[
  {
    "start": 0.0,
    "end": 7.71,
    "text": "Wildnis schafft Wissen - 50 Jahre \nForschung im Nationalpark Bayerischer Wald.  "
  },
  {
    "start": 23.2,
    "end": 32.11,
    "text": "Unser Woid, ja des kann man schon behaupten. Der \nWaidler ist im Allgemeinen schon sehr stolz auf  "
  },
  {
    "start": 32.11,
    "end": 39.52,
    "text": "seinen Woid. Natürlich auf den Wirtschaftswald. \nDen Wald als wichtiges Naherholungsziel durch  "
  },
  {
    "start": 39.52,
    "end": 45.49,
    "text": "den wir alle gerne spazieren gehen oder auf den \nNationalpark Bayerischer Wald als Naturjuwel  "
  },
  {
    "start": 45.49,
    "end": 51.94,
    "text": "und Oase für Tausende Tier- und Pflanzenarten. \nAber wie ist der Wald den wir kennen eigentlich  "
  },
  {
    "start": 51.94,
    "end": 58.48,
    "text": "entstanden und wie wird er in Zukunft ausschauen \nund vor welche Herausforderungen stellt uns noch  "
  },
  {
    "start": 58.48,
    "end": 65.56,
    "text": "der Klimawandel? Das alles sind Fragen die sich \nProf. Dr. Rupert Seidl von der TU München stellt.  "
  },
  {
    "start": 65.56,
    "end": 71.11,
    "text": "Sein Spezialgebiet ist die Walddynamik. Bei \nder Walddynamik geht`s um die zeitliche und  "
  },
  {
    "start": 71.11,
    "end": 75.43,
    "text": "räumliche Veränderung im Wald. Wald ist ja \neigentlich was, was für die meisten Menschen  "
  },
  {
    "start": 75.43,
    "end": 79.06,
    "text": "so statisch wahrgenommen wird. Ja man kann \njedes Jahr auf denselben Fleck hinfahren,  "
  },
  {
    "start": 79.06,
    "end": 83.59,
    "text": "da verändert sich kaum was. Es ist aber eigentlich \ntrügerisch, der Wald kann sich sehr, sehr schnell  "
  },
  {
    "start": 83.59,
    "end": 87.88,
    "text": "verändern und verändert sich auch laufend, \nist ein Ökosystem das ständig in Bewegung  "
  },
  {
    "start": 87.88,
    "end": 93.16,
    "text": "ist und das ist im Prinzip das Forschungsfeld \nder Walddynamik. Also wie verändert sich der  "
  },
  {
    "start": 93.16,
    "end": 97.75,
    "text": "Wald in der Zeit und was haben z. B. Faktoren \nwie der Klimawandel für Einflüsse auf das,  "
  },
  {
    "start": 97.75,
    "end": 102.49,
    "text": "wie der Wald in Zukunft dann ausschauen kann. Am \nSeelensteig bei Spiegelau kann man diese Prozesse  "
  },
  {
    "start": 102.49,
    "end": 108.97,
    "text": "wunderbar beobachten. Das Gebiet hier gehört zu \nden Windwurfflächen aus den 80iger Jahren als  "
  },
  {
    "start": 108.97,
    "end": 114.67,
    "text": "im Nationalpark beschlossen wurde umgefallene \noder vom Borkenkäfer niedergestreckte Bäume  "
  },
  {
    "start": 114.67,
    "end": 121.0,
    "text": "nicht mehr aus dem Wald zu räumen und der Natur \neinfach freien Lauf zu lassen. Was damals noch  "
  },
  {
    "start": 121.0,
    "end": 127.18,
    "text": "einer Revolution gleich kam, ist heute auch ein \nLehrbeispiel für andere Nationalparke sagt Rupert  "
  },
  {
    "start": 127.18,
    "end": 130.66,
    "text": "Seidl. Wenn man so will hat der Bayerische \nWald ja eine Vorreiterrolle gehabt. Wenn man  "
  },
  {
    "start": 130.66,
    "end": 135.82,
    "text": "heute durch Deutschland fährt sieht man den Wald \ngroßflächig vielerorts absterben. Hier das war so  "
  },
  {
    "start": 135.82,
    "end": 142.36,
    "text": "das erste Große. Auch der erste, große Aufschrei, \nweil das im großen Stil passiert ist und was wir  "
  },
  {
    "start": 142.36,
    "end": 147.43,
    "text": "aber gelernt haben in den letzten zwanzig, dreißig \nJahren ist, dass sich der Wald sehr gut natürlich  "
  },
  {
    "start": 147.43,
    "end": 153.16,
    "text": "von selbst verjüngt. Also dass es den Menschen \nnicht braucht um hier wieder einen jungen,  "
  },
  {
    "start": 153.16,
    "end": 158.41,
    "text": "einen neuen Wald, eine neue Waldgeneration \nwachsen zu lassen. Also der Wald ist sehr  "
  },
  {
    "start": 158.41,
    "end": 162.52,
    "text": "gut in der Lage auch mit so großflächigen \nZusammenbruch, so großflächigen Störungen  "
  },
  {
    "start": 162.52,
    "end": 167.08,
    "text": "wie`s wir in der Fachsprache sagen umzugehen \nund sich zu erholen. Und es heißt ja auch,  "
  },
  {
    "start": 167.08,
    "end": 173.23,
    "text": "diese Wälder, die jetzt da natürlich nachkommen \nsollen möglicherweise Klimawandel stabiler,  "
  },
  {
    "start": 173.23,
    "end": 179.17,
    "text": "möglicherweise Käfer stabiler sein. Was sind da \nso deine Erkenntnisse? Ja das ist zuerst einmal  "
  },
  {
    "start": 179.17,
    "end": 184.96,
    "text": "ganz Spannend weil das eine Überraschung war. \nDie Erwartung wäre gewesen, dem Lehrbuch nach  "
  },
  {
    "start": 184.96,
    "end": 190.21,
    "text": "müssten sich dann nach so einer großen Störung \nzuerst einmal Pionierbaumarten etablieren. Also  "
  },
  {
    "start": 190.21,
    "end": 195.01,
    "text": "Baumarten die sehr gut in der Lage sind mit \nsolchen Offenlandbedingungen umzugehen, Birke  "
  },
  {
    "start": 195.01,
    "end": 199.99,
    "text": "oder Aspe. Und das war eigentlich gar nicht so der \nFall. Ja es verjüngt sich eigentlich Größtenteils  "
  },
  {
    "start": 199.99,
    "end": 204.82,
    "text": "auf diesen großen Störflächen wieder die Fichte. \nIst ja im Klimawandel, wenn man denkt es wird  "
  },
  {
    "start": 204.82,
    "end": 209.77,
    "text": "wärmer und vielleicht auch trockener, jetzt nicht \nnotwendigerweise die am besten angepasste Baumart.  "
  },
  {
    "start": 209.77,
    "end": 214.69,
    "text": "Unsere Untersuchungen zeigen aber trotzdem, dass \nder Wald der Zukunft besser an die Bedingungen  "
  },
  {
    "start": 214.69,
    "end": 220.03,
    "text": "angepasst wird und das Stichwort ist da die \nStrukturvielfalt. D.h. der Wald wie er jetzt  "
  },
  {
    "start": 220.03,
    "end": 223.84,
    "text": "aufwächst, auch wenn er wieder zum großen Teil \nin der nächsten Generation aus Fichte besteht,  "
  },
  {
    "start": 223.84,
    "end": 228.97,
    "text": "ist strukturell vielfältiger. D. h. es sind \neinzelne kleine Lücken, dann sind einzelne  "
  },
  {
    "start": 228.97,
    "end": 234.34,
    "text": "Bäume die vorwüchsig sind. Am Ende entsteht \nkein so ein homogener Fichtenwald wies mal war,  "
  },
  {
    "start": 234.34,
    "end": 238.96,
    "text": "sondern es entsteht ein unterschiedlicher Wald \nder unterschiedlichen Strukturen untersteht und  "
  },
  {
    "start": 238.96,
    "end": 243.31,
    "text": "das puffert dann wieder gegenüber so ganz \ngroßflächigen Zusammenbruch so wie wir`s  "
  },
  {
    "start": 243.31,
    "end": 248.65,
    "text": "jetzt in der Generation zuvor hatten. Als eben \ndie Fichtenmonokulturen reihenweise Stürmen  "
  },
  {
    "start": 248.65,
    "end": 254.26,
    "text": "und dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind. \nUnd auch wenn überwiegend Fichte nachkommt,  "
  },
  {
    "start": 254.26,
    "end": 259.36,
    "text": "wird es in Zukunft auch was andere Baumarten \nangeht wieder deutlich gemischter, sagt der  "
  },
  {
    "start": 259.36,
    "end": 265.72,
    "text": "Waldökologe. Was wir sehen ist, dass sich der Wald \nin seiner Zusammensetzung auch ändert. Vielleicht  "
  },
  {
    "start": 265.72,
    "end": 272.68,
    "text": "langfristiger als wir denken würden. Das dauert \ndurchaus 100 Jahre und mehr. Aber die Reise geht  "
  },
  {
    "start": 272.68,
    "end": 277.93,
    "text": "definitv in mehr Laubbäume, also mehr Buche und \nauch mehr Tanne. Wie wir das rausfinden ist mit  "
  },
  {
    "start": 277.93,
