[
  {
    "start": 4.94,
    "end": 10.92,
    "text": "Noch nie waren in der Bundesrepublik Demokratie und Freiheit so angegriffen wie heute waren Bundespräsident Steinmeier."
  },
  {
    "start": 11.96,
    "end": 15.12,
    "text": "Ex-Bundestagspräsident Norbert Lammert stimmt dazu."
  },
  {
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    "text": "Doch wie umgehen mit der AfD?"
  },
  {
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    "end": 27.7,
    "text": "Deutlich machen, dass sie nicht zu dem Kreis der demokratischen Parteien gehört, mit denen Kooperationen oder Koalitionen möglich sind."
  },
  {
    "start": 28.6,
    "end": 37.54,
    "text": "Das ganze Gespräch mit dem Vorsitzenden der CDU nahen Konrad Adenauer-Stiftung hören Sie gleich in der Samstagsausgabe von auf dem Punkt dem ESZ-Nachrichten-Podcast."
  },
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    "text": "Am Mikroslas Langenau herzlich willkommen."
  },
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    "end": 52.5,
    "text": "Am Schicksalstag der Deutschen, dem neunten November, hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier klare Worte gefunden."
  },
  {
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    "end": 59.58,
    "text": "Populisten und Extremisten verhöhnen die demokratischen Institutionen, vergiften unsere Debatten."
  },
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    "text": "Betreiben das Geschäft mit der Angst."
  },
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    "end": 73.36,
    "text": "Und das Tabu, sich offen zu solcher Radikalität zu bekennen, gilt für viele Menschen nicht mehr."
  },
  {
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    "text": "Das Drehbuch der Antidemokraten so scheint es uns manchmal geht mühelos auf."
  },
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    "text": "Die Frage ist, was haben wir dem entgegenzusetzen?"
  },
  {
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    "end": 89.12,
    "text": "Die Rede des Bundespräsidenten ist leicht, im Netz zu finden, auch in den Shownaus dieser Sendung."
  },
  {
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    "text": "Sie war deutlich."
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  {
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    "end": 101.54,
    "text": "Wir dürfen nicht gleichsam hineinrutschen erst, in eine neue Faszination des Autoritären und dann in neue Unfreiheit und Hinterhersagen."
  },
  {
    "start": 101.62,
    "end": 106.3,
    "text": "alle, das haben wir nicht gewollt oder das haben wir nicht"
  },
  {
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    "text": "gewusst.\"."
  },
  {
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    "text": "Obwohl Steinmeier nicht explizit die AfD beim Namen nennt, ist klar, wie der meint."
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    "text": "Entsprechend klingen die Reaktionen bei X Facebook und Konsorten wie programmiert."
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    "text": "Hetze, Amtsmissbrauch, nicht mein Präsident, rücktritt."
  },
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    "end": 127.68,
    "text": "Schließlich hatte Steinmeier auch auf Möglichkeiten hingewiesen, wie die freiheitliche Demokratie zu schützen ist."
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  {
    "start": 128.22,
    "end": 136.26,
    "text": "Mit den Mitteln des Rechtsstaates, mit den Werkzeugen der wehrhaften Demokratie, inklusive Berufs- und Parteienverboten für Verfassungsfeinde."
  },
  {
    "start": 137.26,
    "end": 142.6,
    "text": "Unsere Demokratie ist nicht dazu verurteilt, sich auszuliefern, hat Steinmeier weitergesagt."
  },
  {
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    "end": 147.18,
    "text": "Und genau darüber habe ich mit dem CDU-Politiker Norbert Lammert gesprochen."
  },
  {
    "start": 147.54,
    "end": 151.46,
    "text": "Er ist noch bis Ende des Jahres Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung."
  },
  {
    "start": 152.28,
    "end": 164.48,
    "text": "Das Gespräch haben wir bereits am Mittwoch aufgezeichnet und konnten deshalb nicht darauf eingehen, dass die konservative EVP-Fraktion am Donnerstag im Europaparlament mit rechtsextremen gemeinsame Sache gemacht hat."
  },
  {
    "start": 165.82,
    "end": 170.28,
    "text": "Herr Lamert, wie haben Sie die Rede von Frank-Walter Steinmeier am neunten November aufgenommen?"
  },
  {
    "start": 171.44,
    "end": 174.16,
    "text": "Nun, Sie war als Grundsatzrede angekündigt."
