[
  {
    "start": 4.22,
    "end": 9.78,
    "text": "Willkommen zu Gastrogeplauder, dem gastroenterologischen Wissenspodcast der DGVS."
  },
  {
    "start": 13.059,
    "end": 17.78,
    "text": "Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unserer historischen Reihe gegen das Vergessen."
  },
  {
    "start": 18.2,
    "end": 26.939,
    "text": "In diesem Projekt erinnern wir an Mitglieder unserer Fachgesellschaft, die während der NS-Diktatur entrechtet, verfolgt, ins Exil gezwungen und ermordet wurden."
  },
  {
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    "end": 36.519,
    "text": "Heute stellen wir Ihnen die Geschichte von Walter und Erna Nauenberg vor, einem Berliner Ärztepaar, das in den letzten Jahren von Deutschland fliehen musste."
  },
  {
    "start": 37.16,
    "end": 40.339,
    "text": "Ihr Weg führte sie erst nach Kolumbien, später nach New York."
  },
  {
    "start": 40.8,
    "end": 46.26,
    "text": "Und da konnten sie trotz vieler Brüche ein neues Leben aufbauen und weiter als Mediziner wirken."
  },
  {
    "start": 46.7,
    "end": 51.5,
    "text": "Mein Name ist Petra Lühn und neben mir sitzt unser ehrenamtlicher Archivar Harrojenz."
  },
  {
    "start": 52.1,
    "end": 61.2,
    "text": "der die Biografie von Walter und Anna Nauenberg erforscht hat und uns heute Einblicke in dieses wirklich bewegende Leben und diese bewegenden Lebenswege geben wird."
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  {
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    "end": 62.339,
    "text": "Hallo, Heliens."
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    "text": "Guten Tag, Frau Löhnen."
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    "end": 67.64,
    "text": "Ich freue mich sehr, dass wir diesen Podcast heute aufnehmen."
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    "text": "Ich leite mal kurz ein."
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  {
    "start": 68.96,
    "end": 80.28,
    "text": "Wir sitzen hier heute auf der Visceralmedizin und Sie haben einen sehr bewegten Tag hinter sich mit einer sehr schönen historischen Sitzung und einem weiteren Treffen, wo es ja auch darum geht, wie wir das Projekt weiterentwickeln."
  },
  {
    "start": 80.74,
    "end": 84.76,
    "text": "Und ich finde es großartig, dass Sie trotzdem noch Musse haben, mit mir sich zusammenzusetzen."
  },
  {
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    "end": 88.74,
    "text": "Ich glaube, es ist wirklich eine ganz spannende Biografie, die wir heute besprechen möchten."
  },
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    "end": 90.66,
    "text": "Beginnen wir vielleicht am Anfang."
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    "text": "Wie sind Sie eigentlich auf Walter und Erna Nauenberg gestoßen?"
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    "end": 100.52,
    "text": "Gab es einen Moment oder einen Dokument, dass sie besonders in diese Geschichte hereingezogen hat?"
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    "text": "Also, Walter Nauenberg war Mitglied unserer Fachgesellschaft und zwar seit ... Das ist das Jahr, in dem es zum ersten Mal überhaupt eine Mitgliederliste gab."
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    "end": 123.179,
    "text": "Und er war um diese Zeit in Berlin ... in der medizinischen Klinik des Rudolf-Wirchokrankenhauses bei Leopold Kuttner."
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  {
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    "end": 146.08,
    "text": "Dieser Zusammenhang ist nicht unwichtig, weil Herr Kuttner, neunzehntfünfundzwanzig, Tagungspräsident dieser legendären fünften Tagung unserer Fachgesellschaft war in Wien und dort eben zum ersten Mal die Gesellschaft eine Satzung und eine Geschäftsordnung und eben ein Mitgliederverzeihendes bekam."
  },
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    "end": 157.58,
    "text": "Und wir können ziemlich gut nachweisen, dass der Kuttner selbst einen gewissen Kreis seiner Mitarbeitenden motiviert hat, in die Gesellschaft einzutreten."
