[
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    "end": 9.24,
    "text": "Ich bin Daniel Rechizekker, das ist Thema des Tages, der Nachrichten Podcast vom Standards."
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    "end": 19.02,
    "text": "Gegen Bezahlung auf unschuldige Zivilisten schießen."
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    "text": "Wohlhabende, sogenannte Sniper-Zuristen, sollen in den neunziger Jahren in der damals belagerten Stadt Sarajevo tatsächlich dieser widerlichen Beschäftigung nachgegangen sein."
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    "text": "Jetzt kommen die Vorwürfe im großen Stil neu auf."
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    "text": "und auch ein bekannter Politiker ist mit einer Anzeige konfrontiert."
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    "text": "Woher die Vorwürfe stammen, wer sie aufgebracht hat und ob rund neun Autostunden von Wien entfernt wirklich dieser Unmenschlichkeit nachgegangen worden ist, darüber sprechen wir heute."
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    "text": "Olivera Steitsch, Leiterin des News Teams vom Standard ist heute hier."
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    "text": "Olivera schwere Vorwürfe werden da derzeit laut, die die italienische Justiz erhebt."
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    "text": "Es geht um die Belagerung von Sarajevo, die ja inzwischen rund drei Jahrzehnte zurückliegt und dort sollen ausländische Touristen gegen Geld auf Menschen geschossen haben."
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    "text": "Was hat es damit genau auf sich?"
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    "text": "Diese Vorwürfe sind gar nicht mal so neu."
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    "text": "Also, bereits während der Belagerung ungefähr Ende nineteen-feu-neinzig gab es die ersten Berichte und Gerüchte darüber, dass eben diese berüchtigten Sniperi, also die Heckenschützen, die rund um Sarah überpositioniert waren, dass die eben auch nicht nur von den serbischen Separatisten besetzt waren, beziehungsweise Freischeller und sonstige militärische Teilnehmer, die dort positioniert waren auf die Leute geschossen haben, sondern eben bezahlte Ausländer."
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    "end": 110.08,
    "text": "Länder, also europäische Ausländer aus Italien, Russland, Amerikaner, die eben gegen Geld, dass sie den serbischen Streitkräften gezahlt hatten, auf Zivilisten unten in der Stadt schießen konnten."
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    "text": "Da gab es auch richtige Preislisten."
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    "text": "Also es gab damals ziemlich viel Informationen unbestätigt, aber zum Beispiel die Sarajevo-Tageszeitung aus Lobogenie hat schon im April-febundneinzig ziemlich viele Details gehabt, die sie aus der italienischen Presse hatte."
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    "text": "einen Schritt zurück eben in die frühen neunziger Jahre und ich weiß, das lässt sich alles nicht mit einer Frage beantworten und es wird dem ganz noch nicht gerecht, aber nur um für die Zuhörerinnen und Zuhörer etwas einfacher zu machen, dass wir uns hier verorten können."
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    "text": "Wie ist das denn zu diesem Krieg am Balkon überhaupt gekommen?"
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    "text": "Wie gesagt, es ist wirklich die Kurzversion jetzt."
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    "text": "Ja, danke, dass du das sagst."
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    "text": "Weil alles, was ich jetzt sage, ist natürlich total für kürzt."
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    "text": "Wird der Komplexität der Situation damals und der Ausgangslage überhaupt nicht gerecht."
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    "text": "Aber man kann es vielleicht in zwei Sätzen so sagen."
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    "text": "Der Bosnienkrieg, der dauerte zwischen twohundneinzig und fünfhundneinzig."
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    "text": "Und den Stand im Zuge des Zerfalles Jugoslawien."
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    "end": 165.56,
    "text": "Jugoslawien war ein vielvölker Staat am Balkan."
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    "end": 170.04,
    "text": "Und nach Titos Tod, Titos war der lebenslange Präsident des Landes."
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    "text": "kam es eben zu Spannungen."
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    "end": 179.36,
    "text": "Die waren ethnischer Natur, es gab wirtschaftliche Krisen und das ganze kulminierte dann in der Separation."
