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    "end": 8.38,
    "text": "Friedrich Merz hat seine ersten Monate als Kanzler hinter sich."
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  {
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    "end": 11.7,
    "text": "Und das war für ihn, aber auch für uns was ganz Neues."
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    "text": "Davor kannten wir Merz ja als Oppositionspolitiker."
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    "text": "Erst gegen Merkel, dann gegen Scholz."
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    "text": "Aber wie er als Kanzler als Politiker mit Regierungsverantwortung sein würde, das wusste man nicht."
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    "text": "Und deswegen schauen wir in dieser Rückblicksfolge auf das, was vom ersten Merz ja bleiben wird."
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    "text": "Ist Merz eher ein Außen- Oder doch ein Innenkanzler."
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    "text": "Und wie hat er sich eigentlich geschlagen in diesem Jahr?"
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    "end": 43.4,
    "text": "Darüber spreche ich gleich mit Daniel Brössler, der in Berlin für die SZ über die schwarz-rote Koalition berichtet."
  },
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    "end": 46.9,
    "text": "Sie hören den SZ-Nachrichten-Podcast auf dem Punkt."
  },
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    "end": 51.96,
    "text": "Herzlich willkommen zum zweiten Teil unseres Jahresrückblicks und ich bin Justin Pudget."
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    "text": "Hallo Daniel, schön, dass du da bist."
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    "text": "Ja, hallo."
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    "text": "Ich will mit dir die Momente im vergangenen Jahr durchgehen, mit denen März das erste Jahr seiner Kanzlerschaft geprägt hat."
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    "text": "Und ich würde sagen, wir fangen da einen Schritt davor sogar noch an."
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    "text": "Das war nämlich der Dreiundzwanzigste Januar."
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    "text": "Da hat März als Kanzlerkandidat ein Statement abgegeben, kurz nachdem ein Asylbewerber eine Kita-Gruppe in der Schaffenburg angegriffen und ein Kleinkind und einen Mann getötet hat."
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    "text": "Er verteidigt da, dass die Union einen Antrag im Bundestag einbringen will, Obwohl eine Mehrheit dafür nur mit der AfD zustande kommen kann."
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    "text": "Mir ist es völlig gleichgültig, wer diesen Weg politisch mitgeht."
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    "text": "Ich sage nur, ich gehe keinen anderen."
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    "text": "Und wer ihn mit mir gehen will, muss sich nach diesen fünf Punkten richten."
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    "text": "Kompromisse sind zu diesen Themen nicht mehr möglich."
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    "text": "Und genauso kommt es dann auch."
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    "text": "Die März-CDU holt mit den Stimmen der AfD eine Mehrheit im Bundestag."
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    "text": "Daniel, was ist damals zerbrochen?"
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    "text": "Naja, ich würde sagen, da ist ein gewisses Vertrauen einiger Menschen zerbrochen in die demokratische Mitte, dass die tatsächlich zusammen gegen die AfD steht."
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    "end": 140.52,
    "text": "Ich erinnere mich, das war ein ziemlich dramatischer Tag damals im Bundestag und insofern war das schon ein einschneidendes Erlebnis vor dieser Bundestagswahl."
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    "text": "Es hat die Bundestagswahl, glaube ich, auch beeinflusst."
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    "text": "Und gewinnt März, gewinnt die Union dann trotz oder wegen des Antrags vielleicht kurz darauf die Wahl?"
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    "text": "Ich glaube, man kann wirklich sagen, trotz, es ist ja kein glänzender Sieg geworden."
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    "text": "Das muss man sagen, dass das zweitschlechteste Ergebnis der Union in der Geschichte der Bundesrepublik war."
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    "text": "Und warum ist das so gewesen?"
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    "end": 173.58,
    "text": "Ich glaube, März ist es nicht gelungen, Wähler von rechts zur Union zu holen."
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    "end": 177.9,
    "text": "Und er hat zumindest einen Teil der bürgerlichen Wähler abgeschreckt."
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    "text": "Das ist ja immer ein Problem der Union."
