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    "text": "Hallo und willkommen im Podcast im Museum."
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    "text": "die ihr aber nicht gehört haben müsst, um diese Folge hier zu genießen."
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    "text": "Es ist kurz vor Weihnachten im Advent und deshalb möchten wir euch etwas schenken und möglicherweise einen Tipp geben für etwas, das ihr weiter schenken könnt."
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    "text": "Wir haben nämlich, wie ihr das vielleicht schon mitbekommen habt, über die letzten zwei Jahre an einem Projekt gearbeitet, das zu einem Buch geworden ist, ein richtiges, handfestes Buch."
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    "text": "Man kann es in den Händen halten, angreifen, blättern."
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    "text": "Es ist wahnsinnig schön geworden."
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    "text": "Wir sind total stolz darauf."
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    "text": "Und mit diesem Buch, in diesem Buch gibt es Kunstwerke zu sehen, es gibt Fotos zu sehen und Texte zu lesen, Textausschnitte auch zu lesen von Interviews."
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    "text": "diesem Buch, mit diesem Buch, das wollte ich sagen, kauft man automatisch ein Hörbuch mit."
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    "text": "Und dieses Hörbuch ist kein gelesenes Buch, sondern es ist eine zehnstündige Audiodokumentation."
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    "text": "Wir waren nämlich über die letzten zwei Jahre mit dem Kunsthistoriker Daniel Uchtmann, dem Leiter der Kunstvermittlung am Kunsthistorischen Museum in Wien, in der Welt unterwegs und haben wirklich die unfassbarsten Geschichten erlebt."
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    "text": "Tolle Menschen getroffen, wirklich wahnsinnig beeindruckenden Geschichten gehört von diesen Menschen."
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    "text": "Wir waren in Tokio beim Wrestling."
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    "text": "Wir haben einen Kriegsreporter getroffen."
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    "text": "eine ehemalige Oberstaatsanwältin, die den größten Finanzkandal der deutschen Geschichte verhandelt hat, all das um den sieben Totschünden hinterherzugehen."
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    "text": "Die sieben Totschünden sind nämlich das Thema dieses Buches und dieses Hörbuches und die Idee ist eigentlich ganz einfach."
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    "text": "Der Daniel hat sich sieben Kunstwerke aus dem Kunsthistorischen Museum ausgesucht und aus diesen Kunstwerken heraus, aus den Geschichten dieser Kunstwerke haben wir dann draußen in der Welt sieben Menschen gesucht, die was dazu zu sagen haben, die was mit diesen Geschichten in den Bildern zu tun haben."
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    "text": "oder die etwas zu diesen Sünden zu sagen haben oder beides."
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    "text": "Jetzt habe ich mich ein bisschen verplappert."
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    "text": "Ihr könnt das kaufen bei uns im Shop, am besten direkt bei uns bestellen."
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    "text": "Dann geht es nämlich am schnellsten und es ist bestimmt auch noch Vorweihnachten bei euch."
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    "text": "Falls ihr jemanden habt, eine Person, die Kultur interessiert ist, die gerne Radio hört, die gerne Podcast hört, Die muss gar nicht oft ins Museum gehen, glaube ich, sondern die muss irgendwie so ein Interesse an Gesellschaft und ein bisschen an Kultur haben."
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    "end": 152.14,
    "text": "Dann könnte das genau das Richtige sein."
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    "end": 158.5,
    "text": "Auf der Website können Sie auch ein bisschen reinblättern und reinschauen, wie sich das anfühlt oder wie das aussieht."
  },
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    "start": 159.04,
    "end": 172.3,
    "text": "Das Ganze kostet €, und ist in unserem Shop auf, muss ich selber nochmal nachschauen, wie die Adresse von unserem Shop ist, auf shop.sissigrant.com erhältlich."
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    "end": 185.36,
    "text": "Und wie sich das jetzt anhört, das zeigen wir euch, weil wir spielen euch heute ein ganzes Kapitel aus diesem Buch aus, aus dieser zehnstündigen Audiodokumentation, nämlich das Kapitel zum Zorn."
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    "text": "Für den Zorn haben wir nämlich den Wolfgang Bauer getroffen, ein Kriegsreporter von der Zeit, der sehr viel in Afghanistan unterwegs war, auch in der Ukraine, auch davon wird er erzählen und auch wahnsinnig schönes Buch über Afghanistan geschrieben hat."
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    "text": "The Ring Road."
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    "text": "Das kann ich auch gleich, schaue ich gleich nach."
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    "text": "Am Ende der Straße, so heißt das Buch, also es ist vielleicht auch eine Empfehlung für Weihnachten."
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    "end": 224.68,
    "text": "Das haben wir nicht bei uns im Shop, das müsst ihr woanders bestellen."
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    "text": "Er hat ein Buch über Afghanistan geschrieben und kennt den Krieg, aber nicht jetzt als spektakulärer Kriegsreporter, sondern als Mensch, der Reportagen schreibt, als Mensch, der in Extremsituationen reingeht, wie er sagt, sind sie nicht so wahnsinnig extrem, sondern er kommt oft auch nachher oder ist auch Teil davon."
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    "text": "Aber es passiert durchaus, dass er dann mit Menschen im Schützengraben zum Beispiel in der Ukraine sitzt und einfach zu verstehen, wie es den Menschen dort geht."
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    "text": "Wie ist der Alltag für eine Person, die in der Ukraine im Krieg lebt?"
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    "text": "Ja, und den haben wir getroffen in einem sehr beschaulichen deutschen Städtchen."
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    "text": "waren mit ihm dort kurz spazieren und wandern, haben eigentlich den ganzen Tag verbracht und über den Zorn und über ein Kunstwerk gesprochen, das sich der Daniel eben aus dem KHM zum Zorn ausgesucht hat."
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    "text": "Ja, und damit würde ich sagen, übergebe ich an den Daniel im Hörbuch."
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    "text": "Viel Spaß mit dem Kapitel zum"
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    "text": "Vielleicht die eine menschliche Emotion, bei der wir alle, ob religiös oder nicht, auf Anhieb die Sünde in ihr erkennen können."
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    "text": "Denken Sie an die tiefe Empörung, die wir über eine krasse Ungerechtigkeit spüren oder an die Wut, die manchmal aufsteigt, wenn Sie die Nachrichten hören."
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    "text": "Die Theologie nennt das Ira Percelum, der Zorn aus Eifer für die Gerechtigkeit, der uns da erfasst, wenn wir Zeugen von Grausamkeit werden."
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    "text": "Das prominenteste Beispiel für diesen Zorn, der etwas Gerechtes will, ist wohl Jesus selbst, der in einer berühmten Bibelgeschichte die Händler und Geldwechseler aus dem Tempel wirft."
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    "text": "Nicht in einem unkontrollierten Wutanfall, sondern in einem Anflug von heiliger Empörung, die eine gerechte Ordnung wiederherstellen will."
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    "text": "Denn was genau dieser gerechte Zorn dann überhaupt gerecht ist, ist dann sich schon schwer festzustellen."
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    "text": "Was wir als gerecht empfinden, ist ja zutiefst von unseren eigenen Werten geprägt."
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    "text": "Wie viele Menschen mussten und müssen wohl schon im Namen der Gerechtigkeit die tiefste Ungerechtigkeit erfahren."
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    "text": "Unser Wüstenmönch des vierten Jahrhunderts, Ivargrios Pontikos, sah aber durchaus das positive Potenzial im Zorn, sofern wir, so seine Lehre, die zugrunde liegende Energie unter Kontrolle bringen können."
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    "text": "Denn Zorn kann uns eben die Motivation für tugendhaftes Verhalten geben."
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    "end": 415.84,
    "text": "Wobei Ivargrios die Ursache dafür, die Kontrolle über eben diesen Zorn zu verlieren, also der Dunkeln der negativen Seite des Zorns zu verfallen, er sah dies zu meiner Überraschung eng mit einer Sünde verbunden, mit der wir uns gerade erst beschäftigt haben, der Trägheit, der Aksedia."
  },
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    "text": "Ivargrios beschrieb, dass, wenn wir unter innerer Lehre und Sinnlosigkeit leiden, die Seele verbittert und reizbar wird."
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    "text": "Und aus dieser verbitterten Seele, so Evagrios, schlagen dann die Flammen eines Zorns empor, der sich gegen die Mitmenschen, gegen die Lebensumstände, gegen einfach alles wendet."
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    "text": "Er schrieb auch genau auf, wie der Zorn in ihm arbeitet."
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    "text": "Während des Gebetes, so Evagrios, reißt er den Verstand mit sich fort, indem er uns immer wieder das Gesicht desjenigen vor Augen hält, der uns unrecht getan hat."
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    "text": "Lässt man diesen Zorn über Nacht gewähren, verwandelt er sich in Groll und schickt uns Albträume, wie Angriffe wilder Tiere."
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    "text": "Der sündhafte Zorn, so seine Erklärung, schöpft seine Kraft also aus einer Verbitterung der Seele."
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    "text": "Ich kann es nur wiederholen."
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    "text": "Mich fasziniert es sehr, dass dieser Mönch in seiner Hütte so präzise Beobachtungen machte, die so aktuell wirken."
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    "text": "Ganz ohne jemals einen Social Media Shitstorm miterlebt zu haben."
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    "end": 499.92,
    "text": "Wenn wir in die Kunst blicken, sehen wir den Zorn oft in Darstellungen verzerrter, geplagter Gesichter, häufig auch in Frauen gestalten, in einem Zustand des völligen Kontrollverlusts, die ihre Kleider zerreißen und sich die Haare raufen."
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    "end": 504.8,
    "text": "Nun gut, da muss man wohl auch den Sexismus der letzten Jahrhunderte abziehen."
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    "text": "Aber was ich für uns heute nachvollziehbarer finde, ist dieses Gefühl des Zorns, der einen ja buchstäblich überkommen und den ganzen Körper ausfüllen kann."
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    "text": "Das ist der Zorn als Effekt."
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    "text": "Aber diese Gewalt, die im Einzelnen entsteht, kann auch zum Grundton einer ganzen Gesellschaft werden."
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    "text": "Hier im Museum kann ich das in unzähligen alten Schlachtengemelden betrachten."
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    "text": "Aber die Rohe Gegenwärtige Form ist mir zum Glück sehr fremd."
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    "text": "Aber genau deswegen wollte ich für dieses Kapitel mit jemanden sprechen, der diesen Zorn aus unmittelbarer Nähe gesehen hat."
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    "end": 555.42,
    "text": "Und es gibt wahrscheinlich wenige Menschen im deutschsprachigen Raum, die mehr dazu geschrieben und verstanden haben, als der Journalist und Kriegsreporter Wolfgang Bauer."
  },
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    "text": "Seit über zwanzig Jahren arbeitet er für die Wochenzeitung die Zeit und reist an die gefährlichsten Orte der Welt."
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    "text": "Syrien."
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    "text": "Afghanistan, Nigeria, die Ukraine."
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    "end": 587.32,
    "text": "Er ist ein professioneller Grenzgänger, der nicht nur geografische, sondern vor allem menschliche Grenzen überschreitet, um uns von Orten, Konflikten und vor allem von Menschen zu berichten, deren Lebensrealität für uns ohne ihn eine undurchdringliche Black Box bliebe."
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    "end": 592.24,
    "text": "Er selbst verstehte seine Arbeit als die eines Übersetzers."
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    "text": "Er übersetzt die oft unvorstellbare Realität des Krieges und die Schicksale der Menschen, die darin gefangen sind, in eine Sprache, die wir hier in unserer sicheren Welt verstehen können."
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    "text": "Und um mit ihm über den Zaun zu sprechen, habe ich ihn an einem Ort getroffen, an den er nach seinen Reisen immer wieder zurückkehrt."
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    "end": 619.32,
    "text": "Eines der schnuckeligsten deutschen Städtchen, dass sie sich vorstellen können."
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    "end": 623.02,
    "text": "Sonnenschein, schöne Fachwerkhäuser, eine sehr niedliche Stadt."
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    "text": "Freutlingen in Baden-Württemberg."
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    "end": 634.28,
    "text": "Wir, also Sie wissen schon, meine Abenteuerfreunde Iris und Andreas und ich, stehen vor einem weiß getünchten Haus mit roten Fensterläden."
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    "text": "Und unten ist eine Kunsthandwerkstätte."
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    "end": 647.46,
    "text": "Oben auf zwei Etagen findet sich Wolfgang Bauers Wohnung und am Dachboden seine Schreibstube, die wir allerdings nicht betreten dürfen."
  },
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    "text": "Er arbeitete gerade an einer brenzligen Geschichte."
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    "text": "Aber ja, ich schweife ab."
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    "text": "Also, wir läuten an."
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    "text": "Hallo, Daniel Ottmann aus Wien."
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    "text": "Wir sind mit Herrn Bauer veröffentlicht."
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    "text": "Die Tür öffnet."
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    "text": "Wir gehen einen schmalen Gang mit hoher Decke entlang, das eine brennende Meeresbrücke zeigt."
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    "text": "Wie wir später erfahren, ist das ein Geschenk, das Wolfgang Bauer aus Nordkorea erhalten hat."
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    "text": "Wir steigen die enge Treppe nach oben."
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    "text": "Hier, in seiner friedlichen Wohnung, finden sich, wie man sich das für einen Journalisten vorstellen würde, unzählige Bücher."
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    "text": "Aber auch viele kleine Memorabilien andenken, stehen im Bücherregal."
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    "text": "Es sind kleine Dinge."
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    "text": "Nennen wir sie Souvenirs, der etwas anderen Art, die unscheinbar wirken, bis man die Geschichte dazu hört."
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    "text": "Eine Parfumflasche zum Beispiel, die Wolfgang Bauer vom Pressesprecher der Taliban als Geschenk überreicht worden war."
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    "text": "Ich hab's nie gemacht."
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    "text": "wir es jetzt nicht, aber es riecht gut."
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    "text": "Das kannst du mit aufnehmen, ja, das ist ... Ich war mal embedded mit den Taliban, bevor die Taliban die Macht übernommen hatten."
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    "text": "Embedded mit den Taliban."
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    "end": 742.36,
    "text": "Nervenaufreibende Recherche, weil wir da illegalerweise aus Sicht der Regierung durch die Front durchbrechen mussten und uns durchschmuggeln mussten."
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    "text": "zu den Taliban."
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    "text": "Dazu fehlt mir das Vokabular."
  },
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    "end": 753.94,
    "text": "Dann holte er einen winzigen Handspiegel aus dem Regal, der von einer Recherche in Nigeria stand."
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    "text": "Einen"
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    "text": "Wochen lang sind wir mit den Nomaden."
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    "end": 759.16,
    "text": "zu Fuß durch die Berge gezogen, was ich auch nie vergessen werde."
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    "end": 767.3,
    "text": "Und die Folanifamilie vom Chef, die Kinder und seine Frau, die haben sich jeden Morgen um diesen Spiegel herum gescharrt."
  },
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    "end": 772.68,
    "text": "Das war quasi eines der ganz wenigen Produkte, die diese Familie mit sich führte."
  },
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    "text": "Und ein anderes Teil."
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    "text": "Und dieses Teil stammt vom Bett von Gaddafi aus eines seiner Palästen in Benghazi."
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    "text": "So nebenbei."
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    "end": 786.78,
    "text": "Ein Stück vom Bett von Gaddafi."
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    "end": 803.24,
    "text": "Die Wohnung von Wolfgang Bauer ist voll von Erinnerungen, denn sie ist eben auch der Ort, an den er nach jeder seiner Reisen zurückkehrt, um seine Erfahrungen und Eindrücke in eine Sprache zu bringen, die wir hier in unserer sicheren Welt verstehen können."
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    "end": 808.18,
    "text": "Er ist also jemand, der zwischen den Welten wandert, wenn man so will."
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    "text": "Ja, und wie man schnell merkt, hat das natürlich auch sein Menschenbild geprägt."
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    "text": "Wie"
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    "text": "in Reutlingen, in Hamburg etc."
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    "end": 817.62,
    "text": "siehst du meistens wenig von der menschlichen Natur."
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    "text": "In den Krisen und im Krieg."
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    "end": 825.04,
    "text": "tatsächlich siehst du die Linien der menschlichen Natur deutlich nackter."
  },
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    "end": 832.12,
    "text": "Ich gehe davon aus, dass jeder von uns in der Lage ist, alte Krimi, Weisheit sozusagen, jemand umzubringen."
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    "text": "Es kommt nur auf die Situation drauf an."
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    "text": "Und jeder von uns ist in der Lage für sein Essen zu kämpfen."
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    "text": "mit gewalttätigen Mitteln."
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    "text": "Jeden von uns kannst du psychisch in eine Situation bringen, wo er mit seiner Faust jemand anderen verletzt."
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    "text": "Aber das siehst du nicht."
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    "text": "In unserer Lebenswirklichkeit normalerweise."
