesund und bleibt neugierig!\nEure Andrea Sawatzki",
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    "text": "Sprecher:\nSiege der Medizin. Ein Podcast von gesundheit-hören - das Audio-Angebot der Apotheken Umschau.\nExecutive Producers „gesundheit-hören“: Dr. Dennis Ballwieser und Peter Glück\nExecutive Producers „WakeWord“: Ruben Schulze Fröhlich und Christoph Falke\nAutor: Berni Mayer\nRegisseur: Berni Mayer\nRedaktion „WakeWord“: Berni Mayer, Volker Strübing, Josephine Aleyt\nRedaktion „gesundheit-hören“: Kari Kungel\nMedizinisch-pharmazeutischer Faktencheck: Dr. Andreas Baum, Dr. Roland Mühlbauer, Dr. Katharina Kremser\nMusik: Johannes Cornelius\nSound Design: Felix Stäblein\nProduktionsleitung: Josephine Aleyt\nProduziert von den Wake Word Studios in München",
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