  },
  {
    "start": 175.78,
    "end": 191.44,
    "text": "Für jeden erkennbar auch mit einem... historischen Bezug zu dem deutschen Datum im immerwährenden Kalender der Menschheit, wenn man das ein bisschen pathetisch formulieren will."
  },
  {
    "start": 192.82,
    "end": 210.94,
    "text": "und dass er gerade mit den vielen Ereignissen, die sich in der deutschen Geschichte mit dem neunten November verbinden, zu einer Sensibilisierung für problematische Entwicklungen nützen würde."
  },
  {
    "start": 211.82,
    "end": 215.06,
    "text": "hat jedenfalls meinen Erwartungen entsprochen."
  },
  {
    "start": 215.78,
    "end": 227.62,
    "text": "Seither toben im Netz vor allen Dingen Rechtsextreme, das sei nicht überparteilich gewesen, erfordere zur Berufsverboten auf und ziele, obwohl nicht explizit beim Namen genannt, auf ein Verbot der AfD ist."
  },
  {
    "start": 227.66,
    "end": 229.6,
    "text": "Der Bundespräsident über das Zielen ausgeschossen?"
  },
  {
    "start": 230.46,
    "end": 239.58,
    "text": "Nach meinem Empfinden nicht, aber dieser Streit, der ihn vermutlich selber auch nicht wirklich überraschen wird, ist natürlich zulässig."
  },
  {
    "start": 240.66,
    "end": 247.0,
    "text": "weil auch Äußerungen des Bundespräsidenten ja nicht gewissermaßen unter Diskussionsverbot stehen."
  },
  {
    "start": 248.02,
    "end": 259.76,
    "text": "Und da er selber ja erkennbar auch einen Diskussionsanstoß liefern wollte, gerade mit Blick auf die Frage, wie geht man mit den Veränderungen im Parteiensystem um?"
  },
  {
    "start": 259.959,
    "end": 269.44,
    "text": "und von vielen ja auch für hochgradig relevant eingeschätzten Entwicklungen, vor allen Dingen im rechtsextremen Spektrum."
  },
  {
    "start": 271.34,
    "end": 277.42,
    "text": "wird weder er noch andere verwundert darüber sein, dass die unmittelbar angesprochenen sich besonders deutlich zu Wort melden."
  },
  {
    "start": 278.28,
    "end": 281.68,
    "text": "Steinmeier sagt, das Drehbuch der Antidemokraten gehe auf, es wirke."
  },
  {
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    "end": 284.9,
    "text": "War warum eigentlich erst jetzt und nicht schon längst vorher?"
  },
  {
    "start": 285.42,
    "end": 315.52,
    "text": "Gut, also, dass wir diese Debatte nun zum ersten Mal führten, kann man bei ruhiger Betrachtung auch nicht sagen, dass sie jetzt Nach einer Bundestagswahl mit einem doch bemerkenswerten Ergebnis einer extremen Schwächung der politischen Mitte, einem viele erschreckenden Anstieg der AfD oder überhaupt einem Erstarken der Ränder zu Lasten der politischen Mitte, uns mit dem Thema intensiver beschäftigen müssen, ist nicht mehr als naheliegend."
  },
  {
    "start": 319.38,
    "end": 323.52,
    "text": "Die Frage beantwortet sich von selbst, sollen deswegen Sonders keine Reden mehr gehalten werden."
  },
  {
    "start": 325.44,
    "end": 354.02,
    "text": "Also, dass der Bundespräsident nun weder so etwas wie der virtuelle Gesamtgeneralsekretär aller demokratischen Parteien ist und deren Aufgaben nicht stellvertretend übernehmen kann, versteht sich auch von selbst, aber dass er Von seinem eigenen Verständnis der Rolle des Staatsoberhauptes her, ein solches Datum nutzt, um auf nicht eingebildete, sondern tatsächliche Entwicklungen warnend hinzuweisen, finde ich völlig in Ordnung."
  },
  {
    "start": 354.64,
    "end": 355.4,
    "text": "Dann noch mal konkret."
  },
  {
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    "end": 360.64,
    "text": "Die AfD wird bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und McPom kommen das Jahr auf vierzig Prozent taxiert."
  },
  {
    "start": 361.28,
    "end": 364.56,
    "text": "Werden wir kommen das Jahr erstmals einen rechtsextremen Ministerpräsidenten bekommen?"
