[
  {
    "start": 1.0,
    "speaker": "Britta Schautz",
    "text": "Radikal und reduziert. Wer Lebensmittel kauft, hört diesen Podcast.",
    "end": 8.0
  },
  {
    "start": 8.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Ganz wichtig mal auch wenn du noch gerne Fleisch isst und meinetwegen sogar in Milch badest, ist diese Episode etwas für dich. Denn ja, wir reden über Tierwohl, aber wir wollen niemanden bekehren. Ich selber bin eine sehr große Käseauswahl und einen gewissen Joghurtvorrat entfernt von einem veganen Leben. Gut, Fleisch ist passé, seit ich mal einen Fernsehdreh hatte in einem dänischen Schlachthof. Aber das ist was für eine andere Story. Heute reden wir über das Tierwohl, darüber, wie es Tieren gehen sollte nach Ansicht der Menschen, solange wir sie benutzen, um Lebensmittel zu produzieren oder bis wir sie dann benutzen, um Lebensmittel zu produzieren. So genau kann man sein, denn es tut sich was in diesem Bereich. Und wenn man ehrlich ist, es muss sich ja auch was tun, weil ob vegan lebend oder weiterhin fleischessend, Tierschutz ist am Ende ja auch immer eine Frage des Umweltschutzes und sogar das Klima geht es an und deswegen geht es dann irgendwie doch alle an. Und mich hat eine Umfrage erreicht zum Thema Tierwohl, die mich gleich doppelt überrascht hat. Warum? Das erkläre ich gleich. Tatsache ist, ich habe zuerst Was ist das denn für eine Umfrage? Wem bringt die was? Wen bringt die weiter? Und dann habe ich Moment mal, aber wenn 5000 Leute mitgemacht haben und es ganz klar repräsentativ ist und für Lobbyarbeit genutzt wird, da muss ja doch was dran sein. Also spreche ich gleich mit dem Mann, der diese Umfrage in Auftrag gegeben hat. Ich erkläre, worum es da geht und was mich so überrascht hat. Und vorher spreche ich mit Deutschlands bekanntester und beliebtester Verbraucherschützerin und Stammgast hier. Ach so, und hinterher übrigens auch hier ist Britta Schautz. Hallo Britta.",
    "end": 109.0
  },
  {
    "start": 109.0,
    "speaker": "Britta Schautz",
    "text": "Hallo Martin.",
    "end": 110.0
  },
  {
    "start": 110.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Hi. Wir hören uns ja gleich noch mal. Ich sag's direkt vorweg nach dem Gespräch mit Mahi Klosterhalfen von der Albert Schweitzer Stiftung. Er ist der Mann hinter der Umfrage, die ich gleich erklären werde. Aber bitte bring du uns doch mal aus Sicht der Verbraucherzentralen auf den Stand Ende Januar mit einem Metzger als Landwirtschaftsminister und und und. Ich finde es schon spannend, dass wir über Tierwohlkennzeichnungen sprechen, die ja auch immer detaillierter diskutiert werden und gleichzeitig zum Beispiel Aldi Anfang Januar, Komm Wir senken die Fleischpreise bei Schw. Rindfleisch. Es passt ja irgendwie nicht so richtig zu zeitgemäßen Diskussionen, außer natürlich man immer mehr Menschen müssen aufs Geld achten und wollen gerne weiterhin noch Fleisch essen. Was tut sich gerade insgesamt bezogen auf Tierwohl, auf Kennzeichnungen und so weiter aus Verbrauchersicht?",
    "end": 164.0
  },
  {
    "start": 164.0,
    "speaker": "Britta Schautz",
    "text": "Wir fangen mal an bei den hohen Preisen. Das merken wir alle selber und ich kann es auch verstehen, dass die Ketten dann Ja, wir müssen den Preis irgendwie ein bisschen senken, weil irgendwann wird das Fleisch nicht mehr gekauft. Auch wenn Verbraucherinnen und Verbraucher ja sagen, sie sind auch bereit, mehr für Flei auszugeben, mehr für Tierwohl auszugeben. Aber natürlich auch nur, wenn sie wissen, dass dann auch mehr Tierwohl drinsteckt. Aber für manche wird es auch nicht möglich sein, weil der Geldbeutel einfach gerade so eng ist. Gleichzeitig sehen wir am Markt aber auch andere Mengen, die verkauft werden. Das finde ich immer so toll. Also wir kennen ja die Haltungsform, die geht ja von 1 bis 5 jetzt, weil sie sich an staatliche Tierhaltungskennzeichnungen anpasst. Und ich würde sagen, erst ab Stufe 3 ist wirklich was fürs Tier wohl getan. Das davor ist Augenwischerei und da weitet sich jetzt das Angebot. In politischer Hinsicht würde ich sagen, ich habe das Gefühl, da treten wir gerade auf der Stelle und ich habe Angst, dass wir ein paar Schritte zurückgehen.",
    "end": 218.0
  },
  {
    "start": 218.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Dabei haben wir doch einen Landwirtschaftsminister, der sich auskennt mit Fleisch.",
    "end": 220.0
  },
  {
    "start": 220.0,
    "speaker": "Britta Schautz",
    "text": "Also ich muss sagen, in dem Bereich Tierwohl ist der einzige, der wirklich mehr vorangeht, ist der Handel. Auch Aldi Süd zum Beispiel hat gesagt, das Frischfleisch kommt jetzt nicht mehr aus Stufe 1, das ist schon mal ein gutes Zeichen. Also die machen etwas. Aber auch da könnte ich mir ein bisschen mehr Geschwindigkeit vorstellen. Also so ein Tierwohl Turbo, das wäre da eigentlich ganz gut.",
    "end": 238.0
  },
  {
    "start": 238.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Ja, Tierwohl Turbo wird dann aber, wenn überhaupt, auch zweigleisig gefahren. Also gut, man streicht so langsam aber sicher die Haltungsformstufe 1 und 2 und sagt gleichzeitig das, was wir verkaufen, machen wir billiger. Ist jetzt auch nicht das Komplettpaket für Tierwohl bei Nutztierhaltung, oder?",
    "end": 255.0
  },
  {
    "start": 255.0,
    "speaker": "Britta Schautz",
    "text": "Ne, das passt für mich auch nicht zusammen. Also ich kann nicht gleichzeitig suggerieren, ich bin hier der Günstigste, ich habe das Billigste Fleisch und gleichzeitig sagen Ich habe die tollsten Haltungsbedingungen, da kann ja irgendwas nicht passen. Und das wissen die Verbraucher auch.",
