[
  {
    "start": 0.22,
    "end": 12.64,
    "text": "Bildung ist immer ein großer Teil Beziehungsarbeit und auch ein großer Teil Demo, dass du nie von oben herab irgendwas machst, sondern dass du dich immer als Mensch begegnest."
  },
  {
    "start": 13.42,
    "end": 16.54,
    "text": "Die politische Situation ist aktuell stark in Bewegung."
  },
  {
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    "end": 23.26,
    "text": "Krise folgt auf Krise, lange glaubte Sicherheiten schwinden, die extremistischen Pole sind sehr präsent und machen Angst."
  },
  {
    "start": 24.08,
    "end": 31.16,
    "text": "Und weil ich finde, dass es immer hilft, über dieses Angstgefühl zu sprechen und sich zu orientieren, spreche ich in dieser Folge mit Dr."
  },
  {
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    "text": "Martina Weihrauch."
  },
  {
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    "text": "Sie ist promovierte Juristin, hat knapp ca."
  },
  {
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    "end": 42.8,
    "text": "zwanzig Jahre lang die Landeszentrale für politische Bildung in Brandenburg geleitet und ist seit ihrer Jugend auf vielfältige Weise gesellschaftlich engagiert."
  },
  {
    "start": 43.6,
    "end": 48.96,
    "text": "Gemeinsam blicken wir auf ihr Berufsleben zurück und auf ihre Erkenntnisse in Bezug auf politische Bildung."
  },
  {
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    "end": 51.22,
    "text": "Viel Spaß mit diesem Gespräch!"
  },
  {
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    "end": 61.16,
    "text": "Herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Bildungsfrauen-Podcast und heute mit einer, wie ich finde, sehr spannenden Gesprächspartnerin, Dr."
  },
  {
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    "end": 69.56,
    "text": "Martina Weihrauch, langjährige Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung in Brandenburg und seit Kurzem im Ruhestand."
  },
  {
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    "text": "Und ja, schön, dass Sie da sind, Frau Weihrauch."
  },
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    "text": "Hallo."
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    "text": "Ja, ich habe ja gerade schon erzählt, die politische Bildung ist und war ihr langjähriges berufliches Thema."
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    "text": "Erzählen Sie doch mal, wie Sie zur politischen Bildung gekommen sind."
  },
  {
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    "text": "Ja, also was heißt eigentlich?"
  },
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    "end": 105.68,
    "text": "habe ich mich mein ganzes Leben lang engagiert auch zur DDR-Zeiten und habe auch auf Wunsch zum Beispiel der Kinder Gartenerzieherin, meiner Tochter, damals die sogenannten Schulen ja sozialistischen Arbeiten gemacht."
  },
  {
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    "end": 110.96,
    "text": "Da haben wir praktisch intern das gemacht, was man in der Öffentlichkeit nicht machen konnte."
  },
  {
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    "end": 117.56,
    "text": "Da haben wir über die Probleme in der Gesellschaft diskutiert und haben dann was anderes aufgeschrieben, um es irgendwie abzurechnen."
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    "text": "Also mich hat es schon immer interessiert, mich einzumischen."
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    "end": 126.92,
    "text": "Ich bin seit meinem siebzehnten Lebensjahr Jugendbeistand gewesen und habe Jugendliche vor Gericht vertreten."
  },
  {
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    "end": 153.48,
    "text": "habe Jura studiert, komme aus einem christlichen Elternhaus und hatte da Konflikte mit der Kirche, bin dann ausgetreten und auch Genossin geworden sozusagen, war aber dann schon auch durch meine Arbeit im internationalen Strafrecht, auch in verschiedenen Diskussionsfunden von Bürgerrechtlern, die dann auch die friedliche Revolution vorbereitet haben."
  },
  {
    "start": 153.54,
    "end": 155.54,
    "text": "Also, es ist mein ganzes Leben."
  },
  {
    "start": 155.62,
    "end": 164.68,
    "text": "Es ist ziemlich ambivalent, durch immer wieder den Versuch, sich in die Gesellschaft einzumischen und auch was zu bewegen."
  },
  {
    "start": 165.46,
    "end": 183.6,
    "text": "Und nach einem Jahrzehnt neunzig hatte ich das Glück, Dadurch, dass ich sowohl am Rehabilitierungsgesetz der DDR mitgearbeitet habe, als auch von Luther de Maizé gebeten wurde, die zwei-plus-vier-Verhandlungen mit auf Arbeitsebene zu verhandeln, weil ich zum internationalen Strafrecht promoviert hatte."
  },
  {
    "start": 185.38,
    "end": 205.46,
    "text": "dass ich nach einem Tobolenten, äh, neunzehnhundert, neunundachtzig, neunzig sofort in Westen gegangen bin und mich da im Jahr auch ins Verwaltungsrecht der Bundesrepublik und auch über das ins Rechtssystem eingearbeitet habe, weil ich natürlich wusste, dass ich mit dem DDR-Recht nicht viel ausrichten konnte."
  },
  {
    "start": 206.58,
    "end": 218.7,
    "text": "Und hatte denn das Glück, dass ich auch gleich Arbeit gefunden habe in Potsdam und dann in der Landesverwaltung nach einigen Monaten Arbeitslosigkeit als Referentin eingestellt wurde."
  },
  {
    "start": 219.94,
    "end": 233.92,
    "text": "Ja, und da habe ich dann in der Staatskanzlei gearbeitet in verschiedenen Funktionen und war unter anderem auch Personalräten, Personalratsvorsitzende, aber auch persönliche Referentin von Manfred Stolpe als Ministerpräsidenten."
  },
  {
    "start": 234.76,
    "end": 237.44,
    "text": "und wollte eigentlich überhaupt gar keine politische Bildung machen."
  },
  {
    "start": 238.5,
    "end": 258.579,
    "text": "Aber die Situation war so, dass die Landeszentrale für politische Bildung mit den Kollegen hatte ich sehr viel zu tun als Personalratsvorsitzende, weil da große Probleme existierten und als der damalige Leiter seine Stelle verlassen hatte, wurde es ausgeschrieben und ich wurde händering gebeten, das zu machen."
  },
  {
    "start": 258.64,
    "end": 261.519,
    "text": "Nach dem Motto, ich sollte das erst mal in Ordnung bringen."
  },
  {
    "start": 262.38,
    "end": 283.36,
    "text": "Und dann könnte ich auch wieder zurückkommen und so, und dann sind also da vor nur zwanzig Jahre draus geworden, weil ich dann ein, weil die Lage so verzweckt war, haushaltsrechtlich in erster Linie, weil der Vorgänger von mir, der war sozusagen sauer, wie die Vereinigung gelaufen ist."
  },
  {
    "start": 284.08,
    "end": 290.66,
    "text": "Und schrieb also große Bücher, nicht länger mit dem Gesicht zum Westen und so, also so eine Trotzreaktion."
  },
  {
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    "end": 295.56,
    "text": "Und ich sagte dann immer, naja, es nutzt ja nur ein nisches gilt, nun mal das Haushaltsrecht des Bundes und des Landes jetzt."
  },
  {
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    "end": 304.04,
    "text": "Und es war aber alles so verguckt haushaltsrechtlich, dass die Landeszentrale keinen Schritt mehr machen konnte."
  },
  {
    "start": 305.08,
    "end": 314.54,
    "text": "und ich das dann alles mit den Kollegen zerkloppt habe und alles nochmal neu aufgebaut habe und neue Richtlinien erarbeitet habe, also mit den Trägern auch zusammen."
  },
  {
    "start": 315.04,
    "end": 317.4,
    "text": "Also es war eine ziemliche Kernearbeit."
  },
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    "start": 318.18,
    "end": 328.76,
    "text": "und dadurch, dass ich dann aber alles sehr, sehr breit und sehr flach hierarchisch aufgebaut habe und mich auch alle haben machen lassen, weil sie auch keine andere Idee hatten."
  },
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    "end": 333.96,
    "text": "Ist das dann also eine richtig super funktionierende Institution geworden?"
  },
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    "end": 343.08,
    "text": "Und wir konnten eigentlich, wenn wir erklären konnten und wir haben es immer wieder versucht, was wir machen, haben die uns eigentlich alle machen lassen."
  },
  {
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    "end": 358.4,
    "text": "Also das Parlament, wir haben ja praktisch einmal im Jahr einen großen Bericht zu erstellen, sowohl finanziell als auch inhaltlich mit allem, was wir fördern, mit allem, was wir an Publikationen erarbeitet haben oder auch angekauft haben."
  },
  {
    "start": 359.3,
    "end": 369.08,
    "text": "Also im Grunde sind wir von Hacke bis Nacke kontrolliert worden, haben aber eigentlich trotzdem gemacht, was wir wollten, was wir für richtig hielten sozusagen fürs Land."
