[
  {
    "start": 1.0,
    "speaker": "Susanne Höb",
    "text": "Ich habe heute eine harte Wahrheit für dich: Das größte Risiko beim Investieren bist du selbst. Tatsächlich scheitern die meisten nicht daran, dass sie nicht verstanden haben, was die Idee hinter “Diversifikation” ist. Sondern daran, ihre rational getroffene Entscheidung für eine Anlagestrategie umzusetzen und dabei zu bleiben. Das Ergebnis: miserable Renditen oder sogar Verluste.\nAber keine Sorge: Wir schauen uns heute die zehn typischen Anlagefehler an – und wie du sie vermeidest. Damit du umso besser ins neue Investment-Jahr startest! Ich bin Susanne und herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von justETF-Wissen!\nDer Recency Bias\nFangen wir an mit dem Recency Bias oder Rückschaufehler. Der beschreibt den Effekt, dass man der Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit viel mehr Aufmerksamkeit widmet und sie in die Zukunft fortschreibt. Wie es langfristig war, blenden wir aus. Anders gesagt: Was zuletzt passiert, bleibt im Kopf. Ein gutes Beispiel dafür: Tech-Aktien. Die sind in den letzten Jahren sehr gut gelaufen – doch zu glauben, dass sie allgemein mehr Rendite liefern als andere Branchen, ist falsch. Was du schnell sehen kannst, wenn du ein bisschen weiter zurückschaust und die ETFs mit der Entwicklung des MSCI World insgesamt vergleichst.\nConfirmation Bias\nJeder von uns möchte Recht haben. Der Confirmation Bias beschreibt genau das: Wir neigen dazu, nach Informationen zu suchen, die unsere Entscheidung als gut oder richtig bestätigen. Gegenargumente blenden wir lieber aus.  \nHindsight Bias\n“Das hätte man doch vorher wissen müssen!” Hast du das auch schon mal gedacht? Wahrscheinlich stimmt es nicht und du unterliegst dem sogenannten Rückschaufehler. Im Nachhinein scheint vieles vorhersehbar, doch das ist meistens falsch. Diese Selbstüberschätzung führt dazu, dass wir den Markt falsch einschätzen.\nOverconfidence Bias\nA propos Selbstüberschätzung: Sich für schlauer als den Markt zu halten, ist ebenfalls eine gefährliche Falle. Niemand, auch nicht die Profis, können dauerhaft den Markt schlagen. Das zeigt ein Blick auf die SPIVA Scorecard: Nach zehn Jahren liegen 90 Prozent der aktiven US-Fonds unter dem Vergleichsindex. Heißt: Sie schaffen es nicht mal, die durchschnittliche Rendite des Marktes insgesamt mitzunehmen. Geschweige denn, besser zu sein.\nAnchoring\nKennst du das? Du hast eine Aktie für 150 Euro gekauft. Kurz darauf stürzt der Kurs ab und sie kostet nur noch 75 Euro. Doch du bist dir sicher: “Die kommt wieder, die halte ich, bis sie wieder bei 150 Euro steht.” Nur leider ist dem Markt egal, zu welchem Kurs du die Aktie mal gekauft hast. An der Börse geht’s nur um das, was vor uns liegt, die Vergangenheit gibt dir kein Versprechen für die Zukunft. Wenn du trotzdem daran festhältst, unterliegst du möglicherweise dem Ankereffekt.\nLoss Aversion \nKlar, niemand will Verluste machen. Deshalb will man sich oft nicht eingestehen, dass man einen Fehler gemacht hat, und hält an einer Verlust-Position länger fest, als sinnvoll wäre. Kein Wunder also, dass dieser Anlagefehler oft zusammen mit dem Ankereffekt auftritt. Wissenschaftler haben außerdem herausgefunden, dass Verluste doppelt so weh tun, wie man sich über Gewinne freut. Wenn du also 1.000 Euro Verlust machst, müsstest du 2.000 Euro Gewinn machen, damit der Schmerz über den Verlust ausgeglichen ist.\nIllusion of Control\nWer meint, die Märkte kontrollieren zu können, unterliegt der Kontroll-Illusion. Es ist so, wie es Autor und Investment-Experte Nassim Taleb sagt: “Ganz gleich, wie ausgeklügelt unsere Entscheidungen sind, wie gut wir die Chancen beherrschen: Das letzte Wort hat der Zufall.”