    "end": 283.54,
    "text": "Simulationsmodellen. D.h. wir packen unser \nVerständnis über den Wald in den Computer.  "
  },
  {
    "start": 284.11,
    "end": 288.82,
    "text": "Wir beginnen da bei den einzelnen Teilen, also \nFotosynthese, wie die Bäume atmen, wie die Bäume  "
  },
  {
    "start": 288.82,
    "end": 293.14,
    "text": "wurzeln, was die mit ihrem Kohlenstoff dann \nmachen. Wir packen das in den Computer und  "
  },
  {
    "start": 293.14,
    "end": 298.03,
    "text": "können dann, die Zukunft des Waldes im Computer \nsimulieren. D.h. wir können Zeiträume die wir  "
  },
  {
    "start": 298.03,
    "end": 302.53,
    "text": "da betrachten, also viele hundert Jahre in sehr, \nsehr kurzer Zeit, in wenigen Minuten dann einfach  "
  },
  {
    "start": 302.53,
    "end": 306.97,
    "text": "abdecken und das hat auch den Vorteil das wir da \nunterschiedliche Klimaszenarien dann unterstellen  "
  },
  {
    "start": 306.97,
    "end": 311.59,
    "text": "können. D.h. wir können Szenarien unterstellen \nwo der Klimawandel weiter fortschreitet, wir  "
  },
  {
    "start": 311.59,
    "end": 316.21,
    "text": "können Szenarien unterstellen wo vielleicht der \nKlimawandel etwas gedämpfter abläuft und können  "
  },
  {
    "start": 316.21,
    "end": 321.1,
    "text": "dann schauen wohin entwickelt sich denn der Wald. \nUnd was man in all diesen Szenarien sieht ist,  "
  },
  {
    "start": 321.1,
    "end": 325.96,
    "text": "dass der Wald in Richtung wieder eines Mischwaldes \ngeht und je nachdem wie stark der Klimawandel  "
  },
  {
    "start": 325.96,
    "end": 330.52,
    "text": "ausfällt umso stärker wird auch der Anteil der \nBuche und der Tanne werden. Und wie sehr sich  "
  },
  {
    "start": 330.52,
    "end": 336.04,
    "text": "der Wald der Zukunft verändern wird, das haben \nnicht weniger als wir selbst in der Hand. Wir  "
  },
  {
    "start": 336.04,
    "end": 342.58,
    "text": "sind der Hauptverursacher des Klimawandels mit \nall seinen Folgen. Eine der gravierendsten ist  "
  },
  {
    "start": 342.58,
    "end": 348.28,
    "text": "die zunehmende Erderwärmung. Der Szenariofächer \nreicht irgendwo von den zwei Grad, das ist schon  "
  },
  {
    "start": 348.28,
    "end": 354.82,
    "text": "sehr optimistisch. Da müsst man wirklich sehr, \nsehr aktiv was tun was man momentan leider nicht  "
  },
  {
    "start": 354.82,
    "end": 358.9,
    "text": "sieht. Weder auf der politischen noch auf der \nindividuellen Ebene. Und wenn wir weitermachen so  "
  },
  {
    "start": 358.9,
    "end": 364.63,
    "text": "wie bisher dann wird`s wohl eher bei uns hier in \nMitteleuropa auf die vier Grad Erwärmung bis 2100  "
  },
  {
    "start": 364.63,
    "end": 368.92,
    "text": "hinauslaufen. Ein springender Punkt ist auch immer \nnoch die Frage wie sich`s mit den Niederschlägen  "
  },
  {
    "start": 368.92,
    "end": 376.0,
    "text": "verhält und da sind die Prognosen oder die \nSzenarioanalysen sehr unterschiedlich. Tendenziell  "
  },
  {
    "start": 376.0,
    "end": 380.71,
    "text": "wenn es wärmer wird kann die Luft auch mehr Wasser \nhalten, d.h. es wird auch tendenziell feuchter.  "
  },
  {
    "start": 380.71,
    "end": 385.57,
    "text": "Aber die Frage ist jetzt wie verteilt sich die \nFeuchtigkeit über das Jahr und da scheint`s wohl  "
  },
  {
    "start": 385.57,
    "end": 389.95,
    "text": "so zu sein, dass zumindest in einigen Szenarien \ndie Trockenperioden länger werden. Das haben wir  "
  },
  {
    "start": 389.95,
    "end": 395.44,
    "text": "jetzt 2018 und 2019 erlebt wie sich das anfühlt \nund das kann durchaus auch mehr werden und das hat  "
  },
  {
    "start": 395.44,
    "end": 400.09,
    "text": "dann aber auch einen großen Einfluss wie sich der \nWald entwickelt. Was sind so die ersten Baumarten  "
  },
  {
    "start": 400.09,
    "end": 404.71,
    "text": "die dann vielleicht draufgehen? Also Es heißt ja \nimmer die Fichte braucht im Vergleich zu anderen  "
  },
  {
    "start": 404.71,
    "end": 411.13,
    "text": "Arten relativ viel Wasser, ist Sie dann die erste \ndie stirbt? Die Fichte bleibt uns schon noch die  "
  },
  {
    "start": 411.13,
    "end": 415.0,
    "text": "nächsten Jahre und Jahrzehnte im Bayerischen \nWald erhalten, also da brauch ma uns keine  "
  },
  {
    "start": 415.0,
    "end": 419.53,
    "text": "Sorgen machen, aber sie geht zurück. Die Buche \nund die Tanne sind einfach in Bedingungen wo`s  "
  },
  {
    "start": 419.53,
    "end": 423.88,
    "text": "wärmer wird und wo`s vielleicht auch punktuell \nmal trockener wird, sind die deutlich Konkurrenz  "
  },
  {
    "start": 423.88,
    "end": 429.49,
    "text": "kräftiger als die Fichte und d.h. so klein, \nklein, gewinnen die den Konkurrenzkampf und  "
  },
  {
    "start": 429.49,
    "end": 434.95,
    "text": "die FiIchte verliert. Wir werden sicher in den \nnächsten 100 oder 200 Jahren noch einen großen,  "
  },
  {
    "start": 434.95,
    "end": 439.09,
    "text": "fast überwiegenden Anteil Fichten im Bayerischen \nWald haben. Der wird irgendwann dann auch  "
  },
  {
    "start": 439.09,
    "end": 443.5,
    "text": "wieder mal von einer Borkenkäferwelle dann \nzurückgeworfen und dezimiert werden. Also  "
  },
  {
    "start": 443.5,
    "end": 448.99,
    "text": "nach dem Käfer ist vor dem Käfer kann man sagen, \naber was unsere Analysen auch zeigen ist eben,  "
  },
  {
    "start": 448.99,
    "end": 453.73,
    "text": "dass diese zukünftige Entwicklung diverser abläuft \nals es in der Vergangenheit war. Der Wald wird  "
  },
  {
    "start": 453.73,
    "end": 458.71,
    "text": "jetzt schon strukturierter und diese Käferwellen \nwerden zunehmend kleiner. Also das System schwingt  "
  },
  {
    "start": 458.71,
    "end": 464.59,
    "text": "sich dann in einem neuen Gleichgewicht ein, wenn \nman so will in dem der Borkenkäfer auch Teil ist,  "
  },
  {
    "start": 464.59,
    "end": 470.17,
    "text": "ja, ein ganz natürliches Element in unserer \nnatürlichen Waldentwicklung aber das Ausmaß  "
  },
  {
    "start": 470.17,
    "end": 475.84,
    "text": "oder die Größe dieser Störungen die werden dann \nsukzessive kleiner und pendeln sich dann wieder in  "
  },
  {
    "start": 475.84,
    "end": 480.34,
    "text": "so einem natürlichen Verhältnis ein. Die Natur \nmacht`s ja bei uns einfach vor, der Stärkere  "
  },
  {
    "start": 480.34,
    "end": 486.76,
    "text": "überlebt am Ende. Ja also das ist jetzt einfach \nein Anpassungsprozess der großflächig passiert  "
  },
  {
    "start": 486.76,
    "end": 490.75,
    "text": "und es ist ja auch ganz spannend in einem Wald \nder nicht mehr vom Menschen beeinflusst wird zu  "
  },
  {
    "start": 490.75,
    "end": 497.26,
    "text": "beobachten wie dieser natürliche Anpassungsprozess \nläuft. Da kann man dann auch davon lernen wo wir  "
  },
  {
    "start": 497.26,
    "end": 503.38,
    "text": "vielleicht in Wirtschaftswäldern aktiv anpassen \nmüßen weil eben die Bäume mit ihrer relativ  "
  },
  {
    "start": 503.38,
    "end": 508.9,
    "text": "langsamen Geschwindigkeit sich anzupassen dem \nKlimawandel nicht nachkommen und wo man aber  "
  },
  {
    "start": 508.9,
    "end": 516.035,
    "text": "z.B. ganz von Natur aus so ein Anpassungsprozess \nlaufen lassen kann und wo sich die Natur dann  "
  },
  {
    "start": 516.035,
    "end": 520.25,
    "text": "auch ganz automatisch an diese neuen Bedingungen \ndann anpasst. Wie erforscht ihr dann eigentlich  "
  },
  {
    "start": 520.25,
    "end": 527.15,
