[
  {
    "start": 0.14,
    "end": 4.68,
    "text": "In der heutigen Ausgabe geht es um den Schlüsselbegriff einer philosophischen Schule bzw."
  },
  {
    "start": 5.12,
    "end": 13.02,
    "text": "Lebenspraxis, das sogenannte NICHT-Handeln chinesisch Wuwei im Daoismus und insbesondere in der Philosophie des Zhuangzi."
  },
  {
    "start": 13.24,
    "end": 21.4,
    "text": "Der Name ist zum einen der Titel eines Buches, zum anderen der eines Daoisten und bedeutet wörtlich übersetzt Meister Zhuang."
  },
  {
    "start": 22.14,
    "end": 33.4,
    "text": "Gemeintest damit Zhuangzu, der von threehundertneunundsechzig bis zweihundertsechsundachzig vor unserer Zeitrechnung lebte und über den historisch wenig gesichertes Wissen existiert."
  },
  {
    "start": 45.5,
    "end": 47.54,
    "text": "Das wenige, was klar ist lässt sich schnell sagen."
  },
  {
    "start": 47.74,
    "end": 47.8,
    "text": "ob."
  },
  {
    "start": 48.3,
    "end": 57.96,
    "text": "offenbar war Zhuangze ein umfassend gelehrter Mann der schon zu Lebzeiten für das nach ihm benannte Buch also das Zhuangse weit hin bekannt war."
  },
  {
    "start": 58.56,
    "end": 66.74,
    "text": "allerdings ist sich die Forschung heute weitgehend einig dass nur die ersten Sieben, der insgesamt dreiunddreißig Kapitel von ihm selbst geschrieben wurden."
  },
  {
    "start": 67.14,
    "end": 68.5,
    "text": "Die anderen jedoch von Schülern."
  },
  {
    "start": 68.7,
    "end": 78.46,
    "text": "mit geschickt gelang es ihm trotz seiner Bekanntheit damals sich den Machtspielen von Königen und Fürsten zu entziehen und ein eher zurückgezogenes Leben als Gärtner zu führen."
  },
  {
    "start": 79.14,
    "end": 85.22,
    "text": "Diese Lebensweise passt zu einem Aspekt seiner Philosophie, der für ihn ganz zentral war."
  },
  {
    "start": 85.6,
    "end": 90.54,
    "text": "Und zwar die Bewahrung innerer und äußerer individueller Freiheit."
  },
  {
    "start": 92.48,
    "end": 104.84,
    "text": "offenbar bereits zu Lebzeiten eben für sein Buch und die treffenden Gleichnisse und frontierten, zurweilen Paradoxenformulierungen mit deren Hilfe er etablierte Denkgewohnheiten sprengen und die Perspektive erweitern wollte."
  },
  {
    "start": 105.4,
    "end": 117.9,
    "text": "So dass etwas in den Blick gerät das in seinen Augen die Grundlage und das Prinzip allen Lebens ist und Menschen, Lebewesen Dinge und Natur verbindet nämlich Das Dao übersetzt der Weg."
  },
  {
    "start": 118.46,
    "end": 119.82,
    "text": "doch wie geht man diesen Weg?"
  },
  {
    "start": 119.9,
    "end": 120.72,
    "text": "Wie findet man ihn?"
  },
  {
    "start": 121.24,
    "end": 125.62,
    "text": "Eine der Antworten auf beide Fragen lautet durch Nicht-Handeln."
  },
  {
    "start": 126.04,
    "end": 132.56,
    "text": "Ein Begriff, der vor allem im westlichen Kontext immer wieder zu fragen und zu Wallen auch zur Häme geführt hat."
  },
  {
    "start": 132.7,
    "end": 136.3,
    "text": "Das sollte man in Zeiten der Krise nicht tun – nicht zu handeln!"
  },
  {
    "start": 136.9,
    "end": 139.26,
    "text": "Doch was hat Juncle eigentlich gemeint?"
  },
  {
    "start": 143.7,
    "end": 145.4,
    "text": "Die Matrix unserer Begriffe?"
  },
  {
    "start": 145.98,
    "end": 156.02,
    "text": "Wir alle leben notgedrungen mit Modellen, Definitionen, begrifflichem Beschreibung, Denkonstrukten... ...die es ja uns ermöglichen uns im Alltag zurechtzufinden."
  },
  {
    "start": 156.08,
    "end": 161.9,
    "text": "Und darüber hinaus erlauben sie es, auch Fragen zu stellen die über den Tellerrand des Alltags hinausgehen."
  },
  {
    "start": 162.2,
    "end": 174.82,
    "text": "Manche Begriffe aber wie das Gute sein Ich Natur Gott Geist verführen uns geradezu solche Fragen zu Stellen um andere Fragen dann glauben wir beantworten zu können."
  },
  {
    "start": 175.06,
    "end": 177.4,
    "text": "Frage wie die, wer wir eigentlich sind."
  },
  {
    "start": 178.0,
    "end": 182.96,
    "text": "Wie die Natur funktioniert oder wie wir in unserer Gesellschaft gut miteinander leben können?"
  },
  {
    "start": 183.16,
    "end": 195.1,
    "text": "All das bearbeiten wir mithilfe von Modellen, die wir dann mit Hilfe der Logik unserem Verstand der Sprache und natürlich auch mit Erfahrungen wieder zusammenbauen."
  },
  {
    "start": 195.32,
    "end": 208.6,
    "text": "Manchmal türmen sich dann Begriffe zu komplexen Theorien auf, wir denken uns Modelle aus über uns selbst, über die Wirklichkeit und hoffen sie im Idealfall das Werdern Wissenschaft mathematisch formalisieren zu können."
  },
  {
    "start": 208.86,
    "end": 220.9,
    "text": "Gerade weil Wissenschaften so entscheidend geworden sind sehen wir oft gar nicht dass in vielen Fällen faktisch Misslingen solche Modelle zu bauen, sondern auch misslingen muss."
  },
  {
    "start": 221.04,
    "end": 221.3,
    "text": "Warum?"
  },
  {
    "start": 221.74,
    "end": 226.98,
    "text": "Paradebeispiel dafür ist die Frage nach dem was Bewusstsein ist oder das gute Leben."
  },
  {
    "start": 227.52,
    "end": 230.74,
    "text": "Es gibt nicht nur ein Modell das zu beantworten, sondern viele."
  },
  {
    "start": 231.42,
    "end": 245.84,
    "text": "um zu überleben also die Dinge auch zu ordnen und uns in unübersichtlichen Situationen zurechtfinden zu können haben wir eine Welt der Worte Modelle erfunden, eine Matrix des Denkens und der Vorstellung."
