[
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    "text": "Bei uns allen hier in der Diaspora ist die Sorge extrem groß."
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    "text": "Diese Internetsperre ist nicht nur eine Form der Repression gegen die Menschen im Iran."
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    "text": "Das ist sie auch in erster Linie."
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    "text": "Aber das ist auch eine Art der psychologischen Kriegsführung mit uns hier im Außerhalb des Landes, weil wir eben nicht mitbekommen, was im Land passiert, weil wir nicht wissen, wie es unseren Angehörigen geht."
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    "text": "In Iran gibt es seit Ende Dezember Proteste im ganzen Land."
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    "text": "Und das Regime schlägt die mit Gewalt nieder."
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    "text": "Darüber habe ich mit Daniela Siperi gesprochen."
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    "text": "Sie haben sie eben im O-Ton gehört."
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    "text": "Siperi ist deutsche Iranerin und berichtet auf Social Media über Iran."
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    "text": "Sie hören die Samstagsausgabe von Auf dem Punkt, dem SZ Nachrichten Podcast."
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    "text": "Und ich bin Justin Pudget."
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    "text": "Laut Amnesty International ist es ein Zitat Massaka in einem bislang unbekannten Ausmaß."
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    "text": "Die Menschenrechtsorganisation hat einen Bericht veröffentlicht, in dem steht, dass Sicherheitskräfte in Iran gezielt auf unbewaffnete Demonstrierende schießen, auf deren Kopf oder Oberkörper."
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    "text": "Und Amnesty International schreibt auch, dass die Gewalt koordiniert sei, also dass da in Iran gerade die iranische Polizei, die Revolutionsgarde und Beamte in Zivil gemeinsam Demonstrierende und sogar unbeteiligte Jagen."
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    "text": "Amnesty stützt sich dabei auf Videos und Augenzeugenberichte."
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    "text": "Das Internet hat die islamische Republik ja abgestellt."
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    "text": "Videos, die trotzdem nach draußen dringen, zeigen überfüllte Leichenhallen, in denen angehörige Säcke durchsuchen müssen, um Vermisste zu finden."
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    "text": "Seit Ende Dezember gibt es in Iran landesweite Proteste gegen das Regime."
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    "text": "Ich verlinke eine Folge von auf dem Punkt dazu auch in den Show-Notes."
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    "text": "Das Muller-Regime unter Ali Khamenei versucht mit aller Brutalität, die Proteste zu unterdrücken."
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    "text": "Die Zahl der Toten könnte inzwischen bei mehr als dreitausend liegen."
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    "text": "Aber trotz dieser Brutalität des Regimes gehen die Proteste weiter."
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    "text": "Und immer mehr Beobachter fragen sich, könnten diese Proteste die islamische Republik Iran zu Fall bringen?"
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    "text": "So etwas Ähnliches hat auch Bundeskanzler Friedrich Merz diese Woche gesagt."
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    "text": "Wenn sich ein Regime nur noch mit Gewalt an der Macht halten kann, dann ist es faktisch am Ende."
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    "text": "Ich gehe davon aus, dass wir jetzt hier auch gerade die letzten Tage und Wochen dieses Regimes sehen."
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    "end": 152.77,
    "text": "Über das, was gerade in Iran passiert und was den Demonstrierenden helfen würde, spreche ich jetzt mit Daniela Siperi."
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    "end": 160.97,
    "text": "Die deutsche Iranerin ist Aktivistin, Journalistin und sie engagiert sich in den sozialen Netzwerken für Feminismus, Antirassismus und Migration."
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    "text": "Frau Siperi, wie geht es Ihnen mit Blick auf die Proteste in Iran gerade?"
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    "text": "Ja, ich bin natürlich sehr besorgt um meine Angehörigen, um meine Kontakte im Land, weil ich mit den Allermeisten noch gar nicht sprechen konnte."
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    "text": "Seit Dienstag ist es möglich, dass vereinzelt Menschen vom Festnetztelefon aus dem Land ins Ausland anrufen können."
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    "text": "Das geht noch nicht bei allen."
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    "text": "Das bricht auch oftmals ab."
