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    "text": "Ja und wir sind zwei Stoliker, die sich Woche für Woche eine Geschichte aus der Geschichte erzählen, immer abwechselnd und immer so, dass der einen nie weiß, was der andere ihm erzählen wird."
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    "text": "Sehr gut."
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    "text": "Ein True Crime Fall, aber in Verbindung mit... Du hast es schön eingeleitet mit einer technischen Neuerung, nämlich der tratlosen Telegraphie."
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    "text": "Richtig."
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    "text": "Und die spielt nämlich eine ganz wichtige Rolle in der Auflösung dieses True Crime Files."
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    "text": "Ganz genau."
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    "text": "Der Mordfall um... Krippen, Holly Krippen und Korra Krippen."
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    "text": "Sehr schön."
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    "text": "Sehr, sehr interessante Frage."
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    "text": "Sehr schön."
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    "text": "Das heißt, wir hatten den Abschluss des Jahres."
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    "text": "Wir starten jetzt ins neue Jahr."
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    "text": "Nach dem Jahr ist vor dem Jahr, oder?"
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    "text": "Ja, genau."
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    "text": "Wenn du nichts mehr hast, Hausmeisterliches, Richard."
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    "text": "Na, glaube jetzt gehen wir einfach frisch ins neue Jahr."
  },
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    "end": 122.36,
    "text": "Würde ich auch sagen, gehen wir frisch ins neue Jahr und... Da würde ich sagen, ich liege mal los, ich lehne mich zurück und schone meine Stimme."
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    "text": "Hervorragend."
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    "text": "Daniel, wir springen ins Jahr Achtzehn-Siebzig."
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    "text": "Es ist Oktober und wir sind mittendrin im deutsch-französischen Krieg."
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    "text": "Spezifisch sehen wir geografisch jetzt in der Citadelle von Besançant, einer massiven französischen Festung, so im Osten Frankreich, fast an der Schweizer Grenze."
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    "text": "Es ist dunkel."
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    "text": "In dieser Zitadelle und dann nicht, es stinkt."
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    "text": "Es stinkt nach ungewaschenen Leibern, es stinkt nach Schweißes, es stinkt nach Kübeln, die viel zu selten gelehrt werden."
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    "text": "In dieser einen engen Zelle der Hocking nämlich elf Mann, deutsche gefangene französische Kriminelle und mittendrin ein Mann, der hier so gar nicht herpasst."
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    "text": "Er ist kein junger Soldat, er ist einundfünfzehn Jahre alt und er ist mittlerweile ein nervöses Wrack."
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    "text": "Er sitzt da in seinen feinen, aber mittlerweile völlig verdreckten, bürgerlichen Kleidern und zittert wohl auch, nicht in Erseline vor Angst, sondern vor Kälte."
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    "text": "Die Feuchtigkeit, die Krieg, die mir in die Knochen sein Rücken schmerzt, Magenkrämpfe kümmern ihn zusammen."
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    "text": "Der Heim in Deutschland, da ist er bekannt und hier, da ist er jetzt nur ein Nummer, ein Stück Federvieh, wer selbst in einem Brief an seine Frau schreibt, das darauf wartet, ob es geschlachtet oder eventuell gegen andere Gefangene ausgetauscht hat."
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    "text": "Es ist nämlich so, ihm wird vorgeworfen, ein Spion zu sein."
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    "text": "Auf präustischer Seite, da würden wir einen kurzen Prozess machen, ja, standrechtliche Erschießungen."
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    "text": "Und genau das ist die Angst, die ihm hier jede Nacht den Schlaf raubt."
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    "text": "Ein schlechter, absurder Witz."
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    "text": "Also dieser Mann, der will gar nicht kämpfen."
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    "text": "Er ist ein Tourist quasi, ein Schlachtenbummler, wie er sich selbst auch ironisch beschreibt."
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    "text": "Eigentlich wollte er nach Dom Remi, dem Geburtsort der Jungfrau von Orléans, Schandach."
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    "text": "Und als er dort vor diesem Denkmal steht, Notizblock in der Hand versunken in, wie soll ich sagen, seine eigene historische Romantik, da wird er von französischen Freischärlern festgenommen."
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    "text": "Und sie finden bei ihm einen Stockdegen, einen Revolver zu verteidigen."
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    "text": "Was sie auch finden, ist eine Rotkreuzbinde."
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    "text": "Für die er allerdings gar keine Berechtigung hat."
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    "text": "Die darf er eigentlich gar nicht tragen."
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    "text": "Und für die Franzosen ist der Fall klar."
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    "text": "Das ist ein hochrangiger, getarnter preußischer Offizier."
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    "text": "Vielleicht sogar ein Saboteur."
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    "text": "Was er irren sich."
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    "text": "Der Mann, der da in der Zelle sitzt und Todesangst hat, der ist kein Offizier."
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    "end": 282.52,
    "text": "Er ist Theaterkritiker, er ist Vögeltonist, er ist Schriftsteller."
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    "text": "Er ist der Mann, dessen dicke Romane über den preußischen Adeln und die erstickenden Konventionen der Zeit Viele in der Schule lesen haben müssen."
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    "text": "Der Mann in dieser Zelle ist nämlich Theodor von Thane."
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    "text": "Daniel, ich werde in dieser Folge was tun, dass ich auch schon in meiner Folge über Bach, G.A.G."
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    "text": "Vier, dreiundvierzig oder meiner Folge über Beethoven, G.A.G."
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    "text": "Ich schaue ein bisschen unter die Motorhaube dessen, was uns oft als Genie verkauft wird."
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    "text": "Auch ein bisschen unter die Motorhaube der Geschichte der Reichseinigung."
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    "text": "Eines gleich so vorweg, es ist keine hellen Geschichte, sondern es ist eher eine Geschichte der Notwendigkeiten."
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    "text": "Ich werde darüber sprechen, wie ein Dichter die blutige Entstehung des deutschen Kaiserreichs in heroische Prosa verwandelt, nicht in erster Linie aus Überzeugung, sondern um seine Miete zu zahlen."
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    "end": 346.86,
    "text": "Es ist eine Geschichte über einen Pakt, ein Tauschgeschäft, Tinte gegen Sicherheit."
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    "end": 363.02,
    "text": "Aber wie wir sehen werden, Daniel, dieser Pakt der Ardern Haken, Fontane beginnt als Opportunist, der Geld verdienen will und endet als ein Mann, der ahnt, dass diese ganze Strahle in die Reichsgründung direkt in den Abgrund führt wird."
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    "text": "Daniel, wie sehr bist du vertraut mit der Geschichte von Tanes?"
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    "text": "Ja, interessant, weil ich habe gerade darüber nachgedacht, ich kenne natürlich Effi Bließt und"
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    "text": "Lechlin wahrscheinlich."
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    "text": "Genau."
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    "text": "Aber ich weiß tatsächlich nichts oder sehr weniger, als eine Biografie."
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    "text": "Also zum Beispiel diese Episode, dass er da im Gefängnis war in Frankreich, ist völlig an mich vorbei gegangen."
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    "text": "Sehr gut."
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    "text": "Insofern freue ich mich sehr auf die Folge."
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    "text": "Fantastisch."
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    "text": "Und es ist gut, dass du gesagt hast, du weißt relativ wenig über die Biografie dieses Mannes."
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    "text": "Lass uns deswegen einen Schritt zurückgehen und anschauen, wo dieser Herr von Tane überhaupt her ist."
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    "text": "Und wie er in diese Situation kommt, als Spion verhaftet zu werden."
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    "text": "Er kommt aus einer Apotheker-Familie, Huguenotten."
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    "text": "Und sein Vater, Louis-Henry Fontane, der war schillernde Figur."
  },
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    "end": 421.36,
    "text": "Er ist so ein Chameur, aber er war spielsüchtig und hat das Vermögen der Familie am Kartentisch verzockt."
  },
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    "end": 431.54,
    "text": "Theodor wächst mit dieser Urangst auf, dass der Boden unter den Füßen jederzeit wegbrechen kann, dass aus dieser Bürgerlichkeit ganz schnell auch Armut werden kann."
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    "text": "Er lernte es, wie es der Vater auch von ihm wollte, Apotheker."
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    "text": "Er steht immer boah, mischt Pülvöchern, aber er hasst es."
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    "text": "Also sein Herz, das schlägt tatsächlich für die Literatur."
  },
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    "text": "Er ist zum Beispiel Teil des Berliner Vereins Tunnel über der Spree, wo sich die Mitglieder gegenseitig Balladen vorlesen."
  },
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    "end": 457.7,
    "text": "Da kriegt er Applaus, aber Applaus zahlt halt auch keine Miete."
  },
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    "text": "Und das Ganze wird zu einem existenziellen Problem, als eine neue Figur, die die Bühne des Lebens von Fontane betritt."
  },
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    "text": "Nämlich Emily Rouenet-Cummer, die ja, achtzehnhundertfünfzig, dann eh hellicht."
  },
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    "text": "Emily muss ich leider zu sagen, die ist kein reines Anhängsel."
  },
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    "text": "Ja, sie ist einfach nur die Frau von Fontane."
  },
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    "text": "Sie ist eine gebildete, kluge Frau, die ähnlich wie Fontane weiß, wie brüchig das Leben sein kann."
  },
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    "text": "Ja, sie stammt aus schwierigen Verhältnissen, ist adoptiert worden."
  },
  {
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    "text": "kennt aber auch die bürgerliche Etikette."
  },
  {
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    "text": "Und sie wird auch diejenige sein, die, wenn man so will, den Laden zusammenhält."
  },
  {
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    "end": 501.38,
    "text": "Sie ist ein Realistin, während Theodor von Dingen träumt, rechnet Emily."
  },
  {
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    "text": "Und in den Achtzehnsechzigern, da geht diese Rechnung allerdings nicht mehr auf."
  },
  {
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    "end": 510.78,
    "text": "Seit Achtzehn-Einundfünfzig, nämlich, kommen sieben Kinder auf die Welt."
  },
  {
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    "end": 513.9,
    "text": "Drei Söhne sterben früh, was bleibt?"
  },
  {
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    "end": 525.54,
    "text": "in vier heranwachsende Kinder, also Schorsch, Theodor, Marta und Friedrich und im Grunde Existenz, die an jedem Monat zu Ende neu verhandelt werden muss, wenn es Geld ausgeht."
  },
  {
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    "end": 531.24,
    "text": "Fontane führt das, was er selbst als ein Hetzleben bezeichnet."
  },
  {
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    "end": 536.12,
    "text": "Er lebt in einer, und das sind seine eigenen Worte, talerabhängigen Existenz."
  },
  {
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    "end": 537.5,
    "text": "Talerabhängig."