  },
  {
    "start": 245.98,
    "end": 252.0,
    "text": "Und häufig glauben wir dass das was wir uns da denken auch tatsächlich so sei wie wir denken!"
  },
  {
    "start": 252.44,
    "end": 254.38,
    "text": "Wir sind überzeugt dass unsere Begriffe d.h."
  },
  {
    "start": 254.62,
    "end": 266.6,
    "text": "also unsere gedanklichen Formen die Wirklichkeit akkurat abbildet und dabei sind viele unserer Gedanken nichts anderes als Etiketten, kleine Zettel mit was draufgegritzelt."
  },
  {
    "start": 267.04,
    "end": 275.62,
    "text": "Die wir auf Dinge, auf unsere Gefühle, auf zuständige Prozesse kleben im Glauben sie auf diese Weise verstehen und besser steuern zu können."
  },
  {
    "start": 275.82,
    "end": 276.04,
    "text": "Zack!"
  },
  {
    "start": 276.5,
    "end": 286.46,
    "text": "Wie schwierig oder sogar unmöglich das ist merken wir vor allem dann wenn wir versuchen Prozessen Also Bewegungen werden mit einem solchen haltbaren Label zu versehen."
  },
  {
    "start": 286.94,
    "end": 289.26,
    "text": "Das Wesen von Prozessen ist ja gerade sich zu verändern."
  },
  {
    "start": 290.1,
    "end": 298.76,
    "text": "Begriffe bauen jedoch darauf auf, sich möglichst nicht zu verändern, stabil zu bleiben und das macht es schwer, Prozesse mit begrifflichen Labels zu beschreiben."
  },
  {
    "start": 299.04,
    "end": 314.9,
    "text": "Der Film Matrix lebte von der Überzeugung auf eine erzählerisch filmische Art und Weise zu zeigen dass unsere Modelle der Welt die wir virtuell errichten und in denen wir leben eben doch nicht das richtige Leben sind."
  },
  {
    "start": 315.02,
    "end": 328.1,
    "text": "Im Gegenteil, je stärker wir an der Matrix kleben umso mehr hindert sie uns daran die Wirklichkeit zu erkennen und richtig zu leben auch wenn dieses richtige Leben und das versucht der Film ja so zeigen prekär und gefährlich sein kann."
  },
  {
    "start": 328.2,
    "end": 340.72,
    "text": "was mit Denken bestimmt entscheidend wie wir uns in Bezug auf unsere Beziehung zur anderen Menschen zu Dingen zur Natur verhalten Was zur Frage führt Wie denn dass ideale richtige handeln aussehen soll."
  },
  {
    "start": 341.0,
    "end": 348.4,
    "text": "Diese Frage wird offenbar nicht nur innerhalb der westlichen Philosophien unterschiedlich beantwortet, sondern auch ganz verschieden in verschiedenen Kulturen."
  },
  {
    "start": 348.58,
    "end": 364.9,
    "text": "Aber nicht nur Matrix war vom Buddhismus und Daoismus beeinflusst – die Auseinandersetzung mit fernöstlichen Philosophen noch vor ein paar Jahrzehnten völlig esoterisch war, gehört inzwischen zum Kernbestand aktueller philosophischer Debatten."
  },
  {
    "start": 365.16,
    "end": 367.72,
    "text": "Insbesondere wenn's um Kaisysteme geht!"
  },
  {
    "start": 367.96,
    "end": 376.18,
    "text": "Nun gibt es Bereiche der Wirklichkeit, in denen wir pragmatisch und weitgehend damit auch unabhängig von Kultur und Sprache an die Dinge herangehen."
  },
  {
    "start": 376.6,
    "end": 387.44,
    "text": "Wenn ich gelernt habe was ein Hammer ist und was ein Nagel is und was eine Wand iß werde ich in Ost und West den Nagel auf nahezu identische Weise in die Wand schlagen."
  },
  {
    "start": 388.58,
    "end": 391.32,
    "text": "Die Wege, Weg heißt ja im chinesischen Dao."
  },
  {
    "start": 391.98,
    "end": 394.62,
    "text": "Das zu tun ähneln sich extrem!"
  },
  {
    "start": 394.96,
    "end": 397.32,
    "text": "Es liegt sozusagen in der Hand mit Hammer und Nage."
  },
  {
    "start": 397.98,
    "end": 413.82,
    "text": "Und das wiederum liegt daran könnte man sagen dass die Wirklichkeit unseren Vorstellungen auf eine Weise einen konstant erscheinenen Widerstand entgegenbringt den dazu führt dass ein Hammer und eine Sägel eben anders verwendet werden."
  },
  {
    "start": 414.08,
    "end": 417.58,
    "text": "Objekt ist das was uns wörtlich übersetzt entgegend."
  },
  {
    "start": 419.24,
    "end": 426.56,
    "text": "In gewisser Weise schreiben uns also die Gegebenheiten der Dinge und nach die Natur vor, wie wir mit ihnen umgehen müssen."
  },
  {
    "start": 426.72,
    "end": 427.78,
    "text": "Mit Mama kann man nicht sehen!"
  },
  {
    "start": 428.42,
    "end": 429.86,
    "text": "Und das lässt sie auch nicht einfach umgehen."
  },
  {
    "start": 430.6,
    "end": 434.28,
    "text": "Wer es dennoch versucht läuft in der Regel Gefahr sich zu verletzen bzw."
  },
  {
    "start": 434.74,
    "end": 440.14,
    "text": "sich in immer größer werdende Probleme zu verstricken – Beispiel Klimanotstand."
  },
  {
    "start": 448.86,
    "end": 455.78,
    "text": "Wie aber verhält es sich mit Prozessen, die wir zu Steuern versuchen und gestalten müssen ohne sie überblicken zu können?"
  },
  {
    "start": 456.42,
    "end": 469.02,
    "text": "In den westlichen Entscheidungstheorien – die in der Wirtschaftswissenschaft, der Psychologie oder auch der Philosophie entwickelt wurden – spricht man von bounded rationality begrenzter Rationalität."
  },
  {
    "start": 469.26,
    "end": 477.14,
    "text": "Gemeinde ist damit dass unser Wissen die Informationen, die Wir über uns, die Dinge und ihre Wirksamkeit haben begrenzt und endlich sind."
  },
  {
    "start": 477.22,
    "end": 481.78,
    "text": "Wir können die Folgen dessen, was wir tun daher oft nicht überblicken."
  },
  {
    "start": 481.98,
    "end": 488.74,
    "text": "das war bei der Einführung zum Beispiel des iPhones genauso wie jetzt bei der einführung der ersten öffentlich zugänglichen kis."