  },
  {
    "start": 365.26,
    "end": 373.82,
    "text": "Das erwarte ich nicht, selbst dann, wenn es zu dem zu einem ähnlichen Ergebnis käme, wie es die jetzigen Umfragen erwarten lassen."
  },
  {
    "start": 374.82,
    "end": 390.72,
    "text": "Denn ähnlich stabil wie der hohe Wähleranteil der AfD in den ostdeutschen Bundesländern ist auch die in allen Umfragen belegte Mehrheit, die eine Beteiligung der AfD an der Regierung kategorisch ablehnt."
  },
  {
    "start": 391.72,
    "end": 397.84,
    "text": "Ja, wie sollte die CDU, wie sollten alle Demokraten mit einem solchen nicht mehr auszuschließen erfolgte AfD umgehen, also weiterhin ausschließen?"
  },
  {
    "start": 399.04,
    "end": 412.28,
    "text": "jedenfalls unmisterständig nach meiner persönlichen Meinung deutlich machen, dass sie nicht zu dem Kreis der demokratischen Parteien gehört, mit denen Kooperationen oder gar Koalition möglich sind."
  },
  {
    "start": 413.26,
    "end": 427.72,
    "text": "Die Konrad-Artenheustiftung hat ja vor einigen Wochen eine Studie vorgelegt, wo wir mal einen Vergleich der rechtspopulistischen oder nationalistischen Parteien in Europa vorgelegt haben."
  },
  {
    "start": 428.36,
    "end": 431.1,
    "text": "Diese Studie hatte zwei interessante Befunde."
  },
  {
    "start": 431.62,
    "end": 446.96,
    "text": "Der eine ist, dass bei genauem Hinsehen diese ähnlichen Parteien in anderen europäischen Ländern ähnlich viele Unterschiede aufweisen, wie sie Gemeinsamkeiten haben."
  },
  {
    "start": 447.04,
    "end": 455.36,
    "text": "Das heißt, man muss das jeweilige Parteinsystem auch immer aus der historischen Entwicklung des jeweiligen Landes heraus."
  },
  {
    "start": 456.36,
    "end": 476.18,
    "text": "beurteilen, aber der andere relevante Befund ist, da, wo Parteien der Mitte Kooperationen mit Rechtsextremisten oder Rechtspopulisten oder nationalistischen Parteien eingegangen sind, hat dies ausnahmslos zur Stärkung des rechten Flügels geführt, aber nirgendwo zur Erholung oder Wiederauferstehung der politischen Mitte."
  },
  {
    "start": 476.94,
    "end": 477.8,
    "text": "Ja, was folgt daraus?"
  },
  {
    "start": 478.1,
    "end": 479.78,
    "text": "Wie geht man am besten mit dieser Partei um?"
  },
  {
    "start": 480.5,
    "end": 485.5,
    "text": "Ganz offenkundig ist der Königsweg noch von niemandem entdeckt worden, sonst wäre er längst gegangen worden."
  },
  {
    "start": 486.44,
    "end": 522.62,
    "text": "Ich persönlich glaube, dass die demokratischen Parteien in der Mitte, in dem richtigen Bemühen einer politischen Abgrenzung zu den Rändern im Allgemeinen und zum rechten Rand im Besonderen sich zu stark auf die Themen haben fixieren lassen, die von diesen Parteien oder insbesondere der AfD öffentlich vorangetrieben werden und dadurch unfreiwillig die Relevanz dieser Themen und deren vermeintlichen Vorrang bestätigen."
  },
  {
    "start": 523.46,
    "end": 533.92,
    "text": "Dagegen ist das Besetzen von eigenen Themen und Zielen, Bestaltungs- und Veränderungsabsichten vergleichsweise defizitär."
  },
  {
    "start": 535.2,
    "end": 546.66,
    "text": "Und das erklärt vielleicht die Schieflage, die wir auch in der Wahrnehmung vieler vor allen Dingen verunsicherter oder frustrierter Wählerinnen und Wähler beobachten können."
  },
  {
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    "end": 548.0,
    "text": "Also ich übersetze das mal."
  },
  {
    "start": 548.08,
    "end": 551.5,
    "text": "Migration war falsch, das zum so großen Thema zu machen."
  },
  {
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    "end": 553.2,
    "text": "Nochmal."
  },
  {
    "start": 554.32,
    "end": 562.8,
    "text": "Man darf Themen, die erkennbar, die Öffentlichkeit, einen beachtlichen Teil der Öffentlichkeit intensiv beschäftigen, nicht übersehen."