  },
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    "end": 380.24,
    "text": "Das war natürlich mit großen Konflikten verbunden, sowohl intern als auch mit allen Beteiligten."
  },
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    "end": 388.32,
    "text": "Aber wenn man davon ausgeht, dass der Konflikt der Normalzustand ist und nicht die Harmonie, kann man das ganz gut händen."
  },
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    "start": 388.4,
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    "text": "Also wir haben es ganz gut geschafft, glaube ich."
  },
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    "end": 405.26,
    "text": "Und jedenfalls die Reaktion darauf, dass ich mit sieben und sechzig Jahren jetzt in Rente gehe, waren so, dass ich den Eindruck hatte, dass sich nicht alle säufzend in den Armen liegen, dass ich endlich weg bin."
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    "end": 424.72,
    "text": "Naja, ich meine, es ist natürlich so, wenn Sie das wirklich von der Pieke auf noch mal neu aufbauen mussten, altes Dekonstruieren, neues Konstruieren und dann in twenty-fünf Jahren auch eine Menge gestaltet haben, dann ist es natürlich so."
  },
  {
    "start": 425.98,
    "end": 437.5,
    "text": "wo gebobelt wird fallen Späne, aber wenn man sieht, da bewegt sich auch was und da entsteht auch was Gutes, was fundiert ist, dann hält man auch die Reibung und die Spannung aus, würde ich jetzt mal schätzen."
  },
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    "text": "Man braucht gute Netzwerke."
  },
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    "text": "man sieht natürlich, dass es oft so ist, dass Frauen eben gefragt sind, wenn alles am Boden liegt."
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    "text": "Es gab dann auch Konkurrentenklagen, also waren hundert Bewerber, ich bin dann ausgewählt worden."
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    "text": "Und ich hatte dann auch noch eine Konkurrentenklage zu überstehen, weil natürlich dann auch dieser Ost-West-Konflikt noch dazu kam."
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    "text": "Es konnte natürlich nicht sein, dass eine ostdeutsche Frau besser ist als ein westdeutscher Mann."
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    "text": "Das wurde dann auch noch in der Presse groß ausgeschlachtet."
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    "text": "Also jedenfalls war es eine sehr spannende Sache, aber letzten Endes war es auch gerade die letzten Jahre, wo es dann also zwar die inhaltlichen Konflikte immer größer wurden, durch die konfliktreiche Situation im Land und auch in der Welt, hat das dann ganz gut funktioniert, dieses flachhirarchische, dass jeder jede Meinung gefragt ist und so weiter und so fort."
  },
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    "text": "Nein, da kommen wir ja dann sicher noch dazu."
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    "start": 504.46,
    "end": 504.72,
    "text": "Genau."
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    "text": "ich bin keine Pädagogin oder keine Klassische."
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    "text": "Naja, Quereinsteigerin von der fachlichen Qualifikation, aber ja aus ihrem ehrenamtlichen und gesellschaftlichen Engagement heraus ja eigentlich immer schon aktiv gewesen."
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    "text": "Ja."
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    "text": "Das ist ja immer die Frage."
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    "end": 536.96,
    "text": "Wirklich eingefleischte Bilder, die sagen natürlich, was hat die eigentlich für qualitative Voraussetzung, um das zu bewältigen?"
  },
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    "text": "Also ich hatte sozusagen das Leben und die friedliche Revolution als Voraussetzung."
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    "text": "Und dann hat sich das in der Praxis bewährt."
  },
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    "text": "Und ich habe sehr viele Weiterbildungen gemacht, aber in erster Linie so Leitungs-Weiterbildung und habe dann erfahren, wie das heißt, was ich mache und habe dann auch während der Pandemie noch eine Mediationsfortbildung gemacht."
  },
  {
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    "end": 564.54,
    "text": "Also ich habe immer sehr viel Fortbildung gemacht, um mich mit anderen auszutauschen, die ähnliche Probleme haben."
  },
  {
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    "end": 573.94,
    "text": "und einfach auch immer wieder weiter zu lernen, weil ja alle Leute immer wieder mit neuen Problemen konfrontiert sind."
  },
  {
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    "end": 586.96,
    "text": "Und das ist, glaube ich, für mich immer das Wichtigste gewesen, dass ich, wenn ich nicht weiter weiss, dann überlegt habe, wer kann mir helfen und wie kann ich mich jetzt fortbilden, um dieses Problem zu lösen?"
  },
  {
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    "end": 588.94,
    "text": "Ja, wobei natürlich."
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    "text": "Ich sag mal, wenn man jetzt mal in den Bereich der Erwachsenenbildung schaut, da sind natürlich viele Menschen mit ganz anderen Berufsbiografien, die dann irgendwann im Bildungsbereich landen."
  },
  {
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    "end": 614.1,
    "text": "Also da sind sie ja sozusagen auch kein Einhorn, sage ich jetzt mal, sondern ich kann mir vorstellen, gerade bei dieser Kernerarbeit war wahrscheinlich juristischer Hintergrund auch wirklich Gold wert."
  },
  {
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    "end": 623.18,
    "text": "Ich sage mal, dann im Laufe der Zeit auch bei allen möglichen politischen und rechtlichen Fragen, ist es natürlich, glaube ich, wirklich eine echt richtige Ressource."
  },
  {
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    "text": "Also ich mit meinem pädagogischen Hintergrund habe das ja nicht."
  },
  {
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    "end": 631.36,
    "text": "Und ich würde da stehen wie Oxfam Berg und mich fragen, okay, wie mache ich das denn und wie verstehe ich überhaupt die juristischen Texte?"
  },
  {
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    "text": "Aber ich habe natürlich auch immer von der Zielgruppe gedacht."
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  {
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    "end": 645.24,
    "text": "Das ist die Leute verstehen."
  },
  {
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    "end": 647.36,
    "text": "Und das nutzt nix."
  },
  {
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    "end": 675.84,
    "text": "Da haben wir jetzt vielleicht auch ein paar Beispiele, wo man das nochmal erläutern kann, wenn man die besten Absichten hat oder auch Leute, die eben entsorgt werden, als die sie eben politisch in irgendwelchen Ämtern waren, da nicht mehr gebraucht werden aus verschiedenen Gründen und dann eben in die politische Bildung entsorgt werden und die, die den ganzen Tag mit irgendeiner Sektflöte in der Hand bei jedem möglichen Empfang stehen und sich vernetzen, aber eigentlich keine inhaltlichen inputs bringen."
  },
  {
    "start": 676.04,
    "end": 679.42,
    "text": "also da ist ja auch immer die frage was heißt leitung von institution?"
  },
  {
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    "end": 683.08,
    "text": "ich habe zum beispiel immer gerne projekte auch selber gemacht."
  },
  {
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    "end": 703.24,
    "text": "ich habe nicht nur nie in meinem ganzen leben nur geleitet oder nur irgendwas kommuniziert oder moderiert, sondern ich habe immer inhaltliche Sachen auch selbst gemacht, damit man einmal weiß, wovon man redet und auch, was die Glaubwürdigkeit von einem betrifft."
  },
  {
    "start": 703.84,
    "end": 734.96,
    "text": "Wenn man also mit freien Trägern, also ich rede jetzt natürlich insbesondere von außerschulischer, politischer Bildung und Erwachsenenbildung, wenn man natürlich dann von den ganzen ehrenamtlich Engagierten mit denen zusammen ist oder auch die, die dafür bezahlt werden und die merken, man weiß, wovon man redet und welche Probleme sie auch haben, weil man die schon selber erlebt hat und dann auch Tipps geben kann, wie man die gelöst hat, dann ist das natürlich anders, als wenn man sich hinstellt und sagt, ja, ich komme aber von der Landesverwaltung."
  },
  {
    "start": 736.54,
    "end": 744.0,
    "text": "Das ist ja letzten Endes, ja, da sitzt man, okay, da hat man bestimmte Aufträge, das ist aber keine besondere Kompetenz für sich."
  },
  {
    "start": 745.12,
    "end": 748.16,
    "text": "Kompetenz kommt nur dadurch, dass man weiß, wie es gemacht wird."
  },
  {
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    "end": 748.9,
    "text": "Ja."
  },
  {
    "start": 749.7,
    "end": 760.18,
    "text": "Wenn Sie dann jetzt mal so ein bisschen zurückschauen, wie haben sich denn die Themen in Ihrer Arbeit verändert von Anfang der zweitausender Jahre bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt,"
  },
  {
    "start": 760.22,
    "end": 773.22,
    "text": "bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt, bis jetzt."
