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    "text": "Ich bin Schold Wilhelm, das System des Tages, der Nachrichten-Podcast vom Standard."
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    "text": "Vier Jahre Krieg haben nicht nur in der Ukraine verheerende Spuren hinterlassen."
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    "text": "Die Invasion hat auch Russland schwer geschädigt."
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    "text": "Und auch die so wichtige Ölindustrie ist angeschlagen."
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    "text": "Alles Europäisches Wunsch denken würde Vladimir Putin vielleicht sagen."
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    "text": "Herzlich willkommen, Janis Kluge in unserem Podcast."
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    "text": "Hallo, ich freue mich dabei zu sein."
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    "text": "Herr Kluge, Sie sind Wirtschaftsforscher und Russland Experte, wenn ich Sie vor vier Jahren, bevor dieser Krieg angefangen hat, gefragt hätte."
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    "text": "Was muss ich wissen über Russlands politisches und wirtschaftliches System, um es zu verstehen?"
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    "text": "Das ist eine sehr gute Frage und auch eine gar nicht so leicht zu beantwortende Frage, weil natürlich die letzten vier Jahre auch ein großer Lernprozess waren für alle, die Russland beobachten."
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    "text": "Russland hat sich sehr stark verändert und vieles von dem, was seit dem Jahr zwanzig, also vor vier Jahren, passiert ist, war auch überraschend."
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    "text": "Wenn Sie mich jetzt vor vier Jahren gefragt hätten, dann hätte ich gesagt, also was jetzt das politische System betrifft oder die Außenpolitik, dass Russland zwar jetzt diese Eskalation androh, also es gab damals ja diese Truppenmassierung an der ukrainischen Grenze schon, aber dass letztlich Putin diesen Schritt wahrscheinlich eher nicht gehen würde, einzumarschieren, weil es einfach... viel zu massive Auswirkungen hätte für das eigene Land, weil es für russische Innen- und Außenpolitik viel zu stark verändern würde."
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    "text": "Und wie Putin eigentlich als jemand kennen, der zwar ab und zu poher Risiken eingeht, aber dann auch wieder sehr risikoscheu ist."
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    "text": "Also es gab die Kriminektion, aber in den Jahren danach gab es von russischer Seite eher so den Versuch, wieder ein bisschen zu konsolidieren."
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    "text": "Das war vielleicht etwas trügerisch und ich persönlich habe damals die Invasion, also in der Form, wie sie passiert ist, erstmal für eher unwahrscheinlich gehalten."
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    "text": "Und was die russische Wirtschaft betrifft, gab es auch da natürlich eine Lernkurve auf jeden Fall."
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    "text": "Aber die Erwartung war doch, dass es das sich anders auswirkt."
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    "text": "Also, dass diese massiven Sanktionen, die auch damals schon angedroht wurden, dass sie schon zu einem dauerhaften Kollaps oder einen viel größeren Problem in der Wirtschaft führen würden."
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    "text": "Und diese Annahme, man kann das ja auch nachvollziehen, warum man das damals gesagt hat, basierte darauf, dass Russland eben sehr abhängig ist von westlichen Technologien."
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    "text": "Und das sind sie weiterhin, was die Fehlernahme war an der Stelle, war einfach, dass wir dachten, wir könnten diese Technologien in Russland wegnehmen."
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    "text": "Und das hat sich als ausgesprochen schwierig erwiesen, weil eben Russland weiterhin alles Mögliche auf allen möglichen Wegen importieren kann, weiterhin praktisch westliche Technologien nutzen kann und das Instrument der Sanktionen an der Stelle auch an gewisse Grenzen stößt."
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    "text": "Das vielleicht erstmal ganz grob, es war natürlich vieles einfach ganz schwer abzusehen und seitdem ist einfach unglaublich viel passiert."
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    "end": 206.8,
    "text": "Ich glaube, um besser verstehen zu können, warum die Sanktionen und diversen Maßnahmen gegen Russland nicht funktioniert haben, wie muss man sich dieses Wirtschaftssystem vorstellen?"
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    "text": "Also ich betone immer gerne zuerst, dass es sich eigentlich primär um eine Marktwirtschaft handelt."
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    "text": "Es ist eine spezielle Marktwirtschaft mit einigen Einschränkungen, einige Bereiche der Wirtschaft sind stärker verstaatlich und staatlich reguliert, aber im Kern Bestimmen doch Preise und private Unternehmen und auch das Motiv der Gewinnmaximierung sehr, sehr viel in dieser Wirtschaft."
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    "text": "Und das gibt der Wirtschaft eine gewisse Resilienz."
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    "text": "Also es ist eine Privatwirtschaft, in der der Staat eine dominante Rolle spielt, zumindest in den meisten Bereichen."
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    "text": "Aber auch die Rüstungsindustrie natürlich, da sind es vor allen Dingen staatliche Konzerne und auch das Bankensystem ist größtenteils in staatlicher Hand oder unter staatlicher Kontrolle."
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    "text": "Und das heißt, da kann man auch durchaus sagen, dass die Personen, die diese Unternehmen führen, dass das alles Personen sind, mit denen Putin schon seit sehr vielen Jahren zusammenarbeitet, die auch aus seinem persönlichen Umfeld kommen, mit denen er biografische Überschneidung hat."
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    "text": "Also diese Staatswirtschaft ist sehr, sehr stark von buddhinspersönlichem Umfeld geprägt."
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    "text": "Das ist eher Teil des Systems als jetzt sozusagen die Ausnahme."
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    "text": "Und das ist etwas, was manchmal Russland, also meistens wird eben geschlossen, weil es eine Autokratie ist, dass eben auch die Wirtschaft so autokratisch organisiert ist."
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    "text": "Also das heißt, es ist immer noch größtenteils Privatwirtschaft, die aber einen sehr dominanten staatlichen Sektor hat, vor allen Dingen in den Energiebereich."
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    "text": "Wie hat denn der Krieg gegen die Ukraine die Wirtschaft in Russland verändert?"
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    "text": "Diese Transformation zur Kriegswirtschaft wurde mehrfach beschrieben."
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    "text": "Aber wie hat sich das auch zum Beispiel auf eben diese institutionalisierte Kleptokratie oder Korruption auch ausgewirkt?"
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    "text": "Ich glaube, dass sich An der Stelle, an diesem Element, dass Herr Kleptokratie eigentlich gar nicht so viel verändert hat, dass es eben vorher auch schon bestanden hat."
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    "text": "Das heißt, was wir zum Beispiel gesehen haben, ist, dass natürlich ausländische Unternehmen sich massiv zurückgezogen haben aus Russland."