    "end": 266.0
  },
  {
    "start": 266.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "So und damit kommen wir zu der Umfrage, die mich, ich habe es eingangs gesagt, wirklich mehrfach überrascht hat. Die Umfrage von der Albert Schweitzer Stiftung hat nämlich 5000 Menschen gefragt. Nur mal zur Die normalen Wahlumfragen vor Landtags und Bundestagswahlen, die liegen meistens knapp über 1000 damit es repräsentativ ist. Interessant sind hier die Ergebnisse nach Alter aufgestaffelt. Und da ist es so, dass Menschen in Deutschland ab 65 Jahre zu 81,5 Prozent sagen, sie wünschen sich, dass landwirtschaftlich genutzte Tiere in Deutschland künftig ein besseres Leben haben. Und da bin ich von meiner doppelten Überraschung. 81,5 Prozent ist einfach eine Ansage, die ich nicht ansatzweise sehe, wenn ich durch den Supermarkt oder Discounter gehe. Und auf der anderen Seite muss ich sagen, ich habe es für eine völlige Wellness Umfrage gehalten und dachte ja klar, also wer kreuzt das denn nicht an? Natürlich hätte man gerne das landwirtschaftlich genutzte Tier. Dass es dem gut geht, sagt sich leicht, dann legt man am Telefon auf oder wo auch immer man die Umfrage gemacht hat, geht auf den Wochenmarkt, weil man es sich leisten kann und kauft dann das Bio Fleisch. Darüber wollte ich dann unbedingt sprechen mit dem Macher hinter der Umfrage. Es gibt da nämlich noch mehr. Das ist ganz toll aufgeschlüsselt. Diese Altersgruppe ist auch bereit, Produkte aus besserer Tierhaltung zu kaufen oder sogar ganz auf tierische Lebensmittel zu verzichten. Und so wenige Menschen sind das ja nicht, wenn man sich das mal anschaut. Auf der anderen Seite übrigens, ich habe gerade gesagt, Wellness Umfrage, ich habe mich auch gefragt bei den 18 bis jährigen, auf die Sollten landwirtschaftlich genutzte Tiere in Deutschland künftig ein besseres Leben haben? Ich habe gerade gesagt, wer sagt denn da Nein, Aber in dieser Altersgruppe sind es 22,1 Prozent, die Nein, ich möchte nicht, dass es den Tieren besser geht. Also man könnte Je älter wir werden in Deutschland, umso eher interessiert uns das Wohlergehen von Tieren und umso eher sind wir auch bereit, dafür entsprechend zu zahlen. Was hast du dir gedacht, dass du die Umfrage dir angeschaut hast?",
    "end": 392.0
  },
  {
    "start": 392.0,
    "speaker": "Britta Schautz",
    "text": "Also mein erster Gedanke war Natürlich Das ist ja total super, weil eigentlich altert unsere Bevölkerung ja auch. Also fürs Tierwohl ist das schon mal toll. Und so ganz wundert es mich ehrlich gesagt nicht, dass gerade die Älteren auch sagen, sie sind bereit, mehr Geld dafür auszugeben, weil aktuell ja auch die Generation in Rente ist oder bald in Rente geht, die wahrscheinlich auch noch relativ viel Rente bekommt, sodass sie sich das auch leisten können, die einen relativ hohen Lebensstandard haben. Und genau deshalb wundert es mich auch nicht so richtig, wenn die 18 bis jährigen, das ist ja gerade die Gruppe, die vielleicht vielleicht ihre Ausbildung macht, die im Studium steckt, die vielleicht eben noch nicht so gesettelt ist und noch nicht so viel Haushaltseinkommen hat, dass die Ja, sorry, ich bin mir gerade erst mal wichtiger.",
    "end": 431.0
  },
  {
    "start": 431.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Ja, Britta, weißt du, bei uns in unserem Alter bin ich mal gespannt, wenn wir mit über 65 gefragt werden zu Tierwohl und wir das dann mit unserer Rente in Verbindung bringen, bin ich froh, dass ich mir wahrscheinlich im Jahr 2026 noch zwei Bifis gebunkert habe.",
    "end": 445.0
  },
  {
    "start": 445.0,
    "speaker": "Britta Schautz",
    "text": "Und dass wir darüber noch nicht nachdenken müssen.",
    "end": 448.0
  },
  {
    "start": 448.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Ja, so, aber ich habe gesprochen mit dem Mann hinter der Umfrage, Mahi Klosterhalfen von der Albert Schweitzer Stiftung und das Gespräch. Lege ich euch jetzt wirklich ans Herz. Und danach in ein paar Minuten, Britta, sprechen wir beide uns noch mal wieder. Bis gleich. In diesem Gespräch erfährst du unter anderem, was es überhaupt nützt, schöne Umfrageantworten zu geben. Ist ja bequem, ist ja gemütlich, die aber ja die Realität offenbar so gar nicht widerspiegeln. Und ich muss sagen, die Antwort darauf hat mich dann wirklich überrascht. Außerdem erfährst du, wie du, wenn du möchtest, den Einstieg in mehr Tierwohl auch schaffen kannst, obwohl du alles bist, aber nicht Vegetarier. Also das geht in ganz, ganz kleinen Schritten. Worauf sich sogar dieser Experte verlässt, wenn er privat einkauft. Das hören wir jetzt. Denn dauerhaft, günstig und vernünftig einkaufen, das ist das Ziel von Radikal und Reduziert und dem kommen wir heute wieder ein Stückchen näher. Mein Name ist Martin Drosel, ich bin Journalist und der Host von Radikal und Reduziert. Los geht's. Maik Klosterhalfen, willkommen bei Radikal und Reduziert. Hallo.",
    "end": 525.0
  },
  {
    "start": 525.0,
    "speaker": "Patrick Sieber",
    "text": "Hallo Drosel, freut mich schön, dass ich da sein darf.",
    "end": 527.0
  },
  {
    "start": 527.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Ja, ich freue mich dass Sie da sind. Die Umfrage ist ja spannend, Hat mich wirklich beim ersten Lesen kamen mir ganz viele Gedanken dazu. Können wir gleich drüber sprechen. Ich habe nur eine Bitte so im Interesse der Zuhörerinnen und Zuhörer. Ich habe könnte mir denken, dass viele schon von PETA gehört haben und vom Deutschen Tierschutzbund, aber die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, ich wette, deren Tätigkeiten sind nicht ganz so bekannt. Würden Sie, nachdem Sie ja der Stiftung vorsitzen, in wenigen Worten die Stiftung einmal vorstellen können?",
