[
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    "start": 0.06,
    "end": 2.08,
    "text": "Der neue Wehrdienst wird nicht freiwillig bleiben."
  },
  {
    "start": 4.62,
    "end": 8.8,
    "text": "Auch mit dem neuen Wehrdienst wird Deutschland die Nahto-Ziele voraussichtlich nicht erreichen."
  },
  {
    "start": 9.64,
    "end": 11.82,
    "text": "Langfristig wird die Wehrpflicht also zurückkommen."
  },
  {
    "start": 13.12,
    "end": 14.06,
    "text": "Von Kevin Gänseimer."
  },
  {
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    "end": 20.18,
    "text": "Anfang im Jahr ist er der neue Wehrdienst."
  },
  {
    "start": 21.04,
    "end": 27.26,
    "text": "Das Bundeskabinett hat in der vergangenen Woche über das sogenannte Wehrdienst Modernisierungsgesetz abgestimmt."
  },
  {
    "start": 28.32,
    "end": 38.38,
    "text": "Zwar stellte sich CDU-Außenminister Johann Wadefuhl kurzzeitig gegen das neue Wehrdienstmodell von SPD-Verteidigungsminister Boris Pistorius, da es ihm nicht weit genug ging."
  },
  {
    "start": 38.98,
    "end": 40.96,
    "text": "Doch am Ende konnte sich das Kabinett einigen."
  },
  {
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    "end": 47.36,
    "text": "Auf ihrer Webseite schreibt die Bundesregierung, der neue Wehrdienst soll zunächst freiwillig sein."
  },
  {
    "start": 48.7,
    "end": 53.66,
    "text": "Es ist dieses eine Wort, das verrät, worauf sich junge Männer in naher Zukunft einstellen müssen."
  },
  {
    "start": 54.54,
    "end": 55.06,
    "text": "Zunächst."
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  {
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    "end": 60.06,
    "text": "Seit Jahren diskutieren deutsche Politiker über eine Wiedereinführung der Werbpflicht."
  },
  {
    "start": 60.84,
    "end": 68.28,
    "text": "Die damalige Werbeauftragte der Bundesregierung, Eva Högel, schlug bereits im Jahr two-tausendzwanzig eine Wiedereinführung der Werbpflicht vor."
  },
  {
    "start": 69.7,
    "end": 77.36,
    "text": "Seit Beginn des Ukrainekriegs im Jahr two-tausendzweiundzwanzig werden die Stimmen derer, die sich die Werbpflicht zurückwünschen, immer lauter."
  },
  {
    "start": 78.32,
    "end": 85.62,
    "text": "Bereits kurz nach Ausbruch des Krieges sprach sich beispielsweise der damalige thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelloder für aus."
  },
  {
    "start": 87.22,
    "end": 92.72,
    "text": "Rund drei Jahre später tauchte das Modell des neuen Wehrdienstes im schwarz-roten Koalitionsvertrag auf."
  },
  {
    "start": 94.2,
    "end": 100.58,
    "text": "Der entsprechende Gesetzesentwurf ist eine Kompromisslösung, die sich am sogenannten schwedischen Modell orientiert."
  },
  {
    "start": 101.56,
    "end": 110.34,
    "text": "In Schweden wurde bereits im Jahr zwei Tausend siebzehn ein Wehrdienst eingeführt, bei dem alle achtzehnjährigen Männer und Frauen eines Jahrgangs einen Online-Fragebogen ausfüllen müssen."
  },
  {
    "start": 111.38,
    "end": 115.2,
    "text": "Dabei geht es um ihre Bereitschaft und ihre Fähigkeiten für einen möglichen Wehrdienst."
  },
  {
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    "end": 119.78,
    "text": "Ausgesuchte Personen müssen auf Basis ihrer Antworten zu einer Musterung."
  },
  {
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    "end": 124.1,
    "text": "In Deutschland ist der Wehrdienst seit zehntausend elf freiwillig."
  },
  {
    "start": 124.96,
    "end": 131.92,
    "text": "Damals hielt man eine allgemeine Wehrpflicht auch aufgrund der geopolitischen Situation für obsolet und setzte sie auf unbestimmte Zeit aus."
  },
  {
    "start": 133.02,
    "end": 139.62,
    "text": "Zu verdanken hatten das die jungen deutschen Männer, dem damaligen CSU-Verteidigungsminister Karl Theodor zu Gutenberg."
  },
  {
    "start": 141.0,
    "end": 150.94,
    "text": "Rechtlich wird diese Aussetzung zwar auch noch im kommenden Jahr bestehen, Doch künftig sind junge Männer auch hierzulande dazu verpflichtet, einen Fragebogen zur persönlichen Wehrbereitschaft auszufüllen."