  },
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    "end": 539.78,
    "text": "In einer talerabhängigen Existenz."
  },
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    "text": "Er verkauft zwar Balladen, da kommt da vier Taler und zwanzig Groschen dafür, aber das ist halt nichts."
  },
  {
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    "end": 550.86,
    "text": "Davon kann es den Berliner standesgemäße Wohnung mieten."
  },
  {
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    "end": 559.82,
    "text": "Und Emily, die Mann, der, sie muss die Gläubige vertrösten, sie muss zuschauen, wie sie die Kinder satt kriegt und gleichzeitig auch nach außen den Schein war."
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    "text": "Und der Drucker von Tane, der ist recht groß."
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    "text": "Er will ja auch nicht enden wie sein Vater, er will nicht abrutschen."
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    "text": "Und deswegen tut er dann schlussendlich etwas, was eigentlich nie tun wollte."
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    "text": "In den letzten Jahren reuerte er bei der Adler-Zeitung an."
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    "text": "Und Daniel, wir müssen kurz erklären, was das heißt."
  },
  {
    "start": 580.02,
    "end": 581.02,
    "text": "Kennst du die Adler-Zeitung?"
  },
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    "end": 582.38,
    "text": "Nee, Adler-Zeitung sagt man nix."
  },
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    "text": "Das"
  },
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    "text": "sind irgendeine Zeiten."
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    "end": 588.42,
    "text": "Die Adler-Zeitung ist im Grunde das offizielle Sprachrohr der Regierung Mann-Teufel."
  },
  {
    "start": 589.3,
    "end": 590.3,
    "text": "Das sind die Hardliner."
  },
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    "end": 594.54,
    "text": "Also das sind die, die die Revolution von der Achtzehn-Achtundvierzig blutig beendet haben."
  },
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    "end": 600.48,
    "text": "Und das sind die Leute, die Zensur betreiben, die Demokraten ins Gefängnis werfen."
  },
  {
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    "text": "und genau für die arbeitet Fontane jetzt."
  },
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    "end": 610.9,
    "text": "Also er sitzt im sogenannten literarischen Kabinett, das klingt noble, ist aber eigentlich eine PR-Abteilung."
  },
  {
    "start": 611.78,
    "end": 619.64,
    "text": "Er muss Artikel redigieren, die die Regierungspolitik schön färben ist, kein freier Journalist, er ist im Grunde Pressesprecher für diesen Staat."
  },
  {
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    "end": 624.9,
    "text": "Er schreibt damals an seinen Freund Bernhard von Le Pel, den Berühmten Satz."
  },
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    "end": 629.36,
    "text": "Heute habe ich mich der Reaktion für monatlich dreißig Silberlinge verkauft."
  },
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    "end": 631.76,
    "text": "Also er schämt sich."
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    "end": 633.0,
    "text": "Aber er braucht halt das Geld."
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    "end": 643.88,
    "text": "Und tatsächlich, wie einer seiner Biographen Gordon Craig schreibt, stellt Fontane in diesem Punkt einfach ganz klar seine Familie über seine liberalen Prinzipien."
  },
  {
    "start": 644.18,
    "end": 650.26,
    "text": "Also lieber, wie er es schreibt, in der Zwangsjacke des Regierungsdienstes als so wie sein Vater im Ruin zu enden."
  },
  {
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    "end": 658.94,
    "text": "Später dann in den Achtzehn-Sächsigern der Wechsel der zur Kreuzzeitung, der neuen preußischen Zeitung, die ist kaum besser."
  },
  {
    "start": 659.44,
    "end": 677.06,
    "text": "Ist das Kampfblatt des konservativen Adels, er fühlt sich dort, wie er selber schreibt, wie ein Söldner, quasi an dieses Blatt angeschmiedet und er beschreibt sich selbst als Maschinenrat, als ein, das ist auch ein interessantes Wort, ein Scriblyfax, der liefert und dann auch ausgetauscht werden kann."
  },
  {
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    "end": 678.34,
    "text": "Was ein Scriblyfax?"
  },
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    "end": 679.36,
    "text": "Ein Scriblyfax."
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    "text": "Ja, ist gut."
  },
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    "end": 688.48,
    "text": "Naja, und genau in dieser, wie soll ich sagen, Sackgasse, wenn man so will, da öffnet sich plötzlich eine Tür für ihn."
  },
  {
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    "end": 692.46,
    "text": "Und zwar in Form eines Kriegs, nämlich gegen Dänemark."
  },
  {
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    "end": 696.76,
    "text": "Was allerdings hat es mit diesem Krieg auf sich?"
  },
  {
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    "end": 699.0,
    "text": "und warum ist das eine Chance für Fontane?"
  },
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    "end": 702.08,
    "text": "Zuerst einmal kennst du den deutsch-dänischen Krieg?"
  },
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    "end": 704.2,
    "text": "Ja, das sagt man, also ich meine,"
  },
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    "text": "die Deutsche"
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    "end": 713.76,
    "text": "Einigungskriege sind quasi, ich habe eine Geschichte, Leistungskurs gehabt und das ist quasi so das... Im Grunde des Hauptthema, die deutsche Einigung."
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    "text": "Sehr gut, da muss ich dir dann halt groß erzählen, was es geht."
  },
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    "text": "Aber nur kurz, es geht um Schleswig und Holstein."
  },
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    "end": 726.28,
    "text": "Und es ist kein normaler Grenzstreit, es ist im Grunde ein juristisches Monster."
  },
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    "end": 731.72,
    "text": "Es ist ein juristisches Monster und es ist, was das Europa schon seit Jahrzehnten beschäftigt."
  },
  {
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    "end": 736.86,
    "text": "Kurz zur Erklärung, diese Konstruktion von Schleswig und Holstein, die ist absurd kompliziert."
  },
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    "end": 742.7,
    "text": "Der König von Dänemark ist zwar der Herzog, also der Landesherr, aber die Zugehörigkeit, die ist gespalten."
  },
  {
    "start": 742.9,
    "end": 759.68,
    "text": "Holstein gehört verfassungsrechtlich zum deutschen Bund und überall schwebt ein fast mystischer Rechtsgrundsatz aus dem Jahr vierzehntzig, aus dem Vertrag von Riebe, darin steht der Formel, die damals jedes Kind kennt, ob ewig ungedehlt."
  },
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    "end": 761.52,
    "text": "auf ewig ungeteilt."
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    "end": 764.3,
    "text": "Das heißt, man darf diese beiden Länder auch nicht trennen."
  },
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    "end": 769.68,
    "text": "Und genau das versuchen aber die dänischen Nationalisten in Kopenhagen immer wieder."
  },
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    "end": 774.24,
    "text": "Sie wollen Schleswig in den dänischen Staat einverleiben und Holstein abtrennen."
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    "end": 777.34,
    "text": "Und das, Daniel, ist der Wundepunkt."
  },
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    "end": 780.28,
    "text": "Das ist ein Trauma, denn das ganze gab es schon mal."
  },
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    "end": 781.92,
    "text": "Und zwar im Jahr eighteen, achtundvierzig."
  },
  {
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    "end": 786.92,
    "text": "Während der Revolution, da gab es die erste Schleswig-Holsteinische Erhebung."
  },
  {
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    "end": 790.82,
    "text": "Also die Deutschen im Norden haben dagegen die dänische Krone rebelliert."
  },
  {
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    "end": 796.74,
    "text": "Und Theodor Fontane, der war damals Ende zwanzig und auch sein idealistischer Hitzkopf."
  },
  {
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    "text": "Er wollte selber nicht zuschauen."
  },
  {
    "start": 798.48,
    "end": 806.24,
    "text": "Er wollte sich im Juli, Achtzehn und Fünfzig am Freikohr anschließen, wer bereit gewesen für die nationale Selbstbestimmung in den Kampf zu ziehen."
  },
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    "end": 808.34,
    "text": "Aber die ganze Sache scheitert."
  },
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    "end": 811.1,
    "text": "Also die europäischen Großmächte."
  },
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    "end": 817.08,
    "text": "pfeifen quasi die Deutschen zurück und dann gibt es das Londoner Protokoll von eighteen zweiundfünfzig."
  },
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    "end": 819.28,
    "text": "Das ist eine Demütigung."
  },
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    "end": 821.94,
    "text": "Hier wird alles wieder auf null gesetzt."
  },
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    "end": 824.1,
    "text": "Der dänische König regiert weiter."
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    "end": 836.54,
    "text": "Und für Fontane und seine Generation, da ist das so eine Art offene Wunde, dieses Gefühl der Ohnmacht, dass man das Recht so auf seiner Seite hat, aber zu schwach ist es durchzusetzen, das brennt sich tief ein."
  },
  {
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    "end": 850.6,
    "text": "Die Lage in den achtzehnsechzigern Die ist noch immer so vertragt, dass der britische Premier Lord Palmerston damals den wahrscheinlich berühmtesten Witz der Diplomotivgeschichte macht."
  },
  {
    "start": 851.92,
    "end": 853.9,
    "text": "Also zumindest wird ihm dieses Zitat zugeschrieben."
  },
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    "end": 859.12,
    "text": "Er sagt, die Schleswig-Holstein-Frage haben überhaupt nur drei Menschen je verstanden."
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  {
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    "end": 864.54,
    "text": "Der erste war Prince Albert, also der Mann von Queen Victoria, aber der ist tot."
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    "end": 868.6,
    "text": "Der zweite ist ein deutscher Professor, aber der ist darüber wahnsinnig geworden."
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  {
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    "text": "Der dritte bin ich und ich hab's vergessen."
  },
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    "end": 875.14,
    "text": "Also, es ist lustig, aber auch nicht ganz falsch."
  },
  {
    "start": 875.94,
    "end": 879.22,
    "text": "Es ist so ein Chaos aus Erbfolgerechten und Paragrafen."
  },
  {
    "start": 879.28,
    "end": 885.86,
    "text": "Und genau in dieses Chaos, da tritt jetzt ein Mann dem Paragrafen recht egal sein."
  },
  {
    "start": 886.74,
    "end": 887.8,
    "text": "Nämlich Otto von Bismarck."
  },
  {
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    "end": 900.06,
    "text": "Der preußische Ministerpräsident, der ist kein Romantiker, weder junge Fontane, der ist ein Realpolitiker und der sieht... in diesem Konflikt vor allem eines, nämlich eine Gelegenheit."
  },
  {
    "start": 901.92,
    "end": 907.3,
    "text": "Und dann sind wir ja schon bei der grundsätzlichen Geschichte der Einigungskriege, bis man kann, dann ein Masterplan."
  },
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    "start": 908.26,
    "end": 911.6,
    "text": "Und zwar die Einigung Deutschlands und der Preußischer Führung."