    "end": 558.0
  },
  {
    "start": 558.0,
    "speaker": "Patrick Sieber",
    "text": "Sehr gerne. Uns geht es darum, bei der Albert Schweitzer Stiftung möglichst viel Tierleid zu reduzieren. Das machen wir vor allen Dingen, indem wir uns einsetzen für höhere Haltungsstandards in der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Man könnte auch sagen, grob es geht um die Abschaffung der Massentierhaltung. Und weil wir gelernt haben, dass das nicht von heute auf morgen geht, machen wir das schrittweise mit solchen Sachen wie keine Käfigeier mehr im Lebensmitteleinzelhandel, höhere Masthuhn Standards, bessere Bedingungen für Schweine und so weiter.",
    "end": 592.0
  },
  {
    "start": 592.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Wie machen Sie das denn? Sich dafür einsetzen. Denn der Lebensmitteleinzelhandel gibt immer wieder mal frische oder aktualisierte Selbstverpflichtungen heraus, wenn es mit dem ersten Termin nicht geklappt hat. Sie wirken aber ganz positiv, dass sich Schritt für Schritt tatsächlich was ändern kann. Wie gehen Sie da vor?",
    "end": 611.0
  },
  {
    "start": 611.0,
    "speaker": "Patrick Sieber",
    "text": "Ja, also der Lebensmitteleinzelhandel ist wirklich einer der größten Hebel zusammen mit der ganzen Lebensmittelwirtschaft. Das zeichnet uns vielleicht auch ein bisschen aus, weil wir da einen starken Schwerpunkt drauflegen. Wir haben gemerkt, wenn man immer nur an die Politik geht, greift das oft ein bisschen zu kurz, wenn man an die Endverbraucher geht, dem muss man sehr viel erklären, warum man jetzt was kaufen soll und was nicht. Und die richtig großen Einkäufer sind ja die Supermarktketten, die Catering Unternehmen, die Systemgastronomie Unternehmen und so weiter. Und manchmal rennt man da, sagen wir mal, einen spaltweit offene Türen ein und kann zumindest mal Gespräche führen und dann über verschiedene Hebel was voranbringen. Also manchmal hilft es schon, wenn man Transparenz schafft und sagt, wir machen jetzt mal ein Ranking, wir zeigen mal, ob Lidl besser ist als Aldi oder andersrum. Und das spornt die zu Recht an. Die wollen ja auch ihren Kunden zeigen, dass sie beim Tierschutz mit dabei sind. Das ist ja für viele einfach ein sehr wichtiges Thema. Manchmal reicht sowas allein nicht, dann starten wir auch Kampagnen. Also wir haben uns jetzt inzwischen über die Jahre, glaube ich, mit den meisten Supermarktketten irgendwann mal angelegt und auch eine öffentliche Kampagne gefahren. Das heißt, das heißt aber nicht, dass wir für immer dann verfeindet bleiben wollen, sondern auch immer wieder den Weg finden wollen, vernünftige Gespräche zu führen und Zwischenlösungen zu finden. Und ja genau, Also es gibt dann die etwas radikalere Variante, für die sie ja auch wahrscheinlich stehen und sagen, gut so und immer drauf. Und manchmal ist das, glaube ich, wirklich nötig, weil einige bewegen sich dann einfach nicht oder viel zu langsam. Und gleichzeitig bin ich auch so ein bisschen realo, der sagt, okay, wenn es jetzt darum geht, zum Beispiel die ganze Masthuhn Industrie einmal umzukrempeln und die ganzen Hühnerrassen auszutauschen, dass die Tiere nicht mehr so krass schnell wachsen und unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen und mehr Platz an allen Stellen, dann kann man auf einmal viel weniger Fleisch produzieren als vorher, was natürlich auch seine Vorteile hat, aber auch mit den Realitäten dann so ein bisschen clasht, die die Menschen erwarten in den Supermarktketten.",
    "end": 736.0
  },
  {
    "start": 736.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Es soll ja hier auch nicht immer draufgehen, das radikal, da geht es ja um die Wurzel, also die Probleme dann benennen, wie sie sind und dann eben auch an der Wurzel dann sozusagen anzusetzen in der Berichterstattung oder eben in der Untersuchung, wie sie es machen. Und ich würde vorschlagen, wir schauen uns mal schon angesprochene Umfrage an, die wirkt ja erstmal überhaupt gar nicht radikal. Also sie haben 5000 Menschen gefragt, fragen lassen, also ganz klar repräsentativ, ob sie denn bereit wären, etwas zu tun, damit es landwirtschaftlich genutzten Tieren besser ginge. Und ich habe allein aufgrund der hohen Zahl gedacht, spannende Ergebnisse sicherlich und sie gerne gelesen. Auf der anderen Seite war sofort bei mir der Gedanke, naja, also jetzt hier eine Antwort zu geben, mit der ich mich selbst wohlfühle, die mich vielleicht dann auch demnächst wieder mit gutem Gewissen auf dem Wochenmarkt Biofleisch kaufen lässt, weil ich es mir leisten kann. Unter anderem wünschen 77 Prozent der Befragten den landwirtschaftlich genutzten Tieren ein besseres Leben. Das ist ja eine beeindruckende Zahl. Die hat aber ja mit den Realitäten gar nichts zu tun. Und so kam ich dann auf den Kann es sein, dass hier sehr viele Menschen einfach eine Antwort geben, mit der Sie sich wohlfühlen wollen? Und wenn ja, wenn das auch Ihre Befürchtung ist, wie arbeiten Sie mit dieser Umfrage und ähnlichen Ergebnissen? Wir können ja gleich noch welche durchgehen.",
    "end": 818.0
  },
  {
    "start": 818.0,
    "speaker": "Patrick Sieber",