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    "text": "Also Slowenien hat sich selbstständig gemacht."
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    "end": 190.44,
    "text": "Danach Kroatien, da gab es auch einen Krieger bei, aber in Bosnien gab es eben einen Referendum, ob man sich abtrennen soll von Yugoslavia oder nicht."
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    "text": "Und die mehrheitlich muslimischen Bosniaken waren dafür."
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    "text": "Teile der Kroatien, der Katholiken, die auch dort lebten, waren dafür."
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    "text": "Die Serben waren dagegen."
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    "text": "daraus."
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    "end": 214.52,
    "text": "stand ein Krieg, in dem es quasi hauptsächlich drei Parteien gab, die katholischen Kroaten, die muslimischen Bosniaken, die orthodoxen Serben, wobei die Allianzen auch im Laufe des Krieges untereinander teilweise auch geändert wurden."
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    "text": "Es war ein bisschen ein Durcheinander."
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    "text": "Und auf der serbischen Seite hat natürlich auch Serbien sich eingemischt."
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    "text": "Die nationalistischen und expansorischen Bestrebungen Serbiens wurden da auch unterstützt."
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    "end": 230.7,
    "text": "Also, der serbische Teilbossin sollte an Serbien gehen und so weiter."
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    "text": "Das führt uns jetzt gleich weiter eben zum Schauplatz dieses Podcasts, nämlich Sarajevo."
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    "text": "Das wird ab twohundundundzeigundneunzig dann belagert."
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    "text": "Von wem genau?"
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    "text": "Genau."
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    "text": "Also, wenn wir uns auf der Landkarte Sarajevo anschauen."
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    "end": 245.98,
    "text": "liegt Sarajevo in einem Kessel."
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    "text": "Drumherum sind Berge."
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    "end": 253.22,
    "text": "Diese Berge sind ungefähr sechs oder acht Jahre davor schon bekannt gewesen."
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    "end": 258.099,
    "text": "Weltweit, weil dort auf diesen Bergen wurden die Olympischen Spiele ausgetragen."
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    "end": 263.7,
    "text": "Das heißt, wir haben einen urbanen Teil unten, wir haben Vorstadt und wir haben die Berge oben."
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    "end": 279.88,
    "text": "Unter oben auf diesen Bergen haben sich eben die serbischen Streitkräfte, freiwillige Auch Teile der ehemaligen Volksarmee Jugoslawiens, die eben da geblieben sind und auf der serbischen Seite zu kämpfen und so weiter, stationiert und haben diese Stadt eingekässelt."
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    "end": 292.299,
    "text": "Das war die längste Belagerung in Europa in der jüngsten Geschichte und die Flugbrücke, die da humanitäre Hilfe geleistet hat, hat zum Beispiel länger angedauert als die Berliner Flugbrücke, nur damit wir ungefähr wissen, vor welchen Ausmaßen wir hier reden."
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    "text": "Und von da oben wurde eben die Stadt beschossen."
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    "text": "mit unterschiedlichen Waffen und am berüchtigsten waren eben diese Heckenschützen, die unten auf die Zivilisten geschossen haben."
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    "text": "Diese Belägerung dauert ja fast vier Jahre."
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    "text": "Kann man irgendwie beschreiben, wie es den Bewohnerinnen und Bewohnern damals in dieser Zeit ging?"
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    "text": "Ich meine, diese Bilder kennt man ja heute noch."
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    "text": "Genau, man kennt die Bilder von Menschen, die quasi um eine Straße zu überqueren, ihr Leben riskieren, indem sie schnell drüber laufen, weil sie wissen, das ist eine Straße, die von oben beschossen wird."
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    "end": 322.799,
    "text": "Diese Bilder kennt man."
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    "end": 330.679,
    "text": "Man kennt auch irgendwie diese Bilder, wo ein Tod oder ein Verletzter auf der Straße liegt und dann kommt die Reitung und dann wird die auch beschossen und so weiter."