  },
  {
    "start": 157.9,
    "end": 167.9,
    "text": "Das Interessante ist, zu der Zeit gab es mehrere junge jüdische Assistenzärzte bei dem Kuttner, der selbst Jude war, und einer der ersten führenden Gastronklogen in Berlin."
  },
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    "end": 178.46,
    "text": "Und offensichtlich hat er die rekrutiert, denn die sind alle, ob Isar Krieger oder Martin Hirschberg oder ... wie sie heißen, in diesem Jahr eingetreten."
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    "end": 181.88,
    "text": "Und das ist eben relativ früh im Vergleich zu anderen."
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    "text": "So, und dann stand in der Mitgliederliste eben nur Walter Nauenberg, Berlin."
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  {
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    "end": 195.24,
    "text": "Dann haben wir geguckt, ob wir eine Dissertationsschrift finden zu dem W. Nauenberg."
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    "end": 198.06,
    "text": "Und siehe da, wir haben eine gefunden."
  },
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    "end": 204.94,
    "text": "Und dann haben wir zumindest den ersten Beginn seines Lebens mit diesem Lebenslauf."
  },
  {
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    "end": 208.34,
    "text": "in dieser Promotionsschrift gekannt."
  },
  {
    "start": 209.16,
    "end": 223.12,
    "text": "Und da fängt es schon an interessant zu werden, weil der Nauernwerk Ende der Achtzehnhundertneunzigerjahre geboren ist und als Achtzehnjähriger, Neunzehnjähriger nach dem Abitur in den Ersten Weltkrieg musste."
  },
  {
    "start": 224.04,
    "end": 237.32,
    "text": "Das ist ja für uns immer gar nicht vorstellbar, wenn man mit Achtzehn Jahren nach der Reifeprüfung in den Weltkrieg gehen muss, das ist für mich nach wie vor irgendwie jenseits der Gedanken."
  },
  {
    "start": 237.7,
    "end": 252.5,
    "text": "Und er musste dann eben nach dem Krieg studieren und hat dann nineteenhundert, einzwanzig, zwanzig Staatsexamen gemacht und seine Promotionsarbeit abgeschlossen in Rostock und ist dann wieder nach Berlin gegangen eben zu dem Kuttner."
  },
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    "end": 254.02,
    "text": "Das war der Einstieg."
  },
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    "end": 256.899,
    "text": "Und vielmehr haben wir am Anfang nicht gewusst."
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    "end": 261.78,
    "text": "Können Sie sagen, ob dieses in den Krieg ziehen, Nürnberg in irgendeiner Form geprägt hat?"
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    "text": "Ist das ablesbar aus seinem Lebenslauf?"
  },
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    "end": 271.46,
    "text": "Also, was wir wissen, ist, dass er wiederholt auf eine Verwundung, die er erlitten hat, hingewiesen hat."
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    "start": 272.34,
    "end": 278.66,
    "text": "Und was wir wissen, ist, und darauf kommen wir gleich noch, dass er sogenannte Frontkämpfer war."
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    "text": "Also, dieser Begriff des Frontkämpfers ist neunzigdreißig entstanden."
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    "end": 287.24,
    "text": "als es um den Entzug der Kassenzulassung ging."
  },
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    "end": 302.94,
    "text": "Und da gab es eine Intervention des Reichspräsidenten Hindenburg, dieses Feldmarschals Hindenburg, der gesagt hat, die, die im Ersten Weltkrieg an der Front gekämpft haben, müssen ein Privileg haben."
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    "end": 311.1,
    "text": "Und die durften zunächst bis die Kassenzulassung behalten."
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    "end": 315.78,
    "text": "Nun war es bei Nauenberg, das nehmen wir mal eben vorweg, so."
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    "text": "Er heiratete Anfang der Drei-N-Dreißig seine Frau, eben Erna Nauenberg, eine Ärztin, die promoviert hatte über Milzerkrankung."
  },
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    "end": 329.86,
    "text": "Und die war schon niedergelassen."