  },
  {
    "start": 563.46,
    "end": 571.56,
    "text": "und schon gar nicht bestreiten, dass es Probleme gibt, wo beachtliche Teile der Wählerschaft sie vermuten oder beobachten."
  },
  {
    "start": 572.56,
    "end": 590.86,
    "text": "Aber je stärker in der Wahrnehmung des Publikums der eigene Katalog von Themen, von Vorgaben bestimmt beeinflusst wird, die andere setzen, desto mehr betreibt man deren Geschäftsmodell oder befördert man deren Geschäftsmodell."
  },
  {
    "start": 591.58,
    "end": 597.12,
    "text": "Was tun gegen ein Wahlkampf, wenn die AfD sich als Friedenspartei darstellt als die, die mit Putin können?"
  },
  {
    "start": 597.68,
    "end": 618.48,
    "text": "Ich glaube, dass das der einfache Teil der Auseinandersetzung ist, weil selbst unter den Wählerinnen und Wählern oder den möglichen Wählerinnen und Wählern der AfD nur ein geringer Teil Putin für einen denkbaren Friedenspartner halten kann."
  },
  {
    "start": 619.54,
    "end": 622.36,
    "text": "Was sagen, wenn Wähler sagen, auch irgendwie zu Trump?"
  },
  {
    "start": 623.0,
    "end": 625.3,
    "text": "Es ist zwar nicht alles richtig, aber endlich tut mir jemand was."
  },
  {
    "start": 626.7,
    "end": 633.16,
    "text": "Das hat eine fatale Ähnlichkeit mit Argumenten, die zum Untergang der ersten deutschen Demokratie beigetragen haben."
  },
  {
    "start": 634.34,
    "end": 660.56,
    "text": "Ich glaube ohnehin, dass wir gerne im Übrigen auch über Sonntagsreden immer wieder für die zivilisatorische Errungenschaft werben müssen, dass in einer liberalen Demokratie, klammer auf, ohnehin auch schon ein bedenklicher Sprachgebrauch bis vor wenigen Jahren, wenn wir nicht auf die Idee gekommen, die Demokratie durch das Adjektiv-liberalen noch mal qualifizieren zu müssen."
  },
  {
    "start": 662.0,
    "end": 671.24,
    "text": "Aber inzwischen gibt es in wahlen bestellte Regierungschefs in Europa, die sich offensiv zum Konzept einer sogenannten illiberalen Demokratie bekennen."
  },
  {
    "start": 672.62,
    "end": 673.06,
    "text": "Klammer zu."
  },
  {
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    "end": 679.78,
    "text": "Also wir können nicht häufig genug deutlich machen, dass die eigentliche Errungenschaft der westlichen Zivilisation darin besteht."
  },
  {
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    "end": 694.2,
    "text": "dass wir zur Ermöglichung einer großen Bandbreite von alternativen Zielen und Anliegen und Interessen eine Vereinbarung auf Regeln haben, die nicht zur Disposition stehen."
  },
  {
    "start": 695.06,
    "end": 704.94,
    "text": "Und dass die Durchsetzung dieser Regeln vorrang haben muss vor der Durchsetzung welcher Ziele auch immer, sondern dass sie in diesem Regelsystem geltend gemacht werden müssen."
  },
  {
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    "text": "Ganz schön anstrengend Demokratie."
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    "text": "Ja, das ist wahr."
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    "text": "Das ist aber auch keine ganz neue Erkenntnis."
  },
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    "end": 722.86,
    "text": "Und vielleicht ist eben auch das Missverständnis, man könne es simpler, einfacher, gemütlicher haben, eine der Erklärungen für die Lage, in der wir uns befinden."
  },
  {
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    "end": 727.84,
    "text": "Steinmeier spricht von wehrhafter Demokratie und von der Möglichkeit eines Parteienverbots."
  },
  {
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    "end": 730.68,
    "text": "Liegt der Bundesresilente also in ihren Augen falsch?"
  },
  {
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    "end": 740.34,
    "text": "Er hat... auf eine Verfassungslager aufmerksam gemacht, durch die sich tatsächlich die deutsche Demokratie von manchen anderen in Europa und darüber hinaus unterscheidet."
  },
  {
    "start": 741.7,
    "end": 758.32,
    "text": "Zu den historischen Lektionen unserer Geschichte gehört, dass eine erste deutsche Demokratie früh und dramatisch über Wahlergebnisse gescheitert ist, in denen immer mehr Menschen, immer mehr Mandate an eine Partei übertragen haben."