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    "text": "Ich war zum Glück nicht in Sarajevo in dieser Zeit, aber viele Freunde und Bekannte von mir, die dann berichten eben von dieser Sache, die man sich vermutlich nicht vorstellen kann, nämlich wie es ist, einfach seinen Alltag in Todesangst zu leben und dass man das dann auch hintwann mal ablegt, dass Krieg leider Gottes zu Normalität wird und diese Gefahr."
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    "text": "Und aus Sarajevo gibt es aus dieser Zeit auch Bilder von Partys in Underground Clubs."
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    "text": "Es gab eine Misswahl."
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    "text": "Es gab auch sehr viel Berichterstattung."
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    "text": "Also diese Stadt war belagert, aber es war nicht unbekannt, was dort passiert."
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    "text": "Es gab auch Kommunikation."
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    "text": "Was es gibt und gab, sind die Zahlen der Toten, die eine Tatsache sind."
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    "text": "Und zwar wurden während der Belagerung elftausend Menschen umgebracht oder sind zu Tode gekommen auf unterschiedliche Art und Weise."
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    "end": 373.9,
    "text": "Und darunter ein Tausend Sechshundert Kinder."
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    "end": 377.56,
    "text": "und fifty-fünfzigtausend Menschen wurden teilweise schwer verletzt."
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    "end": 380.56,
    "text": "Du sprichst diese Situation schon anders, eben dieses Leben weiter."
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    "end": 391.859,
    "text": "Da gibt es eben diese Bilder, die heute wirklich bizarr wirken, Menschen, die im Aktenkoffon, im Anzug quasi am Weg zum Büro sind, aber auf diesem Weg quasi über diese berüchtigten Straßen müssen, damit sie eben nicht erschossen werden."
  },
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    "end": 397.659,
    "text": "Also dieses Gegenüberstellen auf der einen Seite, eben das normalen Berufsalltags und dann eben dieser Todesangst."
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    "end": 403.659,
    "text": "Und gefährlich oder vor allem gefährlich waren ja eben diese Heckenschützen, diese Schafschützen über die Sprechwehr heute."
  },
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    "end": 407.359,
    "text": "Und da gibt es ja sogar Straßen, die Sniper Alice genannt worden sind."
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    "end": 410.34,
    "text": "Also Schafschützenstraßen würde man das vielleicht auf Deutsch übersetzen."
  },
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    "text": "Und du hast davor schon diese Berge angesprochen, die rund um Sarajevo liegen."
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    "end": 415.0,
    "text": "Die spielen ja da auch eine Rolle."
  },
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    "end": 415.919,
    "text": "Wie ist das genau passiert?"
  },
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    "end": 420.28,
    "text": "Genau, also es gab eben serbische Stellungen oben auf den Bergen."
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    "end": 424.359,
    "text": "Es gab auch einen ganzen Stadtteil, der von Serben besetzt war, Gribawitza."
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    "end": 431.419,
    "text": "Und es gab eine berühmte Stellung beim Judischen Friedhof auch, von wo aus Hecken schützen, rund auf sich stattgeschossen haben."
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    "end": 436.14,
    "text": "Und ich möchte nur kurz zu diesen Bildern, die du erwähnt hast, diese bizarre Normalität."
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    "end": 440.919,
    "text": "Also Leute, die dort waren, erzählen mir, dass das normale Leben eine Form von Widerstand war."
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    "end": 447.239,
    "text": "Zu Arbeit zu gehen und so zu tun, als ob nichts wäre, obwohl man weder Strom noch Heizung hat, noch weiß, was man heute Abend essen wird."
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    "end": 449.159,
    "text": "Oder eine Party zu veranstalten."
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    "end": 461.099,
    "text": "weiter zu studieren in einer zerbombten Uni oder so war einfach eine Form von Widerstand, obwohl man eben wusste, man kann auf diesem Weg vielleicht geschossen werden von einer Grenade getroffen oder von einem Splitter schwer verletzt werden."
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    "end": 464.479,
    "text": "Also das war quasi der bezahre tödliche Alltag."
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    "end": 470.46,
    "text": "unten und oben auf den Bergen waren eben die serbischen Freischäler, die runtergeschossen haben."