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    "text": "Investoren haben ihre Tochtergesellschaften abgegeben, verkauft oder wurden auch enteignet und auf diesen Rückzug gab es dann eben Personen in Russland, die davon profitiert haben, die diese Unternehmen sehr günstig kaufen konnten."
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    "text": "Und da sieht man schon wieder, dass dieses Muster der Klappedokratie eben an der Stelle auch sich dann wieder selbst erneuert hat und wieder fortgesetzt wird, auch unter diesen neuen Bedingungen."
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    "text": "Denkt man dann vielleicht an die Wirtschaftssysteme in Europa, während des Zweiten Weltkriegs, wo wirklich ein großer der Industrie für den Krieg direkt produzieren muss."
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    "text": "Das werden natürlich unglaubliche Menschen für den Krieg rekrutiert, aber auch von der Berüstungsindustrie."
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    "text": "trotzdem ist es wahrscheinlich eher so eine Wirtschaft, die langsam für den Krieg mobilisiert wird, aber eben noch nicht in der Kriegswirtschaft angekommen ist."
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    "text": "Das heißt, dieser Krieg fordert noch nicht, dass alle Ressourcen auf diesen Krieg geworfen werden, dass alles dafür eingesetzt wird."
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    "text": "Genau, in dieser Absolutheit ist das noch nicht der Fall."
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    "text": "Es ist natürlich immer dominanter, also die Militärausgaben nehmen eine immer größere Rolle im Haushalt ein und auch andere Belastungen werden immer deutlicher spürbar."
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    "text": "Was zum Beispiel sehr klar auf die Kriegsausgaben zurückzuführen ist, ist die Inflation in den letzten Jahren, die einfach stark angestiegen ist und die Zentralbank in Russland aktuell dazu zwingt, auch extrem hohe Zinsen einzuführen und damit auch die Wirtschaft abzuwirken."
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    "text": "Das heißt, man merkt schon der Krieg und die Folgen davon."
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    "text": "entwickeln sich dazu eine Belastung."
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    "text": "Aber insgesamt ist es eben weiterhin möglich, für viele Menschen in vielen Berufen und Bereichen den Krieg auch zu ignorieren."
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    "end": 477.14,
    "text": "Das gilt, glaube ich, für einen Großzweilerosischen Gesellschaft, dass dieser Krieg einfach ausgeblendet wird und weder wirklich besprochen noch, dass das wirklich das Leben unendlich batangiert."
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    "text": "Es gibt natürlich ganz viele, wie gesagt, Menschen, die rekrutiert werden für den Krieg."
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    "text": "Es gibt unglaublich viele Todesopfer, also zwischen zweihundert und dreihunderttausend."
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    "text": "Russen sind in diesem Krieg gefallen, entsprechend viele Verwundete, Invaliden und so weiter."
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    "end": 497.88,
    "text": "Aber die sind eben meistens eher in den kleineren Städten in Dörfern und sind vielleicht jetzt auch im Stadtbild in Moskau oder so noch nicht wirklich so sehr zu sehen."
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    "text": "Also insofern, der noch, würde ich sagen, das sind in dieser Auswirkung werden immer größer und stärker."
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    "text": "Aber wenn man möchte, kann man diesen Krieg auch weiterhin noch ignorieren in Russland."
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    "text": "Wenn Russlands Zahlen zur Wirtschaft heraus gibt, zum Wirtschaftswachstum, zum jährlichen, dann ist eine Reflex in Europa immer, dass man dem mal nicht vertraut."
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    "text": "Was sagen Sie, wie groß ist der Anteil der Kriegsausgaben im Wachstum?"
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    "end": 533.78,
    "text": "Also wie sehr hängt mittlerweile auch das Wirtschaftswachstum und vielleicht auch die steigenden Gehälter der Bevölkerung davon ab, dass es einen Krieg gibt oder nicht?"
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    "end": 541.48,
    "text": "Also aktuell gibt es keinen Wirtschaftswachstum, aktuell stagniert die Wirtschaft, aber es gab in den letzten zwei Jahren, also vor allen Dingen im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr"
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  {
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    "end": 556.42,
    "text": "im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr."
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    "end": 559.5,
    "text": "Und das ist fast vollständig auf die Kriegsausgaben zurückzuführen."
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    "text": "Zum Teil war das eine Erholungsbewegung nach dem ersten Sanktionsschock, der schon auch zu einem kurzfristigen Einbruch geführt hat."
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    "text": "Aber größtenteils waren das eben die hohen Militärausgaben."
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    "end": 583.12,
    "text": "Man muss sich das wie ein gigantisches Konjunkturprogramm vorstellen, wo der Staat plötzlich sehr, sehr viel Menschen einstellt, sehr, sehr viel Nachfrage schafft und dadurch kommt die Wirtschaft in... Sie hat aber dadurch auch es praktisch in die Überhitzung gegangen."
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    "text": "Das heißt, der Staat hat zu viel Nachfrage geschafft und das hat dann eben diese Inflation mit bewirkt."
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    "text": "Und jetzt kommt praktisch der Kater danach."
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    "text": "Also es ist dann wie in Rausch."
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    "end": 597.34,
    "text": "Dieser Zustand der Wirtschaft in Russland in den letzten zwei Jahren, jetzt zeigt sich da eben ein gewisser Preis."
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    "end": 603.66,
    "text": "Und aber dieser Rausch, diese Entwicklung war tatsächlich eigentlich fast ausschließlich von diesen Kriegsausgaben getrieben."
  },
  {
    "start": 603.699,
    "end": 615.939,
    "text": "Es gibt natürlich auch für Russland Berechnungen, wie viel die Wirtschaft normalerweise wachsen sollte, so langfristig gibt es so genanntes Potenzialwachstum, das so bei eins oder anderthalb Prozent liegt."
  },
  {
    "start": 616.6,
    "end": 628.8,
    "text": "Unter Sanktionen könnte das auch noch mal darunter liegen, aber wenn die Wirtschaft mit vier Prozent pro Jahr wächst, dann sieht man schon, dass es da offenbar ein starkes Konjunktürprogramm gibt, das da wirkt und dass das kein langfristig durchhaltbares Tempo ist."
  },
  {
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    "end": 632.84,
    "text": "Die Wirtschaft stagniert, haben Sie schon gesagt."
  },
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    "end": 641.66,
    "text": "Interessante ist ja, dass, wie Sie auch schon angesprochen haben, die Sanktionen, die westlichen, gegen Russland, bisher Putin nicht davon abbringen konnten, diesen Krieg zu führen."
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    "text": "Ich nehme an, dass es darauf zurückzuführen, dass die Kriegskasse so gut gefüllt war."
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    "text": "Ja, diese Prozesse, also dass die wirtschaftlichen Prozesse für die Kriegsführung zu einem Problem werden, das ist... eher langfristig."