  },
  {
    "start": 489.02,
    "end": 506.72,
    "text": "im westen reagieren wir in der regel auf dieses problem so dass wir mit noch mehr wissen noch mehr technologie noch mehr information hoffen genauere modelle bauen zu können und unser handeln dann exakt und kleinteilig entsprechend dieser Modelle zu planen."
  },
  {
    "start": 507.34,
    "end": 519.799,
    "text": "Und trotzdem, ich meine das wisst ihr, trotzdem geht vieles und oft auch entscheidendes Schief im Leben von jedem von uns genauso wie bei der Deutschen Bahn und diversen Großprojekten oder in internationalem Beziehung."
  },
  {
    "start": 520.2,
    "end": 526.74,
    "text": "zum Thema komplexe Projekte bewältigen gibt es übrigens bereits eine Ausgabe in meinem Kanal."
  },
  {
    "start": 527.1,
    "end": 534.56,
    "text": "Es gibt aber noch ne andere Lösung die aus westlicher Perspektive Zunächst mal geradezu verrückt und gefährlich zu sein scheint."
  },
  {
    "start": 534.68,
    "end": 547.1,
    "text": "Und im Dauismus eben Wu Wei genannt wird, meist als nicht handeln oder nicht tun übersetzt – im Englischen häufig als inaction also angelehnt an das Wort inaktiv nicht handelt."
  },
  {
    "start": 554.96,
    "end": 567.7,
    "text": "Historisch scheint es so zu sein, dass Wu Wei sich als Begriff bereits in der sogenannten Frühlings- und Herbstperiode – das war zwischen siebenhundertzebten etwa vierhundertachzig vor unserer Zeitrechnung – langsam zu etablieren begann."
  },
  {
    "start": 568.22,
    "end": 576.32,
    "text": "Die genaue Bedeutung etwa beim Vorkommen im sogenannten Buch der Lieder ist bis heute umstritten."
  },
  {
    "start": 576.64,
    "end": 585.16,
    "text": "Fassbar wird der Begriff dann bei Confucius, der vermutlich von Fünfhundertfünfzig vor unserer Zeitrechnung bis vierhundertneunzebzig lebte."
  },
  {
    "start": 585.34,
    "end": 595.44,
    "text": "Die stellen in Loniou den Gesprächen oder Analekten des Konfucius und berühmt, da heißt es selten sind die, die die Wirklichkeit kennen."
  },
  {
    "start": 596.22,
    "end": 597.84,
    "text": "Wer regierte durch Nichthandeln?"
  },
  {
    "start": 598.34,
    "end": 599.52,
    "text": "war das nicht Schuh?"
  },
  {
    "start": 600.24,
    "end": 601.12,
    "text": "Und was tat er?"
  },
  {
    "start": 601.76,
    "end": 606.28,
    "text": "Er machte sich selbst eher bietig und saß mit dem Gesicht nach Süden – das war alles!"
  },
  {
    "start": 606.82,
    "end": 615.88,
    "text": "Okay, dazu muss man wissen Schuh ist einer dieser mythischen Ur-Kaiser und die Pörnte von dem Ganzen ist nicht Verwaltung sondern Ausstrahlung Richtung Süden."
  },
  {
    "start": 616.34,
    "end": 622.26,
    "text": "Er wirkte durch das was er isst, nicht durch das, was er anordnete Befall oder eine Theorie gefasst hat."
  },
  {
    "start": 622.44,
    "end": 628.6,
    "text": "Das konfuzianische Wort dafür ist D Die Wirkkraft, die manchmal auch mit Tugend übersetzt wird."
  },
  {
    "start": 629.28,
    "end": 635.5,
    "text": "Nicht handeln heißt hier also so beschaffen sein dass sich die Dinge um einen herum wie von alleine ordnen."
  },
  {
    "start": 635.7,
    "end": 640.96,
    "text": "Bis heute wird darüber gestritten, ob Konfuzius bereits vom Dauismus beeinflusst war."
  },
  {
    "start": 641.66,
    "end": 651.68,
    "text": "Anzunehmen ist jedenfalls das die Praxis der Körperübungen – wie Artentechnik aber auch Meditationen, die es gibt – der Entstehung der Texte und Schulen zeitlich vorausging."
  },
  {
    "start": 652.0,
    "end": 663.34,
    "text": "Zu einer Art Strategie-und Verwaltungstechnik wird Wuwei aber erst bei einer ganz anderen Schule und zwar sind das erklärte Gegner des Konfusionismus."
  },
  {
    "start": 663.78,
    "end": 674.14,
    "text": "Die sogenannten Legalisten, allen voran Hanfesie im dritten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung übernehmen den Begriff des Nichthandels und deuten ihn strategisch und politisch."
  },
  {
    "start": 674.64,
    "end": 678.7,
    "text": "Der Herrscher soll nichts tun damit der Apparat arbeiten kann!"
  },
  {
    "start": 678.9,
    "end": 687.52,
    "text": "Er verrät seine Absichten nicht, er greift nicht ein, er lässt die Beamten sich an ihren eigenen Ankündigungen Messen, also der Apparat verselbstständigt sich mit anderen Worten."
  },
  {
    "start": 687.98,
    "end": 691.14,
    "text": "Das ist gewissermaßen das Prinzip der Kontrolle durch Unsichtbarkeit."
  },
  {
    "start": 691.78,
    "end": 697.76,
    "text": "Historisch war und ist es die Variante, die als Regierungspraxis dann in China Karriere gemacht hat."
  },
  {
    "start": 698.44,
    "end": 715.94,
    "text": "Erst der Daoismus weitet den Begriff des Nicht-Handels über das politische Strategische hinaus auf, wobei zielt ganz allgemein auf die Ausrichtungen von Handlungen und Absichten den Gang der Dinge, könnte man sagen."
  },
  {
    "start": 716.74,
    "end": 725.38,
    "text": "Damit verbieten sich sowohl der Einsatz von Gewalt gegen die Ordnung der Natur wie auch die Eile oder Vorschnelles Handeln."
  },
  {
    "start": 725.62,
    "end": 740.9,
    "text": "Das daroistische Nichthandel geht dabei erstaunlich modern und durchaus in Analogie zum heutigen Konzept der Bounded Rationality davon aus dass das was uns als Menschen begleitet immer auch ein tiefes Nichtwissen ist."
  },
  {
    "start": 741.32,
    "end": 749.58,
    "text": "einfach deshalb weil wir uns überkomplexen Weitenuniversum nicht überall gleich gut auskennen können und an manchen Stellen überhaupt nicht."
  },
  {
    "start": 749.78,
    "end": 759.22,
    "text": "Die Kultivierung des Nichtwissens, die Teil der Taoistischen Praxis ist ermöglicht aber eine Einstimmung und ein Vertrautwerden mit dieser Wirklichkeit."