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    "end": 474.52,
    "text": "Wie schon gesagt, nicht nur Freischäler, das war eine bunte Mischung aus Extremisten auch."
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    "end": 480.5,
    "text": "Jetzt liegt das Ganze schon dreißig Jahre zurück, aber Es kommt mit einer neuen Dimension jetzt wieder auf."
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    "text": "Du hast vorhin schon gesagt, das ist ja nicht unbedingt neu, diese Gerüchte und diese Berichte gab es schon."
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    "end": 495.02,
    "text": "Aber was war jetzt der Auslöser, dass wenn man auf der Suchmaschine seiner Wahl Sarebo eingibt, dutzende Zeitungsartikel genau zu diesen möglichen ausländischen Touristen auftauchen?"
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    "end": 495.599,
    "text": "Genau."
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    "end": 505.06,
    "text": "Also es ist nicht neu, wie schon gesagt, es gab schon Ende des Krieges Berichte, dann gab es im Zuge der Verurteilungen der serbischen Kriegsverbrecher in Den Haag."
  },
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    "end": 513.12,
    "text": "Alle Kriegsverbrecher aus Bosnien, aber vor allem, wenn es darum ging, um die Zeugen bei den serbischen Kriegsverbrechern, gab es schon Berichte darüber."
  },
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    "end": 519.88,
    "text": "Also einige haben eben so einstreuen lassen, dass sie glauben, dass unter diesen Hecken schützen auch ausländische Schützen waren."
  },
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    "end": 526.36,
    "text": "Und dann gab es in den Jahr- und Jahrzehnten ein Dokumentarfilm auf dem Sarajevo Film Festival."
  },
  {
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    "end": 538.62,
    "text": "Dort wurde gezeigt von einem slovenischen Dokumentarfilmer, der hieß Sarajevo Safari, ein sehr unguter Titel, der jetzt überall verwendet wird, um dieses Phänomen zu beschreiben, weil er so ... Ein Prägsam ist, glaube ich."
  },
  {
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    "end": 549.02,
    "text": "Und dieser Film von Miran Szupanicz zeigt eben einige Zeitzeugende darüber, erzählen, dass das nicht nur ein Gerücht ist, sondern dass es tatsächlich Beweise gibt."
  },
  {
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    "end": 554.74,
    "text": "In diesem Dokumentarfilm des lovenischen Filmers kommt vor allem ein ehemaliger Geheimdienstler."
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    "text": "zu Wort, und zwar Edin Subashic."
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    "text": "Und er berichtet von einem Verhör, dass sie mit einem Kriegsgefangenen hatten."
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    "text": "Das war ein zwanzigjähriger Serbe, der mehr oder weniger eher Sack gezwungen da oben war in Sarajevo und mitgemacht hat, man weiß es nicht genau."
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    "text": "Und er hatte zählt das eben oben auch Ausländer."
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    "text": "Er weiß nicht, welche, er konnte es nicht benennen."
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    "text": "Auf jeden Fall Menschen, Männer, die dafür zahlen, dass sie mit ihren Gewehren."
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    "text": "Mehrheitlich waren das wohl ganz normale Jagdgewehre."
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    "text": "Sie haben mehrere Zehntausend Euro bezahlt damals schon, um dann an diesen Stellungen eben den Serbischen quasi einen Slot zu kriegen, um auf Menschen zu schießen."
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    "text": "Und es soll auch Preislisten gegeben haben."
  },
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    "text": "Was kostet das Leben eines Mannes, einer Frau und eines Kindes?"
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    "text": "Du hast jetzt gerade gesagt, du findest den Titel dieser Dokumentation."
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    "text": "Ich habe es mir auch angesehen, es ist wirklich schwere Kost, also es ist schwer zu verdauen, was man dazu sehen bekommt."
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    "text": "Was ist da dein Kritikpunkt eigentlich?"
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    "text": "Naja, wenn man Safari sagt, entstehen ja gewisse Bilder im Kopf."