    "text": "Was Sie ansprechen ist ein bisschen in der Fachsprache sagt man Consumer Citizen Gap. Also es gibt einmal den Consumer, der geht also als Endkunde in den Supermarkt, macht den Wocheneinkauf und hat dann viele Prioritäten im Leben. Unter anderem ein relativ knappes Budget, wahrscheinlich auch für Einkäufe, steht dann im Supermarkt. Egal. Stallhaltung Plus, Initiative Tierwohl, Grüner Haken dahinter, also alles auf einer Packung. Da denkt man erst mal, boah, ja, da mache ich doch was für ein Tierschutz, wunderbar, kostet ja auch gar nicht so viel. Surprise, surprise. Naja, der Grund ist, weil die Tiere da 12,5 Prozent mehr Platz. Kriegen und dafür gibt es den grünen Haken und das Plus von Stallhaltung Plus und also der Verbraucher, dem wird es auch nicht so einfach gemacht. Also das ist das eine. Und das andere ist das glaube ich auch so ein bisschen eine Debatte ist der Citizen, also der Bürger oder die Bürgerinnen, die wollen halt auch, dass die Politik sich darum kümmert, weil es einfach ein sehr kompliziertes Thema ist. Also man muss da wirklich richtig mal durchsteigen. Was ist, welche Haltungsform, Stufe? Vertraue ich dem jetzt, dass es wirklich besser ist? Ist Bio immer so gut, wie es vielleicht beworben wird? Oder gibt es da auch schlechte Produkte? Das ist ja alles nicht so einfach. Und deswegen sagen viele eher naja, wenn es die Politik macht und dann ist für alle auch automatisch ein Höchs Tierschutzstandards im Supermarktregal gibt und nicht nur ich, der sein muss, der jetzt mehr bezahlt, sondern mein Nachbar auch und alle, dann fühlt sich das irgendwie fairer und runder an. Das kann ich auch gut nachvollziehen. Die Agrarindustrie sagt immer, naja, wenn die Leute das Billige kaufen, dann müssen wir das Billige produzieren. Das ist mir viel zu einfach und verkürzt gedacht. Ich glaube, es ist halt komplexer und man sieht halt, Menschen wollen, dass sich was ändert.",
    "end": 926.0
  },
  {
    "start": 926.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Inwieweit ist es so, dass man sich letztlich diese Haltung und dieses dann auch offene Auftreten zumindest einigermaßen offensichtlich so einer Umfrage schlichtweg auch leisten können muss? Oder ist es so, dass diese Generation sich einfach mittlerweile mehr damit befasst, woher das Fleisch eigentlich kommt, wie es dem Tier ging, als die Jüngeren oder in dem Fall die deutlich Jüngeren, je nachdem, was man sich hier für ein Ergebnis anschaut?",
    "end": 951.0
  },
  {
    "start": 951.0,
    "speaker": "Patrick Sieber",
    "text": "Ja, da muss ich sagen, das hat mich auch überrascht und das deckt sich auch nicht so ganz genau mit dem, was man oft sieht. Also man sieht oft, dass die Jüngeren schon total dabei sind, also sich sehr gut auskennen. Der Anteil der vegetarisch vegan lebenden Menschen ist. Auch bei den Jüngeren deutlich höher als bei den älteren Generationen. Bei unserer Umfrage war es interessanterweise ein bisschen anders. Da haben vor allen dingen so die 50 Menschen und auch die 65 Menschen gesagt, sie wollen viel mehr und sie sind auch bereit, mehr Geld in die Hand zu nehmen. Klar, das ist dann eher was, was sich vielleicht auch Leute, sagen wir mal 50, da ist man mitten in der Karriere, hat die eine oder andere Beförderung schon bekommen, da geht das leichter, als wenn man 18 ist oder bei einigen Rentnern wird es dann auch wieder knapper.",
    "end": 998.0
  },
  {
    "start": 998.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Können Sie mit einem solchen Umfrageergebnis, das ja erstmal, ich sagte das bei mir selber, wie so eine Wohlfühlumfrage wirkte, können Sie damit tatsächlich hinter den Kulissen bei Politik, aber auch Handel etwas bewirken? Ich denke gerade daran zu Guck doch mal die Zahlen an. Das sind viel, viel mehr Menschen, als ihr meint, die bereit sind, auch mehr zu zahlen für die nötigen Umbauten. Und es geht ja teilweise tatsächlich um Umbauten.",
    "end": 1022.0
  },
  {
    "start": 1022.0,
    "speaker": "Patrick Sieber",
    "text": "Ja, also die Zahlen sind jetzt an sich nicht so neu. Also sowohl in der Politik, wenn sich die Abgeordneten beschäftigt haben mit dem Thema, dann kennen die das LEH ist das auch bekannt im Lebensmitteleinzelhandel, dass Menschen bei Umfragen so antworten. Und gleichzeitig sieht man aber auch, wenn wir gerade eine Protestaktion starten, dann ist die Beteiligung sehr hoch. Wenn was, wenn Skandal durch die Medien geht, dann ist die Aufregung zu Recht sehr hoch und dann kriegen die Supermarktketten viele Mails und Beschwerden und so weiter. Klar, man kann jetzt nicht, wenn 70 Prozent oder noch mehr sagen, es soll sich was ändern, davon ausgehen, dass die alle morgen anders einkaufen werden. Aber es zeigt einfach, es ist ein Thema, das ist durch die Bank den Menschen wichtig und die Supermarktketten, die zum Glück auch immer mehr so ein Nachhaltigkeitsprofil entwickeln wollen, verstehen, Tierschutz gehört da genauso dazu, wie Co Emissionen und andere Themen und fangen an, dann mehr zu machen und sind dann auch offener, das Gespräch mit uns zum Beispiel zu führen und zu sagen, okay, wenn die Albert Schweitzer Stiftung etwas will, was vielleicht das Fleisch nicht doppelt so teuer macht, sondern erst mal nur 20 Prozent teurer und das vielleicht auch ein Prozess ist, der über drei, vier, fünf Jahre gehen darf, dann können wir uns darauf einlassen.",
    "end": 1103.0
  },
  {
    "start": 1103.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Wie ist es denn nach Ihrer Erfahrung mit diesen freiwilligen Selbstverpflichtungen heißt es dann ja, also wenn Unternehmen einfach selbst Sagen, im Jahr 2030 gibt es bei uns nur noch Rindfleisch aus der Haltungsform 3 oder 4 und so weiter. Wie sehr kann man sich als Kunde darauf verlassen und Sie als Insider, dass das dann auch eingehalten wird? Oder sind das, sagen wir mal, weichere Ziele, als es anfangs wirken mag?",
