[
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    "end": 2.6,
    "text": "Bei DHL fliegt, wer keine Waffen liefern will."
  },
  {
    "start": 5.26,
    "end": 13.74,
    "text": "Ein DHL-Mitarbeiter und Verdi-Vertrauensmann am Hop-Leipzig-Halle kritisiert die Lieferung von Rüstungsgütern an Israel und wird daraufhin fristlos entlassen."
  },
  {
    "start": 14.7,
    "end": 19.06,
    "text": "Im Angesicht eines Völkermords zu schweigen, ist offenbar Teil der gewünschten Firmenkultur."
  },
  {
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    "end": 28.1,
    "text": "Der DHL-Hop in Leipzig-Halle ist einer der wichtigsten Logistikflughäfen der Welt."
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  {
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    "end": 32.98,
    "text": "Nach wahren Umschlag gerechnet, ist er der fünftgrößte Frachtflughafen Europas."
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    "text": "Eins Komma vier Millionen Tonnen Fracht wurden allein zwei tausend vierundzwanzig umgeschlagen."
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    "text": "Der Umschlagplatz ist auch einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region."
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    "text": "Fast sechstausend Menschen beschäftigt der Konzern am Hub."
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    "text": "Viele dieser Mitarbeitenden sind stolz auf ihre harte körperliche Arbeit, von der ein Großteil in der Nachtschicht erledigt wird."
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    "text": "Ein ehemaliger Mitarbeiter des Hubs ist Christopher."
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    "text": "Als Nebenjob zu seinem Studium der Germanistik und Kunstgeschichte stieg er im sogenannten Koi ein."
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    "text": "Das ist kurz für Conveying Belt, Englisch für Lieferband."
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    "text": "Seine Aufgabe war es, Pakete aus Containern für den weiteren Transport auf das Band zu hiefen."
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    "end": 80.62,
    "text": "Als Teil seines Jobs musste Christopher auch die Inhalte der Pakete checken, um sicherzugehen, dass die Pakete richtig behandelt werden."
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    "end": 86.66,
    "text": "Später wechselte er zur Tätigkeit als sogenannte Deckzieher, die Luftfrachtcontainer entladen."
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    "text": "Früh fällt ihm bei seiner Arbeit auf."
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    "end": 95.52,
    "text": "Neben zivilen Gütern transportiert DHL am Hub in Leipzig Halle auch Rüstungsgüter."
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  {
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    "end": 99.62,
    "text": "Um diesen Umstand hüllte DHL lange den Mantel des Schweigens."
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    "end": 105.58,
    "text": "In internen Schulungen vermittelt der Konzern den Eindruck, dass man überhaupt kein Kriegsmaterial verschicke."
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  {
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    "end": 117.44,
    "text": "Eine Anfrage des linke Bundestags-Abgeordneten Sören Pellmann brachte jedoch, dass Waffenlieferungen für den Russland-Ukrainekrieg über den Hub abgewickelt wurden."
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  {
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    "end": 126.22,
    "text": "Dass die DHL Group sich nicht nur in diesem Fall für den Transport von Waffen verantwortlich zeigt, wurde Anfang August unverhofft höchstoffiziell bestätigt."
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  {
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    "end": 136.92,
    "text": "Ein ehemaliger Mitarbeiter des AfD-Abgeordneten Maximilian Krah musste sich wegen Vorwürfen von Bestechlichkeit und Geldwäsche vor dem Oberlandesgericht Dresden verantworten."
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  {
    "start": 138.28,
    "end": 146.28,
    "text": "In der Anklageschrift schrieb die Bundesanwaltschaft, der Hub sei ein wichtiges Drehkreuz zur Verbringung von Militärgütern in die ganze Welt."
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    "end": 149.3,
    "text": "Wer arbeiten will, muss schweigen."
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    "end": 152.54,
    "text": "Das ist den Beschäftigten klar."
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  {
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    "end": 158.42,
    "text": "Diese kriegen schließlich, wie Christopher mit, was in den oft unscheinbar wirkenden Paketen steckt."
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  {
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    "end": 160.66,
    "text": "Unmut gibt es deswegen schon lange."
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  {
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    "end": 164.98,
    "text": "Mehrere Mitarbeiter berichten von langjährigen Diskussionen dazu im Betrieb."
  },
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    "end": 172.94,
    "text": "Bereits vor einigen Jahren wurde von Menschen aus dem Umfeld der Gewerkschaft Verdi ein Flugblatt mit entsprechenden Informationen verteilt."
  },
  {
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    "end": 175.42,
    "text": "Klar sei man stolz auf die Arbeit."
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  {
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    "end": 178.92,
    "text": "aber Zeug zu verladen, mit dem woanders Menschen umgebracht würden."
  },
  {
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    "end": 180.64,
    "text": "Darauf habe niemand Bock."
  },
  {
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    "end": 187.68,
    "text": "Dieser Stimmung unter den Kolleginnen und Kollegen machte Christopher in einem Redebeitrag im Rahmen einer Kundgebung am XXIII."
  },
  {
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    "text": "August Luft."
