[
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    "end": 27.48,
    "text": "Ich war in sehr vielen Ländern und ich habe kaum einen Menschen getroffen, der bereit ist, seine Heimat, seinen Himmel, seine Familie, seine Nachbarschaft, die Straße, in der er groß geworden ist, die Düfte, die er kennt aus seinem Land, aus seiner Stadt freiwillig zu verlassen, wenn er nicht das Gefühl hat, dass er wirklich muss, weil er keine Zukunft hat oder weil Raketen vom Himmel fallen."
  },
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    "text": "Wenn es darum geht, machtkritisch zu sein, was Journalismus immer sein muss, wenn es darum geht, Unverhandelbares wie Menschenrechte, Kinderrechte, Frauenrechte, Menschenwürde, humanitäres Völkerrecht, dafür die Fahne hochzuhalten und zu sagen, das ist das Fundament von allem und damit mache ich mich gemein, dann würde ich das zu hundert Prozent unterschreiben."
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    "text": "Herzlich willkommen."
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    "text": "Mein Name ist Daniel Fürg und ich freue mich sehr, euch heute zu einer neuen Episode, Gin and Talk, begrüßen zu dürfen."
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    "text": "Mein heutiger Gast ist Sophia Meyer."
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    "text": "Sie ist Journalistin und Kriegsreporterin und berichtet seit vielen Jahren aus Regionen, in denen Konflikte, Angst und Unsicherheit zum Alltag gehören."
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    "text": "Sie hat Menschen getroffen, die alles verloren haben, sie hat Propagandamaschinen aus nächster Nähe erlebt und Situationen durchlebt, die ihr eigenes Leben in Gefahr gebracht haben."
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    "text": "All diese Erfahrungen, die erschütternden ebenso wie die Leisen menschlichen, hat sie in ihrem Buch Herz aus Stacheldraht festgehalten."
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    "text": "Ich wollte von ihr wissen, wie man inmitten von Krieg und Chaos journalistische Klarheit bewahrt, wie man mit Angst umgeht, die plötzlich ganz real wird und was es bedeutet, Geschichten zu erzählen, die oft viel zu wenig Raum in unserer öffentlichen Wahrnehmung finden."
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    "text": "Wenn dir diese Episode von Gin and Talk gefällt, folge uns bei Spotify, Apple Podcast oder wo auch immer du gerne Podcast hörst und hinterlasse uns eine gute Bewertung."
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    "text": "Diese und viele weitere Episoden findest du auch als Videopodcast auf unserem YouTube-Kanal."
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    "text": "Jetzt aber viel Spaß beim Zuhören, schön, dass ihr alle wieder mit dabei seid."
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    "text": "Herzlich willkommen an unseren Bartresen."
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    "text": "Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Gin & Talk."
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    "text": "Liebe Sophia, ich freue mich sehr, dass wir uns heute hier treffen können, um über Herz aus Stacheldraht dein Buch zu sprechen, um über Krieg zu sprechen, über Menschen zu sprechen, über Emotionen, über Angst, über Medien und Vertrauen."
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    "text": "Herzlich willkommen."
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    "text": "Also in meinem Beruf als Kriegsreporterin, was ja auch so ein Label ist, aber in meinem Beruf als Journalistin, die an gefährliche Orte geht, habe ich es immer versucht, der Angst keinen Raum zu geben, sondern einen gesunden Respekt zu haben."
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    "text": "Weil ich glaube, wenn man sich von der Angst vor Ort leiten lässt, ist es ein sehr ungesunder Ratgeber und bringt einen vielleicht sogar einen Gefahr."
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    "text": "Und deswegen würde ich schon sagen, dass sich mein Blick darauf verändert hat, weil ich wirklich existenzielle Angst erlebt habe."
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    "text": "Du hast in einem anderen Interview auch eine Szene beschrieben."
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    "text": "wo ihr, glaube ich, in der Ukraine unterwegs wart und dann die ersten Raketen auch geflogen sind und du, wie aus einem Reflex, erst mal irgendwie die Kamera rausgezogen hast und Bilder gemacht hast, ist da manchmal dann dieses Journalisten hier, was irgendwie arbeitet, schneller als die Angst oder die natürliche Reaktion, wo man vielleicht sagen würde, okay, ich verstecke mich jetzt erst mal irgendwo im Gebüsch oder irgendwo hinter der nächsten Böschung."
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    "text": "dass er mich klar war, okay, da passiert jetzt was wirklich krasses."
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    "text": "Ich bin Reporterin und was gibt mir in dem Moment Sicherheit und Halt, das zu tun, was ich am besten kann, nämlich Reporterin zu sein."
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    "text": "Das heißt, mein Handy in die Hand zu nehmen, Bilder zu drehen, Ohntöne im Auto einzusammeln mit meinem Kameramann und mit dem Fahrer und einfach Reporterin sein."
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    "text": "Aber es ist von außen wirklich das wahrscheinlich ziemlich seltsam, das kann ich schon verstehen."
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    "text": "Jetzt hast du ja so ein paar Entscheidungen in deinem Leben getroffen, die vielleicht von außen ein bisschen seltsam wirken."
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    "text": "Du hast einen Volontariat gemacht für alle, die sich damit vielleicht nicht so auskennen, gar nicht so einfach so einen Volontariat zu bekommen, wenn man eins haben möchte."
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    "text": "Hast dann aber trotzdem irgendwann gesagt, nee, ich höre jetzt auf damit, ich muss irgendwie raus, ich muss zum Thema, bis dann erst mal nach Griechenland, hast viel Zeit in Lagern mit Geflüchteten verbracht."
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    "text": "Also, Theorie ist irgendwie schön und gut und irgendwie auch dieses Ja, da langsam heran führen, aber irgendwie habe ich vielleicht auch keine Geduld dafür."
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    "text": "Es geht an sich zwei Jahre und ich war damals ja glücklich, eins zu haben."
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    "text": "Das war zu der Zeit, als die... sogenannte Flüchtlingskrise begonnen hat."
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    "text": "Ich finde das Wort schon problematisch, weil es Flucht und geflüchtete Menschen direkt mit einer Krise verbindet, aber es ist ein anderes Thema."
  },
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    "end": 433.84,
    "text": "Und ich habe da diese Volontariat gemacht und das war zu der Zeit, als sich in Deutschland die Stimmung auch so ein bisschen verändert hat und ich war am Ende tätig in einem Rahmen, wo auch Clickbait-Journalismus gemacht wurde, wie ich finde auch auf Kosten."
  },
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    "end": 438.68,
    "text": "unserer Demokratie, unseres Zusammenhalts und auf Kosten von geflüchteten Menschen."
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    "text": "Und ich habe für mich gespürt, das ist für mich nicht der richtige Ort."
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    "text": "Zum einen und zum anderen, wie kann ich vom Redaktionstisch aus hier beurteilen, was Flucht bedeutet, wer diese Menschen sind, warum sie fliehen?"
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    "text": "Und habe dann mein Voluntariat gekündigt."
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    "text": "meine Sachen eingelagert, meine Wohnung gekündigt und bin dann auf eigene Vs zuerst nach Lesbos und hab dort für eine Schweizer Hilfsäußerion Medienarbeit gemacht und die ein bisschen unterstützt."
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    "text": "Das, was du da beschreibst, ist ja so ein Grundsymptom, was wir in der Medienlandschaft momentan haben oder was ich zumindest auch sehr beobachte, ist, dass wir sehr oft in so eine Unterkomplexität verfallen."
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    "end": 493.66,
    "text": "Also wir reden von Krieg und dann reden wir über die Grenze und wo die Panzer rüberfahren und dann haben wir vielleicht noch absolute Zahlen, wo wie viele Verluste zu beklagen sind."