  },
  {
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    "end": 764.66,
    "text": "die erklärter Maßen mit den Regeln eines demokratischen Systems nichts am Hut hatte."
  },
  {
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    "end": 808.62,
    "text": "Und daraus hat der Parlamentarische Rat für das Grundgesetz die Möglichkeit etabliert Parteien, die wie es im Grundgesetz heißt, nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Mitglieder die feierlich-demokratische Grundordnung bekämpfen, dass die verboten werden können und hat das gleichzeitig in einer extrem intelligenten Weise an Voraussetzungen gebunden, die eine nicht veränderbare Regel ist, dass allein das Bundesverfassungsgericht an solches Verbot aussprechen kann und insofern nicht Konkurrenten sich selber unliebsamer Wettbewerber entledigen können."
  },
  {
    "start": 809.54,
    "end": 838.84,
    "text": "Die zweite Voraussetzung ist, dass das Bundesverfassungsgericht von sich aus gar nicht tätig werden kann, sondern nur auf Antrag wiederum dritte Voraussetzung entweder der Bundesregierung oder des Bundestages oder des Bundesrates, die ihrerseits die Abwägung vornehmen müssen, ob ein solches Verbotsverfahren die beobachteten Probleme tatsächlich löst oder möglicherweise unbeabsichtigte gegenteilige Wirkungen hat."
  },
  {
    "start": 840.28,
    "end": 853.36,
    "text": "Auf diese, wie ich finde, historisch gut begründete und gleichzeitig hinreichend anspruchsvolle Verfassungslage hinzuweisen, ist ganz gewiss auch das Recht des Bundespräsidenten."
  },
  {
    "start": 854.28,
    "end": 860.58,
    "text": "Wie sehen Sie das denn als ehemaliger Bundestagspräsident und als jetziger Vorsitzter der Konrad-Adanauer Stiftung?"
  },
  {
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    "text": "Sollte denn ein Prüfungsverfahren eröffnet werden?"
  },
  {
    "start": 864.26,
    "end": 901.34,
    "text": "Ich persönlich würde, wenn ich heute dem Deutschen Bundestag angehören würde, einem solchen Antrag eher nicht zustimmen, weil ich befürchte, dass selbst in einem erfolgreichen Verfahren, sprich mit einem Verbot dieser Partei, die erhoffte Wirkung nicht eintritt, wohl aber ein Solidarisierungseffekt nicht nur der bisherigen Wählerinnen und Wähler, sondern möglicherweise auch anderer, die das für einen Eingriff in ihrer eigene freie Entscheidungsfindung."
  },
  {
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    "end": 903.6,
    "text": "empfinden könnten."
  },
  {
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    "end": 913.04,
    "text": "Und deswegen glaube ich, dass das Problem, das es zweifellos gibt, nicht auf diesem Wege gelöst werden kann und sollte."
  },
  {
    "start": 913.82,
    "end": 916.82,
    "text": "Das Parteimverbot ist ja das stärkste Schwert der Verfassung."
  },
  {
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    "end": 919.2,
    "text": "Wie dann die Demokratie verteidigen?"
  },
  {
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    "end": 921.96,
    "text": "Mit der jetzigen Strategie hat es ja nicht funktioniert."
  },
  {
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    "end": 937.96,
    "text": "Ja, es gehört zur Logik eines parlamentarischen Regierungssystems, dass die Verteidigung auch der Grundlagen dieses Systems nicht gegen, sondern nur mit den Wählerinnen und Wähler möglich ist."
  },
  {
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    "end": 962.68,
    "text": "Das heißt, es muss ständig genau diese Überzeugungsarbeit geleistet werden und der Unterschied klargemacht werden zwischen dem Wettbewerb, zwischen unterschiedlichen Konzepten, Ideen, Personen, Programmen von demokratischen Parteien und dem Politikangebot von Systemalternativen, die an ihrer Absicht das System zu verändern, kein Zweifel"
  },
  {
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    "end": 962.98,
    "text": "lassen."
  },
  {
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    "end": 967.72,
    "text": "Konkret nochmal auch diese Studie, die Sie vorhin citiert haben, ja zur Brandmauer oder nicht."
  },
  {
    "start": 968.44,
    "end": 984.1,
    "text": "Wenn unter Brandmauer, was ja auch ein etwas beliebiger Begriff ist, aber wenn unter Brandmauer verstanden wird, die unmissverständliche Ansage mit dieser Partei, kann es für demokratische Parteien weder Kooperationen noch Koalitionen geben, dann ganz sicher ja."