    "text": "diese Anpassung jetzt rein vom Artenvorkommen \noder gibt`s da dann Prozesse die in den Bäumen  "
  },
  {
    "start": 527.15,
    "end": 531.32,
    "text": "vielleicht auch zu beobachten sind wo man so sagen \nkann, ok die, weiß ich nicht, speichert jetzt mehr  "
  },
  {
    "start": 531.32,
    "end": 537.08,
    "text": "Nährstoffe oder gewinnen noch mehr durch die \nFotosynthese dann das sie länger überleben? Ja  "
  },
  {
    "start": 537.08,
    "end": 541.73,
    "text": "genau also diese Art von Klimafolgenforschung die \nbaut natürlich, die passiert auf ganz, ganz vielen  "
  },
  {
    "start": 541.73,
    "end": 547.58,
    "text": "Ebenen ja. Das geht von der Ebene des einzelnen \nBlattes, ja wie ändert sich die Fotosynthetische  "
  },
  {
    "start": 547.58,
    "end": 552.83,
    "text": "Leistung eines Blattes oder einer Nadel, bis \nzu der Frage was macht denn so ein Baum mit dem  "
  },
  {
    "start": 552.83,
    "end": 557.0,
    "text": "Kohlenstoff den er gewinnt durch Fotosynthese. \nDer hat ja Entscheidungsmöglichkeiten. Er kann  "
  },
  {
    "start": 557.0,
    "end": 560.975,
    "text": "den jetzt in die Wurzeln investieren, wenn er viel \nvom Wind beeinflusst ist, dann investiert er mehr  "
  },
  {
    "start": 560.975,
    "end": 565.13,
    "text": "in Wurzeln damit er stabiler wird. Wenn er frei \nund alleine steht, dann braucht er nicht in die  "
  },
  {
    "start": 565.13,
    "end": 568.13,
    "text": "Höhe wachsen, sondern dann wächst er eher \nin die Dicke, dann geht`s um die Stabilität.  "
  },
  {
    "start": 568.13,
    "end": 572.18,
    "text": "Aber wenn er sehr gedrängt steht, dann muss \ner den Konkurrenzkampf ums Licht gewinnen,  "
  },
  {
    "start": 572.18,
    "end": 576.2,
    "text": "dann investiert er viel in das Höhenwachstum. \nAlso das sind dann so Anpassungsprozesse auf  "
  },
  {
    "start": 576.2,
    "end": 581.03,
    "text": "der Einzelbaumebene. Aber wenn man`s dann, wenn \nman noch ein Stück rauszoomt von der Nadel zum  "
  },
  {
    "start": 581.03,
    "end": 586.49,
    "text": "Baum zum ganzen Ökosystem dann ist natürlich \ndie Frage wie passt sich das System auf der  "
  },
  {
    "start": 586.49,
    "end": 591.71,
    "text": "Ebene der Lebensgemeinschaften an. Eben wer setzt \nsich durch, welche Arten sind besser angepasst,  "
  },
  {
    "start": 591.71,
    "end": 597.83,
    "text": "welche neuen Arten können vielleicht reinkommen \nund in das System migrieren und dann neue Rollen  "
  },
  {
    "start": 597.83,
    "end": 604.52,
    "text": "übernehmen. Wie ändert sich da diese Dynamik in \nden Nischen, wer besetzt die. Da werden sich mit  "
  },
  {
    "start": 604.52,
    "end": 608.99,
    "text": "zunehmenden Klimawandel also wahrscheinlich noch \nganz schön viele Veränderungen abspielen hier im  "
  },
  {
    "start": 608.99,
    "end": 615.23,
    "text": "Bayerischen Wald. Auch wenn die Prozesse von uns \nschnelllebigen Menschen meistens übersehen werden.  "
  },
  {
    "start": 626.26,
    "end": 633.19,
    "text": "Es gibt aber tatsächlich auch Prozesse in der \nWalddynamik die haben Wanderer im Nationalpark  "
  },
  {
    "start": 633.19,
    "end": 638.65,
    "text": "bestimmt schon mal beim quasi vorbeigehen \nbewundern können. Die vielen vermeintlich  "
  },
  {
    "start": 638.65,
    "end": 643.3,
    "text": "toten Baumstämme, die anders als in stark \nbewirtschafteten Wäldern hier nicht einfach  "
  },
  {
    "start": 643.3,
    "end": 650.2,
    "text": "zersägt und aus dem Wald geschafft werden. Das \nTotholz ist ein großer Faktor nicht nur für Pilze,  "
  },
  {
    "start": 650.2,
    "end": 656.68,
    "text": "Käfer und andere Insekten. Auch für Jungbäume \nsind die Stämme ein guter Nährboden allerdings mit  "
  },
  {
    "start": 656.68,
    "end": 662.5,
    "text": "einem kleinen Hacken. Die verjüngen sich ganz oft \nganz intensiv. Vor allem Dingen die Nadelbäume,  "
  },
  {
    "start": 662.5,
    "end": 667.87,
    "text": "die Fichte vor allem aber auch die Tanne. \nVerjüngen sich auf dem liegenden toten Holz. Also  "
  },
  {
    "start": 667.87,
    "end": 674.53,
    "text": "die liegenden Bäume bieten sozusagen wieder einen \nNährboden, die sind diejenigen die dann die neue  "
  },
  {
    "start": 674.53,
    "end": 680.02,
    "text": "Generation, denen wird eine Starthilfe gegeben. \nIm englischen ist es, wir sagen Rannenverjüngung  "
  },
  {
    "start": 680.02,
    "end": 684.88,
    "text": "oder Kadaververjüngung, das englische Wort ist \nviel schöner, d.h. nurse lodge. Also to nurse,  "
  },
  {
    "start": 684.88,
    "end": 689.11,
    "text": "der neuen Generation diese zu pflegen und der was \nmitgeben. Also das ist eigentlich ein sehr schönes  "
  },
  {
    "start": 689.11,
    "end": 694.57,
    "text": "Wort. Und was der Vorteil für diese Fichten und \nTannen die da jetzt auf diesen toten Baumstamm  "
  },
  {
    "start": 694.57,
    "end": 699.91,
    "text": "wachsen und sich verjüngen ist, dass sie früher \naus dem Schnee heraussen sind. D.h. jetzt gerade  "
  },
  {
    "start": 699.91,
    "end": 704.35,
    "text": "in so Gebieten wie im Bayerischen Wald wo wir \nsehr rauhe und lange Winter haben ist es ein  "
  },
  {
    "start": 704.35,
    "end": 709.54,
    "text": "Vorteil für die, weil die haben ein paar Wochen \nim Jahr mehr wo sie Fotosynthese betreiben können,  "
  },
  {
    "start": 709.54,
    "end": 712.72,
    "text": "weil sie schon aus dem Schnee heraussen sind \nund das gibt ihnen so einen Startvorteil  "
  },
  {
    "start": 712.72,
    "end": 717.1,
    "text": "sozusagen. Und du hast ja gesagt es geht in \neinem Wald auch um Licht. Gut das macht nicht  "
  },
  {
    "start": 717.1,
    "end": 721.18,
    "text": "viel Unterschied wahrscheinlich aber vielleicht \nein bisschen schon oder? Genau, es bringt ihnen  "
  },
  {
    "start": 721.18,
    "end": 727.36,
    "text": "ein bissl einen Lichtvorteil und vor allen Dingen \nVorteil gegenüber von krautiger Vegetation und  "
  },
  {
    "start": 727.36,
    "end": 730.78,
    "text": "Zwergsträuchern. Also wir sehen hier jetzt z.B. \ndie Heidelbeere, gibt`s aber dann auch wenn man  "
  },
  {
    "start": 730.78,
    "end": 735.25,
    "text": "auf Freiflächen ist, Grasvegetation die sehr \nhoch wird und da ist es natürlich ein Vorteil,  "
  },
  {
    "start": 735.25,
    "end": 740.32,
    "text": "weil da sind die schon um 40, 50 Zentimeter, \nhaben die einen Vorsprung dem Gras gegenüber  "
  },
  {
    "start": 740.32,
    "end": 744.64,
    "text": "und sind schneller dann am Licht und können \ndiese Ressource Licht, die ja so zentral ist  "
  },
  {
    "start": 744.64,
    "end": 749.47,
    "text": "für das Wachsen von unseren Pflanzen, dann besser \nund schneller nutzen. Und man sieht`s ja auch,  "
  },
  {
    "start": 749.47,
    "end": 756.22,
    "text": "es wachsen zahlreiche Pilze. Natürlich auch \nTotholzpilze mit Sicherheit, hunderte Arten,  "
  },
  {
    "start": 756.22,
    "end": 760.54,
    "text": "wenn ned tausende da drin und eventuell ja auch \nschon wieder irgendwelche Symbionten die ihnen  "
  },
  {
    "start": 760.54,
    "end": 765.43,
    "text": "beim Aufwachsen auch helfen werden wahrscheinlich \noder. Genau, also das Totholz, das Wort Totholz  "
  },
  {
    "start": 765.43,
    "end": 769.9,
    "text": "ist eigentlich ein Euphemismus, weil es eigentlich \nein wahnsinnig toller Lebensraum wo extrem viele  "
  },
  {
    "start": 769.9,
    "end": 774.22,
    "text": "Arten eigentlich drinnen leben. Also das ist \nalles andere als tot. Dieser Stamm der da vor  "
  },
  {
    "start": 774.22,