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    "end": 634.66,
    "text": "Es ist ja aus dem Jagdjargon und sowieso kein, finde ich besonders guter Name, weil er eigentlich verschleiert, was drunter... auch im normalen Gesprächsgebrauch gemeint ist, nämlich dass man Tiere einfach erschießt, weil man Trophäen will."
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  {
    "start": 635.14,
    "end": 642.44,
    "text": "Legt man das auf Menschen um, ist es einfach absolut unerträglich und bizarr, uns schwer zu ertragen, irgendwie was damit beschrieben wird."
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    "end": 650.5,
    "text": "Aber wenn wir uns ehrlich sind, die ganze Thematik des Kriegs ist schwer zu ertragen und das ist nur ein weiterer unerträglicher Höhepunkt."
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    "text": "Wenn wir uns jetzt diese Dokumentation ansehen, Der Journalist, der das jetzt in Italien ins Rollen gebracht hat, nennt ja genau eben diese Dokumentation mit dem Namen Sarajevo Safari als Auslöser aus Ausgangsbasis für seine Arbeit."
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    "text": "Da stelle ich mir jetzt persönlich die Frage, warum war das nicht vor drei Jahren dann das große Thema?"
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    "end": 677.24,
    "text": "Also diese Dokumentation und diese Thematik war ja in Bosnien oder im exikoslawischen Raum schon immer so ein Thema, ein bisschen unterschwellig, so wie viele."
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    "text": "Gerüchte, Anschuldigungen, die es gibt aus diesem Krieg, der dreißig Jahre später noch lange nicht aufgearbeitet ist."
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    "text": "Das heißt, es gab Ende des Krieges, vierundneinzig, fünfundneinzig, schon Zeitungsberichte darüber."
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    "text": "Dann die ganzen zwanzig Jahre später hat man auch immer wieder unter vorgehaltener Hand oder nicht unter vorgehaltener Hand, aber halt ohne Beweise darüber geredet, so wie man viele Dinge regiert."
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    "text": "Und dann gab es eben diesen Dokumentarfilm und diese Zeugen."
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    "end": 707.42,
    "text": "Und das hat natürlich auch Berichterstattung und erneute Diskussion darüber in Bosnien ausgelöst."
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    "end": 711.98,
    "text": "Aber ich glaube, es hat ein bisschen gedauert, bis man das alles sammelt, damit man es, also so stell ich es mir vor."
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    "text": "Und das hat auch der Esyoga Vaceni gemacht, der Italiener, der jetzt bei der Mainländer Staatsanwaltschaft das eingereicht hat."
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    "text": "Ich nehme an, dass jetzt einfach der Zeitpunkt war, wo die Sache reif war."
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    "text": "Wo die Recherche quasi abgeschlossen war, wo er tatsächlich sicher genug war, um zu den Behörden zu gehen."
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    "text": "Gibt es denn zum jetzigen Zeitpunkt schon konkrete Personen, die verdächtigt werden, an dieser menschenverachtenden Aktion teilgenommen zu haben?"
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    "text": "Esio Gwazeni, der italienische Aufdeckerjournalist, der dieses dossier an die Meilen der Staatsanwaltschaft geschickt hat, behauptet, er kennt Namen."
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    "text": "Er kennt konkrete Personen und konkrete Namen von italienischen Rechtsextremisten und anderen Ausländern, die eben diese Beiträge zwischen Achtzig und Hunderttausend Euro bezahlt haben, um an dieser Menschenjagd teilzunehmen."
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    "text": "Er sagt, es ist drunter auch ein prominenter Besitzer einer Privatklinik in Italien und jetzt gibt es auch so Kommentare oder Gerüchte, dass man sagt, okay, vermutlich sind sehr prominente Männer drunter und deswegen dauert es jetzt so lange oder deswegen wurde es jetzt so lange geheim gehalten."
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    "text": "Ich weiß nicht, was dran ist, aber Gavacini behauptet eben, er hätte konkrete Namen."
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    "end": 804.06,
    "text": "Bei diesen Truppen, bei dieser, ich glaube, du hast vorher gesagt, das ist meine bunte Mischung, die bei Sarajevo auf diesen Bergen waren rund um die Stadt, war auch ein Mann anwesend, den man heute auch in Österreich gut kennt, nämlich der aktuelle serbische Präsident Alexander Wutschitsch."