  },
  {
    "start": 759.96,
    "end": 772.48,
    "text": "Diese Vertrauteil durch persönlichen Umgang kann von größerer Bedeutung sein als alles Ansammeln von Theorien, Wissen, Information – und genau daraus erwächst das Konzept des Nichthandels!"
  },
  {
    "start": 772.98,
    "end": 777.06,
    "text": "Nicht zu handeln, klingt ja nach einem merkwürdigen Vorschlag."
  },
  {
    "start": 777.3,
    "end": 781.3,
    "text": "Und noch merkwürdiger wenn man mal nachliest was damit gemeint war."
  },
  {
    "start": 781.66,
    "end": 789.64,
    "text": "Im achttundvierzigsten Kapitel des Daoji Jing heißt es wer sich um Gelehrsamkeit bemüht nimmt täglich zu."
  },
  {
    "start": 790.38,
    "end": 799.8,
    "text": "Wer sich um das Dao-Bemüt nimmt täklich ab Vermindert und vermindert bis er dahin kommt nicht mehr einzugreifen nichts mehr zu tun."
  },
  {
    "start": 800.7,
    "end": 808.12,
    "text": "Das klingt geradezu auf gefährliche Weise dumm und auch riskant, aber dann kommt folgender Nachsatz."
  },
  {
    "start": 808.36,
    "end": 811.4,
    "text": "Das Nichtstun lässt nichts umgetan!"
  },
  {
    "start": 812.36,
    "end": 812.92,
    "text": "Warum das?"
  },
  {
    "start": 813.4,
    "end": 820.92,
    "text": "Weil es sich im Einklang mit den Dingen entwickelt die sich wiederum ja auch unabhängig von uns eigenständig entwickeln."
  },
  {
    "start": 821.06,
    "end": 828.98,
    "text": "weniger tun weniger sein wollen ist daher der Rat des Daulismus dass aber scheint ein problematischer Selbstwiderspruch zu sein."
  },
  {
    "start": 829.32,
    "end": 832.8,
    "text": "Wenn ich nicht wissen kultiviere, wie auch immer das gehen soll?"
  },
  {
    "start": 833.1,
    "end": 834.18,
    "text": "Dann tue ich ja etwas!"
  },
  {
    "start": 834.66,
    "end": 846.06,
    "text": "Ich habe einen Ziel nämlich aus Nicht-Wissen irgendwie was zu machen und ich hab' einen Verfahren oder eine Magevorstellung davon, wie alles aussieht wenn das mal geklappt hat mit meinem Nicht- Wissen."
  },
  {
    "start": 846.4,
    "end": 863.36,
    "text": "Damit bin ich exakt wieder da wo Nobelpreisträger Herbert Simon war als er die begrenzte Rationalität beschrieb bei einem Akteur der seinen Vorgehen an seine Lage jeweils anpasst und Lage heißt, an die Wirksamkeit der Dinge um ihn herum."
  },
  {
    "start": 863.74,
    "end": 868.58,
    "text": "Simon Schuf dafür ein eigenes Kunstwort Satisfying aus."
  },
  {
    "start": 869.04,
    "end": 873.12,
    "text": "to satisfy also zufriedenstellen und to suffice – genügen!"
  },
  {
    "start": 874.32,
    "end": 884.4,
    "text": "Diese Entscheidungsstrategie funktioniert so dass man die verfügbaren Handlungsalternativen so lange durchforstet, bis man eine zufrieden Stellende findet."
  },
  {
    "start": 884.84,
    "end": 892.76,
    "text": "Dann stoppt man und wendet die einfach an ohne sich die Frage nach einer vielleicht noch viel besseren Handlungsstrategie zu"
  },
  {
    "start": 892.88,
    "end": 893.18,
    "text": "stellen.\"."
  },
  {
    "start": 893.52,
    "end": 897.9,
    "text": "Simon hat in seiner Nobelpreisrede offen gelassen welcher Weg jetzt der Bessere ist?"
  },
  {
    "start": 898.52,
    "end": 907.4,
    "text": "Man könne sagt er entweder eine optimale Lösung für eine vereinfachte Welt suchen oder eine ausreichend gute für eine realistischere komplexere."
  },
  {
    "start": 908.44,
    "end": 910.98,
    "text": "Keiner der beiden Wege habe Vorrang vor dem anderen."
  },
  {
    "start": 911.3,
    "end": 915.34,
    "text": "Und die Parallele zwischen Simon und dem Dauismus ist erstaunlich, finde ich!"
  },
  {
    "start": 916.12,
    "end": 928.34,
    "text": "Beide kommen zur gleichen Erkenntnis – das Universum ist immer komplexer, immer weiter als jedes einzelne System innerhalb seiner Grenzen, dessen vollständige Berechnung also nicht möglich ist."
  },
  {
    "start": 929.2,
    "end": 933.14,
    "text": "Doch Simon und der Dauismus ziehen daraus völlig entgegengesetzte Konsequenzen."
  },
  {
    "start": 933.76,
    "end": 940.14,
    "text": "Simon verkleinert das Modell vereinfachen Der Daoismus verkleinert den Modulierer."
  },
  {
    "start": 940.48,
    "end": 949.8,
    "text": "Meine These ist deshalb, der Kern des Wuwei besteht nicht darin eine bessere Methode zu suchen – also ein besseres Mittel zum Erreichen eines komplexen Zwecks!"
  },
  {
    "start": 950.44,
    "end": 962.5,
    "text": "Wuwei bestät vor allem darin sich für Augen zu führen dass es nichts zu methodisieren gibt weil wir uns längst in einem Bereich das Nichtwissens der Komplexität und Unberechenbarkeit befinden."
  },
  {
    "start": 962.6,
    "end": 966.2,
    "text": "Das ist übrigens nicht der Bereich von Hammer-und-Nage, hier versagen die Methoden der Logik."
  },
  {
    "start": 966.6,
    "end": 972.72,
    "text": "Und wie wäre es dann andere Methoden einzusetzen als die des Rechnens und Denkens?"
  },
  {
    "start": 973.12,
    "end": 975.74,
    "text": "Wozu übrigens auch im weitesten Kaisystem erzählen würden!"
  },
  {
    "start": 983.64,
    "end": 988.94,
    "text": "Doch auch im Dauismus wurde der Begriff des Nichthandels durchaus als Methode verstanden."
  },
  {
    "start": 989.16,
    "end": 994.32,
    "text": "das illustriert die berühmte Geschichte von Koch im dritten Kapitel des Johnson."
  },
  {
    "start": 994.54,
    "end": 1002.26,
    "text": "Ein Koch zerlegt einen Ochsen, führst sie zu und ist beeindruckt weil dessen Arbeit überhaupt nicht wie Arbeit aussieht."