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    "text": "Wir hatten am Anfang der Vollinvasion diesen kurzen Crash, der durch die Sanktionen hervorgerufen wurde, von dem sich Russland aber recht schnell erholt hat."
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    "text": "Und danach gab es eben dieses Strohfeuer, diesen Rausch, aufgrund der hohen Militärausgaben."
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  {
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    "text": "Und erst jetzt zeigt sich eigentlich schon im vierten Kriegsjahr aktuell, zeigt sich eigentlich der Preis, den das auch wirtschaftlich hat."
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    "end": 687.439,
    "text": "Und jetzt erst wird das auch zu einem Problem, was sich im Haushalt beispielsweise niederschlägt."
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    "end": 694.079,
    "text": "In den letzten Jahren konnte Russland eben auch noch auf einen nationalen Wohlfahrtsfonds zurückgreifen, also einen Staatsfonds."
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    "text": "der inzwischen fast erschöpft ist."
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    "text": "Und es gab insgesamt, wie Sie erwähnt haben, der Haushalt war gut aufgestellt, im Jahr zwanzig, zweiundzwanzig."
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    "text": "Es gab geringes Defizit, geringe Staatsverschuldung."
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    "text": "Man kann das immer nicht so gut mit Defiziten in Europa beispielsweise vergleichen."
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    "text": "Russland ist dafür immer noch sehr, sehr niedrig, also mit ungefähr zwanzig Prozent des Bruttal-Inhans-Produktes."
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    "text": "Aber Russland zahlt ... extrem hohe Zinsen auf diese Schulden."
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    "text": "Das ist das, was Russland aktuell zahlt für Neuverschuldung."
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    "end": 734.34,
    "text": "Und dann ist natürlich auch, sind schon zwanzig, dreißig Prozent des Bruttoinlassproduktes eine unglaubliche Belastung für den Haushalt."
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  {
    "start": 734.819,
    "end": 745.88,
    "text": "Das heißt, Russland zahlt für seine Staatsverschuldung aktuell deutlich mehr Zinsen als Deutschland für seine Staatsverschuldung zahlt, obwohl wir natürlich viel mehr Schulden haben, auch weil die Zinsen bei uns niedriger sind."
  },
  {
    "start": 746.9,
    "end": 747.939,
    "text": "Wie wirkt sich das auf?"
  },
  {
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    "end": 749.699,
    "text": "die normalen Bürger aus."
  },
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    "text": "Sie haben die steigenden Preise schon erwähnt."
  },
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    "end": 765.14,
    "text": "Insgesamt, vielleicht erstmal intuitiv überraschend oder nicht nachvollziehbar, paradox, haben da die russische Bevölkerung sehr profitiert, zumindest gewisse Teile der russischen Bevölkerung von dem, was in den letzten Jahren passiert ist."
  },
  {
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    "end": 775.06,
    "text": "Diese Ausgaben für den Krieg, das sind ja dann Gehälter, das sind Anwerbeboni, das sind auch Entschädigung für die Familien von gefallenen Soldaten."
  },
  {
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    "end": 780.14,
    "text": "Das ist Geld, das vom Staat praktisch dann auch in eher arme Haushalte fließt."
  },
  {
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    "end": 791.8,
    "text": "Das heißt, das sind Haushalte, die vorher nichts haben und dann bekommen sie eben Geld, weil vielleicht der Familienvater im Krieg gefallen ist oder weil er eben dort in der Ukraine kämpft und dann eben ein Gehalt kriegt."
  },
  {
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    "end": 801.459,
    "text": "Und das hat dafür gesorgt, dass gerade so in den Gehaltsstufen, also bei den Menschen, die sehr wenig Wirtschaft, die Perspektiven haben, sehr wenig verdienen, dass da plötzlich viel Geld ist."
  },
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    "end": 811.26,
    "text": "und das sorgt natürlich dafür, dass die Gehälter insgesamt ansteigen und auch beispielsweise für Jobs, also Taxifahrer beispielsweise plötzlich."
  },
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    "end": 820.939,
    "text": "viel schwerer zu finden waren, weil die beispielsweise an die Front gehen oder weil Lkw-Fahrer kaum zu finden waren, weil die in der Armee arbeiten, steigen dann die Transportkosten."
  },
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    "end": 823.16,
    "text": "Das heißt, da merkt man, wie es jetzt überall auswirkt."
  },
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    "end": 827.319,
    "text": "Aber es wirkt sich eben auch durch die Knappheit an Arbeitskräften."
  },
  {
    "start": 827.699,
    "end": 832.819,
    "text": "Die kriegsbedingte Knappheit an Arbeitskräften wirkt es jetzt eben auch in Form von steigenden Gehältern erstmal aus."
  },
  {
    "start": 833.36,
    "end": 839.74,
    "text": "Und das hat dazu geführt, dass viele Familien Erstmal im Durchschnitt jedenfalls mehr Geld hatten."
  },
  {
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    "text": "Sie hatten sicherlich auch dann diese Schicksalsschläge."
  },
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    "end": 849.98,
    "text": "Das ist eben was ja schrecklich, dass dann der Familienvater oder Sohn oder jemand aus der Familie vielleicht stirbt oder verwundet zurückkommt."
  },
  {
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    "end": 853.0,
    "text": "Und da kann man natürlich nicht davon sprechen, dass sie profitieren."
  },
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    "end": 859.18,
    "text": "Aber wirtschaftlich gesehen ist das eben erst mal sehr viel Geld gewesen, was in eine bestimmte Bevölkerungsschicht geflossen ist."
  },
  {
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    "text": "Und dann gibt es natürlich die Rüstungsindustrie, die zu Sowjetzeiten sehr groß war und jetzt in den Dekaden danach sehr gelitten hat."
  },
  {
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    "end": 874.62,
    "text": "Auch da gab es eben so ein Revival und die Industrieregionen haben auch sehr stark von diesen Aufträgen für die Rüstung profitiert."
  },
  {
    "start": 875.579,
    "end": 882.4,
    "text": "Bisher konnte Putin seinen Angriffskrieg auch dadurch finanzieren, dass er vor allem Öl exportiert hat."
  },
  {
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    "end": 885.24,
    "text": "Russland ist ein rohstoffreiches Land."
  },
  {
    "start": 885.84,
    "end": 891.76,
    "text": "Seit einigen Monaten Fährt nun die Ukraine gezielt Angriffe gegen diese Ölindustrie?"
  },
  {
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    "text": "Könnte das zur Achillesferse Russlands werden?"
  },
  {
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    "end": 899.62,
    "text": "Könnte das dazu führen, dass Russland diesen Krieg doch beenden muss?"
