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    "text": "Hallo, mein Name ist Katharina Riel und ich bin Politikchefin der Süddeutschen Zeitung."
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    "text": "In der Geschichte die ich erzählen will geht es um meinen Opa."
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    "text": "Der wurde zehn Tage vor Ende des Zweiten Weltkriegs bei einer Widerstandsaktion im tief katholischen Wallfahrtsort Altötting von den Nazis erschossen was für meine Familie logischerweise immer eine traurige Geschichte war – vor allem aber auch eine Heldengeschichte."
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    "text": "Seit kurzem weiß ich aber auch, mein Opa war nicht nur im sogenannten Widerstand in dem so viele Deutsche ihre Vorfahren in der Nazi-Zeit traditionell gerne sehen."
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    "text": "Sondern mein OPA war – ich glaube man kann das nicht anders sagen – selber auch ein Nazi!"
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    "text": "Wie das zusammengeht und was ich in den vergangenen Monaten gelernt habe über Familienerzählungen, über meine Familie, und die Zeit nach dem Krieg."
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    "text": "Ich fange vielleicht mal bei meinem Vater an, der heißt Herbert Riel Heise – auch wenn das jetzt den meisten, die hier zuhören wahrscheinlich nichts mehr sagt?"
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    "text": "In gewisser Weise war mein Vater mal ein ziemlich bekannter Mann also immerhin in der Medienbranche oder beim Menschen, die früher viel SZ gelesen haben!"
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    "text": "So bekannt dass Journalisten mich, wenn ich meine Nachnamen sage Heute immer noch manchmal Fragen."
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    "text": "So wie Riel Heise, mein Vater Herbert Riel-Heise war vier Jahre alt als sein Vater Hans Riel im April nineteenhundertvierzig in Altötting von den Nazis erschossen wurde weil er sich gegen sie gestellt hat und diese Geschichte die Widerstands- und Ermordungsgeschichte seines eigenen Vaters meines Opas und auch das von unserer ganzen Familie ziemlich stark geprägt."
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    "text": "Ich hatte schon als Kind immer irgendwie den Eindruck dass mein Vater auch deshalb Journalist und zu seiner Zeit einer der bekanntesten Reporter des Landes geworden ist weil er eben dieses Schicksal hatte oder zumindest dass es ihn stark beeinflusst hat bei der Frage wie sollte ein Journalist eigentlich sein?"
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    "text": "Es war ein sehr ungerechtes Schicksal, halbweise mit Vier eine Nachkriegskindheit als jüngstes Kind einer alleinerziehenden Mutter unter prekären Bedingungen."
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    "text": "Bei der süddeutschen Zeitung die ja nineteenhundertvierzig sozusagen aus den Trümmern des Zweiten Weltkrieges gegründet wurde um bei der auch ich heute arbeite war mein Vater lange Chefreporter."
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    "text": "Ninzehundertfünfundachtzig, da war ich gerade mal zwei Jahre alt – da hat er für die Süddeutsche mal einen sehr persönlichen Text über diesen Schicksalstag der Familie im April fünfundvierzig geschrieben."
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    "text": "Da heißt es gleich im dritten Absatz, ich liest das Mal vor Ob es sinnvoll ist, vierzig Jahre danach sich das alles noch einmal ins Gedächtnis zu rufen an alten Narben zu scheuern."
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    "text": "Gefühle in sich hochsteigen zu lassen für die man damals Gott sei Dank noch viel zu jung war?"
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    "text": "Dabei hab' ich das noch nicht einmal selbst gecheckt Als meine Freunde vor ein Paar Monaten anfingen Die Namen ihrer Vorfahren in der NSDAP-Kartei zu suchen, die erst das amerikanische Nationalarchiv online stellte und dann in Deutschland mehrere große Medien – auch DSZ."
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    "text": "Dass mein Opa Geboren am sechsohnzwanzigsten Oktober nineteenhundertzwei ab neunzehnhundertsiebenunddreißig in der NSDAP war und das fand ich kurz danach auch noch raus ab neunsunddreiund dreißig sogar in der SA also der Sturmabteilung so eine Art paramilitärische Hilfspolizei der Nazis."