  },
  {
    "start": 773.28,
    "end": 788.72,
    "text": "Die friedliche Revolution und die wirtschaftlichen Umbrüche in Ostlandschönt haben ja gerade in den neunzehnt neunziger Jahren, den sogenannten Baseballschlägerjahren, haben die ja extreme gesellschaftliche Reaktionen hervorgerufen, also auch natürlich destruktive."
  },
  {
    "start": 789.56,
    "end": 795.18,
    "text": "Und die Frage ist, was heißt es für eine gesellschaftspersönlich Verantwortung zu übernehmen?"
  },
  {
    "start": 795.32,
    "end": 803.48,
    "text": "Also wir mussten ja wieder den Weg Vom wir zum ich gehen, also der Sozialismus sagte, wir gehen den Weg vom ich zum wir."
  },
  {
    "start": 804.3,
    "end": 817.64,
    "text": "Und wir mussten wieder zurückgehen und sagen, ja, jeder ist individuell verantwortlich und kann sich nicht hinter irgendeinem Kollektiv, einem Team oder so verstecken, sondern gerade, wenn es eben um die Bekämpfung von Extremismus."
  },
  {
    "start": 818.7,
    "end": 845.48,
    "text": "habe ich bewusst auch immer offen gelassen und wir haben uns nicht ausschließlich auf Linksextremismus schon Anfang der zweitausender Jahre und Ende der neunziger Jahre konzentriert, sondern gesagt, Extremismus geht gar nicht, es gibt nicht guten Extremismus oder bösen Extremismus, sondern jeder Extremismus, ob es Islamismus ist, was damals noch nicht das Problem war, oder auch Linksextremismus und Rechtsextremismus ist strafbar."
  },
  {
    "start": 846.22,
    "end": 850.22,
    "text": "Diese einzelnen Handlungen sind strafbar und destruktiv und zerstören die Gesellschaft."
  },
  {
    "start": 850.68,
    "end": 857.76,
    "text": "Also muss ich auch individuell als Bürgerinnen und Bürger Verantwortung übernehmen, um auch dagegen vorzugehen."
  },
  {
    "start": 857.84,
    "end": 866.5,
    "text": "Und der Artikel eins spricht auch jeden Bürger individuell an des Grundgesetzes und nicht nur die Gewalten der Bundesrepublik Deutschland."
  },
  {
    "start": 866.58,
    "end": 869.18,
    "text": "Also Sie merken, ich denke auch juristisch."
  },
  {
    "start": 870.08,
    "end": 878.84,
    "text": "Dann ist das Thema, was mich immer befasst hat, die ganze Zeit die Frage der Kommunikation."
  },
  {
    "start": 880.62,
    "end": 882.1,
    "text": "Warum hören Bürger zu?"
  },
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    "text": "Warum hören Bürger nicht zu?"
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    "text": "Also das war schon zu DDR-Zeiten so, dass mich immer geärgert hat, dass Leute Dissertationen schrieben, die keine Sau versteht, gerade im gesellschaftssissenschaftlichen Bereich."
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    "text": "dass nicht alle Leute eine chemische Dissertation verstehen oder eine physikalische oder so, das ist das eine."
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    "text": "Aber wenn ich eben auf gesellschaftlichen, wissenschaftlichen Gebiet arbeite, muss eigentlich ein normaler Mensch verstehen, was ich jetzt gerade diskutiere."
  },
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    "text": "Und da hat mich immer gefreut, dass meine Sekretärin, damals gab es ja noch keine Computer, eine DDR, zu mir sagte, deine Dissertation habe ich gut verstanden."
  },
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    "text": "Dass also auch jemand merkt, wir werden vom Steuerzahler bezahlt."
  },
  {
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    "end": 951.74,
    "text": "Und deswegen ist es unsere Aufgabe, dass der Steuerzahler uns auch versteht und dass wir deswegen uns so ausdrücken, dass die wissen, worum es geht und dass wir das auch in einer Art und Weise machen, wo wir die Leute nicht von Kopf stoßen, also dass sie sich nicht erzogen fühlen, sondern dass sie sich heraus oder eingeladen fühlen über dieses und jenes nachzudenken."
  },
  {
    "start": 955.14,
    "end": 961.42,
    "text": "Das war immer unser Thema und es hat sich eigentlich auch in den letzten fünfundzwanzig Jahren."
  },
  {
    "start": 962.1,
    "end": 994.32,
    "text": "auch die Kontroversen haben sich auch verschärft, weil natürlich durch die Nutzung des Internets und der sozialen Medien natürlich alle mitreden können, aber dieses alle dürfen mitreden hat natürlich auch Also erstmal ein großen demokratischen Faktor und der führt aber natürlich auch dazu, dass Menschen, die nicht mit Mediationen trainiert sind und nicht mit gewaltfreier Kommunikation und so, dass sie natürlich genauso mitreden."
  },
  {
    "start": 995.16,
    "end": 1014.72,
    "text": "Und wo man natürlich lernen muss als Institution und als Leiter dieser Kommunikationsprozesse, wie man diese Kommunikation steuert, damit sie gewaltfrei bleiben, indem man eben auch Rahmen setzt, indem man Regeln vorgibt."
  },
  {
    "start": 1015.14,
    "end": 1030.9,
    "text": "Das ist denn auch wieder das, was mir als Juristin, wo mir dann wieder die Juristin sehr geholfen hat, weil ich natürlich dann auch weiß, ja, wenn Konflikte entstehen, ist die Frage, wie begegnet man Konflikten, wie leitet man Kommunikation, wo man sich denn auch noch mal weiterbildet."
  },
  {
    "start": 1031.78,
    "end": 1034.64,
    "text": "Und das war aber immer unser Thema."
  },
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    "end": 1046.48,
    "text": "Das ist das Schöne, dadurch, dass wir jedes Jahr ein Ein Jahresbericht machen, der ist auch bei uns da seit zehntausenddreizend, ist da auch bei der Landeszentrale für politische Bildung in Brandenburg im Netz."
  },
  {
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    "end": 1060.54,
    "text": "Sieht man, dass es die Themen eigentlich, es gab immer mal Spezialthemen, also wenn wir Wahljahre waren oder Spezialthemen zu Europa oder Spezialthemen zum deutsch-polnischen Verhältnis oder so."
  },
  {
    "start": 1061.16,
    "end": 1068.88,
    "text": "Aber eigentlich war es immer diese Frage, wie lösen wir gesellschaftliche Probleme friedlich."
  },
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    "text": "Und wie nehmen wir Abschied von Gewalt und von Hass?"
  },
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    "text": "Das zieht sich eigentlich sozusagen die ganze Zeit durch alle Themen."
  },
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    "text": "Und da sieht man auch, dass wir keine illitäre politische Bildung gemacht haben."
  },
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    "text": "Also zum Beispiel die Sechziger und Siebziger Jahre waren ja geprägt davon, als Beutelsbach entstanden ist, dass man ja eigentlich nur mit Multiplikatoren geredet hat."
  },
  {
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    "end": 1104.62,
    "text": "Man sprach mit den Trägern, aber man sprach ja nicht mit der Bevölkerung."
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    "text": "Also man war unter sich im Fachkreis."
  },
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    "text": "Es heißt, wenn man dann die Fachsprache beherrschte, wurde man auch verstanden."
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    "text": "Aber es war natürlich ein absolut elitärer Zirkel."
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    "text": "Jeder, der von außen kam, wusste überhaupt nicht, wovon die eigentlich da reden."
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    "text": "So, das hat sich natürlich dann mit dem Wechsel des Jahrtausends dramatisch geändert, was eine sehr positive Seite hat."
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    "text": "Deswegen finde ich immer einseitig, wenn man sozusagen die Gewalt in Anführungsstrichen der sozialen Netzwerke beklagt."
  },
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    "end": 1149.16,
    "text": "Sie müssen eben moderiert werden und sie können, es geht auch, wenn man will, wenn man es eben nicht alles laufen lässt."
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    "text": "wenn man bestimmte Regeln aufsetzt und die auch kontrolliert."
  },
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    "text": "Aber wie gesagt, man muss mit diesem Werkzeug umgehen und es hilft auch nichts, die zu verteufeln, sondern wir müssen einfach lernen, damit umzugehen."
  },
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    "text": "Und wir haben eigentlich da sehr gute Erfahrungen gemacht."
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    "text": "Im Gegenteil, die Menschen waren uns sehr, sehr dankbar, wenn wir auf diese Bedürfnisse nach Informationen eingegangen sind."
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    "text": "Zum Beispiel zu den Wahlen sind wir, glaube ich, die einzige Landeszentrale, die Wahlportale angeboten hat, sehr früh, um den Leuten deutlich zu machen, ja, das sind in eurem Wahlkreis eure Kandidaten."
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    "text": "Und die stehen da und dafür."
  },
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    "text": "Und da haben wir auch beim Volumat erst mitgemacht, als auch die Extremisten mit drin waren."