\nEndowment Effect\nDer Besitztums-Effekt beschreibt, dass wir das, was wir bereits besitzen, als wertvoller erachten als etwas, das wir nicht besitzen. Das führt zu irrationalen Entscheidungen wie dieser: Angenommen, du hast eine Aktie für 50 Euro gekauft. Nun hat sich ihr Kurs verdoppelt. Du willst sie nicht nachkaufen, weil sie dir zu teuer erscheint – verkaufen willst du sie aber auch noch nicht, sondern erst, wenn sie noch mehr gestiegen ist. Das ist unlogisch. Denn entweder du bist der Meinung, die Aktie ist weiterhin unterbewertet – dann solltest du (wenn möglich) nachkaufen. Oder du hältst sie für überbewertet – dann solltest du eher verkaufen.\nHerding\nGanz typischer Effekt an der Börse: Der Herdentrieb verleitet uns dazu, die Assets zu kaufen, die gerade alle kaufen. So viele Menschen können doch nicht falsch liegen, oder? Oh doch! Leider führt dieser Effekt zu Blasen und letztlich zu großen Kursstürzen.\nFear and Greed\nGemeinsam mit dem Herdentrieb tauchen auch diese beiden Triebfedern auf: Gier treibt uns dazu, in überhitzte Märkte zu investieren, weil wir auch etwas von den phantastischen Renditen abhaben wollen. Und Angst führt zu Panikverkäufen, wenn die Kurse nach unten gehen. Bei FOMO, also der Fear of missing out, treten Gier und Angst auch zusammen auf, wenn wir Angst haben etwas zu verpassen.\nDas Gute ist: Du kannst etwas tun, um diese Fehler zu vermeiden. Hier sind drei Schritte, die dir dabei helfen:\nBewusstsein schaffen\nSelbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Wenn du bei der Aufzählung eben gedacht hast: “Mist, das ist mir auch schon passiert”, dann ist das gut! Mach dir bewusst, dass niemand gegen diese Effekte immun ist. Lies Bücher zur Verhaltensökonomie und zu typischen Anlagefehlern, zum Beispiel von Professor Hartmut Walz oder Morgan Housel.\nStrukturen schaffen\nAutomatisiere deinen Vermögensaufbau. So vermeidest du, dass du dich selbst in Situationen bringst, in denen du den genannten Effekten zum Opfer fallen könntest. Das heißt: Hör auf, ständig Börsennachrichten zu lesen. Ignorier’ die “heißen Tipps” deiner Kollegin oder deinem Nachbarn. Und vor allem: Halte dich fern von “Finanzpornografie”, wie Dr. Gerd Kommer die reißerischen News nennt. Je weniger du damit in Berührung kommst, umso weniger gelangst du in Versuchung und umso besser für dein Vermögen.\nDiszipliniert bleiben\nJetzt gilt es “nur noch” am Ball zu bleiben und deinen Plan zu verfolgen. Zugegeben: Das klingt einfacher, als es ist. Aber wenn du von der Kraft des Zinseszins profitieren möchtest, führt kein Weg daran vorbei. Wir sind uns sicher: Buy and Hold in Verbindung mit einem breit diversifizierten ETF-Portfolio ist die überlegene Anlagestrategie für die meisten von uns. \nUnd dann habe ich noch einen Bonus-Tipp für dich: Wenn du es kaum aushältst und unbedingt etwas 'Riskantes' machen willst, ist das vollkommen in Ordnung. Lege einen kleinen Betrag in Einzelaktien, Themen-ETFs oder Krypto an. Das geht super mit der Core-Satellite-Strategie, die haben wir übrigens in diesem Video erklärt.\nDie haben wir in Podcast-Folge Nummer 130 erklärt.\nWichtig ist, dass der Kern deines Portfolios aus breit diversifizierten ETFs besteht. Ich hoffe, diese Tipps helfen dir dabei, eine Strategie zu entwickeln, um die typischen Anlagefehler und psychologischen Fallstricke zu vermeiden. Ich freu mich über ein Like und ein Abo und ansonsten wünsche ich dir viel Erfolg beim Anlegen und bis zum nächsten Mal!\nWenn dir der Podcast gefallen hat, lass’ uns doch ein Abo da - und wir freuen uns natürlich auch über eine gute Bewertung auf Spotify, Apple Podcast oder in der Podcast-App deiner Wahl. Vielen Dank an Kia für die Redaktion und Johannes für die Post. Du hörst justETF, den Podcast, mit mir, Susanne - dir viel Erfolg beim Anlegen und bis zum nächsten Mal!",
    "end": 2.0
  }
]