  },
  {
    "start": 985.48,
    "end": 990.2,
    "text": "Meine Abschlussfrage, Herr Lamert, was stimmt Sie hoffnungsvoll, dass unser Grundgesetz auch noch die kommenden"
  },
  {
    "start": 992.62,
    "end": 994.64,
    "text": "die seventy-fünf Jahre, die wir hinter uns haben."
  },
  {
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    "end": 1011.7,
    "text": "Also, als ich Penel war, das liegt nun ein halbes Jahrhundert zurück, haben wir uns in ähnlicher Weise über die damalige NPD Gedanken gemacht, die damals eine Reihe von Landtagen mit bemerkenswerten Wahlergebnissen erreicht hatte."
  },
  {
    "start": 1012.92,
    "end": 1019.34,
    "text": "Und die Erwartung war damals ähnlich ausgeprägt, dass sie auch dem nächsten Bundestag angehören würde."
  },
  {
    "start": 1020.46,
    "end": 1023.38,
    "text": "Nicht alles ist ganz so neu, wie es uns gelegentlich vorkommt."
  },
  {
    "start": 1024.7,
    "end": 1027.839,
    "text": "Aber noch mal, wir haben vorhin in einem anderen Zusammenhang davon gesprochen."
  },
  {
    "start": 1028.54,
    "end": 1037.92,
    "text": "Vielleicht stellen wir uns wegen der Stabilität der zweiten deutschen Demokratie das System ein bisschen gemütlicher vor, als es tatsächlich ist."
  },
  {
    "start": 1038.4,
    "end": 1042.26,
    "text": "Es erfordert aber immer wieder neue Anstrengungen aller Beteiligten."
  },
  {
    "start": 1043.48,
    "end": 1053.32,
    "text": "Weil auch und gerade die Strukturen einer freiheitlichen Verfassungsordnung nie einverallemal gesichert sind, sondern immer wieder neu gefestigt werden müssen."
  },
  {
    "start": 1053.7,
    "end": 1055.56,
    "text": "Herr Lammert, haben Sie hier herzlichen Dank für das Gespräch."
  },
  {
    "start": 1056.22,
    "end": 1056.44,
    "text": "Gerne."
  },
  {
    "start": 1061.62,
    "end": 1069.58,
    "text": "Norbert Lammert hat eine aktuelle Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Umgang mit Rechtspopulisten und Rechtsextremen in Europa erwähnt."
  },
  {
    "start": 1070.3,
    "end": 1075.18,
    "text": "Die AfD wird da als Partei mit systemoppositioneller Grundhaltung eingeordnet."
  },
  {
    "start": 1075.74,
    "end": 1079.2,
    "text": "Die zentrale Prinzipien liberaler Demokratie ablehnt."
  },
  {
    "start": 1080.44,
    "end": 1084.48,
    "text": "Parteien dieses Typs seien durch Kooperation nicht zu zähmen, heißt es da."
  },
  {
    "start": 1085.52,
    "end": 1089.1,
    "text": "Jede Zusammenarbeit führe nur zu einer Schwächung der Konservativen."
  },
  {
    "start": 1090.16,
    "end": 1093.66,
    "text": "Sie finden den Link zu einem Bericht über diese Studie in den Shownotes."
  },
  {
    "start": 1095.66,
    "end": 1097.96,
    "text": "Produziert hat diese Sendung Emanuel Petersen."
  },
  {
    "start": 1098.12,
    "end": 1100.86,
    "text": "Vielen Dank dafür und Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit."
  },
  {
    "start": 1101.62,
    "end": 1104.76,
    "text": "Und das Schlusswort überlasse ich diesmal dem Bundespräsidenten."
  },
  {
    "start": 1105.14,
    "end": 1107.38,
    "text": "Es gibt viele, die schweigen und abwarten."
  },
  {
    "start": 1109.1,
    "end": 1112.2,
    "text": "Und denen möchte ich sagen, mischen sie sich ein."
  },
  {
    "start": 1112.96,
    "end": 1127.28,
    "text": "Was wir jetzt brauchen, sind aktive Demokratien-Demokraten, die den Mund aufmachen im Parlament, beim Fußball, am Stammtisch, in der Schule, an der Bushaltestelle, am Arbeitsplatz."
  }
]