    "end": 778.51,
    "text": "uns liegt das ist ein unglaublicher Lebensraum. \nFür die Bäume ist es so die da drauf wachsen,  "
  },
  {
    "start": 778.51,
    "end": 782.59,
    "text": "die können das schon nutzen. Für die wird`s dann \nirgendwann mal kritisch, wenn die größer werden.  "
  },
  {
    "start": 782.59,
    "end": 787.21,
    "text": "Müssen sie dann irgendwann mal den Bodenanschluss \nschaffen. Weil dieses, der daliegende Stamm,  "
  },
  {
    "start": 787.21,
    "end": 791.2,
    "text": "der speichert schon Wasser aber wenn`s jetzt \ntrocken wird im Sommer, die trocknen auch  "
  },
  {
    "start": 791.2,
    "end": 795.16,
    "text": "schneller aus als der Boden, weil die einfach \nauch keinen kaplilaren Anschluss an die tieferen  "
  },
  {
    "start": 795.16,
    "end": 799.63,
    "text": "Bodenschichten haben wo dann das Wasser vielleicht \nnoch raufgeholt werden kann von den Bäumen. Wenn  "
  },
  {
    "start": 799.63,
    "end": 804.34,
    "text": "sie jetzt zu klein sind, da brauchen sie auch noch \ngar nicht so viel Wasser, da schaffen sie das mal,  "
  },
  {
    "start": 804.34,
    "end": 808.78,
    "text": "aber es gibt dann so eine mittlere Phase, \nwenn sie dann so zwei, drei, vier Meter hoch  "
  },
  {
    "start": 808.78,
    "end": 812.95,
    "text": "werden dann müssen die schauen das sie mit den \nWurzeln runterkommen rechtzeitig, in den Boden  "
  },
  {
    "start": 812.95,
    "end": 817.18,
    "text": "sich verankern und dann auch den Anschluss an das \nWasser das im Boden gespeichert ist zu kriegen.  "
  },
  {
    "start": 817.18,
    "end": 822.52,
    "text": "Also eine ganz schöne, haarige Angelegenheit für \ndie kleinen Bäume teilweise weil so ein Stamm  "
  },
  {
    "start": 822.52,
    "end": 829.87,
    "text": "braucht ja Jahrzehnte. Ja genau, das ist so ein \ndynamischer Prozess. Der Stamm der zersetzt sich  "
  },
  {
    "start": 829.87,
    "end": 834.55,
    "text": "langsam und sinkt ab, die Bäume wachsen und die \nWurzeln wachsen auch. Die wachsen dann wirklich  "
  },
  {
    "start": 834.55,
    "end": 840.7,
    "text": "so rund um den Stamm herum. Man sieht das dann oft \nnoch an den Altbäumen die dann so, wir nennen es  "
  },
  {
    "start": 840.7,
    "end": 845.74,
    "text": "so Stelzenwurzeln bilden. Also man sieht oft dann \nhundert Jahre später oder hundertfünfzig Jahre  "
  },
  {
    "start": 845.74,
    "end": 852.13,
    "text": "später noch, dass ein so ein Baum ursprünglich auf \nso einem liegenden toten Stamm sich verjüngt hat,  "
  },
  {
    "start": 852.13,
    "end": 856.9,
    "text": "weil der immer noch diese Stelzenwurzeln \nausgebildet hat. Ja so Bäume können ganz  "
  },
  {
    "start": 856.9,
    "end": 862.33,
    "text": "schöne Überlebenskünstler sein und auch in Sachen \nFortpflanzung sind sie besser und flexibler als  "
  },
  {
    "start": 862.33,
    "end": 868.06,
    "text": "man es ihnen vielleicht zutrauen würde. Manchmal \ntauchen in Gebieten plötzlich Baumarten auf,  "
  },
  {
    "start": 868.06,
    "end": 873.76,
    "text": "die dort vorher kaum vorgekommen sind. Auch teils \nzur Verwunderung der Wissenschaft. Die spannende  "
  },
  {
    "start": 873.76,
    "end": 878.92,
    "text": "Erfahrung nach den großen Käferwellen der späten \nneunziger und frühen nuller Jahre war da auch,  "
  },
  {
    "start": 878.92,
    "end": 885.13,
    "text": "dass es nicht nur die Bäume sind die vor dem \nKäfer schon da waren, die jetzt diese nächste  "
  },
  {
    "start": 885.13,
    "end": 889.06,
    "text": "Generation bilden, sondern dass sich da auch \nnochmal eine große Anzahl von Bäumen jetzt  "
  },
  {
    "start": 889.06,
    "end": 894.67,
    "text": "noch neu angesamt und verjüngt hat. Also es war \nimmer so ein bissl die Frage müssen die schon  "
  },
  {
    "start": 894.67,
    "end": 899.56,
    "text": "vorher da sein wenn der Käfer dann kommt das sie \ndie Ressourcen übernehmen können oder können die  "
  },
  {
    "start": 899.56,
    "end": 904.96,
    "text": "dann auch von relativ weiten Entfernungen einfach \nnoch zu fliegen und sich entsprechend ansamen und  "
  },
  {
    "start": 904.96,
    "end": 909.4,
    "text": "da hat sich wirklich sehr gut gezeigt, dass \nes zu einem großen Teil auch neue Bäume sind  "
  },
  {
    "start": 909.4,
    "end": 913.51,
    "text": "die sich hier ansamen und aber schon ein Teil, \ndie die da jetzt oft ein bisschen grösser sind,  "
  },
  {
    "start": 913.51,
    "end": 917.32,
    "text": "die da ein bisschen vorwüchsig schon sind, des \nsind oft die, die schon da waren und die schon  "
  },
  {
    "start": 917.32,
    "end": 921.97,
    "text": "so in der Lauerstellung unter den Altbäumen so \ndrinnen gestanden sind. Das kann auch nicht jede  "
  },
  {
    "start": 921.97,
    "end": 927.1,
    "text": "Baumart gleich gut. Also die Tanne kann das sehr \ngut, die kann Jahrzehnte in so einem ein Meter  "
  },
  {
    "start": 927.1,
    "end": 933.16,
    "text": "großen Stadium verharren. Dornröschenschlaf \nkönnt man vielleicht auch sagen. Ja genau,  "
  },
  {
    "start": 933.16,
    "end": 937.84,
    "text": "die ist da in ihrem Dornröschenschlaf, sie wird \ndann nicht wachgeküsst, sondern es wird die Fichte  "
  },
  {
    "start": 937.84,
    "end": 943.27,
    "text": "die neben ihr steht wird irgendwann einmal vom \nKäfer in den Tod geküsst, das führt dann dazu,  "
  },
  {
    "start": 943.27,
    "end": 948.04,
    "text": "dass die Tanne dann starten kann. Aber dieses \nüberdauern oder ganz lange ausharren, das ist  "
  },
  {
    "start": 948.04,
    "end": 951.67,
    "text": "schon eine ganze eine spezielle Eigenschaft die \nvor allen Dingen die Tanne hat. Also überleben  "
  },
  {
    "start": 951.67,
    "end": 957.58,
    "text": "die Samen dann quasi im Boden auch so lang. Es \ngibt schon sowas wie eine Bodensamenbank. Also  "
  },
  {
    "start": 957.58,
    "end": 963.01,
    "text": "das Samen im Boden mehrere Jahre überdauern \nkönnen. Das ist jetzt in unseren Ökosystemen  "
  },
  {
    "start": 963.01,
    "end": 968.17,
    "text": "nicht so ein überragendes Element. Also da ist es \nmeistens so, dass die Samen dann eigentlich schon  "
  },
  {
    "start": 968.17,
    "end": 973.87,
    "text": "relativ schnell aufgehen und dann ist einfach die \nFrage diese kleinen Bäumchen die dann da entstehen  "
  },
  {
    "start": 973.87,
    "end": 979.15,
    "text": "die können zum Teil sehr lange überleben in einer \nsehr kleinen Phase, die Frage ist eben wie lang  "
  },
  {
    "start": 979.15,
    "end": 984.46,
    "text": "überleben die oder tut sich dann da die Öffnung \nim Kronendach im richtigen Moment auf. Es gibt  "
  },
  {
    "start": 984.46,
    "end": 989.11,
    "text": "andere Ökosysteme auf der Welt wo die Bäume \nals Same überdauern, entweder in der Krone,  "
  },
  {
    "start": 989.11,
    "end": 993.73,
    "text": "also da gibt´s Systeme wo die Jahrzehnte lang in \nden Zapfen, in den Kronen einfach drauf warten,  "
  },
  {
    "start": 993.73,
    "end": 997.84,
    "text": "dass der richtige Moment da ist z.B., wenn einer \neben einer vorher durchkommt, oder wo die eben  "
  },
  {
    "start": 997.84,
    "end": 1002.1,
    "text": "zum Teil auch im Boden überdauern. Das ist auch \nfür einen Baum wieder so eine riskante Strategie,  "
  },
  {
    "start": 1002.1,
    "end": 1006.9,
    "text": "weil das natürlich ein gefundenes Fressen \nfür z.B. kleine Säugetiere wie Mäuse ist.  "
  },
  {
    "start": 1006.9,
    "end": 1012.66,