    "end": 1130.0
  },
  {
    "start": 1130.0,
    "speaker": "Patrick Sieber",
    "text": "Auch das ist nicht ganz einfach zu beantworten. Ich glaube schon, dass viele Supermarktketten das sehr ernst meinen, auch wenn sie dann manchmal ihre eigenen Ziele nicht erreichen. Klar, wenn jetzt ein Unternehmen sagt, in zehn Jahren sind wir da und da immer mit ein bisschen Vorsicht genießen, aber die Unternehmen tun sich auch relativ schwer, inzwischen so was rauszuhauen, weil sie wissen, okay, solange wir das nicht mit den Lieferanten abgesprochen haben, ist das erst mal nur eine Richtungsansage. Und ob das dann das Jahr wird oder manchmal geht es auch schneller als geplant, muss man dazu sagen, oder ob es dann doch länger dauert, das ist vielleicht noch mal eine andere Frage. Aber grundsätzlich so diese Bewegung hinzukriegen, dafür sind solche Aussagen sehr hilfreich. Manchmal scheitert es fast komplett. Wir hatten das zum Beispiel bei der Ferkelkastration, weiß nicht, ob das alle wissen, aber ferkeln wurde und wird zum größten Teil auch noch je nach Definition ohne jede Betäubung einfach wird diese Kastration durchgeführt, was also einfach mindblowing ist, wenn man sich überlegt, das passiert millionenfach jedes Jahr und es gibt keine richtige Schmerzausschaltung. Da haben sich mehrere große Ketten zusammengetan und gesagt, okay, wir wollen da aussteigen. Es gibt ein paar Alternativsysteme, entweder gar keine Kastration oder so eine Art Impfung. Man will zu diesem sogenannten Ebergeruch vorbeugen. Also wenn männliches Schwein dann geschlechtsreif wird, dann entwickelt das einen strengen Geruch, den hat man dann auch im Fleisch, das will man verhindern. So, und dann hat ein großer Edeka war da nicht so happy mit und die haben gesagt, nee, das mit der ebamas, das wollen wir überhaupt nicht und andere Lösungen finden sie auch nicht gut, diese Impfung finden sie auch nicht gut. Und dann hat, wenn der Größte nicht mitzieht, dann hilft es manchmal nicht, selbst wenn die drei Nächstgrössten das wollen, weil es dann zu schwierig ist für die Lieferanten zu sagen, okay, wir haben jetzt einen klaren Weg, sondern es gibt jetzt hier im Markt verschiedene Nachfragen und da ist es zum Beispiel komplett gescheitert. Andere Sachen funktionieren wiederum. Wir sehen jetzt gerade eine große Welle bei der Geflügelmast, was ein Hauptthema auch der letzten Jahre von uns war und ist, dass da jetzt wirklich Umstellungen stattfinden und die Haltungsform 1 und 2 wirklich Schritt für Schritt aus den Regalen verschwinden und Haltungsform 3 und höher nur noch zu finden sind. Also da geht es, da geht es dann voran.",
    "end": 1276.0
  },
  {
    "start": 1276.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Muss man vielleicht zur Einordnung für alle, die es nicht wissen oder lang kein Fleisch mehr gekauft haben. Diese Tierhaltungsform, die da als eine Art Ampel mittlerweile in fünf Stufen dargestellt wird, die ist ja freiwillig, ist kein staatliches Siegel. Und was ich immer sehr spannend finde, was nach meiner Erfahrung kaum einer weiß, die Stufe 1, die rote, die ist letztlich ein Siegel dafür, dass man den gesetzlichen Mindeststandard eingehalten hat. Also es ist sowas wie eine Urkunde dafür, dass man heute nicht geklaut hat oder so, weil es verboten ist. Finde ich immer, weiß kaum jemand. Aber immerhin, wenn man es kennt, dann kann man sich ein bisschen daran orientieren.",
    "end": 1311.0
  },
  {
    "start": 1311.0,
    "speaker": "Patrick Sieber",
    "text": "Dann, wenn man sagt, okay, dann wenn ich mir mal ein Fleisch nehme, dann halt nicht mehr aus Haltungsform Stufe 1 oder 2, also Urkunde für Nichtstun oder 12 Prozent mehr Platz, sondern halt für was, wo es zumindest einen etwas größeren Schritt nach vorne geht. Ich glaube, das ist so Flexitarier plus höhere Tierschutzstandards. Ich glaube, das ist so ein Zielbild, das können sich sehr, sehr viele Menschen vorstellen. So ein bisschen hatten wir auch lange eine politische Diskussion, dass das ja auch gefördert werden soll von der Politik mit viel hin und her. Aber selbst der Bauernverband scheint sich nicht mehr ganz zu verschließen. Also Bauernverband klingt so ländlich, aber das ist eigentlich, sind das sehr handfeste industrielle Interessen, die gut, wenn wir das irgendwie politisch mitfinanziert kriegen, dann sind wir auch bereit, uns da auf den Weg zu machen.",
    "end": 1360.0
  },
  {
    "start": 1360.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Wie schätzen Sie es denn aktuell gerade ein? Sie sitzen in Berlin, Sie haben die Politik gerade angesprochen, werden mitbekommen haben, dass der aktuelle Landwirtschaftsminister von Haus aus Metzger ist. Was haben Sie bei der Ernennung gedacht? Einfach in Bezug auf Ihre Arbeit bei der Stiftung.",
    "end": 1376.0
  },
  {
    "start": 1376.0,
    "speaker": "Patrick Sieber",