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  {
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    "text": "oder wir reden über Geflüchtete und reden über irgendwie, ja, da ist ein Boot untergegangen und da ist irgendwie jemand verhungert oder so."
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    "text": "Aber wir machen es uns schon manchmal ein bisschen einfach, einfach nur zu sagen, da ist ein Problem."
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    "text": "Aber wir gehen eigentlich gar nicht wirklich rein, was das eigentlich tatsächlich bedeutet."
  },
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    "end": 535.1,
    "text": "Also mir hat gerade auch in dem ganzen Thema dieser vermeintlichen Flüchtlingskrise, warum haben wir den Leuten nicht genauer erklärt, warum die Menschen sich eigentlich auf den Weg gemacht haben."
  },
  {
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    "text": "Wer diese Menschen eigentlich sind, die sich auf den Weg gemacht haben."
  },
  {
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    "end": 554.62,
    "text": "dass das nicht irgendwelche Wirtschaftsflüchtlinge sind, die einfach nur irgendwie hier sich auf die faule Haut legen wollen, sondern dass das ja Menschen sind, die eigentlich nicht da weg wollen, wo sie herkommen, aber eben keinen anderen Ausweg mehr finden."
  },
  {
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    "end": 561.48,
    "text": "Und natürlich gibt's dann ein, zwei, drei Prozent, die aus irgendwelchen unlauteren Gründen vielleicht sich auf den Weg machen."
  },
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    "text": "Also wir haben ja auch in der deutschen Gesellschaft Leute, die das Sozialsystem ausnutzen."
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  },
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    "text": "Ich glaube, das Problem ist nicht nur, dass wir nicht komplex genug drauf schauen, sondern dass auch gerade in den letzten Jahren so eine Versachlichung und auch entteilen so eine Entmenschlichung im Diskurs und in der Berichterstattung stattgefunden hat."
  },
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    "end": 613.38,
    "text": "Du hast gerade gesagt, Wirtschaftsflüchtlinge, auch da würde ich gerne ergänzen, wenn ein Mensch flieht, weil er Hunger leidet, weil er nicht weiß, wie er seine Familie ernähren soll, weil er keine wirtschaftliche Basis in dem Land hat und sich dort nichts aufbauen kann, finde ich."
  },
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    "text": "Das finde ich wirklich schon problematisch."
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    "text": "Und welchen Anteil hat westliche Politik daran, dass Menschen fliehen?"
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    "text": "Nehmen wir Exporte von Waffen, von Rüstungsgütern, Klimaflucht, wie regt Europa und andere westlichen Staaten zum Klimawandel bei, weswegen dort vor Ort Lebensgrundlagen zerstört werden."
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    "text": "Die Liste wäre endlos."
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    "text": "Und das ist, glaube ich, genau diese Komplexität, die du meinst."
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    "text": "Wir tun in Teilen so die deutsche Politik der Mediale des Kurs auch in Teilen, als wäre Flucht irgendeine Naturkatastrophe, die im Luftlerren Raum passiert."
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    "end": 674.66,
    "text": "Flucht hat Gründe, die auch mit westlicher Politik zusammenhängen."
  },
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    "text": "Und ja, ich war in sehr vielen Ländern und ich habe kaum einen Menschen getroffen, der bereit ist."
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    "text": "seine Heimat, seinen Himmel, seine Familie, seine Nachbarschaft, die Straße, in der er groß geworden ist, die Düfte, die er kennt, aus seinem Land, aus seiner Stadt freiwillig zu verlassen, wenn er nicht das Gefühl hat, dass er wirklich muss, weil er keine Zukunft hat oder weil Raketen vom Himmel fallen."
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    "end": 710.44,
    "text": "Ich habe letzte Woche auf unserem Forty-Eight Forward Festival ein Gespräch gemacht mit Ejit Temalkoran."
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    "end": 716.4,
    "text": "die dieses how to lose a country Buch geschrieben hat, dass auch international ein Bestseller wurde."
  },
  {
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    "text": "Und wir haben viel über Demokratie gesprochen, wir haben darüber gesprochen, wie wir uns irgendwie auch gegen rechts aufstellen können, wie wir irgendwie es hinbekommen, auch wieder ein Miteinander in der Gesellschaft zu finden."
  },
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    "text": "Und sind dann, haben dieses Panel irgendwie mit so einer Hausaufgabe beendet für uns alle."
  },
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    "text": "und haben gesagt, wir müssen uns mal wieder die Frage stellen, welche Menschen wir eigentlich sein wollen."
  },
  {
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    "text": "Also wollen wir diese Menschen sein, die der Meinung sind, dass wir irgendwann mal um Europa rundherum eine Mauer bauen und glauben, dass wir damit irgendwie alle Probleme lösen, die weltweit irgendwie passieren und die sich dann irgendwann auch an den Grenzen bei uns auswirken?"
  },
  {
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  },
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    "text": "Aber wir uns irgendwie komplett dagegen stellen, mal langfristiger auch ehrlich mit den Menschen umzugehen."
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    "text": "Ich erinnere mich vor ein paar Jahren, da wurde wirklich noch diskutiert Fluchtursachen, Fluchtursachen und Bekämpfung."
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    "text": "Da wurde sich ehrlich damit auseinandergesetzt, dass es diese Zusammenhänge gibt und wie wir."
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    "text": "vor Ort unterstützen können, damit Menschen eben ihre Heimat gar nicht erst verlassen."
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    "end": 820.74,
    "text": "Dieser Diskurs findet nicht mehr statt."
  },
  {
    "start": 821.2,
    "end": 824.78,
    "text": "Das Thema Migration endet eilig an den deutschen Grenzen."
  },
  {
    "start": 824.84,
    "end": 829.6,
    "text": "Da geht es darum, wie können wir die deutschen Grenzen sichern, wie viele wurden heute erfolgreich abgeschoben."
  },
  {
    "start": 829.68,
    "end": 833.98,
    "text": "Aber diese Weitsicht, die findet überhaupt nicht mehr statt."
  },
  {
    "start": 834.68,
    "end": 835.44,
    "text": "Wahrscheinlich auch."
  },
  {
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    "end": 847.86,
    "text": "Die Menschen im Land immer weniger empfänglich dafür sind, die Medien dann auch weniger den Fokus darauf setzen, die Politik sich getrieben fühlt, gerade auch von rechten Kräften und rechtsextremen Kräften wie der AfD."
  },
  {
    "start": 848.62,
    "end": 852.7,
    "text": "Und so, glaube ich, ist es ein System, das sich gegenseitig bedingt."
  },
  {
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    "end": 863.1,
    "text": "Ja, vor allem, weil es natürlich auch einfacher ist, zu sagen, haben Migrationsproblemen statt zuzugeben, wir haben Integrationsproblemen, weil natürlich die Integration viel komplexer wäre."
  },
  {
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    "end": 867.08,
    "text": "und einfach überhaupt nicht funktioniert, wenn wir mal ganz ehrlich sind."
  },
  {
    "start": 867.6,
    "end": 876.92,
    "text": "Also, egal welcher Ebene, wenn man sich das Thema anschaut, versagen wir als System, als Land, auch als Europa, komplett."
  },
  {
    "start": 877.76,
    "end": 899.06,
    "text": "Und dann brauchen wir uns irgendwie auch nicht wundern, dass junge Menschen, die hierher kommen, nach drei, vier Jahren in irgendwelchen Heimen- und Auffanglagern, einfach verzweifelt sind, weil ... die ja auch was aus ihrem Leben machen wollen und nicht nur irgendwo rum sitzen ohne jede Perspektive und keiner kümmert sich wirklich um sie."
  },
  {
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    "end": 902.98,
    "text": "Und auch David dieses Thema unterkomplex besprochen und behandelt."