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    "end": 192.47,
    "text": "Und das, was wir über diese Telefonate hören, ist im Grunde der blanke Horror."
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    "text": "Massaker würde nicht mal im Ansatz bezeichnen, was da gerade passiert."
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    "text": "Die Leichenhallen sind überfüllt, Leichensäcke stapeln sich, die Friedhöfe sind voll."
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    "text": "Sobald es dunkel wird, erzählt beispielsweise eine Person aus Karaj, fangen Reginkräfte an, barlos auf Menschen zu schießen, die draußen sind."
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    "text": "Es herrscht im Grunde militärischer, kriegerischer Ausnahmezuchstand in diesem Land."
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    "text": "Und das, was alle sagen, ist, das, was ihr da draußen hört, ist nicht mal im Ansatz das, was wir hier erleben."
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    "text": "Das ist nur ein Bruchstück des Ausmaßes."
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    "text": "Und was machen die Bilder und Videos von dort mit ihnen, also diese Bilder, die noch nach außen dringen?"
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    "text": "Das ist total absurd."
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    "text": "Auf der einen Seite ist man irgendwie abgestumpft, wenn man ständig diese Videos und Bilder von Leichen sieht, wie Menschen getötet werden."
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    "text": "Auf der anderen Seite macht trotzdem jedes Video und jedes Bild etwas mit einem."
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    "text": "Wir alle sehen seit Tagen nur Fotos und Videos von Leichen in Leichensecken."
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    "text": "Achtung, hier wird es brutal von einem Menschen, dem ins Kopf geschossen worden ist, der da in seinem Blut lag."
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    "text": "Wirklich, ich habe dieses Ausmaß der Gewalt so noch nie erlebt."
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    "text": "Und sind Sie auch vernetzt mit anderen Deutsch-Iranern, die in einer ähnlichen Situation sind wie Sie?"
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    "text": "Ja, ich bin mit vielen Aktivistinnen, Journalistinnen, auch einer Diaspora, auch einzelne Personen vernetzt."
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    "text": "Es machen sich alle sehr große Sorgen um ihre Angehörigen."
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    "text": "Eine Freundin von mir sagte, als wir gehofft haben, dass unseren Angehörigen nichts passiert ist, sagte sie mir."
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    "text": "Und das fand ich sehr eindrücklich."
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    "text": "Das kann ich mir nicht vorstellen."
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    "text": "Ja, also bei uns allen hier in der Diaspora ist die Sorge extrem groß."
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    "text": "Diese Internetsperre ist nicht nur eine Form der Repression gegen die Menschen im Iran."
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    "text": "Das ist sie auch in erster Linie."
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    "text": "Aber das ist auch eine Art der psychologischen Kriegsführung mit uns hier im Außerhalb des Landes, weil wir eben nicht mitbekommen, was im Land passiert, weil wir nicht wissen, wie es uns an Angehörigen geht und auch im Dunkeln stehen."
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    "text": "Sowohl die Menschen im Iran sind im Dunkeln als auch wir."
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    "text": "Und dieser Abbruch des Kontakts, das ist wirklich gerade die schlimmste psychische Folter."
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    "text": "Da kämpfen unbewaffnete Menschen, die nichts zu verlieren haben, gegen ein Regime, das bis an die Zähne bewaffnet ist, was alles zu verlieren hat und entsprechend auch mordet."
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    "text": "Es hängt auch ein bisschen davon ab, wie die internationale Weltgemeinschaft reagiert, weil bis jetzt kam fast drei Wochen nach Ausbruch der Proteste nichts an Unterstützung."
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    "text": "Und Unterstützung heißt nicht zwingt militärische Intervention."
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    "text": "Aber es kam ja absolut gar nichts außer schönes Statement."
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    "text": "Und dieses Nichtstun des Westens ist im Grunde eine Unterstützung für das Regime und ein Verrat an den Protestierenden."
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    "text": "Mal ganz konkret, was erwarten Sie sich denn von der Bundesregierung?"
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    "text": "Von der Bundesregierung erwarte ich mir mehr als Statements."