    "text": "Ja, es war ja eh klar, dass es CDU, CSU wird und das sind dann meistens Leute, die irgendwie aus der Landwirtschaft kommen. Der Minister Rainer ist ja jetzt gar nicht so ein Aktiver. Oft ist es so, dass am Anfang ganz gute Statements kommen und dann in der Praxis nicht so ganz toll umgesetzt wird. Und so würde ich es auch hier sehen. Also Bundesminister Rainer hat zum Beispiel das Ende verkündet des Bundesprogramms zum Umbau der Tierhaltung. Das hat wirklich viele Tierhalter und Tierhalterinnen vor Riesenprobleme gestellt, weil die haben gesagt, Mensch, wir haben uns jetzt auf den Weg gemacht, wir haben Anträge eingereicht, dass wir eine Genehmigung bekommen für einen höheren Tierschutzstandards und wollten dafür oder brauchten dafür natürlich auch irgendwie Unterstützung vom Staat, weil die Bank sonst sagt, ne, so viel Geld kriegt ihr nicht von uns. Und da sind ganze, also da sind riesen Existenzängste hochgekommen. Und dann, als es eine Riesendebatte gab, hat er gesagt, okay, dann machen wir doch noch ein Jahr mehr, aber trotzdem eine Verkürzung vom ursprünglichen Plan. Und dann war lange Zeit völlig unklar, wie es weitergeht. Dann hat er gesagt, ja, jetzt machen wir ein anderes Programm, das wird dann irgendwie anders, aber es wird auch noch Hilfe geben. Aber so ganz genau weiß man immer noch nicht, wie es dann weitergeht. Also sagen wir so, wenn man das Thema Umbau der Tierhaltung wirklich ernst nehmen würde, dann würde das alles mehr Hand und Fuß haben, dann würden mehr Mittel bereitgestellt werden. Und wir diskutieren ja auch schon seit Jahren über eine verpflichtende Haltungskennzeichnung. Wir haben jetzt die Freiwillige in den meisten Supermärkten, aber eben auch nur in Supermärkten, nicht in der Gastronomie und auch nicht in allen Supermärkten. Auch da gibt es ganz viel Hin und Her. Und jetzt haben wir eine gewisse Hoffnung, dass wir vielleicht doch zu einem Ziel kommen. Aber es ist alles sehr mühsam und träge.",
    "end": 1491.0
  },
  {
    "start": 1491.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Aber wenn man ihnen zuhört, dann wächst bei mir das Verständnis, wieso so eine Umfrage, wie Sie sie jetzt gemacht veröffentlicht haben. Sie haben die Ergebnisse ja nicht bestellt, aber sie haben die Ergebnisse veröffentlicht, wieso die dann doch einen Beitrag leisten kann zu einem gesellschaftlichen Umdenken. Ich bin davon überrascht, weil ich es beim ersten Lesen nämlich so nicht gedacht hätte und mich gefragt habe, wie bringt uns das weiter? Aber jetzt habe ich es verstanden einigermaßen muss ich sagen.",
    "end": 1517.0
  },
  {
    "start": 1517.0,
    "speaker": "Patrick Sieber",
    "text": "Ja, schön, dass wir das diskutieren. Also das ist ja ganz wichtig, dass wir irgendwie mal reingraben und schauen, okay, was sagt uns das und wie kann die Reise weitergehen?",
    "end": 1527.0
  },
  {
    "start": 1527.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Ja, und dazu haben wir hier im Podcast auch zwei Rubriken und die eine.",
    "end": 1531.0
  },
  {
    "start": 1531.0,
    "speaker": "Britta Schautz",
    "text": "Heiß Tja, und was jetzt?",
    "end": 1536.0
  },
  {
    "start": 1536.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Klosterhalfen. Es geht darum, man hört sehr viel Negatives häufig in diesen Gesprächen erst einmal, was alles nicht so läuft. Wir wollen aber konstruktiv rausgehen und ich würde gerne von Ihnen Was kann man denn tun, wenn man Ich will mich nicht von heute auf morgen komplett umstellen. Wie gelingt denn ein vernünftiger, sanfter Umstieg? Weil das wollen wir bei radikal und reduziert immer vermitteln. Vernünftig und günstig gleichzeitig einkaufen. Wie geht das in Ihrem Fachbereich?",
    "end": 1561.0
  },
  {
    "start": 1561.0,
    "speaker": "Patrick Sieber",
    "text": "Also weniger Tierprodukte einkaufen ist ein ganz wichtiger Schritt. Man kann dann die Alternativen mal ausprobieren. Die sind laut neuesten Untersuchungen inzwischen teilweise sogar günstiger als die tierischen Pendants. Und wenn man sagt, naja, es sollen halt weiter Tierprodukte sein, dann kann man schon auf die Haltungsformstufen gucken. Eins ist das Schlechteste, vier und fünf sind die Besten. Und dass man sich da überlegt, okay, also 1 und 2, das kann ich wirklich ganz beiseite legen und dann halt zu 3, 4 und 5, wenn überhaupt mal greifen.",
    "end": 1598.0
  },
  {
    "start": 1598.0,
    "speaker": "Britta Schautz",
    "text": "Es ist nicht egal, was du wo einkaufst.",
    "end": 1602.0
  },
  {
    "start": 1602.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Können wir hier vernünftige Unterscheidungen machen dahingehend, wo wir was einkaufen. Viele glauben ja, ich gehe auf den Wochenmarkt oder ich gehe im Supermarkt an die frische Theke, da kriege ich sicherlich was Besseres als im Kühlregal. Geben Sie uns mal eine Orientierung, sofern es tatsächlich nicht egal ist, was wir wo einkaufen.",
    "end": 1622.0
  },
  {
    "start": 1622.0,
    "speaker": "Patrick Sieber",
    "text": "Ja, der Wochenmarkt hat leider ein viel zu gutes Image. Das ist der, wo auch jahrelang noch Käfigeier verkauft wurden. Da hatten die Supermärkte das schon längst ausgelistet. Und man schafft es da als Wochenmarktbetreiber ganz gut, so eine ländliche Atmosphäre herzustellen. Und dann kommt kein Mensch auf die Idee, dass es überhaupt Käfigeier sein könnten, sind es dann aber doch. Also ich würde mich schon auch wenn man sich nicht zu 100 Prozent auf Siegel verlassen kann, das muss man ganz klar sagen, bieten Sie schon eine gewisse Orientierung und erhöhen die Sicherheit, dass es nicht der ganz große Mist ist. Und beim Außer Haus Verzehr dann vielleicht, solange da nicht gekennzeichnet ist, was man isst, immer davon ausgehen, dass das Schlechteste ist. Auch in eher hochpreisigen Restaurants würde ich nicht drauf wetten, dass es immer wirklich aus Tierschutzsicht einigermaßen gut ist.",
    "end": 1674.0
  },
  {