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    "text": "Schon nach kurzer Zeit, als wir waren vielleicht zehn Minuten bei ihm zu Besuch, wurde mir schon mein eigener großer Luxus bewusst."
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    "text": "Der Luxus der Distanz."
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    "text": "Denn ganz ehrlich, es mag naiv sein, Aber ich bin froh, diese Seite des Menschens nicht in diesem Maße erfahren zu müssen."
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    "text": "Denn mein Blick ist nicht der von Wolfgang Bauer, der Unmittelbare, sondern ich blicke auf Bilder."
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    "end": 883.2,
    "text": "Und meistens sind das nicht einmal Bilder, die die Realität eins zu eins abbilden wollen."
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    "text": "Metaphern."
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    "end": 892.6,
    "text": "Sie erzählen von biblischen oder mythologischen Geschichten, die sinnbildhaft für genau die Abgründe stehen, von denen er berichtet."
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    "end": 899.28,
    "text": "Wobei untertreffen sich Kunst und Kriegsreportage wieder, auch Kunst übersetzt."
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    "text": "Sie übersetzt rohe Gefühle in Komposition, in Farbe und Form."
  },
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    "end": 908.96,
    "text": "Sie hebt Geschichten aus ihrer Zeit und macht sie zu einem zeitlosen Kommentar."
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    "end": 914.14,
    "text": "Sie zeigt uns nicht nur einen Krieg, sondern das Wesen des Krieges."
  },
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    "end": 923.68,
    "text": "Und bevor wir tiefer in das Gespräch mit Wolfgang Bauer eintauchen, möchte ich, dass wir uns genau so eine künstlerische Übersetzung ansehen."
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    "end": 929.14,
    "text": "Ein Werk voll von Zorn, Verrat und göttlichem Schicksal."
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    "text": "Das Kunstwerk zum Zorn Anton van Dijk, Simson und Delilah."
  },
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    "end": 944.98,
    "text": "Die Malerei ist, so könnte man sagen, das Kino vergangener Jahrhunderte."
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    "end": 957.84,
    "text": "Nicht in dem Sinne, dass sie allen zugänglich war, aber in der Hinsicht, dass hier auf einer Leinwand eine Geschichte mit vollen Emotionen erzählt wurde, besonders auf einem so großen Format wie diesem hier."
  },
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    "end": 962.04,
    "text": "Wir stehen vor der Gefangennahme Simsons."
  },
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    "end": 966.06,
    "text": "Um sixteenhundertdreißig gemalt von Antonis van Dijk."
  },
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    "end": 973.96,
    "text": "Er war einer der bedeutendsten flehmischen Barockmaler, der eine gewisse Zeit im Schatten seines großen Meisters Peter Paul Rubens stand."
  },
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    "text": "Was er hier malt, ist eine Geschichte aus dem alten Testament."
  },
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    "end": 989.74,
    "text": "Simson, oder auch Samson, ist ein sogenannter Richter, also der Anführer seines Volkes, in einer Zeit, bevor Israel Könige wie Saul oder David hatte."
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    "text": "Schon seit seiner Zeugung ist er mit übermenschlichen Kräften begabt."
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    "text": "Er ist wahnsinnig stark und kann alle Feinde allein durch Muskelkraft besiegen, sodass Israel keine Armee benötigt."
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    "text": "Das wissen auch die Feinde, die Filister."
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    "text": "Sie versuchen, hinter das Geheimnis seiner Stärke zu kommen, denn seine Kraft ist an Bedingungen geknüpft."
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    "text": "Er darf zum Beispiel keinen Alkohol trinken."
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    "text": "Vor allen Dingen darf er sich aber niemals die Haare schneiden."
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    "text": "Und wir sehen schon, sein Kopf ist relativ kahl."
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    "text": "Seine Locken liegen wie beim Friseur auf dem Boden."
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    "text": "Was war geschehen?"
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    "text": "Wie die meisten Helden, und hier beginnt das Hollywood-Kino schon in der Bibel, hat Simpson eine Schwäche, die Liebe."
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    "text": "Und diese Liebe ist, wie es sich für eine gute Geschichte gehört, verboten."
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    "text": "Denn seine geliebte Delilah gehört zum verfeindeten Volk der Filiste."
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    "text": "Das weiß auch Simpson, aber die Liebe überwindet diese politischen Grenzen."
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    "text": "Sie lieben einander, aber Delilah wurde von ihren Leuten bestochen."
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    "text": "Vielleicht auch bedroht."
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    "text": "Die Bibel aber spricht von Bestechung."
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    "text": "Die Bibel macht Delilah zur Täterin."
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    "text": "Die Gier, mehr besitzen zu wollen, bringt sie dazu, die Liebe ihres Lebens zu verraten."
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    "text": "Sie fragt ihm nach dem Geheimnis seiner Stärke."
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    "text": "Und das sogar vier Mal."
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    "text": "Die ersten drei Male antwortete er nicht wahrheitsgemäß."
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    "text": "Er ist ja nicht doof und weiß, dass er die Verantwortung für sein ganzes Volk trägt."
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    "text": "Er erfindet also etwas."
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    "text": "Zum Beispiel, wenn man mein langes Haar mit einem Nagel an die Wand nagelt, verliere ich meine Kraft."
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    "text": "Mit dieser Information ausgestattet geht die Lila zu den Soldaten der Filister."
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    "text": "Sie kommen und wollen Simpsons Gefangen nehmen."
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    "text": "Seine Haare waren mit einem Nagel an der Wand angenagelt, doch er hat seine Kraft noch, kann sie vertreiben oder töten."
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    "text": "Dreimal fragt sie, dreimal lügt er."
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    "text": "Beim vierten Mal wirft sie die Liebe in die Waagschale und sagt, wenn du mir jetzt nicht die Wahrheit sagst, dann verlasse ich dich."
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    "text": "Nun, als sie mit der Liebe daherkommt, da sagt er ihr auf einmal die Wahrheit."
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    "text": "Das Bild zeigt uns den Moment danach."
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    "text": "Der Verrat liegt bereits links am Boden, eine Schere und die abgeschnittenen Haare."
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    "text": "Simson war auf die Lilas Schoß eingeschlafen."
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    "text": "Sie oder ihre ältere Markt im Hintergrund schnitten ihm die Haare, während er schläft."
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    "text": "Wobei ich mir unschlüssig bin, wie er da weiterschlafen konnte."
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    "text": "Die Soldaten kommen zum vierten Mal und machen unglaublichen Lernen."
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    "text": "Und hier, in diesem Moment des Triums für die Filister, explodiert die Szene in der Emotion, wegen der ich dieses Bild ausgewählt habe, dem Zorn."
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    "text": "Blicken sie auf den älteren Soldaten rechts."
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    "text": "Sein Gesicht ist eine Maske des Zorns."
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    "text": "Die ganze Emotion konzentriert sich in den Augen."
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    "text": "Sie sind weit aufgerissen, Quellen fast aus den Höhlen hervor und haben einen fiebrigen, wahnsinnigen Glanz."
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    "text": "Der Zorn als Totsünde ist genau das, ein unkontrolliertes, auf Rache und Zerstörung sinnendes Gefühl, das den anderen nicht nur besiegen, sondern auslöschen will."
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    "end": 1206.4,
    "text": "Aus der Perspektive dieses Soldaten ist es wahrscheinlich sogar ein gerechter Zorn."
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    "text": "Simpson ist für ihn der Staatsfeind, ein übermächtiger Krieger, der seine Kameraden gedemütigt oder vielleicht auch getötet hat."
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    "text": "Die Soldaten binden und fesseln Simpson."
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    "text": "Kurze Zeit später wird er sogar geblendet, sie stechen ihm die Augen aus."
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    "text": "Er rappelt sich auf, bald die Faust um seine Kräfte zu rufen und in dem Moment muss er erkennen, dass er seine Kraft nicht mehr hat."
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    "text": "Jetzt schaut er zu Delilah."
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    "end": 1241.68,
    "text": "Man könnte meinen, wir schauen in das Gesicht eines Mannes dem gerade das Herz bricht."
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    "text": "Und sie?"
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    "end": 1249.34,
    "text": "Hier geschieht das, was dieses Bild von vielen anderen Darstellungen dieser Geschichte unterscheidet."
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    "text": "Sie, Delilah, steigt ihm den Arm entgegen und auch sie wirkt gebrochen."
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    "text": "Ein Zeitgenosse von Van Dyck, Rembrandt, hat ein berühmtes Bild gemalt, auf dem Delilah mit dem Haarschopf in der Hand als triumphierendes Luder die Szene verlässt."
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    "text": "Da ist sie wirklich die Böse."
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    "text": "Aber hier?"
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    "text": "Warum reagiert sie so?"
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    "text": "Warum verkrampft sie sich so im Tuch, versucht die Nähe zu Simson aufrecht zu erhalten?"
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    "text": "Warum dieser sehnsüchtige, traurige Blick?"
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    "text": "hat sie jetzt erst kapiert, was sie getan hat?"
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    "text": "Dieser wunderschöne Blickwechsel."
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    "text": "Das ergibt keinen Sinn, wenn sie die Verräterin ist."
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    "text": "Meine Interpretation ist, dass beide Figuren erkennen, dass sie Teil einer viel größeren Geschichte sind, einem göttlichen Schicksal, dem sie sich ergeben müssen."
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    "text": "In der Theologie wird Simpson als Vorausdeutung auf Jesus gesehen."
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    "text": "Dessen Selbstopfer am Kreuz, um das eigene Volk zu retten, ist für Simpson das Vorbild."
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    "text": "Seine Rolle ist das Matyrium."
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    "text": "Und Delilahs Rolle ist die der Verräterin, die diese Schicksal erst ermöglicht."
  },
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    "text": "Sie erfüllen beide ihre tragische Bestimmung."
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    "text": "Und Delilah weiß, dass ihre Rolle die der Verräterin ist."
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    "text": "Er hat dreimal gelogen, weil er noch zu feige war, dem Tod ins Auge zu blicken und auch sich von ihr nicht trennen wollte."
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    "text": "Als sie aber mit der Liebe kam, wusste er, jetzt muss es passieren, das ist das Signal."
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    "text": "Das ist in Wirklichkeit alles wahnsinnig romantisch."
  },
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    "end": 1356.28,
    "text": "Deswegen glaube ich nicht, dass dies der Blick eines Mannes ist, dem gerade das Herz bericht, weil er erkannt hat, dass er betrogen wurde."
  },
  {
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    "end": 1363.3,
    "text": "Nein, sondern es ist das allerletzte Mal, dass sie einander in die Augen schauen können."
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    "end": 1367.9,
    "text": "Einer der hellsten Punkte im Bild ist sein Augenlicht."
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    "end": 1375.5,
    "text": "Dieser Glanzpunkt im Auge, die feuchten Augen, das ist der letzte Moment der Zweisamkeit."
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    "text": "Im wahrsten Sinne des Wortes der letzte Augenblick."
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    "end": 1383.44,
    "text": "Gleich werden sie für immer getrennt sein, er wird geblendet werden."
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    "text": "Das ist der Ausdruck nicht von Enttäuschung, sondern von Liebe und Trauer darüber."
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    "text": "dass es jetzt vorüber ist."
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    "text": "Am frühen Abend spazieren wir, Iris, Andreas und ich, mit Wolfgang Bauer einen Hügel im beschaulichen Reutlingen hinauf."
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    "text": "Die Sonne geht unter, die Luft ist mild, die Umgebung idyllisch."
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    "text": "Es ist ein Land, das Wolfgang Bauer so oft bereist hat, dass er es kennt wie kaum ein anderer westlicher Journalist."
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    "text": "Darüber hat er ein eindringliches Buch geschrieben."
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    "text": "Der Titel verweist auf die Ring Road, eine über zweitausend Kilometer lange kreisförmige Autobahn, die die wichtigsten Städte Afghanistan verbinden und Fortschritt bringen sollte."
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    "text": "Ein Versprechen, das bis heute unerfüllt blieb."
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    "text": "Doch das Buch erzählt nicht von der Straße selbst, sondern von den Menschen, die er entlang dieser Route getroffen hat."
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    "text": "Von Geschichten, die sich über Jahrzehnte ziehen."
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    "text": "von einem Land, das immer wieder von einer Tragödie in die nächste stürzt."
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    "text": "Und auch von ihm selbst, der so oft zurückgekehrt ist, dass er die Veränderungen miterleben konnte."
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    "text": "Während unseres Weges nach oben zu einem Aussichtspunkt, der uns einen Blick über ganz Reutlingen ermöglichen sollte, hole ich mein Tablet heraus, um Wolfgang Bauer auch das Bild zu zeigen, von dem ich ihnen gerade vorhin erzählt habe."
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    "text": "Von Simson und Delilah."
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    "text": "Als erster Moment die Soldaten der Filister reinstürmen, wacht er auf."
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    "text": "Seine erste Frage gilt nicht der Kunst, sondern dem Menschen."
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    "text": "Die Bibel berichtet nicht weiter über sie."
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    "text": "Das wahre Psychodrama wird nicht aufgedeckt."
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    "text": "Ja, eigentlich schon, weil andere Künstler stellen das anders."
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    "text": "Van Dyck entscheidet sich dazu, sie jetzt so zu malen, dass es ihr ja auch leidtut."
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    "text": "Dann ist es auch die Todsünde Liebe."
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    "text": "Das ist nun wirklich keine Todsinn."
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    "text": "Aber die beiden sind ja in die Situation gekommen durch diese Leidenschaft."
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    "text": "Ja, das ist wahr."
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    "text": "In Afghanistan, so erklärt Wolfgang Bauer, ist die Liebesehe eigentlich die Ausnahme."
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    "text": "Die Ehe ist eine Sache, die sorgsam von den Familien arrangiert"
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    "text": "Alles arrangiert von den Eltern, sehr vorsichtig."
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    "text": "Ausbrunassiert, allermeistens stimmt die Kinder oder müssen die Kinder dem zustimmen, die können auch nein sagen."
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    "text": "Aber die allermeistens verlassen die sich auf die Eltern."
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    "text": "Außer man lernt mehr so wenig Mädels oder Jungs kennen in der Gesellschaft dort."
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    "text": "Das muss dann alles über die Familien schienen laufen und alles der Sitzamkeit entsprechen."
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    "text": "Gibt es dann solche Liebesgeschichten?"
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    "text": "in Afghanistan?"
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    "text": "Dann wird diese Vorstellung von Liebe nicht"
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    "text": "Doch, die gibt's."
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    "end": 1578.1,
    "text": "Durchs Internet verbreitet und sowieso, weil man sich natürlich manchmal verliebt."
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    "text": "Die Glücklichen unter uns verlieben sich."
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    "end": 1583.14,
    "text": "Die gibt's."
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    "end": 1587.22,
    "text": "Ich werde sie wieder besuchen in drei Wochen."
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    "text": "Rafi und Halima hab ich ... Und"
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    "text": "dann beginnt er zu erzählen."
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    "text": "Von einer Romeo und Julia-Geschichte im echten Leben."
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    "end": 1599.96,
    "text": "im Afghanistan der zweitausender Jahre."
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    "text": "Eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrundrauschen des Krieges, des Zorns und der verfeindeten"
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    "text": "Etnien."
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    "text": "Also der Papa war total dagegen von ihr, der Hazarabteil der Familie."
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    "text": "Und sie wollten damit in einer Durchbrennen nach Kabul, die statt der vielen Freiheiten sozusagen."
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    "text": "Aber sie wurden dabei gestoppt im Hazaraviertel, wo er sie mit dem Wagen abholen wollte."
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    "text": "Und"
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    "text": "er wurde dann verprügelt,"
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    "text": "was umgebracht von anderen Hazarajungs, die mitbekommen hatten, dass eine von uns eine Hazaramädel jetzt hier mit jemandem durchbrennen will."
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    "text": "Und dann ist die Polizei eingeschritten."
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    "text": "Die hat blöderweise dann noch einer schossen, wieso die afghanische Polizei damals war."
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    "text": "Riesenaufstand in der Stadt."
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    "end": 1673.94,
    "text": "Dann mussten die beiden in Schutzhaft genommen werden."
  },
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    "end": 1676.5,
    "text": "Auf der Polizeistation wurde die Polizeistation gestürmt."
  },
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    "end": 1683.44,
    "text": "Dann waren wir plötzlich auch Männer in Zivil, die Soldaten auf Urlaub waren und die so eine RPG dabei hatten."
  },
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    "text": "Die haben dann ihre Panzerfäuste auf die Polizeistation abgefeuert, die Polizeistation Brante, der Fuhrpark Brante."
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    "end": 1693.26,
    "text": "Verletzte, riesen Tarar."
  },
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    "end": 1695.96,
    "text": "Die beiden wurden dann weiter evakuiert."
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    "text": "Mit dem Polizisten landeten im Jugendgefängnis, wo ich sie kennengelernt hatte."