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    "text": "Friedrich Merz hat noch als der Oppositionspolitiker war ganz tolle Forderungen gestellt, richtige Worte für das Regime gefunden."
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    "text": "Als Bundeskanzler verliert er sich aber mal wieder in diplomatischen Floskeln."
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    "text": "Die Europäische Union kann beispielsweise die Revolutionsgarde auf die Terrorliste setzen."
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    "text": "Das ist lange möglich, das ist rechtlich auch möglich."
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    "text": "Das wäre ein großer Schlag gegen dieses Regime."
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    "text": "Klar, der Handel ist für uns sehr minimal quasi nicht der Rede wert."
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    "text": "Für das Regime im Iran ist es aber sehr viel nicht zuletzt wegen der Legitimation, die es dadurch bekommt."
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    "text": "Deutschland schiebt nach wie vor nach Iran ab."
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    "text": "Das setzt eine Kooperation mit diesem Regime voraus."
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    "text": "Das bedeutet, dass wir dadurch die Täter schützen."
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    "text": "wenn wir Menschen, die vor diesem Regime geflohen sind, den Tätern ausliefern."
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  {
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    "end": 485.67,
    "text": "Und von Abschiebungen nach Iran betroffen sind übrigens nicht nur in Anführungsstrichen Straftäter, wie das Dobrindt jetzt wieder behauptet hat."
  },
  {
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    "text": "Ich begleite selber ganz viele Fälle, das sind Menschen, die zum Christentum konvertiert sind."
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  {
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    "end": 497.25,
    "text": "Letztes Jahr sollte beispielsweise aus Bayern eine homosexuelle Person abgeschoben werden, der sich nichts hat zu Schulden kommen lassen."
  },
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    "end": 518.55,
    "text": "Das legitimiert natürlich die Täter, wenn in Deutschland iranische Schutzsuchende gezwungen werden, in die iranische Botschaft zu gehen, sich Passdokumente ausstellen zu lassen, obwohl es für sie gefährlich ist, obwohl sie dort sogenannte Reuererklärung unterschreiben müssen und so weiter, fallen wir eben diesen Dissidenten in den Rücken und stärken die Täter."
  },
  {
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    "text": "Und das ist eben ganz problematisch."
  },
  {
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    "end": 523.87,
    "text": "Also auch in unserer Asylpolitik schützen wir dieses Regime."
  },
  {
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    "text": "Das Mullah-Regime gibt es seit siebenundvierzig Jahren."
  },
  {
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    "text": "Viele Menschen sind in diesen Jahren aus dem Iran geflohen."
  },
  {
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    "text": "Was machen denn Proteste, die es immer wieder landesweit gibt und dann blutig niedergeschlagen werden, mit der Hoffnung auf ein normales Leben in Iran?"
  },
  {
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    "text": "Diese Protestwellen sind immer nur diese Peaks, die wir sehen."
  },
  {
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    "end": 552.91,
    "text": "Ganz wichtig ist, dass wir nicht vergessen, dass es auch zwischen diesen Peaks, also beispielsweise zwischen der Frau-Leben-Freitbewegung und den aktuellen Protesten, auch immer wieder zu Proteste kommt."
  },
  {
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    "end": 571.79,
    "text": "Das heißt... Diese Proteste, die wir gerade sehen, das ist ein Normalzustand eines Landes, das sich seit Jahren im Widerstand befindet gegen dieses Regime, das sich seit Jahren in einer revolutionären Bewegung gegen dieses Regime befindet, beispielsweise durch Proteste des Zivilen Ungehorsams, beispielsweise durch Proteste der politischen Gefangenen."
  },
  {
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    "end": 575.29,
    "text": "Es gab aber auch immer wieder Arbeiterstreiks beispielsweise."
  },
  {
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    "end": 578.63,
    "text": "Es gab immer wieder Streiks und Proteste von Rentnern."
  },
  {
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    "end": 586.43,
    "text": "von Frauen, die ohne Hijab auf die Straße gehen, was auch eine Protestform, was auch ein Widerstand ist, sogar sehr gefährlicher Widerstand."