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    "text": "Denn interessanterweise, man darf Extremisten wählen, wenn sie nicht verboten sind."
  },
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    "text": "Und wenn sie zur Wahl zugelassen sind."
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    "text": "So, da kann ich nicht sagen, ja, wir spielen jetzt mal so, als ob die nicht da wären."
  },
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    "start": 1207.96,
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    "text": "weil wir machen ja hier nur für die Guten in Anführungsstrichen, sondern ich muss mich natürlich mit der Realität auseinandersetzen."
  },
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    "text": "Und das sind so Sachen, wo man denn auch Pluralität und Kontroverse ernst nehmen muss und auch sich Instrumente überlegen muss, wie man damit umgeht."
  },
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    "text": "Ja, jetzt ist es ja so, dass du dieses Gefühl da ist, die Demokratie, steht wirklich oder hängt am seidenen Faden irgendwie."
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    "text": "Also es ist so vieles, was sich irgendwie so wiederholt aus den dreißiger Jahren, also neunzehntreißiger Jahren, neunzehntvierziger Jahren."
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    "end": 1258.82,
    "text": "Und es ist, also ich nehme das so wahr, so eine große Unzufriedenheit, eine starke Polarisierung, aber auch wirklich so ein großes Gefühl von Angst und Angst ist ja auch so ein mächtiges und sehr ansteckendes."
  },
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    "start": 1260.3,
    "end": 1270.12,
    "text": "Die einen haben Angst und werden laut und werden gewalttätig und die anderen haben Angst und ziehen sich zurück oder werden ganz leise und wissen gar nicht, wie sie damit so umgehen soll."
  },
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    "text": "Wie schätzen Sie das aktuell so ein?"
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    "text": "Wie steht es um die Demokratie und was kann auch helfen da, gegenzusteuern oder sie zu revitalisieren oder was auch immer?"
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    "text": "Ich hasse diesen Ausdruck, die Demokratie steht unter Druck."
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    "text": "Also ich kenne keinen anderen Zustand in Ostdeutschland."
  },
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    "end": 1307.46,
    "text": "War es immer so, weil es ein Unbruch war, der Unbruch war mit wahnsinnigen wirtschaftlichen und demografischen Verwerfungen verbunden."
  },
  {
    "start": 1308.28,
    "end": 1312.8,
    "text": "Also es war sozusagen in Ostdeutschland, was die Demokratie betrifft, noch nie gemütlich."
  },
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    "text": "Da konnte man sich nie irgendwo sicher wählen."
  },
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    "end": 1329.34,
    "text": "Also wenn ich sozusagen in Freiburg bin, wo die Grünen nach wie vor eigentlich das Sagen haben und sehe welcher Wohlstand ist und was da alles in Ordnung ist, da sage ich einen so einem Zustand war ich noch nie."
  },
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    "end": 1331.28,
    "text": "Das kenne ich gar nicht."
  },
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    "text": "Also in der Beziehung sind wir im Osten natürlich trainierter."
  },
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    "end": 1338.6,
    "text": "Was natürlich der Fall ist, Das ist neu."
  },
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    "start": 1338.72,
    "end": 1365.92,
    "text": "Wir haben jetzt, nachdem wir Ostdeutschen, sag ich jetzt mal, eine friedliche Revolution erlebt haben, wo es jetzt keine Toten gab in der DDR, muss man immer dazu sagen, in anderen osteuropäischen Ländern ja schon und auch in China, was wo es ja praktisch missglückt ist, muss man sagen, dass wir jetzt eine neue, neuen gesellschaftlichen Umbruch haben, wo wir praktisch wissen, dass die USA eigentlich nicht mehr unser Partner ist."
  },
  {
    "start": 1367.48,
    "end": 1370.54,
    "text": "Also wir haben jetzt praktisch Putin und Trump als Gegner."
  },
  {
    "start": 1371.0,
    "end": 1382.84,
    "text": "Und die Frage ist, dass es noch unklar ist, wie weit jetzt die Europäische Union das nutzt und nutzen kann, wirklich an Stärke zu gewinnen."
  },
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    "text": "Das ist jetzt die Herausforderung."
  },
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    "start": 1385.7,
    "end": 1395.76,
    "text": "Die zweite Herausforderung ist, dass wir merken, dass also auch die Normalsituation, dass das Völkerrecht gilt und alle das auch so sehen."
  },
  {
    "start": 1396.7,
    "end": 1398.32,
    "text": "dass die in Frage steht."
  },
  {
    "start": 1399.28,
    "end": 1408.06,
    "text": "Wenn jetzt momentan ist es so, dass sich eigentlich keiner so richtig ans Völkerrecht hält, früher war das auch so, aber dann wurde das gemeinsam so erkannt und so besprochen."
  },
  {
    "start": 1408.86,
    "end": 1411.84,
    "text": "Und das ist natürlich das, was viele Leute verunsichert."
  },
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    "start": 1412.48,
    "end": 1421.06,
    "text": "Aber diese Verunsicherungssituation ist für euch neu, vielleicht im Westen, aber im Osten wandelt sich die Verunsicherung nur ständig."
  },
  {
    "start": 1422.48,
    "end": 1428.42,
    "text": "Und die Frage ist, dass man immer wieder neu darüber nachdenken muss, wie man den begegnet."
  },
  {
    "start": 1429.2,
    "end": 1432.78,
    "text": "Was die internationale Situation betrifft, kann ich es auch nicht sagen."
  },
  {
    "start": 1433.3,
    "end": 1445.68,
    "text": "Ich beobachte es nur und habe... Mir ist auch mulmig dabei, muss ich zugeben, weil ich natürlich als internationaler Strafrechtlerin schon sehe, welche Verbrechen hier auch begangen werden."
  },
  {
    "start": 1446.52,
    "end": 1452.0,
    "text": "Und auch nicht sagen kann, der ist der Böse und der ist der Gute, weil da ganz viele Sachen sich überschneiden."
  },
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    "end": 1455.82,
    "text": "Und ja, also so viel erstmal vielleicht dazu."
  },
  {
    "start": 1456.6,
    "end": 1462.0,
    "text": "Die zweite Sache, die viel spannender ist, die Frage der von Polarisierung."
  },
  {
    "start": 1462.88,
    "end": 1473.06,
    "text": "Also ich lehne es eigentlich ab von Polarisierung zu sprechen, weil es die faktisch gar nicht gibt, als genereller soziologischer Punkt."
  },
  {
    "start": 1473.82,
    "end": 1507.24,
    "text": "Ob das Steffe Mao ist mit seinen Kollegen oder auch Nils Kunker, der hat jetzt ein neues Buch geschrieben zur Polarisierung, muss man sagen, sie haben ja erkannt, dass sozusagen die Triggerpunkte, so wird das ja genannt, von allen Leuten eigentlich gleichmäßig verteilt ist und es den reaktionären AfD-wählenden alten Mann, der sozusagen alles so behalten will, wie es ist und die progressive grüne Wählerin, die für alles aufgeschlossen ist und Kosmopolitän ist, dass es das nicht gibt."
  },
  {
    "start": 1508.06,
    "end": 1514.22,
    "text": "Sondern dass wir in vielen verschiedenen Problemlagen alle näher beieinander liegen, als man denkt."
  },
  {
    "start": 1515.22,
    "end": 1520.2,
    "text": "Also diese Polarisierung, wie sie zum Beispiel in den USA zu beobachten ist, gibt es bei uns so nicht."
  },
  {
    "start": 1520.76,
    "end": 1552.16,
    "text": "Aber was eben interessant ist und was Nils Kunker eben rausgekriegt hat durch seine Forschung, dass es so ist, dass verschiedene Akteure von Kommunikation in den sozialen Netzwerken, aber auch außerhalb in den öffentlich-rechtlichen auch, dass sie sozusagen bestimmte Themen eben hochziehen und verstärken und sich Leute, die sonst in anderen Fragen vielleicht völlig gleicher Meinungs sind, aber hier sozusagen gegensätzlich positionieren."
  },
  {
    "start": 1553.1,
    "end": 1556.62,
    "text": "Und es sieht so aus, als ob die Gesellschaft polarisiert sei."
  },
  {
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    "end": 1559.94,
    "text": "Dabei ist es nur die Art und Weise der Kommunikation."
  },
  {
    "start": 1560.84,
    "end": 1582.82,
    "text": "Interessanterweise beherrschen die extremistischen Ränder dieser Gesellschaft und der Parteienlandschaft, beherrschen diese Kommunikation der Zuspitzung und der... Verstärkung dieser Konfrontation und dieser Polarisierung beherrschen diese Form der Kommunikation besonders."