    "text": "Also wenn man jetzt als Baum drauf setzt seine \npotentiellen Nachkommen in den Samen da sehr  "
  },
  {
    "start": 1012.66,
    "end": 1017.19,
    "text": "lange zu speichern, dann führt das natürlich auch \ngleichzeitig dazu, dass sich da die Populationen  "
  },
  {
    "start": 1017.19,
    "end": 1022.59,
    "text": "derer, die davon leben, wie z.B. die Mäuse, sehr \nfreauen. Also das ist immer auch so ein Geben  "
  },
  {
    "start": 1022.59,
    "end": 1029.25,
    "text": "und Nehmen und die Strategie unserer Waldbäume ist \neher so, dass sie eher so zyklisch dann viel Samen  "
  },
  {
    "start": 1029.25,
    "end": 1033.27,
    "text": "produzieren, die produzieren nicht jedes Jahr \ngleich viel Samen, sondern die produzieren alle  "
  },
  {
    "start": 1033.27,
    "end": 1039.51,
    "text": "vier bis sechs Jahre mal so richtig viel Samen \nund dann wieder ein paar Jahre fast nichts. Wenn  "
  },
  {
    "start": 1039.51,
    "end": 1043.98,
    "text": "die immer gleich viel Samen produzieren würden, \ndann würden man eine sehr hohe Mauspopulation sich  "
  },
  {
    "start": 1043.98,
    "end": 1048.75,
    "text": "erhalten. Die Lebensgrundlage für die Mäuse wär \ndann immer sehr gut. Und die hohe Mauspopulation  "
  },
  {
    "start": 1048.75,
    "end": 1052.11,
    "text": "würde auch heißen, für jeden Samen der runter \nfällt ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch,  "
  },
  {
    "start": 1052.11,
    "end": 1057.54,
    "text": "dass der nicht sich zu einem Baum entwickeln kann, \nsondern das der schon bevor er überhaupt keimt von  "
  },
  {
    "start": 1057.54,
    "end": 1062.58,
    "text": "einem Kleinsäuger da entsprechend gefressen \nwird. Und eines ist absolut faszinierend, die  "
  },
  {
    "start": 1062.58,
    "end": 1067.8,
    "text": "Bäume koordinieren sich bei der Samenproduktion \nals würden sie in irgendeiner Art und Weise  "
  },
  {
    "start": 1067.8,
    "end": 1073.95,
    "text": "miteinander kommunizieren. In Wahrheit dafür \nverantwortlich sind laut Rupert Seidl aber andere  "
  },
  {
    "start": 1073.95,
    "end": 1079.53,
    "text": "Faktoren. Die koordinieren sich in dem es gewisse \nUmweltmerkmale gibt. Trockenheit spielt da eine  "
  },
  {
    "start": 1079.53,
    "end": 1085.38,
    "text": "Rolle im Frühling aber auch ein paar so andere \nUmweltelemente mit z.B. Frost zu einer gewissen  "
  },
  {
    "start": 1085.38,
    "end": 1090.21,
    "text": "Zeit. Das ist dann der Auslöser dafür, dass die \nalle sich in einem gewissen Jahr entscheiden,  "
  },
  {
    "start": 1090.21,
    "end": 1096.06,
    "text": "dieses Jahr ist das Jahr wo wir wirklich ganz, \nganz intensiv in die Nachkommenschaft investieren  "
  },
  {
    "start": 1096.06,
    "end": 1099.84,
    "text": "und ganz viel Ressourcen da reinstecken und \nganz viel Samen produzieren und danach ist dann  "
  },
  {
    "start": 1099.84,
    "end": 1105.03,
    "text": "wieder ein paar Jahre wenig los sozusagen. \nVon den Wurzeln übern den Stamm bis hinauf  "
  },
  {
    "start": 1105.03,
    "end": 1111.78,
    "text": "zum Kronendach und zur letzten Astspitze. Rupert \nSeidl erforscht Bäume und das Ökosystem Wald aus  "
  },
  {
    "start": 1111.78,
    "end": 1118.29,
    "text": "sehr vielen Gesichtspunkten und manchmal auch \nvon ganz weit weg. Aus dem All, mit Hilfe von  "
  },
  {
    "start": 1118.29,
    "end": 1123.3,
    "text": "Satelliten und auch aus dieser Perspektive kann \nder Forscher noch viel über den Wald und seinen  "
  },
  {
    "start": 1123.3,
    "end": 1128.61,
    "text": "Zustand herausfinden. Was wir sehen in diesen \nSatellitendaten, wir schauen uns da z.B. an wie  "
  },
  {
    "start": 1128.61,
    "end": 1133.89,
    "text": "sich Störungen, also Öffnungen im Kronendach über \ndie Zeit entwickelt haben und der Satellit der  "
  },
  {
    "start": 1133.89,
    "end": 1138.87,
    "text": "misst nix anderes als die Reflexion von Licht \nund wenn so ein Wald jetzt von einem dunklen,  "
  },
  {
    "start": 1138.87,
    "end": 1142.98,
    "text": "geschlossenen Kronendach, wenn da auf einmal die \nBäume umfallen oder Borkenkäfer die Bäume frisst,  "
  },
  {
    "start": 1142.98,
    "end": 1147.63,
    "text": "dann ändert sich da dieses Reflexionsverhalten \nund das können wir im Satelliten sehen. Und  "
  },
  {
    "start": 1147.63,
    "end": 1152.46,
    "text": "wir verwenden eine Satellitenserie, die Landsat \nSatellitenserie, deren Alleinstellungsmerkmal ist,  "
  },
  {
    "start": 1152.46,
    "end": 1159.0,
    "text": "dass die sehr lange schon in der Luft ist. \nAlso wir können da Daten bis 1986 zurück  "
  },
  {
    "start": 1159.0,
    "end": 1164.22,
    "text": "generieren. D. h. wir können eine Zeitserie der \nVeränderung von über dreißig Jahren generieren.  "
  },
  {
    "start": 1164.22,
    "end": 1168.96,
    "text": "Also jetzt sind wir im fünfunddreißigsten \nJahr das man da nutzen können und das lässt  "
  },
  {
    "start": 1168.96,
    "end": 1174.06,
    "text": "dann auch sehr schöne Analysen zu. Wir können z.B. \nzeigen, dass sich in Mitteleuropa diese Öffnungen  "
  },
  {
    "start": 1174.06,
    "end": 1179.58,
    "text": "des Kronendachs, diese Störungen in diesen dreißig \nJahren verdoppelt haben. Also das ist wirklich für  "
  },
  {
    "start": 1179.58,
    "end": 1185.7,
    "text": "Wald eine ganz enorme Änderungsrate weil Wald ja \neigentlich ein sehr langsames System ist und das  "
  },
  {
    "start": 1185.7,
    "end": 1189.54,
    "text": "ist ganz spannend weil wir haben ja in den späten \n80iger und frühen 90ziger Jahren da viel über  "
  },
  {
    "start": 1189.54,
    "end": 1194.58,
    "text": "Waldsterben geredet. Also wir können eigentlich \nzeigen, dass heute doppelt so viel Wald stirbt,  "
  },
  {
    "start": 1194.58,
    "end": 1199.2,
    "text": "wenn man so will, wie damals als man groß übers \nWaldsterben gesprochen haben. Und damals wie  "
  },
  {
    "start": 1199.2,
    "end": 1204.3,
    "text": "heute gibt es für dieses Waldsterben verschiedene \nUrsachen. Es ist eine Kombination von Faktoren die  "
  },
  {
    "start": 1204.3,
    "end": 1209.22,
    "text": "dazu führt, also das eine Element ist natürlich \nKlimawandel, das zweite Element ist schon,  "
  },
  {
    "start": 1209.22,
    "end": 1216.15,
    "text": "dass viele Wälder die so nach den großen Kriegen \nbegründet wurden. In den Kriegsjahren hat man die  "
  },
  {
    "start": 1216.15,
    "end": 1220.02,
    "text": "Natur sehr stark übernutzt, da waren Ressourcen \nknapp, da hat man alles genutzt was man konnte  "
  },
  {
    "start": 1220.02,
    "end": 1222.87,
    "text": "und dann nach den Kriegen, vor allem in den \n50iger Jahren, nach dem zweiten Weltkrieg,  "
  },
  {
    "start": 1222.87,
    "end": 1227.7,
    "text": "hat man viel Wald wieder angepflanzt und wieder \nin Stand gesetzt, die ordentliche Bewirtschaftung  "
  },
  {
    "start": 1227.7,
    "end": 1231.84,
    "text": "wieder begonnen. Da hat man dann weder auf \nNachhaltigkeit geschaut und so. Es ist fast  "
  },
  {
    "start": 1231.84,
    "end": 1236.28,
    "text": "so wie die Babyboomer-Generation wenn man jetzt \ndie menschliche Population sich anschaut. Diese  "
  },
  {
    "start": 1236.28,
    "end": 1241.47,
    "text": "Nachkriegswälder die kommen jetzt zunehmend in ein \nAlter wo sich auch z.B. anfällig sind gegenüber  "
  },
  {
    "start": 1241.47,
    "end": 1246.0,
    "text": "Borkenkäfer, wo sie aber auch zunehmend genutzt \nwerden. D.h. es ist auch so ein demografischer,  "
  },
  {
    "start": 1246.0,
    "end": 1250.11,