  },
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    "end": 334.08,
    "text": "Die hatte ihr die Praxis ihres Vaters, neunztag dreißig übernommen."
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    "end": 337.94,
    "text": "Und der wurde im April drein dreißig die Praxis entzogen."
  },
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    "text": "Und er durfte, der Walter Nauenberg, diesen Kassenarzt sitzt, übernehmen."
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    "end": 352.2,
    "text": "Also die Frau trat in den Hintergrund oder musste, war gezogen, hat in der Praxis weitergearbeitet, in der Berliner Winterfelder Straße."
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    "end": 359.04,
    "text": "Und er hat sozusagen die praktische Arbeit gemacht und war der zugelassene Kassenarzt."
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    "text": "Und weil er als Frontkämpfer gearbeitet hatte und dieses Privileg hatte, also auch Erna Sachs, seine spätere Frau, war jüdischer Abstammung und ist von den Repressialien-III direkt betroffen gewesen."
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    "text": "Wie außergewöhnlich war das?"
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    "text": "Eine Frau Ärztin promuiert und selbstständig niedergelassen?"
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    "text": "Was sagt uns das über diese Frau zu dieser Zeit?"
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    "end": 386.62,
    "text": "Also, die Frau war nach dem, was wir wissen und vor allem, wenn sich die Fotografien anschauen."
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    "end": 390.0,
    "text": "die wir bekommen haben, dann später von der Familie auch."
  },
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    "text": "Das werden wir gleich noch erwähnen."
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    "text": "Sicher eine ganz selbstbewusste."
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    "end": 414.68,
    "text": "Sie gehört im Grunde zwar jetzt nicht zu der ersten Generation der Frauen, die sich niedergelassen haben in der Medizin, aber zu den relativ frühen, die eine eigene Praxis hatten und die auch ja geführt haben und gar keinen Zweifel hatten, dass sie das können und das auch sehr bewusst gemacht haben und sich dafür entschieden haben."
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    "text": "Aber es sagt eben auch ganz viel über das, was die Nazis gemacht haben."
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    "text": "Sie haben im April ihr die Kassenarztzulassung entzogen."
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    "text": "Und dann haben sie gesagt, der Mann, wenn er Frontkämpfer war, darf es ne Zeit lang machen."
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    "text": "Und die Erna Ernauenberg hat ganz viel später in die Hand genommen."
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    "text": "Ich will das jetzt nicht vorwegnemen, das sagen wir nachher."
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    "text": "Hat sie denn mitgearbeitet, denn trotzdem?"
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    "text": "Sie hat praktisch pro Forma ihrem Mann die Praxis übertragen, aber war da wahrscheinlich da immer im Hintergrund, wir kommen da tatsächlich noch drauf."
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    "text": "Das ist ja auch konstant, dass sie immer wieder mitgestaltet hat das Leben."
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    "text": "Aber dieses Frontkämpfer-Privileg hat nicht lange gehalten."
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    "end": 456.58,
    "text": "Das hat nicht lange gehalten."
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    "text": "Sie hat in dem Labor gearbeitet, in der Praxis, und sie hat ihm beholfen."
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    "text": "Und ob sie nebenher eine Privatpraxis gemacht hat, das wissen wir nicht."
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    "text": "Das kann gut sein, aber das wissen wir nicht."
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    "text": "Und sie hat später eben auch ganz selbstständig gearbeitet."
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    "text": "Die Nauenbergs sind nach Kolumbien geflüchtet."
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  {
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    "end": 484.74,
    "text": "Nicht so häufig in unseren Biografien, die wir recherchiert haben."
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    "end": 496.7,
    "text": "Vielleicht können Sie noch mal schildern, der Zeitpunkt, wann dann die Situation wirklich bedrohlich wurde und wie diese Verbindung nach Kolumbien dann zustande kam und ob das einfach war, diesen Weg zu finden."
  },
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    "end": 501.26,
    "text": "Also der Weg war überhaupt nicht einfach und der war auch ungewöhnlich."
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    "text": "ist so gewesen."
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    "text": "Und das ist das Besondere auch an dieser Biografie."