  },
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    "end": 919.66,
    "text": "Durch, wie er es in einer berühmten Rede vor der Preußischen Budgetkommission im Jahr eighteen, zweiundsechzig sagt, Eisen und Blut."
  },
  {
    "start": 920.24,
    "end": 926.68,
    "text": "Also genauer sagt er, nicht auf Preußens Liberalismus sieht Deutschland, sondern auf seine Macht."
  },
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    "end": 933.66,
    "text": "Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden, sondern durch Eisen und Blut."
  },
  {
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    "end": 941.84,
    "text": "Und er nutzt diese nationale Erregung eiskalt aus und inszeniert jetzt ein Krieg aus zwei strategischen Gründen."
  },
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    "text": "Erstens als Testlauf."
  },
  {
    "start": 944.64,
    "end": 949.54,
    "text": "Er hat die preußische Armee reformiert und mit dem neuen Zündnadelgewehr ausgerüstet."
  },
  {
    "start": 949.86,
    "end": 954.34,
    "text": "Und er will schauen, ob diese Tötungsmaschine, wenn man so will, im Ernstfall auch funktioniert."
  },
  {
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    "end": 956.5,
    "text": "Und zweitens."
  },
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    "text": "Auch als Falle."
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    "end": 962.18,
    "text": "Er holt nämlich Österreich als Verbündeten mit ins Boot."
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    "end": 968.92,
    "text": "Nicht aus Freundschaft, sondern um den Rivalen in der gemeinsame Verwaltung der Herzogtymer zu verstricken."
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    "text": "Warum?"
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    "text": "Das werden wir nachher noch sehen."
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    "end": 980.5,
    "text": "Wenn Fontane jetzt auf diesen Zug aufspringt, dann tut er das nicht als blinder Hurra-Patriot und er tut es auch nicht als zynischer Kriegsgewinner."
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    "end": 983.56,
    "text": "Er tut es vor allem, weil er keine Wahl hat."
  },
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    "text": "Er braucht diesen Krieg, weil er sich davon Wir ganz offen zugibt einen beträchtlichen, pekundären Vorteil verspricht."
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    "end": 993.9,
    "text": "Es ist aber nicht nur das Geld, es ist auch so eine Flucht."
  },
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    "text": "Fontane will nämlich raus aus diesem Hamsterrad der Kreuzzeitung."
  },
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    "end": 999.56,
    "text": "Er will kein Scribli-Fax mehr sein."
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    "text": "Er will endlich wer sein."
  },
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    "text": "Er will Historiker sein."
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    "text": "Er will Werkschaffen."
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    "end": 1004.68,
    "text": "Das bleibt."
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    "end": 1009.78,
    "text": "Und da kommt ihm auch eine Sache entgegen, die für uns heute wahrscheinlich ein bisschen schwer zu verstehen ist."
  },
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    "text": "Fontane findet Krieg."
  },
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    "end": 1012.96,
    "text": "Ästhetisch."
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    "end": 1017.52,
    "text": "Also er hat fast poetische Ader für Schlachten und er bewundert z.B."
  },
  {
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    "end": 1027.86,
    "text": "den Schwung der Linien, er liebt die Ordnung des Militärs vielleicht gerade deshalb, weil sein eigenes Leben in Berlin eher so ein chaotisches Hetzleben ist."
  },
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    "end": 1040.86,
    "text": "Als dann also der Verleger Rudolf Decker auf ihn zukommt und ihm den Vertrag für das offizielle Kriegsbuch anbietet, dann greift Fontane zu und es ist der perfekte Deal."
  },
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    "end": 1044.58,
    "text": "Bismarck und der Generalstab, die brauchen PR für ihre neue Armee."
  },
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    "end": 1047.8,
    "text": "Und Fontane, der will ein Bestseller."
  },
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    "end": 1051.92,
    "text": "Und er wird jetzt zum Chronisten des preußischen Aufstiegs."
  },
  {
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    "end": 1061.08,
    "text": "Halb aus Faszination für die Ordnung des Krieges, halb auch aus dieser nackten Notwendigkeit, seine Familie vor dem Ruin retten zu müssen."
  },
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    "end": 1069.62,
    "text": "Wir haben jetzt also gerade gehört, Fontane braucht diesen Krieg als, wie soll ich sagen, als einen Gig."
  },
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    "text": "Er braucht den Erfolg."
  },
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    "end": 1074.74,
    "text": "Wir müssen uns aber jetzt mal kurz anschauen, was er da eigentlich verkauft."
  },
  {
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    "end": 1081.08,
    "text": "Weil dieses Produkt, das er jetzt hier verkauft, dieses Kassaubrelliteratur, das Produkt ist im Grunde ein Gemetzel."
  },
  {
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    "end": 1088.46,
    "text": "Ich weiß nicht, wieviel nur noch weiß, vor allem deutsch-dänischen Krieger, aber lass uns dann mal den Eightzehnten April, Eightzehn, Sechzechzig anschauen."
  },
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    "end": 1091.66,
    "text": "Bisschen mehr als zwei Monate nach Kriegsbeginn."
  },
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    "text": "Das ist nämlich der Tag der Entscheidung."
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    "text": "Das ist der Sturm auf die Düppeler Schanzen."
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    "text": "Und das ist keine heldenhafte Feldschlacht."
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    "text": "Das ist, wie es die Soldaten später nennen, eine Schlachtbank."
  },
  {
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    "end": 1111.22,
    "text": "Hier zeigt sich zum ersten Mal dieses neue Gesicht des Kriegs, etwas, das Phantane die Wissenschaft des Tötens nennen wird."
  },
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    "text": "Und auf diesem Schlachtfeld herrscht nämlich eine sehr brutale Ungleichheit."
  },
  {
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    "text": "Die Dänern stehen mit veralteten Vorderladern in ihren Gräben, um schießen zu können."
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    "text": "damit, müssen sie aufstehen."
  },
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    "text": "Und die Preußen, die haben Bismarcks neue Geheimwaffen."
  },
  {
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    "end": 1135.98,
    "text": "Da ist einerseits Das Zündnadelgewehr, ein Hinterlader, der es erlaubt, ihm liegen nachzuladen und fünf Schuss abzugeben werden, die Däner noch mühsam ihre Vorderlader stopfen."
  },
  {
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    "text": "Und dann ist auch noch die entscheidende Feuerkraft der kruppischen Gussstahlkanonen."
  },
  {
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    "text": "Diese gezogenen Geschütze treffen auf Distanzen, von denen die dänische Artillerie nur träumern kann und zerlegen im Grunde die Schanzen mit mörderischer industrieller Präzision."
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    "end": 1154.78,
    "text": "ist ein ungleiches Massaker."
  },
  {
    "start": 1154.88,
    "end": 1164.22,
    "text": "In weniger als zehn Minuten stürmern die Preußen über Leichenberge und durch diesen tiefen Schlamm in die Schanzen und am Ende dieses Feldzug sind ca."
  },
  {
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    "end": 1167.3,
    "text": "acht Tausend junge Männer entweder tot oder verkrüppelt."
  },
  {
    "start": 1169.08,
    "end": 1178.46,
    "text": "Fontane weiß es, er reist kurz danach dort hin, er sieht die frischen Gräber, aber, und das ist der entscheidende Punkt, darüber kann er nicht schreiben, also nicht so."
  },
  {
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    "end": 1188.06,
    "text": "Seine tale abhängige Existenz, wie er es nennt, die zwingt in dieses Blutloch von Düppel, in, wie soll ich sagen, literarisches Gold zu verwandeln."
  },
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    "end": 1190.14,
    "text": "Und er filtert das Grau."
  },
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    "text": "Er macht aus diesem gemetzelt poetische Linien, aus dem Sterben macht er eine militärische Ordnung."
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    "text": "Und genau in dem Moment, wo Fontane sich diese Realität zurecht biegt, da tritt jemand auf den Plan, der das gar nicht akzeptiert."
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    "text": "Und zwar seinen ältester Freund."
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    "text": "Ein weiterer Theodor."
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    "text": "Kannst du dir vorstellen, welcher Theodor das ist?"
  },
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    "text": "Den müsste ich jetzt kennen, oder?"
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    "text": "Ich glaube,"
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    "text": "du kennst ihn."
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    "text": "Theodor Storm."
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    "text": "Richtig."
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    "text": "Theodor Storm."
  },
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    "text": "Lustig."
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    "text": "Auch so ein Name, den wir aus der Schule kennen."
  },
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    "text": "Ja, genau."
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    "text": "Aber wer ist dieser Mann?"
  },
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    "end": 1230.04,
    "text": "Storm und Fontane kennen sich tatsächlich schon seit Ewigkeiten."
  },
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    "text": "Sie waren nämlich gemeinsam im vorhin erwähnten Berliner Dichtervereien Tunnel über der Spree."
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    "text": "Aber sie sehen wie Feuer und Wasser."
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    "end": 1246.1,
    "text": "Fontane ist dieser... Preußische Weltbürger, der Plauderer, der Journalist in Berlin, pragmatisch flexibel, immer ein bisschen ironisch."
  },
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    "text": "Und Sturm, der ist ganz anders."
  },
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    "text": "Er ist ein norddeutscher Eichenbau, wenn man so will."
  },
  {
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    "text": "Ja, ein Jurist aus Husum, melancholisch, ernst, Prinzipien treu bis zur Sturheit."
  },
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    "text": "Und er nennt Fontane oft liebevoll seinen poetischen Barometermacher."
  },
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    "end": 1267.26,
    "text": "Aber jetzt, aus der Art von Sturm, der steht dieses Barometer auf Sturm."
  },
  {
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    "end": 1274.82,
    "text": "Storben sitzt nämlich nicht im sicheren Berlin, so wie Fontane, der sitzt in Husum, mitten im Kriegsgebiet."
  },
  {
    "start": 1276.14,
    "end": 1285.22,
    "text": "Und er hat die Dänern gehasst, ja, aber jetzt sieht er die Preußen und er sieht die Eroganz der Besitzer und er sieht dieses Leid vor seiner Haustür."
  },
  {
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    "end": 1287.96,
    "text": "Und da macht Fontane einen großen Fehler."
  },
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    "end": 1294.46,
    "text": "Er berauscht von seinem Auftrag, über diese Dinge zu schreiben und seinem ästhetischen Blick auf den Krieg."
  },
  {
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    "end": 1296.64,
    "text": "Da schickt er Storben stolz gedicht."
  },
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    "end": 1298.74,
    "text": "Das Gedichter ist der Tag von Düppel."
  },
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    "end": 1300.34,
    "text": "Und es ist eine Jubelhymne."