  },
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    "end": 185.54,
    "text": "Sie muss als Volkspartei, die sie ja noch ist, muss sie natürlich ein breites Spektrum abdecken."
  },
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    "end": 190.76,
    "text": "Und dieses Problem stellt sich eigentlich immer wieder, wen spricht man da an, wen schreckt man ab."
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    "text": "Und diese Entscheidung im Bundestag tatsächlich mit den Stimmen der AfD etwas durchzusetzen."
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    "text": "Das hat links ganz klar mobilisiert."
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    "text": "Man hat das ja auf den Straßen gesehen."
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    "text": "Es gab Demonstrationen und ich glaube, dass auch die, wenn man das so nennen will, die Wiederauferstehung der Linkspartei, mit der hat man ja eigentlich gar nicht mehr gerechnet, ohne das gar nicht denkbar gewesen wäre."
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    "text": "Im Rückblick würde ich sagen, wird es auch in der Union als großer strategischer Fehler gesehen."
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    "text": "Vielleicht sieht es sogar Friedrich Merz mittlerweile auch so."
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    "text": "Bleiben wir noch mal ganz kurz im Januar."
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    "text": "Also hat sich damals in diesem Moment gezeigt, was auch für den Kanzler Merz später vielleicht eine Rolle spielen wird, dass er in gewissen Momenten weniger rational und mehr emotional entscheidet und handelt."
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    "text": "Ich würde es vielleicht ein bisschen freundlicher formulieren."
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    "text": "Ich glaube, dass Friedrich Merz häufiger mal sein Bauchgefühl sprechen lässt und das muss ja auch nicht schlecht sein."
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    "text": "Also ich glaube, dass Spitzenpolitiker tatsächlich das auch tun müssen, dass sie auch auf ihr Bauchgefühl hören müssen."
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    "text": "Instinkt ist da wichtig."
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    "text": "Aber das Interessante ist ja, dass sein Instinkt ihn da, glaube ich, im Stich gelassen hat."
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    "text": "Das hat sich ja für die Bundestagswahl, für die Union nicht wirklich ausgezahlt."
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    "text": "Und ich glaube, man muss sagen, das ist nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal so gewesen, dass der Instinkt Friedrich Merz da so ein bisschen im Stich gelassen hat."
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    "text": "Dann würde ich sagen, schauen wir auf den nächsten Moment."
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    "text": "Ein disignierter Kanzler ist daran noch nie gescheitert."
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    "text": "Aber dann liest Bundestagspräsidentin Klöckner das Ergebnis vor."
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    "text": "Mitgliederzahl, sixhundertdreißig abgegebene Stimmen, sechshundertundzwanzig ungültiger Stimmzettel einer."
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    "text": "Mit Ja haben gestimmt drei Hundert zehn der Abgeordneten."
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    "text": "Der Abgeordnete Friedrich Merz hat die erforderliche Mehrheit von mindestens drei Hundert sechzehn Stimmen nicht erreicht."
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    "text": "Er ist gemäß Artikeln dreiundsechzig Absatz zwei des Grundgesetzes zum Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland nicht gewählt."
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    "text": "Der nächste historische Moment für die Bundesrepublik und wieder sieht Merz nicht so gut aus."
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    "text": "Ich habe das tatsächlich als einen Tag einer großen Verunsicherung in Erinnerung."
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    "text": "Es war ja im Bundestag ein sehr dramatischer Tag, weil man auch nicht wusste, wie das jetzt genau weitergeht mit den weiteren Wahlgängen."
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    "end": 346.78,
    "text": "Das war was völlig Neues."
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    "end": 352.7,
    "text": "Und man muss aus sich in Erinnerung rufen, Deutschland hatte ja schon eine schwierige Zeit hinter sich."
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    "end": 363.76,
    "text": "Die Jahre der zerstrietenen Ampelkoalition waren ziemlich ... harter Wahlkampf, es gab eine dramatische internationale Lage und eigentlich gab es ja so diese Erwartung."
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    "end": 376.36,
    "text": "mit der Wahl des Bundeskanzlers, kehrt jetzt wieder Ruhe und Stabilität ein und insofern würde ich sagen, war das schon ein Schlag und hat eben noch mal zu einer verhandenen Verunsicherung beigetragen."