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    "text": "Es gibt zum Beispiel ein berühmtes Zitat das ein führender Nazi wenige Tage vor dem achtundzwanzigsten April fünfundvierzig gesagt haben soll als die Amerikaner schon vor den Touren al-Ottings standen und zwar soll er gesagt haben dass er sich mit anderen Nazis im Staub der Gnadenkapelle wälzen will."
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    "text": "Dass noch bis zur letzten Patrone gekämpft wird und diese Stadt nach dem Erdboden gleichgemacht wird bevor der Krieg vorbei ist."
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    "end": 624.25,
    "text": "Da gibt es auf der einen Seite nicht sehr viele aber sehr überzeugte Nazigrößen, die immer noch versuchen den Krieg zu gewinnen Und auf der anderen Seite stehen größere Teile der Bevölkerung."
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    "end": 639.01,
    "text": "Die wollen lieber die weiße Fahne hissen, weil ja sowieso irgendwie klar ist dass man den Krieg nicht mehr gewinnen kann und weil es ja jetzt so sinnlos wäre noch so viel kaputt zu machen wo Alt Oetting in allen Kriegsjahren ja relativ glimpflich davon gekommen ist."
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    "end": 651.11,
    "text": "ein paar der Leute die den Amerikanern lieber die Weiße Fahnen entgegenhalten wollten haben sich Bayern weit schon seit Einigen Wochen in geheimen Absprachen zusammengeschlossen und planen Widerstands-Aktionen."
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    "text": "Sie nennen sich Freiheitsaktion Bayern."
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    "text": "Der Altörtinger Landrat Josef Kera hört diese Durchsage – er will sich beteiligen!"
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    "text": "Einer von ihnen ist mein Opa Hans Riel – ein forty-jähriger Lagerhausverwalter und Feuerwehrkommandant und Vater von vier Kindern zwei älteren Töchtern und zwei kleineren Söhnen."
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    "text": "Die Freiheitsaktion in Altöttingen startet an einem sonnigen Frühlingstag damit dass der Landrat gleich in der Früh ein paar der sehr aktiven Nazi-Funktionäre in seinem Ort verhaften lässt."
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    "text": "Er sperrt sie dann in eine Arrestzelle im Landratsamt, alles gleich ums Eck und fußläufig zur schwarzen Madonna."
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    "text": "Aber die Sache mit diesen Verhaftungen geht schon wenige Stunden später wirklich gründlich schief."
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    "end": 736.85,
    "text": "Über ein paar Umwege nämlich kriegen ein paar sehr regime treue Personen von der Aktion was Spitz und die organisieren sich."
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    "text": "Und nochmal nur ein paar Stunden später gegen Mittag legt der Landrat nach dem Besuch von einem paar Nazis niedergeschossen in seinem Büro auf den Boden."
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    "text": "Die Altöttinger Aktion ist ohne den Organisator praktisch beendet, bevor sie so richtig begonnen hat."
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    "text": "Aber die Tragödie dieses Tages – die ist noch nicht zu Ende Denn die Altöttinger Nazi-Größen werden dann natürlich sofort aus dieser Zelle entlassen."
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    "text": "Sie erstellen eine Namensliste von den Leuten, die sie während ihrer kurzen Haft in den wenigen Stunden zuvor aus dem Zellenfenster heraus beobachtet haben wie sie durch den Hof des Landrats gelaufen sind."
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    "text": "Die müssen – da sind sich sicher – in die Widerstandsaktion auf jeden Fall verwickelt gewesen sein."
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    "text": "Fünf Namen stehen auf dieser Liste."
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    "text": "Um dreizehn Uhr kommt ein Eileg aus der Umgebung zusammengetrommeltes SS-Komando in Altötting an."
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    "text": "Diese Leute machen sich sofort auf die Suche nach den fünf Männern von der Liste, sie holen sie aus ihren Wohnungen und von ihren Arbeitsplätzen."
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    "text": "In diesem Moment mischt sich eine Familienerzählung in die Geschichte nämlich dass mein Großvater als er mitgekriegt hat das die Nazis aus ihrer Zelle wieder entlassen wurden Der Heim bei meiner Großmutter war und ihr gesagt hat, dass er sich jetzt vielleicht besser versteckt weil sie insonst holen kommen."
