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    "start": 1.0,
    "speaker": "Susanne Höb",
    "text": "Ihr wolltet von uns wissen: Wie lege ich mein Geld an, wenn ich schon älter bin? Was du tun solltest, wenn du erst später mit deiner Geldanlage anfängst oder deine Strategie anpassen möchtest, klären wir heute Schritt für Schritt. Ich bin Susanne und herzlich Willkommen zu einer neuen Folge justETF Wissen!\n1. Die richtige Asset Allokation\nFangen wir mit der Asset Allokation an. Wenn du schon älter bist, willst du vermutlich nicht mehr so viel Risiko eingehen. Oder, wie es Gerd Kommer mal formuliert hat:\n“Angenommen, man ist jetzt 80 – da kann man ohne weiteres noch 10 Jahre leben –, muss man dann noch quasi im 5. oder 6. Gang auf der Autobahn unterwegs sein (bildhaft gesprochen)? Also, mit einer 90:10 Asset Allokation.”\nNatürlich hängt es auch von deiner persönlichen Situation ab, über welche Assets du verfügst, ob du zur Miete oder im Eigenheim wohnst und so weiter. Wenn du aber im Alter von deinem Vermögen leben willst, verträgst du wahrscheinlich nicht mehr so viele Schwankungen. Deshalb sollte der risikoarme Anteil größer sein. Heißt: mehr kurzlaufende Anleihen von hoher Bonität oder auch Tagesgeld-ETFs, weniger volatile Assets wie Aktien oder Krypto.\nWas keine gute Idee ist: Zu einem Stichtag alles oder einen Großteil umzuschichten, denn beim Verkauf fallen vermutlich Steuern und Gebühren an. Außerdem bleiben risikoreiche Assets noch eine lange Zeit relevant, zum Beispiel um die Inflation auszugleichen. Mit 50 beispielsweise hast du wahrscheinlich noch 30 Jahre vor dir – das ist eine lange Zeit, in der deine Investments für dich arbeiten können. Deshalb gilt auch: Selbst wenn du erst jetzt anfängst, ist noch nichts verloren. Du hast sogar einen Vorteil: Du verdienst wahrscheinlich ein gutes Gehalt und kannst mehr zurücklegen als zum Beispiel mit Anfang 20. Also: Kein Grund, zu verzweifeln! Es lohnt sich immer, sich um seine Finanzen zu kümmern.\nZurück zur Asset Allocation: Am besten passt du die mit steigendem Alter nach und nach an. Dazu gibt es eine Faustregel: 100 oder 110 minus Lebensalter ergibt deine Aktienquote. Der Rest geht in die risikoärmeren Anlagen. Das ist aber, wie gesagt, nur eine grobe Faustregel, die dir eine Orientierung geben kann, keine Vorschrift, an die du dich sklavisch halten musst. Darüber hinaus kannst du ab diesem Zeitpunkt auch darüber nachdenken, den Schwerpunkt deiner ETFs anzupassen. Möglicherweise kommen jetzt mehr Quality-ETFs oder Dividendenaristokraten infrage, oder solche die auf Low-Volatility-Strategien setzen. Zu all diesen Themen haben wir übrigens auch Investment Guides, die dir helfen, den passenden ETF zu finden! Oder du hast bisher einige Themen-ETFs, die stärker schwanken, zum Beispiel Tech-ETFs. Es kann sinnvoll sein, deren Anteil nach und nach zu reduzieren.\nEine andere, häufige Frage ist: Sollte ich mit 50 oder 60 besser in ausschüttende ETFs investieren? Das klingt erstmal praktisch: So bekommst du regelmäßig Geld aufs Konto, ohne Anteile verkaufen zu müssen. Tatsächlich ist es aber oft zu kurz gedacht: Der Dividenden-Fluss ist ja nicht planbar, sondern schwankt. Das ist besonders problematisch, wenn du daraus deinen Lebensunterhalt bestreiten willst: Im einen Monat sind die Ausschüttungen zu gering und du musst trotzdem Anteile verkaufen, im anderen Monat sind sie zu hoch und es wäre sinnvoll, das Geld erneut zu investieren. Letztlich ist die Entscheidung, ob es ausschüttende oder thesaurierende ETFs sein sollen, also auch im Alter Geschmacksache. Was du aber nicht tun solltest: Von einem Tag auf den anderen zu wechseln, also deine thesaurierenden ETFs alle auf einmal zu verkaufen, um das Geld in ausschüttende ETFs zu investieren. Wie eben schon erwähnt, könntest du dabei Verluste realisieren oder du musst Steuern auf Gewinne zahlen und außerdem fallen Gebühren fürs Handeln an. Je länger du das Geld liegen lassen kannst, umso besser.