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    "end": 385.04,
    "text": "und es hat ja auch ein Schlaglicht geworfen auf ein großes Problem dieser neuen Koalition, nämlich die knappe Mehrheit von nur zwölf Stimmen."
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    "text": "Die Abstimmung war ja geheim."
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    "text": "Also niemand weiß, wer aus SPD oder Union im ersten Wahlgang nicht für März gestimmt hat."
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  },
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    "text": "Weil die Abstimmung geheim war, kann man es natürlich nicht genau sagen."
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    "end": 415.66,
    "text": "Was man aber weiß, ist, dass es natürlich in der Unionsfraktion großen Unmut gab über das fünfhundert Milliardenpaket, auf das man sich ja schon vor Wahl des Bundeskanzlers verständigt hatte mit der grünen Opposition."
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    "text": "Da haben natürlich viele in der Union das Gefühl gehabt, dass es eigentlich nicht das, was Friedrich Merz im Wahlkampf versprochen hat, also Haushaltssolidität."
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    "text": "Es gab allerdings auch in der SPD natürlich großen Umut."
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    "text": "Ich würde sagen, ein großes Fremdeln mit dieser Koalition, das war ja nicht der große Traum der Sozialdemokraten, wieder mit der Union zu regieren."
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    "text": "Und gerade diesen Kanzler zu wählen, Friedrich Merz, den viele eben auch als Gegner gesehen haben, das ist vielen Sozialdemokraten nicht leicht gefallen."
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    "end": 455.56,
    "text": "Hinzu kam, dass Lars Klingbeil in seiner Personalpolitik etliche auch vor den Kopf gestoßen hat."
  },
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    "end": 462.18,
    "text": "Es ist ja sozusagen nur... Ein Sozialdemokrat aus dem Alten, aus dem Ampelkabinett ins neue Kabinett gekommen."
  },
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    "text": "Das war, wo das Pistol ist, der Verteidigungsminister."
  },
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    "end": 467.6,
    "text": "Also das war schon eine sehr angespannte Situation."
  },
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    "end": 473.68,
    "text": "Und ja, wie das so ist, beide Seiten haben sich natürlich gegenseitig beschuldigt für die Gegenstimmen verantwortlich zu sein."
  },
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    "end": 480.06,
    "text": "Da es der Kanzler der Union ist, würde ich schon sagen, dass die Stimmen eher von Seiten der SPD kamen."
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    "end": 482.88,
    "text": "Dann hat es ja noch geklappt mit seiner Wahl."
  },
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    "text": "Am siebten Mai war dann sein erster Arbeitstag als Kanzler."
  },
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    "end": 495.16,
    "text": "und er reist dann nach Frankreich und nach Polen zum Antrittsbesuch, schon da verfestigt sich ein Eindruck, den März dann nicht so richtig los wird über das ganze Jahr."
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    "end": 500.8,
    "text": "Er ist eher ein Außenkanzler, statt sich besonders für das Innenpolitische zu interessieren."
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    "text": "Ist das auch dein Eindruck?"
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    "text": "Also ich kenne natürlich sozusagen dieses Label."
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    "text": "Ja, natürlich hat dieser Kanzler viel mit Außenpolitik zu tun und er hat von vornherein auch gesagt, er muss sich stark um Außenpolitik kümmern, aber das hat natürlich auch mit der Weltlage zu tun."
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    "text": "Er muss das tun."
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    "text": "Stelle sich mal vor, er würde sich nicht um diese internationalen Krisen kümmern und er würde auch nicht versuchen, in Europa Flagge zu zeigen, dann würde er glaube ich dafür sehr stark in der Kritik stehen."
  },
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    "text": "Ich glaube, da hat er wirklich recht."
  },
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    "end": 534.38,
    "text": "Er sagt ja, das kann man überhaupt nicht trennen."
  },
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    "text": "Sozusagen ist es meine innenpolitische Verantwortung auch als Bundeskanzler, Außenpolitik zu machen und beides gehört zusammen."