  },
  {
    "start": 903.66,
    "end": 942.34,
    "text": "Wenn ich hierher komme und jahrelang als Beispiel jetzt nur eine Duldung habe und gar keine Chance habe, wie du sagst, was aus meinem Leben zu machen, wenn ich Traumatisches in meinem Heimatland erlebt habe auf der Flucht und keine psychosoziale Betreuung habe, weil Deutschland das nicht stemmen kann oder nicht gewillt ist oder diese Weizicht eben nicht hat bei dem Thema, dann braucht man sich nicht wundern, wenn Menschen, die hierher kommen, in diesem Gesamtsetting in die Kriminalität abrutschen, also auch dieser Gesamtkontext, auch wenn er ein bisschen komplexer ist und viele das auch gar nicht hören wollen oder auch die Aufmerksamkeitsspanne immer geringer wird, ist wichtig, mit in die Debatte zu bringen."
  },
  {
    "start": 943.12,
    "end": 960.9,
    "text": "Das, was du ja auch in deinem Buch machst und auch generell in deiner Arbeit ist, du versuchst auch individuelle Geschichten von Menschen in den Fokus zu stellen, damit wir eben nicht nur über Grenzverläufe und Panzer sprechen, sondern wir auch ein Gefühl dafür bekommen, was passiert da in diesem Land wirklich?"
  },
  {
    "start": 960.96,
    "end": 961.98,
    "text": "Wie geht's den Menschen?"
  },
  {
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    "text": "und so weiter."
  },
  {
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    "end": 970.4,
    "text": "Also was ist wirklich die individuelle Geschichte, auch das individuelle Gesicht des Krieges?"
  },
  {
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    "end": 973.26,
    "text": "Was sind die Folgen davon für die Menschen?"
  },
  {
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    "end": 994.7,
    "text": "Ich habe das letzte Woche auch diskutiert mit einem Journalisten und der meinte dann ja, aber wenn wir uns halt die reichweiten Zahlen anschauen, dann sind eben genau die Geschichten, diejenigen, die weniger geklickt werden, als hier Trump und Putin für eine Friedensverhandlung oder da ist nochmal neuer Friedensplan aufgetaucht."
  },
  {
    "start": 997.48,
    "end": 1010.7,
    "text": "Sind wir auf der einen Seite vielleicht inzwischen zu abgestumpft und auf der anderen Seite wollen wir uns da vielleicht auch irgendwie selbst schützen und uns gar nicht so sehr damit beschäftigen, weil wir wissen, dass es weh tut?"
  },
  {
    "start": 1011.7,
    "end": 1012.4,
    "text": "Auf jeden Fall."
  },
  {
    "start": 1012.64,
    "end": 1019.1,
    "text": "Ich glaube auch, dass wir heute viel überforderer sind als noch vor paar Jahren."
  },
  {
    "start": 1019.16,
    "end": 1020.04,
    "text": "Es ist zu vielen."
  },
  {
    "start": 1020.42,
    "end": 1032.28,
    "text": "Ich glaube, es ist auch, was die letzten paar Jahre alleine passiert ist, Corona, die Pandemie, auf einmal wieder Krieg auf europäischen Boden, eine immer polarisiertere Gesellschaft, in der wir leben."
  },
  {
    "start": 1032.78,
    "end": 1053.62,
    "text": "Und ich glaube schon, dass es auch bei Menschen, die eigentlich Empathie in sich tragen oder Interesse haben, sich vielleicht abends denken, boah, mir ist das eigentlich alles zu viel und ich lasse mich jetzt lieber mit irgendeinem Unterhaltungsformat berieseln, als mir eine Dokumentation anzugucken oder den Text zu lesen, der sich mit Geflüchteten auf griechischen Inseln beschäftigt."
  },
  {
    "start": 1053.96,
    "end": 1063.08,
    "text": "Also ich will nur sagen, ich glaube, es gibt auch Menschen in unserem Land, die per se guten Wertekanon in sich tragen, aber einfach überfordert sind."
  },
  {
    "start": 1063.72,
    "end": 1080.98,
    "text": "Und es ist tatsächlich so, dass wenn man dieser Tage Geschichten über Menschen im Ausland in Krisen-Kriegsregionen erzählen möchte medial, egal in welcher Form, dass die Klicks und die Quoten höchstwahrscheinlich schlecht sind."
  },
  {
    "start": 1081.1,
    "end": 1101.96,
    "text": "Das heißt, wenn man in der Marktlogik bleibt, damit kein Geld macht oder die Leute nicht am Fernseher hält oder die Leute nicht im Text hält und sich dann natürlich auch Redaktionen dafür entscheiden, seltener auf solche Geschichten zu setzen, diese Geschichten seltener zu erzählen, weil das entsprechende Interesse bei den Leuten nicht da ist."
  },
  {
    "start": 1102.0,
    "end": 1111.32,
    "text": "Und das ist natürlich fatal, weil es ist ja gerade in diesen Zeiten, es ist so wichtig, für diese Realitäten vor Ort zu sensibilisieren."
  },
  {
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    "end": 1117.56,
    "text": "Wenn ich so auf die letzten Jahre zurückschaue, dann haben wir natürlich zum einen viele Krisen gehabt."
  },
  {
    "start": 1118.68,
    "end": 1122.68,
    "text": "aber auch erlebt, wie sich Richterstattung extrem verändert hat."
  },
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    "end": 1127.68,
    "text": "Weil, also ich weiß nicht, wie es dir ging und das würde mich tatsächlich interessieren."
  },
  {
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    "text": "Als der Krieg in der Ukraine dann tatsächlich vollends eskalierte, war man ja irgendwie gefühlt mitten drin, wenn man es wollte."
  },
  {
    "start": 1139.46,
    "end": 1151.96,
    "text": "Also TikTok, mein ganzer Feed war auf einmal voll mit Videos aus den... Ja, aus den Eskalationsgebieten, man hat Leid gesehen, man hat Zerstörung gesehen."
  },
  {
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    "text": "Auch Journalisten, die wahrscheinlich zum ersten Mal auch dieses Medium in dem Ausmaß für sich entdeckt haben, um live von vor Ort berichten zu können."
  },
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    "text": "Und hier und da wurde sicherlich auch mehr geteilt, als man es vielleicht hätte tun sollen."
  },
  {
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    "text": "Wie hast du diese Veränderung in der Berichterstattung auch erlebt?"
  },
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    "end": 1199.08,
    "text": "Gerade im Hinblick auf die Ukraine und dann später aber auch durchaus mit Israel und Palästina und allem, was dort passiert ist, auch was dort an Bildern dann zu uns kam, in jeglicher Hinsicht auch bis hin zu Situationen, wo vielleicht dann auch Bilder und Situationen gestellt worden sind, um damit auch wiederum eine gewisse Propaganda in die Welt zu tragen."
  },
  {
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    "text": "Also ich habe damals bei der Ukraine vor allem erlebt und das habe ich in der Form vorher so noch nie gesehen, dass wirklich jeder in dieses, jeder freie Kollege in dieses Land ist."
  },
  {
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    "end": 1217.5,
    "text": "Der Krieg ging los und alle wollten rein, teilweise ohne Schutzausrüstung, ohne Helm, ohne Weste."
  },
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    "text": "Das war wirklich so eine für mich ganz arg befremdliche Stimmung von alle wollen dabei sein und alle wollen von dort berichten, teilweise ohne Kontakte vor Ort, ohne... ohne Sicherheitskonzept."
  },
  {
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    "text": "Und das fand ich ehrlicherweise ziemlich befremdlich."
  },
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    "text": "Zu diesem Thema Propaganda im Krieg und soziale Netzwerke war es ein sehr schwieriges Thema."
  },
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    "text": "Ich würde ehrlicherweise nicht sagen, du hast das so wahrgenommen, dass bei der Ukraine vor allem sehr losging oder stärker wurde."