\nBrauchst du dein gesamtes Vermögen selbst oder kannst und möchtest du einen Teil vererben? Dann kann der risikoreiche Anteil möglicherweise auch etwas größer sein. Beim Thema Vererben gibt’s aber einige steuerliche und rechtliche Aspekte zu beachten, um die kümmern wir uns später.\n2. Der richtige Broker\nJetzt geht’s erstmal um den Broker. Ein Punkt, der jetzt wichtiger wird, sind die Gebühren beim Verkauf. Die können dich schnell teuer zu stehen kommen, vor allem wenn du regelmäßig kleine Beträge verkaufst. Dabei solltest du auch darauf achten, ob die Konditionen deines Brokers nur für Käufe oder auch für Verkäufe gelten. Prüfe auch die Gebührenstruktur: Wenn dein Broker fixe Ordergebühren hat, ist es günstiger, größere Tranchen zu verkaufen statt viele kleine. Bedenke auch, dass es dir irgendwann vielleicht nicht mehr so leicht fällt, Verkäufe zu tätigen. Was aber, wenn du von dem Geld deine Rechnungen bezahlen willst? Eine Lösung dafür könnte ein sogenannter Entnahmeplan sein. Dazu ein kleiner Exkurs:\nIm Prinzip ist ein Entnahmeplan sowas wie ein Sparplan nur umgekehrt, die Verkäufe finden also regelmäßig automatisiert statt. Bevor du startest, solltest du dir zwei Fragen stellen: Erstens: Wie viel möchtest du entnehmen? Einerseits soll das Geld lange reichen, andererseits willst du genug Einkommen, um deinen Lebensstandard zu sichern. Um einzuschätzen, wie viel du entnehmen kannst, bietet die sogenannte Vier-Prozent-Regel eine erste Orientierung: Sie wurde von Wissenschaftlern der Trinity University in Texas aufgestellt und besagt folgendes: Ziehst du jährlich vier Prozent deines Startkapitals ab, reicht dein Geld mit einer hohen Wahrscheinlichkeit für mindestens 30 Jahre. Portfolios mit einer höheren Aktienquote schnitten dabei besser ab als Portfolios, die zum Großteil aus Anleihen bestanden. Diese Regel basiert auf historischen Kapitalmarktrenditen über einen Zeitraum von 70 Jahren. Hier eine Beispielrechnung, um es anschaulicher zu machen: Angenommen, du hast 300.000 Euro angespart und willst über 30 Jahre Geld entnehmen, dann könntest du dir gemäß der Vier-Prozent-Regel circa 1.500 Euro pro Monat auszahlen. Sie ist aber nicht unumstritten. Dr. Gerd Kommer hat im Interview beispielsweise kritisiert, dass Steuern und Transaktionskosten dabei außen vor bleiben. Dementsprechend würde das Geld aus unserer Beispielrechnung wahrscheinlich keine 30 Jahre reichen. Deshalb: Diese Regel bietet dir nur einen Richtwert – willst du auf Nummer sicher gehen, entnimmst du besser weniger als vier Prozent.\nKommen wir zur zweiten Frage: Wie möchtest du die Entnahme gestalten? Du kannst dir entweder einen festen Betrag monatlich oder in größeren Abständen auszahlen lassen. Das gibt dir Planungssicherheit, aber in schwachen Börsenphasen musst du mehr Anteile verkaufen, was die Substanz deines Vermögens belasten kann. Oder du verkaufst immer eine feste Anzahl von Anteilen. Der ausgezahlte Betrag variiert dann je nach Kursentwicklung – in guten Zeiten bekommst du mehr, in schlechten weniger. Allerdings: Nicht alle Broker bieten automatische Entnahmepläne an, möglicherweise ist also ein Wechsel nötig. Dabei solltest du aber aufpassen: Häufig sind Verkäufe über Entnahmepläne teurer, als wenn du selbst verkaufen würdest, weil die Broker dafür höhere Gebühren verlangen. Deshalb solltest du die Kosten und die Gebührenstruktur genau prüfen. Welche Broker Entnahmepläne ermöglichen und wie viel du generell für Verkäufe bezahlen musst, verrät dir die Tabelle in unserem Artikel zum Thema Entnahmepläne, den Link findest du in der Beschreibung.