  },
  {
    "start": 1002.74,
    "end": 1009.62,
    "text": "Tim Melzerband schneidet mit größter Leichtigkeit heißt es in Text jeder Streich mit seinem Messer in völligem Einklang."
  },
  {
    "start": 1010.0,
    "end": 1011.04,
    "text": "er tanzt dem Rhythmus."
  },
  {
    "start": 1011.1,
    "end": 1017.88,
    "text": "der Koch leg das Messer weg und erklärt also am Anfang habe er nichts gesehen als diesen ganzen riesigen Ochsen vor ihm."
  },
  {
    "start": 1018.4,
    "end": 1022.08,
    "text": "nach drei Jahren sah er keinen unzerteilten Ochsen mehr."
  },
  {
    "start": 1022.34,
    "end": 1027.74,
    "text": "Heute, sagt er, nähere ich mich dem Ochsen mit meinem Geist statt ihn mit den Augen"
  },
  {
    "start": 1027.9,
    "end": 1028.48,
    "text": "anzusehen.\"."
  },
  {
    "start": 1028.839,
    "end": 1033.02,
    "text": "Die Wahrnehmung meiner Sinne hört auf und mein Geist fließt wie es ihm gefällt!"
  },
  {
    "start": 1033.119,
    "end": 1040.78,
    "text": "Ich passe mich der natürlichen Maserung anschneide dort wo schon große Spalten sind, führe die Klinge durch die großen Höhlungen."
  },
  {
    "start": 1041.04,
    "end": 1049.42,
    "text": "indem Der ihm eigenen Strukturfolge stoße ich niemals auf das kleinste Hindernis, nicht einmal dort wo die Blutgefäße sich helfen."
  },
  {
    "start": 1049.82,
    "end": 1051.96,
    "text": "Wo Bänder und Seen zusammenlaufen."
  },
  {
    "start": 1052.32,
    "end": 1056.82,
    "text": "Ein mittelmäßiger Koch aber wechselt monatlich die Klinge sagt er weil er hakt."
  },
  {
    "start": 1057.44,
    "end": 1060.12,
    "text": "ein guter jährlich, weil er schneidet."
  },
  {
    "start": 1060.82,
    "end": 1069.86,
    "text": "Er selbst arbeite seit neunzehn Jahren mit derselben Klingeln Weil zwischen den Gelenken Zwischenräume sind Und die Schneide keine Dicke hat."
  },
  {
    "start": 1070.3,
    "end": 1073.98,
    "text": "Neunzehnt Jahre Das bedeutet, auch der Koch hat gelernt."
  },
  {
    "start": 1074.26,
    "end": 1075.18,
    "text": "Neunzehn Jahre lang!"
  },
  {
    "start": 1075.42,
    "end": 1083.52,
    "text": "Aber er hat gelernt sich von seinen eigenen Vorstellungen im Laufe der Zeit zu befreien und sozusagen den Dingen zu folgen statt seinen eigenen Ideen."
  },
  {
    "start": 1083.66,
    "end": 1088.52,
    "text": "Er hat sich aus der Denkmatrix – da ist dieser große Ochse vor mir, den ich zerteilen muss – befreit."
  },
  {
    "start": 1088.7,
    "end": 1094.78,
    "text": "Am Ende einer langen Übung kann dann ein Zustand entstehen in dem man nicht mehr gegen die Dinge arbeitet."
  },
  {
    "start": 1095.26,
    "end": 1096.54,
    "text": "Wunderbar sagt er."
  },
  {
    "start": 1096.6,
    "end": 1096.94,
    "text": "Fürst."
  },
  {
    "start": 1097.34,
    "end": 1101.24,
    "text": "Die Worte des Kochs haben mich gelehrt, wie man das Leben nähert."
  },
  {
    "start": 1102.5,
    "end": 1104.66,
    "text": "Das ist eine seltsame Aussage findet ihr nicht?"
  },
  {
    "start": 1105.34,
    "end": 1110.18,
    "text": "Macht nicht der Koch das was im Grunde genommen alle machen nämlich lange üben bis man es gut kann!"
  },
  {
    "start": 1111.0,
    "end": 1114.36,
    "text": "Genau so wurde der Text im Westen auch meist verstanden."
  },
  {
    "start": 1114.82,
    "end": 1120.0,
    "text": "in diesem Sinn wäre das mühelos erscheinende Nichthandelne Koch macht zu gut überhaupt nichts."
  },
  {
    "start": 1120.4,
    "end": 1123.08,
    "text": "Im Grunde nur ne sehr clevere Technik."
  },
  {
    "start": 1123.76,
    "end": 1131.54,
    "text": "von dort aus sind's dann zwei Schritte zum psychologischen Flow-Erlebnis und drei zur üblichen Trainings- und Coaching-Literatur."
  },
  {
    "start": 1131.82,
    "end": 1133.28,
    "text": "Doch darum geht's nicht!"
  },
  {
    "start": 1133.58,
    "end": 1141.3,
    "text": "Warum zeigen andere Kapitel in Schwangse, die diese naheliegende Antwort einkassieren jedoch nur selten beleuchtet werden?"
  },
  {
    "start": 1141.86,
    "end": 1153.12,
    "text": "Im letzten Kapitel des Schwangs beispielsweise werden die alten Denkschulen nochmal alle durchgemustert im Abschnitt über zwei Repräsentanten den sogenannten Grenzwächter Yin und Lao."
  },
  {
    "start": 1153.22,
    "end": 1158.18,
    "text": "dann heißt es beispielsweise, dass viele nach dem Greifen was vorne ist."
  },
  {
    "start": 1158.64,
    "end": 1160.28,
    "text": "Also nach Zielen und Zukunft."
  },
  {
    "start": 1160.8,
    "end": 1164.44,
    "text": "Laudan alleine aber nach dem...was hinten is'."
  },
  {
    "start": 1164.88,
    "end": 1167.98,
    "text": "Andere greifen nach dem Vollen eher nach dem Leeren."
  },
  {
    "start": 1168.76,
    "end": 1171.52,
    "text": "Er speicherte nie hatte aber stets mehr als genug."
  },
  {
    "start": 1171.9,
    "end": 1180.16,
    "text": "in seiner Bewegung war er gelassen und verausgabte sich nicht Und dann im Nichthandeln wohnend verlachte er die Kunstfertigkeit."
  },
  {
    "start": 1180.68,
    "end": 1189.06,
    "text": "Im chinesischen heißt das wörtlich übersetzt Lachen über die Geschicklichkeit und eben gerade nicht über sie hinausgehen oder sie vollenden."
  },
  {
    "start": 1189.6,
    "end": 1193.42,
    "text": "Der Koch hat neunzehn Jahre gebraucht, um dorthin zu gelangen wo das Nichthandeln anfängt."