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    "text": "Der Walter Nauenberg war Vertrauensarzt der kolumbianischen Gesandschaft in Berlin und hat siebendreißig, achtendreißig jüdische Flüchtlinge untersucht."
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    "text": "Die brauchten für den Wisum Antrag ein Gesundheitszeugnis."
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    "text": "Und da haben wir nun in der Entschädigungsakte eben dieses Dokument gefunden."
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    "end": 544.76,
    "text": "Da hat er im Februar, der war ein jüdischer Saxophonist und Jazzmusiker untersucht und hat ihm bescheinigt, dass er gesund ist."
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    "text": "Der war noch sehr jung und dass er geimpft war, soweit man damals impfen konnte."
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    "text": "hat ihm sicher die Erlangung eines Visums erleichtert."
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    "text": "Und der ist dann auch geflohen aus Deutschland und ist letztendlich in die USA gekommen."
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    "text": "Und das nehme ich jetzt dann mal vorweg."
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    "text": "Das Schöne ist, wir hatten diese Biografie ja dann publiziert und die war online."
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    "text": "der Neffe von diesem Werner Dumbitch an."
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    "text": "Und das hat mich dann schon sehr froh gestimmt."
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    "text": "Also das war eine echte Freude."
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    "text": "Denn der hatte unseren Beitrag online gefunden und hatte sich total gefreut, dass überhaupt ... Erstens, das kannte er nicht, dieses Dokument publiziert ist."
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    "text": "Und er wusste auch mit den Nauenbergs nicht so viel anzufangen."
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    "text": "Und daraus hat sich ein wunderbarer Kontakt ergeben."
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    "text": "Ich erzähl das nur, weil das ... diese Kollateraleffekte dieses Online-Formates sind."
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    "text": "Das wird dann gelesen und dann melden sich die Leute bei uns."
  },
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    "end": 623.12,
    "text": "Und dann haben sie plötzlich eine ganz andere Perspektive."
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    "text": "ja."
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  {
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    "text": "Und Walter Dambitch klingt ja sehr deutsch."
  },
  {
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    "end": 632.26,
    "text": "Also waren auch Auswanderer, der dann als Konsulat wieder Generalkonsul in Berlin gearbeitet hat."
  },
  {
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    "end": 635.54,
    "text": "Die Familie Dambitch, also der Neffe, lebt in Deutschland."
  },
  {
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    "text": "oder sind das ... Der"
  },
  {
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    "end": 637.24,
    "text": "lebt in Deutschland."
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  {
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    "end": 641.24,
    "text": "Aber die hatten ja mit der ... Kolumbianischen Botschaft gar nichts zu tun."
  },
  {
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    "text": "Das war einfach"
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    "text": "ein"
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    "end": 651.98,
    "text": "jüdischer Mensch, der fliehen wollte und er brauchte als Voraussetzung für den Visum-Santrag das Gesundheitszeugnis."
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    "text": "Das hat der Nauenwerk erstellt und damit hat er eben die Ausreise oder die Flucht natürlich erleichtert."
  },
  {
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    "text": "Vielleicht schülle sie noch mal die Situation."
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    "text": "vom neunten auf den zehnten November aus seiner Wohnung in einem Botschaftsauto geholt und hat ihn exterritorial in der kolumbianischen Botschaft untergebracht."
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    "text": "Nur ihn."
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    "text": "Erna Nauenberg war zu dem Zeitpunkt Hochschwanger."
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    "text": "Sie haben sich dann überlegt, dass sie erst mal in Deutschland bleibt."
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    "text": "Und ... Der Walter Nauenberg ist dann von der Botschaft mit einem Auto nach Tegel gebracht worden, auch ex-territorial, und ist dann über Amsterdam nach Kolumbien gekommen, geflogen."
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    "text": "Und Erna ist mit den Kindern und einem Berliner Hausmädchen, die hatten dann drei Kinder, zu dem Zeitpunkt, im Juni, neununddreißig nachgereist."