  },
  {
    "start": 151.9,
    "end": 155.06,
    "text": "Wer den Fragebogen nicht ausfüllt, muss mit einem Bußgeld rechnen."
  },
  {
    "start": 156.02,
    "end": 157.64,
    "text": "Für Frauen bleibt das Ganze freiwillig."
  },
  {
    "start": 158.28,
    "end": 161.92,
    "text": "Um auch sie zu verpflichten, müsste die Regierung das Grundgesetz ändern."
  },
  {
    "start": 162.9,
    "end": 168.88,
    "text": "Weil AfD und Linke dem aber nicht zustimmen werden, dürfte die Koalition dafür keine zwei Drittel Mehrheit finden."
  },
  {
    "start": 170.88,
    "end": 172.66,
    "text": "Den Dienst an der Waffe schmackhaft machen."
  },
  {
    "start": 174.48,
    "end": 179.22,
    "text": "Die Bundesregierung will junge Männer deshalb zunächst mit lukrativen Angeboten in den Wehrdienst locken."
  },
  {
    "start": 180.1,
    "end": 189.3,
    "text": "Dass die neuen Rekruten nun zu sogenannten Soldaten auf Zeit werden, führe zu Besoldungs- und Versorgungsrechtlichen Verbesserungen, schreibt das Verteidigungsministerium."
  },
  {
    "start": 190.32,
    "end": 193.82,
    "text": "Mindestens sechs Monate sollen sich die Freiwilligen für den Dienst verpflichten."
  },
  {
    "start": 194.6,
    "end": 198.28,
    "text": "Monatweise kann der Dienst dann bis zu dreiundzwanzig Monaten verlängert werden."
  },
  {
    "start": 199.34,
    "end": 203.4,
    "text": "Auch Verpflichtungen bis zu fünfundzwanzig Jahren sind mit dem neuen Modell möglich."
  },
  {
    "start": 204.2,
    "end": 212.58,
    "text": "Sollte die Bundeswehr mit dem neuen Wehrdienst die Zielvorgaben aber nicht erreichen, will die Bundesregierung über eine Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht nachdenken."
  },
  {
    "start": 213.76,
    "end": 218.54,
    "text": "Bis zuletzt hatte der neue Wehrdienst für Streit innerhalb der schwarz-roten Koalition gesorgt."
  },
  {
    "start": 219.34,
    "end": 227.26,
    "text": "Verteidigungsminister Boris Pistorius wies immer wieder darauf hin, dass die Bundeswehr für eine sofortige Wiedereinführung der Wehrpflicht nicht gewappnet sei."
  },
  {
    "start": 228.14,
    "end": 230.94,
    "text": "Konkret fehlt der Bundeswehr schlicht der Platz in den Kasernen."
  },
  {
    "start": 231.34,
    "end": 236.84,
    "text": "um die vielen neuen Soldaten unterzubekommen, die das Vaterland oder die NATO-Ostflanke verteidigen sollen."
  },
  {
    "start": 237.8,
    "end": 243.14,
    "text": "Auch die entsprechenden Ausbilder, die die Zehntausenden Rekruten betreuen könnten, gibt es bislang nicht."
  },
  {
    "start": 244.46,
    "end": 251.0,
    "text": "Außenminister Johann Wadefuhl legte gegen Pistorius Gesetzesentwurf darum einen sogenannten Ministervorbehalt ein."
  },
  {
    "start": 251.74,
    "end": 254.38,
    "text": "Eine Art Veto, das er später wieder zurückzog."
  },
  {
    "start": 255.8,
    "end": 261.68,
    "text": "Die CDU will klare Zielvorgaben pro Jahr festlegen, mit denen Deutschland den NATO-Zielen gerecht werden kann."
  },
  {
    "start": 262.78,
    "end": 266.88,
    "text": "Aktuell befinden sich rund onehundertachzigtausend aktive Soldaten bei der Bundeswehr."
  },
  {
    "start": 267.76,
    "end": 274.68,
    "text": "Zuletzt lag das Ziel von Verteidigungsminister Pistorius bei zweihundertdreitausend aktiven Soldaten in den Streitkräften."
  },
  {
    "start": 275.76,
    "end": 281.3,
    "text": "Aufgrund neuer NATO-Ziele soll die Zahl auf rund zweihundertsechzigtausend Soldaten anwachsen."
  },
  {
    "start": 282.28,
    "end": 287.52,
    "text": "Zusätzlich soll die Zahl der Reservisten verdoppelt werden, von hunderttausend auf rund zweihunderttausend."
  },
  {
    "start": 288.48,
    "end": 296.64,
    "text": "Beim NATO-Gipfel in den Haken im Juni legten die Staats- und Regierungsspitzen der Zweiunddreißig-Mitgliedstaaten neue Ziele für das Militärbündnis fest."