  },
  {
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    "text": "Es ist uns als Flughafenarbeitern ein wichtiges Anliegen, dass unsere Arbeit, auf die wir so stolz sind, wir betreiben Welthandel, wir verbinden die Welt, dass diese Arbeit nicht dem Krieg dient."
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  {
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    "end": 206.34,
    "text": "Dann übermittelte er Grüße von Kollegen, die aufgrund des Schichtdienstes nicht anwesend sein können."
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  {
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    "end": 219.84,
    "text": "Ein Bündnis palästinersolidarischer Gruppen hatte für diesen Tag zum March to Airport Leipzig Halle aufgerufen, um gegen die Unterstützung des Ingaser durch Israel verübten Genozides durch deutsche Waffenlieferungen zu protestieren."
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  {
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    "end": 224.34,
    "text": "Geschätzte eintausend Menschen waren dem Aufruf gefolgt."
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    "end": 230.64,
    "text": "Im Fokus stand der DHL Hub in Leipzig Halle, der als logistischer Knotenpunkt der Komplizenschaft dient."
  },
  {
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    "end": 242.44,
    "text": "In seinem Redebeitrag auf der Kundgebung erklärt Christopher, dass er im Rahmen seiner Tätigkeit mitbekommt, was versendet wird und er bereits Pakete von Reinmetall in den Händen gehalten habe."
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  {
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    "end": 249.26,
    "text": "Christopher erwähnt auch, dass Beschäftigte in anderen Ländern bereits Waffenlieferungen nach Israel blockiert haben."
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  {
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    "text": "Er schließt mit der Parole, kein Transport für Völkermord."
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    "text": "Er scheint einen wunden Punkt getroffen zu haben."
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    "end": 262.32,
    "text": "Wenig später flattert Christopher eine Vorladung zu einem Personalgespräch für den Elften September ins Haus."
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    "text": "Ablehnen kann er die Einladung nicht."
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    "text": "Im Gespräch wurde ihm seine sofortige Freistellung eröffnet."
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    "text": "Begründet wurde diese mit einer angeblichen Verletzung der Verschwiegenheitspflicht."
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    "text": "Keine zwei Wochen später legt die Konzernleitung nach."
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    "end": 279.08,
    "text": "Christopher erhält zum XXIII."
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    "end": 281.0,
    "text": "September seine fristlose Kündigung."
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    "text": "Ein Konzernsprecher behauptet auf Nachfrage, Christopher sei gekündigt worden, weil er gegen mehrere Auflagen seines Arbeitsvertrages verstoßen hätte."
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    "text": "Unionbusting und Genozizupport."
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    "end": 306.66,
    "text": "Wesentlich erscheint es, dass DHL gezielt gegen den unbequemen Vertrauensleute-Körper vorgeht und im Namen der Staatsreson politisch unliebsame Mitarbeiter kalt stellt."
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  {
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    "end": 319.82,
    "text": "Die Geschäftsführung des DHL-Hubs in Leipzig-Halle steht sowohl aufgrund einer gut organisierten Belegschaft als auch wegen ihrer Komplizenschaft im Völkermord unter Druck von Seiten der Belegschaft sowie der Öffentlichkeit."
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    "end": 324.58,
    "text": "Seit März dieses Jahres gab es im Hub eine umfassende Kündigungswelle."
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    "start": 325.22,
    "end": 331.22,
    "text": "Schätzungen zufolge wurden mindestens ein tausend Personen entlassen, zuerst die prekär beschäftigten Leiharbeitskräfte."
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    "text": "Für die verbliebenen Beschäftigten führte dies zu einer drastischen Verdichtung von Arbeit, bei gleichbleibend miser Bezahlung."
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    "text": "In Vollzeit, inklusive Nachzulage, landeten viele Kolleginnen und Kollegen bei maximal zwei tausend zweihundert Euro Monatsnetto."
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    "text": "Dagegen organisierten sie sich und forderten gemeinsam mit Verdi zwölf Prozent mehr Lohn."
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    "end": 355.22,
    "text": "Zunächst kam von der Arbeitgeberseite gar kein Verhandlungsangebot."
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    "end": 362.54,
    "text": "Erst nach mehreren Warnstreiks im Mai und Juni begaben sich die feinen Herren der Geschäftsführung überhaupt an den Verhandlungstisch."
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    "text": "Die Angebote der Arbeitgeberseite waren jedoch weit entfernt von den Forderungen der Gewerkschaft."
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    "end": 371.58,
    "text": "Ein Mitarbeiter berichtet vom Arbeitskampf."
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    "text": "Die Geschäftsführung hat während der Tarifverhandlung enorm viel Druck auf die Kollegen ausgeübt."
  },
  {
    "start": 378.64,
    "end": 389.68,
    "text": "Trotzdem lehnten über sechzig Prozent der Verdi-Mitglieder in einer Rückkopplung das erste Angebot der Arbeitgeberseite ab, woraufhin die Vertrauensleute eine Urabstimmung zu einem unbefristeten Streik organisierten."
  },
  {
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    "end": 393.44,
    "text": "Während der Urabstimmung hat der Ton sich krass verschärft."