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    "text": "Und dann hat die Familie es so gemacht, dass die Kinder, die drei Kinder mit dem Hausmädchen in Barranquilla blieben."
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    "text": "Und die beiden Eheleute haben irgendwie sechshundert Kilometer entfernt bei einer Ölfirma gearbeitet."
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    "text": "Und sie hatten den Vorteil, jetzt wieder zurück nach Deutschland, dass sie früh ... spanisch gelernt hatten."
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    "text": "Also, beiden, die waren sehr aufgeweckt und haben sehr genau gesehen, was die NS-Diktatur bedeutete."
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    "text": "Und sie haben auch früh überlegt, zu fliehen."
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    "text": "Und das Problem war, dass die Mutter von Erna Nauenberg nicht mitgehen wollte und dass sie Rücksicht genommen haben und bei der Mutter bleiben wollten."
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    "text": "Und die ist auch nicht mitgeflohen und ist später dann deportiert worden in das Ghetto Therese in Stadt und ist da, ja, ja, ja, ja, ja, das ist eine ganz traurige Geschichte."
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    "text": "Und dann waren die in Kolumbien."
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    "text": "Sie waren von den Kindern lange getrennt, aber sie haben es irgendwie managen können."
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    "text": "Der hat dann auch in Kolumbien in spanischer Sprache über irgendwelche Infektionskrankheiten publiziert und hat sich da engagiert."
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    "text": "Aber vielleicht, wenn ich einmal noch unterbrechen darf, haben Sie denn als Ärztin und Arzt wieder arbeiten können in Kolumbien?"
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    "text": "Sie haben... Erst mal für diese Ölfirma arbeiten können, das war unproblematisch, sie haben dann irgendwann auch praktizieren können, aber da sprechen wir jetzt schon von nineteen vierzig oder fünf."
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    "text": "Nach Nossotschiffvierzig in Kolumbien gewalttätige Auseinandersetzungen wurde ein Präsidentschaftskandidat ermordet und das hat die Erna Nauenberg sehr an die frühen Berliner Zeiten, an Gewalttätigkeiten der Nationalsozialisten erinnert."
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    "text": "Und sie hat sich dann früh"
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    "text": "Und das kann man auch an ihren Reisen nachvollziehen."
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    "text": "Das ist ja alles ganz gut dokumentiert."
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    "text": "Wie dokumentiert?"
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    "text": "Also was haben Sie da für Quellen?"
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    "text": "Also die Schiffsreisen zum Beispiel oder die Flüge in die USA sind alle fast minutiös."
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    "text": "dokumentiert und auch nachvollziehbar."
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    "text": "Es gibt diese Plattformen von Ancestry oder Family Search."
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    "text": "Da können sie Passagierlisten sehen."
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    "text": "Und da können sie sozusagen auch die Spur verfolgen."
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    "text": "Und ich hab das am Anfang ja auch gar nicht verstanden, warum die Erna Nauenberg so oft dann entweder nach Kalifornien oder dann auch New York gefahren ist."
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    "text": "Und sie hat dann eben auch in der Zeit noch ein viertes Kind gekriegt, eine Tochter, hat dann vor ihrem Mann angefangen, für das amerikanische Staatsexamen zu lernen."
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    "text": "Und hat das auch geschafft."
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    "text": "Und dann sind sie um neunzehnthundertfünfzig beide mit all den Kindern in die USA gegangen und sind in New York tätig gewesen."
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    "text": "Das Schöne ist, wir haben ja am Anfang ... Ganz wenig über die gewusst."
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    "text": "Und wir hatten auch keinen Kontakt zu der Familie."
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    "text": "Aber dann habe ich einfach im Internet noch mal gesucht und dann habe ich gefunden, dass zwei dieser Söhne ziemlich bekannte Physiker geworden"
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    "text": "sind."
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    "text": "Und dann hatte ich die Liste und dann habe ich Saskia Nauenberg, Don Kell, gefunden."
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    "text": "Und die hatte eine E-Mail-Adresse."