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    "text": "Sie wurde sofort auf Jungfeuligkeit untersucht."
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    "text": "War Gott sei nichts passiert."
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    "text": "Ein wahnsinnig demütigendes Pozedere."
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    "text": "Hätte man herausgefunden, dass sie schon sexuellen Kontakt gehabt hätten."
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    "text": "Dann, wie sie für mehrere Jahre in Knast gelandet."
  },
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    "end": 1721.06,
    "text": "So waren an beiden Anführungsstrichen nur ein Jahr verknastet."
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    "end": 1725.44,
    "text": "Ja, und ich bin dann einmal hingefahren, hab sie in der Woche lang getroffen."
  },
  {
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    "end": 1730.4,
    "text": "Sie im Mädchentrakt, ihm im Jungenstrakt, mit lauter Taliban-Jungs zusammen."
  },
  {
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    "end": 1735.42,
    "text": "Und nach einem Jahr bin ich wiedergekommen, am Ende der Haftstrafe, als der Papa angekündigt hatte."
  },
  {
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    "end": 1738.58,
    "text": "Sobald sie ihren Fuß aus dem Plast bewegt, bringt er sie um."
  },
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    "end": 1748.02,
    "text": "Und dann wurde mit den ersten Anwältinnen, den sie jemals in diesem Land gegeben hat, verhandelt mit den Familien."
  },
  {
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    "end": 1752.48,
    "text": "Ein Deal wurde ausgehandelt, zweitausend Dollar."
  },
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    "text": "mussten von der Familie des Beutigams gezahlt werden."
  },
  {
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    "end": 1759.36,
    "text": "Dann hat der Papa Ruhe gegeben."
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    "end": 1761.92,
    "text": "Familie des Beutigams hatte aber nur die Hälfte."
  },
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    "end": 1763.44,
    "text": "Der andere hab ich gezahlt."
  },
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    "end": 1770.22,
    "text": "Moment, ich muss kurz meine Schuhe ... Das heißt, das gerade ein Happy End."
  },
  {
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    "end": 1771.82,
    "text": "Moment, Moment."
  },
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    "text": "Das will ich auch hören."
  },
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    "text": "Aber das ist ein Riesendrama."
  },
  {
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    "end": 1783.9,
    "text": "Seid ihr besucht ihr jedes Jahr?"
  },
  {
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    "text": "Mhm."
  },
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    "end": 1788.56,
    "text": "Ich lasse auch immer Porträts von Ihnen anfertigen, die sehr beeindruckend sind."
  },
  {
    "start": 1789.54,
    "end": 1794.84,
    "text": "Jetzt über mittlerweile vierzehn, fünfzehn Jahre, weil sie zeigen, wie sich die Menschen verändern."
  },
  {
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    "end": 1799.78,
    "text": "Haben drei Kinder, sind noch zusammen."
  },
  {
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    "end": 1802.6,
    "text": "Erst aber Tagelöhner, hat kein Geld."
  },
  {
    "start": 1802.68,
    "end": 1805.2,
    "text": "Ich sammle nur mal in zweitausend Euro für eine Rikscha für ihn."
  },
  {
    "start": 1806.22,
    "end": 1811.24,
    "text": "Weil Rikscha löst alle Probleme, dann kann er sich als Taxiunternehmer selbstständig verdienen."
  },
  {
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    "end": 1818.74,
    "text": "Aber sie sagt ... Sie würde keinen afghanischen Mädel empfehlen, das sich leicht zu tun."
  },
  {
    "start": 1819.8,
    "end": 1825.92,
    "text": "Sie sagt, hört auf eure Eltern, die sind klüger als ihr, die haben den Fehler getan, den Rat unserer Eltern zu ignorieren."
  },
  {
    "start": 1827.26,
    "end": 1828.0,
    "text": "Also Happy End."
  },
  {
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    "end": 1832.02,
    "text": "Nicht für die Freiheit, aber für das Leben."
  },
  {
    "start": 1833.76,
    "end": 1837.5,
    "text": "Nicht für die Freiheit, aber für das Leben, sagt er."
  },
  {
    "start": 1838.44,
    "end": 1842.56,
    "text": "Ein Satz, der die ganze Komplexität dieser anderen Welt zusammenfasst."
  },
  {
    "start": 1843.86,
    "end": 1856.76,
    "text": "Es ist eigentlich unfassbar, welche ... Dinge, das in Bewegung setzt, also dieses Paar, das da durchbrennen will, wie so wie du das beschrieben hast."
  },
  {
    "start": 1857.72,
    "end": 1862.66,
    "text": "Gibt es ja einen riesen, riesen Drama, das sich nur aus diesem Paar entspint?"
  },
  {
    "start": 1863.24,
    "end": 1867.3,
    "text": "Ja, für uns Journalisten ist das natürlich toll, weil, was heißt toll?"
  },
  {
    "start": 1868.08,
    "end": 1872.52,
    "text": "Aber das ist im Prinzip, das ist eine Einzelgeschichte von einem Paar."
  },
  {
    "start": 1872.56,
    "end": 1886.0,
    "text": "Wenn du die aber gut genug studierst als Journalist und recherchierst, kommst du damit tiefer, in das Herz von der Gesellschaft, wie über über Zehntausend Nachrichtentexte, über eine Situation in diesem Land."
  },
  {
    "start": 1887.18,
    "end": 1890.72,
    "text": "Also, ich hab viel gelernt über Raffi und Halima, über Afghanistan."
  },
  {
    "start": 1892.44,
    "end": 1893.58,
    "text": "Und auch über den Zorn?"
  },
  {
    "start": 1896.28,
    "end": 1901.78,
    "text": "Der Vater war sehr erzohnt, so erzohnt, dass er das Leben, das er einem Menschen geschenkt hat, den Menschen wiedernehmen wollte."
  },
  {
    "start": 1902.52,
    "end": 1914.64,
    "text": "Weil über diesen Menschen seine Würde und das seiner Familie so beschädigt ist, dass nicht nur sein Leben, dass seine Version jetzt sondern das Leben seines gesamten Clans keine Zukunft mehr hat."
  },
  {
    "start": 1916.04,
    "end": 1925.08,
    "text": "Und dann wollte er das überleben, das wirtschaftliche Überleben seines Clans, eine Retten und sozusagen aus seiner Sicht das Leben seiner Tochter opfern."
  },
  {
    "start": 1927.08,
    "end": 1934.86,
    "text": "Das heißt, es hätte tatsächlich von der Umgebung Konsequenzen gegeben gegenüber der Familie wegen dieses Vorfalls."
  },
  {
    "start": 1934.98,
    "end": 1936.56,
    "text": "Keiner macht damit Geschäfte mit dir."
  },
  {
    "start": 1937.46,
    "end": 1942.6,
    "text": "Du wirst als Maverick, als Außenseiter behandelt, als Vater einer Hure."
  },
  {
    "start": 1943.2,
    "end": 1944.5,
    "text": "Ja, die mit Jungs rummacht."
  },
  {
    "start": 1945.74,
    "end": 1949.44,
    "text": "Und dann auch mit solchen Jungs, die ihre Religion, das Cheitentum verrät."
  },
  {
    "start": 1950.98,
    "end": 1952.14,
    "text": "Und das alles bist du."
  },
  {
    "start": 1956.54,
    "end": 1959.54,
    "text": "Wir sehen das immer so aus unserem Wertemuster heraus."
  },
  {
    "start": 1959.62,
    "end": 1959.68,
    "text": "Ja,"
  },
  {
    "start": 1959.8,
    "end": 1960.0,
    "text": "klar."
  },
  {
    "start": 1960.92,
    "end": 1962.06,
    "text": "Dass ich ja auch verteidige."
  },
  {
    "start": 1962.24,
    "end": 1966.06,
    "text": "Aber es ist wichtig, sich auch in das Wertemuster der anderen mal gedanklich zu begeben."
  },
  {
    "start": 1966.92,
    "end": 1969.56,
    "text": "Weil nur so, glaub ich, bringt das Wasser."
  },
  {
    "start": 1969.6,
    "end": 1973.58,
    "text": "Ansonsten ist es nur ein Ekel, den man empfindet und abscheu."
  },
  {
    "start": 1974.82,
    "end": 1975.54,
    "text": "Mittelalter."
  },
  {
    "start": 1976.92,
    "end": 1987.7,
    "text": "Schreckliche Menschen, aber dass die eine sozusagen sehr rationale und in dem Sinne auch gesunde Motivation haben für Handeln, das begreift man dann halt nicht."
  },
  {
    "start": 1991.92,
    "end": 2009.96,
    "text": "Was ich spannend empfunden habe an dem Bild, bevor wir dich getroffen haben, war die sich zu überlegen, was dann Krieg, wenn er über so lange Zeit geht wie in Afghanistan, in welcher Hinsicht spielt an Zorn überhaupt noch eine Rolle."
  },
  {
    "start": 2011.1,
    "end": 2015.16,
    "text": "Gibt es dort so eine Grundstimmung an Zorn oder Wut?"
  },
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    "text": "Ja, sicher."
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    "text": "Aber die geht in viele Richtungen."
  },
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    "text": "Gibt es Zorn über den Westen, dass er abgezogen ist?"
  },
  {
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    "end": 2026.92,
    "text": "Zorn über den Westen, dass er so viele Versprechungen gemacht hat?"
  },
  {
    "start": 2028.56,
    "end": 2032.54,
    "text": "Zorn ans Schicksal, dass er manche Familie nach Deutschland gelassen hat, andere nicht?"
  },
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    "end": 2036.22,
    "text": "Die vielleicht bedrohter gewesen sein mögen oder sind?"
  },
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    "text": "Zorn gegenüber den Taliban, die so ungebildet sind und dem man sich unterwerfen muss?"
  },
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    "start": 2042.02,
    "end": 2047.06,
    "text": "Zorn über eine Ethnie, den gerade die Paar Stunden, die jetzt alleine quasi Start machen und alle anderen."
  },
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    "end": 2052.0,
    "text": "Vierzigfünfunddreißig Ethnien ausscheiden, Diskriminierung, Rassismus überall."
  },
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    "start": 2053.659,
    "end": 2055.88,
    "text": "Sieherlich auch Zorn, was ich mal merke, überall."
  },
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    "end": 2059.159,
    "text": "Dass er es nicht mehr regnen lässt und nicht mehr schneiden im Winter."
  },
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    "text": "Aber dieser Zorn wird halt nur noch innen ausgelebt, überwiegend."
  },
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    "end": 2070.36,
    "text": "Und führt auch viele Leute, nehm ich mal an."
  },
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    "start": 2071.52,
    "end": 2080.08,
    "text": "in Form der Resignation, was ja ein Schutzmechanismus gegenüber den Zorn ist und der Hoffnung, die nur wehtut, in die Drogenabhängigkeit."
  },
  {
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    "end": 2083.06,
    "text": "Also Afghanistan hat ein Riesenproblem mit Drogen."
  },
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    "end": 2089.739,
    "text": "Poppyfields, Heroin, Hascht, der jetzt aber auch immer mehr synthetische Drogen."
  },
  {
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    "end": 2100.5,
    "text": "Das Widerliste, was ich jetzt mal mit dem ich da zu tun hatte, war Methanabhängige, die sich über öffentliche Toiletten hängen."
  },
  {
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    "end": 2104.24,
    "text": "und sich ametan des erschissenden Berauschen."
  },
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    "text": "In Kabul hast du überall auf den Straßen Riesengruppen von Männern mit Wart und allen drum und dran, die so im Kreis rumhocken und Wippen auf und ab, wie hospitalisierte Menschen, die sich gegenseitig da den Rauch zu facheln."
  },
  {
    "start": 2121.08,
    "end": 2122.56,
    "text": "Die sehen aus wie Zombies, muss ich sagen."
  },
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    "start": 2123.28,
    "end": 2126.44,
    "text": "Die versuchen überall einzubrechen, sind ein Sicherheitsrisiko."
  },
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    "text": "Arme Leute."
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    "end": 2134.06,
    "text": "vor denen man aber dann doch Angst haben sollte, weil in ihrer Verzweiflung die alles mögliche tun können."
  },
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    "end": 2146.1,
    "text": "Und das ist jetzt auch für mich, wenn ich nach Kabul fahre, die größte Bedrohung quasi die Abdämpfung des Zorns, die Drogenabhängigen, die das Handy wegnehmen und schnell mal ein Messer zücken."
  },
  {
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    "end": 2149.28,
    "text": "Und dann solltest du auch nicht groß zögern, sondern deinen Handy dann geben."
  },
  {
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    "end": 2158.68,
    "text": "Also das sind nicht die Taliban, meine große Sorge, sondern die Trauben an Drogenabhängigen, die quasi über alles herfallen, was ein bisschen besitzt hat."
  },
  {
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    "end": 2162.78,
    "text": "Die Bauern klauen sich drogenabhängig, gegenseitig die Ernten."
  },
  {
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    "end": 2167.08,
    "text": "Deshalb die Taliban potpatulieren, um die Ernten zu bewachen."
  },
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    "text": "Bei meiner riesen Klimakatastrophe in Afghanistan, ich kenne Gegenden, die waren früher Kornkammern und sind jetzt zu achtzig Prozent trocken gefallen."
  },
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    "end": 2179.72,
    "text": "Aber die Bevölkerung wächst weiter enorm."
  },
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    "end": 2182.64,
    "text": "Jetzt müssen wir da hoch."
  },
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    "end": 2186.4,
    "text": "Wenn wir wollen, müssen wir nicht."
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    "end": 2189.24,
    "text": "Ich will ja niemanden zornig machen."
  },
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    "text": "Auf"
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    "end": 2189.98,
    "text": "keinen Fall."
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    "text": "Zu spät."
  },
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    "text": "Und so steigen wir, mit vollen Köpfen, den Hügel hinein in einen fast schon kitschigen Sonnenuntergang."
  },
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    "end": 2213.36,
    "text": "Mit Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, möchte ich jetzt zurückkehren ins kleine Häuschen mit den roten Fensterläden."
  },
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    "text": "Denn vor unserem Spaziergang habe ich dort mit Wolfgang Bauer ein langes Gespräch über den Krieg und über seine Arbeit geführt."
  },
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    "end": 2226.92,
    "text": "Dass so eindringlich war, dass es mir bis heute kalten Rücken hinunterläuft."
  },
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    "end": 2246.88,
    "text": "Im ersten Stock in einer gemütlichen Ecke, voll mit Bücherregalen, in denen nicht nur Bücher, sondern auch seine Souvenirs, der, naja, etwas anderen Art stehen."
  },
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    "end": 2254.34,
    "text": "Sie wissen schon, die Flakonflasche mit dem Parfum der Taliban oder das Stückchen vom Bett von Gaddafi."
  },
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    "end": 2258.66,
    "text": "In dieser Ecke also setzen wir uns in zwei bequeme Ohrensessel."
  },
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    "end": 2264.54,
    "text": "Andreas und Iris bauen die Mikrofone auf, und setzen sich daneben auf den Boden."
  },
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    "text": "Wir sind alle gespannt."
  },
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    "end": 2274.56,
    "text": "Schließlich hat man selten die Gelegenheit, einen Menschen zu befragen, der sich freiwillig in die gefährlichsten Regionen dieser Welt begibt."
  },
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    "end": 2278.12,
    "text": "Wie alles begann, war meine erste Frage."
  },
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    "end": 2284.84,
    "text": "Also, was hat ihn dazu gebracht, vom Krieg und von den menschlichen Schicksalen hinter der Gewalt zu berichten?"
  },
  {
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    "end": 2288.04,
    "text": "Er hat sich alles eh sowieso aus einem Zufall herausentwickelt."
  },
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    "end": 2291.28,
    "text": "Schreiben wollte ich immer schon auch als Kind."
  },
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    "text": "Hab immer schon viel gelesen."
  },
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    "text": "Kurzgeschichten geschrieben schon als zehn, elfjähriger."
  },
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    "end": 2305.48,
    "text": "Da sein Vater Berufsoffizier war, so erzählt er, war seine Kindheit von ständigen Umzügen geprägt."
  },
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    "text": "Wohl mit ein Grund, warum die Schulnoten nie besonders gut waren."
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    "text": "Er brach die Schule schließlich ab und versuchte sich an verschiedenen Wegen, die jedoch alle in Sackgassen mündeten."
  },
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    "text": "Für das Handwerk, so fand er, war er zu ungeschickt."
  },
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    "end": 2325.08,
    "text": "Bei einer kaufmännischen Lehre stand ihm die Mathematik im Weg."
  },
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    "end": 2329.34,
    "text": "Auch eine Lehre als Hotelkaufmann in Bayern scheiterte am Heimweh."
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    "end": 2334.44,
    "text": "Schließlich, so erzählt er, gab es einen kurzen Versuch bei der Bundeswehr."
  },
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    "text": "Aber auch da war er schnell fehl am Platz."