  },
  {
    "start": 297.58,
    "end": 305.56,
    "text": "Demnach sollen ab Zweihtausendfünfunddreißig fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts der jeweiligen Mitgliedstaaten in Verteidigung und Sicherheit fließen."
  },
  {
    "start": 306.72,
    "end": 312.2,
    "text": "Diese Kriegswirtschaft hat die NATO unter anderem aufgrund von Sicherheitsbedrohungen durch Russland beschlossen."
  },
  {
    "start": 313.4,
    "end": 319.02,
    "text": "In jedem Fall ist das fünfprozentige Ziel aber ein Konjunkturprogramm für die US-amerikanische Wirtschaft."
  },
  {
    "start": 320.02,
    "end": 325.28,
    "text": "Sechzig Prozent aller europäischen Waffenimporte innerhalb der letzten fünf Jahre stammen aus den USA."
  },
  {
    "start": 326.48,
    "end": 333.6,
    "text": "Präsident Donald Trump, der ganz besonders auf das fünf Prozentziel drängte, dürfte sich daher über dieses Aufrüstungsprogramm freuen."
  },
  {
    "start": 334.52,
    "end": 341.94,
    "text": "Trotz ihres Ziels, deutlich mehr junge Männer für den Dienst an der Waffe zu gewinnen, hält die Bundesregierung vorerst an der freiwilligen Lösung fest."
  },
  {
    "start": 342.92,
    "end": 345.54,
    "text": "Dieser Spagat wird jedoch auf Dauer nicht zu schaffen sein."
  },
  {
    "start": 346.34,
    "end": 355.34,
    "text": "Schon jetzt zeigt sich wie extrem die angestrebten NATO-Vorgaben und die in Deutschland erwarteten Zahlen beim neuen Wehrdienst auseinandergehen, noch bevor er überhaupt eingeführt ist."
  },
  {
    "start": 356.04,
    "end": 363.04,
    "text": "Lediglich fünftausend neue Soldaten wird das Verteidigungsministerium laut eigenen Angaben durch das neue Modell im nächsten Jahr aufnehmen."
  },
  {
    "start": 364.08,
    "end": 371.9,
    "text": "Um das Ziel von zweihundertsechzigtausend Soldaten zu Beginn der zweihtausend dreißiger Jahre zu erfüllen, sind jedoch wesentlich mehr Verpflichtungen erforderlich."
  },
  {
    "start": 373.0,
    "end": 376.54,
    "text": "In diesem Tempo sind die NATO-Ziele jedenfalls nicht zu erreichen."
  },
  {
    "start": 377.34,
    "end": 380.92,
    "text": "Der neue Wehrdienst ist für die Union daher eine unbefriedigende Lösung."
  },
  {
    "start": 382.0,
    "end": 386.54,
    "text": "Zahlreiche Stimmen in der Partei machen deutlich, dass Deutschland dringend zur Wehrpflicht zurückkehren müsse."
  },
  {
    "start": 387.68,
    "end": 401.9,
    "text": "Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder beispielsweise erklärte jüngst im ARD-Sommerinterview, so ein Pflichtelement ist wichtig, um Landes- und NATO-Grenze auf Dauer wirksam zu verteidigen, als größtes, wirtschaftlich stärkstes Land."
  },
  {
    "start": 402.54,
    "end": 404.66,
    "text": "das auf Dauer auch die stärkste Armee haben soll."
  },
  {
    "start": 405.68,
    "end": 412.76,
    "text": "Die Stammtischparolen eines Markus Söder sind wohl leider näher an der realpolitischen Wirklichkeit, als es die SPD bislang zugeben will."
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  {
    "start": 413.86,
    "end": 424.18,
    "text": "Wer die angestrebten Truppenziele für notwendig hält und sie nicht als Ausdruck einer gefährlichen Aufrüstungsspirale betrachtet, der wird nicht darum herumkommen, junge Menschen zum Wehrdienst zu verpflichten."
  },
  {
    "start": 424.22,
    "end": 433.2,
    "text": "Wir sollten also ehrlich mit uns sein, weil sich die Bundesregierung den neuen NATO-Zielen verpflichtet hat, ist die Rückkehr der Werbpflicht unvermeidbar."
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    "end": 439.84,
    "text": "Langfristig will Deutschland vierhundertsechzigtausend Soldaten einschließlich der Reserve verfügbar machen."
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    "start": 441.08,
    "end": 446.58,
    "text": "Mit netten Anreizen und Freiwilligkeit wird sich ein solches immenses Aufrüstungsprogramm nicht umsetzen lassen."
  },
  {
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    "end": 451.56,
    "text": "Wer hunderttausende junge Soldaten will, der muss zur Werbpflicht greifen."
  },
  {
    "start": 452.16,
    "end": 453.9,
    "text": "Alles andere ist Augenwischerei."
  }
]