  },
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    "end": 1304.9,
    "text": "Ja, Fontane feiert den Sieger als Meisterstück und er fordert Storben sogar auf."
  },
  {
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    "end": 1306.72,
    "text": "Komm, schreibt doch auch so was."
  },
  {
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    "end": 1310.7,
    "text": "Und die Antwort von Stormes legendär."
  },
  {
    "start": 1310.88,
    "end": 1315.26,
    "text": "Er schickt am neunzehnten Dezember, achtzehn, vierundsechzig keinen Applaus zurück."
  },
  {
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    "end": 1317.88,
    "text": "Tatsächlich beginnt der Brief an Fontane so."
  },
  {
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    "end": 1321.3,
    "text": "Liebster Fontane, hol sie der Teufel."
  },
  {
    "start": 1321.78,
    "end": 1324.18,
    "text": "Wie kommen sie dazu, dass sich eine Siegeshymne dichten soll?"
  },
  {
    "start": 1325.2,
    "end": 1332.06,
    "text": "Und er schreibt weiter, er gehöre nicht zum Kekumvulgus, also zum blinden Pöbel, der einfach nur jubelt."
  },
  {
    "start": 1332.1,
    "end": 1336.82,
    "text": "Er sagt damit, ich habe einen gewissen Theodor und ich lass mich nicht vor den Karn spannen."
  },
  {
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    "end": 1350.72,
    "text": "Und dann kommt der Satz, der von Tarnes Dilemma recht präzise auf den Punkt bringt, Sturm schreibt nämlich, ihr meisterliches Lied feiert lediglich die militärische Bravur von einem sittlichen Gehalt."
  },
  {
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    "end": 1351.98,
    "text": "der Tat weiß es nichts."
  },
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    "end": 1353.56,
    "text": "Also er sagt im Grund."
  },
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    "start": 1354.64,
    "end": 1356.96,
    "text": "Du feierst, wie gut sie töten können, aber du fragst dich nicht."
  },
  {
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    "end": 1358.4,
    "text": "Wofür sie töten?"
  },
  {
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    "end": 1365.6,
    "text": "Er pfügt auch noch an, dass es jeder Zeile von Tane ist, der Zipfel der verfluchten Kreuzzeitung heraushängt."
  },
  {
    "start": 1366.68,
    "end": 1368.48,
    "text": "Hier prallen jetzt zwei Welten aufeinander."
  },
  {
    "start": 1369.08,
    "end": 1372.84,
    "text": "Sturm ist das Gewissen, also ein Krieg ist brutal und braucht einen moralischen Grund."
  },
  {
    "start": 1372.9,
    "end": 1376.02,
    "text": "Und von Tane ist hier der Pragmatiker in Geldnot."
  },
  {
    "start": 1376.28,
    "end": 1382.08,
    "text": "Er sagt im Grund durch die Blume, Krieg ist mein Job und ich muss ihn halt schön finden, damit ich meine Familie ernähren kann."
  },
  {
    "start": 1383.54,
    "end": 1397.9,
    "text": "Wobei, so als kleiner Einwurf, um hier nochmal seinen Biografen Craig zu Wort kommen zu lassen, der betont nämlich immer, dass die Kriegsberichte von Tanes, also trotz der Tatsache, dass er von den Preußen dafür bezahlt wurde, außergewöhnlich für ihre Zeit."
  },
  {
    "start": 1398.5,
    "end": 1412.06,
    "text": "Also mit Blick auch auf die andere Seite verset sich auch in die Köpfe der gegnerischen Soldaten mit Ausführungen, über Taktik oder Strategie, die oft ein besseres Verständnis für Schlachten beweisen als viele andere Militärexperten der Zeit."
  },
  {
    "start": 1414.0,
    "end": 1419.46,
    "text": "Nichtsdestotrotz, Stormsbrief, der bleibt wie ein Stachel in Fontanes Fleisch stecken."
  },
  {
    "start": 1419.54,
    "end": 1425.88,
    "text": "Ja, der zeigt ihm, du kannst deine Miete bezahlen, aber den Respekt deiner Freunde, den riskierst du jetzt gerade dafür."
  },
  {
    "start": 1426.84,
    "end": 1431.12,
    "text": "Aber vielleicht auch wieder die Dreißig Silberlinge, ja, die Berühmten."
  },
  {
    "start": 1432.64,
    "end": 1435.46,
    "text": "Dann, wir springen jetzt zwei Jahre weiter, und zwar in den Sommer."
  },
  {
    "start": 1435.5,
    "end": 1436.62,
    "text": "Eightzehn, Sechzechzig."
  },
  {
    "start": 1436.74,
    "end": 1441.72,
    "text": "Und jetzt sehen wir auch, warum Bismarck Eightzehn, Sechzechzig so ein Pich drauf war."
  },
  {
    "start": 1442.38,
    "end": 1444.54,
    "text": "Österreich mit ins Boot gegen Dänemark zu holen."
  },
  {
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    "end": 1446.96,
    "text": "Er hat nämlich eine Falle gebaut."
  },
  {
    "start": 1448.06,
    "end": 1450.4,
    "text": "Und zwar die gemeinsame Verwaltung von Schleswig und Holstein."
  },
  {
    "start": 1451.18,
    "end": 1453.34,
    "text": "Und diese Falle, die lässt er jetzt zuschnappen."
  },
  {
    "start": 1454.72,
    "end": 1460.12,
    "text": "Bismarck nutzt Streitigkeiten über die Verwaltung im Norden als Kasus-Belle, als Kriegsgrund."
  },
  {
    "start": 1460.78,
    "end": 1463.7,
    "text": "Und wir müssen uns da auch gar nichts vormachen."
  },
  {
    "start": 1463.88,
    "end": 1470.18,
    "text": "Es geht ja hier nicht nur um ein paar Herzog-Tümer, es geht tatsächlich um die große Frage, wer hat in Deutschland das sagen."
  },
  {
    "start": 1470.74,
    "end": 1472.34,
    "text": "Präußen oder Österreich."
  },
  {
    "start": 1475.9,
    "end": 1478.9,
    "text": "Und dieser Krieg, der jetzt ausbricht, der ist anders."
  },
  {
    "start": 1478.96,
    "end": 1482.16,
    "text": "Eightzehn vierundsechzig war so eine Art nationaler Rausch."
  },
  {
    "start": 1482.56,
    "end": 1483.9,
    "text": "Wir gingen die Dänen."
  },
  {
    "start": 1483.94,
    "end": 1486.68,
    "text": "Eightzehn sechzechzig ist ein Bruderkrieg."
  },
  {
    "start": 1487.06,
    "end": 1491.08,
    "text": "Deutsche schießen hier auf Deutsche, weil es sind ja nicht nur Österreicher, die diese kämpfen."
  },
  {
    "start": 1491.48,
    "end": 1494.46,
    "text": "Präußen ging Österreicher, Sachsen, Bayern."
  },
  {
    "start": 1495.68,
    "end": 1496.86,
    "text": "Das Volk will das eigentlich nicht."
  },
  {
    "start": 1496.9,
    "end": 1497.96,
    "text": "Die Liberalen wollen das nicht."
  },
  {
    "start": 1498.02,
    "end": 1499.36,
    "text": "Die Konservativen wollen es auch nicht."
  },
  {
    "start": 1499.44,
    "end": 1505.34,
    "text": "Niemand eigentlich will diesen Krieg für die Machtpolitik eines einzelnen Ministers, außer eben bis man selber."
  },
  {
    "start": 1506.36,
    "end": 1513.76,
    "text": "Und Fontane, der muss wieder los, auch nicht, weil er in erster Linie will, sondern weil er halt wieder Geld braucht."
  },
  {
    "start": 1513.82,
    "end": 1516.62,
    "text": "Und er reist als Chronist hinterher."
  },
  {
    "start": 1516.72,
    "end": 1517.86,
    "text": "Diesmal reist er nach Böhmern."
  },
  {
    "start": 1519.38,
    "end": 1523.24,
    "text": "Dritten Juli, Eightzehn, Sechzechzig findet dort die Schlacht bei Königgret statt."
  },
  {
    "start": 1524.26,
    "end": 1528.32,
    "text": "Und das ist quasi das Warterloh, das Späten, die Hunderts."
  },
  {
    "start": 1529.08,
    "end": 1531.74,
    "text": "Über vierhunderttausend Soldaten prallen hier aufeinander."
  },
  {
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    "end": 1534.34,
    "text": "Und hier entscheidet wieder die Technik."
  },
  {
    "start": 1534.72,
    "end": 1539.98,
    "text": "Also das bräussische Zündnadelgewehr, das Mäte Österreicher Nieder, es ist wieder ein Gemetzel."
  },
  {
    "start": 1540.7,
    "end": 1544.86,
    "text": "Fontane vergleicht später mit der Beresina, dem schlimmsten Rückzug Napoleons."
  },
  {
    "start": 1546.5,
    "end": 1550.6,
    "text": "Naja, diesmal Daniel, da funktioniert Fontanes ästhetischer Filtern immer."
  },
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    "start": 1551.06,
    "end": 1557.46,
    "text": "Also die Schönheit der Linien, die er, Davon ist jetzt nichts mehr zu sehen."
  },
  {
    "start": 1557.64,
    "end": 1563.66,
    "text": "Er kommt kurz nach der Schlacht in die Stadt Gitschien, geht dort in die Kirchen, wo er aber natürlich nicht gebetet wird."
  },
  {
    "start": 1564.34,
    "end": 1565.44,
    "text": "Zumindest nicht in erster Linie."
  },
  {
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    "end": 1566.98,
    "text": "Diese Kirchen sind nämlich Lazarette."
  },
  {
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    "end": 1570.58,
    "text": "und was er da sieht, das brennt sich immer ein."
  },
  {
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    "end": 1577.12,
    "text": "Er beschreibt den Geruch, Mischung aus Blut, Eiter und Verwesung, der so in der Luft hängt."
  },
  {
    "start": 1578.12,
    "end": 1581.72,
    "text": "Er sieht ungarische Husanen, die Wimmern auf den Altarstufen kauern."
  },
  {
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    "end": 1584.56,
    "text": "Er sieht verstimmelte Männer, die im eigenen Blut liegen."
  },
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    "text": "Und in dem Moment weicht die Faszination dem Ekel."
  },
  {
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    "end": 1592.8,
    "text": "Er sieht die Schlachtbank hier, die er beim Krieg gegen Dänemark nicht sehen wollte."
  },
  {
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    "end": 1597.94,
    "text": "Und er sieht, dass dieser preußische Ruhm auf einem Berg vom zerfetzten Leibern steht."
  },
  {
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    "end": 1601.24,
    "text": "Und jetzt kommt, wie soll ich sagen, das Schlimmste für ihn."