  },
  {
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    "end": 546.72,
    "text": "Und in dem Punkt würde ich wirklich sagen, geht es in diesen Zeiten gar nicht mehr anders."
  },
  {
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    "end": 549.5,
    "text": "Also so diese Aufteilung Außenkanzler, Innenkanzler."
  },
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    "text": "Eine andere Frage ist dann vielleicht, ob er beides gleich gut kann."
  },
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    "text": "Darüber kann man sich ja diskutieren."
  },
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    "text": "Aber ihm vorzuwerfen, dass er zu viel Außenpolitik macht, das finde ich tatsächlich schwierig."
  },
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    "text": "Und als sich diese Aufregung dann erst mal gelegt hatte, ist März ja dann sozusagen wieder gestolpert in das nächste Problem, das eigentlich keins hätte sein müssen."
  },
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    "text": "Die Wale einer neuen Richterin am Bundesverfassungsgericht stand an."
  },
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    "text": "Es geht um Frauke Brusius-Gerstdorf, das ist eine Kandidatin, die die SPD vorgeschlagen hatte."
  },
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    "text": "Und die ja auch schon durch den entsprechenden Fachausschuss empfohlen wurde mit der Zustimmung der Union."
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    "text": "Und dann Anfang Juli der Knall."
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    "text": "Die Union will Brusius-Gerstdorf doch nicht wählen."
  },
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    "text": "Und März, der ist dabei, nachdem die Wahl deswegen verschoben wurde, Schadensbegrenzung zu betreiben, auch auf der Sommer Pressekonferenz."
  },
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    "text": "Also das ist nichts Außergewöhnliches, dass in einer Regierung zu Beginn mal Reibungsverluste entstehen, dass man da auch ein bisschen nachjustieren muss, dass man an der ein oder anderen Stelle Prozesse besser organisieren muss."
  },
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    "text": "Also ganz ehrlich, es ist auch keine Krise, es ist eine Situation, die besser sein könnte."
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    "text": "Daniel, ganz ehrlich, das war doch eine Krise, oder?"
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    "text": "Ja, natürlich war das eine Krise."
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    "text": "Aber es ist jetzt natürlich auch nicht erstaunlich, dass er sich nicht vor die Bundespressekonferenz gestellt hat und gesagt hat, das ist jetzt eine ganz fürchterliche Krise."
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    "text": "Meine Kanzlerschaft steht vor dem Aus, ist doch ganz normal, dass er natürlich versucht, das ein bisschen klein zu reden."
  },
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    "end": 638.56,
    "text": "Das gehört ja sozusagen zum Krisenmanagement mit dazu, dass man sagt, das ist keine richtige Krise."
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    "text": "Das war schon eine sehr ernste Situation."
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    "end": 646.26,
    "text": "Wobei man sagen muss, wer hat diese Krise zu verantworten?"
  },
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    "end": 653.94,
    "text": "Das ist zunächst einmal ganz maßgeblich der Fraktionschef der Unionsfraktion Jens Spahn gewesen."
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    "end": 666.24,
    "text": "Das wäre ja seine Aufgabe gewesen, dieses Problem rechtzeitig zu erkennen und dafür zu sorgen, dass es eben in seiner Fraktion dafür eine Mehrheit gibt, nachdem es ja auch eine klare Absprache mit den Sozialdemokraten gab."
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    "end": 674.44,
    "text": "Wenn man das sagt, muss man natürlich dann aber im nächsten Schritt sich auch fragen, ja gut, wer ist dafür verantwortlich, dass Jens Spahn Fraktionschef ist?"
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    "text": "und wer hat sich da vielleicht auch ein bisschen darin getäuscht, ob er diesen Job gut machen würde?"
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    "text": "Also trägt die Verantwortung am Ende natürlich wieder der Bundeskanzler."
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    "text": "Und für ihn war ja eigentlich da im Sommer ganz klar, und das hat er dann auch in den späteren Wochen und Monaten zugegeben, so was darf nicht wieder passieren."
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    "text": "Das ist so ein bisschen das Problem dann dieser Koalition gewesen, dass sie eigentlich immer wieder daran gemessen wurde, nach passiert so etwas wieder wie bei dieser Richterwahl."