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    "text": "Und die Großmütter soll dann gesagt haben Nein bleib du hast dir nichts zu Schulden kommen lassen lasst mich bloß nicht allein mit den Kindern."
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    "end": 852.27,
    "text": "Also ist der daheim geblieben und die SS Männer kommen und holen ihn ab und sie bringen ihnen und die vier anderen Männer wieder zum Landratsamt Vor Ort."
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    "text": "im Landratsamt wird dann wohl noch so eine Art groteskes Standgericht für die verhafteten Widerständler aufgeführt, in dem sich anscheinend vor allem über die Tötungsart gestritten wird."
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    "text": "Also ob man die Angeklagten eher an die Wand stellen oder aufhängen soll."
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    "text": "Um fünf zu nur dreißig an diesem Samstag den achtundzwanzigsten April nineteenhundertfünfundvierzig werden die Fünfmänner in den Hof des Landrats getrieben."
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    "text": "der sich ebenfalls für eine friedliche Übernahme Altöttings durch die Amerikaner und gegen die Nazis engagiert hatte."
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    "text": "Zwei Tage später, am dreißigsten April fünfundvierzig nimmt Hitler sich das Leben."
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    "text": "Noch mal zwei Tage später – am zweiten Mai kommen die Amerikana über den Inn nach Altötthingen!"
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    "text": "Und dass sie dabei nicht schießen und gar nichts kaputt geht hat offenbar so erzählen das Historiker sowohl damit zu tun dass sie von den Ereignissen, die vor nun an die Altöttinger Bürgermorde heißen werden gehört haben."
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    "text": "Als auch damit das keine wirklich relevantem Gegner mehr da sind."
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    "text": "Weil sich die Nazi-Größen und SS-Mörder vier Tage vorher noch voll im Dienst zwei Tage später schon abgesetzt"
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    "text": "So wird es in der Familie erzählt und so habe ich sie auch selbst als Kind bei den super seltenen Besuchen im Altenheim erlebt."
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    "text": "Also, ich hab' Sie vielleicht zwei-drei Mal gesehen in meinem Leben – ich war sieben Jahre alt, als sie gestorben ist!"
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    "text": "Und ich erinnere mich aber an dieses Gefühl, dass es meinem sonst zu lustigen und liberalem Vater immer wahnsinnig wichtig war, das man ganz vorsichtig und ordentlich umgeht mit der Großmutter."
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    "text": "Dass sie ihm abgeraten hat, sich zu verstecken – das hat da sicher eine große Rolle gespielt!"
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    "text": "Weil wenn er das gemacht hätte, dann wäre er ja eine Woche später halt einfach wieder nach Hause gekommen als der Krieg zu Ende war."
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    "text": "Die Familienerzählung geht dann so weiter dass mein Vater als jüngstes Kind weniger von seiner Mutter sondern vor allem von meinen Tanten und seinen großen Schwestern erzogen wurde in den kommenden Nachkriegsjahren."
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    "text": "Und noch etwas hat man sich in der Familie immer wieder erzählt – also das hat auch mein Vater immer wieder erzählt, weil es ihn so aufgewühlt und ja eben auch politisiert hat!"
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    "text": "Nämlich dass es im Ort als Oetting unmittelbar nach den Bürgermorden auch viele gab die Disektkorkenknallen ließen, Nachbarn, die die Erschießung der Männer gefeiert haben… aus ihrer eigenen braunen Haltung heraus."
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    "text": "Dieses Ungerechtigkeitsgefühl – das war für unsere Familie sehr prägend!"
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    "text": "Und vielleicht wurden ja dann auch einfach ein paar Dinge ausgeblendet, die nicht so gut zu dieser Geschichte gepasst haben?"
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    "text": "Ich schlag mich jetzt schon seit ein paar Monaten mit diesen Geistern der Vergangenheit herum die mich wirklich, wirklich wurmt und die mich auch sehr traurig macht ist – dass ich die Person, die für mich persönlich in dieser ganzen Geschichte am wichtigsten wäre, nicht mehr fragen kann."