  },
  {
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    "end": 909.12,
    "text": "Aktuell sind wir noch nicht in einer Position oder noch nicht in einer Situation, wo die ukrainischen Angriffe gegen Russschrafenerien einen Kriegsänder zwingen könnten."
  },
  {
    "start": 909.939,
    "end": 919.72,
    "text": "Russland hat das Problem, dass es zwar sehr viel Öl verarbeitet, aber bei bestimmten Produkten, vor allem bei Benzin, sehr wenig Puffer hat in der Kapazität."
  },
  {
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    "end": 922.52,
    "text": "Das heißt, es verbraucht ungefähr genauso viel Öl, wie es herstellt."
  },
  {
    "start": 923.0,
    "end": 925.62,
    "text": "Bei Diesel wird sehr viel exportiert, aber bei Benzin eben nicht."
  },
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    "start": 926.3,
    "end": 940.64,
    "text": "Und das bedeutet, dass auch schon das Abschalten von einem gewissen Anteil der Raffineriekapazität zu Knappheiten führen kann, die man dann gar nicht so leicht lösen kann und die die Menschen im Alltag sofort spüren, weil jeder der tanken möchte, es muss in Schlangen stehen."
  },
  {
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    "end": 944.9,
    "text": "Es gibt vielleicht begrenzte Abgabemengen oder steigende Preise."
  },
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    "text": "Und das hat einige Regionen in den letzten Wochen schon betroffen."
  },
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    "start": 949.12,
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    "text": "Aber trotzdem ist es in diesem Jahr noch keinen."
  },
  {
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    "end": 953.26,
    "text": "Fundamentales Problem für das Regime."
  },
  {
    "start": 953.78,
    "end": 961.16,
    "text": "Das könnte aber im nächsten Jahr dazu werden, weil wir auch gesehen haben, dass die Ukraine bei ihren Angriffen immer stärker geworden sind."
  },
  {
    "start": 961.22,
    "end": 964.699,
    "text": "Das heißt, sie haben neue Waffen, sie haben neue Methoden, die Raffinerien anzugreifen."
  },
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    "end": 969.54,
    "text": "Also diese Anlagen lassen sich sehr, sehr schwer schützen, sind auch weit verbreitet, verteilt im Land."
  },
  {
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    "end": 975.04,
    "text": "Da müsste man überall praktisch dann eine Luftverteidigung aufbauen."
  },
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    "text": "Das ist wirklich ... Schwierig."
  },
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    "text": "Deshalb werden die weiter verwundbar bleiben."
  },
  {
    "start": 978.74,
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    "text": "Und wenn die Ukraine ihre Angriffe weiter verstärken, dann kann es wirklich zu knapp beiden kommen."
  },
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    "text": "Aber es ist auf jeden Fall ein Thema, dass die Ukraine eben so viel besser geworden ist, auf die Distanz eben zielgenau Ziele anzugreifen, ja, Phinerien."
  },
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    "text": "Und das wird definitiv ein Faktor sein auch im nächsten Jahr."
  },
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    "text": "Vor dem Krieg hat Europa viel Rohstoffe von Russland abgenommen."
  },
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    "end": 1010.66,
    "text": "Jetzt hat man sich Richtung Osten gewandt zu China und anderen Ländern."
  },
  {
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    "end": 1016.9,
    "text": "Könnten Sie beschreiben, wie sich die Abhängigkeiten Russlands von anderen Ländern verändert haben durch den Krieg?"
  },
  {
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    "end": 1025.94,
    "text": "Russland war eigentlich stärker vom Westen abhängig als von anderen Ländern, als von China vor Beginn der Vollinvasion, also rein wirtschaftlich."
  },
  {
    "start": 1025.98,
    "end": 1039.64,
    "text": "Und das ist auch nicht verwunderlich, weil Russland eben größtenteils ein europäisches Land ist, also achtzig Prozent der Bevölkerung leben ja westlich des Urals und das ist auch eigentlich so, dass immer mehr aus dem Landesinnern in den Westen des Landes gezogen sind."
  },
  {
    "start": 1039.7,
    "end": 1044.98,
    "text": "Das heißt, geografisch leben die meisten Russen einfach in Europa und nicht in Asien."
  },
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    "end": 1054.28,
    "text": "Auch wenn Russland natürlich über Sibirien auch eine gemeinsame Grenze mit China hat, die viertausend Kilometer lang ist, ist das eben extrem dünn besiedeltes Gebiet."
  },
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    "start": 1055.18,
    "end": 1060.52,
    "text": "Und dadurch waren die Handelsbeziehungen eben vor allem mit den Europäern stark ausgeprägt, natürlich vor allen Dingen bei den Energieexporten."
  },
  {
    "start": 1061.04,
    "end": 1065.7,
    "text": "Und es gab tatsächlich die Umorientierung beim Öl, natürlich."
  },
  {
    "start": 1065.76,
    "end": 1071.86,
    "text": "Die Ölexporte gehen jetzt größtenteils in drei Staaten, also vor allem Indien und China, zum Teil etwas noch in die Türkei."
  },
  {
    "start": 1072.56,
    "end": 1080.22,
    "text": "Und das ist für Russland natürlich schwierig oder schwieriger, weil es nur noch sehr wenig Abnehmer gibt für eine sehr große Menge Öl."
  },
  {
    "start": 1080.92,
    "end": 1092.9,
    "text": "Und wenn jetzt beispielsweise einer davon wegfallen würde, also wenn die Inder jetzt sagen, wir wollen nicht, dass Trump uns unter Druck setzt und hören es auf, Russisches Öl zu importieren, dann wird es schon ganz, ganz schwierig für diese großen Mengen neuen Kunden zu finden."
  },
  {
    "start": 1093.4,
    "end": 1100.36,
    "text": "Und insofern ist Russland viel stärker abhängig geworden von einer geringen Zahl von Staaten, eben vor allen Dingen von Indien und noch viel stärker von China."
  },
  {
    "start": 1100.98,
    "end": 1113.82,
    "text": "Beim Gas ist das alles ein bisschen anders, weil der Aufbau von Infrastruktur so schwierig ist und Russland einfach keine Pipeline-Kapazität hat, um das Gas aus Europa, das ursprünglich in die EU geflossen ist, nach China umzuleiten."
  },
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    "start": 1113.86,
    "end": 1114.46,
    "text": "Das geht nicht."
  },
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    "end": 1119.66,
    "text": "Das bleibt also im Boden aktuell und deshalb war da die Umstellung nicht möglich."
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    "end": 1128.7,
    "text": "Es gibt da Pläne für Pipelines, aber die werden wahrscheinlich noch einige Jahre brauchen, wenn sie überhaupt gebaut werden, bis sie dann dieses Gas vielleicht irgendwann mal nach China transportieren können."