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    "text": "Ich werde das überhaupt nie vergessen, weil man sich dann immer freut, wenn man so einen Kontakt hat, weil sie an der Universität in Kalifornien gearbeitet hat."
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    "text": "Und der habe ich dann in der Mail geschrieben und die hat innerhalb von, weiß ich nicht, fünfzehn Stunden geantwortet."
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    "text": "Dann hat diese große Familie, dann sind da mehrere Familienmitglieder involviert worden und jeder hat irgendwie eine Information dazu geliefert und sie haben das Manuskript auch gelesen und haben etwas dazu geschrieben."
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    "text": "dass die beiden in New York einerseits eine Praxis hatten."
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    "text": "Und das war damals für die ganz wichtig, weil sie damit Patienten kennengelernt haben oder auch für sich rekrutiert haben und in Kontakt kamen."
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    "text": "Und das haben sie relativ lange gemacht."
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    "end": 1062.139,
    "text": "Ich möchte auch nochmal betonen, das ist nicht so, dass Sie hier eine große Kiste finden mit viel Information, sondern dass Sie sich wirklich von Webseite zu Webseite hangeln, um diese Einmal nur diese Wegstrecke nachzuvollziehen."
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    "text": "Es klingt ja schon so, als wäre, das hatten wir eben auch schon erwähnt, als wäre Erna Nauenberg so die Gelsen, die den Weg gebahnt hat."
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    "text": "Also die, so ein bisschen dieses Amerika, den Weg nach Amerika vorbereitet hat."
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    "text": "Und dann Mann und Kinder mit sich gezogen hat."
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    "text": "Ich glaube, dass sie taff war, würde man heute sagen."
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    "text": "Sie hat dann in New York etwas gemacht, was auch sicher für die damalige Zeit Ungewöhnlich war, sie ist nach China gereist und hat Akkupunktur gelernt."
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    "text": "Und die ... Kinder dieses Ehepaars haben mir auch geschrieben, sie hätten die ganze Woche gearbeitet und sie hätten nur Sonntagspause gehabt."
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    "text": "und so stelle ich es mir auch vor."
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    "text": "Sonst kann man sich es wahrscheinlich gar nicht zusammenreiben."
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    "text": "diesen angefangenen Weg, dass man als Paar diese Praxis gestaltet, die Arbeit macht."
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    "text": "Sie haben zusammengearbeitet und sie hat aber eben auch so ihren eigenen ... Bereich gehabt."
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    "text": "Und wenn man jetzt, man kann zur Akkupunktur stehen, wie man will, aber das hat sie für sich sozusagen entdeckt und auch erarbeitet und sich da fortgebildet."
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    "text": "Wir haben ja auch auf dem Kongress hier eine Sitzung gehabt zum Thema, wie ist das denn zu migrieren aus der heutigen Perspektive?"
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    "text": "Und das ist ja nun eine sehr eindrückliche Geschichte, wo nicht eine Migration, sondern zwei da sind und beide Male die komplette Herausforderung, neue Sprache, neues Leben, neue kulturelle Umgebung."
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    "text": "Können Sie beurteilen oder Sie vor allem, weil Sie ja in Kontakt auch mit den Nachfahren sind, haben Sie die beiden in Amerika dann auch eine neue Heimat gefunden?"
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    "text": "Oder ist das dann erst in den folgenden Generationen gelungen?"
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    "text": "Also, wenn ich Diesel Nauenberg ... Biografie-Vergleiche mit vielen anderen, dann ist es schon eine außergewöhnliche."
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    "text": "Das mag daran hängen, dass sie irgendein Bezug dazu hatten oder dass sie sehr früh ermächtigt waren, für diese kolumbianische Botschaft zu arbeiten."
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    "text": "Aber sie haben sich auch früh auf die Flucht eingestellt."
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    "text": "Das ist ja ein ungewöhnliches Land Lateinamerika."
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    "text": "Das fällt so ein bisschen heraus, obwohl es da auch jüdische Flüchtlinge gab."
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    "text": "Aber längst nicht so viel wie in USA oder England oder Palästina oder so."
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    "text": "Das ist das eine."