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    "text": "Ich hatte damals in dieser traurigen, schlimmen Zeit kein besonders großes Interesse daran mit meinem Vater noch wichtige Dinge zu besprechen."
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    "text": "Weil ich einfach in einem Alter war, in dem ich raus wollte, Party machen und ein eigenes Leben führen – weg von der Krankheit und meinen sehr traurigem Eltern!"
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    "text": "Und ich hatte auch kein besonders grosses Interesse an den Geschichten seiner Vergangenheit."
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    "text": "Ich erinnere mich zum Beispiel noch an so eine Gedenkveranstaltung in Altötting, zum fünftigsten Jahrestag der Bürgermorde."
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    "text": "Ich erinnere mich nicht mehr an viel Nur an die ernsthafte und ergriffene Stimmung in dieser hölzern-müblierten Gaststube, und dass ich ein bisschen stolz war auf das was da vor großem Publikum erzählt wurde."
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    "text": "Die wohnt heute immer noch in dem Haus, in dem ich mit meinem Vater und meinen älteren Geschwistern aufgewachsen bin – in Eichenau einem kleinen Ort im Speckgürtel westlich von München."
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    "text": "Ich besuche meine Mama für diesen Podcast an einem sonnigen September-Tag in diesem Jahr gemeinsam mit meiner Kollegin Vera Schröder und ich habe meine Mama vorab genötigt, Zwetschendatsche für uns zu backen."
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    "text": "Mit Rand oder mit Tone?"
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    "text": "Ich bin aber natürlich nicht nur mit meiner Sehnsucht nach Zwetschgendachi bei meiner Mama angerückt an diesem Tag."
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    "text": "Und der Eifer sucht auf meinem Bruder!"
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    "text": "sondern mit einer Frage, die mich wirklich beschäftigt und noch einmal mehr beschäftigt seit ich ein paar Monate vorher in der SZ einen ersten Text zu der neu entdeckten NSDAP-Mitgliedschaft meines Großvaters veröffentlicht habe."
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    "text": "Nämlich die Frage danach ob mein Vater eigentlich wusste dass sein Vater nicht nur an diesem verhängnisvollen Tag im April fünfundvierzig im Widerstand war, sondern viele Jahre davor auch schon."
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    "text": "Deswegen würde ich mich als wahnsinnig interessieren, aber das wirklich gewusst hat mit der Parteizugehörigkeit und einfach gedacht hat es war ja im Leben dort offenbar kein Thema diese Parteizegehörigkeiten Der war halt einfach wie viele andere"
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    "text": "Meine Mutter jedenfalls, das merke ich in dem Gespräch, versucht sich das nun auch irgendwie zu erklären – diese unsere Wissenslücken!"
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    "text": "Der war ja ein lediges Kind von einem neunzehnjährigen Markt aus dem westlichen Landkreis und ist dann mit als junger Mann adaptiert worden."
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    "text": "Da war der Ding von dieser Familie riel"
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    "text": "dass er halt einfach dazugehören wollte, irgendwo wie er dahin kam als junger Mann."
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    "text": "Der war ja dort nicht in der Schule und nix hatte, keine Freund."
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    "text": "Und dann hat er so eine Anschluss, seine Klicke gefunden wo er dabei war."
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    "text": "Das ist für mich schon schlüssig dieses... Aber es war ja wohl im Leben der Familie kein Thema das er irgendwo jemals gewesen wäre."
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    "end": 1467.61,
    "text": "Ich weiß nicht ob ein Feuerwehrkommandant automatisch irgendwie mal bei irgendwelchen Parteiveranstaltungen da sein musste um Brandschutz oder sonst irgendwas."
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    "text": "du denn also was ich mir inzwischen schon mich schon frage ist es möglich so das eine Familie nie ein Thema war?"
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    "text": "Oder war's dann halt einfach nach nachtvierzig nie wieder ein Thema über das man einfach nicht mehr gesprochen hat weils dann halt auch nicht mehr nicht mehr opera tun?"
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    "end": 1494.77,
    "text": "also er war ja eben erst erst der dreiunddreißig in die sa und dann vierund dreißig noch mal einen anderen s.a Stamm fallen verliehen worden."