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    "text": "Gesehen, ich bin kein militanter Mensch."
  },
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    "text": "Ich kann noch nicht mal im Takt marschieren."
  },
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    "end": 2343.88,
    "text": "Deshalb bin ich auch ungeeignet für Standartenze."
  },
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    "end": 2349.0,
    "text": "Meine Füße so zu bewegen wie alle anderen und vorgegeben, das geht nicht."
  },
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    "text": "Und dann?"
  },
  {
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    "end": 2363.56,
    "text": "Ja, irgendwann habe ich das Abendgymnasium gemacht, wollte eigentlich Geschichte studieren, Islamwissenschaft, war sehr fasziniert damals schon mit zwanzig Jahren vom arabischen Raum, in dem ich ein, zwei Reisen unternommen hatte."
  },
  {
    "start": 2364.8,
    "end": 2374.58,
    "text": "Und dann kam, wie es der Zufall will, der Journalismus, der Lokaljournalismus dazwischen, angefangen hier in Reutlingen, Schwäbisches Tagblatt."
  },
  {
    "start": 2375.92,
    "end": 2385.16,
    "text": "Und die haben einfach zugetraut, dass ich da auf Menschen zugehen kann, ihre Lebensgeschichtenabfrage und dass durch meine Brille wieder gespiegelt interessant sein könnte."
  },
  {
    "start": 2386.56,
    "end": 2401.9,
    "text": "Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Interessanteste für mich eben nicht Theaterkritiken, Ausstellungsbesprechungen, Gemeinderatssitzungen und so weiter, die übliche Nahrung eines Lokaljournalisten."
  },
  {
    "start": 2402.7,
    "end": 2410.56,
    "text": "ist, sondern Begegnung mit Menschen, die sich in Ausnahmesituationen befinden, in Grenzsituationen, die mit sich ringen."
  },
  {
    "start": 2412.08,
    "end": 2420.2,
    "text": "Sechs Jahre lang war er bei der Lokalzeitung und begann währenddessen auch für Magazine wie die Brigitte oder Mahre zu schreiben."
  },
  {
    "start": 2421.08,
    "end": 2428.06,
    "text": "Bis dann eines Tages, im Jahr nineteenhundertfüncoinzig, wiederum der Zufall eine große Rolle spielte."
  },
  {
    "start": 2428.12,
    "end": 2428.22,
    "text": "Der"
  },
  {
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    "end": 2430.32,
    "text": "Tagblatt gab es professionelle Fotografen."
  },
  {
    "start": 2431.34,
    "end": 2437.58,
    "text": "die schon weit älter waren, die für die TATS und andere bundesweite Organe gearbeitet hatten."
  },
  {
    "start": 2437.7,
    "end": 2440.88,
    "text": "Und einer von denen hat mich mal gefragt, Max, mit mir ist der Schreiber ausgefallen."
  },
  {
    "start": 2441.32,
    "end": 2442.88,
    "text": "Sie sollte Ossnian sein."
  },
  {
    "start": 2443.58,
    "end": 2447.8,
    "text": "Und das nur wenige Wochen, nachdem das Friedensabkommen von Dayton unterschrieben worden war."
  },
  {
    "start": 2448.42,
    "end": 2454.24,
    "text": "Und er, der junge Journalist, der bis dahin hauptsächlich lokal Journalismus gemacht hatte, sagte, ja,"
  },
  {
    "start": 2454.64,
    "end": 2459.68,
    "text": "da ging es um eine Überführung von Ambulanzfahrzeugen und auch Lokalberichterstattung wieder."
  },
  {
    "start": 2461.4,
    "end": 2475.02,
    "text": "Und ja, also die Reise habe ich bis heute nicht vergessen, dieses erste Erleben von einem gesprengten Haus vor den Trümmern dieses gesprengten Hauses zu stehen."
  },
  {
    "start": 2475.06,
    "end": 2486.02,
    "text": "und das war nicht Drümmer eines abgerissenen Hauses, so wie ich das bislang kannte, sondern das waren Zeugnisse von Gewalt ausgegangen von den Nachbarn, wie mir erzählt wurde."
  },
  {
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    "end": 2516.54,
    "text": "Und das fand ich so... so unfasslich, dass Menschen antun können, dass die Nachbarn dein Haus in die Luft sprengen, dass ich sogar diese Steine anfassen musste, also richtig anfassen musste, hatte dann paar Tage später ein Gespräch mit einer Nonne, die mir mit fester Stimme erklärt hatte, wie sie im Krieg durch die Mienenfelder gezwungen wurde, mit Flüchtlingen."
  },
  {
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    "end": 2528.36,
    "text": "Ich glaube von, ich weiß nicht mehr von wem, wie sie vergewaltigt wurde, hat mir von ihren Vergewaltigungen erzählt, mit fester Stimme sehr gefasst."
  },
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    "text": "Aber ich habe dann wieder die Fassung verloren."
  },
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    "text": "Ich habe gemerkt, wie mir die Tränen kommen, wie ich dieses Gespräch nicht weiter kontrolliert führen kann."
  },
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    "text": "Und ich wollte natürlich als Mann jetzt vor dieser Frau nicht heulen und ich wollte sie auch nicht retraumatisieren, also nachträglich."
  },
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    "text": "hab das Gespräch dann irgendwie zu Ende geführt, bin da auf meine Kashemme, die ich da irgendwo hatte und hab dann geheult und gedacht, das ist nicht zu dich."
  },
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    "end": 2557.82,
    "text": "Also das bringt mir nichts."
  },
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    "end": 2567.08,
    "text": "Das bringt den Leuten nichts, mit denen ich da zu tun habe und erst recht bringt der Leserschaft nichts in dieser Verfassung."
  },
  {
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    "end": 2577.72,
    "text": "ein Reporter in dieser Verfassung und hab beschlossen, dass ich ... dass ich nicht mehr tun werde, kam dann aber anders."
  },
  {
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    "end": 2583.08,
    "text": "In den folgenden Jahren, so erzählt er, fokussierte er sich auf sozialrelevante Themen."
  },
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    "text": "Er berichtete über die Bergerbeiter im Donnbass oder recherchierte in Kaliniengrad über den Bernsteinhandel."
  },
  {
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    "end": 2595.48,
    "text": "Auch das waren durchwegs gefährliche Situationen, wenn auch kein Krieg."
  },
  {
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    "end": 2600.24,
    "text": "War es seine Absicht, sich auf Dauer dem Extremen auszusetzen?"
  },
  {
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    "end": 2601.58,
    "text": "Also war kein Ziel."
  },
  {
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    "end": 2610.38,
    "text": "auch in den ersten Jahren meiner Magazinejahre alles Mögliche gemacht."
  },
  {
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    "end": 2618.1,
    "text": "Ich habe Reportagen über medizinisch-psychologische Untersuchungen, wenn du deinen Führerschein entzogen bekommst, gemacht und drei Wochen da die Leute begleitet."
  },
  {
    "start": 2618.14,
    "end": 2633.64,
    "text": "beim Ring und Hoffen über Baumärkte in Hannover habe ich geschrieben und dann zwischendurch immer mal wieder auch was im Ausland über Kriege bis sich jetzt in den letzten zwanzig Jahren das immer mehr verengt hat auf klassische Krisen."
  },
  {
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    "end": 2655.88,
    "text": "Aber bis heute mache ich die nicht nur, weil ich nicht möchte, dass mein Blick und die Sprache abstumpft und dann du dann auch irgendwann keine Ahnung, zu viel Zorn bekommst oder Bitterkeit oder annimmst, das sei Alltag der Tod und das Verletztsein und das Blut und traumatisierte Menschen."
  },
  {
    "start": 2656.62,
    "end": 2662.54,
    "text": "Wenn das dann irgendwann nur noch für dich Alltag ist, dann verlierst du auch die Fähigkeit zu übersetzen."
  },
  {
    "start": 2663.26,
    "end": 2665.82,
    "text": "Das bin ich ja letzten Endes auch nur ein Übersetzer."
  },
  {
    "start": 2667.56,
    "end": 2675.24,
    "text": "Wie geht man damit um, nachdem man so viel Gewalt vor Augen hatte und sich dann hier in diesem beschaulichen Städtchen wieder einfindet?"
  },
  {
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    "end": 2681.92,
    "text": "Wie lebt man in der Realität hier mit dem Wissen von der Realität von dort?"
  },
  {
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    "end": 2684.56,
    "text": "Wie nah musst du dran sein?"
  },
  {
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    "end": 2691.56,
    "text": "Wie nah muss man dran sein, um vernünftig genug über Hintergründe und über Geschehnisse informieren zu können?"
  },
  {
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    "end": 2697.76,
    "text": "Wenn du wochenlang irgendwo unterwegs bist, taust du ja wahrscheinlich schon sehr stark ein in die ganze Umgebung."
  },
  {
    "start": 2699.54,
    "end": 2703.5,
    "text": "Wie wichtig ist das für dich, um dann auch wirklich plausibel darüber schreiben zu können?"
  },
  {
    "start": 2704.9,
    "end": 2708.3,
    "text": "Ich glaube, menschlich musst du immer sehr nah dran sein."
  },
  {
    "start": 2709.82,
    "end": 2713.52,
    "text": "kommt es natürlich ganz auf die Situation drauf an."
  },
  {
    "start": 2713.58,
    "end": 2723.92,
    "text": "Ich hatte über Boko Haram berichtet und diese islamistische Sekte in Nigeria, die ich will behaupten, Zehntausende an Frauen und Mädchen entführt hatte und immer noch entführt."
  },
  {
    "start": 2725.76,
    "end": 2734.04,
    "text": "Und da haben wir wochenlang Interviews Gespräche geführt mit diesen Frauen, die freigekommen waren auf unterschiedliche Weisen."
  },
  {
    "start": 2735.7,
    "end": 2738.06,
    "text": "Da konnte ich jetzt an den Geschehnissen nicht nah dran sein."
  },
  {
    "start": 2739.42,
    "end": 2760.38,
    "text": "verständlicherweise, es war alles in der Vergangenheit, aber in diesen Gesprächen versuchte ich nah dran, also vom Verständnis nah dran zu sein und deswegen brauchen, ich hasse im Begriff Interview, ein Unbegriff finde ich, das ist nur ein kleiner Ausflug, Interview ist für mich ein gescheitertes Gespräch."
  },
  {
    "start": 2761.22,
    "end": 2765.96,
    "text": "Also, mir ist es wichtig, mich mit den Leuten zu unterhalten."
  },
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    "text": "Das ist ein Geben und Nehmen."
  },
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    "end": 2769.5,
    "text": "Ich bin kein Frageropter."
  },
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    "text": "Deswegen nehme ich mir viel, viel Zeit, um eine Gesprächssituation herzustellen, in der sich die Leute öffnen und in der ich auch verstehe, wer mir gegenüber sitzt oder liegt."
  },
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    "text": "Nigeria war es häufig liegen."
  },
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    "text": "Die Leute liegen auf dem Boden, so wie bei sich zu Hause auch."
  },
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    "text": "Ja, dann kommt es aber immer wieder auch zu Situationen, wo ich dabei sein kann, wie jetzt in der Ukraine im Krieg."
  },
  {
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    "end": 2810.26,
    "text": "Und ich bin, wie gesagt, bei unschönen, also ich bin keine Franz-Sauer, ich bin nicht der klassische Kriegsberichterstatter."
  },
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    "text": "Mit schusssicherer Weste?"
  },
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    "text": "Die habe ich, ja."
  },
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    "end": 2842.2,
    "text": "Ich habe unten im Flur so einen, ich nenne ihn Expedition, Schrank, wo all diese... Ausrüstungsgegenstände drin sind, das verpflichtend, also auch vom Verlag aus ist es verpflichtend, von unseren Versicherungen ist es verpflichtend, allein wenn du die ukrainische Grenze überschreitest, dein Set beisammen zu haben, Helm, Weste und diese Tunicas kennst du die, diese zum Blut abbinden, vier Stück für vier Gliedmaßen."
  },
  {
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    "end": 2848.86,
    "text": "Das sind Voraussetzungen, aber ich meine, nah an die Kämpfe zum Beispiel zu gehen jetzt in der Ukraine da."
  },
  {
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    "end": 2853.5,
    "text": "Normalerweise tue ich das nicht, weil es einfach zu gefährlich ist."
  },
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    "text": "Ab und an musst du es aber machen."
  },
  {
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    "end": 2864.96,
    "text": "Ab und an musst du direkt an die Front, um zu verstehen, wer da wie mit was gegen wen kämpft."
  },
  {
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    "end": 2872.06,
    "text": "Also die Natur des Konfliktes verstehst du malerweise erst dann vollumfänglich, wenn du an der Front bist."
  },
  {
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    "end": 2873.76,
    "text": "Die technische Natur."
  },
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    "text": "Nee,"
  },
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    "end": 2878.5,
    "text": "auch die psychische, das ist die Quelle des Traumers, das ist die Frontlinie."
  },
  {
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    "end": 2881.86,
    "text": "In der Ukraine heißt das euphemistisch Kontaktlinie."
  },
  {
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    "end": 2887.42,
    "text": "Das ist die Quelle des Traumers, die Quelle des Schreckens."
  },
  {
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    "end": 2895.84,
    "text": "Und alles geht von dieser Linie ab in verschiedenen Variationen, in verschiedenen Verformungen, dann tiefer im Landesinneren."
  },
  {
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    "end": 2902.02,
    "text": "Aber wer noch nie an der Front gewesen ist in einem Krieg, versteht einfach die Natur des Krieges nicht."
  },
  {
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    "end": 2910.5,
    "text": "Es ist nur mal eine ganz andere Intensität, eine ganz andere Existenzialität, wie wenn du jetzt auch nur in Front Nähe bist."
  },
  {
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    "end": 2914.9,
    "text": "Fünf Kilometer machen da eine ganze Welt aus."
  },
  {
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    "end": 2920.46,
    "text": "Das versuche ich aber zu dosieren, weil es persönlich extrem gefährdend ist."
  },
  {
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    "end": 2928.76,
    "text": "Auch letztes Jahr, wenn wir zweimal fast ums Leben gekommen dabei, bei einer Woche Front, Die ist extrem gefährlich in der Ukraine."
  },
  {
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    "end": 2937.08,
    "text": "Allein aus mathematischen Gründen, Wahrscheinlichkeitsprerechnung versuche ich das sehr zu dosieren."
  },
  {
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    "text": "Klingt"
  },
  {
    "start": 2937.38,
    "end": 2938.14,
    "text": "sehr abgeklärt."
  },
  {
    "start": 2938.2,
    "end": 2938.72,
    "text": "das ganze."
  },
  {
    "start": 2939.52,
    "end": 2940.66,
    "text": "Kosten, Nutzen, Rechnung."
  },
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    "end": 2941.04,
    "text": "Musst du."
  },
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    "end": 2944.74,
    "text": "Also das ist alles relativ abgeklärt."
  },
  {
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    "end": 2946.92,
    "text": "Die Vorbereitung ist abgeklärt."
  },
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    "start": 2947.7,
    "end": 2949.2,
    "text": "Schritt für Schritt technisch."
  },
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    "end": 2953.64,
    "text": "Du musst immer einen Plan A, B und C haben."
  },
  {
    "start": 2954.26,
    "end": 2955.94,
    "text": "In egal welcher Situation."
  },
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    "end": 2960.54,
    "text": "Du solltest da alle Sinne konzentriert beisammen haben."
  },
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    "end": 2965.44,
    "text": "Wenn du diese Abgeklärtheit im positiven Sinne nicht hast, dann geh nicht hin."
  },
  {
    "start": 2966.36,
    "end": 2979.84,
    "text": "Abgeklärtheit im emotionalen Sinne wiederum, das ist die besondere Herausforderung von mir, weil ich ja, ich sag mal, kein Nachrichtenjournalismus betreibe, sondern ich bin Reporter, mach Reportagen lange."
  },
  {
    "start": 2981.24,
    "end": 2989.18,
    "text": "Ich muss den Leuten nahe kommen, auch an der Front zum Beispiel, kann ich aber nicht, wenn ich emotional so abgestumpft bin, dass ich nichts mehr wahrnehme."
  },
  {
    "start": 2989.9,
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    "text": "Also"
  },
  {
    "start": 2990.54,
    "end": 3005.2,
    "text": "ich muss einerseits so Resilienz sein, dass ich den Schmerz der anderen nicht zu meinem eigenen Schmerz mache, hundertprozentig, weil den würde ich auf Dauer nicht ertragen, oder den Zorn der anderen zu meinem Zorn mache, dann wäre ich Aktivist."
  },
  {
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    "end": 3012.2,
    "text": "Auf der anderen Seite muss ich mich aber durchlässig halten für den Schmerz."