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    "text": "Also, dass TikTok auch wirklich zum Einsatz kam und man eigentlich, wenn man wollte, extrem viel sehen konnte und auch sehr viel umgefiltert sehen konnte."
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    "text": "was vielleicht dann manche auch überfordert hat."
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    "text": "Auf jeden Fall."
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    "text": "Und das gleiche gilt natürlich auch für die Bilder aus Gaza."
  },
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    "text": "Ja, es kommt ungefiltert in unsere Feeds."
  },
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    "text": "Ich hatte das teilweise selbst so, dass ich meinen Instagram aufgemacht habe und auf einmal irgendwelche zerfetzten Kinderkörper da waren."
  },
  {
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    "text": "Gerade so, du kennst es ja bestimmt, wenn man abends noch im Bett, also man sollte es nicht, aber dann geht man noch auf Instagram."
  },
  {
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    "text": "Und ich hab da wirklich Bilder gesehen, die ich mit in meine Träume genommen habe."
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    "text": "Da muss man ja sagen, ich bin ein Mensch, der wahrscheinlich von Berufswegen viel öfter mit Bildern dieser Art konfrontiert ist, sich damit auseinandersetzt."
  },
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    "text": "Ich hab mir oft gedacht, was macht das eigentlich mit all?"
  },
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    "end": 1311.14,
    "text": "diesen Menschen, die davor gar keine Berührungspunkte hatten und damit voll gespammt werden."
  },
  {
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    "text": "Was macht das eigentlich mit einer Durchschnittssäle, die damit vorher gar keine Berührung hatte?"
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    "text": "Weil bei mir hatte er schon wirklich massiven Effekt."
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  },
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    "end": 1331.4,
    "text": "Für ausgebildete Journalisten ist es teilweise schon schwierig zu sagen, ist das jetzt fake, ist das echt, ist das gezielte Propaganda oder nicht."
  },
  {
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    "end": 1343.34,
    "text": "Klar ist, dass im Krieg, egal ob im Ukrainekrieg oder im Nordkrieg, jede Kriegspartei mit Propaganda arbeitet und da sehr viel reinlegt, um sozusagen ihr Narrativ zu stützen."
  },
  {
    "start": 1344.0,
    "end": 1367.04,
    "text": "Und da muss ich ehrlicherweise auch deutsche Medien in Teilen kritisieren, dass Ich glaube, dass wir auch da gerade beinahe Ostes hätten besser machen können und mehr offenlegen müssen und den Zuschauern und Lesern auch ganz klar machen müssen, dass es sich bei allen Kriegsparteien um Kriegsparteien handelt, die per se natürlich ihr Narrativ stützen möchten."
  },
  {
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    "end": 1375.52,
    "text": "Was würdest du dir denn da wünschen, wie wir da... auch für die Zukunft, auch für künftige Konflikte besser werden können."
  },
  {
    "start": 1376.06,
    "end": 1380.26,
    "text": "Weil auf der einen Seite haben wir natürlich nicht im Griff, was Leute auf TikTok posten."
  },
  {
    "start": 1380.96,
    "end": 1386.22,
    "text": "Ich glaube, wir müssen auch langsam bewusster lernen, dass wir auf den Algorithmus keinen echten Einfluss haben."
  },
  {
    "start": 1386.34,
    "end": 1393.12,
    "text": "Also auch da sind wir ja nicht gefeit davor, dass gewisse Themen verstärkt werden und andere vielleicht eher nicht."
  },
  {
    "start": 1394.02,
    "end": 1398.18,
    "text": "Aber hast du da Wünsche, Ideen, Konzepte?"
  },
  {
    "start": 1398.9,
    "end": 1402.52,
    "text": "Vorschläge, wie wir da irgendwie ein bisschen besser werden können in Zukunft."
  },
  {
    "start": 1403.3,
    "end": 1408.32,
    "text": "Also ein Thema, das mich total bewegt in meiner Arbeit ist, wie wir wieder Vertrauen zurückgewinnen."
  },
  {
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    "end": 1413.92,
    "text": "Weniger auf einer Social Media, KI Ebene."
  },
  {
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    "end": 1414.94,
    "text": "Was können wir da tun?"
  },
  {
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    "end": 1416.4,
    "text": "Weißt du, ich bin eine Reporterin."
  },
  {
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    "end": 1418.68,
    "text": "Ich war jahrelang auf deutschen Straßen unterwegs."
  },
  {
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    "end": 1422.94,
    "text": "Beginne mit Pegida, AfD, Pandemie."
  },
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    "end": 1426.88,
    "text": "Ich habe über Jahre live miterlebt wie Menschen."
  },
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    "end": 1430.28,
    "text": "nach und nach Vertrauen in Medien verlieren."
  },
  {
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    "end": 1434.12,
    "text": "Und das sind eben nicht alles extrem Rechte, die da auf der Straße sind."
  },
  {
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    "end": 1444.5,
    "text": "Das waren und sind auch Menschen, die meine Oma sein könnten oder meine Nachbarn, die sich von Medien nicht mehr gesehen und abgeholt fühlen."
  },
  {
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    "text": "Warum das so ist, da gibt es viele Gründe."
  },
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    "end": 1449.88,
    "text": "Aber es ist ihr Gefühl und das muss man erst mal ernst nehmen."
  },
  {
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    "end": 1454.42,
    "text": "Und na Ost hat das noch mal extrem verstärkt."
  },
  {
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    "end": 1458.8,
    "text": "Du kannst dir nicht vorstellen, wie viele Menschen mir tagtäglich schreiben."
  },
  {
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    "end": 1463.54,
    "text": "Und das sind keine Radikalen, das sind keine Extremisten."
  },
  {
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    "end": 1475.58,
    "text": "Das sind einfach völlig normale Mitbürger und Mitbürger in unserem Land, wie viele Menschen mir schreiben oder die zu meinen Veranstaltungen, zu meinen Lesungen kommen und sagen, Sophia, ich vertraue den Leitmedien nicht mehr."
  },
  {
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    "end": 1483.14,
    "text": "Und ich versuche dann, sie in diesem Gefühl ernst zu nehmen und abzuholen, weil ich kann es in Teilen nachempfinden."
  },
  {
    "start": 1484.0,
    "end": 1501.32,
    "text": "Aber versuche Ihnen zu erklären, dass wir per se auch ganz tolle Leibmedien haben und dass man das nicht über einen Kamm scheren kann und dass da keiner von oben sitzt und sagt, ihr müsst so berichten, sondern dass auch dieses in Teilen Versagen der Medien auch multikausales und verschiedene Gründe hat."
  },
  {
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    "end": 1515.0,
    "text": "Und ich versuche dann eher in meiner Rolle eine Art Brücke zu sein und die Menschen da, wo sie sind, emotional abzuholen, ihnen zuzuhören, ihnen aber auch zu erklären, warum es Defizite gibt, warum es zu fehlern kommt und so weiter und so fort."
  },
  {
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    "text": "Und das ist ehrlicherweise so, das ist ja kleinteilig der Weg, aber das ist mein Weg, dass ich wirklich versuche, in echten persönlichen Gesprächen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und sie ein Stück zurückzuholen."
  },
  {
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    "text": "So, das ist das, was ich mit meiner Arbeit versuche, weil es ... mir wirklich unglaubliche Sorgen bereitet, zu sehen, wie viele Menschen in unserem Land sich nach und nach von dem Journalismus abwenden und dann eben auf Social Media gehen und dem TikTok-Video oder dem Instagram-Video mehr Glauben schenken oder irgendwelchen Akteuren, die im Gewand des Journalisten daherkommen und ihre Inhalte und in Teilen eben auch Propaganda und falsche Narrative ins Internet spülen und die Leute dann denen mehr glauben als den Leibmedien."