    "start": 1674.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Herr Klosterhalfen, vielen Dank für heute. Ich fand das sehr interessant, hat Spaß gemacht. Ich würde mich freuen, wenn wir uns noch mal wieder sprechen könnten. Und ihr alle könnt gerne mal in den Shownotes gucken, da findet ihr einen Link zu anderen Episoden, die wir schon zu diesem Thema gemacht haben. Eine hieß Tierwohl wird aus Hack gemacht, die haben viele von euch gerne gehört. Hört mal wieder rein. Und Herr Klosterhalfen, vielen Dank nochmal auf bald mal wieder.",
    "end": 1698.0
  },
  {
    "start": 1698.0,
    "speaker": "Patrick Sieber",
    "text": "Tschüss.",
    "end": 1701.0
  },
  {
    "start": 1701.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Ja, Britta, das war Mahi Klosterhalfen und ich muss zugeben, ich habe es ihm ja auch gesagt, ich habe es vorher wirklich nicht so gesehen. Ich habe durch das Interview echt was gelernt und meinen ersten Impuls, was diese Umfrage angeht, völlig geändert. Wie bewertet ihr denn in den Verbraucherzentralen das Engagement und die Geschwindigkeit einerseits des Handels und andererseits der Bundesregierung?",
    "end": 1727.0
  },
  {
    "start": 1727.0,
    "speaker": "Britta Schautz",
    "text": "Ja, der Einzelhandel, der hat ja in den letzten Jahren schon häufig so ein bisschen die Geschwindigkeit vorgegeben, was ich persönlich auch ganz gut finde. Sie haben gesehen, auf Regierungsebene ist da nichts passiert Richtung Tierwohl. Die Verbraucher fragen es aber nach und ich lobe ja den Handel nicht oft und auch nicht so gerne, Aber ich habe das Gefühl, da ist wirklich auch mal etwas dabei rumgekommen, wenigstens den Markt zu sortieren. Und ja, Sie haben zum Glück auch gesehen, Mensch, Stufe 1 ist vielleicht gar nicht so gut, der gesetzliche Mindeststandard, die Verbraucher wollen eigentlich mehr, dann machen wir da jetzt was. Ich finde, einige Versprechen waren jetzt sehr vollmundig. Wir wollen jetzt eigentlich ab 2025 gar nicht mehr Stufe 1 haben gar nicht mehr den Mindeststandard, das klappt so nicht. Sie haben sich dann irgendwann auch nur noch auf die Eigenmarken beschränkt, dann auch nur noch auf das Frischfleisch Edeka zum Beispiel, hauptsächlich auf die Milch.",
    "end": 1777.0
  },
  {
    "start": 1777.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Ich kann es auch aus meinen Recherchen aus den vergangenen zwei, drei Jahren sagen, man musste ja teilweise wirklich das Kleingedruckte auf den Websites von Aldi, Lidl und so weiter lesen, um zu wissen, für welche Tiersorte gilt eigentlich jetzt gerade welches selbstgesetzte Ausstiegsdatum aus welcher Haltungsform, wenn man es ganz genau nehmen wollte.",
    "end": 1796.0
  },
  {
    "start": 1796.0,
    "speaker": "Britta Schautz",
    "text": "Ja, und dann kam es auch noch darauf an, war es jetzt verarbeitet oder war es frisch und also das kann sich keiner merken und das ist auch natürlich, naja, also es ist dann natürlich auch einfach seine ganzen Vorsätze ein bisschen selber zu ändern, dass man das gar nicht mehr so gut nachvollziehen kann. Ich finde, sie sind auf jeden Fall vorangegangen und das ist auch gut und wir hätten uns das natürlich schneller gewünscht, aber wir sehen auch, dass wir jetzt ein höheres angebot der Haltungsstufen 3 zum Beispiel haben, was es am Anfang fast gar nicht gab und das ist schon mal gut. Also das heißt, hier geht was voran und auch die Initiative Tierwohl hat neue Prämien ausgelobt für Menschen, die umstellen, also für Landwirte, die umstellen auf Stufe 3 und 4 und das finde ich auch wichtig, denn da braucht man diese Verlässlichkeit, Weil für Stufe 3 und 4 muss ich umbauen und erstens dauert das Jahre und ich brauche dann natürlich auch irgendwie die Versicherung, dass mir das Fleisch hinterher abgenommen wird und andererseits kostet das natürlich auch wirklich viel Geld und auch das ist dann natürlich sinnvoll. Also das heißt, ich sehe hier das Engagement und ich kann das auch wirklich sehr wertschätzen. Ich glaube, ansonsten wären wir noch nicht an dem Punkt, denn die Bundesregierung, die hat in den letzten Jahren natürlich, wir haben schon unter Frau Klöckner angefangen, da sollte es eine Tierhaltungskennzeichnung geben, dann wurde die unter Cem Özdemir weiter verfolgt, ein bisschen verändert und das Startdatum, das wurde jetzt aber schon das zweite Mal verschoben. Eigentlich sollte es dieses Jahr kommen, jetzt kommt es erst Anfang 2027 und das ist total unbefriedigend und ich habe so ein bisschen Angst, dass es irgendwann gar.",
    "end": 1885.0
  },
  {
    "start": 1885.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Nicht mehr kommt und dann kaufen wir jetzt so ein, wie Marie Klosterhalfen es gesagt hat, weil das Private Label dann tatsächlich etwas weiter ist als alles, was gerade staatlich passiert. Beeindruckenderweise, und ich habe es eingangs gesagt, bei mir ist diese Fleischsache vorbei, seit ich in einem dänischen Schlachthof gedreht habe, ab 6 Uhr morgens. Es war interessant, aber seitdem interessieren mich Fleischersatzprodukte nicht nur beruflich. Und deswegen mal die Frage an Wagst du hier eine Vorhersage? Du bist hervorragend in Vorhersagen. Ich habe das schon mit Preisen Ende des Jahres mit dir gemeinsam festgestellt. Viel davon ist eingetroffen, der Rest kommt noch. Diese Fleischersatzprodukte, also Cordon Bleu, das nur aus pflanzlichen Zutaten besteht, eine Wurst, die Mortadella, was auch immer ihr gerne esst. Aber die EU überlegt noch immer, ob diese Produkte denn weiterhin auch so heißen dürfen wie das erste Produkt auf dem Markt, also das Fleischprodukt. Deine Vorhersage, Britta, Was passiert da mit den Namen, von denen ich ja glaube, dass die marketingmässig wirklich wichtig wären, um mehr Menschen davon zu überzeugen, ab und zu mal die pflanzliche Alternative zu kaufen, jedenfalls für so einen sanften Einstieg, zu dem ja auch Herr Klosterhalfen rät. Was glaubst du?",