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    "text": "Dann schauen wir weiter."
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    "text": "Das Thema Migration hat März in diesem Jahr ja noch ein zweites Mal Probleme bereitet."
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    "text": "Im Oktober besucht der Brandenburgs Ministerpräsident Woitke und März spricht über die Gefahren des Rechtspopulismus in Deutschland."
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    "text": "Und da sagt er diesen Satz."
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    "text": "So, und bei der Migration sind wir sehr weit."
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    "text": "Wir haben in dieser Bundesregierung die Zahlen August, April, August, August, April im Vergleich um sechszig Prozent nach unten gebracht."
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    "text": "Aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei jetzt in sehr großem Umfang auch Rückführungen zu ermöglichen und durchzuführen."
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    "text": "Wie lässt sich so eine Aussage erklären, die für alle Menschen, die sich Migranten schließen, die Botschaft hat, ihr gehört hier nicht hin?"
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    "text": "Das war eine sehr problematische Äußerung, weil sie viele Menschen eben verletzt hat und weil sie das Gefühl hatten, das kann man gar nicht anders verstehen."
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    "text": "Und es war auch eine problematische Äußerung, weil Merz ja hier an so ein wahrberndes Gefühl angeknüpft hat und viel mehr an so ein Gefühl angeknüpft hat als an Fakten."
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    "text": "Es gibt hier zu viele Ausländer."
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    "text": "Es sind zu viele Ausländer zu sehen."
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    "text": "Das war schon ein großes Problem und vor allen Dingen, weil Friedrich Merz sich ja dann auch ziemlich viel Zeit gelassen hat, damit diese Äußerung noch mal zu erklären."
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    "text": "Also reicht das als Kanzler so spät, darauf noch mal einzugehen?"
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    "text": "Nee, das reicht glaube ich nicht."
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    "text": "Das ist auch so eine Sache, die dann in seinem Umfeld... denke ich mal, mit ihm diskutiert wurde, auch gesagt wurde, du kannst nicht so stur sein, du musst in solchen Fällen dann früher auch schon mal reagieren."
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    "text": "Er hatte auch einige Tage nach dieser Äußerung schon, dann mal versucht zu erklären, es ging ihm nicht darum, Ausländer insgesamt da anzugreifen, sondern er wollte ein Gefühl aufgreifen, dass die Menschen haben, dass sie sich eben in den Innenstädten nicht mehr sicher fühlen."
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    "text": "Und das kann er als Bundeskanzler natürlich auch tun, aber er muss sich natürlich gerade bei solchen Fragen um Präzisionen bemühen, um sprachliche Präzisionen bemühen."
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    "text": "Und daran fehlt es bei ihm."
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    "text": "Und wenn dann tatsächlich solche missverständlichen Äußerungen von ihm kommen, dann müsste er eben schneller reagieren und das richtigstellen."
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    "text": "Das ist tatsächlich ein Problem bei ihm."
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    "text": "In der Innenpolitik hat uns dieses Jahr vor allem der Rentenstreit beschäftigt."
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    "text": "Für März war das Problem ja vor allem das Abgeordnete aus der Jungen Union gegen das Rentenpaket der Regierung stimmen wollten."
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    "text": "Da stand zwischenzeitlich die Regierung auf dem Spiel."
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    "text": "Ja, das würde ich schon sagen."
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    "text": "Wenn man sich mal zurück erinnert, seine Vorgänger, also Vorgänger wie Helmut Kohl und Angela Merkel, Die haben da sehr viel Zeit darauf verwandt."
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    "text": "Die haben viel mit Abgeordneten gesprochen, telefoniert, aber auch mit Landespolitikern und haben denen natürlich auch immer das Gefühl gegeben, dass deren Sorgen und Bedenken gehört werden."
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    "text": "erinnert eigentlich in seinem Führungsstil so ein bisschen an so einen mittelständischen Patriarchen, der das Sagen hat und der einfach davon ausgeht, wenn ich etwas sage, dann muss man mir folgen."