  },
  {
    "start": 1194.72,
    "end": 1199.42,
    "text": "wohnt bereits dort und findet diese Art von Können und Technik geradezu lachhaft."
  },
  {
    "start": 1199.64,
    "end": 1206.46,
    "text": "Das Schwanz ist über einen langen Zeitraum entstanden, und weiß in sich verschiedene Bearbeitungsschichten auf."
  },
  {
    "start": 1207.08,
    "end": 1210.12,
    "text": "Man könnte den Widerspruch also verschiedenen Datierungen bzw."
  },
  {
    "start": 1210.7,
    "end": 1216.2,
    "text": "Zeiten der Entstehung zuschreiben – das erklärt den Wiederspruch aber nicht weg, denn er taucht im selben Buch mehrfach auf!"
  },
  {
    "start": 1216.74,
    "end": 1224.0,
    "text": "Es scheint sich um zwei Antworten auf die Frage zu handeln schließen einander aus."
  },
  {
    "start": 1224.08,
    "end": 1228.76,
    "text": "Die eine, dass man sich das Nicht-Handeln erarbeiten kann wie der Koch."
  },
  {
    "start": 1229.2,
    "end": 1231.74,
    "text": "die andere, dass genau dieses erarbeiten!"
  },
  {
    "start": 1231.94,
    "end": 1247.54,
    "text": "Der Fehler ist... Wie ernstes im Text mit der zweiten Antwort einem eigentlichen Nichthandeln ist zeigt eine weitere Stelle in dem Zweiundzwanzigsten Kapitel und zwar erst dann wenn man sie ganz liest und sie nicht von der scheinbar perfekten dritten Antwort werdet ihr gleich verstehen blenden lässt."
  },
  {
    "start": 1248.1,
    "end": 1259.32,
    "text": "dort geht nämlich ne Figur die haben wir immer so Sprechenden Namen in den chinesischen Geschichten, also eine Figur namens Wissen auf Reisen und stellt dreimal dieselbe Frage."
  },
  {
    "start": 1260.06,
    "end": 1261.52,
    "text": "Wie erkennt man das Dao?"
  },
  {
    "start": 1261.88,
    "end": 1263.16,
    "text": "Wie ruht man ihm ihn?"
  },
  {
    "start": 1263.66,
    "end": 1265.36,
    "text": "Und wie kann man es dao erlangen?"
  },
  {
    "start": 1265.6,
    "end": 1273.78,
    "text": "Die dritte Figur, die dritte Antwort gibt der gelbe Kaiser und der antwortet vollständig und schön."
  },
  {
    "start": 1274.28,
    "end": 1285.96,
    "text": "ohne zu denken, ohne den Sinn darauf zu lenken beginnt man das DAO zu verstehen Ohne auf besondere Weise zu leben, ohne sich um sich zu sorgen fängt man an in Dao Geborgenheit zu finden."
  },
  {
    "start": 1286.46,
    "end": 1292.62,
    "text": "Ohne einen Ausgangspunkt zu wählen, ohne einen bestimmten Wegzunehmen fängt Man an zum Dao zu gelangen."
  },
  {
    "start": 1293.04,
    "end": 1294.52,
    "text": "Wer es kennt spricht nicht davon."
  },
  {
    "start": 1294.9,
    "end": 1296.74,
    "text": "wer davon spricht Kennt Es Nicht."
  },
  {
    "start": 1297.28,
    "end": 1303.08,
    "text": "Ja das ist die Antwort die dann gerne zitiert wird und sie findet sich auch in den meisten Anthologien."
  },
  {
    "start": 1303.48,
    "end": 1311.2,
    "text": "nur sagt der gelbe Kaiser anschließend selbst, dass er und Wissen von all am weitesten vom Dau entfernt ist."
  },
  {
    "start": 1311.58,
    "end": 1312.4,
    "text": "Weil sie reden!"
  },
  {
    "start": 1313.16,
    "end": 1324.58,
    "text": "Daher gibt die erste Figur – also die erste Antwort – die überhaupt nicht antwortet auf die Frage von Wissen, also die Nicht-Handeln sprechen aktualisiert, die beste Antwort."
  },
  {
    "start": 1324.82,
    "end": 1338.36,
    "text": "In gewisser Weise entspricht das auch dem ersten und viel zitierten Kapitel des Dao de Jing in dem es ja heißt beklantermaßen dass Dao von dem man sprechen kann ist nicht das immerwährende Dao ohne Namen ist der Beginn von Himmel und Erde."
  },
  {
    "start": 1339.08,
    "end": 1351.78,
    "text": "Nicht handeln sprechen so heißt diese erste Person in der Geschichte also gewissermaßen eine Person ohne Namen antwortet nicht aus Unkenntnis weil sie keinen Antwort weiß sondern weil sie einfach nicht antworten."
  },
  {
    "start": 1352.24,
    "end": 1362.66,
    "text": "Die zweite Person in der Geschichte dann, der sogenannte zügelose Wilde wollte antworten und vergaßte an mitten im Ansatz was er überhaupt sagen wollte."
  },
  {
    "start": 1362.86,
    "end": 1369.48,
    "text": "Der Text baut also mit diesen drei Antworten eine Reihenfolge und die geschliffene Erklärung steht an letzter Stelle."
  },
  {
    "start": 1369.96,
    "end": 1378.86,
    "text": "An erster Stelle aber steht das Schweigen – In der Mitte des Vergessenes, an dritter eben die geschliffene richtige Auskunft, also scheinbar richtige AusKunft."
  },
  {
    "start": 1379.06,
    "end": 1390.54,
    "text": "Dieses Schweigen am Anfang ist kein rhetorischer Trick und es hängt mit etwas zusammen das der Zwangse an mehreren Stellen beschreibt – Das Abstreifen und Loslassen des Ichs."
  },
  {
    "start": 1391.04,
    "end": 1395.26,
    "text": "Im allerersten Kapitel heißt es Der höchste Mensch habe kein ich."
  },
  {
    "start": 1396.16,
    "end": 1401.48,
    "text": "Im zweiten Kapitel sitzt dann ein Mann namens Sigi da und sagt, ich habe mein Ich verloren."
  },
  {
    "start": 1401.64,
    "end": 1410.7,
    "text": "Im vierten ist vom Fasten des Herzens die Rede, Zitat das Dau lässt sich sammeln nur im Zustand der Lehre – der Zustand de Lehre das ist Fasten Des Herzens!"
  },
  {
    "start": 1411.12,
    "end": 1416.36,
    "text": "Und dem entsprechen in der Praxis bestimmte Formen der Meditation, der Atem- und Körperübung."