  },
  {
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    "end": 1572.58,
    "text": "Einen Satz noch, mir schreiben auch Leute, Sophia, ich glaube nur dir, du sagst die Wahrheit und ich denke mir um Gottes Willen."
  },
  {
    "start": 1572.94,
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    "text": "Ich will ja gar nicht diese Rolle haben, aber daran sehe ich das ja."
  },
  {
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    "end": 1589.62,
    "text": "Und dass ja auch was, was ihr in den USA sehen und immer mehr nach Deutschland kommt, diese Personen marken, dass man per einzelnen Leuten mehr Glauben geschenkt wird als dem Spiegel oder der Tagesschau, das ist ein riesiges Problem."
  },
  {
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    "text": "Mhm."
  },
  {
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    "text": "Ganz viele Anschlussfragen."
  },
  {
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    "end": 1594.46,
    "text": "Lange Exkurs."
  },
  {
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    "end": 1597.28,
    "text": "Fangen wir mit der ersten an und versuch die anderen nicht zu vergessen."
  },
  {
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    "end": 1605.2,
    "text": "Was mir da immer so ein bisschen Hoffnung macht tatsächlich, ist die Entwicklung im Podcastbereich."
  },
  {
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    "end": 1625.98,
    "text": "Weil man da ja schon merkt, dass Nachrichten Podcasts vor allem auch Persönliche Nachrichten-Podcasts immer mehr Reichweite gewinnen, auch wirklich auf einer sehr regelmäßigen Basis diese Reichweite halten können und da eben auch Raum ist mehr Kontext zu der Story zu geben."
  },
  {
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    "text": "Also nicht nur, okay, da war so und hier der, sondern auch zu sagen, okay, wie ist die Story entstanden?"
  },
  {
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    "text": "Was ist da drum herum passiert?"
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    "text": "Wer war irgendwie involviert?"
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  {
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    "text": "Wer kann das vielleicht noch zusätzlich einordnen?"
  },
  {
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    "text": "Und die Tatsache, dass sich Menschen das anhören, gibt mir dann wieder ein bisschen Hoffnung, dass wir ja doch da noch ein Potenzial da haben an Menschen, die ja nicht per se sagen Nachrichten sind doof und ich will mich damit gar nicht beschäftigen, weil es eh alles nicht war, sondern dass da ja durchaus noch eine Zielgruppe draußen irgendwo unterwegs ist, die vielleicht Heute keine Zeitung mehr in die Hand nehmen, um die jeden Tag zu lesen."
  },
  {
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    "text": "Oder auch generell sich vielleicht auch mit Text schwer tun, weil wir den ganzen Tag irgendwie Text konsumieren müssen."
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    "text": "Aber gerade im Audiobereich dann wieder zuhören."
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    "text": "Ich würde dem zustimmen."
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    "end": 1683.14,
    "text": "Ich glaube, es gibt ein unglaubliches Informationsinteresse."
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  {
    "start": 1683.88,
    "end": 1686.5,
    "text": "Und zwar über alle Schichten hinweg."
  },
  {
    "start": 1687.4,
    "end": 1706.86,
    "text": "Heute vielleicht sogar mehr als noch vor paar Jahren, eben weil die Welt und die politischen Geschehnisse so bewegt sind und es so einen großen Anteil in der Bevölkerung gibt, die sich auch wirklich damit beschäftigen und sich vielleicht vor paar Jahren ein endpolizierteres Leben gelebt haben, als die Zeiten auch noch ruhiger waren, ehrlicherweise."
  },
  {
    "start": 1707.18,
    "end": 1708.22,
    "text": "Ich würde das total bestätigen."
  },
  {
    "start": 1708.28,
    "end": 1712.32,
    "text": "Es gibt ein sehr großes Interesse an Informationen, an Nachrichten."
  },
  {
    "start": 1712.68,
    "end": 1720.56,
    "text": "Das Problem ist nur, wie kann man diese Menschen die sich sozusagen von dem Leitmedien-Diskurs abgekoppelt haben, zurückgewinnen."
  },
  {
    "start": 1720.64,
    "end": 1722.22,
    "text": "Und da hast du total recht."
  },
  {
    "start": 1722.34,
    "end": 1725.56,
    "text": "Podcast ist, glaube ich, ein sehr probates Mittel dafür."
  },
  {
    "start": 1726.36,
    "end": 1727.64,
    "text": "Zweite Anschlussfrage."
  },
  {
    "start": 1728.38,
    "end": 1734.2,
    "text": "Ich war vor anderthalb Wochen auf dem Geburtstag von einem guten Freund von mir in Hamburg."
  },
  {
    "start": 1734.32,
    "end": 1738.96,
    "text": "Und es war so ein ganzer Raum voll mit Medien und Kommunikationsmenschen."
  },
  {
    "start": 1739.68,
    "end": 1742.98,
    "text": "Und wir haben so eine kleine Show gemacht, um alle möglichen Themen ging."
  },
  {
    "start": 1744.84,
    "end": 1746.26,
    "text": "Stichwort Personenmarken."
  },
  {
    "start": 1747.14,
    "end": 1760.06,
    "text": "Es ging dann relativ schnell um die Frage, wie sich eben gerade diese Personenmarken entwickeln, auch in den USA, wenn wir Leute wie Tucker Carlson zum Beispiel anschauen und was sich da alles tut."
  },
  {
    "start": 1760.68,
    "end": 1778.92,
    "text": "Und gleichzeitig, wenn man aber auf den deutschen Markt schaut, ist eigentlich zum Glück gerade in dem rechten Spektrum bisher keine wirklich starke Reichweiten, starke und und und regelmäßig sichtbare Stimme mit hoher Reichweite gibt."
  },
  {
    "start": 1779.82,
    "end": 1786.4,
    "text": "Und das ja eigentlich irgendwie nur eine Frage der Zeit ist, bis da irgendwo jemand mal plötzlich diese Rolle einnimmt."
  },
  {
    "start": 1786.6,
    "end": 1808.72,
    "text": "Wie groß siehst du denn da die Gefahr, dass das diesem ganzen rechten Spektrum, inklusive auch Parteien wie der AfD, dann nochmal wirklich den Schub gibt, der vielleicht da gerade noch fehlt, um das ganze Ja, wirklich zu einer ja guten Gefahr ist es natürlich heute schon, aber das Ganze nochmal anzuschieben."
  },
  {
    "start": 1809.5,
    "end": 1831.84,
    "text": "Also ich bin dann kein Experte, denn ich habe mich natürlich viele Jahre mit der neuen Rechten und der AfD immer wieder beschäftigt, indem ich auf Demonstrationen war, teilweise auch Undercover unterwegs war, zum Beispiel bei Kompakt, also mit diesen Akteuren der neuen Rechten und da gibt es ja schon so... Ich würde das nicht sagen Personenmarken, aber Akteure, die wir schon sehr lange sehen und beobachten, wie zum Beispiel ein Jürgen Elsässer, der Chef von Kompakt."
  },
  {
    "start": 1831.88,
    "end": 1839.68,
    "text": "Das sind auch Leute, die mir in all den Jahren, denen ich auch auf der Straße unterwegs war, immer und immer wieder begegnet bin."
  },
  {
    "start": 1840.26,
    "end": 1850.3,
    "text": "Das sind jetzt nicht diese klassischen Personenmarken, wie du es gerade gesagt hast, aber ... Ich glaube, es gibt da schon Leute, die wirklich große Reichweite haben, sehr im Fokus stehen."
  },
  {
    "start": 1850.72,
    "end": 1854.24,
    "text": "Nehmen wir Jürgen Elser von Compact, der hat sich in Medienimperium schon aufgebaut."