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    "text": "Wie spielt der damit rein?"
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    "end": 817.54,
    "text": "Es mag vielleicht etwas überraschend sein, dass jetzt plötzlich Wucic auftaucht in dieser ganzen Geschichte, aber wenn man die letzten dreißig Jahre sich anschaut und seine Rolle im Bosnienkrieg ist das gar nicht so überraschend."
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    "text": "Also, der serbische Anwalt Cedomir Stojkovic erhebt schon seit Jahren Vorwürfe gegen Wucic, und zwar, weil er vermutet, dass Wucic einer von diesen Schafschützen war oben auf den Bergen."
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    "end": 842.32,
    "text": "Parle, eine nunmehr serbische oder der republikasribska zugehörige ehemalige Vorstadt von Sarajevo, war ein Ort, an dem sich so etwas wie quasi eine Parallelhauptstadt zu Sarajevo da ausgebildet hat."
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    "end": 845.62,
    "text": "Serbische und Parle hatte auch einen Fernsehsender ParleTV."
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    "text": "Wucic war ursprünglich ein Redakteur dieses Fernsehsenders."
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    "text": "Und man hat ihn quasi dort beschäftigt, weil man gesehen hat, er hätte Talent."
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    "text": "Ich habe seine Beiträge gesehen, er hatte kein Talent."
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    "text": "Aber auf jeden Fall war er davor eben mit Waffe unterwegs."
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    "text": "und vor zwei Tagen hat er gesagt, na es ist nicht mal ein Regenschirm gewesen, sondern das Stativ einer Kamera."
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    "text": "Ich habe mir das Video ausgedruckt mehrmals angeschaut, also ich habe mir ein Screenshot natürlich ausgedruckt nicht das ganze Video und habe mir das angeschaut, es sieht tatsächlich aus wie ein Gewehr und weniger wie ein Regenschirm."
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    "text": "Nämlich, dass Wucic auch dort mitgeschossen hat und auf Menschen geschossen hat."
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    "text": "Es gibt Zickaufnahmen, wo sich Wuczic sehr abfällig über die bosnischen Muslime äußert."
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    "text": "Ich nehme an, die Anwälte und Stojkovic und alle anderen, die jetzt da quasi mit eingereicht haben in dieser Klage, werden noch mehr Beweise haben, als wir es in der Öffentlichkeit wissen."
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    "text": "Aber das ist auf jeden Fall quasi der Kontext oder der Zusammenhang, wieso Wuczic jetzt plötzlich auch."
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    "text": "bei diesem Thema auftaucht, erneut."
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    "text": "Aber das Wutschitsch anwesend war auf diesem Berg, das beschreitet ja wieder eher noch sonstigen jemanden."
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    "text": "Da gibt es ja Videoaufnahmen."
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    "end": 946.46,
    "text": "Ob es jetzt ein Regenschirm, ein Gewehr oder ein Kamerastativer, gut, ich glaube, das können wir zum jetzigen Zeitpunkt einfach... nicht festmachen, aber Wucic sieht sich ja jetzt auch eben aus Italien mit einer Anzeige konfrontiert in diesem neuen Kontext."
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    "text": "Genau, weil die Anwälte und der italienische Journalist sagen, es gibt mehr Beweise dafür, dass Wucic tatsächlich daran beteiligt war und dass er vielleicht auch was mit der Organisation dieser ganzen ausländischen Schützen zu tun hatte."
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    "start": 959.92,
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    "text": "Olivera, wenn wir jetzt noch einmal zurückkommen, nach Sarajevo, in Sia, in der Sommer, als die NATO dann tatsächlich eingreift, Luftangriffe fliegt rund um die Stadt, also auf die Stellungen der Belagere, auf den Bergen beispielsweise, wie ist es dazu dann gekommen und welchen Effekt hatte das?"
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  {
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    "end": 977.56,
    "text": "Die internationale Gemeinschaft."