  },
  {
    "start": 1582.9,
    "end": 1594.02,
    "text": "Also bei der Linken jetzt, Frau Reichenig, ist ja da auch wirklich sensationell, professionell, ob das jetzt gesellschaftlich hilft, ist eine andere Frage."
  },
  {
    "start": 1595.36,
    "end": 1601.38,
    "text": "Deswegen ist eben die Frage, was ist unsere Aufgabe eigentlich als Bildungsanbieter?"
  },
  {
    "start": 1602.02,
    "end": 1610.94,
    "text": "Und ich finde, das Wichtige ist, dass man immer versucht, die Sache wieder so zu seizieren, zu dekonstruieren, auseinanderzunehmen und zu erklären."
  },
  {
    "start": 1612.14,
    "end": 1618.38,
    "text": "Und das war jetzt sozusagen unsere Richtung in Brandenburg."
  },
  {
    "start": 1619.08,
    "end": 1630.8,
    "text": "Das Wichtigste ist also, dass wir uns A. einer einfach verständlichen Sprache bedienen und versuchen in dieser Sprache keine Triggerpunkte zu setzen."
  },
  {
    "start": 1631.88,
    "end": 1653.62,
    "text": "Also irgendwelche Schneidzerbinderstriche und so weiter und so fort, für die Leute zu vermeiden, die sich dadurch geträgert fühlen und dann erst gar nicht zuhören weiter, sondern die Grundidee auch des Genderns zum Beispiel eine Wertschätzung und eine Sichtbarkeit zu ermöglichen, dass wir die anders formulieren."
  },
  {
    "start": 1654.08,
    "end": 1666.98,
    "text": "Das war so wertschätzend und freundlich und unaggressiv und nicht gewalttätig argumentieren, dass sich alle angesprochen fühlen und dass sie sich innerlich entspannen."
  },
  {
    "start": 1667.4,
    "end": 1672.82,
    "text": "Der Punkt ist, wenn die Leute auf Hundertundachtzig sind, hören sie ja nicht mehr zu, sondern donnen nur ihre Argumente ins Netz."
  },
  {
    "start": 1673.7,
    "end": 1676.86,
    "text": "Und also was tue ich, um Leute zum Zuhören zu bringen?"
  },
  {
    "start": 1676.92,
    "end": 1679.84,
    "text": "Und da hat mehr Demokratie e.V."
  },
  {
    "start": 1680.08,
    "end": 1699.76,
    "text": "ja dieses wunderbare Konzept mit Reden und Zuhören entwickelt, wo praktisch in Kleinkrüppchen nach bestimmten Regeln jeder Reden darf zu einem Thema und keiner darf ihn unterbrechen und keiner darf widersprechen, sondern jeder redet für sich."
  },
  {
    "start": 1701.0,
    "end": 1724.46,
    "text": "Das ist ein Wahnsinnsformat, was sozusagen viele konstruktive Debatten erst ermöglicht hat, weil die Leute erst mal runtergekommen sind und gemerkt haben, hier ist ein Ort, wo dir zugehört wird, wo es nicht darum geht, wer am lautesten brüllt und wer am eloquentesten argumentiert, sondern es geht jetzt erst mal darum, dass wir uns gegenseitig zuhören."
  },
  {
    "start": 1726.34,
    "end": 1730.5,
    "text": "Das sind so Sachen, die finde ich ganz toll, das macht mir auch Mut."
  },
  {
    "start": 1731.58,
    "end": 1735.24,
    "text": "jahrelang diesen Verein finanziell stark unterstützt durch meine Spenden."
  },
  {
    "start": 1735.28,
    "end": 1736.54,
    "text": "Jetzt bin ich in Mitglied geworden."
  },
  {
    "start": 1736.92,
    "end": 1743.3,
    "text": "Vorher habe ich das alles vermieden durch meine Funktion, damit man dann nicht in irgendwelche Interessenkollisionen kommt."
  },
  {
    "start": 1744.5,
    "end": 1758.56,
    "text": "Aber unsere Aufgabe ist es zu überlegen, was braucht jetzt die Gesellschaft, um wieder konstruktiv ins Gespräch zu kommen und auch zu handeln und nicht die Lager noch mehr aufeinander zu treiben."
  },
  {
    "start": 1759.34,
    "end": 1762.14,
    "text": "und die Polarisierung praktisch voranzutreiben."
  },
  {
    "start": 1762.18,
    "end": 1766.0,
    "text": "Das heißt aber nicht, dass meine Positionen verschworen sind."
  },
  {
    "start": 1766.1,
    "end": 1778.58,
    "text": "Also zum Beispiel haben wir gesagt als Landeszentrale, wir sind nicht neutral, wir sind dem Grundgesetz verpflichtet und den Artikel eins fortfolgende."
  },
  {
    "start": 1778.86,
    "end": 1790.86,
    "text": "Das heißt, wir benennen menschenverachtende Sachen menschenverachtend und sind nicht Ambivalent, sondern sind da ganz klar in unseren Aussagen."
  },
  {
    "start": 1791.78,
    "end": 1802.78,
    "text": "Aber klar in Aussagen zu sein, ohne die Aggression per se hervorzurufen durch die Art und Weise, wie man es formuliert, das ist eben die Kunst."
  },
  {
    "start": 1803.5,
    "end": 1810.68,
    "text": "Und da bin ich zum Beispiel auch mit der wissenschaftlichen Seite der politischen Bildung sehr überkreuzt."
  },
  {
    "start": 1811.18,
    "end": 1826.0,
    "text": "weil ich finde, dass die Lehrstühle für politische Bildung so ein unverständlichen Quark fachlich äußern, wo man sie anfleht, doch in Deutsch für die Landbevölkerung, was sehr positiv und wertschätzend gemeint ist."
  },
  {
    "start": 1826.08,
    "end": 1832.0,
    "text": "Also in einfach verständlicher Sprache, was ein großintellektuelles Niveau hat."
  },
  {
    "start": 1832.5,
    "end": 1833.72,
    "text": "Ich bin selber promoviert."
  },
  {
    "start": 1834.4,
    "end": 1836.86,
    "text": "Ich weiß, wie man Quark redet."
  },
  {
    "start": 1837.5,
    "end": 1843.32,
    "text": "Aber zum Beispiel nervt mich auch, bei vielen Leuten, deren Buch man denn empfiehlt."
  },
  {
    "start": 1843.88,
    "end": 1854.06,
    "text": "Man geht eben zu einer Veranstaltung, wo das Buch vorgestellt wird und dann ist der Wissenschaftler die Wissenschaftlerin in der Lage, in einfachen deutschen Hauptsätzen zu erklären, welche Erkenntnisse sie hatte."
  },
  {
    "start": 1854.14,
    "end": 1857.94,
    "text": "und dann lest man das Buch und dann könnte man ihnen es um den Kopf werfen."
  },
  {
    "start": 1858.88,
    "end": 1863.08,
    "text": "Weil man sagt, dieses Buch ist für normale Menschen."
  },
  {
    "start": 1863.7,
    "end": 1874.96,
    "text": "die sich inhaltlich mit anderen Sachen beschäftigen, die auf Intensivstationen arbeiten, die im Straßenbau arbeiten oder einen ganzen Tag Publikumsverkehr haben, nicht lesbar."
  },
  {
    "start": 1875.5,
    "end": 1880.2,
    "text": "Ihr habt tolle Erkenntnisse, aber es ist komplett unverständlich."
  },
  {
    "start": 1880.72,
    "end": 1881.84,
    "text": "Warum macht ihr das?"
  },
  {
    "start": 1882.54,
    "end": 1884.5,
    "text": "Und das ist auch meine Frage an die Wissenschaft."
  },
  {
    "start": 1885.04,
    "end": 1887.0,
    "text": "Warum seid ihr unverständlich?"
  },
  {
    "start": 1887.58,
    "end": 1890.9,
    "text": "Warum könnt ihr nicht Verständlich sprechen."
  },
  {
    "start": 1891.18,
    "end": 1907.86,
    "text": "Ich habe gestern meinem Mann, nachdem ich hier dieses Polarisierungsbuch gelesen habe und mich so geärgert habe, weil die Veranstaltung richtig toll war mit dem Autor, habe gesagt, du brauchst das Buch nicht zu lesen, du ärgerst dich nur die Plätze, ich erzähl dir jetzt, was da drin steht, in fünf Sätzen."
  },
  {
    "start": 1909.72,
    "end": 1912.1,
    "text": "Wir prüfen das jetzt gar nicht, ob das wissenschaftlich war."
  },
  {
    "start": 1912.16,
    "end": 1917.78,
    "text": "Das ist für mich so einleuchtend, weil das auch meine praktischen Erfahrungen sozusagen deckt."