  },
  {
    "start": 1854.3,
    "end": 1874.48,
    "text": "Der hat einen TV-Sender, der hat Merchandise, der hat einen Printmagazin, der hat eine Online-Seite und das sind schon Parallelstrukturen im medialen Diskurs, die sich da aufgebaut haben, die in diesem gewissen Klientel die Deutungshoheit haben, aber durch den in Teilen bürgerlichen Anstrich."
  },
  {
    "start": 1875.06,
    "end": 1886.36,
    "text": "auch Menschen aus der bürgerlichen Mitte oder aus dem bürgerlichen eher rechtskonservativen Spektrum anziehen, weil sie eben diesen vermeintlich ungefährlichen Anstrich haben."
  },
  {
    "start": 1887.18,
    "end": 1898.58,
    "text": "Ich glaube, die Geschichte lehrt uns, dass der Blick in die USA schon auch immer ein sehr konkreter Vorbote dafür ist, wie sich unsere Gesellschaft und wie sich bei uns diese Diskurse entwickeln."
  },
  {
    "start": 1899.1,
    "end": 1902.54,
    "text": "Sprich, ich sehe dann... total große Gefahr."
  },
  {
    "start": 1902.64,
    "end": 1911.16,
    "text": "Also ich glaube ehrlicherweise, wir sind schon mittendrin und diese Akteure werden sich höchstwahrscheinlich auch bei uns nach und nach rausbilden mit der entsprechenden Reichsweite."
  },
  {
    "start": 1912.08,
    "end": 1930.42,
    "text": "Wenn du jetzt in solchen Krisen und Kriegsgebieten unterwegs bist und dort Menschen triffst, die auch sehr viel Leid erfahren haben, in teilweise aussichtslosen Situationen stecken, alles verloren haben und nicht so recht wissen, wie es weitergeht."
  },
  {
    "start": 1931.56,
    "end": 1933.04,
    "text": "Wie gehst du denn davor?"
  },
  {
    "start": 1933.24,
    "end": 1944.58,
    "text": "Also es ist ja wahnsinnig komplex, weil auf der einen Seite stehen da Menschen vor dir, die natürlich wahnsinnig emotionalisiert sind durch all das, was sie erlebt haben."
  },
  {
    "start": 1945.46,
    "end": 1957.28,
    "text": "Du ja aber trotzdem am Ende des Tages eine objektive Sicht darauf haben musst und... das Ganze auch einordnen muss in den Gesamtkontext von dem, was da überhaupt passiert ist und so weiter."
  },
  {
    "start": 1957.8,
    "end": 1965.78,
    "text": "Also wie schaffst du es da auch diese Distanz irgendwo zu warnen und am Ende objektiv berichten zu können?"
  },
  {
    "start": 1966.62,
    "end": 1967.66,
    "text": "Das ist eine große Frage."
  },
  {
    "start": 1969.48,
    "end": 1977.84,
    "text": "Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob es wirklich objektivität gibt, weil jeder Reporter, jeder Journalist auch ein Mensch ist."
  },
  {
    "start": 1978.04,
    "end": 1998.28,
    "text": "Ich glaube, ich würde sogar so weit gehen, dass in der eigentlich neutralsten journalistischen Formen der Nachricht, sogar wenn die jemand aufschreibt, ein Journalist, sogar die gar nicht zu hundert Prozent objektiv sein kann, weil sie ja von einem Individuum mit gewissen Ansichten aufgeschrieben wurde."
  },
  {
    "start": 1999.06,
    "end": 2005.5,
    "text": "Das ist eine sehr grundsätzliche Frage, aber ich glaube dieses, wir sind zu hundert Prozent objektiv gibt es eigentlich nicht."
  },
  {
    "start": 2006.24,
    "end": 2015.88,
    "text": "Plus, ich bin ja jemand dem, auch immer wieder gesagt, würde ich hätte zu viel Haltung oder ich würde mich zu sehr mit einer Sache gemein machen."
  },
  {
    "start": 2016.72,
    "end": 2047.7,
    "text": "Und da muss ich dir ganz ehrlich sagen, wenn es darum geht, machtkritisch zu sein, was Journalismus immer sein muss, wenn es darum geht, Unverhandelbares wie Menschenrechte, Kinderrechte, Frauenrechte, Menschenwürde, humanitäres Völkerrecht, dafür die Fahne hochzuhalten und zu sagen, Das ist das Fundament von allem und damit mache ich mich gemein, dann würde ich das zu hundert Prozent unterschreiben."
  },
  {
    "start": 2048.56,
    "end": 2061.5,
    "text": "Wenn ich mit Menschen vor Ort spreche, versuche ich erstmal diesen Menschen als Mensch zu begegnen und eben nicht von oben herab und versuche eine echte Bindung aufzubauen."
  },
  {
    "start": 2062.12,
    "end": 2065.76,
    "text": "In meiner Arbeit geht es vor allem darum, diese Realitäten sichtbar."
  },
  {
    "start": 2066.199,
    "end": 2066.6,
    "text": "zu machen."
  },
  {
    "start": 2066.98,
    "end": 2073.42,
    "text": "Klar, es gibt auch andere Situationen, wo ich nicht mit Zivilisten spreche, die Schlimmes erlebt haben oder im Kriegskontext aushalen."
  },
  {
    "start": 2073.5,
    "end": 2085.76,
    "text": "Ich habe natürlich auch mit, ich glaube, ein ganz gutes Beispiel ist mit Taliban gesprochen oder mit der Hamas, mit dem islamischen Jihad oder auch mit Kriegsparteien in anderen Kriegskontexten."
  },
  {
    "start": 2086.639,
    "end": 2096.699,
    "text": "Und da sind natürlich dann andere journalistische Herangehensweisen gefraht, als wenn ich mit einem kleinen Kind in der Lappo spreche, das mir einfach nur erzählt, wie es sich fühlt."
  },
  {
    "start": 2096.78,
    "end": 2099.4,
    "text": "Also ich glaube, das darf man dann auch einfach erst mal so stehen lassen."
  },
  {
    "start": 2100.5,
    "end": 2118.6,
    "text": "Wenn du da in diesen Regionen unterwegs bist und mit, ich sage jetzt mal bewusst, ganz normalen Menschen sprichst, die eigentlich damit nichts zu tun haben möchten, also im Sinne von, die haben sich den Krieg nicht ausgesucht, die wollten eigentlich nur ein normales Leben führen."
  },
  {
    "start": 2118.66,
    "end": 2130.04,
    "text": "Wenn du mit diesen Menschen sprichst, wie gut verfängt bei denen denn diese diese auch allgegenwärtige Propaganda der jeweiligen Kriegspartei?"
  },
  {
    "start": 2130.94,
    "end": 2131.58,
    "text": "oder sind die?"
  },
  {
    "start": 2132.24,
    "end": 2132.36,
    "text": "also?"
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    "end": 2137.44,
    "text": "es ist jetzt eine sehr verallgemeinende Frage ich weiß aber wie ist da dein eindruck?"
  },
  {
    "start": 2137.6,
    "end": 2151.98,
    "text": "also wenn du mit diesen menschen sprichst sind die sehr beeinflusst von der jeweiligen Propaganda der region in der sie unterwegs sind oder sind die eigentlich überhaupt nicht politisiert."
  },
  {
    "start": 2152.86,
    "end": 2158.1,
    "text": "Das ist eine sehr allgemeine Frage, weil ich glaube, das ist auch sehr regions- und konfliktabhängig."
  },
  {
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    "text": "Ich glaube, dass ich in zwei Richtungen entwickeln kann."
  },
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    "end": 2170.72,
    "text": "Ich glaube, oder was ich erlebt habe, es gibt zum einen die Menschen, die komplett endpolitisiert sind, aufgrund dessen, dass sie einfach nur ums Überleben kämpfen."
  },
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    "start": 2171.08,
    "end": 2176.0,
    "text": "Also die haben gar nicht, das ist wirklich kontextabhängig, gar nicht den Raum."