  },
  {
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    "end": 591.83,
    "text": "Im Sommer gab es eine Welle von Protesten in vielen Städten wegen der Wasserkrise."
  },
  {
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    "end": 597.39,
    "text": "Das alles wird zusammengerechnet auch langfristig dafür sorgen, dass dieses Regime fällt."
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  {
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    "end": 602.23,
    "text": "Sie sagen, Proteste gibt es immer wieder, aber was ist diesmal denn anders?"
  },
  {
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    "end": 616.87,
    "text": "Diesmal ist besonders interessant, dass ausgerechnet die Händler auf den Basaren in Teheran die Proteste ausgelöst haben, weil sie eine sehr konservative Gruppe sind, wenn sie sich Protesten anschließen, dann immer erst zum Schluss."
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  {
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    "end": 625.17,
    "text": "Und sie fungieren wie so eine Art Frühwarnsystem, sodass die Machthaber wissen, oh, wenn die Basaris in Teheran protestieren, das ist eine Warnung."
  },
  {
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    "text": "Und dass es aber diesmal anders war."
  },
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    "text": "Das ist bemerkenswert."
  },
  {
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    "end": 631.97,
    "text": "Es ist aber ... nicht bei den Basaris geblieben."
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    "text": "Also sehr schnell haben sich die Studierenden angeschlossen, sehr schnell wurde es, ging es über die Wirtschaftsfrage hinaus, zu der ganzen Systemfrage, wie so oft in der islamischen Republik Iran, ist Wirtschaft und Politik immer halt ganz eng miteinander verknüpft."
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  {
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    "end": 659.29,
    "text": "Und anders als vorher ist natürlich auch wieder dieses Ausmaß der Gewalt, dass es wirklich mit nicht zu vergleichen, was ist in der jüngeren Geschichte der islamischen Republik Iran oder in der jüngeren Geschichte Irans."
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    "text": "grundsätzlich gab."
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    "text": "Einerseits ist die Reichweite der Proteste enorm, andererseits aber auch dieses unbeschreibliche Maß an Gewalt, also überwiegt bei ihnen die Hoffnung auf ein Ende des Regimes oder gerade doch die Trauer um die Toten, die Angst um die Angehörigen."
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    "end": 674.61,
    "text": "Das ist eine Mischung aus beidem."
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    "text": "Aber ich glaube, ohne Hoffnung könnten wir diese Arbeit, die wir gerade tun, in der Diaspora gar nicht tun."
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    "text": "Wir müssten Hoffnung haben, um nicht in Resignation zu verfallen."
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    "text": "Hoffnung zu haben ist auch eine Form."
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    "text": "des Widerstands, weil das Regime ja auch möchte, dass auch wir aufgeben, dass auch wir nicht mehr für Sichtbarkeit sorgen, über diese Verbrechen sprechen."
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    "text": "Deswegen begreife ich auch Hoffnung, auch als Protest, auch als Widerstand."
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    "text": "Und insofern haben wir keine andere Wahl als auch Hoffnung zu haben, dass all dieses Morden am Ende trotzdem zum Fall des Regimes führen wird."
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    "text": "Und wenn sich Donald Trump, der US-Präsident, jetzt einmischt und Flugzeugträger nach einer Ost schickt, ist das wirklich die Hilfe, die die Menschen brauchen in Iran?"
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    "text": "Ich sage zunächst einmal, was die Menschen in Iran dazu sagen und dann was ich dazu denke."
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    "text": "Da ist die Zivilgesellschaft auch sehr heterogenisch."
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    "text": "Es gibt einige, die so verzweifelt sind im Land, dass sie denken, dass nur noch militärische Intervention helfen kann."
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    "text": "Es gibt aber auch sehr, sehr viele, die ... panische Angst vor einem Krieg haben, weil sie eben gesehen haben im Juni, dass das zivile Tote gibt, dass die Bevölkerung nicht geschützt wird von den Bomben."
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    "text": "Es gibt ja keine Schutzbunker oder Alarmsignale oder irgendwelche Evakuierungsmöglichkeiten."