  },
  {
    "start": 1129.1,
    "end": 1138.28,
    "text": "Und insofern Russlands Abhängigkeit inzwischen ist natürlich viel stärker von China, auch von einigen anderen asiatischen Staaten."
  },
  {
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    "end": 1141.0,
    "text": "Zumindest kommen da die russischen Importe her."
  },
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    "end": 1146.76,
    "text": "Aber gleichzeitig... Es besteht auch indirekt immer noch eine Abhängigkeit von westlichen Technologien."
  },
  {
    "start": 1146.84,
    "end": 1160.44,
    "text": "Also wenn wir jetzt schauen, was steckt eigentlich in den russischen Waffen drin an Computertrips beispielsweise, sind das westliche Konzerne, die die entwickelt haben, sind das westliche Unternehmen, die die dann oft in Asien produzieren lassen und von dort kommen sie nach Ostern beispielsweise."
  },
  {
    "start": 1160.98,
    "end": 1164.42,
    "text": "Also ohne westliche Technik würde auch der russische Krieg überhaupt nicht funktionieren."
  },
  {
    "start": 1164.94,
    "end": 1168.9,
    "text": "Das ist so ein bisschen auch das Paradoxe der russischen Situation."
  },
  {
    "start": 1169.54,
    "end": 1178.24,
    "text": "Wenn China jetzt das Hauptpartnerland ist, ist viel der Dinge, die man aus China bekommt, eben letztlich stehen dahinter westliche Technik, die eben dann auf Umwegen kommt."
  },
  {
    "start": 1178.94,
    "end": 1180.08,
    "text": "Lässt sich das nicht unterbinden?"
  },
  {
    "start": 1181.22,
    "end": 1195.2,
    "text": "Es ist tatsächlich sehr schwierig, weil diese Nachbarschaften Russlands, wenn sie die Sanktionen nicht direkt ablehnen und China lehnt die Sanktionen natürlich eigentlich ab, dann doch zumindest tun sie nicht viel dafür, dass sie durchgesetzt werden können."
  },
  {
    "start": 1196.52,
    "end": 1204.08,
    "text": "Wenn wir über Computerchips sprechen, dann sind das natürlich einfach, das sind kleine, leichte Gegenstände, die man auch zur Not sehr leicht schmuggeln könnte."
  },
  {
    "start": 1204.68,
    "end": 1214.0,
    "text": "Es sind auch teilweise einfach sehr generische Chips, die fast wie Rohstoffe gehandelt werden, wo man auch nicht nachvollziehen kann, von wo aus, also von der Fabrik aus, die eigentlich hingelangen."
  },
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    "end": 1224.08,
    "text": "Und dann können die Innerhalb Chinas mehrfach die Hände wechseln und dann wandern sie irgendwann über die Grenzen nach Russland, werden vielleicht nicht direkt an die Militärindustrie verkauft, sondern ein anderes Unternehmen."
  },
  {
    "start": 1224.12,
    "end": 1226.36,
    "text": "und das Unternehmen verkauft ist dann an die Militärindustrie."
  },
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    "text": "Also das ist ein ganz schwieriger Prozess."
  },
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    "end": 1235.8,
    "text": "Die EU versucht das natürlich dann immer wieder zu unterbinden, indem man die Händler, die diese Umgehung organisieren, sanktioniert."
  },
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    "text": "Aber das ist eine Daueraufgabe."
  },
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    "text": "Das ist nicht zwecklos, das wirkt auch."
  },
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    "text": "Aber es wird immer neue Umgehungswege finden, da muss man immer wieder neu dagegen vorgehen."
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    "end": 1251.12,
    "text": "Dem kann man leider nicht entgehen und trotzdem wird es nie sozusagen ganz hundertprozentig dicht sein."
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    "start": 1252.28,
    "end": 1268.14,
    "text": "So wie Sie vorhin beschrieben haben, wie sich die Exporte Russlands verändert haben in Richtung China, habe ich mir auch gedacht, bringt es Russland nicht nur eine Abhängigkeit, sondern sozusagen in eine Situation, wo man sich erpressbar macht durch China."
  },
  {
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    "text": "China weiß, Russland kann sein Öl nicht mehr nach Europa bringen."
  },
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    "start": 1273.08,
    "end": 1278.42,
    "text": "Man bleibt als einer der wenigen Käufer von diesem Rohöl oder von den Erzeugnissen über."
  },
  {
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    "text": "Indien könnte ja vielleicht auch sanktioniert werden, fällt deswegen weg."
  },
  {
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    "text": "Hat China dadurch die Möglichkeit, Russland zu erpressen, auch was die Preise betrifft?"
  },
  {
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    "text": "Klar, China hat die Möglichkeit und zum gewissen Teil passiert das natürlich auch."
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    "text": "Also beim Öl sind das noch eher kleinere Rabatte, die Russland eben einräumen muss, um das in China verkaufen zu können."
  },
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    "text": "Beim Gas gibt es eben sehr harte Verhandlungen darüber, zu welchen Preis Russland in Zukunft Gas noch China verkaufen könnte."
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    "end": 1312.22,
    "text": "Und das war dann auch einer der wesentlichen Gründe, warum es aktuell noch keine Pipeline gibt."
  },
  {
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    "end": 1316.16,
    "text": "Weil man sich da eben nicht einigt, weil die Chinesen eben sehr hart verhandeln."
  },
  {
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    "text": "Gleichzeitig muss man aber auch sehen, dass China nicht daran interessiert ist, dass Russland zusammenbricht."
  },
  {
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    "text": "Als China möchte nicht noch zusätzlichen Druck auf Russland ausüben, weil aus der Sicht Chinas eben Russland ja der wichtigste strategische Partner in der Welt ist und sehr, sehr viel von dieser Partnerschaft auch an Putin hängt."
  },
  {
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    "end": 1341.0,
    "text": "Das heißt, diese Verbindung zwischen Xi Jinping und Putin ist eben eine sehr enge und auch eine wechselseitige."
  },
  {
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    "text": "Und Russland und China sind da in gewisser Maße noch eine Schicksale als Gemeinschaft."
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    "text": "Und deshalb will China jetzt Russland nicht in die Ecke drängen und wird deshalb sicherlich nicht noch mehr dafür tun, dass Russland wirtschaftlich in Schwierigkeiten kommt."
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    "text": "Also, das ist so ein bisschen, ich würde sagen, von der chinesischen Seite gibt es so eine Abwägung."
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  {
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    "text": "Wo holen wir unseren Vorteil raus?"