  },
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    "end": 2185.8,
    "text": "In ganz praktischen Sinne sich mit den großen Fragen der Politik und der Kriegsführung und das, was hier passiert, auseinanderzusetzen, weil es einfach darum geht, zu überleben."
  },
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    "end": 2199.04,
    "text": "Es geht einfach darum, zu überleben und jeden Tag zu gucken, dass man genug Essen hat, dass man Essen für die Kinder hat, dass man an einem Ort ist, wo man eben nicht der Gefahr ausgesetzt ist, von der Rakete getötet zu werden."
  },
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    "text": "Das ist das eine, was ich erlebt habe."
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    "end": 2210.96,
    "text": "Ich habe es natürlich auch erlebt, dass Menschen gar nicht, wenn man Fragen in die Richtung stellt, gar nicht darüber sprechen wollen, auch aus einer Angst heraus, logischerweise."
  },
  {
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    "end": 2219.56,
    "text": "Als ich in Syrien unterwegs war, damals, im Jahr zwei Tausend neunzehn, da war ich undercover, also ohne journalistisches Visum in Syrien, in Assad-Gebiet."
  },
  {
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    "end": 2225.5,
    "text": "Und da hieß es immer, in Syrien haben die Wände Ohren."
  },
  {
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    "text": "Ich war bei einer Familie und habe nur mit den Kindern gesprochen."
  },
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    "text": "Und auch nur, wie ist es hier im Krieg?"
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    "text": "Was hast du erlebt?"
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    "end": 2235.5,
    "text": "Es war null, null politisch."
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    "end": 2241.18,
    "text": "Und sogar da wurde mir erklärt, dass diese Kinder Angst haben, überhaupt was zu sagen."
  },
  {
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    "text": "Die Eltern haben sich damals komplett geweigert, vor der Kamera zu sprechen."
  },
  {
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    "end": 2254.98,
    "text": "Und mir ging es nicht um Politik, mir ging es nicht um Assad, mir ging es nicht um Kriegsparteien, mir ging es nicht um das große Ganze, sondern einfach um die humanitären Geschichten der Menschen."
  },
  {
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    "end": 2262.76,
    "text": "Und die Angst war riesig, riesig in irgendeinem dieser Folterkeller von Assad zu landen."
  },
  {
    "start": 2263.62,
    "end": 2280.18,
    "text": "Und ich glaube, oft kann man deswegen als Journalist gar nicht so genau sagen, wie politisiert ist der Mensch gerade, was denkt er wirklich, welche Ängste hat er, beschäftigt er sich überhaupt damit, weil die Menschen je nach Kontext oft gar nicht darüber freisprechen können."
  },
  {
    "start": 2280.22,
    "end": 2290.8,
    "text": "Und ich glaube, das gehört auch zur Wahrheit, dass wir Journalisten es oftmals ... gar nicht so genau wissen können, aber ein Gefühl dafür haben, was da gerade abläuft."
  },
  {
    "start": 2291.78,
    "end": 2301.96,
    "text": "Du hast gerade schon erzählt, du führst auch hin und wieder Interviews mit Menschen, die ja eher auf der, ich sage jetzt im Pauschal, feindes Seite sind."
  },
  {
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    "end": 2305.76,
    "text": "Also wenn wir zum Beispiel über Hammersführer sprechen."
  },
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    "start": 2306.72,
    "end": 2308.72,
    "text": "Wie gehst du in solche Gespräche rein?"
  },
  {
    "start": 2308.8,
    "end": 2318.18,
    "text": "Weil dir ist ja wahrscheinlich klar, dass da natürlich vorher diese personen sich wahrscheinlich gedanken gemacht hat."
  },
  {
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    "text": "wie komme ich da jetzt mal eine propaganda am besten irgendwie platziert?"
  },
  {
    "start": 2322.6,
    "end": 2329.4,
    "text": "wie schaffe ich es dass mich diese person auf gar keinen fall irgendwie eine situation lockt wo ich was sage was ich nicht sagen darf?"
  },
  {
    "start": 2329.54,
    "end": 2338.76,
    "text": "also die leute sind ja wahrscheinlich auf das gespräch mit dir a von vorne bis hinten vorbereitet und b ja."
  },
  {
    "start": 2338.9,
    "end": 2348.28,
    "text": "Es ist auch die Frage, ob man dann da eigentlich wirklich auch als Journalist in dieser Funktion so wirklich ernst genommen wird von diesen Menschen."
  },
  {
    "start": 2349.28,
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    "text": "Wie gehst du daran?"
  },
  {
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    "end": 2357.84,
    "text": "Also, vielleicht stellt man sich das von außen oft strukturierter vor, wie so ein Interview zustande kommt, als die Realität ist."
  },
  {
    "start": 2358.96,
    "end": 2364.78,
    "text": "Bei den Taliban war es bei jedem Interview so was völlig spontan jetzt oder nie."
  },
  {
    "start": 2365.86,
    "end": 2369.16,
    "text": "Ich glaube, die sich da als Groß drauf vorbereitet haben, war ich zu bezweifeln."
  },
  {
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    "end": 2386.12,
    "text": "Ich selber konnte mich teilweise gar nicht drauf vorbereiten, wenn es jetzt wirklich darum geht, dass man sich vorhin mal hinsetzt und sich decidiert überlegt, wie kann ich jetzt als Journalistin das perfekte Interview führen, um auf keinen Fall irgendeiner Propaganda auf den Leim zu gehen."
  },
  {
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    "end": 2391.36,
    "text": "Also dafür ist ehrlicherweise in solchen Extremsituationen gar nicht der Raum."
  },
  {
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    "end": 2394.36,
    "text": "Bei der Hamas war es tatsächlich ähnlich."
  },
  {
    "start": 2395.36,
    "end": 2399.64,
    "text": "in Libanon wochenlang versucht, mit dem Sprecher dort ein Interview zu bekommen."
  },
  {
    "start": 2400.5,
    "end": 2406.98,
    "text": "Sie haben immer abgelehnt, weil sie sagen, wir reden nicht mit westlichen Journalisten und schon gar nicht mit Journalisten aus Deutschland."
  },
  {
    "start": 2408.06,
    "end": 2415.54,
    "text": "Und dann hatte ich das irgendwann auch Adakta gelegt und ich hatte einen Kontakt, der mir eben geholfen hat, zu versuchen, dieses Interview zu bekommen."
  },
  {
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    "end": 2422.26,
    "text": "Und ich saß in einem Café in Beirut und auf einmal kam der Anruf, ja jetzt oder nie, so was."
  },
  {
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    "end": 2425.92,
    "text": "Ja, ich hole dich in eine halbe Stunde ab, er gibt dir jetzt ein Interview."
  },
  {
    "start": 2426.82,
    "end": 2428.84,
    "text": "So, und dann bin ich in dieses Interview."
  },
  {
    "start": 2429.76,
    "end": 2440.9,
    "text": "Ich glaube, diese Leute, gerade wenn das Menschen in Führungspositionen sind, die sind das gewohnt, solche Interviews zu geben, die wissen ganz genau, was sie sagen, wie sie sagen, was sie nicht sagen."
  },
  {
    "start": 2441.36,
    "end": 2446.74,
    "text": "Er hat damals spannenderweise darauf bestanden, dass meine Übersetzerin alles mitschreibt."
  },
  {
    "start": 2447.62,
    "end": 2460.3,
    "text": "und hat dann auch immer überprüft, ob sie es richtig aufgeschrieben hat, war gleichzeitig dazu bereit, dass ich alles aufnehme und hat auch nicht, was ja auch im deutschen Kontext mal so ist, auch nicht danach gefragt, dass er das vor der Veröffentlichung sehen möchte."