  },
  {
    "start": 1601.36,
    "end": 1603.48,
    "text": "Er muss lügen oder zumindest, er muss schweigen."
  },
  {
    "start": 1604.04,
    "end": 1609.22,
    "text": "Sein Verleger in Berlin, der macht Druck, der braucht den Bestseller über den Krieg von eighteen, sechzechzig."
  },
  {
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    "text": "Und das Publikum, das will natürlich nichts von Eiter oder Amputationen wissen, die wollen Heldengeschichten, die wollen lesen, wie genial die Generäle waren und wie tapfer die Soldaten."
  },
  {
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    "text": "Also liefert Fontane eben wieder genau das Abwehr."
  },
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    "text": "Setzt die Maske auf, erschreibt die offizielle Kronik und feiert die Preußische Armee als perfekt funktionierende Maschine."
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  {
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    "text": "Er schreibt von Ehrgefühl und Strategie und blendet dabei das Gemetzel aus, das er gerade gesehen hat."
  },
  {
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    "text": "Aber privat, privat schaut es ganz anders aus."
  },
  {
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    "end": 1646.14,
    "text": "Er schreibt Briefe, in denen er dazugibt, dass ihm dieser Sieg nicht schmeckt."
  },
  {
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    "text": "Er fühlt mit den Besiegten und er schreibt ein Gedicht."
  },
  {
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    "end": 1651.12,
    "text": "Königrät und daraus ist die Zeile."
  },
  {
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    "end": 1654.42,
    "text": "Ja, Sieg, er hat die Herzen und sehr hoben."
  },
  {
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    "end": 1657.58,
    "text": "Ein Tag des Rumes, aber schwer erkauft."
  },
  {
    "start": 1658.62,
    "end": 1661.02,
    "text": "Ein Schleier über Not und Tod und Wunden."
  },
  {
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    "text": "Er wünscht sich also eigentlich einen Schlei über das Grauen, weil er es kaum ertragen kann."
  },
  {
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    "text": "Er muss jetzt im Grunde gut über diese Dinge schreiben, die er eigentlich richtig grauenhaft findet."
  },
  {
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    "text": "Jetzt sind wir schon fast wieder dort, wo ich diese Folge begonnen habe, nämlich im deutsch-französischen Krieg."
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  {
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    "end": 1691.18,
    "text": "Bevor wir jetzt aber wieder über Fontane in seiner Zelle sprechen, müssen wir aber kurz klären, in was ich sehr da eigentlich reingrannt."
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  {
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    "text": "Und warum?"
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  {
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    "text": "Also wir sind ja jetzt im Jahr eighteen-siebzig."
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    "text": "Warum"
  },
  {
    "start": 1695.52,
    "end": 1696.98,
    "text": "läuft der mitten im Krieg durch Frankreich?"
  },
  {
    "start": 1697.54,
    "end": 1698.06,
    "text": "Warum das?"
  },
  {
    "start": 1698.14,
    "end": 1699.26,
    "text": "Und warum ist der überhaupt Krieg?"
  },
  {
    "start": 1700.68,
    "end": 1706.16,
    "text": "Also es ist das Jahr eighteen-siebzig und Bismarck's Pasell namens Deutschland ist immer noch unfertig."
  },
  {
    "start": 1706.44,
    "end": 1708.58,
    "text": "Also er hat jetzt den Norden unter Kontroll."
  },
  {
    "start": 1708.7,
    "end": 1711.9,
    "text": "Aber der Süden, Bayern, Württemberg, die fehlen ihm noch."
  },
  {
    "start": 1712.02,
    "end": 1717.18,
    "text": "Die katholischen Süddeutschen, die haben eigentlich keine Lust sich von den Preußen borussifizieren zu lassen."
  },
  {
    "start": 1718.5,
    "end": 1723.76,
    "text": "Und Bismarck weiß, Er kann die Bayern nicht zwingern, aber er kann sie verführen."
  },
  {
    "start": 1724.4,
    "end": 1730.24,
    "text": "Er braucht einen gemeinsamen Feind, einen Monster im Westen, vor dem sich die Bayern mehr fürchten als vor Berlin."
  },
  {
    "start": 1731.12,
    "end": 1732.34,
    "text": "Er braucht Frankreich dafür."
  },
  {
    "start": 1733.62,
    "end": 1736.46,
    "text": "Und wie soll ich sagen, sein Plan ist so ein Meisterberg des Zynismus."
  },
  {
    "start": 1736.7,
    "end": 1739.8,
    "text": "Er provoziert die Franzosen so lange bis Napoleon III."
  },
  {
    "start": 1739.96,
    "end": 1741.76,
    "text": "die Nerven verliert und den Krieg erklärt."
  },
  {
    "start": 1742.64,
    "end": 1745.2,
    "text": "Wir haben darüber vor allem in einer Feedback-Folge, schauen wir mal, gesprochen."
  },
  {
    "start": 1745.78,
    "end": 1747.54,
    "text": "Feedback-Folge Nummer dreizehn."
  },
  {
    "start": 1748.14,
    "end": 1755.72,
    "text": "Dort Bezug nehmen auf etwas, das ich über die berühmte Emser die Päsche in meiner Folge zu Escofier gesagt habe."
  },
  {
    "start": 1755.78,
    "end": 1758.94,
    "text": "Escofier, der er selber auch im Krieg von achtzehn, siebzehn und siebzehn Grad."
  },
  {
    "start": 1761.72,
    "end": 1763.22,
    "text": "Bismarcks Kalkül, das geht auf."
  },
  {
    "start": 1763.66,
    "end": 1764.12,
    "text": "Dieser Krieg."
  },
  {
    "start": 1765.26,
    "end": 1768.58,
    "text": "Da wird kein preußischer Krieg sein, es wird ein Bündniskrieg sein."
  },
  {
    "start": 1768.68,
    "end": 1770.04,
    "text": "Es ist im Grunde die heilige Sache."
  },
  {
    "start": 1770.88,
    "end": 1775.02,
    "text": "Und ganz Deutschland verfällt jetzt wieder in so einen nationalen Rausch."
  },
  {
    "start": 1775.12,
    "end": 1777.38,
    "text": "Und mittendrin, Tierdorf von Thane."
  },
  {
    "start": 1778.2,
    "end": 1779.68,
    "text": "Er ist jetzt einundfünfzeig Jahre alt."
  },
  {
    "start": 1779.98,
    "end": 1782.76,
    "text": "Die Haare sind zwar grauer, aber die Taschen, die sind noch immer leer."
  },
  {
    "start": 1783.32,
    "end": 1786.42,
    "text": "Und seine tale abhängige Existenz, die lässt ihn einfach nicht los."
  },
  {
    "start": 1786.78,
    "end": 1788.92,
    "text": "Sein Sohn Schorsch, der ist an der Front."
  },
  {
    "start": 1789.46,
    "end": 1793.58,
    "text": "Und von Thane sieht jetzt diesen Krieg genau wie Bismarck als Mittel zum Zweck."
  },
  {
    "start": 1794.78,
    "end": 1797.08,
    "text": "braucht jetzt dieses dritte große Kriegsbuch."
  },
  {
    "start": 1797.58,
    "end": 1799.24,
    "text": "Ja, so bleibt einfach ein Skriplifax."
  },
  {
    "start": 1799.42,
    "end": 1800.1,
    "text": "Ein Skriplifax."
  },
  {
    "start": 1800.48,
    "end": 1804.06,
    "text": "Ja, obwohl diese Kriegsbücher, da sieht man sich nicht einmal als Skriplifax."
  },
  {
    "start": 1804.8,
    "end": 1806.26,
    "text": "Das ist eine Stufe drüber."
  },
  {
    "start": 1807.7,
    "end": 1808.84,
    "text": "Da ist aber auch noch was anderes."
  },
  {
    "start": 1809.36,
    "end": 1811.5,
    "text": "Ja, ein gewisser Hybris."
  },
  {
    "start": 1812.78,
    "end": 1817.66,
    "text": "Also Fontane lässt sich von den Erfolgen Deutschlands in diesem Krieg anstecken."
  },
  {
    "start": 1817.7,
    "end": 1820.12,
    "text": "Ja, glaubt plötzlich, er selber sei unantastbar."
  },
  {
    "start": 1820.66,
    "end": 1822.04,
    "text": "Also was wieder?"
  },
  {
    "start": 1822.36,
    "end": 1834.14,
    "text": "der große Historiker, der über den Dingen steht und der unterschätzt völlig, dass das tatsächlich ein richtiger Krieg ist, ein richtiger, dreckiger Krieg mit Partisanen und auch mit viel Hass auf beiden Seiten."
  },
  {
    "start": 1834.9,
    "end": 1847.92,
    "text": "Und genau dieser Hochmut, diese Mischung aus, ich bin der große Historiker und lass mich in Ruhr mit diesen Alltagssachen, diese Mischung führt ihn dann am fünften Oktober, ins Verderben."
  },
  {
    "start": 1848.3,
    "end": 1853.26,
    "text": "Da steht er in Dom Remi, wo er hingreist ist, um sich das Geburtshaus der Schandachkant zu schauen."
  },
  {
    "start": 1854.26,
    "end": 1855.38,
    "text": "Historienromantik."
  },
  {
    "start": 1857.34,
    "end": 1862.16,
    "text": "Obwohl's deutsche Hauptquartier nicht weit weg ist, Dom Remi ist weiterhin in französischer Hand."
  },
  {
    "start": 1863.26,
    "end": 1866.74,
    "text": "Und französische Freischärler greifen ihn da auf."
  },
  {
    "start": 1866.86,
    "end": 1876.02,
    "text": "Und jetzt ist er nicht mehr einfach nur der Dichter Aufbildungsreise, jetzt hat er einen Revolver in der Tasche, er hat einen Degen in seinem Stock und er hat diese falsche Rotkreuzbinde."
  },
  {
    "start": 1876.08,
    "end": 1876.82,
    "text": "und für die Franzosen."
  },
  {
    "start": 1877.9,
    "end": 1879.94,
    "text": "Schaut das halt tatsächlich aus, als wäre ein Spio."
  },
  {
    "start": 1881.96,
    "end": 1893.74,
    "text": "Er wird verhaftet, er wird verschleppt, er wird verhört und er landet dann, nachdem er in Besançon war, schließt sich dann auf der Atlantikinsel Oleron, hunderte Kilometer von Dom Remis und Besançon entfernt."
  },
  {
    "start": 1894.7,
    "end": 1899.2,
    "text": "Und er ist jetzt aus seiner Frau Emily angwiesen, ihn da wieder rauszuholen."