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    "text": "Das sind letztlich dann Angestellte, die jetzt folgen haben und so funktioniert das natürlich in der Politik nicht."
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    "text": "Und das ist schon ein großes Führungsproblem, über das sich auch viele in seiner Partei, in seiner Fraktion beklagen."
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    "text": "Daniel dann als Fazit, wie zufrieden wäre der Oppositionsführer Merz mit dem ersten Kanzlerjahr."
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    "text": "Also ich würde sagen, er hätte wenig auszusetzen an dem... Außenkanzler an der außenpolitischen Bilanz des Bundeskanzlers, da würde er wahrscheinlich loben, dass dieser Kanzler tatsächlich versucht hat, umzugehen mit diesem sehr schwierigen Präsidenten Trump."
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    "text": "Er würde wahrscheinlich auch loben, dass sich dieser Bundeskanzler zumindest im Rahmen der Möglichkeiten versucht hat, für die Ukraine einzusetzen."
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    "text": "Er würde diesen Berlin-Gipfel für die Ukraine loben, den es ja jetzt noch gegeben hat, zumindest hätte daran, glaube ich, wenig auszusetzen."
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    "text": "Ich denke mal, inpolitisch würde Friedrich Merz diesen Bundeskanzler stark kritisieren und er würde wahrscheinlich sagen, also dieser Klempner der Macht, der muss noch viel lernen."
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    "text": "Danke Daniel für das Gespräch."
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    "text": "Wir schauen nach Gelsenkirchen, wo sich der wohl größte Kuh in der jüngsten deutschen Kriminalgeschichte abgespielt hat."
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    "text": "Und zwar gab es einen Raubüberfall auf eine Sparkasse, bei dem die Täter Schließwächer aufgebrochen haben und damit rund dreißig Millionen Euro erbeutet haben."
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    "text": "Das ist die Schätzung der Ermittler."
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    "text": "Über zweitausend Kundinnen und Kunden der Sparkasse betrifft der Raub."
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    "text": "Am Dienstag hat sich eine Menge aufgebrachter Menschen vor der Filiale versammelt."
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    "text": "Laut der Polizei sind die Täter über ein Parkhaus in die Bank eingedrungen und haben dann die Wand zum Tresorraum aufgebohrt."
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    "text": "Die USA haben laut Präsident Trump in der vergangenen Woche eine Hafenanlage in Venezuela angegriffen."
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    "text": "Er behauptet, es handelt sich um einen Umschlagplatz für Drogen und es habe eine große Explosion gegeben."
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    "text": "Es soll niemand getötet worden sein, aber es ist der erste Schlag der Trump-Regierung gegen ein Ziel an Land, seitdem sie so massiv gegen die Regierung von Präsident Nicolas Maduro vorgeht."
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    "text": "Laut einer Analyse der New York Times gab es bislang dreißig Angriffe."
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    "text": "Hundertsieben Menschen wurden getötet, Zivilisten, die laut der US-Regierung Kriminelle seien."
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    "end": 1098.78,
    "text": "Zum Schluss noch mal der Hinweis, dass mein Kollege Lars Langenau auch schon einen Jahresrückblick gemacht hat und zwar einen über Themen in der Außenpolitik, die uns dieses Jahr beschäftigt haben."
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    "text": "Lars hat danach Gaser in die Ukraine und die USA geguckt."
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    "text": "Ich verlinke Ihnen die Folge in den Shownotes."
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    "start": 1106.44,
    "end": 1110.3,
    "text": "Und es wird noch einen dritten Rückblick geben mit meiner Kollegin Anmalin Holt."
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    "start": 1111.22,
    "end": 1121.12,
    "text": "Und da wird es dann etwas bunter, da geht es um die Fragen, wo die Louvre Juvelin geblieben sind, wer die Waldbrände in Los Angeles Anfang des Jahres verursacht hat und wie es im Blockprozess weitergeht."
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    "start": 1121.96,
    "end": 1123.92,
    "text": "Produziert hat die Sendung Benjamin Markthaler."
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    "end": 1130.66,
    "text": "Vielen Dank dafür und Ihnen vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal."
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]