    "text": "struktureller Effekt eigentlich den wir sehen. \nAlso es ist eine Kombination aus Klima und  "
  },
  {
    "start": 1250.11,
    "end": 1255.03,
    "text": "strukturellen Effekten und was da natürlich mit \neine Rolle spielt ist, dass wir im großen Stil in  "
  },
  {
    "start": 1255.03,
    "end": 1260.91,
    "text": "Europa einfach auf wenige Baumarten gesetzt haben \nin der Vergangenheit. Man muss sich denken viele  "
  },
  {
    "start": 1260.91,
    "end": 1265.74,
    "text": "dieser Fichtenbestände die sind auch begründet \nworden in Zeiten da war Holzknappheit ein Thema,  "
  },
  {
    "start": 1265.74,
    "end": 1271.62,
    "text": "also in den 1850iger bis 1900 Jahren. Dass da \ndann hundertfünfzig Jahre später die Fichte  "
  },
  {
    "start": 1271.62,
    "end": 1275.1,
    "text": "eher nicht mehr so gut mit den klimatischen \nBedingungen zurechtkommt, das kann man auch  "
  },
  {
    "start": 1275.1,
    "end": 1280.74,
    "text": "den Förstern vor uns schlecht vor werfen weil \nalso diese Voraussicht hat man schlecht haben  "
  },
  {
    "start": 1280.74,
    "end": 1286.05,
    "text": "können. Aber auch diese Homogenisierung wo wir \njetzt schon wieder dabei sind das natürlich zu  "
  },
  {
    "start": 1286.05,
    "end": 1290.2,
    "text": "ändern und rückgängig zu machen, das dauert. Aber \ndiese Homogenisierung ist auch ein Teil der dazu  "
  },
  {
    "start": 1290.2,
    "end": 1294.85,
    "text": "beiträgt, dass wir jetzt da dieses Ansteigen \nsehen. Aber vielleicht nochmal um auf diese  "
  },
  {
    "start": 1294.85,
    "end": 1300.64,
    "text": "Satellitendaten nochmal zurückzukommen, also das \nist ein unglaublich wertvoller Datenschatz und das  "
  },
  {
    "start": 1300.64,
    "end": 1305.23,
    "text": "erlaubt uns auch wieder Änderungen zu verstehen. \nJa wir sprechen momentan viel von Änderungen,  "
  },
  {
    "start": 1305.23,
    "end": 1309.19,
    "text": "Klimawandel, alles ändert sich. Aber wenn man \nÄnderungen verstehen will, braucht man immer mal  "
  },
  {
    "start": 1309.19,
    "end": 1316.09,
    "text": "so einen Basiswert. Änderungen wovon? Was ist so \ndie Grundlage? Wie schaut so ein Störungsregieme  "
  },
  {
    "start": 1316.09,
    "end": 1320.47,
    "text": "überhaupt aus für den europäischen Wald? Das \nkönnen wir jetzt das erste Mal so richtig  "
  },
  {
    "start": 1320.47,
    "end": 1324.73,
    "text": "quantitativ beschreiben, da können wir schöne \nKarten davonmachen. Da wissen wir ungefähr was  "
  },
  {
    "start": 1324.73,
    "end": 1329.56,
    "text": "ist sozusagen die Basislinie und auf Basis von \nder können wir jetzt zukünftige Veränderung  "
  },
  {
    "start": 1330.07,
    "end": 1335.11,
    "text": "entsprechend analysieren und kontrastieren mit \ndem was wir in der Vergangenheit hatten. Jetzt  "
  },
  {
    "start": 1335.11,
    "end": 1341.44,
    "text": "erstellst du Rupert ja, unter anderem Konzepte \nfür eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Was  "
  },
  {
    "start": 1341.44,
    "end": 1348.31,
    "text": "kann jetzt die Waldwirtschaft, sagen wir am \nExemplar Nationalpark, noch lernen? Ja zum einen  "
  },
  {
    "start": 1348.31,
    "end": 1353.2,
    "text": "einmal was man lernen kann ist, dass es vielleicht \nnicht überall notwendig ist, dass man nach solchen  "
  },
  {
    "start": 1353.2,
    "end": 1360.49,
    "text": "Störungen wie wir sie ja jetzt großflächig sehen, \nsofort radikal aufräumt und dann wieder alles in  "
  },
  {
    "start": 1360.49,
    "end": 1366.37,
    "text": "Reih und Glied aufforstet. Also ich glaub was \nwir hier lernen können ist, dass der Wald hier  "
  },
  {
    "start": 1366.37,
    "end": 1372.04,
    "text": "sehr dynamisch und natürlich sich erholen kann und \ndass man diese Störungen durchaus auch als Chance  "
  },
  {
    "start": 1372.04,
    "end": 1377.83,
    "text": "sehen kann um den Wald der Zukunft vielfältiger \nzu gestalten. Was jetzt die Strukturen betrifft,  "
  },
  {
    "start": 1377.83,
    "end": 1382.66,
    "text": "was jetzt die Baumarten betrifft. Natürlich ist \ndas im Wirtschaftswald auch immer eine andere  "
  },
  {
    "start": 1382.66,
    "end": 1387.28,
    "text": "Ausgangslage weil da geht´s natürlich auch immer \ndrum, dass Holz ein wichtiger Rohstoff ist den  "
  },
  {
    "start": 1387.28,
    "end": 1392.71,
    "text": "wir hier lokal nachhaltig gewinnen können. Und \ndas wollen wir auch nicht ganz verlieren aber  "
  },
  {
    "start": 1392.71,
    "end": 1397.18,
    "text": "ich glaub was wir lernen können, oder was wir \nmitnehmen können ist, dass wir diese Dichotomie  "
  },
  {
    "start": 1397.18,
    "end": 1404.8,
    "text": "zwischen Naturwald wo der Mensch gar nichts tut \nund Wirtschaftswald, der dann eine Plantage von  "
  },
  {
    "start": 1404.8,
    "end": 1408.61,
    "text": "nur einer Baumart ist, dass man diese Dichotomie \neigentlich nicht brauchen und dass es die  "
  },
  {
    "start": 1408.61,
    "end": 1414.85,
    "text": "eigentlich nicht notwendig hat weil ein Wald, den \nwir bewirtschaften, der aber so naturnahe Elemente  "
  },
  {
    "start": 1414.85,
    "end": 1420.07,
    "text": "drinnen hat, auch resistenter und besser angepasst \nist an diese zukünftigen Herausforderungen sei´s  "
  },
  {
    "start": 1420.07,
    "end": 1424.48,
    "text": "jetzt mehr Störungen, sei´s jetzt Veränderungen \nim Klima. Ist der Mensch vielleicht einfach zu  "
  },
  {
    "start": 1424.48,
    "end": 1430.48,
    "text": "ungeduldig der Natur ein bisschen mehr Freiraum \nzu geben? Na, das ist die Frage was man will.  "
  },
  {
    "start": 1430.48,
    "end": 1436.33,
    "text": "Also wenn`s darum geht, für die Sägeindustrie, die \ndann wieder unsere Holzmöbel und unsere Holzhäuser  "
  },
  {
    "start": 1436.33,
    "end": 1442.39,
    "text": "füttert, den Rohstoff bereit zu stellen, dann \nist natürlich Zeit ein wichtiger Faktor weil wir  "
  },
  {
    "start": 1442.39,
    "end": 1446.41,
    "text": "haben ja in der Forstwirtschaft ohnehin schon \nlange Produktionszeiträume. Also wenn man hier  "
  },
  {
    "start": 1446.41,
    "end": 1450.94,
    "text": "denken bis so ein Baum einmal die Dimensionen \nhat, dass man was damit anfangen können,  "
  },
  {
    "start": 1450.94,
    "end": 1456.64,
    "text": "da vergehen achtzig bis hundert Jahre. Ich würd´s \nvielleicht so formulieren, was wir machen in der  "
  },
  {
    "start": 1456.64,
    "end": 1461.5,
    "text": "Waldbewirtschaftung ist, wir steuern, ja wir \nversuchen den Wald zu steuern und der Mensch  "
  },
  {
    "start": 1461.5,
    "end": 1465.25,
    "text": "will ja vom Wald auch ganz viele Dinge. Wir wollen \nKohlenstoff speichern um das Klima zu schützen,  "
  },
  {
    "start": 1465.25,
    "end": 1470.62,
    "text": "wir wollen Holz produzieren um nachhaltige, lokale \nRohstoffe nutzen zu können und dann auch wieder  "
  },
  {
    "start": 1470.62,
    "end": 1475.36,
    "text": "Klimaneutral zu werden vielleicht. Wir wollen uns \naber auch mal erholen, wir wollen ein gefiltertes  "
  },
  {
    "start": 1475.36,
    "end": 1480.43,
    "text": "und klares Wasser haben. Und um zu wissen \nwie wir am Besten diese Steuerung hinkriegen,  "
  },
  {
    "start": 1480.43,
    "end": 1485.53,
    "text": "müssen wir mal wissen wie entwickelt sich die \nNatur denn von selber. Also was läuft denn  "
  },
  {
    "start": 1485.53,
    "end": 1488.95,
    "text": "natürlich ab. Denn man kann ja nur was steuern, \nwenn man weiß ok, wohin geht denn jetzt mal die  "
  },
  {
    "start": 1488.95,