  },
  {
    "start": 2460.36,
    "end": 2462.76,
    "text": "Also ich konnte am Ende mit dem Gespräch machen, was ich wollte."
  },
  {
    "start": 2463.58,
    "end": 2475.4,
    "text": "Ich glaube, bei solchen Gesprächen ist es erstmal wichtig, ehrlicherweise, und zwar egal, ob mit Hamas oder anderen Akteuren dieser Art, die Zeit so gut wie möglich zu nutzen, die wenige Zeit, die man hat."
  },
  {
    "start": 2476.84,
    "end": 2480.54,
    "text": "Gespräch so aufzubauen, dass es nicht direkt nach der erste Frage abgebrochen wird."
  },
  {
    "start": 2480.86,
    "end": 2495.78,
    "text": "Also, ich glaube, da geht es eher wirklich darum, eine gute Strategie zu finden, denjenigen im Gespräch zu halten, ohne sofortigen Abbruch und an den richtigen Stellen die entscheidenden kritischen Fragen gestellt zu haben und in der Nachbearbeitung."
  },
  {
    "start": 2496.18,
    "end": 2497.66,
    "text": "Und das ist, glaube ich, ganz wichtig."
  },
  {
    "start": 2498.04,
    "end": 2501.5,
    "text": "Kann man dann im Text Propaganda einordnen."
  },
  {
    "start": 2501.9,
    "end": 2503.2,
    "text": "Das habe ich auch jeweils so gemacht."
  },
  {
    "start": 2504.0,
    "end": 2510.04,
    "text": "Es wurden Aussagen geäußert, die eindeutige Propaganda waren und dann hat man für den Leser das einmal eingeordnet."
  },
  {
    "start": 2510.4,
    "end": 2512.82,
    "text": "Und das ist dann für mich Journalismus."
  },
  {
    "start": 2513.08,
    "end": 2525.28,
    "text": "Nicht, nicht mit solchen Akteuren zu sprechen, sondern ein kritisches Interview zu führen, ein strategisch kluges Interview zu führen und das anschließend da, wo Falschaussagen getroffen wurden, sie ganz klar zu benennen."
  },
  {
    "start": 2526.12,
    "end": 2530.9,
    "text": "Man geht ja in so ein Gespräch, egal wie viel Objektivität man sich vornimmt."
  },
  {
    "start": 2531.68,
    "end": 2534.8,
    "text": "schon ja immer mit einem gewissen Bild auch rein im Kopf."
  },
  {
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    "end": 2547.96,
    "text": "Gab's denn Momente gerade in solchen Gesprächen, wo du wirklich überrascht warst, weil Dinge passiert sind oder diese Personen dann ganz anders war, als du es dir vielleicht vorher vorgestellt hast?"
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    "text": "Also ich glaube, dass durch all das, was ich erlebt habe, ich inzwischen schwer überrascht werde."
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    "text": "Ich glaube aber, wenn man von außen sich überlegt, oh mein Gott."
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    "text": "Sie führt ein Interview mit der Hamas, sich da Dinge im Kopf ausmalt, aus westlicher Perspektive, die mit der Realität gar nichts zu tun haben."
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    "text": "In dem Fall war das Funktionär, der da in seinem völlig normalen Büro hinterm Schreibtisch rumsitzt, mit einem Bauchansatz studiert hat, seit, weiß ich nicht, wie viele Jahrzehnten da unterwegs ist, wahrscheinlich das Büro noch nie verlassen hat und da Politik macht im Libanon."
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    "text": "Also es ist einfach... Das ist ja auch eine politische Partei, ohne es zu relativieren, sondern zu kontextualisieren."
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    "text": "Im Libanon ist die Hamas auch eine Partei."
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    "text": "Und das ist dann ein Interview mit so jemanden."
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    "text": "Also ich glaube, aus westlicher Brille denkt man sich vielleicht, da sind irgendwelche bewaffneten Typen mit einer AK, die den am besten auch noch sichern oder vom Gebäude stehen."
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    "text": "Nee, das war ein völlig stinknormales, langweiliges Bürogebäude, wo dieser Typ rum sitzt mit seinem Bauchansatz und mir ein Interview gegeben hat."
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    "text": "Wir haben am Anfang schon darüber gesprochen, dass das, was du machst, ja auch durchaus Gefahren mit sich bringt und du dich da manchmal in Situationen manövrierst, die ja vielleicht auch nicht immer ganz berechenbar sind."
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    "text": "Also ich kenne viele Menschen, die in Kriegs- und Krisengebieten unterwegs sind und Ich habe immer das Gefühl, da hat er ja jeder irgendwie aus so ein bisschen seinen Rucksack, den er mit sich rumträgt, aus all den Situationen, die man da so erlebt hat, egal ob super kritisch oder auch einfach super unplanbar vielleicht in der Situation."
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    "text": "Wie machst du das für dich, dass du da auch wirklich sagst, okay, bei all dem Job und bei all der Verantwortung, die da mit einhergeht, irgendwo muss ich auch darauf aufpassen, dass ich selber nicht irgendwie vor die Hunde gehe."
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    "text": "Also ich habe lange gar nichts auf mich aufgepasst, also sprich auf mein seelisches Wohlbefinden."
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    "text": "Ich habe in all den Jahren wahrscheinlich eher ein Leben gelebt, unter dem Motto höher, schneller weiter."
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    "text": "Ich bin schon auch eine Getriebene, ich bin auch eine Idealistin, ich bin eine Perfektionistin, das sind wahrscheinlich nicht so die besten Rahmenbedingungen, die dazu führen, dass man auf die Seele gut aufpassen würde."
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    "text": "habe in all diesen Jahren Dinge erlebt auf verschiedenen Ebenen, die Folgen für mich hatten."
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    "text": "Sei es diese jahrelange Demo-Berichterstattung, die einherging mit körperlichen Übergriffen, mit Beschimpfungen, mit digitaler Gewalt."
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    "text": "Ich habe immer polarisierte Themen besetzt, sprich AfD, Flucht, Migration."
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    "text": "Und das verbunden mit einer Sichtbarkeit als Reporterin vor der Kamera, verbunden mit Meinungen, die ich auch äußere."
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    "text": "Das war auch alles eine sehr toxische Mischung, die auch dazu geführt hat, dass ich Morddrohungen erhalte."
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    "text": "Plus die Erfahrungen in den Krisen- und Kriegsregionen, das sind ja auch nochmal zwei Ebenen."
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    "text": "Zum einen konfrontiert man sich mit traumatisierten Menschen und das hinterlässt auch Spuren."
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    "text": "Und man erlebt selber traumatisches Stichwort, wie zum Beispiel diese Raketenangriffe in Ukraine."
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    "text": "Und das war am Ende schon eine Gesamtgemengelage, wo ich es gemerkt habe, so geht es nicht, Sophia, du musst dir Pausen schenken."
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    "text": "Aber ich muss besser auf mich aufpassen."
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    "text": "Ich bin eher in der Lage mal zu sagen, auf den Zug springe ich jetzt nicht auf oder ich lege jetzt mal wirklich das Handy paar Stunden weg oder ich habe mir jetzt völlig verrückt gesagt, den kompletten Januar habe ich nichts angenommen."
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    "text": "Das glaube ich, dass noch nie mehr im Leben passiert, weil ich das Gefühl habe, ich habe jetzt dieses ... Buch geschrieben, ich war auf Lesetour, ich habe so viel erlebt in den letzten Monaten und Jahren und jetzt brauche ich mal ein paar Wochen eine kleine Pause."
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    "text": "und ich meine, die Geschichten hören ich auf, die Krisenkriege hören ich auf, es gäbe so viel zu erzählen, wo auch mein Herz teilweise brennt, ich bin da, muss ich jetzt hin, ich muss diese Geschichten erzählen."
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    "text": "Bar verlässt."
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