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  {
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    "end": 402.28,
    "text": "In allen Teamsitzungen waren Manager unterwegs und haben Druck ausgeübt auf die Kollegen, damit sie gegen den Streik stimmen, erklärt ein Mitarbeiter."
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  {
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    "text": "Mehrfach sei betont worden, dass der Standort durch einen Streik gefährdet sei."
  },
  {
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    "text": "Trotzdem stimmten satte seventy- acht Prozent der Verdi-Mitglieder für den unbefristeten Streik."
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  {
    "start": 414.78,
    "end": 420.18,
    "text": "Das klare Ergebnis dieser Befragung war die Folge weitreichender gewerkschaftlicher Basisarbeit im Betrieb."
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  {
    "start": 421.14,
    "end": 428.94,
    "text": "Diese führte dazu, dass die DHL-Group schließlich einknickte und sich bereit erklärte, insgesamt elf Prozent mehr Lohn zu zahlen."
  },
  {
    "start": 430.02,
    "end": 434.7,
    "text": "Keine drei Wochen nach dem Abschluss verlegte DHL die Firmenzentrale von Bonn in den Hub."
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    "text": "So gefährdet war der Standort also doch nicht."
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  {
    "start": 438.5,
    "end": 445.38,
    "text": "Zentral für dieses, für die Arbeiterinnen und Arbeiter gute Ergebnis war der im Prozess neu aufgebaute Vertrauensleutekörper."
  },
  {
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    "text": "Unter ihnen Christopher."
  },
  {
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    "end": 457.78,
    "text": "Dass DHL nun die erstbeste Möglichkeit im Nachgang der Tarif-Auseinandersetzung nutzt, um die unliebsame Vertrauensleutestruktur anzugreifen, ist sicher kein Zufall."
  },
  {
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    "end": 463.32,
    "text": "Auf Nachfrage, ob es hier einen Zusammenhang gibt, antwortet der Konzernsprecher nicht mehr."
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  {
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    "end": 470.46,
    "text": "Zeitgleich führt die im Arbeitskampf aufgebaute Vernetzung unter den Beschäftigten auch zu Diskussionen über Waffenlieferungen."
  },
  {
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    "end": 474.04,
    "text": "Die Demonstration zum Flughafen hat das noch verstärkt."
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  {
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    "end": 488.14,
    "text": "Lina Awad von der AG Solidarität mit Christopher vom Palästina-Aktionsbündnis Leipzig kommentiert dazu, es gibt viel Unmut unter den Arbeitern über die Lieferung militärisch verwendbarer Güter an den Staat Israel."
  },
  {
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    "end": 498.4,
    "text": "Unser Marsch zum Flughafen und vor die Hallen von DHL Unsere Flugblätter mit Informationen zu den Lieferungen nach Israel haben diesen Unmut verstärkt."
  },
  {
    "start": 499.52,
    "end": 506.4,
    "text": "Nun steht die Frage auf der Tagesordnung, wie die Arbeiter sich dagegen wehren könnten, diese Lieferungen abfertigen zu müssen."
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    "end": 509.26,
    "text": "Das will DHL mit aller Kraft verhindern."
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    "text": "Awart weiter."
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    "end": 515.36,
    "text": "Die Kündigung Christophers sehen wir als Versuch der Einschüchterung der Belegschaft."
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    "end": 522.52,
    "text": "DHL versucht mit der Kündigung Diskussionen über Aktionen der Arbeiter gegen die Lieferungen in Angst zu ersticken."
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    "text": "Christopher ist nicht allein."
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    "end": 528.22,
    "text": "Ob das gelingt?"
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    "text": "In Reaktion auf seine Freistellung und Kündigung erfährt Christopher viel Zuspruch von seinen Kolleginnen und Kollegen."
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    "text": "Viele empfanden bereits die Einladung zum Personalgespräch in Folge des Redebeitrags als Zumutung."
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    "text": "Die nun ausgesprochene Kündigung macht viele stinksauer."
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    "text": "Am Samstag, dem siebenundzwanzigsten September, wurde ein Protestbrief aus dem gewerkschaftlichen Kontext veröffentlicht."
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    "end": 564.06,
    "text": "Unter der von Christopher geprägten Parole, kein Transport für Völkermord, fordern die über siebzig erst unterzeichnenden Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter die sofortige Rücknahme von Christopher's Kündigung."
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    "end": 575.52,
    "text": "Der Brief wird unterstützt von der Linke Bundestagsabgeordneten Mirze Edes, dem sächsischen Linke Landtagsabgeordneten Nam Duin Nguyen sowie dem Stadtverband der Linkspartei Leipzig."
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    "end": 581.76,
    "text": "Die Repression gegen Christopher scheint daher eher das Gegenteil der von DHL erhofften Wirkung zu entfalten."
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  {
    "start": 582.88,
    "end": 590.24,
    "text": "Die Unterstützung des Genozids in Gaza durch DHL erfährt nun noch mehr Öffentlichkeit und die Beschäftigten solidarisieren sich."
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]