  },
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    "end": 1365.16,
    "text": "Wo schafft wir eine Situation, wo Russland eben nicht... Untergeht und diesen Krieg verliert."
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    "text": "Das ist, glaube ich, die Abwägung."
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  {
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    "end": 1372.74,
    "text": "Und da kommt dann eben so eine gemischte Lösung heraus, wo es eben gewisse Preise nachlässig gibt, die Russland gewähren muss."
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    "text": "Aber Russland kann eben weiterhin Öl und möglicherweise auch Gas verkaufen."
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    "text": "Ich nehme an, dass die vielen Toten und Verbundeten durch diesen Krieg auch ihr Spuren hinterlassen in Russland."
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    "text": "Sie haben schon erwähnt, dass das natürlich nicht nur persönliche Schicksale sind, sondern dass auch Kosten auf den Staat zukommen und auf die Familien."
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    "text": "Dazu kommen auch noch einige Millionen Russinnen und Russen, wenn ich das richtig verstanden habe, die Russland aus freiem Willen herausverlassen haben."
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    "text": "Es gibt unterschiedliche Schätzungen, das ist wirklich ganz schwer zu sagen, wie viele Russinnen und Russen wirklich gegangen sind."
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    "end": 1430.4,
    "text": "Das hat einfach den Grund, dass es oft für die Russen im Ausland schwierig ist, Fuß zu fassen."
  },
  {
    "start": 1431.8,
    "end": 1436.46,
    "text": "Klar, nachvollziehbar, da muss man schon sehr hoch qualifiziert sein, um automatisch dann einen Job zu bekommen."
  },
  {
    "start": 1436.62,
    "end": 1445.8,
    "text": "Und wenn dann in Moskau ein Job winkt, der irgendwie sehr gut bezahlt ist und wo man dann eine Karriere machen kann, dann ist das vielleicht für einen dann auch verlockend."
  },
  {
    "start": 1446.54,
    "end": 1449.42,
    "text": "Zumal viele ja auch ihre Familie dann noch in Russland haben und so weiter."
  },
  {
    "start": 1449.48,
    "end": 1451.96,
    "text": "Also das ist ein kompliziertes ... Bild."
  },
  {
    "start": 1452.18,
    "end": 1459.62,
    "text": "Es gibt natürlich die Diaspora, das heißt alle, die auch politisch oppositionell gesinnt sind, die nicht mehr zurück können, weil sie eben nicht mehr sicher sind."
  },
  {
    "start": 1459.76,
    "end": 1461.64,
    "text": "Also da ist dann die Situation auch klar."
  },
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    "start": 1462.82,
    "end": 1478.74,
    "text": "Aber wir sprechen von einigen hunderttausend, teilweise auch sehr hochqualifizierten Menschen, die eben im Ausland leben und die wegen des Krieges und der innenpolitischen Veränderung danach, also der Verschärfung eben, der Diktatur eben sich gezwungen gesehen haben zu fliehen."
  },
  {
    "start": 1479.68,
    "end": 1488.66,
    "text": "Teilweise arbeiten diese Menschen weiterhin für russische Unternehmen aus dem nahen Ausland, vielleicht aus Armenien, Georgien und so weiter oder Kazakhstan, also praktisch remote."
  },
  {
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    "end": 1494.78,
    "text": "Dann sind sie gewissermaßen weiterhin im russischen Arbeitsmarkt, aber arbeiten eben von außerhalb, das gibt es auch."
  },
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    "end": 1497.8,
    "text": "Teilweise haben sie sich auch wirklich komplett gelöst."
  },
  {
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    "end": 1507.16,
    "text": "Das ist... Natürlich schon ein schmerzhafter Adalas für die russische Wirtschaft, weil das eben hochqualifizierte Menschen sind und weil Russland sehr große demografische Probleme hat."
  },
  {
    "start": 1507.2,
    "end": 1512.46,
    "text": "Das heißt, Russland kann es sich nicht leisten, diese hochqualifizierten Menschen zu verlieren eigentlich."
  },
  {
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    "end": 1523.74,
    "text": "Gleichzeitig hat die Rüstungsindustrie sehr, sehr viele, sagen wir technisch ausgebildete Menschen an sich gezogen, also sehr für auch ungefähr eine Million neue Menschen eingestellt."
  },
  {
    "start": 1524.3,
    "end": 1530.56,
    "text": "die jetzt eben in der Waffenproduktion arbeiten, die vielleicht ja eine Ausbildung haben oder ein Studium im technischen Bereich."
  },
  {
    "start": 1531.16,
    "end": 1537.24,
    "text": "Und dann gibt es eben noch die Rekrutierung für die Armee, die wirklich die Menschen mit wenig wirtschaftlichen Perspektiven betrifft."
  },
  {
    "start": 1537.4,
    "end": 1546.76,
    "text": "Also sprich Menschen, die vorher keinen Job hatten, Menschen auch die im Gefängnis sitzen, Männer muss man sagen, oder auch Männer, die sehr wenig verdienen und schlechte Jobs hatten."
  },
  {
    "start": 1547.42,
    "end": 1550.54,
    "text": "Und das heißt, alle Segmente des Arbeitsmarkts sind davon betroffen."
  },
  {
    "start": 1551.2,
    "end": 1554.38,
    "text": "Der Arbeitskräftemangel ist aktuell das größte wirtschaftliche Problem für Russland."
  },
  {
    "start": 1554.42,
    "end": 1557.64,
    "text": "Das ist der Grund, aus dem Russlands Wirtschaft aktuell nicht weiter wachsen kann."
  },
  {
    "start": 1558.24,
    "end": 1560.72,
    "text": "Der kriegt beeinflusst das sehr stark auf die beschriebene Weise."
  },
  {
    "start": 1561.2,
    "end": 1570.76,
    "text": "Trotzdem ist es auch immer wichtig zu sehen, dass diese demografischen Probleme, die im Hintergrund ablaufen, die auch schon seit einigen Jahren ablaufen, dass die mindestens genauso problematisch sind."
  },
  {
    "start": 1570.86,
    "end": 1579.54,
    "text": "Also Russlands Bevölkerung in der Altersgruppe von zwanzig bis sechszig Jahre schrumpft aktuell aus rein demografischen Gründen um eine Million pro Jahr."
  },
  {
    "start": 1580.3,
    "end": 1587.0,
    "text": "Das sieht man eben, dass es dann mehrere Dinge gibt, die zusammenkommen, die dafür sorgen, dass Russland diese arbeitskräftige Knappheit aktuell hat."
  },
  {
    "start": 1587.84,
    "end": 1591.06,
    "text": "Dass Russland allerdings deshalb auch Vollbeschäftigung hat."