  },
  {
    "start": 1416.62,
    "end": 1420.32,
    "text": "Und schließlich kommt im sechsten Kapitel das Sitzen der Vergessen vor."
  },
  {
    "start": 1420.68,
    "end": 1423.0,
    "text": "Wer nichts mehr sagt, hat nicht bloß den Mund geschlossen."
  },
  {
    "start": 1423.36,
    "end": 1433.96,
    "text": "Es ist niemand mehr da der etwas mitzuteilen hätte und diese ersten sieben Kapitel sind ja diejenigen, die Zhuangzi selber als Autor zugeschrieben werden im Unterschied zum ganzen Rest bis Kapitel thirty-three."
  },
  {
    "start": 1434.3,
    "end": 1441.1,
    "text": "Es geht also gerade nicht darum einfach eine neue weitere Technik zu lernen – die Technik des Nichthandels."
  },
  {
    "start": 1441.76,
    "end": 1453.7,
    "text": "Zhuangze geht es darum zu verstehen dass das was ins Weite wuchert, was komplexes keine Form hat und keine Form haben kann, also muss man anders damit umgehen."
  },
  {
    "start": 1454.18,
    "end": 1464.7,
    "text": "Eine Form zu haben bedeutet ja sie in unser Wissen integrieren zu können und begrifflich oder mithilfe unserer Sinne bestimmen zu können definieren zu können."
  },
  {
    "start": 1464.96,
    "end": 1475.82,
    "text": "Wer sich im Buddhismus auskennt wird daraus gewisse Ähnlichkeiten heraus hören denn auch Im Buddhismus ist ja vom nicht ich die Rede nur ist der Chance."
  },
  {
    "start": 1476.06,
    "end": 1479.66,
    "text": "Text wurden vierhundert Jahre älter als der erste buddhistische Text in China."
  },
  {
    "start": 1480.12,
    "end": 1489.04,
    "text": "Ein Einfluss des Buddhismus ist also wenig wahrscheinlich, auch wenn die Texte jeweils erst immer später entstanden sind und es vielleicht irgendwelche mündlichen Verbindungen gegeben hat."
  },
  {
    "start": 1489.3,
    "end": 1492.22,
    "text": "Die Texte weisen also genau in die umgekehrte Richtung."
  },
  {
    "start": 1492.74,
    "end": 1502.2,
    "text": "Und tatsächlich, als die buddhistischen Schriften übersetzt wurden geschah das häufig unter Zuhilfenamen von bereits etablierten Taoistischem Vokabular."
  },
  {
    "start": 1503.08,
    "end": 1511.48,
    "text": "Leere im Sanskrit Shunyata wurde mit dem selben Schriftzeichen Wu wiedergegeben, das in Wei steckt."
  },
  {
    "start": 1511.68,
    "end": 1516.92,
    "text": "Der Chan-Buddismus und später Sen sind ein Ergebnis dieser Begegnung von Buddhismus und Daoismus."
  },
  {
    "start": 1517.72,
    "end": 1521.42,
    "text": "Ein Unterschied bleibt trotzdem – und der ist alles andere als unbedeutend!"
  },
  {
    "start": 1522.16,
    "end": 1530.54,
    "text": "Die Aussagen in den klassischen buddhistischen Lehrtexten über das Nicht selbst beruhen nämlich ganz häufig auf Analysen."
  },
  {
    "start": 1531.4,
    "end": 1531.74,
    "text": "Logik?"
  },
  {
    "start": 1532.3,
    "end": 1533.08,
    "text": "Begriffslogik."
  },
  {
    "start": 1533.56,
    "end": 1534.5,
    "text": "Klassische Analyse."
  },
  {
    "start": 1534.84,
    "end": 1538.6,
    "text": "Insofern gehen Sie auch davon aus, dass man durch Logik und Argumente zeigen könnte."
  },
  {
    "start": 1539.1,
    "end": 1543.18,
    "text": "Dass hinter dem was wir so ich nennen in Wahrheit gar keinen Träger steckt."
  },
  {
    "start": 1543.3,
    "end": 1557.68,
    "text": "So sehr die Analyse geteilt wird geht sie doch in der Meditation darum genau das nicht nur irgendwie analytisch durch logik zu erkennen sondern tatsächlich auch selber zu erfahren und das Ich fallen zu lassen."
  },
  {
    "start": 1558.84,
    "end": 1569.02,
    "text": "steht also eher auf der Seite der Meditation und des Senn, denn seine Formulierungen wie Ich habe mein Ich verloren sind nicht argumentierend sondern der Form nach bewichtend."
  },
  {
    "start": 1569.26,
    "end": 1582.36,
    "text": "Buddhistische Lehrtexte argumentieren, Zhuangzi erzählt zu dem steht im chinesischen Original ich habe mein ich verloren Und dabei werden zwei verschiedene Ichwörter benutzt von denen das eine das andere verliert."
  },
  {
    "start": 1582.46,
    "end": 1591.38,
    "text": "Wer da wen verliert sagt der Text nicht Was Wuwei heute bedeuten kann."
  },
  {
    "start": 1592.24,
    "end": 1596.22,
    "text": "So, bleibt die Frage was für uns daraus folgt."
  },
  {
    "start": 1596.64,
    "end": 1598.04,
    "text": "Folgt man dem Koch?"
  },
  {
    "start": 1598.34,
    "end": 1602.44,
    "text": "Der Ochser hat Knochen und Gelenke und damit eine klare erfahrbare feste Struktur."
  },
  {
    "start": 1603.08,
    "end": 1606.04,
    "text": "das ist die stillschweigende Voraussetzung dieser ganzen Geschichte."
  },
  {
    "start": 1606.66,
    "end": 1607.58,
    "text": "Es gibt ne Ordnung."
  },
  {
    "start": 1607.8,
    "end": 1613.94,
    "text": "Die hat der Koch nicht selbst gemacht in die kann er aber hinein finden Und diese Ordnung hält dann auch still."
  },
  {
    "start": 1614.2,
    "end": 1616.94,
    "text": "Der Ochse verändert sich nicht, die Knochen auch nicht während geschnitten wird."
  },
  {
    "start": 1617.48,
    "end": 1619.14,
    "text": "Der Ochser reagiert nicht mehr auf den Schnitt."
  },
  {
    "start": 1619.64,
    "end": 1628.42,
    "text": "Es ist wie beim Nagel und beim Hammer der Widerstand, der Wirklichkeit ist solide... ...und das scheint die Wirklichheit ja generell zu sein!"
  },
  {
    "start": 1628.74,
    "end": 1632.04,
    "text": "Sie bleibt so lange und so oft man auch einen Nagel in die Wand einschlagen will."