  },
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    "end": 3041.44,
    "text": "weil ich sonst auf gut Deutsch abgefuckt wäre, dann könnte ich wiederum nicht übersetzen, weil ich gar nicht diesen unglaublichen Schmerz wahrnehmen würde und dann würde ich wiederum Krieg darstellen wie irgendwie ein Fußballspiel hier jeden Samstag auf dem Bolzplatz als was natürliches normales gar nicht so schlimm und dann hätte ich versagt und dann sollte ich besser Restaurantkritik machen."
  },
  {
    "start": 3042.7,
    "end": 3045.38,
    "text": "Ich unterstelle jetzt mal, dass auch Angst dabei eine Rolle spielt."
  },
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    "end": 3048.44,
    "text": "Hält die dich offen, durchlässig?"
  },
  {
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    "end": 3054.38,
    "text": "Ja, Angst ist ein ganz wichtiger Seismograph."
  },
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    "text": "Und ich bin, ich sage immer, eine große Angsthase."
  },
  {
    "start": 3059.54,
    "end": 3071.98,
    "text": "Wenn du dich mit meinen Teams unterhältst und den Fotografen, die mich begleiten, dann, wenn die das bestätigen, hatte ich schon Diskussionen mit Fotografen, die sagten, du hinderst mich daran zu arbeiten."
  },
  {
    "start": 3072.76,
    "end": 3077.14,
    "text": "Weil ich so konservativ bin, je näher an der Front, desto konservativer werde ich."
  },
  {
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    "end": 3080.44,
    "text": "Das heißt, ich gehe dann kaum aus dem Bunker."
  },
  {
    "start": 3080.76,
    "end": 3085.74,
    "text": "Ich will nicht, dass die Fotografen unter offenen Himmel zu lange stehen."
  },
  {
    "start": 3086.9,
    "end": 3091.16,
    "text": "Ich möchte, dass jeder Schritt einigermaßen abgegrenzt und abgeplant ist."
  },
  {
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    "text": "Und das kann manchmal übertrieben wirken."
  },
  {
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    "end": 3101.82,
    "text": "Ja, also Angst ist ganz wichtig und ich empfinde normalerweise relativ viel Angst in den Situationen."
  },
  {
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    "end": 3109.54,
    "text": "Hast du schon Journalistenkollegen kennengelernt, für die sein Kick bedeutet in dieser Situation zu sein?"
  },
  {
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    "end": 3111.62,
    "text": "Eigentlich selten."
  },
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    "end": 3118.92,
    "text": "Wobei ich dazu sagen muss, dass ich meistens sehr unterwegs bin, wie also mit meinem Team, wie so ein bisschen der einsame Wolf."
  },
  {
    "start": 3120.0,
    "end": 3125.06,
    "text": "Das macht die Natur der Sache, da ich eben kein Nachrichtenjournalist bin."
  },
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    "end": 3131.74,
    "text": "Ich arbeite von Wochenmagazin, auch wenn das mittlerweile stündlich auf der Online-Plattform erhältlich ist."
  },
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    "end": 3139.64,
    "text": "Aber ich muss immer schauen bei meinen Projekten, was ist nicht nur morgen interessant, was ist auch noch in einem Monat relevant."
  },
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    "end": 3142.24,
    "text": "Und deshalb muss ich die Herde meiden."
  },
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    "end": 3146.88,
    "text": "Das schränkt meine Erfahrung dann etwas ein."
  },
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    "start": 3147.86,
    "end": 3155.32,
    "text": "Ich habe bisher in Krisengebieten wenige Kollegen, wenige Fotografen wirklich getroffen, die so ein Adrenalin rauscht."
  },
  {
    "start": 3157.84,
    "end": 3169.9,
    "text": "Die meisten Kollegen sind sehr besonnen, sehr abgeklärt, sehr ernsthafte Leute, die tatsächlich getrieben sind von der Mission zu berichten, weil sonst niemand berichtet."
  },
  {
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    "end": 3173.94,
    "text": "Du sitzt nicht im Panzer."
  },
  {
    "start": 3174.5,
    "end": 3182.32,
    "text": "Du wirst dich von einer Militärseite aufgefordert mitzukommend und aus deren Sicht zu berichten."
  },
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    "text": "Doch."
  },
  {
    "start": 3183.14,
    "end": 3183.32,
    "text": "Doch."
  },
  {
    "start": 3183.66,
    "end": 3184.16,
    "text": "Hin und wieder."
  },
  {
    "start": 3184.6,
    "end": 3191.6,
    "text": "Also in der Ukraine ... Gerade die Geschichte, die wir letztes Jahr gemacht haben an der Front, geht nur, indem du dich embedden lässt mit Militäreinheiten."
  },
  {
    "start": 3192.16,
    "end": 3209.52,
    "text": "Normalerweise in der Ukraine wird ein Press-Offizier, der zur Seite gestellt, der guckt, was die Leute so erzählen, dass dir keine sicherheitsrelevanten Informationen preisgeben, die dann der gegnerischen Seite erlauben würden, die Position zu zerstören und Menschenleben auszulöschen."
  },
  {
    "start": 3210.6,
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    "text": "Also es hat in gewissen Rahmen schon auch seine Berechtigung."
  },
  {
    "start": 3215.0,
    "end": 3220.54,
    "text": "Besonders wenn es um Fernsehteams geht, die viele Bilder zeigen, die per GPS auch einmessbar wären."
  },
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    "end": 3226.24,
    "text": "Das sagt ihr dann also diese Richtung nicht filmen, diese Richtung auch nicht und die ist okay."
  },
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    "start": 3226.42,
    "end": 3228.56,
    "text": "und hier bitte das Gesicht unkenntlich machen."
  },
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    "end": 3237.84,
    "text": "Das ist aber der Vorteil meiner Arbeitsweise, dass ich halt nicht nur für paar Stunden da sein will, sondern für mehrere Tage, für einen langen Zeitraum."
  },
  {
    "start": 3237.88,
    "end": 3247.8,
    "text": "und in unserem Fall hat sich der Presseoffizier Das hat einen Tag lang und eine Nacht angeguckt und dann hat er gesehen, dass es sehr ungemütlich ist und dass wir harmlose Fragen stellen."
  },
  {
    "start": 3249.26,
    "end": 3252.56,
    "text": "Nicht sicherheitsrelevante, unbedingt, sondern sehr persönliche Fragen."
  },
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    "end": 3258.34,
    "text": "Weil ich ja verstehen will, wer ist das hier als Mensch, der mit mir hier im Schützengraben sitzt?"
  },
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    "start": 3259.52,
    "end": 3266.76,
    "text": "Und dann hat er sich verabschiedet, hat einen Kommandeur der Einheit hier quasi die Verantwortung für uns übertragen und ist dann gegangen."
  },
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    "start": 3267.6,
    "end": 3270.4,
    "text": "Und dann hatten wir keinen Presseoffizier und die Leute haben relativ frei."
  },
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    "start": 3271.3,
    "end": 3283.58,
    "text": "Freilaune geredet, aber es gibt nur wenige Konflikte, über die du berichten kannst, ohne dass du nicht embedded bist bei der einen oder anderen Seite, die dich dann ja aber auch schützt."
  },
  {
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    "end": 3287.16,
    "text": "Also ich wollte nicht alleine an die Front in der Ukraine laufen."
  },
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    "end": 3288.8,
    "text": "Ich weiß nicht, wo die Minenfelder sind."
  },
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    "end": 3291.4,
    "text": "Ich will nicht als Saboteur gelten."
  },
  {
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    "end": 3295.74,
    "text": "Ich will nicht, dass da eine ukrainische Waffe aus Versehen auf mich gerichtet wird."
  },
  {
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    "end": 3304.26,
    "text": "Ich kann die unterschiedlichen Drohnengeräusche im Himmel über mir, die du ja alle, die Drohnen, die du alle nicht siehst, auch nicht voneinander unterscheiden."
  },
  {
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    "end": 3309.14,
    "text": "Also ich hab dann sehr gerne jemand neben mir, der sich da auskennt."
  },
  {
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    "end": 3310.84,
    "text": "Ja."
  },
  {
    "start": 3311.32,
    "end": 3313.98,
    "text": "Und nichtsdestotrotz braucht es wahrscheinlich ein unglaubliches Know-how."
  },
  {
    "start": 3314.18,
    "end": 3316.2,
    "text": "Ich sehe gerade von hier aus, wo ich sitze, eine Karte."
  },
  {
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    "end": 3318.44,
    "text": "Du studierst das Gelände."
  },
  {
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    "end": 3321.28,
    "text": "Du weißt genau, wo du hingehen möchtest."
  },
  {
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    "end": 3330.8,
    "text": "Also dieses Know-how, dass du dir angearbeitet, angeeignet hast als Kriegsbericht der Stadt als ein Journalist, der aus diesem Gebiet berichtet."
  },
  {
    "start": 3332.0,
    "end": 3336.12,
    "text": "Das ist wahrscheinlich sehr wichtig und es ist sehr viel Wissen, was man sich da aneigern muss."
  },
  {
    "start": 3337.16,
    "end": 3338.26,
    "text": "Ja, sofern es geht."
  },
  {
    "start": 3338.38,
    "end": 3345.08,
    "text": "Also wenn es geht, studiere ich das so aufmerksam wie möglich, aber auch wieder Beispiel die Geschichte vom letzten Jahr."
  },
  {
    "start": 3345.7,
    "end": 3347.98,
    "text": "Wir haben drei Wochen oder länger."
  },
  {
    "start": 3348.5,
    "end": 3358.66,
    "text": "investiert, um die vorzubereiten, um diese Militäreinheit zu finden, die uns in einem relativ sicheren Frontabschnitt führt und dann nicht in die erste Linie, nur fünfhundert Meter von Russen entfernt."
  },
  {
    "start": 3359.34,
    "end": 3375.7,
    "text": "Ich hatte eine Fotografin dabei, die ist einfach nochmal mehr Gefährdung im Fall von Gefangennahme auf russischer Seite ausgesetzt als jetzt ich, sondern in der zweiten Linie, also sieben Monate, acht oder Meter von Russen entfernt, viele Wochen darauf investiert."
  },
  {
    "start": 3377.12,
    "end": 3383.22,
    "text": "mit unglaublich vielen Militärs gesprochen, die alle gesagt haben, ja, wir gucken mal, oder es geht nicht, oder es zu gefährlich."
  },
  {
    "start": 3383.3,
    "end": 3388.0,
    "text": "Und am Ende landeten wir dann bei einer Einheit, die gesagt hat, ja, unser Frontabschnitt ist sehr sicher."
  },
  {
    "start": 3389.84,
    "end": 3393.36,
    "text": "Der Pressoffizier hat sich aber selber der Erwähnte nicht sonderlich gut ausgekannt."
  },
  {
    "start": 3393.4,
    "end": 3395.4,
    "text": "Der war doch noch nie an dieser Position."
  },
  {
    "start": 3395.64,
    "end": 3420.96,
    "text": "Und am Ende haben wir uns dann, wir wussten nicht, wohin die uns führen, aus Sicherheitsgründen, falls wir doch russische Informanten sein sollten oder auf die DUM-ED-Caming zu twittern, weil wir quasi... Unser Futter nicht halten können, ich twittere ja nicht und ich veröffentliche nichts bevor nicht die Hauptgeschichte veröffentlicht wurde, aber dieses Vertrauen haben dann die Militärs nicht unbedingt."
  },
  {
    "start": 3421.72,
    "end": 3424.3,
    "text": "Also wir wussten in dem Fall nur so ungefähr, wo wir hinkommen."
  },
  {
    "start": 3425.24,
    "end": 3440.96,
    "text": "Als wir dann dort waren, wo wir uns hingeführt haben, haben wir herausgefunden, dass wir eigentlich in der verwundbarsten Position überhaupt geendet hatte, nämlich direkt im äußersten Zwickel eines Frontwinkels, also direkt in der Spitze eines Frontwinkels."
  },
  {
    "start": 3441.78,
    "end": 3445.56,
    "text": "Wir hatten da nicht nur auf einer Seite Russen, wir hatten gleich auf zwei Seiten die Russen."
  },
  {
    "start": 3445.94,
    "end": 3465.04,
    "text": "Aber in der Tat, der Frontabschnitt, ich kann mich nicht genau erinnern, ich kann mich nicht genau erinnern, ich kann mich nicht genau erinnern, ich kann mich nicht genau erinnern, ich kann mich nicht genau erinnern, ich kann mich nicht genau erinnern, ich kann mich nicht genau erinnern, ich kann mich nicht genau erinnern, ich kann mich nicht genau erinnern, ich kann mich nicht genau erinnern, ich kann mich nicht genau erinnern, ich kann mich nicht genau erinnern, ich kann mich nicht genau erinnern, ich kann mich nicht genau erinnern, ich kann mich nicht genau erinnern, ich kann mich nicht genau erinnern, ich kann mich nicht genau erinnern, ich dort stationiert war, noch nie frontal angegriffen worden."
  },
  {
    "start": 3465.08,
    "end": 3466.64,
    "text": "Insofern war es der sicherste Frontabschnitt."
  },
  {
    "start": 3467.46,
    "end": 3470.0,
    "text": "Aber links und rechts standen ständig Angriffe statt."
  },
  {
    "start": 3470.62,
    "end": 3471.14,
    "text": "Was heißt das?"
  },
  {
    "start": 3471.64,
    "end": 3472.18,
    "text": "Was passiert da?"
  },
  {
    "start": 3472.58,
    "end": 3473.44,
    "text": "Was bedeutet Angriff?"
  },
  {
    "start": 3473.84,
    "end": 3487.22,
    "text": "Angriff bedeutet, dass du nachts in deinem Bunker sitzt, in deinem Erdloch, drei Schichten Holzstäme über dir und ein bisschen Preck drauf, ein bisschen Isolationsmaterial an den Erdwänden, damit es nicht ganz so feucht und kalt wird."
  },
  {
    "start": 3489.5,
    "end": 3493.32,
    "text": "Also Artilleriebeschuss hast du, kennst du schon, wirst du ständig beschossen."
  },
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    "end": 3498.02,
    "text": "Wir hatten in der Minute bis zu zehn Granaten direkt vom Bunker."
  },
  {
    "start": 3499.54,
    "end": 3507.16,
    "text": "Wenn die Granaten dicht genug am Bunkereingang landen, dann kriegst du eine richtige Luftwelle, eine Schockwelle, die in den Bunker hineinpreibt."
  },
  {
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    "end": 3518.64,
    "text": "Immer wieder jagst du dann in die quasi dem Eingang entfernteste Ecke des Bunkers, damit dich keine Holzsplitter."
  },
  {
    "start": 3519.04,
    "end": 3538.34,
    "text": "Treffen, dass die Gefahr, dass die Granaten ins Holz, in die Bäume, es war ein Wald, draußen vom Eingang einschlagen oder in das Befestigungsmaterial und diese Splitter, nicht die Bombe selber, sondern die Holzsplitter, dann in den Eingang des Bunkers jagen und dich entsetzlich verletzen können."
  },
  {
    "start": 3538.38,
    "end": 3547.04,
    "text": "Und das dauert eventuell Jahre, wenn du da so vierzig-fünfzig Holzsplitter im Fleisch hast, dauert das eventuell Jahre, bis durch unzählige Operationen diese wieder freit wurden."
  },
  {
    "start": 3548.14,
    "end": 3552.36,
    "text": "Also das alles bist du dann quasi nach vier, fünf Tagen wird zu deinem Alltag."
  },
  {
    "start": 3553.42,
    "end": 3560.96,
    "text": "Du hast auch gelernt, wie auf die Toilette gehen funktioniert."
  },
  {
    "start": 3562.8,
    "end": 3568.28,
    "text": "Das ist eine eigene Wissenschaft für sich, wie unter Dauerbeschuss pinkeln, wo pinkeln."
  },
  {
    "start": 3569.52,
    "end": 3574.86,
    "text": "Aber dann eines Nachts hörst du plötzlich nicht nur Artilleriefeuer, Helikopterraketen um dich herum."
  },
  {
    "start": 3575.12,
    "end": 3578.24,
    "text": "Du fühlst nicht nur, dass die Erde vibriert unter dir die ganze Zeit."
  },
  {
    "start": 3579.2,
    "end": 3579.72,
    "text": "Waldboden."
  },
  {
    "start": 3580.7,
    "end": 3588.7,
    "text": "Die vibriert von den Mörsergeschütze der Ukraine in deiner Umgebung."
  },
  {
    "start": 3589.26,
    "end": 3591.06,
    "text": "Auch die haben Schockwellen in den Boden hinein."
  },
  {
    "start": 3592.0,
    "end": 3595.94,
    "text": "Die vibriert, weil die Russen dann antworten mit entsprechenden Feuer."
  },
  {
    "start": 3596.72,
    "end": 3599.8,
    "text": "Sondern plötzlich hörste unter Nacht Gewehrfeuer relativ nahe."
  },
  {
    "start": 3600.6,
    "end": 3601.54,
    "text": "Small Arms Fire."