  },
  {
    "start": 1918.36,
    "end": 1920.26,
    "text": "Das kann ich sowieso alles nicht überprüfen."
  },
  {
    "start": 1920.86,
    "end": 1926.3,
    "text": "Ich möchte aber in klaren, inhaltlichen Sätzen auch Handlungsanleitungen haben."
  },
  {
    "start": 1926.88,
    "end": 1937.92,
    "text": "Und wenn ich als Wissenschaftler so ein Thema bearbeite, erwarte ich auch als Bürgerin, dass ich Handlungsanweisung oder Empfehlungen bekomme, aber die ich auch verstehe."
  },
  {
    "start": 1938.74,
    "end": 1940.96,
    "text": "Und ich sage, was hat er da eigentlich geschrieben?"
  },
  {
    "start": 1943.32,
    "end": 1944.68,
    "text": "Ja, das ist ein großes Problem."
  },
  {
    "start": 1944.78,
    "end": 1951.92,
    "text": "Also ich kenne das auch, dass ich bestimmte Bücher oder auch in meinem ersten Studium, dass ich zum Teil dachte, was schreibt er da eigentlich?"
  },
  {
    "start": 1952.02,
    "end": 1954.96,
    "text": "Also ich meine, ich bin jetzt hier und studiere und verstehe es trotzdem nicht."
  },
  {
    "start": 1955.62,
    "end": 1961.82,
    "text": "Und es erschließt sich mir auch nicht, weil das so abstrakt ist, dass ich da gar keinen Handlungsbezug zu habe."
  },
  {
    "start": 1963.44,
    "end": 1968.42,
    "text": "Anfangs eingeschüchtert und irgendwann auch wirklich nur noch wütend gemacht, weil ich dachte, man, Wissen ist doch für alle da."
  },
  {
    "start": 1969.42,
    "end": 1970.68,
    "text": "Warum schreibt man es nicht so?"
  },
  {
    "start": 1970.78,
    "end": 1971.8,
    "text": "Und es ist ja wirklich dann"
  },
  {
    "start": 1972.92,
    "end": 1973.24,
    "text": "so ein Parallel."
  },
  {
    "start": 1973.28,
    "end": 1977.92,
    "text": "Das ist eine Form von Herablassung und nicht Wertschätzung des Gegenübers."
  },
  {
    "start": 1978.34,
    "end": 1981.24,
    "text": "Was ist denn das Ziel, dass man so redet?"
  },
  {
    "start": 1981.3,
    "end": 1984.44,
    "text": "Das Ziel ist, dem anderen zu sagen, du bist zu doof dafür."
  },
  {
    "start": 1984.98,
    "end": 1986.1,
    "text": "Das ist aber nicht der Fall."
  },
  {
    "start": 1986.88,
    "end": 1990.68,
    "text": "Und ich finde eben, das ist wirklich intellektuell."
  },
  {
    "start": 1991.12,
    "end": 1994.34,
    "text": "Spitze ist, wenn man das einfach ausdrücken kann."
  },
  {
    "start": 1994.92,
    "end": 1996.72,
    "text": "Und diese Leute schätze ich besonders."
  },
  {
    "start": 1997.7,
    "end": 2000.44,
    "text": "Wenn man das nicht kann, dann braucht man das nicht."
  },
  {
    "start": 2001.0,
    "end": 2003.18,
    "text": "Denn dafür werden die ja auch bezahlt."
  },
  {
    "start": 2003.32,
    "end": 2006.44,
    "text": "Es soll für uns ja als Gesellschaft wirksam werden."
  },
  {
    "start": 2008.14,
    "end": 2010.46,
    "text": "Und deswegen muss ich es dann auch so ausdrücken."
  },
  {
    "start": 2011.08,
    "end": 2012.14,
    "text": "Und das geht auch."
  },
  {
    "start": 2013.24,
    "end": 2015.26,
    "text": "Es macht Arbeit, es geht aber."
  },
  {
    "start": 2017.34,
    "end": 2033.1,
    "text": "Jetzt haben Sie vorhin schon mal auch so ein bisschen nochmal darauf angesprochen, wir im Osten, sie im Westen, beziehungsweise ich im Westen, sie im Osten und haben ja auch beschrieben, wie die Wiedervereinigung, also was es für ein massiver Einschnitt war."
  },
  {
    "start": 2033.4,
    "end": 2036.98,
    "text": "Also als das passiert ist, als das Ereignis war, war ich noch ein Kind."
  },
  {
    "start": 2037.1,
    "end": 2041.96,
    "text": "Also ich habe das, ich sage mal, als großes Ereignis schon wahrgenommen,"
  },
  {
    "start": 2042.5,
    "end": 2042.72,
    "text": "aber"
  },
  {
    "start": 2043.44,
    "end": 2066.1,
    "text": "was da eigentlich hintersteckt und welche Verwerfungen Das auch waren und welche Herausforderungen, also auch für das gesamte Land, aber natürlich auch insbesondere für die Menschen, die in Ostdeutschland sozialisiert waren und sind, sich da ganz neu einfügen zu müssen, Verlusterfahrungen, Ängste, biografische Verwerfungen, mit denen einfach nichts zu rechnen war."
  },
  {
    "start": 2066.199,
    "end": 2067.34,
    "text": "Das war ja schon massiv."
  },
  {
    "start": 2067.94,
    "end": 2071.659,
    "text": "Und ich bin halt so aufgewachsen mit diesem Gefühl, naja, wir sind halt Deutschland."
  },
  {
    "start": 2072.92,
    "end": 2080.639,
    "text": "habe aber dann im Laufe meines erwachsenen Lebens doch immer auch wieder festgestellt, dass es doch diese Grenzen und Brüche immer noch gibt."
  },
  {
    "start": 2080.94,
    "end": 2084.139,
    "text": "Wir im Westen, ihr im Osten oder wir im Osten, ihr im Westen."
  },
  {
    "start": 2084.88,
    "end": 2089.46,
    "text": "Wurde das damals unterschätzt, wie lange das braucht, bis das wirklich eingewachsen ist?"
  },
  {
    "start": 2090.78,
    "end": 2093.56,
    "text": "Weil ich auch da manchmal denke, das ist auch ganz schön verhärtet."
  },
  {
    "start": 2094.719,
    "end": 2099.8,
    "text": "Oder da gibt es vielleicht auch ein Unverständnis oder auch eine fehlende Kommunikationsebene."
  },
  {
    "start": 2099.88,
    "end": 2100.88,
    "text": "Ich weiß das gar nicht so."
  },
  {
    "start": 2101.16,
    "end": 2108.68,
    "text": "Aber wie gesagt, ich bin da so aufgewachsen, dachte, naja, wir sind jetzt halt eins und irgendwie habe ich festgestellt, nee, an vielen Stellen ist es überhaupt gar nicht so."
  },
  {
    "start": 2109.8,
    "end": 2117.2,
    "text": "Na ja, der Punkt ist natürlich, vierzig Jahre ist schon eine lange Zeit der Trennung."
  },
  {
    "start": 2118.1,
    "end": 2122.46,
    "text": "Und die andere Seite, also der Punkt ist, mir geht das gar nicht so."
  },
  {
    "start": 2123.06,
    "end": 2133.12,
    "text": "Also, ich bin, sozusagen, sofort nach, in alle Länder gefahren, auch nach Westdeutschland, nach Europa, hab mir alles angeguckt, war total glücklich."
  },
  {
    "start": 2134.1,
    "end": 2138.78,
    "text": "Bin jetzt auch viel in Osteuropa, die ja auch immer nach Europa gucken."
  },
  {
    "start": 2140.36,
    "end": 2146.92,
    "text": "Also, mir ist das sehr persönlich sehr wichtig, aber ich hatte eben auch die Chance, mich persönlich einzubringen und wollte es auch."
  },
  {
    "start": 2147.92,
    "end": 2157.78,
    "text": "bin sozusagen aufgrund meiner Erziehung und meiner Bildung auch so im Grunde ausgestattet worden, dass ich die Zumutung der Freiheit ertragen kann."
  },
  {
    "start": 2159.0,
    "end": 2168.94,
    "text": "Aber man darf nicht vergessen, dass eben auch eine Diktatur ein Stückchen weit eine mentale Entlastung ist für mich, weil ganz klar ist, was ist verboten und was ist erlaubt."
  },
  {
    "start": 2169.3,
    "end": 2173.28,
    "text": "Und wenn ich eigentlich nichts anderes machen will, als morgens zur Arbeit zu gehen, mein Geld zu priegen."
  },
  {
    "start": 2174.0,
    "end": 2175.28,
    "text": "Und vielleicht noch ein bisschen Reisen."
  },
  {
    "start": 2175.36,
    "end": 2180.96,
    "text": "Also, wenn die DDR's noch geschafft hätte, die Leute reisen zu lassen, wäre wahrscheinlich nicht alles zusammengebrochen."