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    "text": "aber das muss ja alles vor der Ehe schließend auch noch gewesen sein."
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    "text": "hat man auf der Papa ist Jahrgang vierzigte Hildegard ist Jahrgang Dreißig."
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    "end": 1538.83,
    "text": "Nicht nur weil man die NSDAP-Mitgliedschaft der eigenen Familie ja nicht erst recherchieren kann seit es diese easy zugänglichen freien Datenbanken im Internet gibt!"
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    "text": "Man kann das alles inklusive den Entnazifizierungsakten ja schon seit vielen Jahren beim Bundesarchiv oder in den Landesarchiven einsehen."
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    "end": 1559.29,
    "text": "Und mein Vater als Journalist, der sich immer wieder mit der Nazizeit um diesem Tag im April forty-fünfzig und seinem Vater beschäftigt hat – er kannte diese Möglichkeiten natürlich!"
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    "end": 1568.909,
    "text": "Dazu kommt ein Buch über die Bürgermorde in Altöttingen, dass im Jahr nineteenhundertsieben Uhr neunzig erschienen ist also sechs Jahre vor seinem Tod."
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    "end": 1580.55,
    "text": "Der Autor Ulrich Völklein hat meinen Vater für dieses Buch damals sogar interviewt, aber in unserem Haushalt ist nie ein Exemplar dieses Büchleins aufgetaucht."
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    "end": 1589.37,
    "text": "Ich musste das weil es vergriffen war – für meine Recherchen von einem älteren Kollegen Leyen der meinen Vater übrigens auch noch kannte."
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    "text": "und ich selbst habe mir dieses Buch peinlicherweise in all den Jahren auch nie angeschaut, hätte ich mal sollen!"
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    "text": "Weil da steht gar nicht mal so unauffällig, schon auf Seite thirty-six – das fast alle Teilnehmer der versuchten Freiheitsaktion Bayern in Altötting auch NSDAP-Mitglieder waren."
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    "text": "Unter anderem eben auch der Führer des ersten Feuerwehrzugs und Lagerhausverwalter Hans Riel, Eintritt in die USA am zehnten siebten dreiunddreißig und in die NSDap am ersten fünften siebenund dreißig."
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    "text": "Ich frage also meine Mama beim Zwetschendarchi noch einmal."
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    "text": "Kranz mir nicht vorstellen, weil wir ja viel geredet haben und auch über alles."
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    "text": "Es wäre mir ein Wunder, wenn er das erfahren hätte und nicht darüber geredeht hätte."
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    "text": "zwei Herren zwischen geschrieben waren, wer hätte es ihnen bezählt?"
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    "text": "Und zwar in den Achtzig gewesen."
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    "text": "Meine Mutter spricht da eine schwere Berufskrise meines Vaters an."
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    "text": "Der ist neunzehntneunundachtzig als Chefredakteur zum Stern nach Hamburg gegangen und war da sehr unglücklich, nach einem Jahr ist er wieder zurück zur"
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    "text": "SZ.\"."
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    "text": "Meine Mutter knabbert auch ganz schön an der Frage herum, wie das eigentlich sein konnte dass wir die Geschichte unserer Familie während der Nazi-Herrschaft am Ende auf einem einzigen Tag und seine zugegeben sehr schrecklichen Ereignisse für uns aufgebaut haben."
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    "text": "Und das wir aber irgendwie nie darauf kamen, mal genauer nachzufragen was eigentlich in den zwölf Jahren davor los war."
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    "text": "Irgendwie hat diese Geschichte von der gebeutelten Großmutter in den Nachkriegsjahren auch alles überschattet – Die hatte eben auch auf meinen Vater, als er schon sehr lange ein erwachsener Mann war und wie gesagt eben auch einen sehr erfolgreicher Journalist noch ziemlich viel Einfluss."
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    "text": "Vielleicht ist das denke ich mir in diesem Moment auch die logische Spur zu einer Antwort – auf meine Frage!"
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    "text": "Es ging mir auf der Ebene."