  },
  {
    "start": 1591.12,
    "end": 1598.54,
    "text": "Das muss man natürlich auch so formulieren, dass es für die Menschen, die in Russland dann sind, relativ einfach ist, einen Job zu finden."
  },
  {
    "start": 1599.1,
    "end": 1602.08,
    "text": "Auch wenn man sich vielleicht dann nur die Möglichkeit hat, mit der Armee zu gehen."
  },
  {
    "start": 1602.6,
    "end": 1607.3,
    "text": "Also die Arbeitslosigkeit ist auf jeden Fall aktuell kein drängendes Problem in Russland."
  },
  {
    "start": 1608.0,
    "end": 1611.86,
    "text": "Das ist natürlich ein hoher Preis, den man zahlen kann, wenn man dann der Armee beitritt."
  },
  {
    "start": 1613.66,
    "end": 1616.32,
    "text": "Wie kommt dieses demografische Problem zustande?"
  },
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    "start": 1616.36,
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    "text": "Also, ich bin jetzt nach ich davon ausgegangen, der Krieg führt dazu, aber das dürfte ja schon länger in Gang sein."
  },
  {
    "start": 1623.44,
    "end": 1627.3,
    "text": "Ja, das sind lange Prozesse, die vor allem historische Ursachen haben."
  },
  {
    "start": 1627.84,
    "end": 1630.04,
    "text": "Russland hat eine sehr spezielle Demografie."
  },
  {
    "start": 1630.16,
    "end": 1634.24,
    "text": "Ich meine, wir haben natürlich auch beispielsweise in Europa unsere demografischen Probleme."
  },
  {
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    "end": 1635.98,
    "text": "In Russland ist das noch ein bisschen extremer."
  },
  {
    "start": 1637.3,
    "end": 1644.54,
    "text": "ist eine Überlappung gewesen von Generationen, die jeweils von großen Krisen betroffen waren und deshalb wenig Kinder bekommen haben."
  },
  {
    "start": 1644.58,
    "end": 1658.78,
    "text": "Also es gab natürlich die Generation des Zweiten Weltkriegs, deren Enkel sind dann, das war die Generation, die in den neunzehlen Jahren Kinder hätte bekommen sollen, wo es auch eben diese Umbruchskrise gab in Russland, wo es dann wiederum sehr wenig Geburten gab."
  },
  {
    "start": 1658.94,
    "end": 1662.42,
    "text": "und das sind jetzt eben die Menschen, die aktuell in den Arbeitsmarkt eintreten."
  },
  {
    "start": 1663.04,
    "end": 1676.16,
    "text": "Und gleichzeitig hat man eine relativ große Generation von Menschen, die aktuell in den Arbeitsmarkt verlassen, die dann eben in der Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geboren sind, wo sich die Situation dann mit den Geburten wieder entspannt hat oder wo es viele Geburten gab."
  },
  {
    "start": 1676.82,
    "end": 1692.46,
    "text": "Und so durch diese historische Überlagerung der Krise in neunzehn Jahre und Auch sogar das Weiten Weltkrieg, der da eben eine Rolle spielt in der russischen Demografie, ist aktuell eben eine sehr spezielle Situation, wo es ungefähr halb so viele, zwanzigjährige gibt als es sechzigjährige gibt."
  },
  {
    "start": 1692.54,
    "end": 1695.28,
    "text": "Und dadurch natürlich jedes Jahr sehr viele Menschen fehlen."
  },
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    "start": 1695.72,
    "end": 1700.04,
    "text": "Wenn alte Menschen in Rente gehen, lassen sich diese Stellen eben nicht eins zu eins neu besetzen."
  },
  {
    "start": 1701.02,
    "end": 1704.94,
    "text": "Ich will Sie jetzt nicht zum Schluss bitten, in die Glaskugel zu schauen für unseren."
  },
  {
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    "text": "ins Szenarien zu denken."
  },
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    "end": 1716.7,
    "text": "Wenn Sie all diese Faktoren zusammennehmen, Sanktionen, Demografieprobleme, die angeschlagene Ölindustrie, die Kriegskosten, wie wird das alles ausgehen?"
  },
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    "start": 1716.76,
    "end": 1720.94,
    "text": "Wird Putin hier die Notbremse ziehen müssen, diesen Krieg beenden müssen?"
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  {
    "start": 1721.56,
    "end": 1724.62,
    "text": "Wird es zu einem Ausbluten der russischen Wirtschaft kommen?"
  },
  {
    "start": 1725.12,
    "end": 1727.74,
    "text": "Oder droht tatsächlich so auf so ein plötzlicher Kollaps?"
  },
  {
    "start": 1728.64,
    "end": 1731.62,
    "text": "Ich glaube noch nicht, dass ein Kollaps droht aktuell."
  },
  {
    "start": 1732.02,
    "end": 1735.42,
    "text": "Der Preis in Ostern für diesen Krieg zahlt ist... enorm hoch."
  },
  {
    "start": 1736.38,
    "end": 1747.02,
    "text": "Aber es ist einer, der erst im Laufe der nächsten Jahre und vielleicht sogar Jahrzehnte bezahlt werden wird und der Putin aktuell nicht davon abhält, den Krieg weiter zu führen."
  },
  {
    "start": 1747.94,
    "end": 1758.92,
    "text": "Ich glaube, dass diese wirtschaftlichen und auch finanziellen Probleme im Staatshaushalt, im Wirtschaftswachstum dass die vielleicht das Regime noch mal zwingen, sich zu verändern."
  },
  {
    "start": 1758.98,
    "end": 1762.42,
    "text": "Und es kann sein, dass es mehr staatliche Kontrolle in der Wirtschaft gibt."
  },
  {
    "start": 1762.52,
    "end": 1772.56,
    "text": "Es kann sein, dass auch noch mal beispielsweise Steuern erhöht werden, dass insgesamt der Krieg auch einfach spürbarer wird für die Bevölkerung, als er in den letzten Jahren war und auch einfach spürbar wird als Belastung."
  },
  {
    "start": 1773.16,
    "end": 1780.42,
    "text": "Das könnte dann zu Unmut führen in der Bevölkerung, dann vielleicht irgendwann im letzten Instanz auch zu Protesten, die da niedergeschlagen werden."
  },
  {
    "start": 1780.46,
    "end": 1782.74,
    "text": "Das heißt, da gibt es natürlich auch schon Problempotential."
  },
  {
    "start": 1783.34,
    "end": 1787.62,
    "text": "die das Regime unter Druck setzen könnten und die auch zu Problemen führen."
  },
  {
    "start": 1788.34,
    "end": 1800.58,
    "text": "Aber Russland hat eben aktuell schon noch eine gewisse Resilienz, das zumindest noch ... einige Jahre fortzuführen, auch weil es ja eine sehr fegen Repressionsapparat hat."