  },
  {
    "start": 2181.02,
    "end": 2184.24,
    "text": "Also, die Leute können sogar mit schlechten Angeboten irgendwie leben."
  },
  {
    "start": 2184.82,
    "end": 2188.94,
    "text": "Wenn sie sagen, aber dafür habe ich das, dafür habe ich das, dafür habe ich das."
  },
  {
    "start": 2189.64,
    "end": 2195.98,
    "text": "Also, die Verheerungen einer Diktatur auch in den Köpfen und in der Mentalität."
  },
  {
    "start": 2198.82,
    "end": 2200.24,
    "text": "Sie sind schwierig zu erfassen."
  },
  {
    "start": 2200.88,
    "end": 2211.64,
    "text": "Der Punkt ist aber, ich denke auch, dass es große Unterschiede gibt auch in einer alten Bundesrepublik, dass die nur nicht so thematisiert werden und dass die im Föderalismus so ein bisschen untergehen."
  },
  {
    "start": 2212.26,
    "end": 2219.62,
    "text": "Also ich habe mir jetzt im Bayerischen Rundfunk diese Lebensgeschichten, da gibt es ja sozusagen so eine Senderei mal angeguckt."
  },
  {
    "start": 2219.8,
    "end": 2236.32,
    "text": "Und da sind natürlich, ich sage jetzt nur mal in Bayern, Leute, die wie ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der ich, in der Lebensbedingungen ausgesetzt gewesen, sowas konnte ich mir nicht vorstellen."
  },
  {
    "start": 2236.84,
    "end": 2259.9,
    "text": "Also ich denke, dass es interessant ist, wenn man auch innerhalb der Altenbundesrepublik nochmal genauer guckt, wie riesig da die Unterschiede sind, was da auch für Entwicklung möglich waren, aber schon zwischen Hamburg und dem Ruhrgebiet oder auch anderen süddeutschen Dörfern, also ländlicher Raum ist immer was ganz anderes."
  },
  {
    "start": 2260.58,
    "end": 2265.7,
    "text": "Ich denke, diese Unterschiede, die sind total bereichernd."
  },
  {
    "start": 2266.14,
    "end": 2277.14,
    "text": "Man muss sie aber auch wahrnehmen und zu Wort kommen lassen und auch sehen, wo dieses und jenes an Kreativität fruchtbar gemacht werden kann."
  },
  {
    "start": 2277.86,
    "end": 2285.96,
    "text": "und wo man eben auch noch mal was Verletzungen betrifft, hier und da genauer hingucken muss, die ja einfach bisher auch so nicht zu Wort kamen."
  },
  {
    "start": 2286.2,
    "end": 2290.88,
    "text": "Die Auslösungen kommen ja nur deswegen zu Wort, sage ich jetzt von Anfang Strichen."
  },
  {
    "start": 2291.44,
    "end": 2294.44,
    "text": "weil sie letztendlich als Boomern aufgebaut sind."
  },
  {
    "start": 2295.48,
    "end": 2300.44,
    "text": "Also die wählen alle AfD, die sind alle hinterwärterisch und die sind alle ein bisschen bekloppt."
  },
  {
    "start": 2301.06,
    "end": 2307.38,
    "text": "Und deswegen bildet man sozusagen so eine Schicksalsgemeinschaft der Leute, die eigentlich verfehm sind."
  },
  {
    "start": 2307.84,
    "end": 2310.64,
    "text": "So, das Interessante war schon zu DDR-Zeiten."
  },
  {
    "start": 2311.52,
    "end": 2317.96,
    "text": "Ich hatte da mal eine so internationale Austausch, wo westdeutsche Wissenschaftler denn zu uns kam nach Brandenburg."
  },
  {
    "start": 2318.48,
    "end": 2322.8,
    "text": "in so ein kleines Schloss, was damals schon rekonstruiert war, wo wir da Konferenzen machen mussten und so."
  },
  {
    "start": 2323.48,
    "end": 2331.2,
    "text": "Und dann war die völlig, völlig geflasht, aber wie schön es bei uns ist und dass wir alle auch bis dreizehn können und mit einem Messer und Gabel essen können."
  },
  {
    "start": 2332.08,
    "end": 2333.12,
    "text": "Das hat die alle überrascht."
  },
  {
    "start": 2333.18,
    "end": 2343.14,
    "text": "Also das ist ja auch immer interessant, wenn man so so eine fokussierten Buhmender und Frauen hat, weil es ja auch eine Entspannung ist, dass es immer irgendein Bösen gibt und man ist der Gute."
  },
  {
    "start": 2344.28,
    "end": 2349.76,
    "text": "Also diese Zuschreibung haben ja auch eine psychische Entlastungsfunktion, ein Webs gegenüber."
  },
  {
    "start": 2350.66,
    "end": 2356.9,
    "text": "Aber die Frage ist eben, ist meine Neugier auf andere Leute stärker als mein Unwillen?"
  },
  {
    "start": 2356.96,
    "end": 2360.52,
    "text": "Also zum Beispiel, ich sage ganz ehrlich, mir ging es bei Rumänien so, ne?"
  },
  {
    "start": 2361.02,
    "end": 2368.78,
    "text": "Ich kannte Rumänien gar nicht und hatte eben nach, neunzehnt neunzig, immer von diesen ganz fürchterlichen Kinderheimen da gehört und so weiter und so fort."
  },
  {
    "start": 2369.32,
    "end": 2372.28,
    "text": "Und ich immer zu meinem Mann, mich kriegen keine zehn Ferne nach Rumänien."
  },
  {
    "start": 2373.02,
    "end": 2384.08,
    "text": "So, und dann haben uns aber Freunde, die da arbeiten, eingeladen und dann waren wir so geflasht, wie toll es da ist und wie schön und auch vieles viel moderner als bei uns."
  },
  {
    "start": 2385.12,
    "end": 2391.34,
    "text": "Also ja, Verkehr und Internet und hin und her, also brauchen wir gar nichts zu erzählen oder Baltikum."
  },
  {
    "start": 2391.68,
    "end": 2392.28,
    "text": "Wahnsinn."
  },
  {
    "start": 2392.68,
    "end": 2400.4,
    "text": "So, und da sehe ich auch an mir selbst, da gucke ich gar nicht irgendwelche anderen Leute an, wie man in seinen Vorurteilen ersticken kann."
  },
  {
    "start": 2401.38,
    "end": 2410.86,
    "text": "wo man sagt das und das mache ich nie und wo man einfach mal auch immer wieder seine Denkschablone zerreißen muss und neu zusammensetzen muss und sagen muss, hm."
  },
  {
    "start": 2411.7,
    "end": 2419.14,
    "text": "Wo bin ich eigentlich Opfer einer Prägung, die ich woher auch immer mal gekriegt habe und müsste einfach nochmal nachgucken."
  },
  {
    "start": 2420.06,
    "end": 2428.8,
    "text": "Und das finde ich total interessant, wenn man das, also die Neugier vor vor die Angst stellt."
  },
  {
    "start": 2429.46,
    "end": 2430.18,
    "text": "Was ist stärker?"
  },
  {
    "start": 2430.24,
    "end": 2431.66,
    "text": "Die Neugier oder die Angst?"
  },
  {
    "start": 2432.26,
    "end": 2438.06,
    "text": "Also dieses unwohl sein Albanien zum Beispiel, ist ja auch so."
  },
  {
    "start": 2438.28,
    "end": 2441.86,
    "text": "Was hört man über bestimmte Länder auch, was öffentlich rechtlich berichtet wird?"
  },
  {
    "start": 2442.4,
    "end": 2444.96,
    "text": "Und dann fährt man dahin und denkt, wo bin ich hier?"
  },
  {
    "start": 2445.16,
    "end": 2446.04,
    "text": "Hätte ich nie gedacht."
  },
  {
    "start": 2447.18,
    "end": 2452.0,
    "text": "Ich habe so meine Bilder vom Niedergang im Kopf."
  },
  {
    "start": 2452.5,
    "end": 2453.56,
    "text": "Ja, falsch."
  },
  {
    "start": 2455.04,
    "end": 2460.34,
    "text": "Und das ist eben interessant, auch Leute immer wieder zu ermutigen."
  },
  {
    "start": 2460.9,
    "end": 2466.9,
    "text": "Und das ist, glaube ich, auch mit das Wichtigste, diese Ermutigung in einer Situation, wo eigentlich alle irgendwie Angst haben."
  },
  {
    "start": 2467.82,
    "end": 2471.88,
    "text": "Und sagen, oh Gott, das ist hier sicher und das weiß ich und mir geht es Gott sei Dank noch nicht so schlecht."