  },
  {
    "start": 3602.22,
    "end": 3608.54,
    "text": "Und das ist quasi das erschreckendste, weil dann weißt du, wow, in dem Nachbarabschnitt ist die Front im Bewegung gekommen."
  },
  {
    "start": 3608.58,
    "end": 3611.88,
    "text": "Die Russen greifen gerade an mit ein, zwei Panzern und Infanterie."
  },
  {
    "start": 3612.62,
    "end": 3614.56,
    "text": "Die gehen jetzt in den Schützengraben hinein."
  },
  {
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    "end": 3617.4,
    "text": "Mit dem Ziel, alle zu töten."
  },
  {
    "start": 3618.48,
    "end": 3623.68,
    "text": "Alle zu töten, das weiß ich nicht, auf jeden Fall diesen Schützengraben einzunehmen und zu durchbrechen, in deine Richtung eventuell."
  },
  {
    "start": 3623.86,
    "end": 3624.62,
    "text": "Um Weta"
  },
  {
    "start": 3624.72,
    "end": 3625.18,
    "text": "zu gewinnen."
  },
  {
    "start": 3625.38,
    "end": 3629.9,
    "text": "Um Gebiet zu gewinnen und du sitzt dann in der zweiten Reihe alleine."
  },
  {
    "start": 3630.48,
    "end": 3649.16,
    "text": "Also, mit deiner kleinen ukrainischen Einheit, ich war da mit den Fernmeldern zusammen, für dieses Battalion, die die Kommunikationsstränge vom Schützengraben hatten und weiter gaben dann, also Scharnier waren zum Battalionshauptquartier weiter hinten."
  },
  {
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    "end": 3664.4,
    "text": "Aber aus Sicherheitsgründen kriegen die nicht so viel mit, was links und rechts passiert, was auch ein Problem ist, immer wieder für die Ukrainer, die können sich dann nur ungenügend koordinieren miteinander, im Falle vom Angriff, was die Russen dann gerne ausnutzen."
  },
  {
    "start": 3666.08,
    "end": 3672.36,
    "text": "Also wir wussten nicht, was jetzt im Nachbarfrontabschnitt, fünfhundert Meter von uns entfernt, passiert."
  },
  {
    "start": 3673.06,
    "end": 3677.26,
    "text": "Wir wussten, aha, die Russen greifen an, das haben wir gehört, intensives Feuer und Gegenfeuer."
  },
  {
    "start": 3678.38,
    "end": 3680.84,
    "text": "Und offenbar haben die Russen diesen Schützengraben eingenommen."
  },
  {
    "start": 3681.54,
    "end": 3688.56,
    "text": "Und dann stehen die sozusagen im Wald Und dann brauchst du eine gewisse Weile, bis sie dann an den zweiten Schützenkraben gekommen sind."
  },
  {
    "start": 3688.62,
    "end": 3699.34,
    "text": "Und dann kommt es darauf an, ob die Ukrainer sich, ob die genügend Leute haben, auch den zweiten Schützenkraben zu besetzen, weiterhin also ihre Verteidigung aufhalten."
  },
  {
    "start": 3699.88,
    "end": 3707.44,
    "text": "Und dafür sorgen, jetzt mal ganz eignet sich gesprochen, dass keine feindlichen Soldaten in deinen Bunker kommen oder in die Nähe von dem Bunker."
  },
  {
    "start": 3708.24,
    "end": 3713.26,
    "text": "Und das kann dann schnell passieren, dass da nachts ein Soldat vor deinem Bunker steht und einfach eine Handkanade reinwirft."
  },
  {
    "start": 3714.42,
    "end": 3716.3,
    "text": "Das ist sozusagen dann das Ende vom Lied."
  },
  {
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    "end": 3723.08,
    "text": "Und deswegen sind diese Situationen extrem bedrohlich."
  },
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    "end": 3724.92,
    "text": "Artillerie ist das eine."
  },
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    "end": 3727.5,
    "text": "Du kannst halt hoffen, dass du keinen Volltreffer bekommst."
  },
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    "end": 3729.4,
    "text": "Bekommst ja meistens nicht."
  },
  {
    "start": 3730.84,
    "end": 3734.3,
    "text": "Die Männer haben das ja schon Monate lang diesen Beschuss überlebt gehabt."
  },
  {
    "start": 3737.02,
    "end": 3740.54,
    "text": "Das ist sozusagen... auf eine hässliche Art kalkulierbar."
  },
  {
    "start": 3741.26,
    "end": 3744.6,
    "text": "Aber Small Arms Fire ist plötzlich ein Element, das nicht mal kalkulierbar ist."
  },
  {
    "start": 3747.26,
    "end": 3752.2,
    "text": "Auch deshalb ist wichtig, dass man ab und an die Front geht, weil so was kann man dir erzählen."
  },
  {
    "start": 3753.2,
    "end": 3759.86,
    "text": "Sowas ist irgendwie technisch ja klar, dass da angegriffen wird und verteidigt wird und dass es da Gräben gibt."
  },
  {
    "start": 3759.94,
    "end": 3760.94,
    "text": "Aber was heißt das eigentlich?"
  },
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    "text": "So geht es mir gerade."
  },
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    "end": 3765.46,
    "text": "Ich höre, was du sagst."
  },
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    "text": "Ich habe jetzt Bilder am Kopf."
  },
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    "end": 3772.94,
    "text": "Aber ich kann mir natürlich selbstverständlich nicht mehr annähernd vorstellen, was das jetzt heißt vor einigen Tagen lang."
  },
  {
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    "end": 3775.66,
    "text": "Wie oft werden Soldaten denn dann ausgetauscht?"
  },
  {
    "start": 3776.14,
    "end": 3779.26,
    "text": "Müssen die das aushalten bis zum Geht nicht mehr?"
  },
  {
    "start": 3780.48,
    "end": 3790.1,
    "text": "Es kommt auf den Abschnitt drauf an, bei unseren Abschnitt, der zu den sichersten zählte, da konnten die regelmäßig ausgetauscht werden."
  },
  {
    "start": 3790.28,
    "end": 3796.3,
    "text": "Das waren so zwei, drei Tage und dann wieder zurück, dann ein, zwei Tage in so einem Dorf, zehn Kilometer in der Front."
  },
  {
    "start": 3797.06,
    "end": 3802.2,
    "text": "Wo es aber auch Mörser, also nicht Mörser, aber Artillerieeinschläge gab."
  },
  {
    "start": 3802.3,
    "end": 3809.18,
    "text": "Auch da sind immer wieder Soldaten getötet worden in ihren Ruhebetten sozusagen."
  },
  {
    "start": 3811.64,
    "end": 3831.74,
    "text": "Es gibt andere Frontabschnitte, wenn du zur Stunde nach Wulle dahin guckst und nach Korachow war, wo ich noch vor anderthalb Monaten gewesen bin, da stürm die Russen gerade massiv an mit... Wie ich höre, Fünfzig bis Sechzig Angriffen am Tag mit entsetzlichem Bombardement."
  },
  {
    "start": 3832.1,
    "end": 3834.86,
    "text": "Und da können die Leute nicht ausgetauscht werden."
  },
  {
    "start": 3835.14,
    "end": 3845.2,
    "text": "Da sitzen die manchmal wochenlang ohne ausgetauscht zu werden, weil das der Weg nach hinten und der Weg nach vorne, dass dann das eigentlich gefährlich ist."
  },
  {
    "start": 3845.5,
    "end": 3855.96,
    "text": "Also auch bei unserer Einheit, wo es einigermaßen funktioniert hat, gab es aber regelmäßig einen Beschuss an den Tagen mit mit Rotation."
  },
  {
    "start": 3856.68,
    "end": 3862.06,
    "text": "Die Russen wissen ungefähr, wann rotiert wird und schießen sich dann auf die entsprechenden Achsen ein."
  },
  {
    "start": 3862.16,
    "end": 3864.66,
    "text": "Die Leute müssen zum ersten Mal aus ihren Löchern raus."
  },
  {
    "start": 3865.08,
    "end": 3872.8,
    "text": "Und das ist der Moment, wenn du sie quasi kriegst, von der gegnerischen Seite aus gesehen umgekehrt, machen die Ukraine das ja auch so."
  },
  {
    "start": 3873.28,
    "end": 3878.62,
    "text": "Das ist der einzige Moment, wo die Soldaten sich exponieren."
  },
  {
    "start": 3879.42,
    "end": 3882.68,
    "text": "Und so führt man seit hundert Jahren Krieg oder hundertfünfzig Jahren?"
  },
  {
    "start": 3882.84,
    "end": 3884.44,
    "text": "Ja, seit dem ersten Weltkrieg davor nicht."
  },
  {
    "start": 3886.74,
    "end": 3892.24,
    "text": "Davor waren das ja mehr oder minder offene Feldschlachten, die zu fährt."
  },
  {
    "start": 3892.32,
    "end": 3899.1,
    "text": "Und da hat man die Landstriche geplündert, bis sie ausgeblutet waren und dann irgendwann eingeknickt sind."
  },
  {
    "start": 3900.08,
    "end": 3904.12,
    "text": "Du hast gerade gesagt, du musst doch wieder an die Front, weil von da geht das Leid aus."
  },
  {
    "start": 3905.28,
    "end": 3907.0,
    "text": "Was genau ist dein Erkenntnisinteresse?"
  },
  {
    "start": 3907.12,
    "end": 3913.96,
    "text": "Interviewst du die Soldaten und die Traumata, die dort entstehen, ist das ein Erkenntnisinteresse?"
  },
  {
    "start": 3915.38,
    "end": 3916.66,
    "text": "Also ich gehe da völlig offen hin."
  },
  {
    "start": 3916.76,
    "end": 3920.42,
    "text": "Ich habe erst mal kein Erkenntnisinteresse."
  },
  {
    "start": 3920.5,
    "end": 3922.7,
    "text": "sozusagen ist, wie was passiert da?"
  },
  {
    "start": 3923.92,
    "end": 3925.12,
    "text": "Was macht das mit den Menschen?"
  },
  {
    "start": 3925.26,
    "end": 3926.72,
    "text": "Aber in erster Linie, wie sieht es da aus?"
  },
  {
    "start": 3926.82,
    "end": 3927.56,
    "text": "Was passiert da?"
  },
  {
    "start": 3929.38,
    "end": 3934.0,
    "text": "Und die Front in der Ukraine ist, wenn ich jetzt nicht lüge, twelvehundert Kilometer lang."
  },
  {
    "start": 3935.84,
    "end": 3948.4,
    "text": "Auf beiden Seiten der Front sind hunderttausende an Menschen, die Die logistische Staffelung geht bis vierzig-fünfzig Kilometer jeweils in das Landesinnere."
  },
  {
    "start": 3948.44,
    "end": 3950.7,
    "text": "Das sieht man ja auch auf den Satellitenbildern."
  },
  {
    "start": 3951.72,
    "end": 3955.66,
    "text": "Das ist also ein riesiger Riss, der sich dadurch Zentraleuropa schlängelt."
  },
  {
    "start": 3956.42,
    "end": 3961.18,
    "text": "Und das sind jeweils auch gigantische Industrien, die sich da ausgebildet haben."
  },
  {
    "start": 3962.08,
    "end": 3965.7,
    "text": "Und das versteht man nur, wenn man da hinfährt, wie die Dichte der Satellerie."
  },
  {
    "start": 3968.08,
    "end": 3975.86,
    "text": "Gefährte zunehmend, wie die Infrastruktur nur noch militärisch wird, wie plötzlich unter jedem Baum ein Panzer sitzt."
  },
  {
    "start": 3977.72,
    "end": 3988.04,
    "text": "Die militärischen Knotenpunkte, also das, was du an ziviler Industrie hast, an ziviler Infrastruktur wird alles Richtung Front militärisch umgedeutet, hat aber ähnlich Ausmaße."
  },
  {
    "start": 3988.12,
    "end": 3994.02,
    "text": "Also es ist wirklich ein Planet, Planet Militär, den du da betrittst."
  },
  {
    "start": 3998.76,
    "end": 4006.82,
    "text": "Diese Industrie prägt ja auch, wir haben es im Ersten Weltkrieg gesehen, und zweiten natürlich auch, aber der prägt ganze Generationen."
  },
  {
    "start": 4008.7,
    "end": 4018.38,
    "text": "Das ist ein eigenes Industriezeitalter sozusagen mit der einzigen Aufgabe eben zu töten und zu überleben."
  },
  {
    "start": 4019.7,
    "end": 4025.8,
    "text": "Das prägt ja auch die Menschen wahrscheinlich, wenn langen Zeitraum, auch mentalen, nicht nur wirtschaftlich."
  },
  {
    "start": 4026.82,
    "end": 4028.22,
    "text": "Ja, ich spreche vom Mentalien, genau."
  },
  {
    "start": 4030.64,
    "end": 4032.9,
    "text": "Welche Fragen stellt sie den Soldaten im Schützengrad?"
  },
  {
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    "end": 4033.56,
    "text": "Was sagen die?"
  },
  {
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    "end": 4034.42,
    "text": "Was berichten die?"
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  {
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    "end": 4038.74,
    "text": "Du bist ja eine Mitte dabei, die müssen die ja nicht von ihren Erfahrungen berichten, du bist ja dabei."
  },
  {
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    "text": "Aber was kommt da?"
  },
  {
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    "end": 4042.6,
    "text": "Beides."
  },
  {
    "start": 4044.86,
    "end": 4047.26,
    "text": "Je näher du an die Front gehst, desto kleiner wird die Welt."
  },
  {
    "start": 4048.02,
    "end": 4055.24,
    "text": "Wenn du in Kiew bist, da diskutiert man noch in den Cafés und Restaurants, ähnlich wie hier, über die große weltpolitische Lage und so."
  },
  {
    "start": 4056.68,
    "end": 4057.66,
    "text": "Da weiß man ganz viel."
  },
  {
    "start": 4057.9,
    "end": 4066.88,
    "text": "und dann je näher du an die Front kommst, desto kleiner wird dein... wird die Welt."
  },
  {
    "start": 4067.66,
    "end": 4077.54,
    "text": "Wenn du da in dieser Bunkerstellung bist, wo wir da waren, dann besteht deine Welt aus diesem Bunker, aus dem Laufgraben und zwölf Bäumen drumrum."
  },
  {
    "start": 4078.72,
    "end": 4079.14,
    "text": "Das war's."
  },
  {
    "start": 4080.06,
    "end": 4085.76,
    "text": "Und schon die Mörserstellung der Ukraine in nur fünfzig Meter daneben habe ich nie gesehen, nur gehört und gefühlt."
  },
  {
    "start": 4086.32,
    "end": 4088.64,
    "text": "Da waren wir nie, weil wir nicht durften."
  },
  {
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    "end": 4093.12,
    "text": "Militärische Sicherheit, auch die Soldaten dürfen das nicht unbedingt untereinander."
  },
  {
    "start": 4093.96,
    "end": 4101.48,
    "text": "Also an der Front schrumpft die Welt plötzlich quasi auf die Spitze einer Nadel zusammen."
  },
  {
    "start": 4105.34,
    "end": 4112.02,
    "text": "Ich lebe das einfach mit, was die Leute dadurch leben, aber natürlich unterhalte ich mich ganz viel über ihre Lebensgeschichten, wenn Zeit ist."
  },
  {
    "start": 4112.94,
    "end": 4123.68,
    "text": "Ich versuche auch... generell bei allen meinen Recherchen Leute nicht nur wahrzunehmen unter dem Leitmotiv des Leidens zum Beispiel."
  },
  {
    "start": 4125.319,
    "end": 4131.3,
    "text": "Die entführten Frauen jetzt in Nigeria waren für mich nicht nur Symbole des Leidens."
  },
  {
    "start": 4132.399,
    "end": 4142.94,
    "text": "Ich versuch sie ganzheitlich wahrzunehmen als Menschen, die als Kinder aufgewachsen sind, die Großeltern haben, aber welche Großeltern, welche Geschichte haben die Großeltern?"
  },
  {
    "start": 4143.96,
    "end": 4147.88,
    "text": "Warum haben sich dann die Eltern von den Großeltern distanziert?"
  },
  {
    "start": 4147.96,
    "end": 4150.74,
    "text": "Oder haben genau das weitergemacht, was die Großeltern?"
  },
  {
    "start": 4151.38,
    "end": 4154.98,
    "text": "Was hat sie dann die Frau anders gemacht als ihre Vorfahren bisher?"
  },
  {
    "start": 4155.06,
    "end": 4155.46,
    "text": "Und warum?"
  },
  {
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    "end": 4156.74,
    "text": "Wer war ihr Mann?"
  },
  {
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    "end": 4158.74,
    "text": "Und was waren seine Eltern wiederum?"
  },
  {
    "start": 4160.48,
    "end": 4162.819,
    "text": "Ich versuch mich ganz langsam anzunähern."