  },
  {
    "start": 1900.7,
    "end": 1904.26,
    "text": "Und jetzt kommt die Frage, woher weiß Emily in Berlin überhaupt davon?"
  },
  {
    "start": 1904.72,
    "end": 1909.58,
    "text": "Ja, du hast nämlich vorhin schon einen Brief angedeutet und ich habe mich schon gedacht, wie kommen da Briefe raus?"
  },
  {
    "start": 1909.9,
    "end": 1915.16,
    "text": "Ja, also er schreibt einen Brief an sie, aber er weiß auch, das dauert sicher ewig und vielleicht erreicht er sie einfach gar nicht."
  },
  {
    "start": 1915.44,
    "end": 1917.44,
    "text": "Aber er hat Glück."
  },
  {
    "start": 1917.88,
    "end": 1919.5,
    "text": "In der Festung Besançon nämlich noch."
  },
  {
    "start": 1919.56,
    "end": 1925.56,
    "text": "Da trifft Fontane auf einen anderen Gefangen, einen französischen Lehrer namens Charles Winkel."
  },
  {
    "start": 1926.2,
    "end": 1933.62,
    "text": "Und dieser Mann ist mittellos und obwohl Fontane selbst in Todesangst schwebt, steckt er ihm Geld für die Heimreise zu."
  },
  {
    "start": 1934.02,
    "end": 1935.24,
    "text": "Allerdings mit dem Auftrag."
  },
  {
    "start": 1936.08,
    "end": 1941.9,
    "text": "Er solle alles tun, was möglich sei, um die Familie von Fontane davon zu unterrichten, was mit ihm passiert sei."
  },
  {
    "start": 1942.36,
    "end": 1944.06,
    "text": "Und Winkel, der hält Wort."
  },
  {
    "start": 1944.1,
    "end": 1949.96,
    "text": "Also der ist auch als Spion verhaftet worden, aber da steht sich aus, er ist keiner, deswegen wird er freigelassen."
  },
  {
    "start": 1950.1,
    "end": 1959.6,
    "text": "Und nachdem er zurückgereist ist, kontaktiert er einen preußischen Major namens Hermann von Giese, der der Kommandant in dem besetzten Ort ist, aus dem Winkel kommt."
  },
  {
    "start": 1960.32,
    "end": 1962.38,
    "text": "Und dieser Kommandant, der schreibt sofort an Emilie."
  },
  {
    "start": 1963.16,
    "end": 1968.46,
    "text": "Dieser Brief erreicht sie am zweiundzwanzigsten Oktober, der Inhalt ist für sie natürlich ein Schock."
  },
  {
    "start": 1969.02,
    "end": 1972.22,
    "text": "Also, Major Giese redet da auch nicht um den heißen Breiherum."
  },
  {
    "start": 1972.3,
    "end": 1974.58,
    "text": "Er schreibt, ihr Mann hält das nicht mehr lange aus."
  },
  {
    "start": 1974.64,
    "end": 1975.7,
    "text": "Es ist Gefahr in Verzug."
  },
  {
    "start": 1976.96,
    "end": 1987.46,
    "text": "Es ist ein bisschen ironie, dass Emily jetzt jenige sein Muslim des Leben rettet, weil nur einige Monate zuvor, da haben sich die beiden Wahnsinnig gestritten."
  },
  {
    "start": 1987.92,
    "end": 1996.08,
    "text": "Nicht zuletzt, weil Fontane die Sicherheit der Familie für seine persönliche Freiheit oder seine künstlerische Freiheit aufgegeben hat."
  },
  {
    "start": 1996.9,
    "end": 2002.22,
    "text": "Im Frühsommer, da kündigt er einfach seine Stelle bei der Kreuzzeitung."
  },
  {
    "start": 2003.06,
    "end": 2010.82,
    "text": "Während seine Frau Emily gerade in England ist, wo sie versucht, Geld für die Familie aufzutreiben, wenn man so will."
  },
  {
    "start": 2011.94,
    "end": 2017.12,
    "text": "Kurz erklärt sie, planen daheim eine Person einzurichten und vor allem eben für Gäste aus England."
  },
  {
    "start": 2017.18,
    "end": 2020.04,
    "text": "und sie ist in England, um dort ein bisschen Marketing dafür zu machen."
  },
  {
    "start": 2020.76,
    "end": 2025.38,
    "text": "Und da überrascht sie Fontane mit der Meldung, dass er gekündigt hat."
  },
  {
    "start": 2025.46,
    "end": 2027.26,
    "text": "Und es entbrennt an Streit."
  },
  {
    "start": 2028.5,
    "end": 2033.14,
    "text": "Emily reagiert mit einer Mischung aus Panik und auch tiefer Verletzungen."
  },
  {
    "start": 2033.2,
    "end": 2035.22,
    "text": "Also sie schreibt ihm recht böse Briefe."
  },
  {
    "start": 2035.92,
    "end": 2041.64,
    "text": "Sie wirft ihm eben auch vor, dass er seine künstlerische Freiheit über das Überleben der eigenen Kinder stellt."
  },
  {
    "start": 2041.72,
    "end": 2049.94,
    "text": "Sie schreibt zum Beispiel, sobald ich durch irgendetwas dir unangenehm bin, sobald ich dir entgegen stehe, sprichst du von einer zwanzigjährigen unerträglichen Ehe."
  },
  {
    "start": 2051.159,
    "end": 2056.7,
    "text": "Und wir dürfen auch nicht vergessen, Emily ist nicht nur seine Ehefrau, sie ist im Grund, was sie seine Managerin."
  },
  {
    "start": 2056.82,
    "end": 2069.679,
    "text": "Sie bringt seine Manuskripte in Reihenform, sie verhandelt mit den Gläubigern, sie hält ihm den Rücken frei und er nennt ihre Sorgen, in Briefen war echtlich Larry Fari und wie soll ich sagen, flieht quasi an die Front."
  },
  {
    "start": 2071.659,
    "end": 2078.0,
    "text": "Als sie allerdings dann die Nachricht von der Verhaftung ihres Mannes kriegt, da ist der Ehestreit natürlich vergessen."
  },
  {
    "start": 2078.139,
    "end": 2082.2,
    "text": "Emily weiß jetzt, Es geht um alles und sie mobilisiert wirklich alles und je."
  },
  {
    "start": 2083.1,
    "end": 2090.22,
    "text": "Und wir sehen hier auch, die Fontanes mögen zwar ständig Pleite sein, aber sie sind sehr gut vernetzt."
  },
  {
    "start": 2090.82,
    "end": 2098.3,
    "text": "Sie aktiviert den Berliner Freundeskreis, die Familien Wangenheim und Merkel, den alten vorhin schon erwähnten Freund Bernhard von Lepelle."
  },
  {
    "start": 2099.08,
    "end": 2103.32,
    "text": "Und diese Strategie ist zweigleitig, also erstens der diplomatische Dienstweg."
  },
  {
    "start": 2103.68,
    "end": 2109.2,
    "text": "Bernhard von Lepel rennt sofort ins bräustische Kriegsministerium, macht dort den Fall zur Chefsache."
  },
  {
    "start": 2109.9,
    "end": 2111.74,
    "text": "Und zweitens, der kirchliche Joker."
  },
  {
    "start": 2112.42,
    "end": 2115.92,
    "text": "Die Familie von Wangenheim macht recht genialen Schachzug."
  },
  {
    "start": 2116.24,
    "end": 2119.52,
    "text": "Sie nutzen nämlich ihre Kontakte zur katholischen Kirche in Frankreich."
  },
  {
    "start": 2120.54,
    "end": 2127.9,
    "text": "Sie erreichen den Kardinal Erzbischof von Besson und... Das rettet Fontane physisch das Leben, wenn man so will."
  },
  {
    "start": 2128.0,
    "end": 2134.78,
    "text": "Also der Kardinal sorgt dafür, dass dieser angebliche preußische Spion so eine Art Upgrade in der Behandlung bekommt."
  },
  {
    "start": 2134.84,
    "end": 2140.76,
    "text": "Er wird jetzt nicht mehr wie ein Krimineller behandelt, sondern erhält den Status eines höheren Offiziers."
  },
  {
    "start": 2141.38,
    "end": 2146.24,
    "text": "Das heißt, Einzelzelle statt Massenlager besser als Essen, weniger Schikanern."
  },
  {
    "start": 2147.18,
    "end": 2153.54,
    "text": "Und ohne dieses Netzwerk und ohne diese Sache, hat Fontane vielleicht diese feuchte, festungshaften Beson-Sonne, der mal überlebt."
  },
  {
    "start": 2154.96,
    "end": 2156.88,
    "text": "Aber all das reicht noch nicht aus für die Freilassung."
  },
  {
    "start": 2157.04,
    "end": 2159.22,
    "text": "Dafür braucht es einen Hammer."
  },
  {
    "start": 2159.86,
    "end": 2163.88,
    "text": "Den Hammer schwingt schließlich der eiserne Kanzler persönlich."
  },
  {
    "start": 2164.42,
    "end": 2166.0,
    "text": "Otto von Bismarck schaltet sich ein."
  },
  {
    "start": 2166.66,
    "end": 2169.06,
    "text": "Der Kanzler lässt über diplomatische Kanäle drohen."
  },
  {
    "start": 2169.88,
    "end": 2174.34,
    "text": "Wenn dem Geschichtsschreiber von Tana etwas passiert, dann greifen wir zur Repressalien."
  },
  {
    "start": 2175.16,
    "end": 2176.08,
    "text": "Also Auge um Auge."
  },
  {
    "start": 2176.86,
    "end": 2178.56,
    "text": "Ich sag, ich brauch meinen Scribli-Fax wieder."
  },
  {
    "start": 2179.32,
    "end": 2179.7,
    "text": "Quasi."
  },
  {
    "start": 2181.4,
    "end": 2186.2,
    "text": "Die Franzosen knicken ein, dahingehend, dass sie ihn nicht zum Tode verurteilen."
  },
  {
    "start": 2186.62,
    "end": 2189.74,
    "text": "Also er kommt am fierundzwanzigsten November, achtzehn, siebzig frei."
  },
  {
    "start": 2189.86,
    "end": 2201.46,
    "text": "Er kommt heim, setze sich an seinen Schreibtisch und schreibt sein drittes Kriegsbuch über jenen Sieg im deutsch-französischen Krieg, der schließlich die Reichsgründung besiegeln sollte."
  },
  {
    "start": 2201.74,
    "end": 2203.7,
    "text": "Und er erfüllt seinen Pakt."
  },
  {
    "start": 2204.48,
    "end": 2207.94,
    "text": "Aber der Mann, der da jetzt schreibt, der ist nicht mehr dasselbe."