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    "end": 985.7,
    "text": "hat schon lange natürlich Überlegungen angestellt oder Maßnahmen, wie man die Belagerung beenden kann, wie man den Krieg in Bosnien beenden kann."
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    "end": 1003.12,
    "text": "Ausschlaggebend, dass am dreißigsten August, nineteenhundertfünfundneinzig, diese Flüge über Sarajevo gestartet sind, war eigentlich ein schreckliches Ereignis und zwar ein Granatenangriff auf den Markt von Sarajevo, also Markt, so wie dort wo Gemüse und Obst verkauft wird und so weiter."
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    "text": "Eine Markthalle, das war am achtundzwanzigsten August, bei diesem Angriff sind sehr, sehr viele Zivilisten ums Leben gekommen."
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    "text": "Und eben am dreißigsten August ging diese Luftkampagne der NATO und dauert bis ungefähr zweizigsten September, nineteenhundertfünfundneunzig."
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    "text": "Zum Ziel hatten diese Angriffe, dass einfach die serbischen Stellungen, die Stellungen der serbisch-bosnischen Armee gezielt geschwächt werden, das ist dann auch gelungen."
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    "text": "daraus folgten eben die Verhandlungen in Daten und das Friedensabkommen Ende des Jahres."
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    "end": 1041.28,
    "text": "Also diese Flüge waren schon sehr ausschlaggebend dafür, dass eben die Serbische Armee mehr oder weniger aufgegeben hat an vielen Punkten in Bosnien."
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    "text": "Es ist nicht nur um Sarajevo herumgeflogen worden, sondern auch weiter im Norden, aber das führt jetzt zu weit."
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    "end": 1059.74,
    "text": "Eben daraus entstand das Friedensabkommen von Däten mit dessen Folgen, würde ich mal sagen, Bosnien auch immer lebt und kurz darauf wurde auch IVOR, also die internationalen Kräfte in Bosnien, stationiert und den Frieden zu sichern."
  },
  {
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    "end": 1069.54,
    "text": "Wenn ich dir zuzugehört habe, die letzten rund zwanzig Minuten, es hat so das Gefühl, als wären viele Sachen, die du mir jetzt erzielt hättest, in der Region, in Bosnien beispielsweise, nicht unbedingt neu."
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    "end": 1079.639,
    "text": "Wenn man jetzt aber westliche Medien ansieht, deutsche österreichische, englische, französische, dann wirkt das alles wie eine, unter Anführungszeichen, eine bizare Sensation, von der man vorher noch nie gehört hat."
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    "end": 1091.26,
    "text": "Das symbolisiert aber auf der anderen Seite natürlich auch ein gewisses, bislang vorherrschendes Desinteresse an dieser Region und an diesem Konflikt und an diesem Schicksal dieser elftausend Menschen beispielsweise und allen anderen, die dort gewohnt haben."
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    "text": "Woher kommt dieses gefühlte Desinteresse, was zumindest gerade in diesem Gespräch irgendwie ein bisschen sichtbar geworden ist?"
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    "text": "Ja, ich finde es ja seltsam, dass ausgerendet wir in Österreich oder in Wien über das Desinteresse reden, wo diese zwei Länder doch wahnsinnig miteinander verbunden sind, historisch in guten und in schlechteren Zeiten."
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    "text": "Ich finde, dass du sagst, das Interesse finde ich gut, ich würde sogar noch Ignoranz draufsetzen."
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    "text": "Und sie hat sich vor allem für mich zum Beispiel gezeigt, als der Krieg in der Ukraine begann, dann waren die Schlagzeilen oder auch in die Gespräche bei uns in der Redaktion SOA, der Erste Krieg auf europäischen Boden, nach n.a."
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    "text": "und bei mir waren so riesige Fragezeichen über den Kopf."
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    "end": 1132.36,
    "text": "Wie kann das sein?"
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    "end": 1141.5,
    "text": "Also der Balkan irgendwie so als der Vorhof oder entweder das Vorzimmer oder vielleicht auch irgendwo Peripherie Europas war immer so ein bisschen vernachlässigt."