  },
  {
    "start": 4163.88,
    "end": 4167.94,
    "text": "Und erstmal, weil ich verstehen muss, wo bin ich hier gerade?"
  },
  {
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    "end": 4169.819,
    "text": "Also menschlich gesehen."
  },
  {
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    "end": 4173.279,
    "text": "Ich war den Ukrainer und bin jetzt im Wald und an der Front."
  },
  {
    "start": 4173.399,
    "end": 4176.72,
    "text": "Klar, aber wo bin ich menschlich hier mit diesen sechs Männern in dem Bunker?"
  },
  {
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    "end": 4179.14,
    "text": "Was für ein Hintergrund haben die?"
  },
  {
    "start": 4181.22,
    "end": 4182.279,
    "text": "Und auf welche Motivation?"
  },
  {
    "start": 4183.16,
    "end": 4189.7,
    "text": "Die Motivation kommt dann sozusagen automatisch, da musst du gar keine Frontalfrage stellen, weil die Frontalfrage wird frontal beantwortet."
  },
  {
    "start": 4190.22,
    "end": 4192.22,
    "text": "Die wissen ja, du bist Journalist und dann sagen sie, hey, ho."
  },
  {
    "start": 4192.3,
    "end": 4200.08,
    "text": "Sondern du musst dann auch eher zwischen den Zeilen lesen und eher so Fingerzeige dann auch versuchen zu erkennen."
  },
  {
    "start": 4201.86,
    "end": 4207.68,
    "text": "Aber manche Leute stehen auch einfach für sich selber und haben eine straighte Motivation und sagen, ja, ich kämpfe für dir mein Heimatland und für meine Familie."
  },
  {
    "start": 4208.32,
    "end": 4210.42,
    "text": "Das merkst du aber auch an ihren sonstigen Verhalten."
  },
  {
    "start": 4212.04,
    "end": 4220.42,
    "text": "Es gibt ja wirklich da auch unglaublich, unglaublich mutige Menschen, also die wirklich sich auch opfern für ihre Leute."
  },
  {
    "start": 4220.7,
    "end": 4222.64,
    "text": "Also dieses Klischee vom Krieg."
  },
  {
    "start": 4222.74,
    "end": 4225.26,
    "text": "tatsächlich hat das einen Kern der Wahrheit."
  },
  {
    "start": 4228.08,
    "end": 4233.12,
    "text": "Aber um all das beurteilen zu können, musst du den Hintergrund dieser Menschen besser verstehen."
  },
  {
    "start": 4233.26,
    "end": 4240.58,
    "text": "Und ich sage oft, wenn ich mit Opfern rede zum Beispiel, ihr seid viel mehr als euer Leid."
  },
  {
    "start": 4245.86,
    "end": 4250.68,
    "text": "Ihr seid stolz, ihr habt Würde, ihr habt Wahnsinn, was ihr aus eurem Leben gemacht habt."
  },
  {
    "start": 4251.04,
    "end": 4256.48,
    "text": "Wahnsinnig, wie ihr bisher euer Leben bestritten habt, gegen welche Widerstände."
  },
  {
    "start": 4257.2,
    "end": 4263.52,
    "text": "Jeder hat ja, du wahrscheinlich auch in deinem Leben, gegen Widerstände zu kämpfen gehabt oder Widerstände durchbrochen."
  },
  {
    "start": 4264.06,
    "end": 4269.0,
    "text": "Also nur die wenigsten Menschen gehen immer dahin sozusagen, woher es warm kommt."
  },
  {
    "start": 4271.6,
    "end": 4284.02,
    "text": "Das Leben ist nun mal auch ein Kraftakt und jeder von uns weiß, dass da mal der Tod kommt und die größte unbekannte Reise über die über die wir nichts wissen."
  },
  {
    "start": 4285.54,
    "end": 4287.44,
    "text": "Und jeder hat diese Ungewissheit und die Sorge."
  },
  {
    "start": 4288.46,
    "end": 4299.1,
    "text": "Deshalb sitzen wir da sozusagen alle miteinander im selben Boot und ist das Leben für jeden kraftraubend, egal welchen Weg er zu zurückgelegt hat."
  },
  {
    "start": 4300.14,
    "end": 4305.26,
    "text": "Und auf der Ebene unterhalte ich oder versuche ich mich zu unterhalten mit Menschen, die mich interessieren."
  },
  {
    "start": 4307.78,
    "end": 4314.12,
    "text": "Formulieren die ukrainischen Soldaten auch ihre Wut gegenüber dem Angriff, gegenüber der Aggression."
  },
  {
    "start": 4315.18,
    "end": 4321.1,
    "text": "Die Wut auch heraus aus der Pflicht oder dem Wunsch, die Familie und das eigene Land zu verteidigen?"
  },
  {
    "start": 4323.18,
    "end": 4324.68,
    "text": "Es gibt natürlich alle Schattierungen."
  },
  {
    "start": 4326.2,
    "end": 4330.94,
    "text": "Es gibt Leute, die sind wütend, dass sie viele Freunde und Familienangehörige verloren haben."
  },
  {
    "start": 4332.2,
    "end": 4335.3,
    "text": "Die sind wütend, dass ihre Stadt zerstört wurde."
  },
  {
    "start": 4336.16,
    "end": 4353.4,
    "text": "Die sind wütend darüber, das meiste waren ja früher Zivilisten von dem Krieg, dass ihre Zukunftspläne zerstoben sind, dass sie auch nicht mehr nach Ägypten an den Strand fahren können, weil Männern in der Ukraine zwischen, wenn ich es richtig weiß, zwischen achtzehn und sechzig ist es ja untersagt, das Land zu verlassen."
  },
  {
    "start": 4355.34,
    "end": 4363.26,
    "text": "Ohne Ausnahmegenehmigung, Frauen dürfen das die Männer nicht, die sind wütend, weil sich vielleicht die Freundin getrennt hat mittlerweile von ihnen."
  },
  {
    "start": 4364.46,
    "end": 4371.3,
    "text": "Die sind wütend, weil sie, wenn sie dann auf Heimaturlaub geschickt werden, mit zu Hause nichts beanfangt können."
  },
  {
    "start": 4372.68,
    "end": 4373.12,
    "text": "Warum nicht?"
  },
  {
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    "end": 4375.94,
    "text": "Was ist zwischenzeitlich im Kopf passiert?"
  },
  {
    "start": 4376.52,
    "end": 4378.64,
    "text": "Die Gewalt, die Angst und die Panik."
  },
  {
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    "end": 4381.1,
    "text": "Und die ist Persönlichkeitsverändernd."
  },
  {
    "start": 4387.56,
    "end": 4392.7,
    "text": "Erzählen die allermeisten, dass sie versuchen zu Hause über diese Dinge nicht zu reden, auch am Telefon nicht."
  },
  {
    "start": 4392.74,
    "end": 4396.6,
    "text": "Die haben ja in den Bunkern, haben die WhatsApp, die haben Skylink da von dem Ellen Musk."
  },
  {
    "start": 4398.96,
    "end": 4402.54,
    "text": "Also die können oft beim Beschuss, haben die dann ihre Familien angerufen."
  },
  {
    "start": 4403.72,
    "end": 4420.86,
    "text": "Also nicht beim ganz Heftigen, aber wenn ... und haben dann da ihren Enkelsohn gratuliert, dass er den Judo-Kurs irgendwie abgeschlossen hatte oder haben sich den neuen Welpen von den Hunden zeigen lassen und dann mit zu Hause gelacht und so."
  },
  {
    "start": 4423.9,
    "end": 4430.42,
    "text": "Es ist schon ein regelmäßiger Austausch, aber fast alle haben gesagt, das, was mir hier Angst macht, erzähle ich nicht."
  },
  {
    "start": 4431.6,
    "end": 4432.66,
    "text": "Und warum sollte ich es erzählen?"
  },
  {
    "start": 4432.7,
    "end": 4433.6,
    "text": "Es wird eh nicht verstanden."
  },
  {
    "start": 4433.86,
    "end": 4435.62,
    "text": "Du kannst es eh nur verstehen, wenn du da bist."
  },
  {
    "start": 4436.98,
    "end": 4443.92,
    "text": "Was stimmt, deshalb gehe ich hin, Abonnenten, weil ich weiß, man kann es nur verstehen, wenn man sich der Situation mal ausgesetzt hat mit Haut und Haaren."
  },
  {
    "start": 4445.28,
    "end": 4462.46,
    "text": "Das sind ja nicht irgendwelche Exoten, irgendwelche Hochleistungssportler oder Extremsportler, die irgendwie quasi ihr Adrenalin destillieren wollen, sondern das ist ja eine generationsübergreifende Erfahrung mittlerweile dieser Krieg."
  },
  {
    "start": 4464.36,
    "end": 4470.8,
    "text": "Ich werde Zornig, weil ich unmittelbar irgendwie beleidigt werde, aufgrund einer schlechten Stimmung einer anderen Person."
  },
  {
    "start": 4471.36,
    "end": 4473.3,
    "text": "Ich kann aber auch aus Mitleid Zornig werden."
  },
  {
    "start": 4474.06,
    "end": 4482.54,
    "text": "Und du setzt dich Situationen aus oder du begibst dich in Gebiete, wo es sehr, sehr viel Leid gibt, das du beobachtest, über das du berichtest."
  },
  {
    "start": 4483.86,
    "end": 4493.94,
    "text": "Mach dich das auch Zornig aus Mitleid, aus Gerechtigkeitsempfinden, vielleicht auch nicht helfen zu können, wie du es vielleicht möchtest."
  },
  {
    "start": 4496.46,
    "end": 4520.72,
    "text": "Also ich empfinde da einen Grundzorn, um es mal so zu beantworten, einen Grundzorn, dann wenn ich sehe in diesen Ländern, dass ich da unglaublich talentierte Menschen manchmal vor mir habe, auch jetzt wieder ein Kenia, unglaublich kluge Frauen, die unglaublich viel aus unglaublich wenig machen, was sie gelernt haben und was sie wissen."
  },
  {
    "start": 4521.94,
    "end": 4549.48,
    "text": "Und Leute, die in unserem kulturellen Kontext mit unseren Möglichkeiten aufgewachsen werden, hier vielleicht an deiner Stelle säßen oder neben dir säßen, die jetzt Professorinnen, Lehrer, Lehrerinnen sein könnten, die ... Zukunftstechnologien weiter erforschen könnten, die Rätsel der modernen Physik mithelfen könnten zu ein Rätsel."
  },
  {
    "start": 4549.54,
    "end": 4562.2,
    "text": "und stattdessen sitzt da diese Frau in ihrem eigenen Trick, wo er kümmert sich um ihre ganze Energie wird aufgefressen durch den Gedanken, was habe ich heute Abend zu essen?"
  },
  {
    "start": 4564.34,
    "end": 4570.02,
    "text": "Dabei steckt so ein unglaubliches Potenzial in diesem Menschen drin und das merkst du bei dem Gespräch."
  },
  {
    "start": 4572.08,
    "end": 4572.96,
    "text": "Das macht einen Zorn nicht."
  },
  {
    "start": 4573.0,
    "end": 4580.04,
    "text": "Das ist ein Grundzorn, wie viel Verschwendung stattfindet des menschlichen Geistes und wie viel Schönheit auch des menschlichen Geistes."
  },
  {
    "start": 4583.46,
    "end": 4588.16,
    "text": "Was ist deine Strategie, mich auszuflippen, mich auszurasten und nicht verrückt zu werden?"
  },
  {
    "start": 4594.96,
    "end": 4603.32,
    "text": "Ich weiß ja, ob die Antwort sehr gewinnbringend ist, aber ich bin, glaube ich, erstmal für mich gesehen, normalerweise ein ausgeglichener Mensch."
  },
  {
    "start": 4604.74,
    "end": 4609.5,
    "text": "Ich halte meinen Zorn... von meiner Naturelle aus, glaube ich, gut unter Kontrolle."
  },
  {
    "start": 4611.34,
    "end": 4613.12,
    "text": "Das ist das Allerwichtigste."
  },
  {
    "start": 4613.82,
    "end": 4617.1,
    "text": "Andere Menschen haben von ihr Naturell da andere Voraussetzungen."
  },
  {
    "start": 4618.5,
    "end": 4621.48,
    "text": "Die werden schnell zocken, oder wie man auf Englisch sagt, ill temperat."
  },
  {
    "start": 4622.52,
    "end": 4624.36,
    "text": "Ich habe aber meine Ventile."
  },
  {
    "start": 4625.02,
    "end": 4631.24,
    "text": "Also ich bin kein Aktivist, aber habe immer wieder Projekte, wie zum Beispiel das Glasprojekt."
  },
  {
    "start": 4632.4,
    "end": 4655.38,
    "text": "Oder Boko Haram, wo wir anschließend, ja, ich habe da wochenlang diesen entsetzlichen Geschichten zugehört und diesen Frauen, die so stark und so verwundbar sind gleichzeitig, die Kinder bekommen hatten von ihren Vergewaltigern, denen sie dann Ehemann nennen mussten, weil sie geheiratet, also zwangsheiraten, haben müssen."
  },
  {
    "start": 4656.46,
    "end": 4661.82,
    "text": "Und jetzt haben sie dieses Kind da mir gegenüber auf ihrem Schoß sitzen gehabt und sie haben dieses Kind einfach gehasst."
  },
  {
    "start": 4661.88,
    "end": 4665.48,
    "text": "Sie haben es gesehen, sie haben es auch so gesagt, wir hätten es töten sollen."
  },
  {
    "start": 4667.16,
    "end": 4692.36,
    "text": "Und so Geschichten, die natürlich schon ganz, ganz viel auch mit ihr machen, nach der Boko Haram Berichterstattung Impuls von unseren Kolleginnen in der Redaktion, war ja erst als Reportage im Zeitmagazin, bevor es dann als Buch herauskam, die haben gesagt, wir können das nicht so stehen lassen, diese Geschichten."
  },
  {
    "start": 4693.08,
    "end": 4694.08,
    "text": "Das ist so unglaubliches."
  },
  {
    "start": 4695.3,
    "end": 4716.66,
    "text": "und nicht nur weil die Taten so grauenhaft sind, sondern weil gleichzeitig die Frauen auch so menschlich rüberkommen, weil man mit ihren Stolz und weil man merkt, in was für ein tolles Gewebe diese Gewalttat eingekrifft hat und was diese Gewalttat zerstört hat in dieser Person."
  },
  {
    "start": 4718.04,
    "end": 4720.24,
    "text": "Dann haben wir einen Spendenkonto eingerichtet."
  },
  {
    "start": 4721.1,
    "end": 4727.38,
    "text": "Da sind jetzt Lasst mich lügen, so um die zu einer tausend Euro in den letzten Jahren überwiesen worden."
  },
  {
    "start": 4727.46,
    "end": 4735.04,
    "text": "Und wir haben Tausenden von Frauen und ihren Familien in Nigeria, in Jola, damit helfen können."
  },
  {
    "start": 4735.08,
    "end": 4741.44,
    "text": "Das waren große, große Verteilaktionen, die wir organisiert haben, für die ich auch zum Teil dann extra nochmal runtergefahren bin."
  },
  {
    "start": 4742.32,
    "end": 4750.4,
    "text": "Und das war sicherlich auch Ergebnis des Zorns, mehr des Zorns als des Mitleids."
  },
  {
    "start": 4753.82,
    "end": 4758.16,
    "text": "Ja, und so könnte ich euch noch viele etliche andere Projekte nennen."
  },
  {
    "start": 4759.02,
    "end": 4769.16,
    "text": "Also, wenn ich die Möglichkeit habe, zu helfen anschließend, dann, dann tue ich das im Regelfall auch, weil ich mich sonst einfach um meine Menschlichkeit ein Stück weit verraten würde."
  },
  {
    "start": 4769.58,
    "end": 4780.8,
    "text": "Das ist auch, ja, also ist es an der, die, meine Therapie, dass ich dann anschließend einen begrenzten Umfang dann auch versuche, den Leuten etwas aufzuhelfen."
  },
  {
    "start": 4782.62,
    "end": 4805.58,
    "text": "Das mache ich aber vor, nicht kund, dass da eine andere Gefahr, eine professionelle, dass die Leute dann erwarten, dass sie ihn anschließend hilft, dass es sich nur des Geldes wegen sozusagen mit dir unterhalten, dann würdest du wieder deine Übersetzerfunktion beschädigen, dadurch ist das immer eine difficile Sache."
  },
  {
    "start": 4808.3,
    "end": 4811.22,
    "text": "Und dann fragt Andreas, der hinter uns sitzt, auch noch etwas."
  },
  {
    "start": 4811.76,
    "end": 4815.9,
    "text": "dass sich ihnen die Behörerinnen hier wiederholen muss, weil es schwer verständlich ist."