  },
  {
    "start": 2210.1,
    "end": 2221.1,
    "text": "Wir lassen jetzt den jungen, den relativ jungen Fontane, der den Krieg gesucht hat und beschrieben hat hinter uns und schauen uns stattdessen den alten Mann an, den Dichterkönig, wie man ihn später nennen wird."
  },
  {
    "start": 2221.28,
    "end": 2224.88,
    "text": "Und die Frage ist, was bleibt von ihm und dieser Geschichte?"
  },
  {
    "start": 2225.04,
    "end": 2226.34,
    "text": "War er ein Kriegsgewinner?"
  },
  {
    "start": 2226.68,
    "end": 2228.48,
    "text": "War er ein Opportunist?"
  },
  {
    "start": 2229.34,
    "end": 2231.3,
    "text": "Die Antwort ist tatsächlich tragischer."
  },
  {
    "start": 2231.72,
    "end": 2232.38,
    "text": "Also Fontane."
  },
  {
    "start": 2233.04,
    "end": 2237.78,
    "text": "war im Grunde ein Mann, der Zeitlebens, so wie er es auch beschrieben hat, in einer Zwangsjacke gesteckt ist."
  },
  {
    "start": 2238.14,
    "end": 2241.08,
    "text": "Man nennt sich auch selbst eine Taler, abhängige Existenz."
  },
  {
    "start": 2242.36,
    "end": 2245.74,
    "text": "Er hat sich oft gefühlt wie ein Maschinenrad in diesem preußischen Getriebe."
  },
  {
    "start": 2245.8,
    "end": 2250.36,
    "text": "Er teilt das Maschmiert, solange es läuft und das man dann wegwirft, wenn die Zähne abbrechen."
  },
  {
    "start": 2251.52,
    "end": 2261.58,
    "text": "Er hat diese Kriegsbücher geschrieben, aber er hat sich später auch als Frohen empfunden, als Zwangsarbeit für das System, das ihn zwar bezahlt hat, aber tatsächlich niemals abgesichert hat."
  },
  {
    "start": 2262.84,
    "end": 2266.24,
    "text": "Und genau deshalb ist sein Blick auf diese Kriege auch so ambivalent."
  },
  {
    "start": 2266.48,
    "end": 2277.12,
    "text": "Öffentlich muss er jubeln, bewundert die Strategie, den poetischen Schwung der Schlachten, aber privat ist er ein sensibler Beobachter, der eben ganz genau diesen Blutzoll auch sieht."
  },
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    "end": 2286.08,
    "text": "In seinen Briefen an Emil Lieder findet man immer wieder diese Leisensweifel, er fragt angesichts der Leichenberge, wozu das alles, um nichts."
  },
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    "text": "Und er weiß auch tief drinnen einen Ruhm, der auf Schlachtfeldern geboren wird, der ist eigentlich Unglück."
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    "text": "Tatsächlich hat er die Verherrlichung des Militärischen gehasst, obwohl er sie selbst betrieben hat, um eben Geld zu verdienen."
  },
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    "text": "Und je älter wird es, doch radikaler wird er noch sein Skepsis."
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    "text": "Also ich weiß nicht, ob du dessen bewusst bist, aber diese großen Romane, für die ihr bekannt ist, die schreibt er im Kreisenalter."
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    "text": "Er heißt das, was Thomas Mann als Wunderkreis bezeichnet."
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    "text": "Dem ging es als zum Wunderkind."
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    "text": "das war mir echt nicht bewusst."
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    "text": "Kurz vor seinem Tod im Jahr eighteen, achtundneunzig, da sieht er ein vernichtendes Fazit über das Kaiserreich, das er selbst mit groß geschrieben hat."
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    "text": "Er schreibt, resigniert, dass in Politik, Religion und Moral am Ende alles Phrase sei."
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    "text": "Er sieht, der Welt, die zwar mächtig geworden ist, voller Eisen und Stahl, aber die ihre Seele und ihren Anstand verloren hat."
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    "text": "Und genau aus dieser Enttäuschung rausbände der sich dann auch ab vom Krieg und auch von diesen preußischen Idealen."
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    "text": "Er schreibt seine großen Romane, wie zum Beispiel Effibris, der Beschreiterin genau diese Holheit des Adels unter preußischen Gesellschaft."
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    "text": "Nicht hasserfüllt, sondern wie soll ich sagen, mit der nativen Altersmilde, wenn man so will."
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    "text": "Weil er eben aus eigener Erfahrung weiß, wie schwer es ist, in einem falschen System ein anständiger Mensch zu bleiben."
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    "text": "Aber diese feine skeptische Welt des alten Fontane, die hat keine Zukunft."
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    "text": "Sie wird nämlich genau von diesem militärischen Geist überrollt."
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    "text": "den er tatsächlich immer so gefürchtet hat."
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    "text": "Und niemand hat das Treffende und endgültiger Zusammengefasst als der Autor und Satiriker Kurt Tucholsky."
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    "end": 2397.54,
    "text": "Tucholsky, der gewusst hat, dass mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs für einen Mann wie Fontane und seine Sicht auf die Welt keinen Platz mehr war."
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    "end": 2419.56,
    "text": "Ich lasse deswegen Tuchholzki hier das letzte Wort und zwar ist es ein Zitat aus einem Text im Berliner Tageblatt, anlässlich des hundertjährigen Geburtstags von Tanes im Jahr, und Tuchholzki schreibt, von Tanes starb nicht, Tier der von Tanes ist am ersten August, gestorben."
  },
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    "text": "Richard, ich bin geistert."
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    "text": "Also, ich bin richtig geplettet."
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    "text": "Also, ich habe mein neues Lieblingswort, Skriplifax."
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    "end": 2430.52,
    "text": "Skriplifax."
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    "text": "Das zum einen."
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    "text": "Und du hast vorhin auch gefragt, wo was bleibt von Fontane."
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    "text": "Mein erster Gedanke war, na gut, also, dass alle in der Schule Föbries lesen müssen."
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    "text": "Ja."
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    "text": "Und es ist lustig, weil in diesem Text von dem Tuchholz-Gedäner, das schreibt, als Peter Panthe, übrigens, ist sein Pseudonym."
  },
  {
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    "end": 2459.92,
    "text": "Da schreibt er auch so, ja, die Romane von Tane, die sind ein bisschen angestaubt, aber es findet sich eben vor allem in seinem Brief und in seinen Gedichten der wahre von Tane."
  },
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    "end": 2467.2,
    "text": "Aber tatsächlich, glaube ich, Effipriest, vor allem vor dem Hintergrund dessen, was man über ihn weiß, ist dann halt noch mal einiges interessanter."
  },
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    "end": 2479.34,
    "text": "Also, dass er so über diese preußische... Effipriest ist tragisch von Anfang bis Ende und beschreibt eben diese Konvention und auch diese Zwangsjagden der preußischen Gesellschaft."
  },
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    "end": 2485.0,
    "text": "Dass er seine berühmten Romane dann erst schreibt, also schon alt ist."
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    "end": 2495.8,
    "text": "Das hat ja auch was irgendwie, finde ich, beruhigendes, weil da denke ich mir so, okay, man kann also auch dann noch in späterem Alter dann seine Lebensleistung bringen, die mit dir ein, für die man dann später bekannt wird."
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    "text": "Ja, absolut."
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    "text": "Also es ist noch Zeit."
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    "text": "Da ist auch Zeit."
  },
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    "text": "Und ich glaube, es hat es natürlich gebraucht."
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    "text": "Wenn wir realistisch sehen, hat es natürlich gebraucht, dass er Geld verdient mit diesen Dingen, die er vorher gemacht hat, um dann überhaupt in einer Position sein zu können, um diese Romane zu schreiben, wobei er auch dazu sagen muss, die Geldnöte in die Familie Fontane sich befindet, die hören nicht auf."
  },
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    "end": 2521.72,
    "text": "Also das hält an bis zum Tod der Fontane."
  },
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    "end": 2528.28,
    "text": "Das fand ich auch ein interessanter Aspekt, diese Talabhängigkeits, wie du es genannt hast oder wie er es genannt hat."
  },
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    "text": "Letztlich ist es nicht so, dass das den meisten Künstlerinnen und Künstlern so geht?"
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    "text": "Natürlich."
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    "end": 2548.98,
    "text": "Entweder da muss der Arbeit machen, den er machen will, oder du bist abhängig von Medzena, weil ich ihn vorhin auch angesprochen habe, als ich über Beethoven gesprochen habe, beziehungsweise seine Geschichte erzählt habe im Bezug auf die Trittsympfonie."
  },
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    "end": 2556.9,
    "text": "weil auch ständig in Abhängigkeit von denen, die immer Geld geben haben, dafür das machen kann, was er kann, weil nichts kommt halt nix."
  },
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    "end": 2567.06,
    "text": "Sehr spannend und natürlich auch eine extrem prägende Zeit, also auch für diese ganze Phase bis hin zur Reißgründung."
  },
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    "start": 2567.08,
    "end": 2586.66,
    "text": "... ist deshalb auch so prägend, weil... ...'Achzehn-Achzehn-Achzehn-Achzehn-Achzehn-Achzehn-Achzehn-Achzehn-Achzehn-Achzehn-Achzehn-Achzehn-Achzehn-Achzehn-Achzehn-Achzehn-Achzehn-Achzehn-Achzehn-Achzehn-Achzehn."
  },
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    "text": "Und ich bin ja nicht in Deutschland zur Schule gegangen."
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    "text": "Die Reichsgründung wird zwar auch in Österreich gelehrt, aber ich glaube nicht in der Tiefe, wie es in deutschen Schulen gelehrt wird."
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    "text": "Da sind... der deutsch-deinnische Krieg ist für mich... entweder habe ich nie davon gehört oder ich habe es schon wieder vergessen."
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    "text": "sehr wenig Kurs drüber."
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    "text": "Und dann habe ich was drüber gelesen und habe gedacht, eigentlich wäre es interessant, was über den bzw."
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    "text": "Und dann ist mir eingefallen, weil ich das vorhin angesprochen habe, auch die Feedbackfolge, wo ich über... die MCD Pesche und so weiter gesprochen habe, dass ich in dem Buch, das mir zugeschickt worden ist von Professor Arant, der geschrieben hat über die Geschichte des deutschen französischen Kriegs und zwar in Einzelschicksalen, dass dort diese Geschichte von Fontane vorkommt, wie er in der Haft sitzt."
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    "text": "und dann habe ich dort es mir ein bisschen eingelassen."
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    "text": "und dann habe ich gedacht, ah, es wäre sehr interessant hier, im Grunde Geschichte des Fontane auf Basis der Einigungskriege zu erziehen."
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    "text": "Na absolut, also es war hervorragend, Richard."