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    "text": "Also der Staat lässt ja die Menschen komplett im Stich und steigert die Repression."
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    "text": "Und deswegen glaube ich auch, dass ein Krieg der Protestbewegung sogar schaden könnte."
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    "text": "weil es eben zu zivilen Toten kommt."
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    "text": "Das haben wir im Juni gesehen."
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    "text": "Es gab auch etwas, was medial leider gar nicht thematisiert worden ist."
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    "text": "Im Mai sind wochenlang zehntausende Lkw-Fahrer in über hundertfünfzig Städten des Landes in einen Streik getreten."
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    "text": "Arbeiterstreik sind essentiell für so eine revolutionäre Bewegung."
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    "text": "Dieser Streik hat natürlich sofort gestoppt, als der israelische Angriff am thirteenth Juni erfolgte und der Krieg daraufhin ausgebrochen ist, weil wenn Menschen protestieren."
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    "text": "Netanyahu hat ja dann auch dazu aufgerufen, dass es jetzt die Zeit ist, dass die Menschen sich erheben."
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    "text": "Was ich sehr arrogant finde, um es mal freundlich zu formulieren, weil die Menschen sich vorher schon erhebt haben."
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    "text": "Aber jetzt eben, wenn Bomben fliegen ja nicht auf die Straße gehen und protestieren, sondern versuchen, sich das Leben zu retten und sich zu schützen."
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    "text": "Insofern glaube ich, dass ein Krieg eben dafür sorgen wird, dass Menschen nicht mehr auf die Straße gehen."
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    "text": "Und was wir im Juni gesehen haben, der Krieg hat das Regime wieder gefestigt."
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    "text": "Wir hatten hunderttausende Zwangsdeportationen von Afghaninnen, teilweise auch mit gültigen Aufenthaltsdokumenten, die dennoch nach Afghanistan abgeschoben wurden."
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    "text": "Da wurden wieder Minderheitsgruppen zu Sündenböcken gemacht, mehr Festnahmen der kurdischen und arabischen Bevölkerung des Landes, mehr Hinrichtungen wegen angeblicher Spionage für Israel natürlich ohne jegliche Beweise."
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    "text": "Und je repressiver das Regime gegen die eigene Bevölkerung vorgeht, desto mehr Opfer gibt es auch in der Freiheitsbewegung."
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    "text": "Und insofern glaube ich persönlich, dass ein Krieg gerade nicht helfen würde."
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    "text": "Zumal wenn Trump die Bevölkerung dazu aufruft, auf die Straße zu gehen, sich also nicht davon abhalten zu lassen, zu demonstrieren, dadurch setzen sich die Menschen ja auch der Gefahr aus, umgebracht zu werden."
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    "text": "Also was macht das mit ihnen?"
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    "text": "Die Enttäuschung... bei der iranischen Zivilgesellschaft von den USA ist sehr groß."
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    "text": "Weil die Menschen im Iran sich eben Hilfe gewünscht haben, weil Donald Trump immer wieder jetzt seit fast drei Wochen Hilfe versprochen hat."
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    "text": "Und ich sehe das auch in der Diaspora, dass auch diejenigen in der iranischen Zivilgesellschaft, die sehr große Hoffnung in Trump gesetzt haben, ich selber setze ja keine Hoffnung auf einen US-Präsidenten, der absolut unberechenbar ist."
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    "text": "Aber selbst diejenigen, die große Hoffnung in Trump gesetzt haben, sind sprachlos und enttäuscht."
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    "text": "Zumal er jetzt ja auch noch die Nummer gebracht hat zu behaupten, die Gewalt hätte jetzt aufgehört und es gäbe jetzt auch keine Hinrichtungen mehr, was total absurd ist."
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    "text": "Aber noch mal, wie würde Hilfe dann konkret aussehen?"
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    "text": "Also sie sagen, Posten reicht nicht, aber es ist auch gefährlich, einen Krieg auszulösen und Trump schickt ja jetzt eben diesen Flugzeugträger nach ne Ost."
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    "text": "In Europa beispielsweise die Terrorlistung der Revolutionsgarde, den Handel zu stoppen."