\n3. Steuern\nJetzt kommen wir zu den Steuern. Klar, bei jedem Verkauf, bei dem du Gewinne erzielst, fällt Kapitalertragsteuer und Soli an, gegebenenfalls auch Kirchensteuer. Das sind ungefähr 26 bis 28 Prozent. Diese Steuer musst du – neben den Transaktionskosten – bei der Berechnung deines benötigten Betrags mit einplanen. Wobei du natürlich den Sparerpauschbetrag ausnutzen kannst (und solltest) – auch wenn der mit aktuell 1.000 Euro pro Jahr vermutlich nicht ausreicht. Die gute Nachricht: Bei reinen Aktien-ETFs zahlst du meistens weniger Steuern, weil für sie die sogenannte Teilfreistellung gilt: Liegt die Aktienquote eines Fonds bei mindestens 51 Prozent, sind nämlich 30 Prozent der Gewinne steuerfrei. Liegt sie zwischen 50 und 25 Prozent, sind es immerhin noch 15 Prozent. Von deinen Gewinnen aus dem MSCI World musst du also in der Regel nur 70 Prozent versteuern, weil das ein Aktien-ETF ist. Bei Swap-ETFs kann die Akienquote aber geringer sein, als du vielleicht denkst. Daher ist es immer sinnvoll, den Steuerstatus deines ETFs zu prüfen. Den findest du ganz einfach im jeweiligen ETF-Profil auf unserer Webseite. Ein weiterer wichtiger Punkt, den du bei der Entnahme bedenken solltest, ist das Fifo-Prinzip. Was das bedeutet und was das Problem daran ist, habe ich in unserem Steuer Deep Dive erklärt:\n“In Deutschland gilt das Prinzip “First in, first out”, kurz: FIFO. Das kennst du vielleicht aus der Logistik: Die Sachen, die am längsten im Lager liegen, werden als erstes verkauft. Bei deinen ETF-Anteilen ist es genauso: Bei einem Verkauf gehen als erstes die Anteile “über die Ladentheke”, die du als erstes gekauft hast. Die ältesten also. Das sind natürlich auch die, die über die Zeit am meisten an Wert gewinnen konnten – hoffentlich jedenfalls. Das bedeutet aber auch: Es fallen mehr Steuern an, als wenn du jüngere Anteile mit weniger Wertgewinn verkauft hättest.\nEin Beispiel: Du hast vor zehn Jahren 300 ETF-Anteile gekauft und dafür insgesamt 3.000 Euro bezahlt. Fünf Jahre später hast du 300 weitere Anteile vom selben ETF gekauft und diesmal 3.600 Euro dafür bezahlt. Heute verkaufst du 300 Anteile wieder – und bekommst dafür 4500 Euro. Mit den älteren Anteilen hast du also einen Gewinn von 1500 Euro erzielt. Könntest du die jüngeren Anteile zuerst verkaufen, wären es nur 900 Euro Gewinn.\nDas FIFO-Prinzip kannst du aber mithilfe bestimmter Tricks umgehen, zum Beispiel Das geht allerdings nur mit einem Trick: nämlich mit einem Depotübertrag. Du verschiebst also die älteren Anteile in ein anderes Depot. Im ersten Depot bleiben die jüngeren Anteile zurück - die du dann verkaufen kannst. Achtung: So ein Depotübertrag kann eine Weile dauern! Wenn du bereits mehrere Depots hast, geht das Ganze auch ohne Depotübertrag. Dann gehst du so vor: Zuerst kaufst du den ETF bei Broker A, später dann bei Broker B. Wenn du dann verkaufen willst, sind erst die jüngeren ETF-Anteile bei Broker B dran. Alternativ kannst du bei ETFs auch nach einigen Jahren schauen, ob es einen vergleichbaren ETF gibt, und dann anfangen, diesen zu besparen. Später verkaufst du dann zuerst Anteile des ETF, den du zuletzt bespart hast.”\nDen Deep Dive kann ich dir übrigens ans Herz legen, wenn du noch mehr über Steuern wissen willst, da erklären wir alles wichtige Step by Step.