  },
  {
    "start": 4816.48,
    "end": 4821.72,
    "text": "Andreas fragt, ob sich Waffkang Bauer als Medium zwischen Wirklichkeiten versteht."
  },
  {
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    "end": 4823.54,
    "text": "Das ist die Magie."
  },
  {
    "start": 4824.42,
    "end": 4827.42,
    "text": "Das ist wie bei Captain Kirk und Romschiff Enterprise."
  },
  {
    "start": 4827.48,
    "end": 4833.02,
    "text": "Da gibt es, wie hieß das Ding, diese Röhre, wo man sich dann seppen oder biemen."
  },
  {
    "start": 4833.08,
    "end": 4833.3,
    "text": "Danke."
  },
  {
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    "end": 4839.64,
    "text": "Also, was ich versuche, ist quasi dich als Leser zu biemen in die andere Wirklichkeit."
  },
  {
    "start": 4840.4,
    "end": 4845.88,
    "text": "Und umgekehrt auch die Protagonisten, die Menschen, mit denen ich mich unterhalte, ihre Erfahrungen zu beamen in deine Wirklichkeit."
  },
  {
    "start": 4850.38,
    "end": 4856.5,
    "text": "Ja, im Prinzip Geschichte erzählen ist immer, glaube ich, hat immer was von Magie."
  },
  {
    "start": 4856.62,
    "end": 4861.1,
    "text": "Und das ist, glaube ich, auch das Ding, was mich auch kreativ reizt."
  },
  {
    "start": 4861.46,
    "end": 4873.74,
    "text": "Es ist nicht nur das Leben an sich und die Grenzen vom Leben zu erforschen und zu sehen, wie viele unterschiedliche Wege es gibt zu leben."
  },
  {
    "start": 4874.42,
    "end": 4876.5,
    "text": "Also es ist eines der größten Geschenke in meinem Beruf."
  },
  {
    "start": 4877.24,
    "end": 4882.04,
    "text": "In den meisten anderen Berufen kriegste immer nur drei, vier Optionen mit auf dem Weg."
  },
  {
    "start": 4883.8,
    "end": 4893.9,
    "text": "So häufig, wie man sich selbst beruflich oder privat verändert und die entsprechende Anzahl von Freunden und Bekannten um sich herum hat."
  },
  {
    "start": 4893.98,
    "end": 4906.26,
    "text": "Aber in diesem Beruf des Reporters kannst du in eine unwahrscheinlich große Anzahl von Lebenskonstrukten reingucken."
  },
  {
    "start": 4906.56,
    "end": 4907.8,
    "text": "Intensiv, nah."
  },
  {
    "start": 4908.88,
    "end": 4913.14,
    "text": "Das versuche ich für eine begrenzte Zeit, um dann aber sich wieder rauszuziehen."
  },
  {
    "start": 4915.8,
    "end": 4917.24,
    "text": "Und das ist ein großes Geschenk."
  },
  {
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    "end": 4924.16,
    "text": "Und das andere ist eben die Magie der Intensität und der Sprache."
  },
  {
    "start": 4925.26,
    "end": 4931.88,
    "text": "Dass du es dann manchmal wirklich schaffst, wie ähnlich wie beim Kinofilm, jemanden versinken zu lassen in der Wirklichkeit deines anderen, der Geschichte eines anderen."
  },
  {
    "start": 4932.62,
    "end": 4940.58,
    "text": "Nicht der mein Geschichte, sondern der Geschichte von dir Daniel zum Beispiel, mit wem ich mich dann auch immer unterhalte."
  },
  {
    "start": 4941.38,
    "end": 4943.7,
    "text": "Und das ist zutiefst befriedigend, muss ich sagen."
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  {
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    "end": 4957.46,
    "text": "Wenn du dich rausziehst aus so einer, was mir wirklich jetzt ... mich seit eineinhalb Stunden extrem beschäftigt dieses Bild, wie du da im Bunker sitzt, im Schützen geraten und tagelang die Einschüsse hörst."
  },
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    "end": 4958.46,
    "text": "Unfassbar."
  },
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    "end": 4962.74,
    "text": "Da musst du dich physisch dadurch da herausziehen und wieder hierher kommen."
  },
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    "text": "Wie lange dauert es, wenn du hier in Räutlingen bist, bis das einigermaßen so weit aus deinem Kopf wieder raus ist, dass du normal hier wieder dein Leben führen kannst oder geht das sofort?"
  },
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    "text": "Das geht relativ schnell mittlerweile."
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    "text": "Früher hat es lang gedauert."
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    "text": "Also die Angst ist geblieben."
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    "text": "Also wirklich, das war extrem knapp, beschossen durch ein Kampfflugzeug mit der Rakete."
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    "text": "Wo nicht nur die Wände plötzlich zitterten, sondern seit der Boden sich hervorheubt."
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    "text": "Wo du einen Blitz gesehen hast und ich mir zumindest nicht sicher war, habe ich es gesehen vor meinen Augen oder hinter meinen Augen."
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    "text": "Also in dem Moment war alles, alle Optionen offen quasi."
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    "text": "Der hätte der Pilot des Kampfjets nur wenige Millimeter mit seinem Steuerknüppel oder was immer der daran hat, anders drücken müssen."
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    "text": "Und dann, wenn wir, dann würde dieses Gespräch jetzt nicht stattfinden können."
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    "text": "Also die Angst ist nach wie vor unverändert und nackt und existenziell."
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    "text": "Und dann zittern wir die Knie und ich habe Schwierigkeiten meine Gedanken zu fassen."
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    "text": "Also eines der schlimmsten Kriege davor, die ich erlebt habe, war der syrische Bürgerkrieg in Aleppo, wo wir auf der Seite der Rebellen gearbeitet haben."
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    "text": "Nicht embedded, aber die habe auf der Frontseite und wo ich tagelang einen vehementen Beschuss der syrischen Armee ausgeliefert war."
  },
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    "text": "Und es wirklich Momente gab, wo die Angst kaum noch zu kontrollieren gewesen ist, also wo ich nah an der Panik war."
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    "text": "Nassas zu einer Kleinstadt an der syrischen Grenze, ganz am Anfang des Bürgerkrieges, als die Asat Armee noch in der Stadt war, drum herum."
  },
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    "end": 5093.48,
    "text": "kaum Journalisten bisher im Land waren, weil zu gefährlich, wir durch die Grenze uns geschmuggelt hatten, den türkischen Grenzern ausweichend."
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    "end": 5109.14,
    "text": "und wir dann von Medienaktivisten, also von wirklich demokratischen, von Leuten, die sich eine bessere Zukunft, nicht Islamisten, sondern liberale demokratische Aktivisten, von denen im Empfang unbeherbergt wurden."
  },
  {
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    "end": 5114.74,
    "text": "und du dann ständig diese massiven Ateliergeschosse in dieser Kleinstadt hattest."
  },
  {
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    "end": 5120.84,
    "text": "Und diese Kleinstadt bestand aus Häusern mit dünnen Wänden und keinen Kellern."
  },
  {
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    "end": 5126.98,
    "text": "Und so eine Rakete räumt da schnell mal zwei Stockwerke ab und durchschießt ohne Probleme drei Wände auf einmal."
  },
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    "end": 5132.28,
    "text": "Du denkst, du bist geschützt, weil es sind drei Wände nach außen, aber ist nicht der Fall."
  },
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    "text": "Und dieser Beschuss war denkantig in dieser Intensität bis dahin noch nicht."
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    "text": "Und da gab's dann Situationen, wo ich einfach gesagt hab, ey, Leute, ich hab gesehen, da drüben hat's ein Keller, ich will jetzt in diesen Keller."
  },
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    "text": "Dann bin ich zu diesem Keller, aber die Aktivisten haben gesagt, oh, Wolfgang, da sind die Frauen und Kinder."
  },
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    "text": "Wir wissen nicht, ob die begeistert sind."
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    "text": "Angst."
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    "text": "Ich will in diesen Keller."
  },
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    "end": 5166.74,
    "text": "Dann bin ich zu diesem Keller, bin halbwegs runtergekommen, dann steht da die Delegation an Frauen von mir, die sagt, sorry, aber du bist ein Mann, ihr dürft nur Frauen und Kinder."
  },
  {
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    "end": 5180.32,
    "text": "wenigstens auf halben Wege im Treppenhaus, da habe ich dann für ein paar Dings mit meinen Übersetzer für eine gewisse Zeit gestandendes Treppenhaus, aber war nicht ideal, weil er war ein großer Fenster."
  },
  {
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    "text": "Und große Fenster solltest du bei Beschuss meiden, Fenster sind da tot."
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    "text": "Bei Beschuss die Splitter des Glases töten dich, wie die Splitter des Holzes da in diesem Unterstand, von dem ich vorhin erzählt hatte."
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    "text": "Also musste ich wieder raus."
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    "text": "Und dann saßen wir mit diesen ganzen todesmutigen Aktivisten im Hof und haben gegessen."
  },
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    "text": "In aller Ruhe gegessen, werden drumherum die Raketen einschlugen."
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    "text": "Und die Fotografen, die ist bei der New York Times bis heute eine der wichtigsten Kriegsfotografen der Welt."
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    "text": "Super cool."
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    "text": "Nicht mit der Wimper gezuckt werden."
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    "text": "Ich da saß und dachte, wir müssen hier weg."
  },
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    "text": "Das ist wirklich russisches Roulette, was wir hier machen."
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    "text": "Ich will hier weg."
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    "text": "Aber es gab hier keine soziale Akzeptanz meines Gedankens."
  },
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    "text": "Und deswegen mitgefangen, mitgehangen."
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    "text": "Und dann irgendwann bin ich dann zum Haus eines weiteren Aktivistens gefahren."
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    "text": "Der erkannte meine Not, meine innere."
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    "end": 5250.68,
    "text": "Und der hatte dann so ein Müllschacht zwischen den Häusern, voller Müll, aber mit dicker Betonröhrer drum herum."
  },
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    "text": "Und das war ... dann der Ort, wo ich hätte mich in Sicherheit bringen können."
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    "text": "Aber zu diesem Zeitpunkt ließ dann der Beschuss dann nach und dann blieb mir der Müller spart."
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    "text": "Also nach diesen Erfahrungen und wieder hier zurückkommt nach Reutling war ich jeweils für eine Woche habe ich mich gefühlt wie so ein geprügeltes Kind, wenn das das richtige Bild ist oder auch nicht."
  },
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    "end": 5301.32,
    "text": "Also ich habe mit eingezogenen Ich bin mit eingezogenem Kopf hier durch die liebliche Fußgängerzone und über den schönen Marktplatz gegangen, wirklich so wie wenn mein Rückgrat ein paar Zentimeter geschrumpft wäre, weil ich immer noch diese Kraft in meinen Muskeln drin hatte, dass du jederzeit dich ducken musst, jederzeit dich hinwerfen musst."
  },
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    "text": "Und das wächst dir rein in das Knochengerüst."
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    "text": "Und das hat eine Woche gedauert jeweils bis das sich wieder rausgewachsen hatte."
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    "text": "Jetzt mit der Ukraine war es anders."
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    "text": "Ist es jeweils auch anders, jetzt auch vor anderthalb Monaten, wo ich euch auch eingeladen hatte, wenigstens ein Teil mitzukommen, hatten wir auch massiven Beschuss, aber die Reise wieder hierher ist nicht mehr so lang wie sie früher gewesen ist."
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    "text": "Also ich habe dieses Empfinden des geprügelten Hundes in der Fußgängerzone nicht mehr."
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    "text": "vermutlich einfach, weil ich es kenne."
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    "text": "Und der Schock vor diesen neuen Ungekannten, vom Anfang nicht mehr da ist, sondern ich weiß, wie sie es anfühlt, wenn plötzlich eine Rakete nebenan reingeht."
  },
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    "text": "Und die geht dann vorbei und ich lebe ja noch und ich bin nicht verletzt."
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    "text": "dann kann ich wieder ins Restaurant gehen und was gutes essen."
  },
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    "end": 5375.02,
    "text": "und ja, also diese Optimismus, der ja ein Falscher ist, aber diese Optimismus, der begleitet mich dann halt auch seit einigen Jahren und hilft."
  },
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    "text": "Ist zwar ein bisschen eine Selbstlüge, aber hilft, hier wieder dann auch anschließend anzukommen."
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    "text": "Und dann formuliert Andreas noch eine Frage, die mir, wer noch vielleicht nicht in dieser Direktheit, auch tatsächlich durch den Kopf ging."
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    "text": "Andreas fragt wörtlich, hast du nicht irgendwann das Gefühl, so, ich habe jetzt die Fresse voll von diesem Wahnsinn."
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    "text": "Also ich brauche keine Gewalt in meinem Leben, wenn du das fragst."
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    "text": "Also ich bin jedes Mal froh, wenn ich dann wieder zurückkomme."
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    "text": "Aber ich lasse ja... Ich lasse ja alle dann zurück."
  },
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    "text": "Also meine Übersetzer, das Team, die Leute, mit denen ich gesprochen habe, die Familien, die Kinder, die lasse ich alle zurück."
  },
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    "text": "Die sind nach wie vor diesem Wahnsinn ausgesetzt und müssen sich nach wie vor auch irgendwie ein Leben halbwegs mit Glück organisieren."
  },
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    "end": 5443.34,
    "text": "Das meinte ich vorhin, dass ich mit einem Bein in dieser Realität, mit dem anderen Bein in der Häsigen stehe."
  },
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    "text": "Und beide sind mittlerweile quasi einigermaßen gleichberechtigt, weil beide gleichermaßen wirklich sind."
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    "text": "Und genug von Gewalt, wie gesagt, ich bin Gewalt, ist nichts, was mich anzieht."
  },
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    "text": "Aber die Menschen, die Gewalt erfahren haben oder immer noch erfahren, Deren Geschichten finde ich nun wichtiger zu erzählen, im Interesse aller, nicht nur deren Interesse, sondern auch unseren Interesse, als jetzt tatsächlich irgendwie ein Restaurantkritik zu machen in Wien oder in Stuttgart."
  },
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    "text": "Und ja, ich glaube, es gibt kaum was Sinn, also es gibt ganz, ganz viele, ganz sinnvolle Sachen."
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    "text": "Ich glaube, langfristig ist das im besten Sinne friedenstiftend, also zumindest der Versuch und zumindest das, was ich tun kann."
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    "text": "Ja, und damit lassen wir es erst einmal gut sein."
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    "text": "Die Dinge, die hier gesagt wurden, gehen mir sehr nahe."
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    "text": "Ich muss sie erst verarbeiten."
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    "text": "Als wir den Heimweg antreten, beschäftigen mich seine Worte noch die ganze Autofahrt zurück nach Wien."
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    "text": "Ist die Menschheit überhaupt lernfähig, frage ich mich."
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    "text": "Wolfgang Bauer scheint einen gewissen Optimismus zu haben, sonst könnte er nicht tun, was er tut."
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    "text": "Und das beeindruckt mich."
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    "text": "Gleichzeitig aber konfrontiert er einen mit der unangenehmen Wahrheit, dass wir alle zur Gewalt fähig sind, während die Umstände nur andere."
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    "text": "Ob ich dem zustimme?"
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    "text": "Was mich aber am meisten beeindruckt hat, ist seine Offenheit über die eigene Angst zu sprechen."
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    "text": "Ich glaube, indem er seine Furcht nicht verleugnet, bewahrt er sich seine Menschlichkeit."
  },
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    "text": "Er besitzt die seltene Fähigkeit, über das menschliche in mitten der Gewalt zu sprechen, zu übersetzen, wie er es sagt."
  },
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    "text": "Und vielleicht ist das eine der wichtigsten Lektionen aus dieser Begegnung."
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    "text": "Es ist in Ordnung, dass wir Angst bekommen, vor Krieg, Ungerechtigkeit, Unterdrückung."
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    "text": "Diese Furcht ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Seismograph."
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    "text": "Sie soll uns zur Wachsamkeit und zum Handeln auffordern."
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    "text": "Denn auch wenn man alles um sich herum ausblenden will, um sich nicht schlecht zu fühlen, würde uns diese Ignoranz, früher oder später teuer zu stehen, kommen."
  },
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    "end": 5626.82,
    "text": "Zorn"
  },
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    "text": "ruft"
  },
  {
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    "text": "Zorn hervor."
  },
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    "end": 5637.12,
    "text": "Doch Wolfgang Bauer versucht, seine eigene Wute auf das Gesehene und Erlebte in etwas Produktives zu kanalisieren."
  },
  {
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    "end": 5653.08,
    "text": "Er lässt sie in seine Arbeit einfließen, um durch reale Geschichten, durch Einordnung und Aufklärung die Welt vielleicht ein kleines bisschen besser zu machen, indem er unermüdlich erzählt, wozu der Mensch fähig ist."
  },
  {
    "start": 5653.66,
    "end": 5655.92,
    "text": "Im Guten wie im Schlechten."
  }
]