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    "text": "Das muss man Trump lassen."
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    "text": "Eine gute Sache, es hätte jetzt nicht gedacht, dass ich mal Trump loben würde."
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    "text": "Aber der hat angekündigt, das effektiv immediately."
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    "text": "jeder Staat, der mit der islamischen Republik Iran Handel betreibt, in den USA mehr Zölle zahlen muss."
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    "text": "Wenn das umgesetzt wird, wäre das natürlich großartig."
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    "text": "Das wäre tatsächlich ein Schritt, den ich sehr begrüßen würde."
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    "text": "Es müsste halt nur umgesetzt werden und nicht bei dieser Ankündigung allein bleiben."
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    "text": "Also das ist beispielsweise."
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    "text": "Deutschland ist der nach wie vor stärkste Handelspartner innerhalb der Europäischen Union, habe ich ja gerade schon gesagt."
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    "text": "diesen Handel zu stoppen, zu überlegen, wie kann die Europäische Union vielleicht die Protestierenden im Iran unterstützen, die Internetsperre zu umgehen?"
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    "text": "Druck auf dieses Regime auszuüben."
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    "end": 982.41,
    "text": "Der Botschafter der islamischen Republik Iran in Deutschland, der müsste eigentlich ständig einberufen werden."
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    "text": "Da muss ständig Druck auf ihn ausgeübt werden, dass der keine andere Wahl hat, als das an seine Arbeitgeber im Iran weiterzuleiten und zu sagen, es wird kritisch hier."
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    "text": "Also stopp this."
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    "text": "Also da muss wirklich der Druck massiv erhöht werden, aber das sehen wir de facto nicht."
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    "text": "Und das ist ein ganz großes Problem."
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    "text": "Und abschließend, Frau Seperi, von welchem Iran träumen Sie?"
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    "end": 1021.99,
    "text": "Ja, ich träume davon, dass die Menschen eines Tages zum ersten Mal in ihrer Geschichte selber entscheiden dürfen, ohne äußere Einflüsse, wie es mit ihrem Land weitergeht, dass sie in freien Wahlen diese Entscheidungen treffen können."
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    "text": "Und da bin ich mir ganz sicher, dass es ein wundervolles, demokratisches, stabiles, friedliches Land sein wird."
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    "text": "Und wenn das ist, dann sieht auch die ganze Welt sehr viel friedlicher aus."
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    "text": "Da bin ich mir sicher."
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    "text": "Und da versuche ich alles zu tun, um meinen Beitrag dazu zu leisten."
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    "text": "Und wie nah ist dieser Traum?"
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    "text": "Er kommt immer näher."
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    "text": "Er kommt immer näher."
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    "text": "Ich bin nicht so naiv zu denken, dass die Menschen im Iran wirklich ganz ohne äußere Einflüsse diese freie Wahl treffen können."
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    "end": 1058.59,
    "text": "Ich wünsche es Ihnen sehr, aber ich glaube, dass das Sturz des Regimes näher ist als noch vor drei Jahren."
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    "end": 1061.09,
    "text": "Vielen Dank für das Gespräch, Frau Seperi."
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    "end": 1061.79,
    "text": "Danke Ihnen."
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    "text": "Hoffnung zu haben ist auch eine Form des Widerstands."
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    "text": "Das hat Daniela Seperi gesagt und ich finde, das ist ein Satz, der Mut macht."
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    "text": "Falls Sie sich jetzt noch mehr mit den Protesten in Iran beschäftigen wollen, mein Kollege Rafael Geiger hat die türkisch-iranische Grenze besucht, und mit Menschen gesprochen, die nach Tagen wieder WhatsApp öffnen konnten, um Angehörigen Bescheid zu geben, dass es ihnen gut geht."
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    "text": "Die Reportage verlinke ich Ihnen in den Show-Notes."
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    "text": "Produziert hat diese Sendung Emanuel Petersen."
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    "end": 1099.27,
    "text": "Vielen Dank dafür und Ihnen vielen Dank fürs Zuhören."
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    "text": "Und bis morgen."
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