  },
  {
    "start": 1632.32,
    "end": 1639.62,
    "text": "Und genau das ist bei den Prozessen von denen wir reden komplexen Prozesen nicht der Fall."
  },
  {
    "start": 1640.02,
    "end": 1648.1,
    "text": "Globale Wirtschaft, KI-Systeme Klimawandel, dort verändert sich das was wir beobachten während wir es beobachen."
  },
  {
    "start": 1648.76,
    "end": 1657.62,
    "text": "Es ist sowohl eine Alltagserfahrung wie auch ne Hochtheoretische Einsicht zum Beispiel aus der Quantentheorie weil wir Teil der Wirklichkeit sind die wir beoberchten."
  },
  {
    "start": 1658.34,
    "end": 1674.36,
    "text": "verändern wir diese Wirklichkeiten dadurch dass wir sie beobachten oder auch dadurch dass wer einfach nur da sind ob wir handeln oder nicht handeln so oder so haben unsere Maßnahmen bzw auch Nichtmaßnahmen Einfluss auf die Wirklichkeit und verändern sie."
  },
  {
    "start": 1674.5,
    "end": 1684.34,
    "text": "Wer ein kluges Modell, etwa für politisches Handeln oder von Maßnahmen gegen den Klimanotstand veröffentlicht verändert mit diesem Modell das Verhalten der Leute."
  },
  {
    "start": 1684.46,
    "end": 1686.44,
    "text": "dies ja aufnehmen und verstehen."
  },
  {
    "start": 1687.12,
    "end": 1705.98,
    "text": "Rückkopplung dieser Art sind also der Normalfall und Sie wirken in allem was uns Angst und Sorgen macht ganz besonders denn dass was uns Sorgen Macht ist von einer ganz abstrakten Ebene aus betrachtet nichts anderes als die Komplexität der Wirklichkeit, vor der wir manchmal kapitulieren."
  },
  {
    "start": 1706.26,
    "end": 1711.32,
    "text": "All das ist also kein Wahrnehmungsproblem, dass ich durch besseres Hinsehen beheben ließe."
  },
  {
    "start": 1711.9,
    "end": 1719.44,
    "text": "Was sich da in jedem Moment durch uns verändert, ist nicht das was für etwas leichtsinnig als feste Wirklichkeits- als Weltbezeichnen."
  },
  {
    "start": 1719.84,
    "end": 1724.56,
    "text": "Es ist etwas anderes und alles andere als fest wie zum Beispiel die Knochen des toten Ochsen."
  },
  {
    "start": 1725.02,
    "end": 1730.58,
    "text": "Die Wirklichheit ist kein Gegenstand dessen Gelenke wir irgendwo finden können, denn es gibt keine."
  },
  {
    "start": 1731.08,
    "end": 1739.44,
    "text": "Sie ist vielmehr ein sich in allem verändernder Prozess und daher ist fließendes Wasser im Dauismus auch so ein häufig benutztes Bild."
  },
  {
    "start": 1739.98,
    "end": 1743.32,
    "text": "Ein Rollen muss man – der Koch gibt ja keine falsche Auskunft, er irrt sicher nicht!"
  },
  {
    "start": 1743.84,
    "end": 1747.52,
    "text": "Aber seine Lage ist schlicht eine andere als unsere."
  },
  {
    "start": 1749.24,
    "end": 1760.16,
    "text": "Wie das Seine ist nicht das Mittel, dass uns zur Verfügung stünde wenn wir versuchen die prozesshafte komplexe Wirklichkeit, die ums Umgib zu verstehen und dann auch zu gestalten."
  },
  {
    "start": 1760.2,
    "end": 1769.52,
    "text": "Wenn die erste Antwort des Schwangseln das Bild vom Koch auf unsere Situation nicht passt liegt es nahe mit der zweiten zu versuchen Nicht handeln."
  },
  {
    "start": 1769.94,
    "end": 1770.86,
    "text": "Was heißt das praktisch?"
  },
  {
    "start": 1771.56,
    "end": 1776.18,
    "text": "Vermutlich weniger als wir uns wünschen denn es heißt ja nicht einfach die Hände in den Schoß zu legen."
  },
  {
    "start": 1776.76,
    "end": 1781.5,
    "text": "Stattdessen bringt das Zwangse die Kultivierung von etwas anderem ins Spiel."
  },
  {
    "start": 1782.62,
    "end": 1790.88,
    "text": "Nämlich nicht von abstrakten Modellen, sondern von stille Klarheit schweigen Nichthandel und vor allem vom Loslassen des Ichs."
  },
  {
    "start": 1791.78,
    "end": 1805.6,
    "text": "Dieser oft als totes Ichs bezeichnete Zustand wacher Klarheit ist zwar einerseits ganz natürlich, denn er entspricht ja der Wirklichkeit aber ihnen bewusst und klar zu erfassen umzusetzen – es ist alles andere ans Bequem!"
  },
  {
    "start": 1806.3,
    "end": 1812.26,
    "text": "Denn es bedeutet daran zu arbeiten, aufzuwachen und wach das Leben zu sehen so wie's ist."
  },
  {
    "start": 1812.56,
    "end": 1820.12,
    "text": "Es gibt Situationen in denen die krampfhafte Suche nach mehr Daten, nach mehr Wissen besseren Modellen Information alles nur verschlechtert."
  },
  {
    "start": 1820.44,
    "end": 1827.64,
    "text": "Hinter dieser Suche steckt ja die Illusion einer Steuerbarkeit – und diese setzt bei einer komplexen Wirklichkeit eben leider häufig aus!"
  },
  {
    "start": 1828.0,
    "end": 1829.96,
    "text": "Diese Erfahrung hat jeder von uns schon mal gemacht."
  },
  {
    "start": 1830.02,
    "end": 1832.22,
    "text": "Wir denken wir haben den besten Plan überhaupt?"
  },
  {
    "start": 1832.64,
    "end": 1833.04,
    "text": "Handeln?"
  },
  {
    "start": 1834.02,
    "end": 1834.78,
    "text": "Uns klappt nicht…."
  },
  {
    "start": 1835.22,
    "end": 1840.7,
    "text": "Weiser ist es oft, so drangse auf die Wirksamkeit der Dinge selbst zu vertrauen."
  },
  {
    "start": 1840.98,
    "end": 1845.3,
    "text": "Denn Bäume wachsen auch ohne unser Zutun und tschüss!"
  },
  {
    "start": 1858.26,
    "end": 1865.7,
    "text": "Finanziert wird dieses Projekt von der gemeinnützigen Stiftung AVE, dem Institut für Achtsamkeit, Verbundenheit und Engagement."
  },
  {
    "start": 1866.02,
    "end": 1868.68,
    "text": "Den Link dazu findet ihr in der Folgenbeschreibung."
  }
]