  },
  {
    "start": 2472.28,
    "end": 2476.68,
    "text": "Und das will ich jetzt alles festhalten und gucke nicht über den Tellerrand, weil das ist ja alles schrecklich."
  },
  {
    "start": 2478.6,
    "end": 2497.5,
    "text": "Das heißt, aber wenn ich das jetzt nochmal auf die politische Bildung, auch Münze, Da geht es bei politischer Bildung oder sollte es idealerweise zum einen darum gehen, Verständigung zu ermöglichen und Formate und Räume zu öffnen, wo die Menschen wirklich mal zum Zuhören kommen und in eine Begegnung kommen."
  },
  {
    "start": 2497.58,
    "end": 2509.94,
    "text": "Und das andere ist natürlich auch Reflexionsräume zu öffnen, wo man über sich selber nachdenken kann und vielleicht bestimmte Denkmuster mal über Bord werfen kann, oder?"
  },
  {
    "start": 2511.08,
    "end": 2513.54,
    "text": "Ja, aber ohne dass man sich dazu bekennen muss."
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    "end": 2515.32,
    "text": "Also das finde ich ja so wichtig."
  },
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    "text": "Also die meisten, die machen das schon, aber sie wollen es natürlich nicht zugeben."
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    "text": "Und wenn ich mich eben nicht bekennen muss, sondern nach dem Motto, wir begleiten Sie einfach."
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    "text": "Und wenn da eine Entwicklung für Sie da ist, die Sie ermutigt, ist das okay."
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    "text": "Sie müssen jetzt nicht am Ende sagen, ah, ich bin jetzt ein guter Bürger Deutschlands und finde das alles ganz toll."
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    "text": "Sondern manchmal braucht das ja auch und muss nachwirken, damit es überhaupt ankommt."
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    "text": "Also, ja."
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    "text": "wo man einfach mal sagt, ich sage mal so, die stillen Mitleser in den sozialen Medien, die Leute, die einfach nur mitlesen und sich nicht äußern."
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    "text": "Weil sie denken, sie können es nicht oder sie wollen es nicht oder aber sie interessiert trotzdem die Debatte."
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    "text": "Und dass man immer so formuliert, dass sich die anderen, dass sich eigentlich alle eingeladen fühlen."
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    "text": "Und auch die Bösen in Anführungsstrichen."
  },
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    "text": "Also bei mir haben sich viele Leute abgemeldet und haben sich gemeldet, haben gesagt, ich bin nicht mehr in der AfD oder ich bin nicht mehr in der Linken oder ich bin nicht mehr da und da, weil die und die Überzeugungen haben sich bei mir geändert, wo ich sage, ist ja total süß von ihnen, aber sie müssen sich bei mir ja nicht abmelden."
  },
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    "text": "Ja, aber ihre Veranstaltung so und so, die hat mir damals so zu denken gegeben."
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    "text": "Aber natürlich hat er nicht während dieser Veranstaltung es ja nicht aufgestanden und gesagt, oh, jetzt bin ich bekehrt."
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    "text": "sondern also keiner wollte sich erklären, aber diese Denkprozesse, sie laufen eben ab und das ist auch individuell komplett in Ordnung, um Gottes Willen."
  },
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    "end": 2627.66,
    "text": "Das soll jeder für sich selbst steuern und das hat auch was mit Menschenwürde zu tun, dass ich das selbst bestimmen kann, wie ich Stückchen für Stückchen meine Lernprozesse habe oder nicht."
  },
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    "text": "und ich brauche sie gar nicht so nennen, sondern ich bin jetzt auf einer anderen Seite."
  },
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    "text": "Wenn Sie mal so ein bisschen zurückblicken auf Ihre Berufslaufbahn, wir nähern uns dem Ende."
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    "text": "Was waren so vielleicht die zwei, drei größten Überraschungen oder schönen Momente, wo Sie sagen, das war wirklich besonders?"
  },
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    "text": "Wir haben ein Projekt gemacht ganz zu Beginn der zweitausender Jahre und waren die, die von der Bundeszentrale auch unterstützt wurden."
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    "text": "die mit rechtsextremistischen Jugendlichen im Knast gearbeitet haben."
  },
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    "text": "Und das war ein wahnsinnig anstrengendes Projekt, was ja auch auf Freiwilligkeit beruhte im Knast."
  },
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    "text": "Und da haben wir praktisch eigentlich, wenn man so will, gar nicht so sehr politische Bildung gemacht, sondern haben eigentlich zwischenmenschliche Beziehungen aufgebaut."
  },
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    "text": "Da habe ich festgestellt, dass also dieser Aufbau zwischen menschlicher Beziehung und Stabilität von zwischenmenschlichen Beziehungen eigentlich die größte Gewehr vor wirklich Extremismus ist."
  },
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    "text": "Das hat mich damals sehr überrascht, obwohl ich ja nun lange auch in der Jugendkriminalität seit meinem siebzehnten Lebensjahr zu Hause war, in Anführungsstrichen und damit konfrontiert war."
  },
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    "text": "Aber da hatten wir dann am Ende des Projekts, also Rückfallraten, die waren im zwei bis drei Prozentbereich, was ganz, ganz selten ist."
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    "text": "Also bei Leuten, die im Vollzug sind."
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    "text": "Das heißt, unser Projekt war wirklich erfolgreich mit seinem Ansatz, dass wir uns also auch an die Beziehungen gemacht haben und nicht nur an Inhalte, die sich im Kopf bewegen, sondern es geht nur über Vertrauen und nur über Beziehungsarbeit."
  },
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    "text": "Und diese Beziehungsarbeit, die ist total wichtig."
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    "text": "Und das hat mich damals unheimlich überrascht und auch sehr gefreut, dass das so geklappt hat."
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    "text": "Also immer, wie gesagt, Bildung ist immer ein großer Teil Beziehungsarbeit und auch ein großer Teil Demut, dass du nie von oben herab irgendwas machst, sondern dass du dich immer als Mensch begegnest und der einfach unterschiedliche Erfahrungen gemacht hat und der diese Erfahrung dann vielleicht mit dem anderen auch gerne teilt beziehungsweise auch interessiert ist an den Erfahrungen des anderen."
  },
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    "text": "Also, dass ich nie sozusagen von diesem hohen Ross aus addiere."
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    "text": "Ja, und ich glaube, das macht den Kern auch aus."
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    "text": "Also, jeder Mensch möchte ja gesehen werden in seinem Wesen und ist ein soziales Wesen und möchte in Kontakt sein, in Verbindung sein."
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    "text": "Und ich glaube, die Beziehungsarbeit ist wirklich das Elementare, was in vielen Bildungsdiskussionen oft einfach viel zu kurz kommt."
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    "text": "Und wie gesagt, diese, diese Amutigung, glaube ich, Also, dass ich jeden Morgen sage, ich muss jeden Morgen neu wieder ermutigen."
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    "text": "Und Sisyphus ist ein glücklicher Mensch, weil ich mache diese Sisyphus-Arbeit."
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    "text": "Das ist, glaube ich, auch eine wichtige Erkenntnis."
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    "text": "Ob die nur glücklich ist, aber ja."
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    "text": "Aber genauso wie die Erfahrung, dass Konflikt das normale ist und Harmonie das... Die Ausnahme ist auch diese Frage dieser Sisyphusarbeit, dass man nie fertig ist, dass man immer wieder von vorne anfängt."
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    "text": "Wenn Sie jetzt noch mal zurückschauen, auch mit all den Erfahrungen, die Sie in Ihrem Berufsleben und auch davor und währenddessen im gesellschaftlich aktiven Leben, wenn sie die alle mal zusammen sammeln, würden Sie Ihrem Jüngeren selbst empfehlen, auch gesellschaftlich aktiv und bildend tätig zu werden?"
  },
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    "text": "Ja, also ist es immer schwierig, auf jeden Fall."
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    "text": "Also es ist immer schwierig."
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    "text": "Ich freue mich, dass wir heute trotz einiger technischer Schwierigkeiten vorab so schön miteinander reden konnten."
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    "text": "Vielen herzlichen Dank."
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    "text": "Diese beiden Kernelemente sollten nach Ansicht von Dr."
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    "text": "Martina Weihrauch immer Teil politischer Bildungsprozesse sein."
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    "end": 2925.06,
    "text": "Raus aus den verkopften Diskursen, hin zur Neugier an anderen Menschen und Positionen."
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    "start": 2925.86,
    "end": 2933.8,
    "text": "Vielleicht muss man die polarisierenden Diskussionen im Internet einfach mal hinter sich lassen und sich stattdessen viel öfter persönlich treffen und zuhören."
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    "start": 2935.08,
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    "text": "Was sind deine Erkenntnisse aus dieser Folge?"
  }
]