  },
  {
    "start": 1800.66,
    "end": 1810.42,
    "text": "Also ist ein sehr autokratisches Regime, was sehr wenig Unmut zulässt, also Unmutseustrung jedenfalls, sehr viel zensiert auch."
  },
  {
    "start": 1810.56,
    "end": 1817.44,
    "text": "Und also deshalb sehe ich da noch nicht das Ende der Durchhaltefähigkeit der russischen Seite erreicht."
  },
  {
    "start": 1818.02,
    "end": 1825.82,
    "text": "Auch wenn, wie Sie beschrieben haben, die Situation natürlich immer schwieriger wird und wie jetzt aktuell auf jeden Fall wirtschaftlich gesehen im schwierigsten Jahr dieses Krieges sind."
  },
  {
    "start": 1826.34,
    "end": 1835.84,
    "text": "Und auch diese unglaublich großen Verluste, die einfach auch nicht im Verhältnis gehen zu den vorherigen Kriegen, die vielleicht Russland eine Sowjetunion nach dem zweiten Weltkrieg geführt haben."
  },
  {
    "start": 1836.4,
    "end": 1844.44,
    "text": "Auch wenn das irgendwann mal sicherlich ein Thema sein wird, was Russland sehr viel beschäftigen wird, wird das eben aktuell noch relativ erfolgreich unterdrückt."
  },
  {
    "start": 1845.88,
    "end": 1854.84,
    "text": "Aus Europa ist es immer einfach zu sagen, woher zu fragen, warum die russische Bevölkerung nicht aufgestanden ist oder viel zu wenig aufgestanden ist."
  },
  {
    "start": 1855.24,
    "end": 1870.28,
    "text": "In den letzten Jahrzehnten, wenn es um die Einschreckung von Freiheiten ging, wenn es um die Unterdrückung ging von Menschengruppen, ist letztendlich die Entwicklung der Wirtschaft das, was Putin am meisten gefährden könnte in den nächsten Jahren."
  },
  {
    "start": 1871.06,
    "end": 1875.68,
    "text": "Ja, ich glaube, dass die Wirtschaft eine große Rolle spielen wird in den nächsten Jahren."
  },
  {
    "start": 1876.28,
    "end": 1882.62,
    "text": "Der Grund ist einfach, dass Putins Macht darauf basiert, dass die Menschen den Krieg ausblenden können."
  },
  {
    "start": 1882.92,
    "end": 1884.96,
    "text": "Also das ist praktisch der Dialaktuell."
  },
  {
    "start": 1885.38,
    "end": 1888.04,
    "text": "Die Menschen werden nicht gezwungen, sich mit dem Krieg auseinanderzusetzen."
  },
  {
    "start": 1888.1,
    "end": 1889.66,
    "text": "Sie werden auch nicht gezwungen, auf wie."
  },
  {
    "start": 1890.08,
    "end": 1891.18,
    "text": "Größtenteils, es gibt."
  },
  {
    "start": 1891.22,
    "end": 1897.48,
    "text": "natürlich gab eine Mobilisierungswelle, aber sie werden nicht unbedingt gezwungen, mitzukämpfen."
  },
  {
    "start": 1898.16,
    "end": 1902.34,
    "text": "Und sie können ein Privatleben führen, in denen sie einfach versuchen können, den Krieg zu vergessen."
  },
  {
    "start": 1902.46,
    "end": 1906.38,
    "text": "Und das tun meines Erachtens mehr als die Hälfte der russischen Bevölkerung."
  },
  {
    "start": 1906.98,
    "end": 1916.8,
    "text": "Und wenn die Wirtschaft jetzt in Probleme gerät, wenn das Benzin knapp wird, wenn die Inflation in die Höhe geht, wenn der Staat die Steuern erhöht oder dann Ausgaben renten, kürzen muss irgendwann."
  },
  {
    "start": 1917.36,
    "end": 1919.78,
    "text": "Dann ist der Krieg natürlich für alle plötzlich sehr spürbar."
  },
  {
    "start": 1920.46,
    "end": 1926.24,
    "text": "Und dann wird sie auch zeigen, dass die Russen den Krieg eigentlich nicht wirklich verstehen."
  },
  {
    "start": 1926.3,
    "end": 1930.7,
    "text": "Ich glaube, es gibt wenig glühende Anhänger dieses Krieges in der russischen Bevölkerung."
  },
  {
    "start": 1930.76,
    "end": 1934.2,
    "text": "Es wird eben hingenommen, aber es wird nicht unterstützt aktiv."
  },
  {
    "start": 1934.5,
    "end": 1946.22,
    "text": "Also ich denke, dass diese Lücke zwischen dem russischen Regime, was eben relativ fanatisch in diesem Krieg involviert ist und wo das praktisch auch schon ein Krieg ist, an dem Putin es macht, irgendwo hängt."
  },
  {
    "start": 1946.8,
    "end": 1953.52,
    "text": "Und dem, was die Bevölkerung eigentlich dazu denkt, der wird dann deutlich spürbarer werden, wenn der Preis des Krieges eben auch für alle deutlich spürbarer wird."
  },
  {
    "start": 1953.58,
    "end": 1955.92,
    "text": "Und da spielt die Wirtschaft eine zentrale Rolle."
  },
  {
    "start": 1956.64,
    "end": 1958.98,
    "text": "Janis Kloge, vielen, vielen Dank für diese Einblicke."
  },
  {
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    "end": 1960.1,
    "text": "Sehr gerne."
  },
  {
    "start": 1962.24,
    "end": 1972.2,
    "text": "Und wenn euch diese Folge gefallen hat, dann gebt uns gerne eine gute Bewertung bei der Podcast-Plattform eurer Wahl, schreibt uns einen netten Kommentar, sagt uns, was ihr über dieses Thema denkt."
  },
  {
    "start": 1972.64,
    "end": 1976.8,
    "text": "Abonniert uns auch bei YouTube, da könnt ihr uns auch immer öfter Podcast sehen."
  },
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    "start": 1977.46,
    "end": 1981.82,
    "text": "Wenn ihr unsere Arbeit langfristig unterstützen wollt, dann macht das am besten über ein Abo-Normand."
  },
  {
    "start": 1982.14,
    "end": 1985.58,
    "text": "Alle Infos dazu findet ihr auf Abo-Punkt der Standard.at."
  },
  {
    "start": 1986.52,
    "end": 1988.38,
    "text": "Ich bin Schold Wilhelm, vielen Dank fürs Zuhören."
  },
  {
    "start": 1988.62,
    "end": 1991.62,
    "text": "Baba und bis zum nächsten Mal."
  }
]