    "end": 1963.0
  },
  {
    "start": 1963.0,
    "speaker": "Britta Schautz",
    "text": "Also wir wissen ja auch, dass die Verbraucher das wollen. Die wollen wissen, was ersetzt das Produkt jetzt? Und die sind auch nicht verwirrt durch diese Namen. Und ich kenne wirklich keine Studie, die zeigt, dass Verbraucher das nicht zu großen Teilen einschätzen können. Und ich habe viele davon mir angeguckt und ich würde auch gerne die EU Abgeordneten, die sich jetzt für dieses Verbot ausgesprochen haben, noch mal fragen, auf welcher Grundlage sie das machen. Also ich glaube, es kommt nicht. Ich bin auch sehr froh, dass die deutschen Abgeordneten zum großen Teil dagegen gestimmt haben und ich gehe davon aus, dass das nicht kommt.",
    "end": 1992.0
  },
  {
    "start": 1992.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Ich verstehe die ganze Argumentation dahinter wirklich einfach nur aus Kundensicht gar nicht. Wie wahrscheinlich ist es, dass ich mich vergreife am Kühlregal und mich dann ärgere, dass ich aus Versehen ein pflanzliches Cordon Bleu Vielleicht ärgere ich mich ein bisschen, aber wie wahrscheinlich ist das?",
    "end": 2008.0
  },
  {
    "start": 2008.0,
    "speaker": "Britta Schautz",
    "text": "Also seit 2014 arbeite ich in den Verbraucherzentralen und ich habe insgesamt zwei dieser Beschwerden gesehen, dass sich jemand verkauft hat und dann aufgeregt hat. Und wir kriegen Projekte so 500 bei uns hier in Berlin. Also ist nicht viel gewesen.",
    "end": 2021.0
  },
  {
    "start": 2021.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "So, dann warten wir jetzt mal ab, ob schon in den kommenden Wochen Britta einmal mehr recht hatte.",
    "end": 2027.0
  },
  {
    "start": 2027.0,
    "speaker": "Britta Schautz",
    "text": "Ich wundere mich Ich freue mich ja, dass ich recht hatte, aber ich wundere mich schon. Aber ist ja auch mal was Positives.",
    "end": 2033.0
  },
  {
    "start": 2033.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Ich erinnere mich daran, während wir beide sprechen, dass es Ende der er Jahre ein Duschgel gab. Bei DM und so weiter, dass die Form hatte. Also die Flasche hatte die Form einer Getränkedose, die war genauso groß und hatte den Umfang von einer 0,33 Getränkedose damals. Und das Produkt wurde vom Markt genommen. Also sehr zu meinem Leidwesen, weil ich weiß nicht mehr, wer es hergestellt hat und ich weiß nicht mehr, wie es gerochen hat. Aber ich habe es gerne gekauft, das weiß ich noch. Und das wurde vom Markt genommen, offenbar aus der Sorge heraus, Menschen könnten also ein Produkt, das sie im DM aus dem Duschgelregal genommen haben, trinken. Schon. Damit hatte ich Probleme, das zu verstehen damals. Aber immerhin Saß, du weißt, was ich meine.",
    "end": 2076.0
  },
  {
    "start": 2076.0,
    "speaker": "Britta Schautz",
    "text": "Auf jeden Fall weiß ich, was du meinst. Also klar, ich finde immer, wir dürfen Verbrauchern auch ein bisschen was zutrauen und das kriegen die auf jeden Fall hin. Und also ja, wenn man mal so ein, ganz ehrlich, wenn man zum Beispiel eine bestimmte Mortadella in vegetarisch jetzt kauft, ich persönlich schmecke den Unterschied nicht.",
    "end": 2094.0
  },
  {
    "start": 2094.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Man kann den Test übrigens wunderbar mit Kindern machen. Man kann einfach, guck mal hier, wollt ihr noch eine Wurst? Soll Wurst aufs Brötchen? Ich habe noch kein Kind schreien gehört. Moment mal, es ist nicht aus Fleisch, ne?",
    "end": 2106.0
  },
  {
    "start": 2106.0,
    "speaker": "Britta Schautz",
    "text": "Die essen das. Hauptsache es schmeckt.",
    "end": 2108.0
  },
  {
    "start": 2108.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Das Duschgel haben sie am Geschmack erkannt.",
    "end": 2111.0
  },
  {
    "start": 2111.0,
    "speaker": "Britta Schautz",
    "text": "Unter der Dusche hat es gut geschmeckt. Alles klar.",
    "end": 2115.0
  },
  {
    "start": 2115.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Britta, vielen Dank für heute. Es hat viel Spaß gemacht. Vielen Dank auch noch mal an Marie Klosterhalfen. Ich bin gespannt auf euer Feedback zu dieser Episode und zu vielleicht eigenen Erfahrungen zu dem gesamten Thema. Ihr schaut jetzt noch mal gerne in die Show Notes, da ist ein Link zu Steady, wo ihr euch für den kostenfreien Newsletter anmelden könnt oder das Briefing zu der gesamten Episode kriegt mit weiterführenden Infos, Links und und und. Wir hören uns nächste Woche Donnerstag wieder oder sehen uns schon mittwochs bei YouTube. Cool, Britta, bis dann.",
    "end": 2150.0
  },
  {
    "start": 2150.0,
    "speaker": "Britta Schautz",
    "text": "Bis dann. Vielen Dank.",
    "end": 2152.0
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  {
    "start": 2152.0,
    "speaker": "Martin",
    "text": "Tschüss.",
    "end": 2152.0
  },
  {
    "start": 2152.0,
    "speaker": "Patrick Sieber",
    "text": "Tschüss.",
    "end": 2155.0
  },
  {
    "start": 2155.0,
    "speaker": "Britta Schautz",
    "text": "Radikal und reduziert. Wer Lebensmittel kauft, hört diesen Podcast immer donnerstags, überall, wo es Podcasts gibt.",
    "end": 2164.25
  }
]