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    "text": "Und sie haben sich in Kolumbien ja relativ gemessen an den Augsungsbedingungen."
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    "text": "arrangieren können und haben da gearbeitet und auch ihr Geld verdient."
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    "text": "Sonst hätten sie das gar nicht schaffen können."
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    "text": "Und mein Eindruck ist, dass sie sich in den USA sehr schnell integriert haben."
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    "text": "Und wenn sie die Karrieren der Kinder und der Enkelkinder sich angucken, dann sind das Mitglieder der amerikanischen Gesellschaft sehr früh geworden."
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    "text": "Ja, das ist mein Eindruck."
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    "text": "Ja, und auf der anderen Seite, Sie haben es eben geschildert, die Mutter von Erna Nauenburg ist im KZ Theresienstadt umgekommen, also die Verluste."
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    "text": "Und erst mal kann sich das, glaube ich, man muss das so stehen lassen."
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    "text": "Diese Kraft, die so ein Weg kostet."
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    "text": "Genau."
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    "text": "Und wenn ich das noch sagen darf, es gab in New York natürlich auch jüdische Flüchtlingsärzte oder Ärztinnen, die ... ziemlich prekär gelebt haben, die den Fuß nicht auf den Boden bekommen haben."
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    "text": "Also, das lag, glaub ich, den beiden Persönlichkeiten, die auf mich nach dem, was ich gelesen hab, eher kraftvoll waren und die Dinge in die Hand genommen haben und Kontakte geknüpft haben und auch assoziiert waren mit einer noch anderen Klinik als Mount Sinai."
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    "text": "Das kann man auch oft gar nicht so vergleichen."
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    "text": "Ich habe diese Lebensgeschichte auch sehr viel Spaß gemacht, in dem Sinne, dass man diese individuellen Persönlichkeiten sehr entdeckt, in dem, was sie geschildert haben, was sie beschreiben und so weiter."
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    "text": "Und das ist dieses ... den Namen zurückgeben."
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    "text": "Wir wollen nicht nur über Formalismen, Strukturen und medizinische oder wissenschaftliche Leistungen sprechen, sondern auch über diese Individuen, die dahinter gesteckt haben."
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    "text": "Und das kann man an dieser Lebensgeschichte sehr gut erspüren."
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    "end": 1361.02,
    "text": "Das ging mir jetzt zumindest so."
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    "end": 1364.08,
    "text": "Vielen Dank, Jens, für diese sehr, sehr schöne Geschichte."
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    "text": "Ein Satz noch."
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    "text": "Man lernt auch in diesen Biografien."
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    "text": "Personen kennen, also so geht es immer."
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    "text": "Absolut, ja."
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    "text": "Ob"
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    "text": "aus der Entschädigungsakte oder aus anderen Dokumenten plötzlich tauchen vor ihnen diese Persönlichkeiten auf."
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    "text": "Und als ich dann die Fotos gesehen habe, kann das nur jedem empfehlen, da einmal online hinzuschauen."
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    "text": "Dann stehen sie vorein und dann hat man ein Bild."
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    "text": "Das Bild kann immer noch falsch sein, aber ich glaube ... Das ist so, wie wir das jetzt gerade besprochen haben."
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    "end": 1398.219,
    "text": "Wunderbar."
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    "end": 1402.659,
    "text": "Und liebe Hörerinnen und Hörer, wir danken Ihnen, wer, dass Sie uns zugehört haben."
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    "end": 1411.3,
    "text": "Und ich bin mal gespannt, wenn Sie jetzt nach dem Hören dieses Podcast auf die Webseite gucken und sich die Personen angucken, ob Sie wirklich die Bilder in Ihrem Kopf wiederentdecken."
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    "text": "Vielen Dank."
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    "text": "Bleiben Sie uns gewogen."
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    "text": "Bis bald."
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    "text": "haben Sie Feedback oder Fragen zur Folge oder möchten Sie ein Thema vorschlagen, dann schreiben Sie uns an podcastatdgvs.de."
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    "text": "Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal bei Gastrogeplauder."
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