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    "text": "Es gibt so viele Vorteile, es gibt auch viele Studien darüber wie der Balkan gesehen wird als ein Pulverfass und als Chaos und da kann man ihn nicht durchblicken oder schlagen sich alle die Köpfe ein und so weiter."
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    "end": 1170.199,
    "text": "Und ja, du hast recht, also sowohl der Krieg wurde lange ignoriert, die Flüchtlinge wurden zwar auch auf aufgenommen, dann viele wieder zurückgeschickt und dann wurde auch... eigentlich wie schon gesagt absolut vergessen, dass es da diesen Krieg gab und dass die Konflikte nicht aufgearbeitet sind und dass es eigentlich noch immer ein Riesenthema ist."
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    "text": "Die Berichterstattung in den deutschsprachigen Medien ist angesichts dieser geographischen Nähe aber auch der kulturellen eigentlich eine Schande."
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    "text": "Das muss ich jetzt so sagen und stehen lassen."
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    "text": "Ich glaube das führt uns zu unserer letzten Frage und die muss ich etwas adaptieren, denn ursprünglich stand hier ob Sarajevo wahnsinnig großartige Stadt, wenn man heute da ist."
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    "end": 1196.399,
    "text": "kann ich nur empfehlen, dort mal hinzufahren, für alle, die noch nicht dort waren, wie sehr diese aktuelle Berichterstattung jetzt alte Wunden neu aufreist."
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    "text": "Wir haben eine ursprüngliche Frage gewesen."
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    "text": "Ich glaube, ich adaptiere sie jetzt dort, dass man vielleicht sagen kann, die sind eigentlich gar nicht verheilt, weil das war immer ein Thema dort."
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    "text": "Ich glaube, dass im Ganzen Bosnien und nicht nur in Sarajevo der Krieg noch immer ein Thema ist, dass vielleicht im Alltagstruggle ein bisschen zur Seite geschoben wird, aber es ist noch lange nicht alles aufgearbeitet."
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    "text": "Genozid von Srebrenica wird von der serbischen Seite immer nicht anerkannt und akzeptiert."
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    "text": "Es gibt noch immer Spannungen."
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    "end": 1227.48,
    "text": "Die serbische Seite, also die Republikasribske, hat einen Präsidenten, der hauptsächlich davon lebt, diesen Konflikt weiterzuschüren."
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    "text": "Es ist in Bosnien schwierig, eine Normalität aufzubauen, weil du einfach ein Land hast, das den größten Staatsapparat hat, angesichts der Tatsache, dass das Land immer mehr schrumpft, weil einfach Braindrain ein Riesenthema ist, die jungen Leute verlassen alle Bosnien."
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    "text": "Wenn ich jetzt so weiterrede, werde ich ziemlich hoffnungslos."
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    "text": "Das heißt, dieser Krieg wirkt dreizig Jahre noch immer sehr nach."
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    "text": "Es flackert immer wieder ein bisschen auch auf im Ausland, wenn solche sensationellen Berichte kommen."
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    "text": "Aber im Grunde ist es vielleicht auch, wenn dieses Thema absolut, ich finde jetzt keine Superlative mehr dafür."
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    "text": "Wir haben schon darüber geredet, was das bedeutet, wenn man diese Bilder sieht und was dieses Safari eigentlich auslöst."
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    "end": 1273.899,
    "text": "Also vielleicht ist es ja trotzdem, trotz dieser Schrecklichkeit eine Chance, wieder einmal einen Anlauf zu starten, gewisse Dinge aufzuarbeiten."
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    "end": 1290.74,
    "text": "Und wenn Ihnen diese Folge bis dahin schon einmal gefallen hat und Sie auch die kritische und unabhängige Berichterstattung des Standards unterstützen möchten, dann geht das als Abonnentin oder mit einem einmaligen Unterstützungsbeitrag schon ab drei Euro."
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    "text": "Alle Infos unter abo.derstandard.at."
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    "text": "Feedback oder Themenvorschläge schicken Sie uns gerne an podcast.at."
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