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    "text": "Vielen, vielen Dank für die Geschichte."
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    "text": "Ein würdiger Beginn des Jahres, will ich sagen."
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    "text": "Es freut mich, dass du dieser Meinung bist, weil ich gerade bei der Literatur war."
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    "text": "Vielleicht schauen wir da noch, weil es gibt natürlich viel von Fontane."
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    "text": "Es gibt hier Briefwechsel."
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    "text": "Was ich hier verwendet habe, ist, was die Briefe zwischen ihm und seiner Frau angeht."
  },
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    "text": "Da gibt es folgende Buch."
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    "end": 2671.74,
    "text": "Die Zuneigung ist etwas Rätselvolles, Briefwechsel zwischen Theodor Fontane und seiner Frau."
  },
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    "text": "Sie ist im Aufbauverlag erschienen, im Jahr two-ten-achtzehn."
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    "end": 2685.48,
    "text": "Dann Gordon A. Craig, der hat geschrieben Theodor Fontane Literature and History in the Bismarck Reich, oder Reich, wie es sich eigentlich aussprechen wird, aus dem Jahr neunzehneunneunzig."
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    "end": 2689.34,
    "text": "und Gordon Craig gibt es als einer der... Von Tane Experten."
  },
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    "end": 2695.76,
    "text": "Ein anderer von Tane Experte, ultimative von Tane Experte aus Deutschland war Helmut Nürnberger."
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    "text": "Da gibt es auch eine kleine Biografie von ihm, die ich verwendet habe."
  },
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    "end": 2705.84,
    "text": "Jörn Sack hat geschrieben von Tane als Kriegskronist, was im Spezifisch um diese Werke geht."
  },
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    "end": 2713.72,
    "text": "Er selber hat, also Theodor Fontane, er hat neben seinen Büchern über die Kriege, er hat auch eines geschrieben, über seine Kriegsgefangenschaft."
  },
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    "end": 2720.4,
    "text": "Das habe ich alles aus Theodor Fontanes gesammelten Werken, Romane, Gedichte, Reiseberichte, Band aus dem Jahr zweiundzehntzehn."
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    "end": 2732.6,
    "text": "Und auch sehr wichtig für diese Geschichte zwischen Theodor Storm und Theodor Fontane, da gibt es Theodor Storm, Theodor Fontane, der Briefwechsel, historisch kritische und kommentierte Ausgabe aus dem Jahrzehntzehnundachzehn."
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    "end": 2743.86,
    "text": "Und natürlich, weil ich es vorhin schon angesprochen habe, Tobias Ahrand, der geschrieben hat, die Geschichte des deutschen französischen Krieges erzählt in Einzelschicksalen aus dem Jahr"
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    "text": "Eier."
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    "text": "sehr cool."
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    "text": "Und ich gehe mal davon aus, dass man die Werke Fontanes auch freien Netz kriegt, zumindest bei Projekt Gutenberg, weil er schon lang genug nicht mehr lebt."
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    "end": 2775.62,
    "text": "Es gibt tatsächlich, also ich muss so sagen, es gibt viel, was es im Netz gibt über Fontane, aber bei manchen Sachen, also zum Beispiel die kritisch, historisch kritische Ausgabe der Briefe zwischen Sturm und Fontane, das gibt es fast überall, also als gebundenes Buch."
  },
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    "text": "Aber ich wollte es als E-Book haben."
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    "text": "Und dann habe ich beim Verlag gesehen, ah, es gibt ein E-Book."
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    "text": "Ich habe das gekauft."
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    "text": "Und dann hat es Tage gedauert, bis ich das E-Book kriege."
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    "text": "Bei Projekt Gutenberg gibt es halt Gedichte und es gibt die großen Romane."
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    "text": "Aber ich war natürlich auch auf der Suche gefallen, nach dem Briefen."
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    "end": 2817.38,
    "text": "Teilweise gibt es ja auf archive.org, aber vor allem die historisch-kritischen, also die Bearbeitungen, die nach zusätzlicher Arbeit drin stecken, die gibt es nicht einfach nur so im Netz."
  },
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    "end": 2824.56,
    "text": "Und es ist interessant, aber es gibt das Fontane Archiv, da gibt es im Grunde eine riesige Briefe-Datenbank, aber es ist ein Metadatenbank."
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    "text": "Also das heißt, du kannst zwar schauen, ah, das ist dieser Brief von da und da werden die und die Sachen beschrieben und die und die Person mit erwähnt, aber der Brief selber, dann kannst du ja dann schauen."
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    "text": "Gut."
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    "text": "Also Richard, ich glaube, du bist ja in Zukunft mein Historifax."
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    "text": "Ich glaube, es sind beide ein bisschen Historifaxe."
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    "text": "Gut."
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    "text": "Talleabhängig sind wir auf jeden Fall auch."
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    "text": "Wer nicht?"
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    "end": 2851.3,
    "text": "Wer nicht?"
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    "text": "wealthy?"
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    "text": "können uns die Geschichten zumindest selber aussuchen."
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    "text": "Das konnte ich ja nicht immer."
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    "text": "Genau."
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    "text": "Uns geht es dahingehend auf jeden Fall besser als von Talle."
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    "text": "Ich habe auch weniger Kinder als ihr, also."
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    "text": "Da muss ich mir nicht zu grosses sagen machen."
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    "text": "Na, ich auch."
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    "end": 2869.96,
    "text": "Gut."
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    "end": 2874.96,
    "text": "Dann würde ich sagen, wenn du diese Geschichte nichts mehr hinzuzufügen hast."
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    "text": "Nein."
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  {
    "start": 2876.32,
    "end": 2877.02,
    "text": "Lass mal es gut sein."
  },
  {
    "start": 2877.56,
    "end": 2877.68,
    "text": "Gut."
  },
  {
    "start": 2877.94,
    "end": 2878.58,
    "text": "Lass mal es gut sein."
  },
  {
    "start": 2878.62,
    "end": 2880.06,
    "text": "Machen wir Feedback-Hinweiß-Block."
  },
  {
    "start": 2881.8,
    "end": 2886.08,
    "text": "Wer Feedback geben will zu dieser Geschichte oder anderen, kann das per E-Mail machen."
  },
  {
    "start": 2886.2,
    "end": 2886.96,
    "text": "Feedback hat Geschichte.fm."
  },
  {
    "start": 2888.58,
    "end": 2891.32,
    "text": "Kann es auf den diversen Social-Media-Plattformen tun."
  },
  {
    "start": 2891.82,
    "end": 2894.84,
    "text": "Da heißt man gemeinhin Geschichte.fm, außer im Fediverse."
  },
  {
    "start": 2895.28,
    "end": 2901.32,
    "text": "Gibt mal am besten Geschichte Punkt Social in einen Browser ein und dann landet man direkt auf unserem Mastodon Profil."
  },
  {
    "start": 2901.52,
    "end": 2909.72,
    "text": "Und wer uns Reviewen will, Sterne vergeben und solche Dinge kann es zum Beispiel bei Apple Podcasts zu einem oder einfach grundsätzlich überall, wo man Podcasts bewerten kann."
  },
  {
    "start": 2909.9,
    "end": 2920.08,
    "text": "Und wer direkt in Folgen kommentieren will, wer ein bisschen Hintergrund-Infos, Bilder und solche Sachen haben will, direkt während man hören, kann das über Campfire erhalten."
  },
  {
    "start": 2920.38,
    "end": 2925.86,
    "text": "Einfach auf joincampfire.fm gehen, die App installieren und dann unsere Community beitreten."
  },
  {
    "start": 2927.38,
    "end": 2929.98,
    "text": "Wir haben ein Spiel gemacht, das heißt Geschichten aus der Geschichte."
  },
  {
    "start": 2930.04,
    "end": 2931.8,
    "text": "Das gibt es unter geschichtepunkt.shop."
  },
  {
    "start": 2932.18,
    "end": 2933.64,
    "text": "Da gibt es auch weiteren Merch."
  },
  {
    "start": 2934.54,
    "end": 2937.08,
    "text": "Außerdem gibt es zwei Möglichkeiten, diesen Podcast werbefrei zu hören."
  },
  {
    "start": 2937.2,
    "end": 2942.62,
    "text": "Bei Apple Podcast gibt es den Kanal Geschichte Plus und bei Steady kann man sich den Feed kaufen für vier Euro im Monat."
  },
  {
    "start": 2942.68,
    "end": 2945.52,
    "text": "Da gibt es alle Infos unter geschichtepunkt.fm.slashsteady."
  },
  {
    "start": 2946.36,
    "end": 2950.02,
    "text": "Wir bedanken uns in dieser Woche bei Sebastian Steve Florian."
  },
  {
    "start": 2950.58,
    "end": 2960.7,
    "text": "Christopher, Oliver, Sarah, Carsten, Fabian, Laura, Günther, Judith, Markus und Alexander."
  },
  {
    "start": 2960.92,
    "end": 2962.32,
    "text": "Vielen, vielen Dank für eure Unterstützung."
  },
  {
    "start": 2963.0,
    "end": 2964.1,
    "text": "Ja, vielen herzlichen Dank."
  },
  {
    "start": 2964.7,
    "end": 2967.84,
    "text": "Und danke, Lene Kiebel, fürs Schneiden diese Folge."
  },
  {
    "start": 2968.9,
    "end": 2973.62,
    "text": "Terechert, dann würde ich sagen, machen wir halt auch in diesem Jahr das, was wir immer machen."
  },
  {
    "start": 2974.72,
    "end": 2978.54,
    "text": "Ja, geben wir doch dem einen das letzte Wort, der es immer hat."
  },
  {
    "start": 2979.4,
    "end": 2980.28,
    "text": "Bruno Kreisky."
  },
  {
    "start": 2983.6,
    "end": 2984.62,
    "text": "Lernen Sie ein bisschen Geschichte?"
  },
  {
    "start": 2986.12,
    "end": 2987.14,
    "text": "Lernen Sie ein bisschen Geschichte?"
  },
  {
    "start": 2987.18,
    "end": 2991.58,
    "text": "Dann werden Sie sehen, wie das ich damals entrichtet habe."
  },
  {
    "start": 2996.62,
    "end": 2998.84,
    "text": "Bühne frei für deine Folge."
  },
  {
    "start": 2998.88,
    "end": 2999.58,
    "text": "Na, warte mal, das spielt."
  },
  {
    "start": 3000.02,
    "end": 3000.58,
    "text": "Bühne frei."
  },
  {
    "start": 3001.44,
    "end": 3003.72,
    "text": "Worum ging es letzte Woche?"
  },
  {
    "start": 3004.14,
    "end": 3008.52,
    "text": "Warte mal, immer ist es tatsächlich entfallen."
  }
]