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    "end": 1796.389,
    "text": "Natürlich haben sie sich geliebt wie Kinder ihre Mutter lieben aber irgendwie besondere Bindung habe ich eigentlich nicht empfunden"
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    "text": "bei ihm"
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    "end": 1798.129,
    "text": "beim Hans genauso."
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    "text": "Der kann sie sich auch sobald er konnte, nach München zum Studieren."
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    "text": "Und da hab ich's ja genau so."
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    "text": "Also Sie sind dann schon auch geflohen als der Enge und waren froh, dass sie nur noch hin- und wieder nach Altöting fahren mussten in die Mama"
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    "text": "besuchen.\"."
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    "text": "Mit zwei Stück Zwetschkendachi im Bauch machen wir uns wieder auf den Weg Richtung München."
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    "text": "Ich frage mich – Kann das sein?"
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    "end": 1829.49,
    "text": "Dass mein Vater für die Omi die Klappe gehalten hat und die NSDAP-Mitgliedschaft seines Vaters nie offen gelegt hat um die Märtyrer Geschichte nicht kaputt zu machen?"
  },
  {
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    "end": 1845.469,
    "text": "Oder hat dieser Fakt, den wir spätestens heute seit den Datenbanken so wichtig nehmen – eine Mitgliedschaft in der NSDAP also aus irgendwelchen Gründen für die Generationen vor uns gar nicht zu einer wichtige Rolle gespielt."
  },
  {
    "start": 1846.55,
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    "text": "Kann es sein, dass mein Vater das vielleicht gar nicht erwähnenswert fand?"
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    "text": "Wie verändert sich eigentlich der Blick der Generationen auf diesen dunklen Abschnitt der deutschen Geschichte?"
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    "text": "Und wer bin ich, dass ich da jetzt heute irgendwas beurteilen will?"
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    "text": "Die Frage ist doch geht das überhaupt."
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    "end": 1874.09,
    "text": "Das gestörte Verhältnis der Deutschen mit der Vergangenheit auch nach dem Krieg – an irgendeinem Punkt in dieser Geschichte wirklich verstehen?"
  },
  {
    "start": 1882.11,
    "end": 1896.49,
    "text": "Ich glaube es muss man immer wieder betonen, dass die Mütter mit ledigen Kindern ausgegrenzt waren und vielleicht ist es zum Beispiel auch für ihn ein Widerspruch gewesen, weil die Kirche sollte ja Karitas, sollte ja Liebe eigentlich zeigen."
  },
  {
    "start": 1897.55,
    "end": 1900.07,
    "text": "In der nächsten Folge versuche ich es trotzdem!"
  },
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    "text": "Die Widerstandsgeschichte meines Opa's aber vor allem auch die Geschichte davor besser zu verstehen... Was war mein Opa für einen Mensch im Krieg?"
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    "start": 1910.389,
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    "text": "Was hat ihn angetrieben bewegt beschäftigt?"
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    "start": 1912.729,
    "end": 1922.929,
    "text": "was hat er getan und was für einen Menschen haben wir eigentlich dann im Nachhinein Also nach seinem Tod, in unserer Erinnerung aus ihm gemacht?"
  },
  {
    "start": 1928.969,
    "end": 1939.33,
    "text": "Die zweite und dritte Folge könnt ihr jetzt direkt hören mit einem SZ Plus-Abo auf Spotify, Apple Podcasts oder unter sze-altötting.de."
  },
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    "start": 1939.709,
    "end": 1942.629,
    "text": "Ich habe euch auch alles in der Beschreibung verlinkt."
  },
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    "start": 1943.689,
    "end": 1947.35,
    "text": "Ansonsten hören wir uns hier im Kanal nächste Woche mit der zweiten Folge!"
  },
  {
    "start": 1951.77,
    "end": 1954.389,
    "text": "habe ich zusammen mit Vera Schröder recherchiert und geschrieben."
  },
  {
    "start": 1955.37,
    "end": 1959.25,
    "text": "Produktion und Sounddesign Jonathan Brandes, Redaktion."
  },
  {
    "start": 1959.55,
    "end": 1964.229,
    "text": "Patrick Bauer zitiert das Audiumaterial bei Rischer Rundfunk."
  }
]