    "end": 1494.5,
    "text": "Reise und wo muss ich gegebenenfalls steuernd \neingreifen. Und dass, wohin die Reise von Natur  "
  },
  {
    "start": 1494.5,
    "end": 1499.21,
    "text": "aus mal geht, das kann man hier im Nationalpark \nlernen um dann in der Bewirtschaftung zu sagen,  "
  },
  {
    "start": 1499.21,
    "end": 1505.93,
    "text": "ok, wenn ich die und die Elemente von meinem Wald \nwill, in einem bewirtschafteten Kontext, wo müsst  "
  },
  {
    "start": 1505.93,
    "end": 1510.37,
    "text": "ich dann gegebenenfalls dann noch eingreifen \nund wo kann man z.B. sagen, ja da kann ich der  "
  },
  {
    "start": 1510.37,
    "end": 1515.77,
    "text": "Natur freien Lauf lassen und erfüll aber trotzdem \ndiese Funktionen des Waldes optimal die ich will.  "
  },
  {
    "start": 1515.77,
    "end": 1520.24,
    "text": "Jetzt setzt sich in Europa langsam der Gedanke \ndurch, dass man vielleicht den Wald natürlich  "
  },
  {
    "start": 1520.24,
    "end": 1526.03,
    "text": "umbauen in Wirtschaftswäldern oder einfach der \nNatur seinen freien Lauf lassen könnte wie jetzt  "
  },
  {
    "start": 1526.03,
    "end": 1532.24,
    "text": "hier im Nationalpark Bayerischer Wald. An anderen \nOrten der Welt ist das leider Gottes ja nicht so,  "
  },
  {
    "start": 1532.24,
    "end": 1539.92,
    "text": "wie im Amazonas z.B. Da werden täglich hektarweise \nWälder abgeholzt. Man muss schon sagen,  "
  },
  {
    "start": 1539.92,
    "end": 1544.27,
    "text": "was den weltweiten Klimawandel angeht, \nEuropa wird des nicht auffangen können,  "
  },
  {
    "start": 1544.27,
    "end": 1549.67,
    "text": "was da jetzt unten grad vernichtet wird. Ja das \nist generell eine gute Frage, wird auch intensiv  "
  },
  {
    "start": 1549.67,
    "end": 1555.58,
    "text": "diskutiert. Also zuerst muss man mal sagen, der \nweltweite Wald der speichert ungefähr genauso viel  "
  },
  {
    "start": 1555.58,
    "end": 1559.87,
    "text": "Kohlenstoff wie wir Kohlenstoff in der Atmosphäre \nhaben und Kohlenstoff in der Atmosphäre, also CO2  "
  },
  {
    "start": 1559.87,
    "end": 1564.91,
    "text": "und Methan sind die wichtigsten Treibhausgase. Das \nist ja auch das Element, das uns den Klimawandel  "
  },
  {
    "start": 1564.91,
    "end": 1571.84,
    "text": "verursacht. Also die Vegetation hat schon einen \nimmensen Einfluss auf das Klimasystem, aber es ist  "
  },
  {
    "start": 1571.84,
    "end": 1577.75,
    "text": "auf jeden Fall so, dass wir, da gibt´s ja diese \nüberzogene Idee, dass man z.B. mit Aufforsten  "
  },
  {
    "start": 1577.75,
    "end": 1583.45,
    "text": "da das Klima retten könnte. Also da gibt´s \nmittlerweile sehr viel auch wissenschaftlichen  "
  },
  {
    "start": 1583.45,
    "end": 1588.04,
    "text": "Gegenwind. Die Studien die zeigen, dass das \ndeutlich überzogen ist und dass diese Erwartungen  "
  },
  {
    "start": 1588.04,
    "end": 1593.11,
    "text": "da nicht gegeben sind. Für Mitteleuropa \nmuss ich sagen, also die Klimafunktion,  "
  },
  {
    "start": 1593.11,
    "end": 1597.46,
    "text": "diese Klimaschutzfunktion des Waldes ist schon \neine wichtige. Also der Wald kann schon einen  "
  },
  {
    "start": 1597.46,
    "end": 1600.73,
    "text": "Beitrag leisten. Vor allen Dingen jetzt in \neiner Phase, also ich sag mal in den nächsten  "
  },
  {
    "start": 1600.73,
    "end": 1605.89,
    "text": "Jahrzehnten, wo`s wirklich drum geht, dass wir \nunser Energiesystem, unsere gesamte Gesellschaft  "
  },
  {
    "start": 1605.89,
    "end": 1612.88,
    "text": "dekarbonisieren, aber der Wald erfüllt ja viel, \nviel mehr Funktionen als diese Klimafunktion,  "
  },
  {
    "start": 1612.88,
    "end": 1619.3,
    "text": "d.h. einen Beitrag leisten ja, aber der alleinige \nProblemlöser nein. Und auch wenn Europa auch nicht  "
  },
  {
    "start": 1619.3,
    "end": 1624.85,
    "text": "das weltweite Klima retten kann, sagt auch der \nForscher, eine naturnähere Waldbewirtschaftung  "
  },
  {
    "start": 1624.85,
    "end": 1631.81,
    "text": "und eine Abkehr von den Fichtenmonokulturen \nmacht schon Sinn. Gerade wenn es um die Folgen  "
  },
  {
    "start": 1631.81,
    "end": 1637.75,
    "text": "des Klimawandels geht. Die Idee z.B. von einem \ngemischten Wald ist schon eine gute, weil die, das  "
  },
  {
    "start": 1637.75,
    "end": 1642.49,
    "text": "bringt halt Risikostreuung. Jede dieser Baumarten \ndie da beigemischt ist hat unterschiedliche  "
  },
  {
    "start": 1642.49,
    "end": 1647.71,
    "text": "Eigenschaften, kann auch unterschiedlich mit \nneuen Bedingungen, mit mehr Licht, mit weniger  "
  },
  {
    "start": 1647.71,
    "end": 1654.13,
    "text": "Wasser umgehen und viele Studien zeigen eben, dass \ndarum diese gemischten Wälder dann auch stabiler  "
  },
  {
    "start": 1654.13,
    "end": 1659.41,
    "text": "sind wenn`s jetzt umso Änderungen im Klima \noder Störungen jetzt geht. Mischwald ist schon  "
  },
  {
    "start": 1659.41,
    "end": 1666.85,
    "text": "grundsätzlich gut. Ich bin nur kein Freund von \ndiesen generellen Plakativaussagen und Lösungen.  "
  },
  {
    "start": 1666.85,
    "end": 1671.65,
    "text": "Das ist ja auch das, wenn man mit den Studierenden \nim Wald draußen sind, versuchen wir auch genau das  "
  },
  {
    "start": 1671.65,
    "end": 1678.58,
    "text": "zu lehren und den Studierenden das zu lernen. Wie \nkann man auf Basis der örtlichen Gegebenheiten,  "
  },
  {
    "start": 1679.33,
    "end": 1684.46,
    "text": "die Situation die wir hier vorfinden und auf Basis \nder Ziele die es für dieses Stückchen Wald gibt,  "
  },
  {
    "start": 1684.46,
    "end": 1689.89,
    "text": "wie kann man da ableiten was ist denn die Beste \nLösung um mit dem Wald umzugehen. Einfache  "
  },
  {
    "start": 1689.89,
    "end": 1696.52,
    "text": "Lösungen hat man oft so das Gefühl ist in der \nPolitik sehr, sehr beliebt. Es gibt ja Stimmen  "
  },
  {
    "start": 1696.52,
    "end": 1704.215,
    "text": "die sagen ja, wir müssen jetzt Klima resistentere \nBaumarten pflanzen. Weg mit der Fichte, rein mit  "
  },
  {
    "start": 1704.215,
    "end": 1711.79,
    "text": "der Douglasie z.B. Was hältst du dann von solchen \nAussagen oder gibt´s überhaupt schon Erkenntnisse  "
  },
  {
    "start": 1711.79,
    "end": 1717.55,
    "text": "ob die wirklich besser sind? Also ein gewisses \nUmdenken in bewirtschafteten Wäldern was die  "
  },
  {
    "start": 1717.55,
    "end": 1722.71,
    "text": "Baumartenportfolios betrifft, wird sicher \nnotwendig sein. Ein Aspekt denn man vorher  "
  },
  {
    "start": 1722.71,
    "end": 1729.13,
    "text": "schon angesprochen haben ist der Mischwald. Es ist \njetzt sicher so, dass einige unserer Baumarten auf  "
  },
  {
    "start": 1729.13,
    "end": 1733.3,
    "text": "manchen Standorten, denen wird´s wahrscheinlich \nwirklich im Klimawandel dort wirklich zu  "
  },
  {
    "start": 1733.3,
    "end": 1737.83,
    "text": "ungemütlich. Die werden wir dort verlieren, \nd.h. kann man natürlich schon argumentieren,  "
  },
  {
    "start": 1737.83,
    "end": 1744.4,
    "text": "dass man da jetzt neue Baumarten einbringt. Die \nFrage ist jetzt von wo bringt man die her. Nimmt  "
  },
  {
    "start": 1744.4,
    "end": 1750.04,
    "text": "man die Baumarten, die ohnehin dann natürlich \neinfach da rein migrieren würden weil´s einfach  "
  },
  {
    "start": 1750.04,
    "end": 1756.25,
    "text": "die heimischen Baumarten sind, z.B. die Eichen \noder nimmt man einfach Baumarten wie die Douglasie  "
  },
  {