\n4. Vererben und Verschenken\nIch habe anfangs ja auch erwähnt, dass du frühzeitig überlegen solltest, ob du Teile deines Vermögens vererben oder verschenken möchtest. Gerade bei großen Beträgen ist es sinnvoll, gut zu planen und frühzeitig zu handeln, um Steuern zu minimieren. Auch bei der Erbschaftssteuer gibt es Freibeträge, deren Höhe abhängig davon ist, wie nahe du und die Erben miteinander verwandt seid. Für Ehepartner sind es 500.000 Euro, für jedes Kind 400.000 Euro – das gilt übrigens auch für Stiefkinder! Besteht gar keine Verwandtschaft und ihr seid nicht verheiratet, sind es nur 20.000 Euro – also Achtung, wenn du dein Vermögen deiner Lebenspartnerin vermachen möchtest! Das könnte für sie sehr teuer werden. Wenn es mehrere Erben gibt, die alle nah mit dir verwandt sind, ist die Wahrscheinlichkeit hingegen groß, dass sie gar keine Steuern zahlen müssen. Für Schenkungen gelten übrigens die gleichen Freibeträge und zwar immer für den Zeitraum von zehn Jahren. Du könntest deinen Kindern also alle zehn Jahre steuerfrei 400.000 Euro schenken.\nAlles, was über den Freibeträgen liegt, muss versteuert werden. Der Steuersatz liegt irgendwo zwischen sieben und 50 Prozent. Wie hoch er genau ist, hängt einerseits vom Wert des Erbes ab, andererseits von der Steuerklasse der Erben. Achtung: Die hat nichts mit der Einkommenssteuerklasse zu tun, sondern auch wieder mit dem Verwandtschaftsgrad: Enge Verwandte wie zum Beispiel Kinder, Ehepartner und Enkel kommen in Steuerklasse 1. Besteht gar keine Verwandtschaft, landen die Erben in Steuerklasse 3. Alle anderen, also Geschwister, Neffen oder Schwiegereltern zum Beispiel, haben Steuerklasse 2. Ich habe dazu zwei Beispiele aus unserem Video zum Thema Depot erben. Kleiner Hinweis: Es ist aus der Perspektive der erbenden Person formuliert.\n“Wenn du von deinem Vater ein Vermögen in Höhe von 475.000 Euro geerbt hast, sind 400.000 Euro vom Freibetrag gedeckt, die restlichen 75.000 Euro musst du mit 7 Prozent versteuern – du zahlst also 5.250 Euro. Du hattest ein sehr gutes Verhältnis zu deiner reichen Nachbarin und sie vermacht dir ihr gesamtes Vermögen in Höhe von 6,5 Millionen Euro? Dann habe ich schlechte Nachrichten: Der Freibetrag von 20.000 Euro fällt kaum ins Gewicht, den Rest musst du mit 50 Prozent versteuern. Es bleiben also “nur” noch etwas mehr als drei Millionen Euro übrig.”\nBei einem Depot kann’s ja immer mal hoch und runter gehen – wie wird da eigentlich der Wert des Erbes bestimmt? Es gilt das Stichtagsprinzip – also der Wert am Todestag. Gerade bei sehr volatilen Assets wie Bitcoin kann das ziemliche Auswirkungen haben. Im schlimmsten Fall zahlen die Erben mehr Erbschaftssteuer, als das Depot am Ende wert ist. Auch das solltest du also bedenken, wenn du dein Depot vererben willst: Möglicherweise ist es sinnvoller, sehr volatile Assets vorzeitig aus dem Depot zu entfernen. Und noch ein Tipp: Es kann sehr hilfreich sein, wenn du deinen Erben oder den Beschenkten mitteilst, was deine Anlagestrategie war. So können sie besser beurteilen, welche Ziele du verfolgt hast und ob diese Strategie auch zu ihnen und ihrer Lebenssituation passt. Schau dir ruhig das ganze Video zum Thema Depot erben an, wenn du mehr wissen möchtest! Ich freu’ mich über ein Like und ein Abo und ansonsten wünsche ich dir viel Erfolg beim Anlegen und bis zum nächsten Mal.\nWenn dir der Podcast gefallen hat, lass’ uns doch ein Abo da - und wir freuen uns natürlich auch über eine gute Bewertung auf Spotify, Apple Podcast oder in der Podcast-App deiner Wahl. Vielen Dank an Kia für die Redaktion und Johannes für die Post. Du hörst justETF, den Podcast, mit mir, Susanne - dir viel Erfolg beim Anlegen und bis zum nächsten Mal!",
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