    "start": 1756.25,
    "end": 1762.94,
    "text": "die halt zehntausend Kilometer weit gereist \nsind evolutionär. Aber wovor ich warne würde,  "
  },
  {
    "start": 1762.94,
    "end": 1768.58,
    "text": "wäre zu sagen oder zu hoffen, dass wir jetzt \nmit einer neuen Wunderbaumart, die Fichte war  "
  },
  {
    "start": 1768.58,
    "end": 1773.08,
    "text": "ja mal unsere Wunderbaumart vor 150 Jahren, \ndas wir jetzt mit einer neuen Wunderbaumart  "
  },
  {
    "start": 1773.08,
    "end": 1777.01,
    "text": "unsere Probleme zu lösen versuchen weil die \nWahrscheinlichkeit sehr groß ist, dass wir dann  "
  },
  {
    "start": 1777.01,
    "end": 1781.69,
    "text": "einfach für die nächste Generation wieder eine \nähnliche Form von Problemen schaffen. Ich geb ein  "
  },
  {
    "start": 1781.69,
    "end": 1786.61,
    "text": "Beispiel. Jetzt haben wir aktuell bei der Fichte \ndiese Probleme mit den Schädlingen, vor allen  "
  },
  {
    "start": 1786.61,
    "end": 1791.65,
    "text": "Dingen mit den Borkenkäfern. Bei den Douglasien \nwird da oft das Argument verwendet, die haben viel  "
  },
  {
    "start": 1791.65,
    "end": 1796.15,
    "text": "weniger Schädlinge. Es ist auch ganz logisch, \ndas muss so sein weil die Baumart hier einfach  "
  },
  {
    "start": 1796.15,
    "end": 1800.53,
    "text": "nicht sich evolutionär entwickelt hat. Dort wo \ndie Baumart heimisch ist, ich arbeit dort auch  "
  },
  {
    "start": 1800.53,
    "end": 1806.65,
    "text": "intensiv in Forschungsprojekten im Westen der \nUSA z.B. Dort haben die ganz normal auch eine  "
  },
  {
    "start": 1806.65,
    "end": 1810.37,
    "text": "ganze Gruppe von natürlichen Schädlingen. Da \ngibt´s einen Borkenkäfer der ist gar nicht so  "
  },
  {
    "start": 1810.37,
    "end": 1815.95,
    "text": "unähnlich von unseren Fichtenborkenkäfer, nur \nist der dann auf der Douglasie. Solange wir  "
  },
  {
    "start": 1815.95,
    "end": 1821.62,
    "text": "in unseren Landschaften jetzt so wie das jetzt \nder Fall ist ein paar Prozent Douglasien haben,  "
  },
  {
    "start": 1821.62,
    "end": 1826.63,
    "text": "da wird sich so ein neuer Borkenkäfer auch nicht \nwirklich groß ausbreiten oder etablieren können.  "
  },
  {
    "start": 1826.63,
    "end": 1831.04,
    "text": "Aber wenn wir jetzt in einem hypothetischen \nSzenario sagen würden, überall dort wo wir die  "
  },
  {
    "start": 1831.04,
    "end": 1835.0,
    "text": "Fichte haben und die jetzt Probleme macht, machen \nwir die Fichte weg und machen die Douglasie rein,  "
  },
  {
    "start": 1835.0,
    "end": 1841.15,
    "text": "dann ist fast so sicher wie das Amen im Gebet, \ndass wir da auch ähnliche Schädlingsprobleme  "
  },
  {
    "start": 1841.15,
    "end": 1846.22,
    "text": "in der Zukunft dann haben werden. Also ich würd \nwieder, keine einfachen Lösungen, keine einfachen  "
  },
  {
    "start": 1846.22,
    "end": 1851.53,
    "text": "Anworten, sorry. Ich würd dafür argumentieren, \npunktuell kann das schon Sinn machen,  "
  },
  {
    "start": 1851.53,
    "end": 1857.2,
    "text": "aber ich würd vor so one-size-fits-all-Lösungen, \nalso vor so generellen Lösungen, vor denen würd  "
  },
  {
    "start": 1857.2,
    "end": 1862.51,
    "text": "ich warnen. Es ist also eine ziemlich komplexe \nAufgabe vor der die Forstwirtschaft da steht  "
  },
  {
    "start": 1862.51,
    "end": 1868.51,
    "text": "um die Wälder für den Klimawandel fit zu machen. \nZu einhundert Prozent genau vorhersagen wie sich  "
  },
  {
    "start": 1868.51,
    "end": 1874.24,
    "text": "dieser bei uns auswirken wird und mit welchen \nFolgen genau, kann wohl niemand sagen. Um den  "
  },
  {
    "start": 1874.24,
    "end": 1880.33,
    "text": "Wald im Nationalpark mach sich Rupert Seidl \nallerdings tatsächlich relativ wenig Sorgen. Der  "
  },
  {
    "start": 1880.33,
    "end": 1884.08,
    "text": "Nationalpark Bayerischer Wald ist ein Naturwald, \nder ein Nationalpark ist, der sich natürlich  "
  },
  {
    "start": 1884.08,
    "end": 1889.51,
    "text": "entwickeln darf und ein Wirtschaftswald, dann muss \nich auch sagen um den sich natürlich entwickelnden  "
  },
  {
    "start": 1889.51,
    "end": 1894.58,
    "text": "Wald mach ich mir wenig Sorgen, weil die Natur \nentwickelt sich gemäß der natürlichen Prozesse  "
  },
  {
    "start": 1894.58,
    "end": 1900.01,
    "text": "so wie sie sich entwickelt. Im Wirtschaftswald \nist eher die Frage, können wir diese vielfältigen  "
  },
  {
    "start": 1900.01,
    "end": 1904.81,
    "text": "Anforderungen an den Wald, die auch immer noch \ngrößer werden mit den E-Mountainbikes und mit  "
  },
  {
    "start": 1904.81,
    "end": 1909.13,
    "text": "dem Kunststoff den wir jetzt speichern wollen \nund den ganzen Dingen die wir jetzt tun wollen,  "
  },
  {
    "start": 1909.13,
    "end": 1914.88,
    "text": "ob wir all diese Anforderungen da in Zukunft \nauch überall entsprechend so erfüllen wollen.  "
  },
  {
    "start": 1914.88,
    "end": 1920.04,
    "text": "Das seh ich eher schon ein bisschen kritischer, \nalso da wird´s sicher Anpassungen brauchen und  "
  },
  {
    "start": 1920.04,
    "end": 1926.28,
    "text": "sicher vielleicht auch eine etwas realistischere \nSichtweise auf das was so ein Ökosystem unter sich  "
  },
  {
    "start": 1926.28,
    "end": 1930.57,
    "text": "so krass wandelnden Bedingungen dann eigentlich \nleisten kann. Aber um den sich natürlich  "
  },
  {
    "start": 1930.57,
    "end": 1935.25,
    "text": "entwickelnden Bayerwald, wo´s darum geht die \nNatur Natur sein zu lassen, da brauchen wir uns  "
  },
  {
    "start": 1935.25,
    "end": 1940.11,
    "text": "eigentlich keine Sorgen zu machen. Also ist der \nNationalpark eigentlich ein Zukunftsmodell. Ein  "
  },
  {
    "start": 1940.11,
    "end": 1945.15,
    "text": "Zukunftsmodell dahingehend, dass wir hier lernen \nkönnen, wie die Zukunft ausschauen kann, wenn wir  "
  },
  {
    "start": 1945.15,
    "end": 1950.43,
    "text": "als Mensch eben nicht eingreifen und das kann dann \npunktuell mal wieder Überraschungen bringen so wie  "
  },
  {
    "start": 1950.43,
    "end": 1954.51,
    "text": "die großen Borkenkäfer in den neunziger Jahren \neine Überraschung waren. Aber grad aus diesen  "
  },
  {
    "start": 1954.51,
    "end": 1959.58,
    "text": "Überraschungen können wir ja lernen und ich würd \njetzt sagen, lernen oder die Fähigkeit zu lernen  "
  },
  {
    "start": 1959.58,
    "end": 1964.92,
    "text": "und sich anzupassen, das ist ja genau das was \nwir jetzt brauchen. Wir müssen uns ja anpassen  "
  },
  {
    "start": 1964.92,
    "end": 1969.81,
    "text": "und wir müssen neue Wege finden und erforschen wie \nwir jetzt mit diesen Bedingungen umgehen können.  "
  },
  {
    "start": 1969.81,
    "end": 1974.34,
    "text": "Und da ist es ganz wichtig, dass wir solche \nReferenzflächen haben. Also der Nationalpark als  "
  },
  {
    "start": 1974.34,
    "end": 1980.64,
    "text": "Lernort wie der Wald auf natürliche Art und Weise \nmit dem Klimawandel fertig werden kann. Ja da wird  "
  },
  {
    "start": 1980.64,
    "end": 1986.25,
    "text": "es wahrscheinlich auch noch die nächsten Jahre und \nJahrzehnte so manche spannende Erkenntnis geben. "
  },
  {
    "start": 1986.25,
    "end": 1994.02,
    "text": "Wildnis schafft Wissen - 50 Jahre Forschung im \nNationalpark Bayerischer Wald. Als Podcast auch  "
  },
  {
    "start": 1994.02,
    "end": 1999.69,
    "text": "in voller Länge auf unserradio.de und auf der \nHomepage des Nationalparks Bayerischer Wald."
  }
]